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Gunst- und Ungunstfaktoren der Anlage der Stadt Halle

Eine Betrachtung der geographischen Rahmenbedingungen in der Siedlungsentwicklung

Seminararbeit 2003 17 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Regionalgeographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Allgemeine Informationen zu Halle

3. Das Klima von Halle

4. Kurze Stadtgeschichte

5. Geologische Aspekte
5.1. Geologische Entwicklung des Raumes Halle
5.2. Die Marktplatzverwerfung
5.3. Das Salz
5.4. Der Hallesche Porphyr
5.5. Der Kaolinton
5.6. Die Kohle
5.7. Die Böden

6. Die Saale

7. Geotope in Halle und Umgebung

8. Zusammenfassung

9. Literatur

1. Einleitung

Halle ist eine Stadt mit einer wechselvollen Geschichte. Die Stadt ist weit über ihre Grenzen hinaus bekannt als die Salzstadt und die Chemiestadt. Das Wirken und Schaffen seiner Bewohner, wie zum Beispiel der Halloren mit ihrer weit zurückreichenden Tradition des Salzsiedens, ist ebenso für die Entwicklung prägend, wie die natürlichen Gegebenheiten in Halle und seiner Umgebung.

In dieser Ausarbeitung sollen die Gunst- als auch die Ungunstfaktoren dargestellt werden, die sich wesentlich auf die Anlage der Stadt Halle auswirkten.

2. Allgemeine Informationen zu Halle

In Halle wohnen 237.951 Menschen (Stand zum 31.12.2002). Die Stadtfläche beträgt 135 km² mit einer Einwohnerdichte von 1.763 Einwohnern pro Quadratkilometer. Die Ausdehnung von Nord nach Süd als auch von Ost nach West beträgt 16 km. (www.halle.de). Das Stadtgebiet erstreckt sich von Ammendorf im Süden bis Trotha im Norden etwa 12 km entlang der Saale. (Friedrich u. Frühauf, 2002, S. 17). Der höchste Punkt im Stadtgebiet ist der Große Galgenberg mit 136 m über NN und der tiefste Punkt ist das Saaleufer am Saalwerder mit 71 m über NN. Der Marktplatz wird mit 87 m über NN angegeben. Die Koordinaten des halleschen Marktplatzes sind 11°58‘19“ östliche Länge und 51°28‘59“ nördliche Breite. Die mittlere Ortszeit von Halle liegt um 12 Minuten und 7 Sekunden hinter der Mitteleuropäischen Zeit zurück. (www.halle.de).

3. Das Klima von Halle

Der Raum Halle liegt in der gemäßigten Klimazone im Übergangsbereich des maritim beeinflußten Klimas Westeuropas und des kontinental beeinflussten Klimas Osteuropas. (www.geographix.de). Durch die Zugehörigkeit zur „naturräumlichen Haupteinheit des östliches Harzvorlandes“ liegt Halle auch im Börde- bzw. Mitteldeutschen Binnenklima. (Rosenkranz u.a., 1972, S. 16).

Halle unterliegt durch seine Leelage südöstlich des Harzes und nordöstlich des Thüringer Waldes einer relativen Niederschlagsarmut. (www.geographix.de).

Durch den geringen Niederschlag wird auch weniger Energie für die Verdunstung aufgewendet, was zu Folge hat, daß die Temperatur etwas höher ist, als sie normalerweise sein würde, wenn mehr Niederschläge vorhanden wären. (Friedrich u. Frühauf, 2002, S. 87).

Braunschweig liegt im Gegensatz zu Halle nicht im Regenschatten des Harzes. Beide Meßstationen haben etwa die gleiche Höhenlage (Halle 94 m über NN und Braunschweig 83 m über NN). Halle weist eine mittlere Jahrestemperatur von 9,1°C auf, Braunschweig dagegen eine geringfügig niedrigere mit 8,8°C. Der Jahresgesamtniederschlag in Braunschweig beträgt 676 mm, in Halle nur 502 mm. Hier wird der Einfluß des Harzes auf die Niederschlagsverhältnisse von Halle deutlich, da die Niederschläge von Braunschweig, das westlich des Harzes liegt, um rund 25% höher sind als in Halle. Auch ist das Niederschlagsmaximum im Juli in Braunschweig mit 75 mm etwas höher als in Halle mit knapp 70 mm. Der Niederschlag in Braunschweig liegt ganzjährig nie unter 40 mm. Dagegen weisen die Monate Oktober bis April in Halle deutlich weniger als 40 mm Niederschlag auf. Das Temperaturmaximum in Halle beträgt im Juli 18°C und ist damit etwas höher als in Braunschweig mit 17°C. Das Temperaturminimum in Halle liegt im Januar bei 0,0°C, gleiches gilt für Braunschweig.

