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Mobbing und allgemeine Präventionsmaßnahmen in der Schule

Schülererfahrungen und deren Wissen mit Mobbing anhand einer Evaluation in der Sekundarstufe

Examensarbeit 2010 69 Seiten

Pädagogik - Schulpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung
1.1 Allgemeines
1.2. Aufbau der Arbeit

2. Was ist Mobbing?
2.1 Herleitung des Begriffes „Mobbing“
2.2 Unterscheidung zwischen Gewalt und Mobbing
2.3 Verlauf von Mobbingfällen
2.4 Wie weit ist Mobbing an deutschen Schulen verbreitet?

3. Täter und ihre Mobbingopfer
3.1 Die Täter
3.2 Die Mobbingopfer
3.3 Die Lehrperson
3.4 Außenstehende und Mitläufer

4. Erscheinungsformen von Mobbing
4.1 Mobbing durch körperliche Gewalt
4.2 Verbales Mobbing
4.3 Stummes Mobbing
4.4 Virtuelles Mobbing
4.5 Mobbing unter Jungen und Mädchen

5. Ursachen für Mobbing
5.1 Schulische Faktoren
5.2 Außerschulische Faktoren

6. Folgen von Mobbing
6.1 Folgen für das Opfer
6.1.1 Gesundheitliche Folgen
6.1.2 Psychische Folgen
6.1.3 Soziale Folgen
6.2 Folgen für den Täter

7. Umfrage „Mobbing unter Schülern“Seite
7.1 Die Idee
7.2 Vorgehensweise
7.3 Gliederung und Inhalt des Fragebogens
7.4 Grafische Darstellung meiner Ergebnisse
7.5 Fazit

8. Präventationsmaßnahmen gegen Mobbing
8.1 Was können Schulen unternehmen?
8.1.1 Erhebung eines Fragebogens
8.1.2 Pädagogischer Tag
8.1.3 Aufsicht auf Schulhof
8.1.4 Kooperation zwischen Schule und Eltern
8.1.5 Streitschlichter
8.2 Maßnahmen in der Klasse
8.2.1 Erstellung eines Fragebogens
8.2.2 Aufstellung von Klassenregeln
8.2.3 Regelmäßige Klassengespräche
8.2.4 Strafen
8.2.5 Lob
8.3 Maßnahmen auf persönlicher Ebene
8.3.1 Gespräch mit dem Mobber
8.3.2 Gespräch mit dem Opfer
8.3.3 Mobbing-Tagebuch
8.4 Was können Eltern unternehmen?
8.4.1 Was können die Eltern der Opfer unternehmen?
8.4.2 Was können die Eltern der Täter unternehmen?
8.4.3 Diskussionsgruppe für Eltern gemobbter und mobbender Schüler

9. Fazit

10. Literaturliste und Internetquellen

11. Anhang
11.1 Internetadressen
11.2 Fragebogen zur Umfrage „Mobbing unter Schülern“

1. Einleitung

1.1 Allgemeines

Mobbing ist schon immer ein Thema an deutschen Schulen gewesen. Allerdings hat das Thema in der Öffentlichkeit erst in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Daher möchte ich mich in meiner Examensarbeit mit dem Thema Mobbing und allgemeinen Präventationsmaßnahmen in der Schule beschäftigen. Ein weiterer Teil meiner Arbeit soll die Schülererfahrung und deren Wissen mit Mobbing anhand einer Evaluation sein.

Einen großen Anteil, dass Mobbing immer mehr thematisiert wird, tragen mit Sicherheit die Medien. Allerdings wird häufig ein falscher Eindruck von Mobbing vermittelt. Die Medien bevorzugen in der Regel Vorfälle mit schwerer körperlicher Gewalt. Mobbingfälle werden weniger behandelt. Dadurch ist Mobbing für die Menschen ein untergeordnetes Problem der Gewalt und findet weniger Beachtung. Auch an Schulen wird das Thema heruntergespielt.

