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Entwicklung der Aufklärungsfilme

Am Beispiel von Oswalt Kolle

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Medien / Kommunikation - Mediengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definition: Aufklärungsfilm, Erotischer Film, Sexfilm, Pornografie

3 Die Vorreiter des späten Aufklärungsfilms
3.1 Richard Oswald
3.2 Alfred Kinsey
3.3 Erich Kobler
3.4 Erich F. Bender

4 Oswalt Kolle
4.1 Aufklärer der Nation
4.2 Kritik
4.3 Filmografie

5 Sexuelle Entwicklung der Gesellschaft
5.1 Privatisierung des Sex in den 50er /60er Jahre
5.2 Sexuellen Revolution oder Sexwelle
5.3 Liberalisierung der 70er Jahre
5.4 Die Sex Reporte

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Aufklärungsfilme dienen im Allgemeinen der systematischen Belehrung zur Bewusst machung. Etwas, das dabei bewusst gemacht werden soll, kann verschiedener Natur sein und unterschiedliche Reaktionen hervorrufen. In dieser Arbeit geht es jedoch um die sexuelle Aufklärung durch das Medium Film. Auch hier lässt sich das Resultat solcher Aufklärungen nicht deutlich wiederspiegeln. Die Persönlichkeit und der Charakter eines Individuums werden ebenso auch durch Umwelteinflüsse geprägt. So darf ein Aufklärungsfilm nie ohne sein historisches und gesellschaftliches Umfeld betrachtet werden. Er ist immer eine Reflexion des zeitlich herrschenden Moralbegriffs. Da das kommerzielle Kino stets einigen Einschränkungen ausgesetzt ist, lässt sich gut beobachten, wie z.B. mit dem Wegfall der Zensur, die erste Aufklärungsepoche nach der Novemberrevolution um 1918 startete und in der Weimarer Republik mit der Wiedereinführung zum neuen Charakter des Aufklärungsfilms führte. Erst der Kulturfilm, dann der Propagandafilm. In der Nachkriegszeit findet der Aufklärungsfilm wenig Anklang, da vorrangige Filme sich hauptsächlich mit Geschlechtskrankheiten auseinander gesetzt haben und nun keine Eindrücke mehr schinden können. Ende der 60er kam es wieder vermehrt zu Aufklärungsfilmen. Und dieses Mal wurde das Thema Sexualität anders als bisher behandelt. In dieser Arbeit soll auf die so genannte sexuelle Revolutionen und ihre Vorreiter explizit eingegangen werden. Es soll geklärt werden, was genau zu dem Boom geführt hat und welche Auswirkungen die Filme auf das Konsumverhalten und spätere Entwicklungen des Genres hatten. Vor allem soll darauf eingegangen werden, ob Aufklärungsfilme auch ihren aufklärenden Zweck erfüllen oder nur über das Aufführen von tabuisierten Themen an Zuschauerzahlen kommen. Dabei ist der Schwerpunkt auf den Aufklärungsspezialisten Oswalt Kolle und auf seine Werke gelegt, um die Beispiele der Entwicklungsszenarien zu untermalen.

Aufklärungsfilme hatten schon immer keinen leichten Weg, denn sie wollten meistens tabuisierte Themen behandeln. Um die staatliche Zensur zu umgehen, konnte man nur in Form von wissenschaftlichen Erkenntnissen das zeigen, was sonst nicht erlaubt war. Das kommerzielle Kino war natürlich auch auf den Erlös fixiert oder musste zumindest die Produktionskosten decken. Aus dieser Situation gesehen, standen im Film die anregenden Momente zwar im Vordergrund, mussten aber dennoch aufgrund der Tabus und möglichen voyeuristischen Einflüsse verschleiert werden. Diese Paradoxie brachte einige urkomische Szenen in die Welt der Aufklärungsfilme. Eine Therapeutische Wirkung kann ein Aufklärungsfilm kaum haben, es sei denn es geht um die Sexualhygiene. Eine Therapie im Aufklärungsfilm bemüht sich in der Regel den ursprünglichen Zustand der Desinformation in einen gewünschten zu ändern. Die so genannte freie Sexualit ä t kann ein Mensch nur dann erreichen, wenn er die Begrenzung seines Egos fallen lässt. Im Idealfall können Aufklärungsfilme nur die Veränderungen der Symptome therapeutisch beeinflussen, oft hinterlassen sie jedoch kaum die beabsichtigte Wirkung. Eine ganz andere Bedeutung jedoch bekamen Aufklärungsfilme während der achtziger Jahre als die AIDS Bedrohung aufkam, welche auch in dieser Arbeit nicht thematisiert wird.

