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Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Kapitalanlagen von Versicherungsunternehmen

Hausarbeit 2010 24 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Bedeutung der Kapitalanlagen für Versicherungsunternehmen
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2. Kapitalmarktsituation zu Beginn der Finanzkrise

3. Auswirkung der Finanzkrise auf die Versicherungsbranche
3.1 Auswirkungen auf die Ertragslage
3.2 Aufsichtsrechtliche Auswirkungen

4. Auswirkung der Finanzkrise auf die Allianz Gruppe

5. Ausblick

Literaturverzeichnis

Verzeichnis der Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kapitalallokation der Versicherungswirtschaft

Abbildung 2: Anlage in alternative Anlageklassen

Abbildung 3: Anlage bei Kreditinstituten

Abbildung 4: Verzinsung

Abbildung 5: Finanzanlagen

Abbildung 6: Einfluss auf den Kapitalanlagebestand des Versicherungsgeschäfts

1. Einleitung

1.1. Bedeutung der Kapitalanlagen für Versicherungsun- ternehmen

Der Erfolg des Versicherers nährt sich aus verschiedenen Quellen. Zunächst fließt das versicherungstechnische Geschäft, dessen Erfolgsbeitrag sich durch das Ver- hältnis der kalkulierten Risiken zu den tatsächlich eingetretenen Risiken be- stimmt, ein. Des Weiteren trägt das Kostenergebnis aus der Verwaltungs- und Vertriebstätigkeit, das sich primär durch die Effizienz der internen Geschäftspro- zesse ergibt, zum Erfolg bei. Schließlich gilt das Kapitalanlageergebnis, welches

meist als einziges unmittelbar von den Finanzmärkten abhängt, als wichtigster Erfolgstreiber.1

Die Aktivseite der Bilanz wird von Kapitalanlagen dominiert.2. Die deutsche Ver- sicherungswirtschaft ist mit einem Anlagevolumen von 1,1 Billion einer der wich- tigsten institutionelle Investoren in Deutschland. Mit einem Anteil von 685 Mrd. Euro entfällt ein Großteil dieser Summe dabei auf die Lebensversicherer.3

Das Kapitalanlagemanagement steht im Rahmen des versicherungstechnischen Produktionsprozesses in einem engen Zusammenhang mit dem Versicherungs- schutz. Die Versicherungen als Kapitalsammelstellen müssen nämlich die dauer- hafte Erfüllbarkeit ihrer eingegangen Verpflichtungen garantieren4, deshalb unter- liegt das Kapitalanlagemanagement strengen gesetzlichen Bestimmungen. So ist laut § 54 Abs. 1 VAG das Vermögen eines Versicherungsunternehmens unter Berücksichtigung der Art der betriebenen Versicherungsgeschäfte sowie der Unternehmensstruktur so anzulegen, dass möglichst große Sicherheit und Rentabili- tät bei jederzeitiger Liquidität des Versicherungsunternehmens unter Wahrung angemessener Mischung und Streuung erreicht wird.5 Die Anlagevorordnung de- finiert qualifizierte Anlageformen und quantitative Anlagebegrenzungen. Die auf- sichtsrechtlichen Vorschriften betreffen grundsätzlich alle Versicherer gleichermaßen und stellen sicher, dass die Portfolios breit diversifiziert und qualitativ hochwertig sind.

Der Garantiezins6 und die Überschussbeteiligung sind wichtige Kriterien zur Be- wertung von Lebensversicherern. Beide werden positiv vom Ergebnis der Kapi- talanlagen beeinflusst. Der Garantiezins beträgt derzeit 2,25 % und ist auf die Sparkomponente des Beitrags zu erwirtschaften. 7 Die Versicherer müssen nach § 153 VVG die Versicherungsnehmer an ihren Überschüssen beteiligen. Insofern hat das Kapitalanlageergebnis eine wichtige Bedeutung für Versicherungsunter- nehmen.

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Die vorliegende Arbeit diskutiert die Auswirkungen der Finanzmarktkrise im Hinblick auf die Kapitalanlagen von Versicherungen. Eine vollständige Darstel- lung der Ereignisse seit Ausbruch der Finanzmarktkrise würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Daher ist das Ziel dem Leser einen verständlichen Überblick zu

geben, wobei die Geschäftsjahre 2007 und 2008 im Fokus stehen. Zunächst wird im zweiten Kapitel die Kapitalmarktsituation zu Beginn der Finanzkrise beleuch- tet. Im darauf folgenden Kapitel werden die Auswirkungen auf die gesamte Versi- cherungsbranche dargestellt. Anschließend werden diese anhand eines Praxisbei- spiels der Allianz Gruppe verdeutlicht. Ein Ausblick findet sich im letzten Kapitel wieder.