1.2 Aufbau der Arbeit

Ab wann spricht man überhaupt von Mobbing? Darum soll es im ersten Teil des zweiten Kapitels gehen. Gerade in der Öffentlichkeit gibt es unterschiedliche Auffassungen von Mobbing. Anteil daran haben, wie schon oben erwähnt, die Medien mit ihren Schlagzeilen. Zu diesem Kapitel gehört es dann auch, den Unterschied zwischen Mobbing und Gewalt darzustellen, da es auch hier häufig zu Verwechslungen kommt. Abgeschlossen wird das Kapitel damit, dass ich den Verlauf von Mobbingfällen darstelle und durch Statistiken zeige, wie weit Mobbing an deutschen Schulen verbreitet ist.

Im dritten Kapitel möchte ich über die Charaktereigenschaften und die Rolle der Mobbingopfer schreiben. Nicht zu vergessen sind auf jeden Fall auch die Täter, die eine wichtige Rolle spielen. Weiter soll dann aufgezeigt werden, welche Position die Lehrpersonen und die Mitläufer haben.

Nachdem nun geklärt wurde, was Mobbing ist, welche Eigenschaften ein typisches Opfer und ein typischer Täter haben, gehe ich im vierten Kapitel auf die unterschiedlichen Erscheinungsformen von Mobbing anhand einiger Beispiele ein. Ebenso möchte ich hier die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen darstellen.

Nun stellt sich die Frage, warum wird überhaupt ein Schüler in der Schule gemobbt. Darum soll es im fünften Kapitel um die verschiedenen Ursachen gehen. Ich werde die Ursachen in schulische und außerschulische Faktoren unterteilen.

Nach den Ursachen muss man über die Folgen von Mobbing sprechen. Auch hier werde ich nicht nur das Opfer betrachten, sondern auch über die Folgen für den Täter schreiben.

Mit dem letzten Kapitel „Folgen durch Mobbing“ habe ich meiner Meinung nach alles Wissenswerte über Mobbing geschrieben und zusammengefasst. Der Leser weiß nun, was Mobbing ist und kennt die Eigenschaften der Täter und Opfer. Ebenso sind die Ursachen und Folgen durch Mobbing bekannt. Auch war es interessant zu erfahren, welche Erfahrungen Schüler und Schülerinnen mit Mobbing gemacht haben. Dazu habe ich eine Evaluation an zwei Nordhorner Schulen durchgeführt, um Informationen über deren Erfahrungen und Wissen mit Mobbing zu erhalten. Befragt wurden Schüler und Schülerinnen der Klasse 7 mit Hilfe eines Fragebogens. Im siebten Kapitel stelle ich meine Ergebnisse anhand von Grafiken dar.

Ein weiterer wichtiger Aspekt folgt im letzten Kapitel, in welchem ich auf allgemeine Präventationsmaßnahmen eingehe. Was können die Schulen unternehmen, was kann innerhalb der Klasse verändert werden und was können eventuell die Schüler an sich verändern, damit das Thema Mobbing reduziert werden kann?

2.Was ist Mobbing?

Berichte über Mobbing in der Schule oder am Arbeitsplatz haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen und stehen immer mehr in der Öffentlichkeit. Aber was ist überhaupt Mobbing? Gerade in letzter Zeit ist der Begriff Mobbing für alle möglichen Konfliktsituationen verwendet worden. Daher möchte ich an dieser Stelle klären, ab wann man von Mobbing spricht und auch kurz über dessen Herleitung schreiben.

2.1 Herleitung des Begriffes „Mobbing“

Der Begriff Mobbing stammt von dem englischen Wort "mob" ab und bedeutet so viel wie Pöbel. Das Verb "to mob" bedeutet wörtlich übersetzt "angreifen, anpöbeln, schikanieren".1

Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz verwendete erstmals den Begriff Mobbing im Zusammenhang mit der Beobachtung von Tierverhalten: Tiere rotten sich zusammen, um einen gemeinsamen Feind abzuwehren.2 Erstmals im Zusammenhang mit Kindern verwendete der schwedische Arzt Peter Heinemann 1969 den Begriff für ein Gruppenverhalten bei Kindern. Er beobachtete, dass Kinder eine sich von der Norm abweichend verhaltende Person attackierten.3

Mit der heutigen Bedeutung bekannt wurde der Begriff durch den aus Niedersachsen stammenden und in Schweden arbeitenden Arbeitspsychologe Heinz Leymann, auf den auch folgende Definition zurückführt:

