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Zeichensetzung im Spanischen und im Deutschen - Eine kontrastive Analyse

Hausarbeit 2009 25 Seiten

Romanistik - Spanische Sprache, Literatur, Landeskunde

Leseprobe

Inhalt

1. EINLEITUNG

2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG

3. KLASSIFIZIERUNG UND FUNKTION DER INTERPUNKTIONSZEICHEN
3.1 Satzschlusszeichen
3.1.1 Punkt
3.1.2 Frage- und Ausrufezeichen
3.2 Satzmittezeichen
3.2.1 Komma
3.2.1.1 Verbindung gleichwertiger Satzglieder
3.2.1.2 Hervorhebungen und Abgrenzung
3.2.1.3. Relativsätze
3.2.1.4 Kommata im Deutschen
3.2.1.5 Kommata im Spanischen
3.2.2 Anführungszeichen

4. ABSCHLIEßENDE BEMERKUNG

1. EINLEITUNG

Die Anekdote über einen König, dessen Henker ihm ein Todesurteil ohne Satzzeichen vorlegte, wodurch dieser mit nur einem Strich über die Zukunft des Delinquenten zu entscheiden hatte, kursiert mittlerweile in verschienen Versionen durch die Regelwerke vieler Sprachen[1]. Egal, ob der prekäre Text nun „hängen nicht laufen lassen“ oder „Perdón imposible que cumpla su condena“ hieß, klar ist: auch wenn im 21. Jahrhundert keine Köpfe mehr für falsch gesetzte oder vergessene Komata rollen, sollten die Eigenheiten der Interpunktion nicht nur für Schriftsteller und Akademiker, sondern für alle, die nicht nur mündlich mit ihrer Umwelt kommunizieren, ein fundamentaler Bestandteil ihrer Ausdrucksfähigkeit sein.

Während das Deutsche allgemein dafür bekannt ist, dass selbst Muttersprachler oft an der komplexen Zeichensetzung verzweifeln und deshalb der Einsatz immer mehr „je nach gusto“ geschieht, gilt das Spanische gemeinhin als Sprache mit wenigen einfachen Normen. Doch vor allem die schriftliche Produktion in einer Fremdsprache zeigt, dass „einfach“ nicht immer einfach bedeutet und dass Koma & Co. schnell zu falschen Freunden werden können, wenn man sie blind dem eigenen linguistischem System entnimmt. Welche Besonderheiten in den jeweiligen Sprachen zu beachten sind, wird in der folgenden Arbeit anhand einer kontrastiven Analyse beider dargestellt.

2. HISTORISCHE ENTWICKLUNG

Genauso wie bei jedem andere Zeichen auch bestand die Notwendigkeit der Interpunktion nicht, solange man sich nur oral verständigte. Mit dem Festhalten des Gesagten und Gedachten in schriftlichen Form wurde jedoch im Laufe der Zeit klar, dass auch nonverbale Diskurse wie Intonation, Pausen, Sprechtempo- und Lautstärke ebenfalls optisch gekennzeichnet werden müssen. Die Zeichensetzung dient somit primär der Gliederung eines Textes, damit dieser für den Leser verständlich und übersichtlich wird, also der „Erfassungsfunktion der Schreibung im Interesse des Lesenden“[2]. Durch die Erfindung des Buchdruckes im 15. Jahrhundert stieg die Zahl derer, die still für sich lasen und deshalb die für den mündlichen Vortrag typischen Pausen und Betonungen ebenfalls als textstrukturierende Elemente für die private Lektüre forderten.

