Lade Inhalt...

Kaiser Augustus - Die Neuordnung des Jahres 27 v. Ch.

Seminararbeit 2006 21 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Octavians Machtposition vor der Neuordnung
2.2 Die Vorbereitung auf den Staatsakt
2.3 Der Staatsakt des Januars 27 v. Chr

3. Schlussteil

Abkürzungsverzeichnis

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit behandelt den Staatsakt des Januars 27 v. Chr., mit dem Gaius Octavian eine Neuordnung des römischen Staates herbeiführte.1 Dieser Staatsakt sollte hauptsächlich der Legalisierung und Institutionalisierung der gewaltsam usurpierten Macht Octavians dienen und seine übergeordnete soziale und politische Stellung unterstreichen. Letzteres gelang ohne Zweifel. Für die legitime Alleinherrschaft Octavians konnten die Vorgänge des Jahres 27 jedoch zunächst nur die Weichen stellen; sie führten nicht zu endgültig konsolidierten Verhältnissen im Inneren des römischen Staates.

Was bedeutete die Neuordnung des Jahres 27 für die res publica? Wie tief war der Einschnitt in die bisherige Ordnung? Führten die Regelungen des Staatsaktes im Januar 27 eher zur Begründung einer Alleinherrschaft Octavians oder tatsächlich zur Wiederherstellung der „Republik“?

Ich werde in meiner Arbeit auf die Beantwortung dieser Fragen hinarbeiten. Zuerst werde ich die Gründe erörtern, welche die Neuordnung der politischen Verhältnisse nach der Rückkehr Octavians von seinem Ägypten-Feldzug unabdingbar machten. Im Anschluss wird die Vorbereitungsphase auf den Staatsakt dargestellt. Danach wird eine Darstellung der Ereignisse des Januars 27 gegeben und es werden mögliche zeitliche Abläufe diskutiert. Wichtige Begriffe wie princeps oder res publica restituta sowie die Octavian verliehenen Ehrungen werden erläutert. Zuletzt werde ich die leitenden Fragen beantworten.

Obwohl meine Arbeit eher thematisch strukturiert ist, wird man eine grobe chronologische Abfolge der Ereignisse erkennen können. Einen einheitlichen Überblick über die Thematik der Neuordnung des römischen Staates im Jahr 27 bieten in besonderem Maße die Werke von Bleicken und Kienast.2 Als Quellen benutze ich den Tatenbericht des Augustus, die Kaiserviten Suetons, die Römische Geschichte Dios und die Römische Geschichte des Paterculus.3

2.1 Octavians Machtposition vor der Neuordnung

Nach dem Sieg Octavians über den letzten Konkurrenten im Kampf um die Macht, Marcus Antonius, im Jahr 31, war Octavian der alleinige Herrscher über das römische Weltreich. Octavian stand somit gezwungenermaßen vor der Frage, wie er seine Machtstellung organisieren und legitimieren soll. Ein realer Verzicht auf die erkämpfte Position kam sicherlich nicht in Betracht. „Augustus hätte seine Position gar nicht räumen können, ohne seine Anhänger um ihren Lohn zu betrügen, ohne sie in Verwirrung und Aufruhr und den Staat in eine neue Katastrophe zu stürzen.“4

