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Indigene Mobilisierung in Kolumbien am Beispiel des Consejo Regional Indígena del Cauca (CRIC)

Hausarbeit 2010 13 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Mittel- und Südamerika

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der „Consejo Regional Indígena del Cauca“
2.1 Formelle Entstehung
2.2 Programmatik

3. Das Land und seine Signifikanz
3.1 Die Bedeutung des Landes
3.2 Der Kampf um das Land

4. Der Kampf um die kulturelle Identität
4.1 Die Rolle des Bildungssystems

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die wenigen Menschen, die einmal in ihrem Leben das Glück haben, Kolumbien besuchen zu können, werden das Land kennenlernen, wie es heute ist. Das Kolumbien, wie es viele Jahrhunderte nach der Kolonisation durch die spanische Krone ist. Dabei bleibt häufig der Kontakt mit der indigenen Bevölkerung, den Ureinwohnern des Landes, auf der Strecke.

Im Zuge der Kolonisation des Landes durch die spanische Krone musste diese eine Lösung im Umgang mit der indigenen Bevölkerung finden – und fand diese in einer Unterbringung der Indianer in Reservaten, so genannten „Resguardos“. Dort konnten die Bewohner regelmäßig eine Art Gemeinderat, auch „Cabildo“ genannt, wählen und das – laut Gesetz – ihnen zustehende Land selbstständig verwalten. Da viele Siedler allerdings weite Landstriche an sich rissen und Latifundien, auch „Haciendas“ genannt, entstanden, brachten sie immer mehr Indianer in eine direkte oder indirekte Abhängigkeit, wodurch diese immer mehr zurückgedrängt und ausgebeutet wurden.

Nicht erst durch die stete Neoliberalisierung des Landes erreichte die Ausbeutung im Laufe der Jahre ein Maß, welches für die indigene Bevölkerung nicht länger tragbar war. Es kam zur Entstehung mehrerer sozialer Bewegungen, darunter Agrarreform- und auch indigener Bewegungen, welche anfangs sogar im Verbund verliefen. Eine wichtige davon ist der „Consejo Regional Indígena del Cauca“ (fortan: CRIC), welche der zentrale Untersuchungsgegenstand des vorliegenden Essays ist.

Dabei unterliegt die vorliegende Arbeit der Aufgabe, die Ziele, die Motivation und die „Kampfmittel“ einer indigenen Mobilisierung am Beispiel des CRIC zu illustrieren. Es soll darauf geachtet werden, dass aufgrund des begrenzten Umfangs insbesondere die Zielformulierung obliegt, den zentralen Aspekten der indigenen Bewegung des CRIC nachzugehen, diese detaillierter zu beleuchten und Allgemeingültiges oder auf andere indigene Bewegungen Übetragbares herauszufinden.

2. Der „Consejo Regional Indígena del Cauca“

„Im Südwesten Kolumbiens, im Department Cauca, konzentriert sich ein Großteil der indianischen Bevölkerung [...]“ (Möller, 1986, S. 1). Der vor Ort lebenden indigenen Bevölkerung zwangen die Spanier in der Kolonialzeit ein Lebensmodell auf, bei dem sie in Reservaten, so genannten „Resguardos“, lebten und ihre Angelegenheiten selbstständig regeln konnten (vgl. Möller, 1986, S. 1). Jedes Jahr wählen die Bewohner einen Gemeinderat, auch „Cabildo“ genannt (vgl. Möller, 1986, S. 1). Laut der offiziellen Internetpräsenz des CRIC ist er die Organisation, welche mehr als 90 Prozent der indigenen Gemeinschaften / Dörfer im Department Cauca umfasst (vgl. Internetlink A). Darunter fallen 115 Cabildos, 84 Resguardos und acht indigene Stämme (vgl. Internetlink A).

2.1 Formelle Entstehung

Die Gründung des CRIC ist im Zusammenhang mit der Agrarreformbewegung um die Bauerngewerkschaft „Asociación Nacional de Usarios Campesinos“ (fortan: ANUC) zu sehen (vgl. Möller, 1986, S. 4). Als CRIC-Mitarbeiter 1974 jedoch erkannten, „[...] dass die Landfrage bei den Indianern nicht isoliert von deren kulturellen und sozialen Eigenheiten angegangen werden kann [...]“ (Möller, 1986, S. 4), kam es zu einer Loslösung des CRIC von der ANUC (vgl. Möller, 1986, S. 4). Offiziell kann die Gründung des CRIC zwar auf den 24. Februar 1971 datiert werden; Mayr weist allerdings darauf hin, dass die Entstehung des CRIC vielmehr ein Prozess als ein einmaliges Erlebnis war (vgl. Mayr, 1985, S. 68). Bezugnehmend auf diese prozessuale Dimension lässt sich die Entstehung in zwei Etappen gliedern:

