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Ven a la isla tranquila vs. Ferien auf der Insel der Ruhe

Dimensionen kultureller Unterschiede zwischen Spanisch und Deutsch

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 30 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Übersetzung, Textfunktion und Übersetzungstyp
2.2 Der kulturelle Filter und kulturspezifische Unterschiede
2.3 Textanalyse und situative Dimensionen
2.4 Dimensionen kulturpaarspezifischer Unterschiede

3 Textanalyse: Kulturelle Unterschiede Spanisch-Deutsch
3.1 Textgrundlage
3.2 Explizitheit: Diskrepanzen in Bezug auf explizite Informationen
3.3 Spezifität und emotive “Geladenheit” der Lexik
3.4 Direkte Einbeziehung der Adressaten durch Pronomina und Verbformen
3.5 Indirekte Einbeziehung der Adressaten durch persönliche Konstruktionen

4 Schlussbemerkung
Anhang 1: Untersuchte Textteile des spanischen AT
Anhang 2: Untersuchte Textteile des deutschen ZT

Bibliographie

1 Einleitung

Ven a la isla tranquilaFerien auf der Insel der Ruhe: So lautet die jeweilige Über­schrift in einer spanischen Tourismusbroschüre und ihrer deutschen Über­setzung. Liest man beide Texte unabhängig voneinander, so wird einem kaum etwas auffallen; beide Formulierungen können in einem spanischen bzw. deut­schen Werbetext pro­blemlos vor­kom­men und als völlig unauffällige Wortwahl beurteilt werden. Werden sie jedoch direkt nebeneinandergestellt, zeigt sich, dass es sich hier keineswegs eine direkte wörtliche Übersetzung handelt; die beiden Konstruk­tionen sind grundlegend ver­schieden. Trotz unterschiedlicher Form können beide Überschriften inner­halb ihrer Texte zur intendierten Wirkung beitragen und führen damit eine ver­gleichbare Funktion aus.

Wie können also diese formalen Unterschiede gerechtfertigt werden und in einen größeren Kontext gebracht werden? Während in der Übersetzungs­wissenschaft lange Zeit der Vergleich von Original und seiner Übersetzung in Hinsicht auf die formale Art der Entsprechung auf den unteren Ebenen des Sprachsystems (d.h. Wort-, Phrasen- und Satz­ebene) im Vordergrund standen, liegt das Augenmerk in den neueren Ansätzen vermehrt auf der Textebene und dem funktionalen Aspekt (vgl. Chesterman 2004: 94), und oft wird als Ziel einer gelungenen Übersetzung nicht mehr eine formale Entsprechung einzelner Wörter oder Phrasen gefordert, sondern eine Äquiva­lenz auf funktionaler Ebene. Mit dieser Verschiebung einhergehend gewinnen text­linguistische Überlegungen für die Übersetzungs­wissenschaft an Bedeutung; vor allem das Konzept der Textsorten wird insofern wichtig, als jeder Text als Repräsentant einer bestimmten Textsorte gesehen werden muss und als solcher in seinem Kontext rezipiert wird. Diese Textsorten sind geschichtlich gewachsen und dadurch natürlich zu einem gewissen Grad kultur­abhängig (vgl. Göpferich 1999b: 62). Wird ein Text in eine andere Sprache über­setzt, so ändert sich auch der Kontext, in dem der neue Text steht; in der Zielkultur gelten nicht selten andere Textsortenkonventionen, die wiederum natürlich auch die Erwar­tungen der Rezipienten der Zielkultur steuern.

Um Übersetzungen im Hinblick auf ihre gelungene (oder weniger gelungene) Ein­bettung in diesen zielsprachlichen Kontext bewerten zu können, müssen natürlich die jeweiligen Textsortenkonventionen der beiden Kulturen und die Unterschiede zwischen ihnen (durch Analyse von Paralleltextkorpora) ermittelt werden und bei der Bewertung als Grundlage dienen (vgl. Göpferich 1999a). In dieser Arbeit möchte ich einen Vergleich einer spanischen Online-Touris­musbroschüre mit ihrer deut­schen Übersetzung anstellen; besonders sollen dabei kulturbedingte Unterschiede in Bezug auf die präferierte Art der Darstellung untersucht werden. Das Ziel ist, herauszuarbeiten, inwiefern bestimmte kulturelle Unterschiede, die für das Spra­chenpaar Englisch-Deutsch ermittelt worden sind, auch für die Sprachen Spanisch und Deutsch Gültigkeit besitzen.[1]

