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Didaktik der Vermittlung des Islam im Evangelischen Religionsunterricht

Seminararbeit 2009 15 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Christen und Muslime in Deutschland

2. Didaktik im Evangelischen Religionsunterricht
1. Didaktik undFachdidaktikReligion:Begriffsdefinitionen
2. Ziele des Evangelischen Religionsunterrichts

3. Unterrichtsentwurf1:Religionsunterrichtpraktisch
1. Anspruch und Ziele
2. Aufbau und Inhalte
3. Didaktik

4. Unterrichtsentwurf2:Relifix
1. Anspruch und Ziele
2. Aufbau undlnhalte
3. Didaktik

5. Vergleichundlerntheoretische Einordnung

Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Einleitung

Unsere Gesellschaft wird immer multikultureller und mit den Kulturen wächst auch die Zahl der religiösen Bekenntnisse. Insbesondere der Dialog zwischen Christentum und Islam ist in aller Munde. Wie er allerdings geführt werden soll, darüber teilen sich die Meinungen. Bei vielen Dialogveranstaltungen müssen die Anwesenden feststellen, dass ihr Wissen von der anderen Religion nicht vollständig und oft sogar falsch ist. Vorurteile können sich leicht einschleichen, wo man das Andere nur vom Hören-Sagen kennt. Daher spielt die systematische Vermittlung von Informationen über andere Religionen - hier: über den Islam - eine wichtige Rolle. Und wo könnte eine solche Vermittlung besseren Raum finden als in der Schule?

Im Lehrplan des evangelischen Religionsunterrichts ist der Islam bereits in der vierten Klasse zu finden. Die Frage ist nun: Was wird hier eigentlich wie wann warum vermittelt? Welches Ziel hat die Vermittlung des Islam im evangelischen Religionsunterricht, wie sind er und das Verhältnis des Christentum zu ihm dargestellt? Kann anhand dieser Darstellung und der Art der Vermittlung, der Didaktik des Unterrichts das selbst gesetzte Ziel erreicht werden?

In der vorliegenden Arbeit werde ich mich nach einer kurzen Darstellung der aktuellen Situation von Christen und Muslimen in Deutschland, der Didaktik allgemein und der Unterrichtsdidaktik des evangelischen Religionsunterrichts widmen. Hierbei liegt ein besonderer Schwerpunkt auf dem Ziel des Unterrichts und der Rolle der nichtchristlichen Religionen in selbigem. Weiterhin werde ich zwei beispielhafte Unterrichtsentwürfe für den evangelischen Religionsunterricht der vierten Klasse und insbesondere ihre den Islam betreffenden Kapitel auf Ziel, Inhalt und Didaktik hin betrachten und im Vergleich herausarbeiten, ob und wie diese beiden Entwürfe ihr(e) Ziel(e) und die Ziele des evangelischen Religionsunterrichts (soweit sich diese nicht entsprechen) erreichen.