Worin bestand jedoch die rechtliche Basis seiner unumschränkten Macht über das Heer und die Provinzen? Zwar war Octavian innerhalb der Jahre 31-27 Konsul und somit Inhaber der höchsten Magistratur im Land gewesen, doch beinhaltete dieses Amt keine Befehlsgewalt über die Legionen in den Provinzen. Von diesen waren immerhin noch 23 verblieben, trotz der großen Demobilisierung nach dem Krieg, und stellten nunmehr eine Art stehendes Heer dar. Obwohl Octavians zweite Amtszeit als Triumvir, durch die ihm zumindest die Statthalterschaft aller Provinzen des Westens gesichert war, bereits am 31. Dezember 33 abgelaufen war, besaß er weiterhin die triumviralen potestas. Den fortwährenden Besitz dieser außerordentlichen Gewalt sah Octavian durch den allgemeinen Volkswillen, den consensus universorum, bestätigt und legitimiert.5 Dieser bezog sich auf keinen formellen staatsrechtlichen Akt, sondern bezeugte lediglich, dass sich Octavian vom einhelligen Willen des gesamten römischen Volkes getragen wusste. In dem Gefolgschaftseid6, den ihm ganz Italien aufgrund des bevorstehenden Kampfes gegen Antonius im Jahre 32 geleistet hatte, findet man einen ersten Ausdruck dieses consensus universorum. Aber auch in den folgenden Jahren 31 bis 29 sollten eine Reihe von Ehrungen und religiösen Überhöhungen Octavians diesen consensus zum Ausdruck bringen.7 Ganz klar zeigte sich der consensus universorum auch am 1. Januar des Jahres 29. An diesem Tag leistete der Senat einen feierlichen Eid, alle Verfügungen Octavians anzuerkennen und einzuhalten.

Letztlich blieb es für Octavian jedoch bei der problematischen Situation, dass der consensus universorum ihm für seine Machtposition zwischen 31 und 27 kein staatsrechtliches Fundament bot, sondern lediglich eine politische Rechtfertigung für all seine in diesen Jahren vorgenommenen Maßnahmen. Octavians Herrschaft beruhte rechtlich allein auf der Tatsache, dass ein römischer Statthalter nicht abgelöst werden konnte, bevor der Senat oder das Volk nicht für einen Nachfolger gesorgt hatte.8 Es waren die Erwartungen aller Gruppen der römischen Gesellschaft gleichermaßen, die sich nun mit der Bestrebung Octavians nach Selbstabsicherung kreuzten und auf eine verfassungsrechtliche Klärung der Lage drängten. Octavian stand am Beginn eines Prozesses der die Verrechtlichung seiner Macht zum Ziel hatte. Und es war ihm wohl klar, dass er nur dann die Begründung einer Monarchie dem Freiheitsstolz des römischen Volkes erträglich machen könnte, wenn er die republikanische Tradition berücksichtigte und seine monarchische Stellung wenigstens äußerlich mit den üblichen Normen der späten Republik in Einklang brächte.9

2.2 Die Vorbereitung auf den Staatsakt

Dass für Octavian auf dem Weg zu einer neuen Festsetzung seiner außerordentlichen Gewalt nur ein Kompromiss mit den Werten und Normen der „alten Republik“ möglich schien und dass allein die unmittelbare Einbindung der obersten staatlichen Behörde, die des Senats, in die neue Ordnung Garant für deren Dauerhaftigkeit sein könnte, spiegelt sich besonders in Octavians Maßnahmen der Jahre 29 und 28 wider. Zusammen mit seinem treuen General und Helfer Marcus Vipsanius Agrippa ließ er sich im Jahr 29 die zensorische Gewalt übertragen, die es ihm erlaubte eine lectio senatus, eine „Verlesung des Senates“, durchzuführen.10

Diese faktisch in Octavians Interesse vorgenommene Säuberung des Senats sollte zu folgenden Ergebnissen führen: Zum einen wollte er sich die größtmögliche, in seinem Sinne handelnde politische Basis schaffen, um somit einen Vorteil für den Staatsakt des Januars 27 zu haben; Zum andern wollte er die Würde und Autorität des Senats wiederherstellen. Dies kann man auch den Kaiserviten Suetons entnehmen: „In den Senat waren haufenweise Leute von ungeschlachtem Charakter und ohne Disziplin hereingeströmt […] Augustus stellte die ursprüngliche Anzahl der Senatoren und ihr altes Ansehen wieder her.“11 Octavian unternahm dies um den Senat, ein zu dieser Zeit völlig gestalt- und einflussloses Gremium, wieder zu einer entscheidungsfähigen Einrichtung zu formen. Durch eine bewusst rücksichtsvolle Durchführung dieser lectio senatus und die demonstrative Beachtung republikanischer Formen erreichte Octavian zusätzlich eine Festigung seiner Stellung.