Kapitel 2 wird in die theoretischen Aspekte einführen; vorgestellt werden soll Juliane Houses übersetzungskritisches Modell. Anschließend wird ihre Idee des kulturellen Filters erläutert und werden Überlegungen angestellt zu einer prinzipiellen Vergleich­barkeit der von ihr aufgeführten Dimensionen kultureller Unterschiede zwischen Englisch und Deutsch mit denen des Sprachenpaares Spanisch und Deutsch. In Kapitel 3 schließlich soll diese Annahme anhand von Textteilen der spanischen Tourismus­broschüre und ihrer deutschen Übersetzung überprüft werden.

2 Theoretische Grundlagen

In ihrem Modell zur Bewertung von Übersetzungen erarbeitet House (House 1997) ein System, anhand dessen Ausgangstext (AT) und Zieltext (ZT) in ihren sprachlichen und situationsabhängigen Charakteristika analysiert und miteinander verglichen wer­den können. In diesem Kapitel sollen nun Houses grundlegenden Ideen einge­führt und erläutert werden.

2.1 Übersetzung, Textfunktion und Übersetzungstyp

Unter Übersetzung versteht House die Ersetzung eines Textes in der Ausgangs­spra­che durch einen sowohl semantisch als auch pragmatisch äquivalenten Text in der Ziel­sprache (House 1997: 31). Voraussetzung hierfür ist die Übereinstimmung der beiden Texte in Hinsicht auf ihre Funktion (House 1997: 32), wobei die Text­funktion definiert wird als „the application or use which the text has in the particular context of a situation“ (House 1997: 36), also der Gebrauch des Textes in seinem Situations­kontext. House unterscheidet hier strikt zwischen den Konzepten Textfunktion und Sprach­funktion: Während sich die sprachlichen Funktionen generell in eine kogni­tive und eine expressive oder emotiv-konative Funktion[2] unterteilen lassen, sei die­se Art von Klassifizierung, so House, für die Bestimmung der Funktion eines be­stimm­ten Textes ungeeignet, da ein Text – ebenso wie die Sprache an sich – alle Funktio­nen gleichzeitig wahrnehmen könne. Eine Text­typolo­gie, die auf einer Hierarchisierung der Funktionen, also auf der Annahme beruhe, dass eine der Funktionen überwiege, könne somit nur eine probabilistische sein (House 1997: 36). Dennoch sei eine grobe, voranalytische Klassifizierung der Texte nach ideationalen oder interpersonalen Texttypen, je nach Ausprägung der beiden Funktionen, hilfreich für das erste Herangehen an einen Text (House 1997: 35).

Während also die Äquivalenz der Textfunktion als oberstes Prinzip der Übersetzung gilt, unterscheidet House zwei Typen von Übersetzungen, die sie overt und covert translation nennt:[3]

In overt translation, the function of the translation is to enable its readers access to the function of the original in its original linguacultural setting through another language. This means, [sic] that there can be no simple functional equivalence, rather a type of “second level” function must be posited, which allows the translation receptor a view of the original through a foreign language while clearly operating in a different discourse world. (House 1997: 29)

Die Funktion einer solchen Übersetzung ist es also nicht, in der Zielkultur den Status eines Originals einzunehmen; dies wäre auch gar nicht möglich: House geht von einem gewissen Zusammenhang zwischen Art des AT und angemessenem Über­setzungs­typ aus (House 1997: 66), wobei typische Texte für eine overt translation solche sind, die in der Ausgangskultur einen gewissen Status erreicht haben und/oder in einer spe­zi­fischen Weise an die Sprechergemeinschaft der Ausgangskultur gebunden sind, wie z.B. literarische Werke oder politische Reden (vgl. House 1997: 66f). Hier kann eine direkte Übereinstimmung in Bezug auf die Textfunktion des AT und des ZT nicht mehr erreicht werden. Stattdessen muss eine Annäherung auf zweiter Ebene stattfinden, Houses second level function, die den veränderten Situationskontext der beiden Texte berücksichtigt und dem Empfänger der ZT-Kultur einen ähnlichen Zugang zum Text wie dem des ausgangssprachlichen Empfängers auf den AT erlaubt (House 1997: 67f).