1. Christen und Muslime in Deutschland

„War die erste Generation von Migrantinnen und Migranten vor einigen Jahrzehnten noch im Gefolge des Zusammenbruchs der Kolonialreiche oder als so genannte Gastarbeiter gekommen, so hat sich das Bild heute grundlegend gewandelt. Neben einer wachsenden Zahl von europäischen Neumuslimen sind es vor allem die Nachkommen in der dritten oder gar vierten Generation, die dazu beigetragen haben. Die Vorstellung, der Aufenthalt von Muslimen sei nur temporärer Natur, ist mithin obsolet“ (Brunner 2005, 8). Konkret für Deutschland bedeutet dies: 3,5 Millionen Muslime gegenüber mehr als 50 Millionen landeskirchlicher Christen (ev. und kath.). Unter den etwa 2200 islamischen Gebetsräumen sind nach muslimischen Angaben „bis März 2000 in Deutschland 66 ’klassischen Moscheen’ eröffnet worden“ (EKD 2000, 79), Tendenz steigend, denn die Muslime bleiben und wollen sich endlich auch nach außen fest etablieren. Dies führt in vielen Fällen zu großem Konfliktpotential, ähnlich auch Diskussionen um das Kopftuchverbot oder den islamischen Religionsunterricht an deutschen Schulen. „Doch entscheidend ist, wie mit Konflikten umgegangen wird. Unterschiede nicht zu verwässern, sondern Konturen zu schärfen, ist eine erste Voraussetzung. Dann muss die Energie, die in Konflikten freigesetzt wird, in konstruktive Bahnen gelenkt werden, um neue Lösungen für schwierige Probleme finden zu können“ (Leggenwie; Joost; Rech 2002, 35). Oft fehlt allerdings ein ausreichendes Gespräch über Selbstverständlichkeiten, die unbewusst vorausgesetzt werden, weil sie zur eigenen Kultur gehören. Den Anderen zu verstehen fällt dann besonders schwer. Zu nennen wäre hier beispielsweise das schon erwähnte Kopftuch: „Viele Menschen in Deutschland werden eine Kopftuch tragende Muslima mit hoher Wahrscheinlichkeit als unterdrücktes Opfer männlich­religiöser Herrschaft und die Gleichstellung der Frau in Frage gestellt sehen. Das verhindert oft ein Gespräch, mit dem eventuell deutlich würde, wie unterschiedliche Motive es dafür gibt, ein Kopftuch zu tragen: Es kann Ausdruck männlichen oder familiären Zwanges sein, aber auch eine bewusste und autonome Entscheidung der Frauen, um sich selbstbestimmt und frei bewegen zu können [...] Ohne dass die Position des Gegenübers geteilt oder übernommen werden würde, ist der ursprüngliche Affront, eine Quelle häufiger Missverständnisse und ewiger Reibereien, abgemildert“ (ebd., 35-36). Daraus folgt, dass aktive Dialogteilnehmer nicht nur Informationen über den Anderen benötigen, sondern auch die Fähigkeit zum Dialog inklusive aller nötigen Offenheit und Selbstreflexivität.

2. Didaktik im Evangelischen Religionsunterricht

2.1 Didaktikund FachdidaktikReligion: Begriffsdefinitionen

Die Didaktik bezeichnet die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Unterricht. Dieser wiederum besteht in der „gezielte[n] Planung, Organisation und Gestaltung von Lehr- Lern-Prozessen“ (Krüger; Helsper 2006, 91). Die Didaktik „strebt eine Synthese von Anforderungen der Gesellschaft und Interessen des Individuums an. Didaktik in einem umfassenden Sinne beschäftigt sich mit drei Ebenen der Theoriebildung: a) mit den globalen Ziel- und Wertvorstellungen einer Gesellschaft, b) mit dem Lehrplan als Trägerjener globalen Ziel- und Wertvorstellungen und c) mit Modellen der Planung und Analyse von Unterricht, also damit, wie die Vermittlung von Inhalten möglichst optimal gestaltet werden kann“ (ebd., 92).

Zur Definition der Fachdidaktik Religion ist es erforderlich, sich auch die Begriffe der Religionspädagogik und der Religionsdidaktik zu vergegenwärtigen, da diese im allgemeinen Sprachgebrauch oft synonym verwendet werden. Zur Unterscheidung der Bedeutung der einzelnen Termini können sie in das folgende Verhältnis gesetzt werden:

,,- Warum? Religionspädagogik als übergreifende Theorie fragt nach den theologischen und pädagogischen Begründungen für religiöse Bildung und macht grundlegende Optionen transparent. Hier sind alle Lernfelder im Blick. [...]

- Wohin? Was? Wer? Religionsdidaktik reflektiert die Struktur und die Ziele religiöser Bildung für konkrete Lernorte. Sie entwickelt Konzepte, die als Steuerungsinstrumente für religionspädagogisches Handeln fungieren. [...]
- Bedingungen Schule? ’Fachdidaktik Religion’ ist an der Ausbildung von religiös Lehrenden interessiert und reflektiert den konkreten Unterricht im Lernfeld Schule. Sie fragt insbesondere nach den konkreten Inhalten (z.B. durch Curricula, Lehr- und Bildungspläne) und nach den konkret handelnden Personen (z.B. Schulklasse, Lehrperson). [...]
- Wie? Erst im letzten Schritt untersucht die Religionsmethodik die Lernwege bzw. Methoden für die angestrebten Ziele. Dabei hat sie die zu behandelnden Inhalte ebenso im Blick wie die konkreten Lernenden. [...]

Wie alle Begriffe in (Religions-)Pädagogik und Bildungstheorie sind auch diese Termini nicht streng unterschieden“ (Boschki 2008, 135) und überlappen sich an vielen Stellen. Dennoch lässt sich der Schwerpunkt dieser Arbeit auf die Fachdidaktik Religion begrenzen, die sich unter anderem mit Unterrichtsmaterialien und Schulbüchern beschäftigt. Weiterhin wird es nötig sein, die Religionsmethodik, die in den ausgewählten Beispielen verwendet wird, detaillierter zu betrachten.