"Unter Mobbing wird eine konfliktbeladene Kommunikation am Arbeitsplatz unter Kollegen oder zwischen Vorgesetzten und Untergebenen verstanden, bei der (1) die angegriffene Person unterlegen ist und von einer oder einigen Personen systematisch, oft (2) und während längerer Zeit (3) mit dem Ziel und/oder dem Effekt des Ausstoßes aus dem Arbeitsverhältnis (4) direkt oder indirekt angegriffen wird und dies als Diskriminierung empfindet."4

Nach dieser Definition ist nicht gleich jeder Konflikt als ein Mobbingvorgang zu bezeichnen.

Auch in der Literatur spielt die Frage, was Mobbing ist, eine wichtige Rolle. So schreibt der schwedische Psychologe und Professor für Persönlichkeitspsychologie an der Universität Bergen, Dan Äke Olweus, folgende Definition:

"Eine Person wird gemobbt oder viktimisiert, wenn sie wiederholt und über eine längere Zeit hinweg den negativen Handlungen durch eine oder mehrere Personen ausgesetzt ist. [...] Eine negative Handlung findet statt, wenn jemand absichtlich einer anderen Person Verletzungen und Unannehmlichkeiten beifügt oder beizufügen versucht. [...] Die Begriffe "Mobbing" oder "Viktimisierung" betreffen nicht den Fall, wenn zwei Personen vergleichbarer Stärke miteinander streiten oder Kämpfen."5

Olweus zählt zu den Vorreitern im Bereich der Erforschung von Mobbing. In Anlehnung an Olweus hat Alsaker folgende Definition zu Mobbing hergeleitet:

„Wir sprechen von Mobbing oder Plagen, wenn ein Kind wiederholt und systematisch den direkten oder indirekten negativen Handlungen eines oder mehrerer Kinder ausgesetzt ist. Unter negativen Handlungen verstehen wir grundsätzlich alle Formen von aggressiven und rücksichtslosen Handlungen, welche verletzten und das Selbstwertgefühl einer anderen Person beeinträchtigen können. Was Mobbing aber im Kern ausmacht, ist der wiederholte Gebrauch solcher Handlungen gegenüber einer bestimmten Person.“6

Weiter muss man neben der Häufigkeit der Vorgänge auch die Intensität des Geschehens beachten. Selbstverständlich ist es klar, dass es ein Unterschied ist, ob jemand jeden Tag angegriffen wird oder dies nur einmal im Monat passiert. Ein weiterer Unterschied, welcher beachtet werden muss, ist, mit welcher Stärke die Angriffe ausgeführt werden. Auch muss man sehen, ob die Angriffe durch eine Person geschehen oder ob alle gegen einen arbeiten.

Abschließend kann man sagen, dass Mobbing in der Schule ein aggressiver Akt ist und bedeutet, dass ein Schüler oder eine Schülerin über einen längeren Zeitraum von Mitschülern / Lehrern belästigt oder ausgegrenzt werden.

2.2 Unterscheidungen zwischen Gewalt und Mobbing

Nachdem nun geklärt wurde, was unter Mobbing zu verstehen ist und ab wann man von Mobbing spricht, muss man jetzt noch zwischen Gewalt und Mobbing unterscheiden.

Der Begriff Mobbing ist nach Meinung vieler Menschen ein Begriff für schwere körperliche Gewalt. Dazu haben die Medien durch ihre Berichterstattung beigetragen. Allerdings ist hier eine Unterscheidung notwendig.

Mustafa Jannan schreibt dazu, dass Mobbing eine Art der kleinen Gewalt sei, indem man einen Schüler anrempelt, ihn beleidigt oder beschimpft. Erst am Ende stehe die körperliche Gewalt.7

Wird nun von einem Schüler ein Stift oder ähnliches zerstört, dann ist dies keine schwere Sachbeschädigung, jedoch in einer langen Reihe von negativen Handlungen als Mobbing anzusehen. Wird ein Klassenkamerad von seinen Mitschülern auf dem Schulhof niedergeschlagen, dann spricht man von Körperverletzung und nicht von Mobbing.8