In Deutschland – wo man bekanntlich alles gerne bis ins Detail geregelt hat –stellte Niclas von Wyle bereits 1462 die ersten festen Normen für den Gebrauch der Satzzeichen auf. Als grundlegender Teil der Satzlehre werden die Interpunktionszeichen schon ab dem 18. Jahrhundert verstanden und durch die Unterscheidung zwischen Satzteil- und Satztonzeichen, die J. C. Adelung zum ersten Mal 1781 vornimmt, wird schließlich die neuzeitliche deutsche Zeichensetzung begründet. Der endgültige Wandel vom intonatorischen zum syntaktischen System wurde gegen Ende des 19. Jahrhundert besiegelt, da man auf den Theorien K. F. Beckers aufbauend zu einer vollen Ausbildung der Terminologie für die deutsche Syntax kam. Geschichtlich entwickelte sich also die Zeichensetzung von der Transkription oraler Elemente zu einer genauen Beschreibung der Satzstruktur. Das vornehmliche Ziel dem Leser die Erschließung eines Textes zu vereinfachen wurde aber bald zum Problem der Schreibenden, weil es eben nicht mehr nur darum ging Pausen abzugrenzen, sondern abstrakte Norme eingehalten werden mussten, die oftmals nicht logisch nachzuvollziehen waren. 1996 sollte sich dies durch die Rechtschreibreform ändern. Bei der Einführung der neuen Regeln ging es vor allem darum, den geschriebenen Text wieder näher an die gesprochene Sprache zu bringen und die vielen Sonderfälle durch einfachere Bestimmungen zu wenigen Vorschriften zusammenzufassen. Besonders bei der Setzung von Satzmittezeichen (Komma, Gedankenstrich etc.) hängt es nun allerdings meist von der Schreibintention ab, ob eine Wortgruppe abgetrennt wird oder nicht. Frei nach dem Motto „everything goes“ werden im Deutschen deshalb nicht nur sowohl die alten als auch die neuen Regeln ge- und missachtet, sondern man kann sich in dem Gros der Fälle sogar auf die Kann-Bestimmungen beziehen. Eine Überarbeitung der Reformvorschläge im Jahre 2006 konnte das verstimmte Volk schließlich auch nicht mit der Zeichensetzung versöhnen, weshalb man sich in der jüngsten Zeit wohl größtenteils darauf beschränkt lediglich die Neuerungen aufzulisten –dies setzt allerdings das Wissen um die alten Regeln voraus[3].

In Spanien wurden die ersten Interpunktionszeichen in der Zeit zwischen des 8. und 9. Jahrhunderts unter Karl des Großen, der von seinen Gelehrten die Einführung einer klareren Schrift verlangte, eingeführt. Obwohl bereits im Jahre 1742 von der Real Academia in ihrer Ortgraphía der Grundstein für die Zeichensetzung der heutigen Zeit gelegt wurde, kann man bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts von keinem stabilen System sprechen[4]. Heute ist diese Thematik aus keinem Werk, das sich mit Orthographie und schriftlichem Ausdruck beschäftigt, wegzudenken und füllt viele Bücher, die sich nicht nur mit den allgemein gültigen Regeln, sondern besonders mit Zweifelsfällen und den unterschiedlichen Aussagemöglichkeiten, die der richtige Gebrauch der Satzeichen ermöglicht, beschäftigt.

3. KLASSIFIZIERUNG UND FUNKTION DER INTERPUNKTIONSZEICHEN

Während im Spanischen noch die primäre Forderung nach der Gliederung eines Textes nach Sprechpausen im Vordergrund der Zeichensetzung steht, geht es im Deutschen vor allem darum Haupt- und Nebensätze voneinander abzugrenzen. Die bekannten deutschen Schachtelsätze, bei denen das Verb oft über Zeilen hinweg vom Subjekt getrennt wird, sind natürlich der Schriftsprache eigen und müssen deshalb auch genau da verständlich gemacht werden. Somit ist es auch nicht verwunderlich, dass sich die typisch deutsche Einteilung in Satzschlusszeichen, also solche, die einen ganzen Satz abschließen, und in die einen Ganzsatz gliedernden Satzmittezeichen in spanischen Handbüchern nicht zu finden ist. Die deutsche Gründlichkeit geht sogar so weit innerhalb der Satzmittezeichen zwischen paarigen und nur in einfacher Ausführung auftretenden Zeichen zu unterscheiden. Um eine vergleichende Analyse anfertigen zu können, wird im Folgenden die deutsche Terminologie übernommen.

