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Virtuelle Communities

Seminararbeit 2007 22 Seiten

Informatik - Wirtschaftsinformatik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

Kapitel I: Problemstellung und Aufbau der Arbeit

Kapitel II: Einführung
2.1 Definitionen virtueller Communities
2.2 Aufbau von Communities
2.3 Kategorisierung der Nutzer virtueller Communities
2.4 Beziehungen

Kapitel III: Erfolgsfaktoren einer Community
3.1 artseite
3.2 Mitglieder
3.2.1 Bedürfnisse der Mitglieder
3.2.2 Anzahl der Mitglieder
3.2.3 Beschleunigtes Mitgliederwachstum
3.2.4 Mitgliederprofile
3.3 Chat-Rooms
3.4 Mailinglisten
3.5 Foren
3.6 Vertrauen
3.7 Inhalte
3.8 Events

Kapitel IV: Unterschiede zu offline Communities

Kapitel V: Fazit

Kapitel I: Problemstellung und Aufbau der Arbeit

In Kalifornien wurde bereits Anfang[1] der 80er Jahre die Community „The Well“, die auch noch heute zu den größten und beliebtesten Communities in Amerika zählt, gegründet. Die Idee von Cliff Figallo, dem Gründer von „The Well“, war, eine Community für Menschen, die entweder an Computern interessiert sind oder beruflich mit Computern und Software zu tun haben, zu erzeugen,[2] um sich über verschiedene Themen zu unterhalten. „The Well“ hatte in ihren besten Zeiten mehrere Tausend aktive Mitglieder. Durch die Verbreitung des Internets entstanden weitere Communities. 1999 gab es bereits mehr als 100.000.[3] „Damit zählen Communities zu den herausragenden Phänomenen, welche die globale Vernetzung durch Telekommunikationsdienste hervorgebracht hat.“[4] Es existieren viele erfolg­reiche Communities, aber auch zahlreiche erfolgslose. Es stellt sich die Frage: Was kann zum Erfolg einer Community beitragen und was sollte beim Aufbau beachtet werden?

Zunächst wird in Kapitel II der Begriff virtuelle Community dargestellt. Danach gehe ich auf den Aufbau, die Nutzer und den Nutzen von Beziehungen für Communities ein. In Kapitel III erfolgt die Darstellung einiger Erfolgsfaktoren, wie Chat-Rooms, Mailinglisten und Foren. In Kapitel IV versuche ich, Unterschiede zu offline Communities aufzuzeigen. Mit Kapitel V, in dem ich ein Fazit ziehe, wird die Arbeit abgeschlossen.

Kapitel II: Einführung

2.1 Definitionen virtueller Communities:

Für den Begriff Community existieren sehr viele verschiedene Definitionen. Es handelt sich um ein Thema, das mehreren Bereichen angehört und damit aus unter­schiedlichen Blickwinkeln mit verschiedenen Schwerpunkten betrachtet wird.[5]

Eine eher soziologische Beschreibung ist z.B.

„Virtual communities are social aggregations that emerge from the Net when enough people carry on those public discussions long enough, with sufficient human feeling, to form webs of personal relationships in cyberspace.”[6]

Ein Beispiel für eine eher sozialpsychologisch ausgerichtete Definition ist

„Eine virtuelle Gemeinschaft ist ein Zusammenschluss von Menschen mit gemein­samen Interessen, die untereinander mit gewisser Regelmäßigkeit und Verbindlich­keit auf computervermitteltem Wege Informationen austauschen und Kontakte knüpfen.“[7]

Außerdem gibt es Definitionen, die eine geschäftliche Nutzung beschreiben, wie "Virtual communities are groups of people with common interests and needs who come together on line. Most are drawn by the opportunity to share a sense of community with likeminded strangers, regardless of where they live. But virtual communities are more than just a social phenomenon. What starts off as a group drawn together by common interests ends up as a group with a critical mass of purchasing power, partly thanks to the fact that communities allow members to exchange information on such things as a product's price and quality“[8]

Darstellungen, die eine nicht-kommerzielle Nutzung beschreiben, z.B.