Der heißeste Tag in Halle wurde am 11.07.1959 mit 37,9°C gemessen. Der kälteste Tag war am 11.02.1929 mit -27,1°C. Das mittlere Datum des letzten Frostes in Halle ist der 19.04. Das mittlere Datum des ersten Frostes ist der 24.10. (Heimatblätter: Der Weinbau im Mansfelder Land Nr. 9, S.67).

Im Westen von Halle befindet sich am Süßen See Aseleben, der trockenste Ort Mitteleuropas. Der Ort hat einen Jahresgesamtniederschlag von 429 mm. Trockenere Gebiete gibt es erst wieder in den osteuropäischen Steppen. Durch die klimatischen Verhältnisse in der Gegend des Süßen Sees, ist sogar der Anbau von Aprikosen und Wein möglich. (Friedrich u. Frühauf, 2002, S. 87).

4. Kurze Stadtgeschichte

In diesem Punkt soll lediglich auf die wichtigsten historischen Eckdaten eingegangen werden, die für die Entwicklung der Stadt Halle von wesentlicher Bedeutung sind. Halle ist eine historisch gewachsene Großstadt, die aus mehreren Siedlungskernen besteht, welche bevorzugt am östlichen Saaleufer in Nord-Süd-Richtung angelegt wurden. (Rosenkranz u.a., 1972, S.24). Die Namensgebung „hala“ erfolgte im Althochdeutschen und bedeutet soviel wie Salz. (Wagenbreth u. Steiner, 1990, S.81). Ur- und frühgeschichtliche Funde weisen darauf hin, dass das Gebiet von Halle schon früh besiedelt war. (Krumbiegel u. Schwab, 1974, S. 50). Aus dem Jahre 806 dokumentiert die erste urkundliche Erwähnung über ein Kastell namens „halla“, welches die Franken angelegt hatten, um ihre Ostgrenze abzusichern. Die Burg Giebichenstein wurde erstmals 961 erwähnt. Schon im Jahr 984 erhielt Halle Markt-, Münz-, Zoll- und Bannrecht, also die für eine Stadtentwicklung im Mittelalter wichtigsten Rechte. Demnach stieg die wirtschaftliche Bedeutung Halles im 11. und 12. Jahrhundert und 1281 trat die Stadt sogar der Hanse bei. An einen Tiefpunkt gelangte die Stadt, als sie 1487 von den Truppen des Erzbischofs zu Magdeburg besetzt wurde. Halle verlor bis auf weiteres seine Selbständigkeit. Auch der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 ging nicht spurlos an der Stadt vorbei. Nach Kriegsende war die Stadt wirtschaftlich ruiniert. Einen wesentlichen Impuls auch für den wirtschaftlichen Aufschwung gab die Gründung der Universität 1694 und die Gründung der Franckeschen Stiftungen 1695 von August Hermann Francke. Im Jahre 1721 wird die Königliche Saline auf der Salinehalbinsel errichtet und nimmt ihren Betrieb auf. Im Zuge der Industrialisierung erfuhr Halle mehrere Stadterweiterungen durch Eingemeindungen als auch durch Neuanlegung von Wohnvierteln. Als erste Stadt in Deutschland nahm Halle ab 1891 die elektrische Straßenbahn in Betrieb. Im Zweiten Weltkrieg gab es in Halle zwar 553 Fliegeralarme, doch glücklicherweise war die Zerstörung im Vergleich zu anderen deutschen Großstädten sehr gering. So war zum Beispiel der Rote Turm beschädigt, das Rathaus und einige Hotels am Riebeckplatz zerstört. Im Jahr 1964 endete in Halle die industrielle Salzgewinnung und die Saline stellte ihren Betrieb ein. Heutzutage kann die Gewinnung von Salz noch beim „Schausieden“ nachvollzogen werden. (www.stadtmuseum-halle.de).

