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Agrarbiodiversität in den Tropen

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 19 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Begriffsklärung
2.1 Nutzpflanzen
2.2 Biodiversität

3. Agrarbiodiversität in den Tropen
3.1 Landsorten
3.2 Gründe für eine besonders hohe Agrarbiodiversität in den Tropen

4. Praxis des biodiversen Anbaus in den Tropen
4.1 Mischanbau

5. Gründe für den Erhalt von Agrarbiodiversität in den Tropen
5.1 Erhöhter Ertrag an Nahrung bei Mischkultur
5.2 Erhalt der Landsorten für zukünftige Zuchtprogramme
5.3 Ungenutztes Potential der Tropen

6. Die Erhaltung tropischer Agrarbiodiversität
6.1 Die Ex sito-Konservierung
6.2 Die In sito-Konservierung

7. Institutionelle Erhaltung tropischer Agrarbiodiversität
7.1 Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO)
7.2 International Rice Research Institute (IRRI)
7.3 Centro Internacional de Agricultura Tropical (CIAT)

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Printmedien

Internet

1. Einleitung

Denkt man an die Tropen, so hat man schnell das Bild von allerlei tropischen Früchten, überfüllten Marktständen mit exotisch aussehendem Gemüse und duftenden Gewürzen vor Augen. Schier grenzenlos sind die Möglichkeiten des Anbaus von Pflanzenarten in den Tropen. Oftmals gibt es noch regionale Sorten die nur in einem Gebiet angepflanzt werden. Die Agrarbiodiversität spiegelt sich nicht nur in einer großen Arten- und Sortendiversität wieder auch die Form des Mischanbaus ist ein Ergebnis der Agrarbiodiversität in den Tropen. Ziel dieser Arbeit ist es, herauszufinden, warum es gerade in den Tropen eine solch große Anzahl an Nutzpflanzen gibt und ob die traditionelle Form des Mischanbaus noch Zeitgemäß ist. Desweiteren sollen Möglichkeiten und Institute die für einen Erhalt dieser Diversität kämpfen vorgestellt werden.

2. Begriffsklärung

2.1 Nutzpflanzen

„Nutzpflanzen sind diejenigen Pflanzen, die vom Menschen zur Entwicklung und zum Erreichn definierter Ziele eingesetzt und weiterentwickelt werden. Dabei sind untersciedlichste Nutzungsformen möglich. Die Nutzungsziele und -formen decken das gesmte Spektrum menschlicher Bedürfnisse ab“ (Lieberei und Reisdorff 2007: 3). Unte Nutzpflanzen versteht man demnach nicht nur Kulturpflanzen also Pflanzen, die vom Menschen angebaut werden, sondern auch nutzbare Wildpflanzen, die aus der Natur entnommen werden. Die Ernährung des Menschen spielt im Nutzpflanzenanbau und dem Sammeln von Pflanzen oberste Priorität. Pflanzen die direkt zur Ernährung dienen nehmen insbesondere in den Tropen eine hervorgehobene Stellung ein, da hier die Veredelung von Pflanzlicher Biomasse in tierisches Eiweiß weniger ausgeübt wird, als in anderen Breitenlagen (Caesar 1986: 11).

2.2 Biodiversität / Agrarbiodiversität

Unter Biodiversität versteht man allgemein die Vielfalt des Lebens. Allerdings gibt es eine Vielzahl von Autoren, die unter Biodiversität nicht nur eine Anzahl von Arten sehen, sondern auch Ökosysteme und die Diversität der Gene mit in ihre Definitionen aufnehmen. Folgende Definition beinhaltet die gesamte Bandbreite an Variabilität zwischen Systemen und Organismen: „Number and quality of different biological systems and interactions on all hierarchical levels within certain dimensions of time and space“ (Solbrig 1991: 12). Da es sich bei dem vorliegenden Text um eine Arbeit mit dem Thema Agrarbiodiversität in den Tropen handelt, muss festgelegt werden, was im Folgenden unter Biodiversität in der Landwirtschaft verstanden wird. Es wird darauf hingewiesen, dass diese Arbeit unter Diversität in der Landwirtschaft sowohl einen hohen Anteil von verschiedenen Arten als auch eine hohe Sortenanzahl von Feldfrüchten versteht. Der Begriff Agrarbiodiversität ist recht neu und wird daher in den Quellen recht unterschiedlich gebraucht. Manchmal wird die Agrarbiodiversität verkürzt als Agrobiodiversität bezeichnet. Beide Begriffe bezeichnen aber die Arten und Sortenvielfalt in der Landwirtschaft.

