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Die theoretischen Grundlagen des Self-Monitoring-Tools

Theorien zum Selbstgesteuerten Lernen, Lernstrategien und Tagebuchverfahren

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Pädagogik - Erwachsenenbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Lernstrategien
2.1 Definition
2.2 Bedeutende Studien

3. Selbstreguliertes Lernen
3.1 Definition
3.2 Verhaltensmerkmale eines selbstregulierten Lerners
3.3 Funktionsbereiche des selbstregulierten Lernens
3.4 Die Selbstüberwachung
3.5 Das Tagebuchverfahren

4. Das Self-Monitoring-Tool
4.1. Allgemeines
4.2 Der Aufbau des Self-Monitoring-Tools

5. Evaluation des Self-Monitoring-Tools
5.1 Methode
5.2 Ergebnisse und Bewertung

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1 - Ablauf von Self-Monitoring

Abbildung 2 - Grundaufbau des SMT

Abbildung 3 - Versuchsablauf

Abbildung 4 - Mittelwerte und Standardabweichungen der erhobenen Lernzeiten pro Messzeitpunkt nach Versuchsgruppen getrennt

Abbildung 5 - Ergebnisse in den Wissenstests nach Gruppe und Messzeitpunkt getrennt

Abbildung 6 - Mittelwerte und Standardabweichungen der erhobenen Strategien pro Messzeitpunkt nach Versuchsgruppen getrennt

1. Einleitung

Die heutige Zeit ist geprägt von immer höheren Anforderungen an die nächste Generation. Das Streben nach Bildung hat bisher ungekannte Dimensionen angenommen, „lebenslanges Lernen“ wird vonjedem Arbeitgeber gefordert. Demnach scheint es angemessen, neue Konzepte zu entwickeln, die das Lernen unterstützen und effizienter gestalten können.

Die Universität Mannheim und die Fernuniversität Hagen haben sich hierbei auf ein internetgestütztes Lerntagebuch - das Self-Monitoring-Tool - spezialisiert, das besonders Studenten helfen soll, ihr Lernen zu planen, zu überwachen und entsprechend zu verbessern.

In der folgenden Hausarbeit sollen nun verschiedene Theorien, die dem Self­Monitoring-Tool (im Folgenden SMT genannt) zugrunde liegen, besprochen und bewertet werden.

Zu Beginn werden Lernstrategien, die Theorie des selbstregulierten Lernens und speziell die Besonderheiten der Selbstüberwachung erläutert. Anschließend gehe ich allgemein auf das Self-Monitoring-Tool ein und beschreibe den konkreten Aufbau des Lerntagebuchs.

Abschließend behandelt diese Hausarbeit eine Evaluation des SMT und bewertet die Umsetzung der dargestellten Theorien kritisch.

2. Lernstrategien

Da Lemstrategien eine wichtige Komponente vieler Theorien des selbstregulierten Lernens sind, werde ich im folgenden Abschnitt eine kurze Begriffsdefinition vornehmen und einige bedeutende Arbeiten dieses Gebietes umreißen.

2.1 Definition

Unter dem Begriff Lernstrategien werden allgemein „jene Verhaltensweisen und Kognitionen verstanden [..], die von Lernenden aktiv zum Zweck des Wissenserwerbs eingesetzt werden.“ (Wild, 2006). Hierbei ist es wichtig zu betonen, dass Lernstrategien nicht ausschließlich auf kognitive Aspekte abzielen, sondern besonders auch die motivationalen Komponenten des Lernens, wie etwa die Willenskontrolle oder die eigene Selbstwirksamkeitserwartung, mit einbeziehen.

Die bisherige Forschung ist stark durch die Kognitionspsychologie geprägt, was sich in der Wahrnehmung des lernenden Individuums deutlich zeigt.

Lernende werden als „aktive, selbstreflexive und selbstgesteuerte Individuen“ verstanden, die „prinzipiell in der Lage sind, spezifische Vorgehensweisen zur Sammlung, Aufnahme, Organisation, Speicherung und Nutzung neuer Informationen auszuwählen, anzuwenden und den situativen Umständen entsprechend flexibel zu adaptieren.“ (Wild, 2006)

2.2 Bedeutende Studien

In den 1970er Jahren entstanden zahlreiche Untersuchungen zu Lernstrategien und dem selbstregulierten Lernen. Von besonders großer Bedeutung waren hierbei die Studien von Marton in Schweden und Pask in England, die nahezu zeitgleich durchgeführt wurden und beide Typologien des Lernens entwickelten.