Bei Houses zweitem Übersetzungstyp, der covert translation, können und müssen AT und ZT in ihrer Textfunktion übereinstimmen; hier genießt der ZT in der Ziel­kultur den Status eines Originals, d.h. er ist nicht als Übersetzung markiert und imitiert quasi die Funktion des AT in der Ausgangskultur (House 1997: 29):

[In the case of covert translation], an equivalence is sought in and via the vessel of the new language for the function that the original has in its linguacultural setting. One of the means of achieving this functional equivalence is through the employment of a cultural filter, with which shifts and changes along various pragmatic parameters [...] are conducted. (House 1997: 29f)

Für eine solche covert translation prädestinierte Ausgangstexte sind nicht speziell an ein bestimmtes Publikum der Ausgangskultur gerichtet. Für den ZT wird es dadurch möglich, dass er für das zielsprachliche Publikum von demselben Interesse ist wie der AT für die ursprünglichen Adressaten, und dass beide Adressaten­gruppen jeweils gleichermaßen direkt angesprochen werden (House 1997: 69).

2.2 Der kulturelle Filter und kulturspezifische Unterschiede

Die Schwierigkeit für die Herstellung von Funktionsäquivalenz in der Übersetzung besteht nun darin, dass in den jeweiligen Sprachgemeinschaften bestimmte kul­turell bedingte Vorstellungen[4] vorherrschen, die die Erwartungshaltung der Adressa­ten­gruppen an den Text und ihre Rezeption des Textes beeinflussen. Um eine entsprechende Textfunktion für den ZT zu erreichen, muss der Übersetzer die kul­turellen Vorstellungen beider Kulturen in Betracht ziehen und den kulturell be­dingten Bedürfnissen der zielsprachlichen Adressaten gerecht werden (House 1997: 70): „The translator has, as it were, to view the source text through the glasses of a target culture member“ (House 1997: 70). Diese Art der Anpassung der Über­setzung an die kulturellen Bedürfnisse der Zielkultur nennt House cultural filter.

Dieser kulturelle Filter kommt immer dann zur Anwendung, wenn entscheidende kul­turelle Differenzen zwischen Ausgangs- und Zielkultur angenommen werden. Wichtig ist hier anzumerken, dass House prinzipiell eine „non-risk taking“-Strategie (House 1997: 71) vertritt und von einer prinzipiellen kulturellen Vergleichbarkeit aus­geht, was bedeutet, dass ein kultureller Filter erst dann angewendet werden darf, wenn kulturelle Unterschiede durch empirische Studien als gesichert gelten (z.B. durch interkulturelle Vergleiche von textsortenspezifischen Textkorpora).[5] Solche kulturellen Unterschiede kann es jedoch nicht nur zwischen entfernten Kul­tu­ren geben, sondern auch zwischen relativ nah verwandten, wie etwa innerhalb der westli­chen Kulturen; dort sind sie dann allerdings von weniger grundlegender Natur und beziehen sich z.B. auf Wertvorstellungen und Gewohnheiten oder auch kommu­nikative Präferenzen wie Betonung oder Vernachlässigung bestimmter Einstel­lun­gen oder Emotionen. Prinzipiell kann es also zwischen jedem beliebigen Kulturpaar sol­che Unterschiede geben (House 1997: 71).

2.3 Textanalyse und situative Dimensionen

Eine ideale Übersetzung zeichnet sich also nach Houses Modell durch die Über­einstimmung der Textfunktion (im Falle von overt translations auf zweiter Ebene) aus. Um diese Textfunktion zu ermitteln, ist nun eine umfassende Text­analy­se un­ver­zicht­bar, die den bestimmten Situationskontext der betreffenden Texte erfasst und ein textuelles Profil des Ausgangstextes erstellt, an dem im nächsten Schritt der Zieltext gemessen wird (vgl. House 1997: 42). Hierfür ent­wickelt House ein Analysemodell, das den Kontext bzw. die Situation, in der der Text angesiedelt ist, auf einzelne pragmatische Dimensionen herunterbricht, die dann einzeln anhand sprachlicher Mittel untersucht werden können (House 1997: 37).