2. Kapitalmarktsituation zu Beginn der Finanzkrise

Die Lage auf den Kapitalmärkten zu Beginn der Finanzmarktkrise war durch ext- reme Kursrutsche und sinkende Zinsen gezeichnet. Der DAX8 notierte am Jahres- ende 2008 einen Rückgang von 40 %, der EuroStoxx 50 9 wies sogar einen Verlust von 44 % aus, der S & P 500 10 ging um 38 % zurück. Die Pleite der US- amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers im zweiten Halbjahr begünstigte diese Entwicklung. Der Euro erreichte am 15. Juli 2008 mit 1,6038 Dollar einen neuen Rekord. Die amerikanische Notenbank Fed senkte die Leitzinsen11 kontinuierlich insgesamt auf null bis 0,25 %, die Leitzinsen im Euro-Raum wur- den von der EZB in drei Schritten von 4,25 % auf insgesamt 2,50 % gesenkt und in 2009 auf ein Prozent korrigiert.12 Daraufhin glichen sich die Renditen der Staatsanleihen an. Der Zinssatz für zehnjährige Bundesanleihen fiel unter Schwankungen von 4,31 % Anfang 2008 auf 2,95 % Ende Dezember.13

Die wahrgenommenen Ausfallwahrscheinlichkeiten für Unternehmensanleihen haben sich insbesondere aufgrund der negativen Konjunkturerwartungen gestei- gert. Die Unternehmen sehen sich daher neben schlechten Absatzchancen zusätzlich erschwerten Refinanzierungsbedingungen gegenüber. Zudem hoben die Ban- ken die Kreditvergabestandards an.14

Die zunehmende Zurückhaltung der Investoren hat dazu geführt, dass die Risiko- prämien insbesondere bei komplexen Risikoprodukten stark angestiegen sind. Der Markt für fremdfinanzierte Unternehmensübernahmen ist beinahe zum Erliegen gekommen. Die Credit Spreads15 im europäischen Unternehmenssektor, die sich bereits im Vorjahr ausgeweitet hatten, nahmen im zweiten Halbjahr 2008 massiv zu. So haben sich die Aufschläge von Anleihen mit einem AAA-Rating gegenüber vergleichbaren Staatsanleihen von circa 50 Basispunkten auf rund 150 Basispunk- te verdreifacht. Somit verschlechterten sich die Finanzierungskonditionen selbst für finanzstarke Unternehmen deutlich.16

Praktisch sind alle Asset Klassen von der Krise betroffen, so verzeichneten selbst breit diversifizierte Portfolios Verluste. Zusätzlich erschwert das irrationale Ver- halten der Marktteilnehmer eine vernünftige Kapitalanlageplanung. Die extremen Volatilitäten auf den Finanzmärkten stellen Modellaussagen teilweise in Frage.17

Die Zinsstrukturkurve war im Jahr 2008 starken Änderungen unterworfen. Bis zur Jahresmitte verschob sie sich nach oben, verlief aber flacher als Ende 2007 und wies in Teilstücken sogar eine negative Steigung auf. Die Krisenfälle zahlreicher Banken und die folgende große Unsicherheit an den Märkten führten im Jahresverlauf zu einer Flucht in Anlagen wie Staatsanleihen oder Edelmetalle. Die auf den Renditen von Staatsanleihen basierende Zinsstrukturkurve verlagerte sich dadurch zum Jahresende deutlich nach unten und wies wieder einen steilen Ver- lauf auf.18

3. Auswirkungen der Finanzmarktkrise auf die Versiche- rungsbranche

Die Erfahrungen aus der Finanzkrise führten in vielen Versicherungsunternehmen zu einer erhöhten Risikowahrnehmung und zu einer Stärkung des Risikomanage- ments. Die Überschussbeteiligungen wurden deutlich reduziert, um der gebotenen zurückhaltenden Kapitalanlagepolitik und den niedrigen Renditeniveaus an den Euro-Rentenmärkten Rechnung zu tragen. Während viele Versicherer das Platzen der Dotcom-Blase mit Aktienquoten von deutlich über zwanzig Prozent erlebten, lag die Aktienquote zu Beginn der aktuellen Finanzkrise im Durchschnitt bei un- ter 10 Prozent. Zwar hat die Finanzkrise auch in den Bilanzen der Versicherer erhebliche Spuren hinterlassen, deren Geschäftsmodell steht jedoch nicht infrage - eine Feststellung, die sich nicht auf alle Segmente des Finanzdienstleistungsgewerbes übertragen lässt.19

