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Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Jugend und Wanderschaft (1871-1891)

3. Friedrich Ebert in Bremen (1891-1905)
3.1. Aufstieg in der Bremer Sozialdemokratie (1891-1900)
3.2.Exkurs: Die Sozialdemokratie im Kaiserreich
3.3. Arbeitersekretär und Bürgerschaftsabgeordneter (1900-1905)

4. Eberts Aufstieg in der SPD (1905-1918)
4.1. Sekretär im Parteivorstand und Reichstagsabgeordneter (1905-1913)
4.2. Parteivorsitzender der SPD im Weltkrieg (1913-1918/1919)
4.3. Friedrich Eberts Rolle in der Revolutionszeit (1918/1919)

5. Friedrich Ebert als Reichspräsident (1919-1925)
5.1. Anfangszeit der Weimarer Republik
5.2. Amtsauffassung und Koalitionspolitik
5.3. Verleumdungskampagnen gegen den Reichspräsidenten

6. Eberts Platz in der deutschen Geschichte

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

Friedrich Ebert gehört zu den wenigen Politikern der Weimarer Republik, deren Namen auch heute noch einer breiten Masse von Leuten bekannt ist. Dies liegt hauptsächlich daran, dass eine der wichtigsten Stiftungen der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD) seinen Namen trägt. Der Lebensweg Eberts und sein erstaunlicher Aufstieg vom mittellosen Sattlergesellen zum Reichspräsidenten und sein konsequentes Eintreten für eine parlamentarische Demokratie dürften allerdings nur Wenigen bekannt sein. Friedrich Eberts Leistungen werden heute auch von konservativen Politikern allgemein anerkannt, was zu seinen Lebzeiten noch vollkommen undenkbar war, auch wenn diese bei der Einschätzung seiner politischen Leistungen sein konsequentes Eintreten gegen eine Revolution nach russischem Vorbild stark in den Fordergrund stellen.[1] Genau diese Haltung machte ihn für das sozialistische Lager in der Nachkriegszeit zu einem Arbeiterverräter. Eine Reduktion von Eberts Leistungen auf die Verhinderung des Zustandekommens eines sozialistischen Staatssystems in Deutschland ist allerdings keineswegs gerechtfertigt und wird Eberts Leistungen im Kampf für die Gleichberechtigung aller Bürger in Deutschland nicht gerecht.

In der folgenden Arbeit werde ich versuchen das Leben Friedrich Eberts und seine politischen Leistungen darzustellen. Dies ist aufgrund des beschränkten Umfangs der Arbeit lediglich vergleichsweise oberflächlich möglich. Insbesondere die komplexen politischen Vorgänge während der Revolutionszeit 1918/1919 und die politische Arbeit Eberts als Reichspräsident können im Folgenden nur ansatzweise erläutert werden.

2. Jugend und Wanderschaft (1871-1891)

Drei Wochen nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 wurde Friedrich Ebert am 04. Februar in Heidelberg als siebtes von insgesamt neun Kindern geboren. Von seinen acht Geschwistern starben allerdings drei bereits im Kindesalter, so dass die Familie Ebert aus lediglich acht Personen bestand. Seinem Vater Karl, seiner Mutter Katharina (geb. Hinkel), seinen zwei Schwestern Elisabeth und Mathilde, sowie seinen Brüdern Wilhelm, Oskar und Albin. Gesicherte Quellen über die Jugendzeit Eberts fehlen allerdings, so dass seine Kindheit weitestgehend im Dunklen liegt.[2] Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass Friedrich Ebert sich in seiner Zeit als Reichspräsident zu seiner Kindheit immer nur recht vage geäußert hat, vermutlich um den Verleumdungskampagnen seiner politischen Gegner, die sich häufig abschätzig über seine Herkunft äußerten, keine Nahrung zu geben.[3] Bekannt ist allerdings, dass sein Vater Karl seinen Lebensunterhalt als selbstständiger Schneider verdiente. Er betrieb in der Dreizimmerwohnung der Familie eine Werkstatt und beschäftigte bis zu vier Gesellen. Sein Einkommen lag damit zwar über dem anderer Schneider und auch höher als das anderer Bewohner des Stadtviertels, reichte jedoch lediglich für eine bescheidene kleinbürgerliche Lebensführung aus. So musste die achtköpfige Familie beispielsweise auf nur 47 m2 also in äußerst beengten Wohnverhältnissen leben. Es war ihm außerdem nicht möglich seinen Kindern eine weiterführende Schulbildung zu bieten, wie dies der Wunsch Friedrichs gewesen sein soll.[4] Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass Karl Ebert sich eher mit der Arbeiterschaft und deren Zielen verbunden fühlte, als mit denen des Bürgertums, obwohl er selbstständiger Unternehmer war. Sein Engagement für die Interessen der Arbeiterbewegung spiegelt sich unter anderem darin wider, dass er „Ende der achtziger Jahre den gewerkschaftlichen Schneiderverband anführte“.[5] Friedrich Ebert kam also bereits im Elternhaus mit den Ideen und Wertvorstellungen der Arbeiterbewegung in Berührung.