Um die Römer auf den kommenden Staatsakt einzustimmen machte er ihnen im Jahr 29 ein eindrucksvolles Geldgeschenk von 400 Sesterzen und präsentierte sich zudem im Jahre 28 als Verfechter der alten Religion. „82 Göttertempel habe ich in Rom auf Senatsbeschluss wiederherstellen lassen, als ich zum sechsten Mal Konsul war [28 v. Chr.], und keinen dabei ausgelassen, der zu diesem Zeitpunkt erneuerungsbedürftig war.“12 Dies sind die Worte Octavians über diese Restaurierungsmaßnahmen. Man kann davon ausgehen, dass wohl eher er selbst Urheber dieser Baumaßnahmen war und nicht der Senat, als dessen Vollstrecker er sich in seinem Tatenbericht darstellt.

Im Jahr 28 erfolgten weitere wichtige Schritte Octavians zur Wiederherstellung verfassungsgemäßer Verhältnisse. Das Amt des Konsuls, das in den zurückliegenden Jahren oft auf mehrere Konsulpaare aufgeteilt worden war, um möglichst viele seiner Anhänger mit dem Titel versehen zu können, bekleideten Octavian und Agrippa in diesem Jahr die volle Amtszeit hindurch, wodurch es wieder seinen alten Glanz erhielt. Zudem überließ Octavian seinem Amtskollegen Agrippa im Konsulat die Geschäftsführung, die er in der Vergangenheit stets für sich in Anspruch genommen hatte. Durch diese Geste wollte er die Kollegialität des Amtes wiederherstellen und damit nach außen hin die Einhaltung der Ämterordnung demonstrieren. Als Octavian dazu noch am Ende des Jahres 28 so wie jeder abtretende Amtsinhaber öffentlich den Eid leistete, sein Amt den Gesetzen gemäß verwaltet zu haben, mochte das römische Volk hierin so etwas wie den Beginn normaler Verhältnisse sehen.13

Im selben Jahr setzte Octavian einen praetor urbanus, einen Stadtpraetor ein. Vermutlich fehlte dieser Kopf der zivilen Rechtssprechung in Rom die ganze Zeit des Bürgerkrieges hindurch. Die Wiederbelebung dieses Amtes stellte somit die Rückkehr zum traditionalen Rechtssystem dar.14

Denselben Effekt hatte ein von Octavian Ende 28 erlassenes Edikt. In diesem wurden alle widerrechtlichen Maßnahmen der Triumviratszeit aufgehoben. Es ist nicht so, dass hierdurch alle triumviralen Erlasse, wie die Veteranenansiedlungen oder die Proskriptionen, für ungültig erklärt wurden, sondern deren Wirkungsdauer mit dem 31. Dezember auslief. Doch dies war nebensächlich. Was zählte war einzig die öffentliche Distanzierung Octavians von den Ungerechtigkeiten und der Willkür der Triumviratszeit. Die Menschen sollten denken, dass die Schreckenszeit endgültig vorüber sei. Die Verkündung dieses Edikts bildete den unmittelbaren Auftakt zu dem Staatsakt des Januars 27, zumal diese Ereignisse nur wenige Wochen auseinander lagen.15