3.1. Auswirkungen auf die Ertragslage

Trotz der Finanzkrise stieg der Buchwert der gesamten Kapitalanlagen aller Ver- sicherer (ohne Depotforderungen und Kapitalanlagen der fondsgebundenen LV)

im Geschäftsjahr 2008 um 16,4 Mrd. Euro auf 1.265,9 Mrd. Euro. Die Zuwachs- rate sank jedoch stark auf 1,3 % (Vorjahr: 4,1 %).20

Die folgende Graphik zeigt die Kapitalallokation aller Versicherer. Grundsätzlich ist festzustellen, dass sich die Allokation als Reaktion auf die Krise nicht drastisch verändert hat. Der überwiegende Anteil der Kapitalanlagen ist in festverzinsliche Titel investiert.

[...]


1 Vgl. Stefan Arneth, Wolfgang Kaiser, Christian Sauka, 15.09.2009, S. 895.

2 Vgl. Frank, Romeike, Matthias, Müller-Reichart (2007), S. 225.

3 Vgl. GDV (Hrsg.), Gesamtmarkt, http://www.gdv.de/DatenUndFakten/Gesamtmarkt/inhalt.html, (29.05.2010).

4 Vgl. § 8 Abs. 1 Nr. 2 VAG.

5 Vgl. § 54 Abs. 1 VAG.

6 Die Höhe des Garantiezinses für die Lebensversicherungen wird anhand der durchschnittlichen Umlaufrendite zehnjähriger Staatsanleihen ermittelt. Der Zinsatz wird dabei gemeinsam von der Deutschen Aktuarvereinigung und der Bundesfinanzdienstleistungsaufsicht vorgeschlagen. Er darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite zehnjähriger Staatsanleihen betragen und wird im §2 der Verordnung über Rechnungsgrundlagen für die Deckungsrückstellungen festge- legt.

7 Vgl. Tim, Ockenga, Niedrige Zinsen könnten zum Promblem für Versicherer werden, 11.03.200http://www.dasinvestment.com/investments/versicherungen/news/datum/2010/03/09/wir-erwarten- eine-deutliche-senkung-der-ueberschussbeteiligung/, (29.05.2010).

8 Deutscher Aktienindex mit den 30 umsatzstärksten, an der Frankfurter Börse gelisteten Unter- nehmen (Performanceindex).

9 Europäischer Aktienindex, der 50 börsennotierte Unternehmen mit der größten Marktkapitalisie- rung beinhaltet (Performanceindex).

10 Aktienindex, der 500 börsennotierte US-amerikanischen Unternehmen mit der größten Markt- kapitalisierung beinhaltet (Kursindex).

11 Leitzinsen geben an, unter welchen Bedingungen sich Kreditinstitute bei Noten- und Zentral- banken Geld leihen können. Dadurch können die Währungshüter auf wirtschaftliche Gegebenhei-

ten reagieren, um die Inflation einzudämmen und das Wirtschaftswachstum anzukurbeln.

12 Vgl. http://www.finanzen.net/leitzins/ (29.05.2010).

13 Vgl. www.finanztreff.de, (29.05.2010).

14 Vgl. BaFin (Hrsg.), Jahresbericht 2008, S. 24.

15 Der Credit Spread ist ein Renditezuschlag, den Investoren bei einer Anlage in ausfallrisikobe- haftete Unternehmensanleihen erhalten. Er kompensiert den Anleger für die mit der Investition verbundenen Risiken und wird im Basispunkten angegeben. Je schlechter das Kapitalmarktrating einer Anleihe ist, desto höher ist der Credit Spread.

16 Vgl. BaFin (Hrsg.), Jahresbericht 2008, S. 23 f.

17 Vgl. Tim, Ockenga, Wie sind die Erstversicherer durch die Krise gekommen, 03.12.2009, http://www.deutscherueck.de/uploads/tx_dbveranstaltungen/Fitch_Tim_Ockenga.pdf, S. 6, (29.05.2010).

18 Vgl. BaFin (Hrsg.), Jahresbericht 2008, S. 22.

19 Vgl. Stefan Arneth, Wolfgang Kaiser, Christian Sauka, 15.09.2009, S. 895.

Details

Seiten
24
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640645831
Dateigröße
784 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152751
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain - Wiesbaden Rüsselsheim Geisenheim
Schlagworte
Auswirkungen Finanzmarktkrise Kapitalanlagen Versicherungsunternehmen

Autor

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