Dazu schreibt Jannan in seinem Anti-Mobbing-Buch noch folgenden Satz:

„Nicht jede Gewalt ist Mobbing, aber Mobbing ist immer Gewalt.“9 Selbstverständlich können kleine Sachen, wie das Zerstören von Stiften, der Anfang sein und zu schwerer Gewalt übergehen. Für die Opfer ist dies allerdings unerheblich, da sie die kleine Gewalt schon als unzumutbar annehmen. Die Unterscheidung zwischen kleiner Gewalt und schwerer Gewalt ist gerade für die Lehrpersonen wichtig, da sie bei schwerer Gewalt ihre Grenzen aufgesetzt bekommen und externe Hilfe suchen müssen. Kriminelle Taten oder Körperverletzungen überschreiten die Kompetenzen des Lehrers. Daher sollte zum Beispiel ein Sozialarbeiter an der Schule tätig sein oder Hilfe bei der Polizei gesucht werden.

2.3 Verlauf von Mobbingfällen

Der Verlauf von Mobbingfällen ist ziemlich unterschiedlich. Einige Mobbingopfer sprechen von jahrelanger Schikane, bei anderen ging es nur ein paar Wochen, bis es zu einem gesundheitlichen Zusammenbruch kam. Dennoch hat Leymann 1993 versucht, den Mobbingprozess in 4 Phasen zu unterteilen.10 Diese Unterteilung findet sich heute noch in jedem Buch zum Thema Mobbing.

Phase 1: Erhöhte Konfliktneigung

Zufällige Konflikte, Ungerechtigkeiten, Meinungsverschiedenheiten, die Suche nach Sündenböcken für eigene Fehler, Aggressionen, unethische Kommunikation, Minderheiten und noch vieles mehr kann zu einer erhöhten Konfliktneigung führen.

Phase 2: Mobbing

Aus dieser anfänglichen Konfliktneigung entwickeln sich handfeste Streitereien und psychische Gewalt in Form von Mobbing. Das Mobbingopfer gerät immer mehr in einen Teufelskreis, bei dem die Folgen von Mobbing (Unsicherheit, Nervosität, vermehrte Fehler bei der Arbeit, Krankheit) für die Ursachen, dass eine Person gemobbt wird, gehalten werden. Das Opfer wird für den Angreifer immer leichter zu mobben.

Phase 3: Einmischung

Früher oder später wird Mobbing auch von Außenstehenden Personen erkannt, denn das Verhalten des Mobbers und des Gemobbten werden immer auffälliger. In dieser Phase ist es noch möglich, Mobbing zu unterbinden. Dafür muss aber von außen gezielt eingegriffen werden.

Phase 4: Ende

Wird die Chance zur Beendigung des Mobbing durch einen Außenstehenden nicht genutzt, ergibt sich ein trauriges Bild. Mit der Zeit hat das Opfer mit schweren psychischen Problemen zu kämpfen und dessen Persönlichkeit wird nachdrücklich verändert. In manchen besonders schlimmen Fällen kann es sogar bis zum Selbstmord kommen.

Diese Phasen findet man in jedem Mobbingfall wieder. Allerdings ist es wichtig zu erwähnen, dass jeder Fall von Mobbing in sich heterogen in seiner Erscheinungsform ist.

2.4 Wie weit ist Mobbing an deutschen Schulen verbreitet?

Wie bereits vorher erwähnt, ist Mobbing immer schon ein Thema an deutschen Schulen gewesen. Die deutsche Psychologin Mechthild Schäfer geht davon aus, dass wöchentlich 500.000 Kinder gemobbt werden.11 Weitere Untersuchungen zeigen, dass Mobbing nicht nur an weiterführenden Schulen ein Problem ist, sondern auch an Grundschulen.

Gerade unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Defizite in der Erziehung und Sozialkompetenz führen zu geringen Konfliktlösestrategien.14 Dies ist selbstverständlich auch vom jeweiligen Standort der Schule abhängig. Es gibt auch gut geführte Hauptschulen an denen das Thema Mobbing keine Rolle spielt.