2.3 Der Staatsakt des Januars 27 v. Chr.

Octavian hatte in den Jahren 29 und 28 der Öffentlichkeit demonstriert, dass er bereit war die Zeit der Tyrannei und Willkür hinter sich zu lassen, und das Gefühl erweckt, dass ein Wiederaufleben der „Republik“ durchaus seine Absicht war. Den durch ihn sorgfältig vorbereiteten Abschluss dieser politischen Kampagne bildete ein Staatsakt, der sich über mehrere Tage erstreckte und mit dem 13. Januar des Jahres 27 seinen Anfang nahm. An diesem Tag hielt Octavian im Senat eine lange, gut vorbereitete Rede, über deren Inhalt nichts Näheres bekannt ist. Dafür, dass diese Rede nicht nur Fiktion des Geschichtsschreibers Cassius Dio ist, der von ihr berichtet, gibt es hinreichende Gründe.16 Vermutlich nahm Octavian in der Rede Bezug auf Ergebnisse der vergangenen Jahre, z.B. das Ende des Bürgerkrieges oder die Wiederherstellung des Rechts in der Stadt. Auch die Bekräftigung oder Erweiterung der schon in dem Jahr zuvor verkündeten Amnestie könnte u. a. Inhalt gewesen sein.17 Denn es liegt nahe, dass die Vergabe der corona civica, der Bürgerkrone, an Octavian, die auch am 13. Januar stattfand, nicht unwesentlich durch den Inhalt seiner Rede motiviert wurde.

Doch das bedeutendste Ereignis dieses Tages war ein anderes: Octavian legte seine Macht nieder. Er übergab die provinziale Befehlsgewalt, das Kommando über das Heer und die Verfügung über die Finanzmittel zurück in die Hände des Senats, wodurch dieser wieder Ursprung aller amtlichen Gewalt wurde. Genau dies besagt die folgende Passage aus Octavians Tatenbericht: „In meinem sechsten und siebten Konsulat habe ich […] das Gemeinwesen aus meiner Machtbefugnis wieder der Ermessensfreiheit des Senats und des römischen Volkes überantwortet.“18

[...]


1 Die ganze Arbeit hindurch wird der Name ‘Octavian’ verwendet, auch nach der Erwähnung des ihm verliehenen Namen ‘Augustus’. Die Angabe ’v. Chr.’ wird im weiten Text weggelassen.

2 Die erwähnten Werke sind: Bleicken, Aug. und Kienast, Aug.

3 Die genauen Angaben befinden sich im Quellenverzeichnis.

4 Kunkel, Über das Prinzipat, S. 356.

5 Vgl. Kienast, Aug., S. 67.

6 Dieser Gefolgschaftseid war ein Klientel-, kein Soldateneid, durch den die Politiker ihre Gefolgschaften zum Einsatz in den Volksversammlungen und bei Wahlen an sich banden.

7 Für eine genaue Darstellung dieser Ehrungen siehe: Kienast, Aug., S. 67 f.; Bleicken, Aug., S. 297-302.

8 Vgl. Bleicken, Aug., S. 316 f.

9 Vgl. Christ, Kaiserzeit, S. 86.

10 Für eine genaue Darstellung der lectio senatus siehe: Bleicken, Aug., S. 319-321.

11 Suet. Aug. 35,1-35,3.

12 Aug. RG 20.

13 Vgl. Bleicken, Aug., S.323.

14 Für die Einsetzung des praetor urbanus vgl.: Lacey, Oct. in the senate, S. 84 f.

15 Zum Edikt des Jahres 28 vgl.: Bleicken, Aug., S. 323; Kienast, Aug., S. 71; Christ, Kaiserzeit, S. 87.

16 Eine ausreichende Argumentation liefert: Manuwald, Dio und Aug., S. 89.

17 Vgl. Kienast, Aug., S. 71; Lacey, Oct. in the senate, S. 90.

18 Aug. RG 34.

Details

Seiten
21
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640641840
ISBN (Buch)
9783640642359
Dateigröße
521 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152327
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Historisches Institut
Note
1,5
Schlagworte
Kaiser Augustus Neuordnung Jahres

Autor

Zurück

Titel: Kaiser Augustus - Die Neuordnung des Jahres 27 v. Ch.