3. Agrarbiodiversität in den Tropen

Ob der Mensch im Laufe der Geschichte Ackerbau zum ersten mal im Nahen Osten oder auf Papua Neuguinea betrieb, wird von Wissenschaftlern noch immer stark diskutiert. Sicher ist nur, dass der Mensch vor etwa 10.000 Jahren damit begann, durch gezielten Anbau von Pflanzen in die Natur einzugreifen. Durch diesen Eingriff wurde nicht nur Natur zerstört, es entstanden auch neue Arten. Durch menschlichen Eingriff in den natürlichen Ausleseprozess wurden Pflanzensorten gezüchtet, die es ohne den Menschen so nicht in der Natur geben würde. Der Mensch hat also zu einer höheren genetischen Differenzierung bei den von ihm genutzten Pflanzen beigetragen. Die durch den Menschen entstandene Vielfalt findet sich weniger in Pflanzenarten als in den Sorten der einzelnen Arten wieder. (Wullweber 2004: 20). Auf dem Indischen Subkontinent gab es einst fast 50.000 verschiedene Reissorten die angebaut wurden. Wie es zu einer solch hohen Sortenvielfalt kam soll im folgenden Punkt geklärt werden.

3.1 Landsorten

Wie bereits erwähnt wird durch gezieltes Auslesen eine bestimmte Eigenschaft einer Pflanze an die nachfolgende Generation weitergegeben. Nach und nach entsteht so eine neue Sorte. Im Laufe der Zeit wurde die Art der Auslese und Züchtung perfektioniert und es entstanden die sogenannten Landsorten. „Diese zeichnen sich dadurch aus, dass es sich um lokal angebaute Sorten handelt, die durch LandwirtInnen in einem langen Prozess an die speziellen Umweltbedingungen des jeweiligen Gebietes angepasst wurden“ (Wullweber 2004: 20). Nicht nur die Umweltbedingungen sondern auch die lokalen Essgewohnheiten wurden bei der Züchtung der Landsorten berücksichtigt. Die Landsorten spielen vor allem in den nichtindustrialisierten Ländern der Tropen eine große Rolle. Während die meisten Landsorten in den gemäßigten Breiten von Hochleistungssorten der modernen Pflanzenzüchtung während der letzten 100 Jahre verdrängt wurden, lässt sich in den niederen Breiten noch immer eine große Vielzahl von lokal angebauten Sorten finden.