Mit zunehmendem Alter nimmt das Mobbing bei Jugendlichen ab. Dies zeigt eine Befragung unter Schülerinnen und Schülern.15 Mobbing ist in der Grundschule am stärksten, nimmt aber von Jahrgang zu Jahrgang ab. In Klasse 5 und 6 ist ein kleiner Anstieg zu vernehmen. Dies liegt sicherlich daran, dass die Klassen neu zusammengestellt wurden und sich neue Gruppen bilden. In Klasse 7 ist die physische Gewalt am stärksten. Hauptgrund hierfür könnte die Pubertät sein, welche dafür sorgt, dass

Kinder emotional unkontrollierter reagieren. Auffällig ist, dass Jungen häufiger Mobbingopfer sind als Mädchen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Häufig sehen sich Lehrer damit konfrontiert, dass es in ländlichen Gegenden einfacher ist zu unterrichten und Mobbing dort nicht so schlimm ist. Dies widerlegen allerdings zahlreiche Untersuchungen, welche zu dem Ergebnis gekommen sind, dass es zwischen Land und Stadt keine Unterschiede bezüglich Häufigkeit/Stärke etc. von Mobbing gibt. Weiterhin konnte festgestellt werden, dass Mobbing unabhängig von der Schul- und Klassengröße ist. Mobbing kann somit sowohl an kleinen Schulen vorkommen, als auch an Schulen mit großer Schülerzahl.17

Somit kann man sagen, dass es Mobbing an allen deutschen Schulformen gibt. Egal ob Grundschule, Hauptschule oder Gymnasium. Es konnte widerlegt werden, dass Mobbing am häufigsten an Hauptschulen vorkommt. Ebenso gibt es keine Unterschiede zwischen ländlichen Schulen und städtischen Schulen. Ein Unterschied gibt es nur bezüglich des Geschlechts. Jungen sind häufiger Opfer von Mobbing.

3. Täter und ihre Mobbingopfer

Jeder kann Opfer von Mobbing werden. Egal ob Schüler oder Schülerin. Herkunft und Bildung spielen eine untergeordnete Rolle, wie es auch meine Umfrage zeigt (Vgl. S. 36). Daher möchte ich an dieser Stelle versuchen, die Rolle des Täters und des Opfers aufzuzeigen, sowie auf deren Charaktereigenschaften einzugehen. Abschließend möchte ich in diesem Kapitel noch darauf eingehen, wie sich Außenstehende bei Mobbingsituationen verhalten und wie Lehrer reagieren.

3.1 Die Täter

Warum werden Schüler oder Schülerinnen zu Mobbingtätern? Die Gründe dafür sind vielfältig, aber von der Wissenschaft schon weitestgehend umrissen worden. Die Täter zeigen häufig ein aggressives Verhalten gegenüber ihren Mitschülern. Sie nutzen verschiedene Gelegenheiten aus, um andere Kinder zu mobben. Ich bin der Meinung, dass die Schüler durch ihre Aggressionen Macht gegenüber ihren Mitmenschen aufbauen wollen. Oder der Schüler versucht auf diesem Wege Bestätigung von seinen

Mitschülern zu erlangen, welche er woanders nicht bekommt (z. B. zu Hause).18 Das familiäre Verhältnis spielt ebenso eine entscheidende Rolle. Häufig wurden die Täter zu Hause gemobbt oder waren der Gewalt ausgesetzt.19

Sehr schnell erkennen die Mobber die Schwächen bei ihren Mitschülern und nutzen diese auch sehr schnell aus. So schreibt Olweus, dass die Täter wenig Mitgefühl für ihre Opfer haben, sich leicht provozieren lassen und körperlich überlegen sind gegenüber Gleichaltrigen.20

Innerhalb der Klasse sind die Täter nicht unbedingt beliebt, aber auch nicht verhasst. Dies liegt wohl daran, dass die Mitschüler Angst haben, selber einmal zum Opfer zu werden. Daher sammelt sich auch häufig eine kleine Gruppe um den Täter herum. Weiterhin sehen sich die Täter darin bestärkt zu mobben, da das Verhalten auf Grund der Unübersichtlichkeit der räumlichen und personellen Situation eher selten von der Schule bestraft wird.

