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Politik und Journalismus in der Berliner Republik

"Die Nervöse Zone"

Referat (Ausarbeitung) 2008 14 Seiten

Politik - Politische Systeme - Politisches System Deutschlands

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Einführung in den Begriff der Mediendemokratie
Kernelemente einer Mediendemokratie
Aufmerksamkeit - die neue Schlüsselressource

Lutz Hachmeister
Nervöse Zone: Politik und Journalismus in der Berliner Republik
Gerhard Schröder und die neue Journalismuskritik

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Das Seminar „Bausteine der Mediendemokratie“ beschäftigt sich mit den verschiedenen Formen der Präsentation von Politik in den Medien Print, Fernsehen und Internet. Auf der Grundlage von aktuellen Sachbüchern und Internet-Artikeln wird das komplexe Verhältnis dieser beiden stark miteinander verwobenen Bereiche des öffentlichen Lebens erörtert. Die Vorlesung „Mediendemokratie“ behandelte parallel dazu die Geschichte und Entwicklung von Mediensystemen im internationalen Vergleich. Neben den institutionellen Rahmenbedingungen von Mediendemokratien wurden auch aktuelle Formate und Prozesse der Mediendemokratie wie Wahlkämpfe, Visualisierung, „Entertainisierung“ und Fernsehduelle vorgestellt.

Diese Ausarbeitung beschäftigt sich mit der Publikation von Lutz Hachmeister: „Die Nervöse Zone: Politik und Journalismus in der Berliner Republik“. Hachmeister beschreibt in seinem Werk die Verflechtung von Politik und Medien, in dem neu entstandenen politischen und medialen Machtzentrum Berlin. In seinen Thesen spricht Hachmeister von einer Erosion der traditionellen Handlungsrollen zwischen Politik und Medien, der Entstehung von neuen Allianzen und einer Bündelung der journalistischen Deutungsmacht. Bevor die Darstellung der „Berliner Republik“ aus der Sicht Lutz Hachmeisters beschrieben wird, werde ich den Begriff der Mediendemokratie anhand von verschiedenen Aufsätzen aus dem Seminar und weiterer Sekundärliteratur erläutern.

Ein Bedeutungszuwachs der Massenmedien, die Entstehung neuer Medientypen sowie Internationalisierungs- und Ökonomisierungstendenzen im politisch-medialen Komplex gehen einher mit dem Umzug des Bundestages von Bonn nach Berlin. Diese Merkmale einer veränderten politischen Realität kulminieren in dem Begriff der „Berliner Republik“, welcher inhaltlich dem Begriff der „Mediendemokratie“ ähnelt.

Im Fazit werden wir sehen, wie Hachmeisters Buch in diesen Kontext einzuordnen ist und ob seine Thesen relevant sind. Auch ob die Begriffe Mediendemokratie und „Berliner Republik“ analytisch erhellend, beziehungsweise ihre Verwendung sinnvoll ist, wird dann erörtert werden.

Einführung in den Begriff der Mediendemokratie

Wie in der Einleitung angekündigt, werde ich nun eine kleine Einführung in den Begriff der Mediendemokratie wagen. Anhand von Texten und Aufsätzen aus dem Seminar und dem Buch „Politische Akteure in der Mediendemokratie“, werde ich die ihr am häufigsten zugeschriebenen Merkmale, erläutern.

Öffentlichkeit hat stets zu den Vorraussetzungen für Politik gehört. Angesichts der laufenden Debatten im wissenschaftlichen Diskurs scheinen die Medien und mit ihnen die Öffentlichkeit jedoch eine abermalige Aufwertung bekommen zu haben. Wird Macht als begrenzte Ressource angesehen, so muss der Bedeutungsgewinn des Öffentlichen zu Lasten anderer, bisher privilegierter Akteure gehen. So wird des Öfteren auch von einer Ablösung der alten Parteiendemokratie durch die neue Mediendemokratie gesprochen (vgl. Alemann / Marschall 2002: S.15 ff.).

Spätestens seit dem großen Erfolg des von der Planungszentrale „Kampa“ amerikanisch professionell gemanagten Wahlkampfes der SPD bei der Bundestagswahl 1998 ist das Thema einer Mediendemokratie in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Auch der spätere Regierungsstil Schröders stützt sich vor allem auf medienadressierte Personalisierung. Er regiert im Wahlkampfstil (permanente Kampagne, Demoskopiefixierung) und hat „Going Public“ als Instrument zur Erweiterung seines Handlungskorridors entdeckt (vgl. Korte 2002: S.33).

Neben dem Terminus „Mediendemokratie“ existieren noch viele weitere Benennungen dieses Phänomens, welche ebenso wenig greifbar wie inhaltlich erhellend sind. „Tele-„ oder

„Mediokratie“, „Fernseh-“, „Cyber-“ und „E-Demokratie“ haben zumindest die

Gemeinsamkeit, dass sie die Medien, insbesondere das Fernsehen als neues Leitmedium, in ihrem Namen erwähnen. Bei stetig sinkenden Auflagen der so genannten Qualitätspresse und einer noch nicht umfassenden Nutzung des Internets ist das Fernsehen zum unangefochtenen Leitmedium der Mediendemokratie geworden (vgl. Bieber 2003: S.12). Der Bedeutungszuwachs des Fernsehens im politischen Vermittlungs- und Entscheidungsprozess ist sicherlich eine einschneidende Entwicklung für die Mediendemokratie. Die Entwicklung von der Schrift- zur Bildrezeption entspricht den neuen Anforderungen eines Massenpublikums. Auch die Entstehung neuer Medientypen, vor allem die des Internets, trägt ihren Teil zur veränderten Rezeption und Vermittlung von Politik bei.