„Unter Online Communities sind Gemeinschaften von Privatpersonen zu verstehen, die sich mit Hilfe der neuen Medientechnologie formieren und ihren Mitgliedern den Zugang zu einer Vielzahl an strukturierten Informations- und Kommunika­tionsressourcen ermöglichen. Sie fungieren dabei als zentrale Anlaufpunkte im World Wide Web für Individuen mit ähnlichen Interessen.“[9]

und Definitionen in denen geschäftliche und private Communities unterschieden werden, wie

„Eine virtuelle Gemeinschaft (engl.: virtual community) ist ein Treffpunkt im In­ternet, an dem die Teilnehmer Information und Meinungen austauschen. Bezugs­punkt ist ein gemeinsames Interesse, etwa aus dem geschäftlichen oder dem Hobby­Bereich. Die Betreiber einer auf wirtschaftliche Nutzung ausgerichteten virtuellen Gemeinschaft (engl.: business community) streben damit eine Verbesserung der Kommunikation und Kooperation mit Marktpartnern an.“[10]

Zudem existieren Definitionen, die aus Aufzählungen von typischen Merkmalen bestehen, wie

„An online community consists of:

- People, who interact socially as they strive to satisfy their own needs or perform special roles, such as leading or moderating.
- A shared purpose, such as an interest, need, information exchange, or service that provides a reason for the community.
- Policies, in the form of tacit assumptions, rituals, protocols, rules, and laws that guide people's interactions.
- Computer systems, to support and mediate social interaction and facilitate a sense of togetherness“[11]

Vergleicht man die verschiedenen Definitionen und sucht nach Gemeinsamkeiten zwischen ihnen ergibt sich, dass fast alle Definitionen gemeinsam haben, dass eine Community aus Menschen, die gleiche Interessen haben und die sich online treffen, besteht.

Für diese Arbeit wird die Definition von Hansen/Neumann zugrunde gelegt, wobei ich nur auf private, nicht aber auf kommerzielle Communities eingehe.

2.2 Aufbau von Communities:

Beim Aufbau einer Community wird eine Strategie erstellt und Managementaktivi­täten erledigt, die später zu schnellem Wachstum und Erfolg führen sollen. Zum technischen Aufbau gehört die Erstellung einer[12] „Web-Präsenz mit der technischen Infrastruktur für eine zukünftige Community.“[13] Nach Cliff Figallo gibt es für den Aufbau von Communities drei kritische Merkmale: Tools, Technik und Vertrauen.

Für Tools, also die notwendige Soft- und Hardware um eine Community betreiben zu können, existieren relativ einfach zu installierende Lösungen. Die Betreiber der Community sollten Techniken, zu denen die Mitglieder Vertrauen haben installier­en. D.h. die Instrumente der Community sollten für die Mitglieder einfach zu be­dienen sein, Interesse erschaffen und die Benutzer dazu bringen, eigene Beiträge zu leisten. Menschen, die in einer Community aktiv sind, möchten, dass ihre Ideen und Beiträge erwünscht sind und respektvoll und vernünftig behandelt werden. Deshalb ist es wichtig eine Vertrauensbasis aufzubauen.[14] Damit sich Menschen in einer Ge­meinschaft wohl fühlen und immer wieder zurückkehren muss sie ihre Bedürfnisse befriedigen. Um dies zu erreichen, ist es wichtig, dass man sich überlegt, welche Art von Community man erstellen möchte, welche Zielgruppe angesprochen werd­en soll und warum man eine Community aufbauen möchte. Die Antworten auf diese Fragen können sich mit der Zeit verändern weil sich die Bedürfnisse der Mit­glieder der Community weiterentwickeln bzw. weil neue Mitglieder hinzukommen. Aus einer Gruppe berufstätiger Frauen, die regelmäßig in Kontakt stehen, könnte sich z.B. eine Beratung für Kariere und Weiterbildung entwickeln. Die Ziele der Community können sich zwar mit der Zeit verändern, aber es ist wichtig die ur­sprünglichen Ziele so eindeutig wie möglich zu definieren.[15] Je genauer die Themenbereiche der Community definiert sind, desto interessanter wird sie für ihre (potenzielle) Mitglieder. Außerdem muss man sich überlegen, welche Instrumente, z.B. Chat-Room und Forum, den Mitgliedern angeboten werden sollen.[16] Für den Erfolg der Community kann das Finden der richtigen Partner ausschlagge­bend sein.[17] Gibt es jemand der technische bzw. finanzielle Hilfestellung geben kann? Lassen sich Bekannte finden, die gleiche Interesse haben und somit konstruktive Kritik geben und beim inhaltlichen Aufbau helfen können, z.B. für eine “Fan-Community“ ein Lexikon erstellen?