5. Geologische Aspekte

5.1. Geologische Entwicklung des Raumes Halle

Die Schiefertone aus dem Karbon (355-296 Mio. Jahre) sind die ältesten Gesteine an der Erdoberfläche in Halle. Aus dieser Epoche stammt auch die Steinkohle, die im Stadtgebiet zum Beispiel in Dölau oder der Frohen Zukunft abgebaut wurden. Die Zeit des Rotliegenden war durch Vulkanismus geprägt. In dieser Zeit entstand der Hallesche Vulkanitkomplex durch aufsteigende porphyrische Schmelzen. In der Zeit des Zechstein (258-251 Mio. Jahre) bildeten sich chemische Ablagerungen durch zeitweise Abtrennung des Meeres zum Weltozean. Es bildeten sich Anhydrite und karbonatische Gesteine. Die Zeit des Buntsandstein (251-243 Mio. Jahre) war nach dem Meeresrückzug geprägt durch wüstenhaftes Klima und geringe Vegetation, aus den Sandablagerungen bildete sich Sandstein. Durch eine neuerliche Überflutung des halleschen Raumes in der Zeit des Muschelkalks (243-235 Mio. Jahre) wurden kalkige und tonige Sedimente abgelagert. Aus der Keuper-, Jura- und Kreidezeit (235-60 Mio. Jahre) sind infolge der Hebungsvorgänge während der Saxonischen Gebirgsbildung und der daraus resultierenden verstärkten Abtragung keine Gesteine mehr erhalten. Die hier fehlenden Gesteine bilden eine Schichtlücke. In der Kreidezeit bildet sich die Hallesche Marktplatzverwerfung durch Hebung der Nordostscholle mit Gesteinen des Rotliegenden und Senkung der Südwestscholle mit Gesteinen des Zechstein heraus. Durch das feucht-warme Klima im Tertiär (65-1,75 Mio. Jahre) gibt es eine üppige Vegetation. In den Mooren und Sümpfen entsteht später Braunkohle. Im Quartär (1,75-0 Mio. Jahre) wird der Raum Halle von den Eisvorstößen der Elster- und Saaleeiszeit erreicht und von einem mehrere hundert Meter mächtigen Eispanzer bedeckt. Nach Abschmelzen des Eises wird der Raum Halle mit quartären Sedimenten überlagert. (Stadt Halle Saale, 2002).

5.2. Die Marktplatzverwerfung

Eine Verwerfung ist eine „tektonisch bedingte Verschiebung von Gesteinschollen innerhalb der Erdkruste entlang von Verwerfungs- bzw. Bruchflächen, die auch als Bruchlinien bezeichnet werden.“ (Wörterbuch Allgemeine Geographie, 2001, S. 959). Die Hallesche Marktplatzverwerfung wird auch als Hallesche Störung bezeichnet. Sie entstand durch die „Fernwirkung“ der alpidischen Gebirgsbildung und ist Teil eines ganzen Systems südost-nordwest gerichteter Verwerfungen. (Stadt Halle Saale, 2002). Im Rahmen der ablaufenden saxonischen Gebirgsbildung im späten Jura bzw. der Kreidezeit kam es zu Hebungs-, Senkungs- und Kippvorgängen. Der hallesche Raum wurde dadurch tektonisch geteilt. (Friedrich u. Frühauf, 2002, S.22-23).

Die Erdscholle nordöstlich der Verwerfungslinie hob sich heraus und bildet die Hochscholle. Die südwestliche Scholle senkte sich ab und bildet die Tiefscholle. Der Sprunghöhenunterschied zwischen beiden Schollen beträgt 600 m, an manchen Stellen sogar bis zu 1.500 m. (Wagenbreth u. Steiner, 1990, S.80).

Die Nordostscholle unterlag durch den Hebungsprozess einer stärkeren Abtragung als die abgesenkte Südwestscholle. Dadurch sind die ursprünglich an der Oberfläche der Nordostscholle befindlichen jüngeren Gesteinsschichten beseitigt und die darunterliegenden älteren freigelegt worden. Die Ablagerungen vom jüngeren Trias bis zum älteren Tertiär sind auf der Hochscholle nicht mehr vorhanden, es dominieren die Gesteine des Rotliegenden und des Oberkarbons. Die Südwestscholle wurde aufgrund ihrer Absenkung nicht so stark abgetragen, deshalb sind dort Ablagerungen aus dem Buntsandstein und dem Muschelkalk anzutreffen. (Friedrich u. Frühauf, 2002, S. 23-24).

Wie oben schon beschrieben, wird die gehobene Nordostscholle von Ablagerungen des Rotliegenden dominiert bzw. von oberem und unterem halleschen Porphyr. Zwischen den Porphyrkuppen Galgenberg, Reilsberg und Giebichenstein liegen tertiäre und quartäre Sedimente. Die Südwestscholle besteht aus Ablagerungen des Buntsandstein, des Muschelkalk und unter der Oberfläche aus Sedimenten des Zechstein. Auch hier sind tertiäre und quartäre Sedimente aufgelagert.

Durch die Hebung der Nordostscholle wurden die Schichten des Zechstein mit hinaufgeschleppt. (Friedrich u. Frühauf, 2002, S. 27). Dieses Aufschleppen führte zu einem „Solauftrieb“ der unter starkem Druck stehenden Solen und es kam entlang der Verwerfungslinie verstärkt zum Austritt von Solquellen. Diese Solquellen sollten Anlaß für die frühe Besiedlung des Raumes Halles sein, die sich mehr als 5.000 Jahre zurückverfolgen läßt. (Krumbiegel u. Schwab, 1974, S. 49). Die Gunstwirkung der Solquellen für die Entwicklung der Stadt soll im nächsten Punkt dargestellt werden.

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Details

Seiten
17
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640647255
ISBN (Buch)
9783640647408
Dateigröße
425 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152518
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – Institut für Geographie
Note
1,5
Schlagworte
Halle Siedlungsentwicklung Regionale Geographie Salz Kohle Porphyr Saale

Autor

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