2.2 Ziele des Evangelischen Religionsunterrichts

Diese Arbeit betrachtet ausschließlich den Evangelischen Religionsunterricht an Schulen. Daher ist es nötig, sich in Kürze mit deren Funktionen vertraut zu machen, um den Anspruch und das Umfeld des Religionsunterrichts besser verstehen zu können. Man kann zwischen vier Funktionen unterscheiden (vgl. Marotzki, Nohl, Ortlepp 2005, 39-41):

- Qualifikationsfunktion: Schüler sollen Qualifikationen erwerben, die ihnen im späteren Berufsleben von Nutzen sind.
- Allokationsfunktion/Selektionsfunktion: Schüler sollen ihren Leistungen entsprechend für verschiedene Bildungswege ausgewählt werden, womit sich ihnen jeweils bestimmte soziale Chancen eröffnen oder verschließen.
- Integrationsfunktion/Legitimationsfunktion: Für das Zusammenleben in einer Gesellschaft sollen den Schülern gesellschaftliche Grundwerte vermittelt, sowie ihnen die Möglichkeiten der Mitwirkung an einer Demokratie erschlossen werden.
- Personalisationsfunktion: Die Individualität der Schüler soll gefördert werden, sodass sie im Hinblick auf ihr restliches Leben fähig werden, „sachlich, fachlich, ästhetisch und moralisch in begründeter Weise zu urteilen [...] Durch die Wahrnehmung dieser Funktion übernimmt die Schule eine wesentliche Verantwortung gegenüber den Heranwachsenden, sie auf dem Weg zur Biographisierung ihres Lebenslaufes so zu begleiten und zu unterstützen, dass sie den Herausforderungen der Wissensgesellschaft gewachsen sein werden“ (ebd., 41).

Der Religionsunterricht unterstützt vorallem die Personalisationsfunktion, da er „zu verantwortlichem Denken und Verhalten im Hinblick auf Religion und Glaube befähigen“ (Boschki 2008, 98) soll. Als engere Teilziele können genannt werden:

- „Der Religionsunterricht weckt und reflektiert die Frage nach Gott, nach der Deutung der Welt, nach dem Sinn und Wert des Lebens und nach den Normen für das Handeln des Menschen und ermöglicht eine Antwort aus der Offenbarung und aus dem Glauben der Kirche.
- Der Religionsunterricht macht vertraut mit der Wirklichkeit des Glaubens und der Botschaft, die ihm zugrunde liegt, und hilft, den Glauben denkend zu verantworten.
- Der Religionsunterricht befähigt zu persönlicher Entscheidung in Auseinandersetzung mit Konfessionen und Religionen, mit Weltanschauung und Ideologien und fördert Verständnis und Toleranz gegenüber der Entscheidung anderer.
- Der Religionsunterricht motiviert zu religiösem Leben und zu verantwortlichem Handeln und Kirche und Gesellschaft“ (Beschluss der Gemeinsamen Synode der Bistümer in der BRD 1974, zitiert in: Boschki 2008, 98-99).

Religionsunterricht an der Schule orientiert sich also einerseits in die Richtung der Biografie des Einzelnen (Personalisationsfunktion) und andererseits in Richtung der Gesellschaft (Integrationsfunktion).

Für diese Arbeit ist vorallem der dritte Punkt interessant, denn hier finden wir die Ursache dafür, dass überhaupt andere Religionen im Evangelischen Religionsunterricht behandelt werden: Die Schüler sollen die Fähigkeit erwerben, mit religiöser Pluralität umzugehen. Dies ist das allgemeine Ziel, das - unabhängig von den eigenen Zielen eines Lehrenden oder der im Folgenden behandelten Unterrichtsentwürfe - für die Vermittlung u.a. des Islams im schulischen evangelischen Religionsunterricht gilt.

[...]

Details

Seiten
15
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640646784
ISBN (Buch)
9783640646265
Dateigröße
432 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152849
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Lehrstuhl Allgemeine Pädagogik und Bildungsforschung
Note
1,0
Schlagworte
Didaktik Vermittlung Islam Evangelischen Religionsunterricht

Autor

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Titel: Didaktik der Vermittlung des Islam im Evangelischen Religionsunterricht