Die Erfahrungen, welche ein Täter als Mobber macht, greifen in die Entwicklung des Schülers ein. So verhindert das Mobben wichtige soziale Kompetenzen (Toleranz, Kommunikation etc.). Es wird der Eindruck erweckt, dass er diese Kompetenzen nicht erlernen muss, da er glaube, es reiche die Gewalt aus.21

3.2 Die Mobbingopfer

Jeder Schüler oder jede Schülerin kann Opfer von Mobbing werden. Es gibt in den meisten Fällen keine Anzeichen darauf, dass jemand gemobbt wird. Gründe können zum einen Charaktereigenschaften oder Verhaltensweisen sein, die den Täter dazu veranlassen, den Mitschüler zu schikanieren. Ebenso können bestimmte Interessen ein Kind zum Opfer machen oder auch das familiäre Verhältnis zu Hause. In den meisten Fällen sind nämlich die Kinder sehr behutsam erzogen worden. Dadurch kann das Kind kein starkes Selbstbewusstsein entwickeln. Bei Angriffen durch die Täter fällt dann auf, dass sich das Kind nicht wehrt und sich dem Schicksal ergibt. Es ist von nun an der Klasse bzw. dem Täter ausgeliefert. In den seltensten Fällen vertrauen sich die Opfer jemandem an. Meistens sind dies dann Freunde. Innerhalb der Familie wird wenig darüber gesprochen und auch der Lehrer wird nicht zur Hilfe heran gezogen. Immer mehr isolieren sich dann die Opfer von ihren Mitschülern und der Familie ab.

Gerade im Alter von 11 bis 16 Jahren ist es für die Kinder wichtig, bestimmte Eigenschaften, wie zum Beispiel Selbstständigkeit oder Vertrauen zu anderen Personen, für die Zukunft zu entwickeln. Diese werden allerdings durch das Mobbing zerstört.22 Durch das Mobbing werden Fähigkeiten, Verhaltensweisen und Interessen unterdrückt und können sich nicht entfalten. Es ist aber wichtig, dass ein Kind sich frei entwickeln und eigenen Interessen nachgehen kann, um individuelle Stärken zu entdecken.

Olweus unterscheidet zwischen zwei Arten von Mobbingopfern. Auf der einen Seite der passive Opfertyp und auf der anderen Seite der provozierende Opfertyp.

Als ängstlicher, zurückhaltender und ruhiger Mensch wird der passive Opfertyp beschrieben. Dieser Typ leidet unter geringem Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl. Zu sich selber hat er eine negative Einstellung und ist körperlich schwächer als der Täter. Auf Angriffe reagiert er, indem er sich zurückzieht und unsicher wirkt. Von Eltern wird dieser Typ meistens als vorsichtig und sensibel beschrieben.23

Dem gegenüber steht der provozierende Opfertyp. Dieser zeichnet sich durch ein ängstliches und ein aggressives Reaktionsmuster aus. Häufig haben diese Schüler noch Konzentrationsprobleme und verhalten sich so, dass es zu Spannungen in deren Umfeld kommen kann. Dies führt zur Unbeliebtheit bei den Mitschülern. Weiter leiden diese Opfertypen nicht selten an Hyperaktivität.24

Folgende Tabelle von Gerd-Bodo Reinert und Helmut Wehr zeigt die wesentlichen Merkmale, welche für Opfer und Täter sprechen:25

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.3 Die Lehrperson

Die Lehrer spielen eine entscheidende Rolle im Verlauf des Mobbings. Schenken sie der Situation zu wenig Aufmerksamkeit, tragen sie dazu bei, dass sich das Mobbing in der Klasse verstärkt. In der Grundschule ist es noch so, dass die Kinder die Lehrperson als wichtige Vertrauensperson ansehen. Dies nimmt mit zunehmendem Alter jedoch immer mehr ab.26

In den meisten Fällen kennt die Lehrperson nicht alle Faktoren der Situation und versucht daher, nach seinem besten Gewissen zu handeln. Und laut Alsaker werden in den meisten Fällen die Mobbingopfer nicht angehört.27 Hinzu kommt sicherlich noch, dass die Schulen das Thema Mobbing herunter spielen, damit dies nicht an die Öffentlichkeit kommt und dem Ruf der Schule schädigt.