Marton formuliert hierbei zwei „Unterschiede auf einer Tiefendimension“ (Wild, 2006) des Lernens und Verstehens („levels of processing“): zum einen ein „surface-level approach“, welches sich auf das Auswendiglernen bestimmter Informationen konzentriert und zum anderen ein „deep-level approach“, welches das“ Verständnis der „Botschaft“ des Textes“ (Wild, 2006) betont. Hierbei werden also zwei grundlegend verschiedene Lernintentionen voneinander abgegrenzt.

Pask hingegen beschäftigt sich weniger mit den Intentionen der Lernenden, sondern gibt konkrete Lernanweisungen, die er ebenfalls in einer Typologie mit zwei Variablen umsetzt.

Er unterscheidet einerseits „operation learners“, die „vorwiegend seriell von einem Thema zum anderen wechseln“ (Wild, 2006) und sich verstärkt auf einzelne Aspekte konzentrieren und andererseits „comprehension learners“, die durch die Verwendung von Analogien und Illustrationen ein ganzheitlicheres, umfassenderes Lernen anstreben und nicht primär auf Details fokussiert sind.

3. Selbstreguliertes Lernen

Das selbstregulierte Lernen ist ein Kernpunkt des Self-Monitoring-Tools. Doch in der Literatur finden sich zahlreiche Definitionen, die sich zum Teil stark voneinander unterscheiden. Deshalb soll im folgenden Abschnitt zuerst der Begriff des selbstregulierten Lernens erläutert werden, um anschließend das Konzept der Selbstüberwachung näher untersuchen und im weiteren Verlauf der Arbeit die Umsetzung im SMT beurteilen zu können.

3.1 Definition

Die wohl am häufigsten zitierte Definition des selbstregulierten Lernens stammt aus dem Jahr 1982 von F. E. Weinert und bezeichnet Lernformen dann als selbstreguliert, wenn „der Handelnde die wesentlichen Entscheidungen, ob, was, wann, wie und woraufhin er lernt, gravierend und folgenreich beeinflussen kann.” (Weinert 1982, nach Brunstein & Spörer, 2006)

Hier wird bereits deutlich, dass sich das selbstregulierte Lernen stark von den tatsächlich im deutschen Bildungssystem gegebenen Lernbedingungen unterscheidet. Schülerinnen und Schüler haben kaum die Möglichkeit, ihre Lernziele selbst zu entwickeln oder in die Art des Unterrichts einzugreifen. Das selbstregulierte Lernen fordert jedoch genau diese Aspekte: Entscheidungen über Lernziele, Inhalte, Lernressourcen, methodische Aspekte und die Art der Evaluation müssen vom lernenden Individuum selbständig getroffen werden können. (Winter, Analyse und Förderung selbstregulierten Lernens durch Self-Monitoring, 2007).

Eine weitere einflussreiche Definition stammt von Rolf Arnold und Claudia Gomez Tutor. Die beiden Autoren ergänzen die Definition von Weinert um den Aspekt der Einschätzung der eigenen Grenzen (Arnold & Tutor, 2006). Ein Lerner kann nicht erfolgreich sein, wenn er seine eigenen Schwächen nicht kennt und sich unerreichbare Ziele setzt.

Ergänzt man diesen Punkt, entsteht folgende - sehr umfangreiche, aber allem gerecht werdende - Definition:

„Insofern kann selbstgesteuertes Lernen als ein Lernen betrachtet werden, bei dem die lernende Person aktiv über ihr Lernen entscheidet und die Möglichkeit ergreift, die eigenen Lernbedürfnisse bzw. den Lernbedarf sowie ihre Interessen und Vorstellungen zu bestimmen und zu strukturieren, aber auch die notwendigen menschlichen und materiellen Ressourcen (inklusive professioneller Lernangebote oder Lernhilfen) hinzuzuziehen, weiterhin Lernziele, inhaltliche Schwerpunkte, Lernwege, -tempo und -ort weitestgehend selbst festzulegen und zu organisieren sowie geeignete Methoden auszuwählen und einzusetzen und schließlich den Lernprozess auf seinen Erfolg sowie die Lernergebnisse auf ihren Transfergehalt hin zu bewerten.“ (Arnold & Tutor, 2006)