3.1 Satzschlusszeichen

Der Kennzeichnung des Schlusses von Ganzsätzen dienen in beiden Sprachen Punkt, Ausrufe- und Fragezeichen. Die besondere Stellung der doppelten Ausrufe- und Fragzeichen im Spanischen und die unterschiedliche Benutzung des Punktes als nicht syntaktisches Zeichen werden in den jeweiligen Abschnitten gesondert behandelt.

3.1.1 Punkt

Mit einem Punkt wird grundsätzlich das Ende eines Ganzsatzes markiert, wobei es nicht von Bedeutung ist, ob dieser zuvor durch andere Elemente strukturiert wurde. Er schließt also einfache und komplexe Sätze ab und gilt unter den Schlusszeichen als die neutrale Variante, mit der man keine besondere Sprecherintention ausdrückt. Im Gegensatz zum Deutschen wird im Spanischen Wert auf die Funktion des Punktes innerhalb des fortlaufenden Textes gelegt: der „punto y seguido“ trennt zwei nahtlos aufeinanderfolgende Sätze voneinander, der „punto y aparte“ steht am Ende eines Absatzes und der „punto final“ schließt den kompletten Text.[5] Natürlich gibt es im Deutschen ebenfalls diese drei verschiedenen Punktarten, der Hinweis im spanischen Regelwerk unterstreicht jedoch das globale Verständnis der Interpunktion, während das Deutsche sich eher mit dem einzelnen Satz beschäftigt.

Einfacher Satz

Deutsch: Daran glaube ich nicht .[6] [i]

Spanisch: Yo sigo trabajando .[ii]

Komplexer Satz

Deutsch: In Wahrheit, so unkten sie gartenlaubenhaft, ist die ganze junge digitale Community auch nur auf der Suche nach Nähe und Vieraugengespräche – soziale Privilegien also, die ausschließlich diejenigen noch kennen, die sich früher in den Kellerräumen der katholischen Jugendgruppen getroffen haben und sich noch an Telefone erinnern, die schnellen – die tollen Zeitzeugen .[iii]

Spanisch: En mis años de formación el asma, una inflamación de la mucosa que reviste los bronquios, generalmente por una causa alérgica (polen, ácaros del polvo, hongos ambientales, animales de compañía), se consideraba un mero estrechamiento de las vías respiratorias .[iv]

Falscher und unterschiedlicher Gebrauch

In beiden Sprachen ist es grundsätzlich nicht zulässig einen Punkt zur Einteilung von mehr als dreistelligen Zahlen zu setzen. Während man sich aber im Deutschen weitgehend an diese Regel hält (52 634, 54 500[v]), scheint die Norm in Spanien nur auf dem Papier zu existieren (695 . 00, 610 . 00, 35 . 000, 80 . 000[vi]). Auch bei Inhaltsangaben, Aufzählungen[7], Bildunter- und Artikelzwischenüberschriften ist der Punkt im Spanischen viel häufiger zu finden als im Deutschen. Da jeder Einzelfall in den entsprechenden Regelwerken nicht genau angeführt ist, sei hier noch einmal auf das unterschiedliche Verständnis der Satzzeichenfunktion hingewiesen. Vor allem bei Bildunterschriften wird deutlich, dass im Deutschen nur ein Ganzsatz, also ein syntaktisch vollständiger, mit einem Schlusszeichen beendet werden kann (Es ist möglich, dass sie einigermaßen glücklich aufgehen in ihrem Greisentum .[vii]); Anmerkungen, denen – wie bei den meisten Titeln der deutschen Presse – das konjugierte Verb fehlt, jedoch nicht grafisch geschlossen werden (Kulturwissenschaftler Sommer „Besonders perfide Formen von Gewalt“ / Zimmer im Sonderbau des KZ Buchenwald: Auf dem Flur patrouillierte ein SS-Mann[viii]). Im Spanischen dagegen wird selbst bei Eigennamen unter Bildern ein Punkt gesetzt, da man somit eine Einheit abschließt (La dulce Ana de Armas . / Olfo, nieto de Lucía Bosé .[ix]). Am Ende sollte man natürlich noch die zwei verschiedenen Systeme, mit denen Ordnungszahlen kenntlich gemacht werden, beachten. Im Deutschen erkennt man an dem hinter einer Zahl stehenden Punkt lediglich die Tatsache, dass es sich um eine Ordnungszahl handelt, die Fallendungen dieser deklinierbaren Zahlen werden aber grafisch nicht näher bestimmt. Im Spanischen wird das Geschlecht durch ein hochgestelltes „º “ bzw. „ª” angegeben.