2 Definition: Aufklärungsfilm, Erotischer Film, Sexfilm, Pornografie

Bevor auf die Entstehung und Geschichte des Aufklärungsfilms eingegangen werden kann, müssen die Grundsätze der Begriffe „Pornografie“ und „Sexualität“ geklärt werden. Beide Bezeichnungen haben in der Entwicklung der sexuellen Darstellung eine tragende Rolle gespielt, wurden jedoch des Öfteren kaum von einander abgegrenzt oder verworrenen Bedeutungen zugewiesen. Die Meinung von Gegnern des Aufklärungsfilms tendierte fast immer zum Pornografischen. Was aber pornografisch ist, kann nur jeder selbst im Alltagsleben für sich bestimmen. Zum Begriff der Pornografie lassen sich viele Definitionen feststellen. Zum einem wird es oft als Synonym verwendet, „ um reale Erlebnisse oder mediale Darstellungen mit ungew ö hnlicher, extrem starker sexueller Ausstrahlungskraft in dieser Eigenschaft zu qualifizieren “ 1, zum anderem spricht man über die Verletzung der eigenen Normen. Beide Ansichten sind sehr subjektiv zu betrachten, denn das Urteil bildet sich letztendlich mit den persönlichen biografischen Erfahrungen des Individuums. Auch die sozialschädliche und gefährliche Wirkung von Pornografie auf Konsumenten konnte bislang nicht widerlegt werden, daher ist der Begriff auch im Strafgesetzbuch der Bundesrepublik verzeichnet. Es wurden einige Feststellung dargelegt, die z.B. die Zunahme sexueller Gewalt und Aggression, Frauenfeindlichkeit und Anstöße zu paraphilen und risikoreichen Sexualpraktiken anregen können. Zudem werden Darstellungen als pornografisch bezeichnet, wenn sie überwiegend auf die Aufreizung des sexuellen Triebs beim Betrachter vorsehen und die unter Wertvorstellungen gezogenen Grenzen des sexuellen Anstands eindeutig überschreiten. Im Rundfunk ist die Ausstrahlung pornografischer Inhalte komplett untersagt und wird lediglich über den Wissenschafts und Kunstvorbehalt zugelassen. Was den feinen Unterschied zwischen dem pornographischen und dem erotischem Film ausmacht, ist die rechtliche Praxis der direkten Darstellung von Geschlechtsteilen in Groß und Detailaufnahme. Im Erotikfilm sieht man zwar ebenfalls agierende nackte Körper, jedoch wird auf die direkte Abbildung des Geschlechtsverkehrs oder des männlichen Geschlechtsorgans verzichtet. Auch im Genre Sexfilm wird ganz auf Großaufnahmen der Geschlechtsteile verzichtet und so lässt sich klar feststellen, dass Sexfilme keine Pornografie enthalten.

Die Sexualität ist als Begriff ebenso nicht exakt definiert, denn die Bedeutung steht immer in einer Anhängigkeit zu den Machtverhältnissen in der Gesellschaft. Auch wenn sich hier die Hauptthematik ebenfalls mit dem Geschlechtsverkehr beschäftigt, kann die subjektive Auffassung des Begriffs von einander abweichen. Sexualität wird im Allgemeinen als Verhaltensweise und Handlungen von Menschen miteinander oder mit sich selbst als Geschlechtswesen bezeichnet. Dabei können folgende Elemente unterschieden werden: Fortpflanzungsfunktion, Befriedigung biologischer Bedürfnisse, Lust und befreiende Funktionen.2

Aufklärungsfilme, die an die Kinsey Reports (Kapitel 3) angelehnt sind, haben hauptsächlich die biologische Aufklärung im Sinne. Mit Filmen wie Helga aus dem Jahr 1967 versuchte man von Null zu beginnen. Innerhalb eines Jahres lockte der Film ca. drei Mio. Zuschauer in die Kinos und spielte in Deutschland über 13. Mio. Mark ein.3 Die Fortpflanzung stand im Mittelpunkt. Von Erotik war dann später zwar die Rede, wurde diese jedoch visuell fast nie vermittelt. Das hatte auch Gründe, denn die Ideologie der Monogamie und die Priorität der heilen Kleinfamilie wollten vor der Sprengkraft der Erotik warnen. Wie bereits erwähnt, versuchte der Aufklärungsfilm mit der Vermittlung von wissenschaftlichen Erkenntnissen das Volk zu belehren. Was dabei neu war, war das ausgiebige Zeigen nackter Körper. Oswalt Kolle war der Vorreiter bei den Aufklärungsfilmen, welche soziale, kulturelle und ideologische Entwicklungen zur Erklärung von Sexualverhalten heranzogen. Die Vermutung lag nahe, dass sich Aufklärungsfilme Ende der 60er Jahre gut im Kino vermarkteten und so gab es viele Produktionen, die versuchten den Erfolg nachzuahmen. Es entstanden in den frühen 70ern die so genannten Reportfilme, welche mehr pseudowissenschaftlich über das Sexualverhalten von Schulmädchen, Krankenschwestern und Hausfrauen berichteten. Diese Reportfilme führten zu einem Boom in der Sexfilmproduktion, die keinen Wert mehr auf den Aufklärungsvorwand legten, sondern nur noch mit nackter Haut Unterhaltung bot.4

3 Die Vorreiter des späten Aufklärungsfilms

1917 ging es das erste Mal um sexuelle Aufklärung. Doch es war eine eher traurige Entwicklung in der Filmgeschichte des Aufklärungsfilms. Auch wenn dieser Art von Filmen mit den Aufklärungsfilmen der 60er/70er Jahre wenig gemeinsam haben, waren sie die Vorreiter auf diesem Gebiet.