1. Während einer ersten indianischen Versammlung, bei der 2.000 Indianer zusammenkamen, konnten die Beteiligten ihre Vorstellungen anhand eines Sechs-Punkte-Programms konkretisieren (vgl. Mayr, 1985, S. 68). Eine Problematik lag allerdings darin, „[...] dass sie ihre Probleme noch nicht als Indianer anpackten“ (Mayr, 1985, S. 68). Die „herrschende Klasse“ reagierte auf dieses erste Zusammentreffen mit Repression, unter anderem indem sie mehrere indianische Führer ins Gefängnis warfen (vgl. Mayr, 1985, S. 68). Seitens des CRIC wurde dies als Zeichen interpretiert, auf dem richtigen Weg zu sein (vgl. Mayr, 1985, S. 68).

2. Bei der zweiten Versammlung kam es zum Beschluss des Grundsatzprogramms in seiner heutigen Form (vgl. Mayr, 1985, S. 69). Mayr bezeichnet dieses als „[...] Ergebnis einer indianischen Entschlossenheit, mit aller Kraft für die eigenen Rechte zu kämpfen“ (Mayr, 1985, S. 69). Ihre sieben Punkte können unter den Oberbegriffen Einheit, Erde und Kultur zusammengefasst werden, wobei das Hauptaugenmerk ganz deutlich auf der Rückeroberung und Erweiterung der Resguardos liegt (vgl. Mayr, 1985, S. 69). Diese Punkte werden aber unter 2.2 näher erläutert. Sie erreichten überdies hinaus auch nicht nur regionale, sondern auch allgemeine Gültigkeit, indem „[...] sich schon bald in vielen Landsteilen indianische Organisationen mit ähnlichen Programmen bildeten“ (Mayr, 1985, S. 69).

2.2 Programmatik

Wie bereits unter 2.1 erwähnt, kann die Programmatik des CRIC in die Felder Einheit, Erde und Kultur eingeteilt werden (vgl. Mayer, 1985, S. 69). Wichtig ist dabei allerdings, die einzelne Punkte des Grundsatzprogramms darin wie folgt einzugliedern:

1. Einheit

Unter dem Aspekt „Einheit“ sind vor allem die Punkte drei und fünf zu verstehen. Darin plädiert der CRIC zum Einen für eine Stärkung der so genannten „Cabildos“, also der Verwaltungsräte, und zum anderen für eine Bekanntmachung der Gesetze, die Indianer betreffen und fordert zugleich ihre richtige Anwendung.

2. Erde

Mayr erwähnt, dass anhand der Reihenfolge der Programmpunkte sich bereits ihre Gewichtung erkennen lässt (vgl. Mayr, 1985, S. 69). Schenkt man dieser Aussage Glauben, so ergäbe sich ein eindeutiger Fokus auf den Aspekt der „Erde“, welcher sich in den Punkten eins, zwei und vier ausdrückt. Hier fordert das Grundsatzprogramm eine Rückeroberung der Ländereien der Resguardos, eine Erweiterung der Resguardos und die Nicht-Zahlung des Pachtzinses (vgl. Mayr, 1985, S. 69). Auf die nähere Bedeutung der Erde für die indigene Bevölkerung soll unter 3.1 näher eingegangen werden.

3. Kultur

Unter dem Aspekt der „Kultur“ sind im Rahmen des Grundsatzprogramms vor allem die Punkte sechs und sieben zu verstehen. Hierunter wurde zum Einen eine Verteidigung der indianischen Geschichte, Sprache und Tradition betrachtet (vgl. Mayr, 1985, S. 69). Die Verantwortlichen strebten aber auch eine Ausbildung indianischer Lehrer an, die zur Erziehung in der jeweiligen indianischen Sprache fähig waren „[...] und die der Situation der Indianer entspricht“ (Mayr, 1985, S. 69). Dieses Wiederaufleben der indianischen Kultur ist womöglich auch unter einem Befreiungsaspekt zu verstehen, insofern man den von Chirif, García und Smith geäußerten Gedanken teilt, „[...] dass die Abhängigkeit nur dann aufrechtzuerhalten sei, wenn die Beherrschten die Ideologie der Herrscher teilen“ (Chirif, García & Smith, 1994, S.94).

[...]

Details

Seiten
13
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640641710
ISBN (Buch)
9783640858170
Dateigröße
427 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152280
Institution / Hochschule
Universität Kassel – Fachbereich Gesellschaftswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
CRIC Kolumbien Lateinamerika Indigene Mobilisierung

Autor

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