3.1.2 Frage- und Ausrufezeichen

Der auffälligste Merkmal der spanischen Frage- und Ausrufezeichen ist selbstverständlich ihr Auftauchen in umgedrehter Form am Satzanfang. Somit können sie weder als Satzschluss- noch als Satzmittezeichen klassifiziert werden und fallen nicht nur optisch aus dem Rahmen, sondern zeigen auch, dass man die deutsche Terminologie nicht problemlos auf ein anderes linguistisches System anwenden kann. Bei echten Aufforderungs- und Fragesätzen, also solchen, die mit einem Imperativ oder mit einem Fragewort bzw. einem Verb im Deutschen eingeleitet werden, kann man die Satzstellung als Argument für die Kennzeichnung zu Beginn im Spanischen anbringen:

[...]


[1] Vgl. Millán, José Antonio, Perdón, imposible: Guía para una puntuación más rica y consciente, Barcelona: RBA Libros, 2005, S. 9.

[2] Nerius, Dieter (Hrsg.), Duden: Deutsche Orthographie, Mannheim: Dudenverlag, 32000, S. 230.

[3] Vgl. Nerius, Dieter (Hrsg.), Duden: Deutsche Orthographie, Mannheim: Dudenverlag, 32000, S. 252.

[4] Vgl. Millán, José Antonio, Perdón, imposible: Guía para una puntuación más rica y consciente, Barcelona: RBA Libros, 2005, S. 23f.

[5] Vgl. Real Academia Española, Ortografía de la Lengua Española, 1999, S. 33.

[6] Die bibliographischen Angaben der Beispiel werden gesondert als Endnoten angegeben.

[7] Im Spanischen Fernsehprogramm wird das Ende eines Absatzes mit einem Punkt markiert, im Deutschen beginnt man lediglich in der nächsten Zeile.

[...]


[i] Klute, Hilmar, Generation Gugl, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 123 (2009), S. V2/1.

[ii] Pulido, Beatriz, «¿Yo en un despacho? Ni hablar», in: el mundo, Nr. 7107 (2009), S. 24.

[iii] Klute, Hilmar, Generation Gugl, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 123 (2009), S. V2/1.

[iv] Pelta, Roberto, Las nuevas alergias, in: tiempo, Nr. 1431 (2009), S. 8.

[v] Smoltczyk, Alexander, „Ich bettle nicht“, in: Der Spiegel, Nr. 22 (2009), S. 28.

[vi] Barciela, Fernando, Garmendia, una ministra en pérdidas, in: tiempo, Nr. 1431 (2009), S. 28.

[vii]Klute, Hilmar, Generation Gugl, in: Süddeutsche Zeitung, Nr. 123 (2009), S. V2/1.

[viii] Fallet, Mareike, „Hauptsache, du überlebst“, Der Spiegel, Nr. 22 (2009), S. 62.

[ix] Mariñas, Jesús, Lydia Bosch implora apoyo a una prensa que siempre despreció, in: tiempo, Nr. 1431 (2009), S. 86.

Details

Seiten
25
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640645817
ISBN (Buch)
9783640645879
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152537
Note
Schlagworte
zeichensetzung spanischen deutschen eine analyse
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