Zudem sollte man sich überlegen, welche Instrumente verwendet werden sollen. Da die Beiträge und das Wohlfühlen der Mitglieder eine zentrale Rolle für den Erfolg einer Community spielen, wird ein leicht zu bedienendes und leistungsstarkes System benötigt. Um eine Community aufzubauen werden also Instrumente, die von vielen Menschen bedient werden können, benötigt.[18] Es stehen verschiedene Bausteine wie Mailinglisten, Foren, Chat-Rooms und Newsletters zur Verfügung. Um nicht eine Software, die auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist, entwickeln zu müssen, kann man die Lizens für ein Software-Paket kaufen, in dem viele Instrumente integriert sind.[19]

Zum Aufbau der Community gehört es auch, Regeln festzulegen. Sie können in gesetzliche und soziale Bestimmungen sowie in Anwendungsregeln gegliedert werden. Gesetzliche Regeln sind als gegeben anzusehen. Der Betreiber ist zur Kontrolle der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verantwortlich. Es ist empfehlenswert sie aufzuführen, weil die Mitglieder einer Community aus ver­schiedenen Ländern kommen können und jedes Land seine eigenen Gesetze hat. Unter die gesetzlichen Regeln fallen z.B. Urheberrechte und das Verbot von rechts­radikalen Äußerungen. Soziale Regeln bestimmen den Umgang mit anderen Mit­gliedern. Darunter fällt das Verbot von Ausdrucksweisen, die nicht gerne gesehen werden, wie beispielsweise Fluchen und Schimpfen, aber auch Spam- und Werbe­verbote. In den sozialen Regeln kann alles aufgeführt werden, was von der Community nicht erwünscht und auch nicht toleriert wird.[20] Es sind also eine Art Benimmregeln, die auch Netiquette genannt werden. Die Netiquette beschrieb zunächst Empfehlungen für das Verhalten im Usenet[21], das ein weltweites Netz­werk, bestehend aus Newsgroups, an dem jeder teilnehmen kann ist.[22] Inzwischen wird die Netiquette für viele Bereiche in Datennetzen, in denen Menschen mit­einander kommunizieren, verwendet. Sie hat keine rechtliche Relevanz, wird aber von vielen als sinnvoll empfunden. Es existiert kein identischer Netiquettetext, sondern eine Summe von Dokumenten, deren Inhalte sich überschneiden. Das Ziel der Netiquette ist es, die Kommunikation zwischen Netzteilnehmern zu erleichtern. Es werden verschiedene Themenbereiche, wie beispielsweise Zwischenmensch­liches, also Inhalt und Ton der Beiträge, und Lesbarkeit, worunter korrekte Recht­schreibung und Satzbau, aber auch richtiges Zitieren und das Weglassen von über­flüssigen Informationen zu verstehen ist, angesprochen.[23] Bestimmungen aus einer Netiquette sind z.B. Vergesse nicht, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt; Lese zuerst, dann denke nach, lese danach nochmal, denke abermals nach und poste erst dann; Lasse dir Zeit um einen Artikel zu schreiben; Sei mit Humor und Sarkasmus vorsichtig.[24]

In den Anwendungsregeln wird festgelegt wie die einzelnen Bereiche der Community genutzt werden können und wo man Unterstützung erhält.[25] In diesen Bestimmungen kann z.B. stehen, dass in einem Unterforum, in dem man sich vor­stellen kann, nur ein Thread pro Mitglied erstellt werden darf oder die Länge und Größe der Signaturen kann geregelt werden.