Da ihm eine weiterführende Schulbildung versagt blieb absolvierte Friedrich Ebert nach seiner achtjährigen Schulzeit (April 1877 - März 1885) eine Lehre als Sattler (1885 - 1888/89), zu der er wahrscheinlich durch die Lohnkutscherei Seppich in seiner Nachbarschaft animiert wurde.[6] Gleichzeitig mit seiner Lehre beim Sattlermeister Schmitt trat Ebert in die Gewerbeschule ein, die zur damaligen Zeit noch nicht obligatorisch war. Konkretes ist über seine Lehrzeit zwar nicht zu erfahren, es scheint jedoch so, dass Ebert während dieser Zeit eher negative Erfahrungen gemacht hat. So wird in der älteren Literatur behauptet, dass er das Lehrverhältnis aufgrund einer Ohrfeige seines Meisters vorzeitig beendet habe, was aber nach heutigem Erkenntnisstand eher zweifelhaft ist.[7] Zur damaligen Zeit ließen die Lebens- und Arbeitsbedingungen insbesondere der Lehrlinge jedoch allgemein zu wünschen übrig, so dass davon auszugehen ist, dass Friedrich Ebert ebenfalls negative Erfahrungen in seiner Lehrzeit gemacht hat, die für ihn sicherlich ein Motiv waren sich gegen die gegebenen Zustände zur Wehr zu setzen.[8]

Nach der Beendigung seiner Lehre begann er seine Wanderschaft und verließ seine Heimatstadt Heidelberg im Alter von siebzehn Jahren. Als Ziel seiner Wanderschaft gab er die Schweiz an, änderte seine Meinung jedoch offensichtlich, da er später in Richtung Norden wanderte. Über die genauen Stationen ist wenig bekannt. Sein erster Aufenthalt war allerdings bei seinem Patenonkel Wilhelm Strötz in Mannheim, der aktives Mitglied der Arbeiterbewegung war und ihn mit dem sozialistischen Gedankengut vertraut machte. Weitere Stationen waren unter anderem Karlsruhe, Schorndorf, Neuburg, München, Kronberg (Taunus), Hannover und Kassel bevor er im Mai 1891 schließlich in Bremen ankam, wo er 14 Jahre seines Lebens verbrachte. Auf seiner Wanderschaft wird er Mitglied des Fachvereins der Sattler und der SPD.[9] Auf jeder Station beteiligt er sich am Aufbau der Gewerkschaftsorganisa-tion und an der Agitation für die sozialdemokratischen Ideale und sammelte so wichtige Erfahrungen für seine spätere politische Laufbahn, wurde als „gefährlicher Agitator“ von den Arbeitgebern allerdings auf ihre „schwarzen Listen“ gesetzt.[10]

