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Der Essay als Aufsatz und literarische Gattung

Seminararbeit 2009 6 Seiten

Germanistik - Gattungen

Leseprobe

Der Essay

Der Gegenstand dieser Arbeit, der Essay als Begriff hat zwei verschiedene Bedeutungen. Einerseits bedeutet der Essay einen geschriebenen Aufsatz in der Schule oder an der Universität, der ein Thema zusammenfassend auf höchstens 20 Seiten darstellt. Diese Art des Essays wirft keine neuen Gedanken auf, da er das Wissen von Schülern und Studenten widerspiegelt.

Die andere Art des Essays ist aber als eine Gattung von Literatur bekannt und ist von dem schulischen Essay unterschiedlich. In dieser Arbeit wird die Definition und die Entwicklung des Essays formuliert und geschildert.

Das Wort Essay bedeutet Probe, literarischer Versuch. Er ist eine Abhandlung, die eine literarische oder wissenschaftliche Frage in knapper und anspruchsvoller Form behandelt. (Duden, 1983: 464.) Im Metzler Lexikon Literatur (2007) sind die wichtigsten Charakteristika des Essays erwähnt, wie die Offenheit des Denkens, die Methode des Fragens und Suchens, die einerseits der Komplexität der Erfahrungswirklichkeit gerecht werden will und andererseits alle Dogmen des Glaubens und Systemen des Wissens skeptisch entgegentritt. Der Autor des Essays kann die Darstellung stark subjektiveren und individualisieren. Ein größerer Seitenumfang und ein höheres Bildungsniveau unterscheiden ihn von dem Autor eines Feuilletonartikels in einer Tageszeitung, und das inhaltliche Spektrum eines Essays umfasst alle Themen der Natur und der Kultur.

Das wissenschaftliche Interesse an dem Essay war in dem 20. Jahrhundert besonders hoch. Theodor Adorno fasst in seinem Werk Der Essay als Form die wichtigsten Merkmale dieser Gattung zusammen. Laut Adorno ist der Essay ein Mischprodukt, der die Tradition der Form bricht, und ist vom Fixierten gebannt.

Der Essay ist Spekulation über spezifische, kulturell bereits vorgeformte Gegenstände, er spricht also immer über das Geformte, das schon einmal Dagewesene und hebt keine neuen Dinge aus einem leeren Nichts heraus. Deshalb ist er aber an diesen Gegenständen gebunden. Der Essay verweigert Urgegebenheiten, und Definitionen von Begriffen: er „nimmt den antisystematischen Impuls ins eigene Verfahren auf und führt Begriffe umstandslos, unmittelbar so ein, wie er sie empfängt“ (Adorno). Im Essay findet man Diskontinuität: Laut Max Bense ist der Essay „Experimentierend, Gegenstand wälzt hin und her, er befragt, betastet, prüft, durchreflektiert“. Der Gegenstand des Essays ist deshalb das Neue als Neues, nicht in das Alte der bestehenden Formen Zurückübersetzbares, und dadurch entsteht die Koordinierung von Gedanken statt Sublimierung. Er nimmt Gedanken reflektierend ins eigene Verfahren hinein. So will der Essay nicht das Ewige im Vergänglichen aufsuchen, sondern er verewigt das Vergängliche.

Er ist eine Art Abwehr: anstatt wissenschaftlich etwas leisten oder künstlerisch etwas schaffen, spiegelt seine Anstrengung noch die Muße des Kindlichen wider. Der Essay reflektiert auf das Geliebte und Gehasste, Glück und Spiel sind ihm wesentlich, wodurch der Essay auch einen spielerischen, leichten Charakter hat.

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Details

Seiten
6
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640645022
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152738
Institution / Hochschule
Eötvös Loránd Tudományegytem
Note
Schlagworte
essay adorno montaigne literatur gattung

Autor

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Titel: Der Essay als Aufsatz und literarische Gattung