In dieser Definition wird nun auch die Evaluation der Lernmethoden sowie des Lernergebnisses berücksichtigt. Dies ist ein zentraler Aspekt, da nur so eine Anpassung und Verbesserung des Lernens erfolgen kann und das Individuum aus seinen eigenen Fehlern lernen kann.

3.2 Verhaltensmerkmale eines selbstregulierten Lerners

Im folgenden Abschnitt möchte ich einige Verhaltensmerkmale umreißen, die für selbstgesteuerte Lerner, die auch außerhalb des formellen Bildungssystems hervorragende Leistungen zeigen möchten, typisch sind. Durch dieses „Lernen von Experten“ hat B. J. Zimmermann die folgenden charakteristischen Merkmale erarbeitet. (Brunstein & Spörer, 2006)

Die erste Besonderheit eines selbstgesteuerten Lerners ist die Zielsetzung. Um sich bewusst zu machen, weshalb man eigentlich lernt, setzt man sich bedeutsame und wichtige Ziele, die nicht über-, aber auch nicht unterfordern dürfen. Es ist wichtiger, dass der Lerner vollständig davon überzeugt ist, das gesetzte Ziel durch Lernen erreichen zu können.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Lernstrategien, die bereits im vorherigen Kapitel genauer betrachtet wurden. Nur durch genaue Kenntnisse über sinnvolle und angemessene Strategien kann der Lernfortschritt optimal gesteigert werden. Der Lerner

weiß genau, welche Strategie sich für welche Aufgabe eignet und bleibt somit flexibel und zielorientiert. Weiterhin kennt der Lerner Strategien um sich selbst zu motivieren und die Lernaktivitäten auch in schwierigen Situationen nicht aufzugeben.

Als drittes Merkmal führt der Autor die Lernzielkontrolle an. Durch Beobachtung des eigenen Verhaltens gewinnen selbstgesteuerte Lerner wichtige Erkenntnisse über eventuelle Verbesserungsmöglichkeiten und lernen somit aus ihren eigenen Fehlern. Auf diesen Punkt der Metakognition wird im Abschnitt 3.4 Die Selbstüberwachung genauer eingegangen.

Der letzte Punkt beinhaltet die Umgebungsbedingungen und ein effektives Zeitmanagement. Selbstgesteuerte Lerner wissen, wie sie ihren Arbeitsplatz gestalten müssen, um während einer Lernphase nicht abgelenkt zu werden und nutzen bei auftretenden Problemen gezielt soziale Ressourcen (Freunde, Kommilitonen, etc.). (Brunstein & Spörer, 2006)

Somit kennen selbstgesteuerte Lerner alle notwenigen Methoden, um ihr Lernen so effizient und zielorientiert wie möglich zu gestalten.

3.3 Funktionsbereiche des selbstregulierten Lernens

Das selbstgesteuerte Lernen kann in drei Komponenten gegliedert werden, die bereits im Verlauf der Hausarbeit angeklungen sind. Zur besseren Differenzierung und für mehr Klarheit werde ich die drei Komponenten in diesem Abschnitt ausführlich betrachten.

Die kognitiven Komponenten bilden den ersten Funktionsbereich des selbstgesteuerten Lernens und umfassen „Wissen über aufgabenspezifische Strategien, einschließlich ihrer Anwendungsbedingungen.“ (Brunstein & Spörer, 2006) Das lernende Individuum weiß genau, welche Aufgabenstellung welche Strategie erfordert und wie diese am besten genutzt werden kann.

[...]

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640674008
ISBN (Buch)
9783640674060
Dateigröße
665 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152309
Institution / Hochschule
Universität Mannheim
Note
Schlagworte
Grundlagen Self-Monitoring-Tools Theorien Selbstgesteuerten Lernen Lernstrategien Tagebuchverfahren

Autor

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Titel: Die theoretischen Grundlagen des Self-Monitoring-Tools