3. Friedrich Ebert in Bremen (1891-1905)

3.1. Aufstieg in der Bremer Sozialdemokratie (1891-1900)

Bereits einen Monat nach seiner Ankunft in Bremen wurde Ebert zum Vorsitzenden des örtlichen Sattlervereins gewählt. Dies war zur damaligen Zeit nicht besonders schwer, da der Verein nur wenige Mitglieder hatte, zeigte jedoch, dass Ebert bereits Ansehen als Kämpfer für die Arbeiterbewegung besaß. Noch im selben Jahr wurde er zum Vorsitzenden der gewerkschaftlichen Kontrollkommission in Bremen gewählt. Dieses Amt beinhaltete zwar wenige Kompetenzen und Einfluss, bot aber vielfältige Möglichkeiten zur Agitation. Bereits im November 1891 wurde er in einem Bericht der Bremer Polizei als der „eifrigste sozialdemokratische Agitator“ vor Ort bezeichnet.[11]

Als am 08.01.1892 sein Vater starb sah es zunächst danach aus, als wenn Friedrich Ebert bei seiner Familie in Heidelberg bleiben würde. Er kehrte jedoch nach Bremen zurück und machte sich als Sattler selbstständig, da er als sozialdemokratischer Funktionär keine Arbeit in Bremen fand. In der Praxis dürfte seine Selbständigkeit aber einer verdeckten Arbeitslosigkeit gleichgekommen sein.[12] Im März 1893 wurde er dann als Redakteur von der Bremer Bürgerzeitung, der Parteizeitung der Bremer SPD angestellt. Hier arbeitete er bis Mai 1894 zum Teil auch als verantwortlicher Redakteur und verdiente dabei mit einem Wochenlohn von 25 Mark immerhin mehr als ein Facharbeiter zur damaligen Zeit.

Im April 1894 kündigte er dann bei der Bremer Bürgerzeitung, vermutlich weil Redakteuren von sozialdemokratischen Zeitungen immer Gefahr liefen für ihre Artikel angeklagt zu werden.[13] Eventuell wollte er auch einfach nur die Möglichkeit nutzen die „Restauration und Bierhalle“ in der Brautstraße Ecke Westerstraße zu pachten. Der Beruf des Wirtes war unter den Parteigenossen durchaus angesehen, da sie für ihre Versammlungen eine Wirtschaft benötigten und von vielen Wirten keine Räume zur Verfügung gestellt bekamen. Die Geschäfte Eberts als Wirt gingen entsprechend gut, da die Gaststätte Anlaufpunkt für ratsuchende Arbeiter war, die Ebert kostenlos in allen Lebensfragen beriet und als Versammlungsort der Bremer SPD diente.[14] In seine Zeit als Wirt fällt auch Friedrich Eberts Hochzeit mit der Fabrikarbeiterin Louise Rumpf am 05.09.1874, die auch gewerkschaftlich aktiv war. Aus der Ehe gingen fünf Kinder, Friedrich, Georg, Heinrich, Karl und Amalie hervor, die Ebert nach den ihm anerzogenen Werten Fleiß, Genügsamkeit, Einsatzbereitschaft, und Sparsamkeit erzog.

In Bremen und im Bremer Umland wurde Ebert zu einem der gefragtesten Referenten der Sozialdemokratie. Die Tätigkeit als Referent erforderte vielfältige Talente, wie die Einarbeitung in verschiedenste Sachthemen, die Fähigkeit frei zu reden und Standfestigkeit, da den Sozialdemokraten auf dem Land oft kein Versammlungslokal zur Verfügung stand.[15] Ebert verfügte darüber hinaus über, für einen Mann ohne wissenschaftliche Ausbildung, sehr gute analytische Fähigkeiten, wie seine Mitarbeit an einer Studie über die Bedingungen im Bremischen Bäckerhandwerk beweist.[16] Sein Ansehen innerhalb der SPD war zu dieser Zeit bereits so groß, dass er zahlreiche Parteiämter bekleidete und von 1894-1896 sogar Vorsitzender der Bremer SPD war. Eine beachtliche Leistung, wenn man bedenkt, dass Ebert zu diesem Zeitpunkt gerade 23 Jahre alt war. 1898 kandidierte er im Oldenburgischen Delmenhorst für den Reichstag, was aber ein von vorn herein aussichtsloses Unterfangen darstellte, da der Wahlkreis eher ländlich strukturiert war und von bürgerlichen Parteien dominiert wurde. Seine Kandidatur diente lediglich dazu fest zu stellen, wie groß die Anhängerschaft der SPD in diesem Gebiet war.