Die Inhalte der Regeln sind so vielseitig wie individuelle Communities vorhanden sind. Manche Communities bekräftigen ihre Mitglieder offensiv und ausdrucksstark an der Kommunikation teilzunehmen, andere versuchen genau dies zu verhindern. Traut sich in einer Flirt-Community keiner etwas offensiver zu kommunizieren, werden bald die Mitglieder fern bleiben. Dagegen möchten die Betreiber einer Community, in der primar ökonomische Fragestellungen diskutiert werden, einen dezenteren Ton aufrecht erhalten.[26]

Mit der Festlegung der Regeln ist es aber nicht getan, sie müssen auch durchgesetzt und Strategien für ihre Verletzung festgelegt werden. Zunächst können die Mit­glieder der Community ermutigt werden, kleinere Reibereien selbst zu lösen, wo­durch sich die Betreiber Arbeit und Zeit, die an anderen Stellen eingesetzt werden können, sparen und das Leben in der Community ruhiger verläuft. Außerdem kann ein Bereich für private und off-topic Kommunikation eingerichtet werden, womit diese Unterhaltungen in anderen Bereichen verringert werden können. Zudem kann der Betreiber eine Liste, in der unerwünschte Wörter stehen, erstellen. Taucht ein Wort aus dieser Liste auf, wird es automatisch in unlesbare Zeichen übersetzt.[27] Ferner kann ein Bereich, in dem über die Regeln diskutiert und die Notwendigkeit der Bestimmungen erklärt werden kann, eingerichtet werden.

[...]


[1] Vgl. Lohse, C. (2002): Online Communities: Ökonomik und Gestaltungsaspekte für Geschäftsmodelle: Vollständiger Abdruck der von der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der technischen Universität München zur Erlangung des akademischen Grades eines Doktors der Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.) genehmigten Dissertation, S.1.

[2] Vgl. Pawlowitz, N. (2001): Kunden gewinnen und binden mit Online-Communitys: So profitieren Sie von Foren, Chats, Newsgroups und Newslettern: Die Strategien für erfolgreiches Internet­Marketing, S. 58.

[3] Vgl. Lohse, S.1.

[4] Lohse, S.1.

[5] Vgl. Preece, J. (2000): Online Communities: Designing Usability, Supporting Sociability, S.9.

[6] Rheingold, H. (1993): The Virtual Community: Homesteading on the Electronic Frontier, S.5.

[7] Döring, N. (2001): Virtuelle Gemeinschaften als Lerngemeinschaften!?: Zwischen Utopie und Dystopie. In: http://www.die-frankfurt.de/zeitschrift/32001/positionen4.htm, [02.08.2006].

[8] Hagel, III J./Armstrong, A. G. (1997): Net Gain - Expanding Markets through virtual Communities, S. 143.

[9] Lohse, S. 1.

[10] Hansen, H. R./ Neumann, G. (2001): Wirtschaftsinformatik I: Grundlagen betrieblicher Informationsverarbeitung, S. 599.

[11] Preece, S.10.

[12] Vgl Pawlowitz, S.104.

[13] Pawlowitz, S. 104.

[14] Vgl Pawlowitz, S. 104-105.

[15] Vgl Kim, A. J. (2001): Community Building: Strategien für den Aufbau erfolgreicher Web- Communities, S. 22.

[16] Vgl. Pawlowitz, S. 105-106.

[17] Vgl. Pawlowitz, S. 109.

[18] Vgl Pawlowitz, S.127.

[19] Vgl. Kim, S. 69.

[20] Vgl. Pawlowitz, S. 159-160.

[21] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette.

[22] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Usenet.

[23] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Netiquette.

[24] Vgl. Kneer, V. (1994): Computernetze und Kommunikation: Freie wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung des akademischen Grades Diplom-Oeconom an der Fakulät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universitaet Hohenheim.

[25] Vgl. Pawlowitz, S. 160.

[26] Vgl Pawlowitz, S. 160.

[27] Vgl Pawlowitz, S. 161.

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640648139
ISBN (Buch)
9783640647989
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152665
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Virtuelle Communities Community Communitie Virtuell

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