In ihrem überarbeiteten Modell von 1997 (siehe Grafik S. 10) übernimmt House eine systemisch-funktionale Perspektive und geht von drei Bereichen aus, die sich auf die Textfunktion (also den Gebrauch des Textes im Kontext) auswirken: Zum einen gibt es als Ausgangsbasis den Text selbst (language/text), dessen linguistische Mittel analysiert werden. Zum anderen werden die Kategorien register und genre angesetzt, wobei genre als Verbindung zwischen register und der Textfunktion (indi­vidual textual function) fungiert und die Beziehung zwischen Textfunktion, sprach­lichen Charakteristika und sozialem Gebrauch des Textes verdeutlichen soll (House 1997: 105ff):

[G]enre is a socially established category characterized in terms of occurrence of use, source and communicative purpose or any combination of these. [...] [G]enre might serve as a category linking register (which realizes genre) and the individual textual function (which exemplifies genre). (House 1997: 107)

Genres entsprechen also dem Konzept der Textsorten in der Textlinguistik;[6] sie wer­den von House als sozial gewachsene, vorwissenschaftliche Kategorien gesehen, als kulturelle Diskurstypen, die von den Mitgliedern der Gemeinschaft aufgrund von bestimmten Verwendungen sprachlicher Mittel (d.h. eines bestimmten Registers) als solche wahrgenommen werden, wie z.B. Kinderbücher oder wissenschaftliche Arti­kel (House 1997: 105ff, 159). Das Konzept register ist dem genre insofern untergeordnet, als es hier nicht um Diskurstypen, sondern um bestimmte Aus­prägungen von lexikalischen und gramma­tischen Mitteln geht, die wiederum auf­grund von genrebedingten Kriterien gewählt werden (House 1997: 105f). Martín-Martín führt an, dass es sich bei diesen Konzepten aus der systemisch-funktionalen Linguistik um komplementäre Variablen handelt, wobei er register als „the imme­diate situational context in which the text was produced“ bezeichnet und genre als „the overall purpose of function [sic] of the interaction“ (Martín-Martín 2005: 46), und dass genre als abstrakter und genereller zu verstehen ist als register (Martín-Martín 2005: 47). Die Textanalyse spielt sich hauptsächlich im Bereich des Registers ab: House unterteilt diese Kategorie, der Hallidayschen Terminologie folgend, in field, tenor und mode (vgl. Halliday/Hasan 1989: 12), die bei House in weitere Bereiche unter­gliedert sind; dabei bezieht sich field auf Gegenstand des Textes und äußert sich bei­spielsweise in allgemeiner oder spezifischer Lexik (House 1997: 108). Tenor erfasst die interpersonale Beziehung von Autor und Adressaten und ihre sozialen Rol­len (vgl. Martín-Martín 2005: 46) – etwa in Bezug auf soziale Machtrelationen (sym­me­trische oder asymmetrische Machtverteilung: social role relationship) oder soziale Nähe bzw. Distanz (social attitude) – ebenso wie die zeitliche, soziale und geo­graphische Herkunft des Autors (wobei bei in dieser Hinsicht unmarkierten Texten vom „construct of the educated middle class speaker of standard language“ ausgegangen wird; House 1997: 38) und dessen intellektuelle und affektive Ein­stellung gegenüber dem vermittelten Inhalt (author’s provenance and stance; House 1997: 108f). Mode schließlich befasst sich mit dem Kommunikationsmedium (medium) und dem Grad, zu dem eine (potentielle oder tatsächliche) Interaktion der Adressaten ermöglicht wird (participation). Hier bezieht sich House explizit auf Bibers drei Dimensionen, entlang derer sprachliche Mittel typischerweise ein be­stimmtes Medium realisieren, d.h. vorzugsweise in gesprochener oder geschrie­be­ner Sprachverwendung vorkommen.[7] Wann immer Texte eines bestimmten Me­diums typische Merkmale des anderen aufweisen, klassifiziert House dies als complex medium/participation – im Gegensatz zu simple, wenn die typischen Para­me­­ter mit dem Medium korrespondieren (House 1997: 109).

[...]


[1] Auf eine Ermittlung solcher Unterschiede durch Vergleich von genügend großen Textkorpora der spezifischen Textsorte, der eigentlich für ein zuverlässiges und begründbares Ergebnis unerlässlich ist (vgl. Göpferich 1999a: 184), muss hier natürlich verzichtet werden, da dies weit über den Rahmen dieser Arbeit hinausgehen würde.