3.2.Exkurs: Die Sozialdemokratie im Kaiserreich

Die Vorgängerorganisation der SPD, die „Sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands“ (SAPD) entstand 1875 in Gotha aus dem Zusammenschluss des „Allgemeinen Deutschen Arbeitervereins“ und der „Sozialdemokratischen Arbeiterpartei“. Das politische Klima der Kaiserzeit war durch eine gesellschaftliche Trennung von Bürgertum und Adel auf der einen Seite und der Arbeiterschaft auf der anderen Seite geprägt. Die Regierung Bismarck, die die Sozialdemokraten als „Reichsfeinde“ ansah versuchte durch eine Politik von Zuckerbrot und Peitsche die Sozialdemokratie zu bekämpfen. Das Zuckerbrot stellte dabei die Sozialgesetzgebung der Regierung dar und die Peitsche das „Sozialistengesetz“, das die sozialdemokratischen Aktivitäten von 1878-1890 verbot.[17] Lediglich der Reichstag bot zu dieser Zeit der Sozialdemokratie ein legales Betätigungsfeld. Es ist deshalb wenig verwunderlich, dass die Politik der Reichsregierung dem marxistischen Gedankengut innerhalb der Arbeiterschaft Vorschub leistete[18] und das auf dem Parteitag 1891 in Erfurt verabschiedete Programm der SPD einen dogmatischen Marxismus vertrat, der innerhalb der Partei allerdings keineswegs unumstritten war. Trotz aller Repressionen war der Aufstieg der SPD vor dem Hintergrund der zunehmenden Industrialisierung und der damit verbundenen Vergrößerung der Lohnarbeiterschaft nicht zu stoppen. So errang sie bereits 1890 mit 20% zum ersten mal den größten Stimmenanteil bei den Reichstagswahlen. Daraus resultierten allerdings aufgrund des Mehrheitswahlrechts und einer starken Benachteiligung bei der Wahlkreis-verteilung nur 35 der 391 Mandate.[19] Bei den Reichstagswahlen 1912 wurde die SPD sogar zur größten Fraktion innerhalb des Reichstages.

[...]


[1] vgl. Rürup in: Friedrich Ebert und Seine Zeit (1991), S. 69 Z. 24 ff.

[2] vgl. Mühlhausen (1999), S. 16 Z. 17

[3] vgl. Witt (1992), S.25 Z. 9 ff.

[4] vgl. Witt (1992) S. 26 Z. 33 ff.

[5] s. Mühlhausen (1999), S. 19 Z. 11 f.

[6] vgl. Mühlhausen (1999), S. 9 Z. 29 f.

[7] vgl. Witt (1992), S. 28 Z. 18 f.

[8] vgl. Witt (1992), S. 29 Z. 3 ff.

[9] vgl. Mühlhausen (1999), S. 20 Z. 7 ff.

[10] vgl. Witt (1992), S. 30 Z. 37 ff.

[11] vgl. Witt (1992), S. 33 Z. 1 f.

[12] vgl. Witt (1992), S. 33 Z. 19 ff.

[13] vgl. Witt (1992), S. 34 Z. 1 ff.

[14] vgl. Mühlhausen (1999), S. 46 Z. 10 ff.

[15] vgl. Mühlhausen (1999), S. 50 Z. 3 ff.

[16] vgl. Witt (1992), S. 37 Z. 1 ff.

[17] vgl. DHM (2003), http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/spd2/index.html Z. 8

[18] vgl. Mühlhausen (1999), S. 16 Z. 2 ff.

[19] vgl. DHM (2003), http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/spd2/index.html Z. 12 ff.

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638204248
Dateigröße
629 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15257
Institution / Hochschule
Hochschule Bremen – FB Wirtschaft
Note
1,7
Schlagworte
Friedrich Ebert Sozial- Wirtschaftsgeschichte

Autor

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Titel: Friedrich Ebert