So geht die Verwendung des Internets einher mit einer veränderten Nutzung der Inhalte.

Wurden in den alten Medien, wie Print und Fernsehen, vorproduzierte Medieninhalte sozusagen zensiert präsentiert, so ist im Internet eine Aufwertung des Publikums zu beobachten. Durch gezieltes Abfragen der Inhalte können die Nutzer aktiv in den Kommunikationsprozess eingreifen und diesen darüber hinaus auch beispielsweise durch Kommentare beeinflussen (vgl. Bieber 2003: S.21)

Durch die explosionsartige Zunahme der Medienangebote wandelt sich das zuvor noch einigermaßen übersichtliche Medien- und Politikfeld in ein unübersichtliches Wirrwarr von Beziehungsgeflechten. Auch dieser Zustand ist bezeichnend für die neuen Gegebenheiten einer Mediendemokratie.

Kernelemente einer Mediendemokratie

Neben den gesellschaftlichen Strukturen, welche eine Mediendemokratie prägen, werden ihr darüber hinaus bestimmte Kernelemente, wie „Entertainisierung“, Internationalisierung und Ökonomisierung attestiert. Des Weiteren ist auch eine zunehmende Tendenz zur Konstruierung von Ereignissen von Seiten der Medien und der Politiker zu konstatieren.

„Entertainisierung“ besagt, dass sich eine Bewegung der Politiker von der reinen politischen Berichterstattung in den Nachrichten zu weicheren Unterhaltungsformaten vollzieht. Politiker treten verstärkt in Unterhaltungsformaten auf, um dadurch eine größere Präsenz in den Medien zu erlangen. Gleichzeitig werden die politischen Inhalte verwässert oder fallen gar ganz weg. Eine fortschreitende Personalisierung, Symbolisierung und Verflachung von Politik sei zu konstatieren. Eine „Entertainisierung“ der Politik könne aber auch positiv betrachtet werden; durch die Vereinfachung der Inhalte kann ein größeres Publikum in den politischen Prozess miteinbezogen werden (vgl. Bieber 2003: S.12 f.). Eine Autonomisierung des publizistischen Systems lässt sich gegenüber den politischen Akteuren diagnostizieren. Dieses lässt sich wiederum zunehmend von ökonomischen Prinzipien vereinnahmen (vgl. Alemann / Marschall 2002: S.17).

Kamps beschreibt die Entwicklung zur Ökonomisierung wie folgt: Mit dem Erscheinen kommerzieller Akteure im Rundfunksystem tritt neben einer Qualitätsorientierung die Marktorientierung der Verleger, Produzenten oder Intendanten. Von privat-kommerziell operierenden Akteuren wird weniger Gemeinwohlorientierung erwartet. Hinsichtlich der

Medieninhalte findet diese Ökonomisierung ihren pointierten Niederschlag in der

Ausrichtung des Programms an Einschalt- und Marktquoten. Es geht also nicht darum, möglichst viele Personen gut zu informieren, sondern konsumfreudige und kaufkräftige Zuschauer an den Sender zu binden. Der politische Journalismus orientiert sich an der dramaturgischen Konzeption von Unterhaltungssendungen und die politischen Akteure folgen diesem Aufruf mitunter recht ungezwungen (vgl. Kamps 2002: S.106 f.).

Medien vermitteln nicht nur, sie sind auch eigenständige Akteure mit eigenen Plänen und Zielen. So agieren die Medien manchmal durchaus selbstreferentiell und haben nicht nur die Information der Öffentlichkeit, sondern auch ihre Positionsbestimmung im medialen Wettbewerbskontext sowie die Beziehungsgestaltung zu Politikern im Blick (vgl. Meckel 2002: S. 282 m.). „Symbolische Politik“ und „Pseudo-Ereignisse“ beherrschen die Berichterstattung. Dieses Konzept beschreibt das Vorgehen politischer Akteure, den Massenmedien kommunikative Angebote zu unterbreiten, die in Form und zum Teil auch im Inhalt die publizistischen Auswahlbedingungen berücksichtigen (vgl. Alemann / Marschall 2002: S.24).

Dass politische Prozesse durch die Medien vermittelt werden, ist geradezu banal, denn: „Was wir über die Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“, schrieb schon Niklas Luhmann. Auch wenn diese Aussage übertrieben erscheint; zumindest was wir über aktuelle politische Vorgänge wissen, wird über die Massenmedien vermittelt (vgl. Alemann / Marschall 2002: S.17). „Auf kurz oder lang müsse daher das Vokabular der Politiker ersetzt werden durch das Vokabular geschulter Kommunikatoren“ (Kamps 2002: S.101).

Aufmerksamkeit - die neue Schlüsselressource

Sich im Kampf um Wahlkampfstimmen die größtmögliche Aufmerksamkeit zu sichern, ist für Politiker unerlässlich. Aufmerksamkeit wird zur neuen Schlüsselressource und führt zu einem zunehmenden Trend zum Transfer von Prominenten in die Politik und von Politikern in die Medien.

Um den Begriffsapparat des Soziologen Pierre Bourdieu zu benutzen; Im Feld der Mediendemokratie ist das wichtigste Kapital die (mediale) Aufmerksamkeit.

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Details

Seiten
14
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640641901
ISBN (Buch)
9783640642168
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152356
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Schlagworte
Mediendemokratie Berliner Republik Politik Hachmeister Lutz Hachmeister Schröder Fischer Elefantenrunde Medien Demokratie Politikwissenschaft

Autor

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