[2] Die kognitive Funktion entspricht Bühlers Darstellungsfunktion oder auch Hallidays idea­tiona­ler Funk­tion, indem sie sich auf die Funktion von Sprache bezieht, die Welt zu beschreiben und „sich auf Gegenstände und Sachverhalte der Wirklichkeit“ zu beziehen (Bußmann 2002: 487). Die expressive bzw. emotiv-konative Funktion bringt Einstellungen und Gefühle des Individuums zum Ausdruck (vgl. House 1997: 34) und hat damit grundlegende Ähnlichkeit sowohl zu Bühlers Ausdrucks- und Appell­funktion als auch zu Hallidays interpersonaler Funktion, die sich auf die Beziehung der Kommunika­tions­partner bezieht und sich im Ausdruck von Einstellungen und Urteilen bzw. Wertungen der Betei­lig­ten äußert (vgl. Halliday 2004: 29f, Halliday/Hasan 1976: 26f).

[3] Diese Typen dürfen dabei nicht als Entweder-Oder-Klassifizierung verstanden werden, sondern stellen die beiden Endpunkte auf einer Skala dar (House 1997: 30).

[4] House geht hier von einem anthropologischen Kulturkonzept aus und definiert Kultur als „a group’s dominant and learned set of habits, [...] the totality of its non-biological inheritance involving pre­suppo­sitions, values and preferences” (House 1997: 70). Sprache als wichtigstes Kommunika­tions­mittel ist immer in einem bestimmten kulturellen Rahmen eingebettet und stellt dabei „the prime instrument of a ‘collective knowledge reservoir‘ to be passed on from generation to generation“ dar (House 2004: 495). Dies hat zur Folge, dass jede sprachliche Äußerung auch immer in ihrem kultu­rel­len Zusammenhang gesehen werden muss, um ihren Sinn komplett erfas­sen zu können: „Linguistic units […] can in any case never be fully understood in isolation from the particular cultural pheno­mena for which they are symbols“ (House 2004: 496).

[5] Sollte ein kultureller Filter ungerechtfertigterweise zum Einsatz kommen, so klassifiziert House den ZT nicht mehr als Übersetzung, sondern als covert version (House 1997: 73).

[6] Textsorten werden in der Textlinguistik gefasst als Sammelbegriff auf niederer Abstraktionsebene für Texte, die sowohl textinterne als auch situative Gemeinsamkeiten auf verschiedenen Ebenen auf­weisen, wie etwa der kommunikativen Funktion, der äußeren Textgestalt, dem thematischen Inhalt sowie bestimmten charakteristischen Struktur- und Formulierungseigenschaften (Heinemann 2000: 513, 519). Textsorten gehören zum Alltagswissen, und ihre spezifischen Konventionen dienen als Er­ken­nungssignale eines Textes als Vertreter einer bestimmten Textsorte, steuern das Textverstehen und lösen ihrerseits bestimmte Erwartungshaltungen der Rezipienten aus (Göpferich 1999b: 62). Die­se Konventionen sind veränderlich und können kulturspezifisch sein (Schäffner 2004: 490); dement­sprechend wichtig ist es natürlich für Übersetzer gerade im Fall von informativen Texten, die jewei­ligen Textsortenkonventionen zu kennen und sie einzuhalten, da Abweichungen „die Aufmerksam­keit des Lesers […] von der Inhaltsebene des Textes“ ablenken (Göpferich 1999b: 63).

[7] In seinen Registerstudien führt Biber (Biber 1988) folgende Parameter an, anhand derer sich die Register gesprochener und geschriebener Sprache typischerweise unterscheiden, wobei bestimmte Ausprägungen der Parameter jeweils typisch für schriftliche und mündliche Sprachverwendung sind; typische Textsorten sind dabei jeweils der akademische Diskurs und die ungeplante Unterhaltung:

“(1) Involved vs informational Text Production
(2) Explicit vs Situation-Dependent Reference
(3) Abstract vs Non-Abstract Presentation of Information” (House 1997: 109f; vgl. Biber 1988: 115)

Details

Seiten
30
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640650927
ISBN (Buch)
9783640651078
Dateigröße
913 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152993
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
1,0
Schlagworte
Übersetzungswissenschaft House kulturelle Unterschiede spanisch deutsch Tourismusbroschüre kultureller Filter

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