3.2 Gründe für eine besonders hohe Agrarbiodiversität in den Tropen

Sieht man sich die Verteilung der Gefäßpflanzendichte auf der Erde an, so stechen die tropischen Gebiete besonders hervor. Der Tropische Artenreichtum an Pflanzen spiegelt sich auch in den Gärten der Bewohner wieder. In den Tropen konnten aus den vielen vorhandenen, wildwachsenden Pflanzenarten eine ebenso große Zahl von Pflanzen domestiziert werden. So wachsen in Hausgärten in Thailand mehr als 230 Spezies. In Java liegt diese Zahl sogar bei 607 Spezies und kann mit der Artendiversität eines halbimmergrünen Regenwaldes verglichen werden (Shiva 2001:130). Doch nicht nur die Artenzahl ist ungleich höher als in anderen Breitengraden auch die Sortenanzahl ist extrem hoch. Allein in den peruanischen und bolivianischen Anden werden 2000 Kartoffelsorten angebaut und das schon seit 7000 Jahren (CIP 2009). Diese große Anzahl an Kartoffelsorten ist natürlich nicht allein durch Zucht erreicht worden denn schließlich kommt die Kartoffel mit 3000 Arten wild in den Anden vor. Doch ist diese Zahl bemerkenswert, vergleicht man die Anzahl der in Deutschland angebauten Kartoffeln, die mit 211 Sorten um einiges geringer ausfällt (bmbf 2009; CIP 2009). Wie bereits in Punkt 3.2 erwähnt fand die Züchtung von Landsorten in kleinen Arealen statt wo sie an die jeweiligen Bedingungen und Gewohnheiten der Bevölkerung angepasst wurden. Fragt man also nach den Gründen für eine besonders hohe Agrarbiodiversität in den Tropen, so kann man neben den Grund der bereits natürlich vorkommenden Arten- und Sortendichte an Pflanzen, auch die besonders hohe kulturelle Diversität der Tropen als Grund für eine hohe Sortenanzahl nennen. Es lässt sich in einem bestimmten Maße eine Kongruenz von angebauten Sorten und der kulturellen Diversität feststellen. Es werden zum Beispiel allein auf dem zu Papua Neuguinea gehörenden Teil Neuguineas ca. 800 verschiedene Sprachen gesprochen (Auswärtiges Amt 2009) und mehr als 3000 Arten von Süßkartoffeln angebaut, dabei mehr als 20 Sorten pro Garten (Shiva 2001:130).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Biodiversität veranschaulicht anhand der Gefäßpflanzendichte.

http://www.omnia-verlag.de/upload_files/weltkarte_biodiversitaet.pdf

4. Praxis des biodiversen Anbaus in den Tropen

4.1 Mischanbau

„Die vorherrschende Anbauweise in der shifting cultivation ist ein ungeregelter Mischanbau" (Caesar 1986: 156). Unter diesen Mischanbau ist kein ganz willkürliches Anbauen von verschiedenen Pflanzen gemeint. Das Wort „ungeregelt“ bezieht sich hier nur auf die räumliche Einteilung, nicht auf die zeitliche Abfolge von Saat, Pflanzung und Ernte. Hier ist sehr wohl eine geregelte Ordnung festzustellen. Das Feld beherbergt deshalb eine große Arten und Sortendichte, da es sich beim Wanderfeldbau meist um Subsistenzwirtschaft handelt und der Landwirt alles was er an Nahrung benötigt selbst anbauen muss. Es ist daher von Vorteil, wenn auf dem Feld immer etwas geerntet werden kann, zumal die Vorratshaltung in den Tropen aufgrund der hohen Temperaturen Probleme mit sich bringt (Caesar 1986: 146, 156). Damit der Mischanbau eine ordentliche Ernte abwirft, werden zu erst die Pflanzen angebaut, die am empfindlichsten gegenüber Konkurrenz sind. Dies ist z.B. Reis, Soghum oder Sesam. Haben diese Pflanzen eine Bestimmte Wuchshöhe erreicht, kann damit begonnen werden, Kulturen zu pflanzen, die eine langsame Jugendentwicklung haben und den Boden erst nach der Ernte der Konkurrenzempfindlichen Pflanzen bedecken und ausnutzen wie z.B. Maniok, Yams und Bananen. Es ist auch möglich zwischen diesen Gewächsen Mais, Süßkartoffeln und Bohnen anzubauen. Neben der bereits erwähnten gleichmäßigen Haushaltsversorgung sind als weitere Vorteile noch eine Senkung des Ertragsrisikos und eine Verringerung des Befalls von Krankheiten und Schädlingen zu nennen. Doch diese Form des Anbaus bringt auch Nachteile mit sich. Der Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmittel wird erschwert, da jede Pflanze andere Bedürfnisse hat. Das Ernten mit Arbeitshilfsmitteln wird zudem erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht (Caesar 1986: 156-157).

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Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640648511
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152977
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg – Institut für Geographie
Note
1,4
Schlagworte
Biodiversität IRRA CIPRA Landwirtschaft in den Tropen agrobiodiversität agrarbiodiversität

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Titel: Agrarbiodiversität in den Tropen