3.1 Richard Oswald

Der erste seiner Zeit war Richard Oswald, ein österreichische Filmregisseur und Drehbuchautor. Sein Werk Es werden Licht war eine Förderung der Gesellschaft zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten und behandelte die Krankheit Syphilis. Der sozialhygienische Film, der hauptsächlich im Milieu von Freudenhäusern spielte, wurde zum Kassenhit. Es folgten kurz darauf zwei weitere Teile. Auch in diesem Zeitalter war die Reaktion der Konkurrenz nicht außergewöhnlich, jeder wollte ein Stück von der Sahnetorte sichern und es entstand eine Flut von Aufklärungs und Sittenfilmen.5

3.2 Alfred Kinsey

Von entscheidender Rolle für die Entwicklungen von Report Filmen waren die Kinsey Reports, welche in den USA heftigen Debatten auslösten. Der Zoologe, Mediziner und Sexualforscher Alfred Kinsey (1894 - 1956) legte Anfang der 40er/ Ende 50er Jahre die weltweit erste und repräsentative Untersuchung zur Sexualität und brach damit das öffentliche Schweigen über sexuelle Verhaltensweisen. Über 16.000 Männer und Frauen wurden mit umfangreichen Befragungen untersucht. Kinsey hatte zum Einen die Menschen aus den sexuellen Nöten erlöst, da er ihnen zeigte, dass sie nicht alleine sind, und zum Anderen wies er die Abweichung zu den moralischen Vorstellungen jener Zeit und der sexuellen Alltagspraxis nach. So konnte das Ausmaß des vorehelichen und außerehelichen Verkehrs nachgewiesen werden. Außerdem wurde erstmals auch über verboten Sexual praktiken wie Masturbation und homosexuelle Kontakte berichtet. Der internationale Erfolg der Kinsey Reports fand großen Anklang in der Bundesrepublik und so folgten ab Mitte der 60er Jahre zahlreiche Bücher und später auch Filme (mit weniger seriösen Absichten), die das Vorbild mit der selben Weise der detailierten Berichterstattung über das sexuelle Verhalten bestimmter Bevölkerungsgruppen, kopierten. Für einen geplanten Report über die Sexualität der Deutschen war die Datenerhebung aber weniger erfolgreich, da die Rücklaufquote der Befragten bei ca. 20% lag und somit keine Repräsentativität darstellen konnte. Ausgangspunkt für diesen Report war die Anmutung des sexuellen Informationsbedürfnisses der Bevölkerung.6 Doch es gab auch Gegner dieser Bewegung; „„ Dem ganzen Staatsgef ü ge droht Gefahr! “ „ Diese Forschungsergebnisse m ü ssen genau so geheim gehalten werden, wie die Ergebnisse der Atomforschung! “ So der deutsche Soziologe Helmut Schelsky im Jahr 1957 “ 7 Er befürchtete, wenn die deutsche Bevölkerung die sexuellen Praktiken der USA zu Ohren kriegt, würde dies zu zügelloser und ausschweifender Sexualität führen und genau das versuchte er zu verhindern.8

3.3 Erich Kobler

Ein weiterer Aufklärungsfilm, der für einige Furore in der deutschen Geschichte sorgte war Eva und der Frauenarzt (1951) von Erich Kobler. Während der Vorstellungen trennte ein Seil in der Mitte der Sitzreihen Männer und Frauen, damit der Film sachlich aufgenommen werden konnte. Es ging um Geschlechtskrankheiten und die Entwicklung sowie Geburt des Menschen. Die Trennung der Geschlechter lässt sich in großer Wahrscheinlichkeit auf die Zensur der FSK9 rückschließen. Die Inakzeptanz der Aufklärungsfilme dieser Zeit beruhte auf der schockierenden Nüchternheit und der biologischen Realität, die das Traum und Wunschdenken der Gesellschaft auf die Tatsachen reduzierte. Nicht die Aufnahme von anatomischen Gegebenheiten und die Großaufnahmen der Genitalien, sondern die Gravität der venerischen Infektionen und die kühlen Kommentare des Frauenarztes bestürzten das Publikum.10

[...]


1 Miersch 2003, S. 43

2 vgl. Miersch 2003, S. 43 46

3 vgl. Thissen 1995, S. 203

4 vgl. Thissen 1995, S. 18 20

5 vgl. Thissen 1995, S. 159

6 vgl. Miersch 2003, S. 84

7 Breidenbach Fronius 2007, S. 1

8 vgl. Breidenbach Fronius 2007, S. 1

9 Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft seit 1949

10 vgl. Thissen 1995, S. 160 165

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640643097
ISBN (Buch)
9783640643127
Dateigröße
563 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152533
Institution / Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin
Note
1,7

Autor

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