Daher ist es enorm wichtig, dass Schulen zu Mobbingvorfällen stehen und versuchen, diese zu lösen. Weiter ist es wichtig, dass die Lehrer Sympathien und Antisympathien nicht an den Schülern auslassen und jedem Hinweis nachgehen. Weiter soll die Schulleitung dafür sorgen, dass das Lehrpersonal hinreichend mit dem Thema Mobbing vertraut gemacht wird, damit sie erste Signale sofort wahrnehmen und mit Maßnahmen eingreifen können.

3.4 Außenstehende und Mitläufer

Die meisten Mobbingtaten werden in Anwesenheit von Mitschülern ausgeübt. Häufig beteiligen diese sich auch an den Taten. Daher spielen auch die Außenstehenden eine entscheidende Rolle.

Gebauer unterteilt die Mitläufer wie folgt: einige Schüler mobben aktiv mit, andere sehen weg, mache halten sich im Hintergrund und nehmen die Rolle des Zuschauers ein. Den Zuschauer bezeichnet er auch als passive Mitläufer, wodurch diese sich auch mitschuldig machen.28

Ich denke, dass dem größten Teil nicht bewusst ist, dass sie mit ihrem Verhalten den Täter unterstützen und ihn damit zu weiteren Angriffen ermutigen. Alsaker erklärt dieses Verhalten damit, dass sie selbst Angst haben, dass sie beim Einschreiten selber zum Opfer werden.29 Abschließend gibt es noch die Gruppe, die als Unbeteiligte bezeichnet werden. Allerdings gehören dieser Gruppe eher wenige oder gar niemand an. Sie besteht aus Schüler und Schülerinnen, die sich von der Situation abwenden und nicht darüber Bescheid wissen. Allerdings ist dies sehr unwahrscheinlich. Bestätigt werde ich durch meine Umfrage in der über 90% der Schüler an beiden Schulen bereits Mobbingsituationen mitbekommen haben.

[...]


1 Vgl. Klatt, Prof. Edmund; Roy, Dr. Dietrich: Langenscheidts Taschenwörterbuch Englisch; Berlin, München, Wien, Zürich, New York 1991;

2 Vgl. Kasper, Horst: Mobbing in der Schule, Probleme erkennen - Konflikte lösen; Lichtenau 1998; S. 21

3 Vgl. Heinemann, Peter-Paul: Mobbning - gruppvåld bland barn och vuxna. Natur och kultur; Stockholm 1972; S. 14

4 Leymann, Heinz: Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann; Reinbek 1993; S. 18

5 Olweus, Dan: Gewalt in der Schule, Was Lehrer und Eltern wissen sollten - und tun können; Bern 2006; S. 22

6 Vgl. Alsaker, Francoise D.: Quälgeister und ihre Opfer, Mobbing unter Kindern - und wie man damit umgeht; Bern, Göttingen, Toronto, Seattle 2004;S. 19

7 Vgl. Jannan, Mustafa: Das Anti-Mobbing-Buch, Gewalt an der Schule - vorbeugen, erkennen, handeln; Weinheim und Basel 2009; S. 21

8 Vgl. ebd.; S. 22

9 Vgl. ebd.; S. 22

10 Vgl. Leymann, Heinz: Psychoterror am Arbeitsplatz und wie man sich dagegen wehren kann; S. 58

11 Vgl. Jannan: Das Anti-Mobbing-Buch; S. 22

12 Vgl. ebd.; S. 22

14 Vgl. ebd.; S. 24

15 Vgl. ebd.; S. 25

16 Vgl. ebd.; S. 25

18 Vgl. Ohrnberger, Dina: Didaktische Studie im Rahmen für das Lehramt an Realschulen; Ludwigsburg 2005, S. 8 (http://wiki.zum.de/images/1/1b/Mobbing_in_der_Schule.pdf) Zugriff am 24.März 2010

19 Vgl. Knecht, Beate: Mobbing in der Schule - eine Herausforderung für Lehrer und Schüler; Norderstedt 2008; S. 16

20 Vgl. Olweus: Gewalt in der Schule; S. 44

21 Vgl. Schallenberger, Frank: „… und raus bist du!“: Mobbing unter Schülern - was Eltern tun können; München 2001; S. 36

22 Vgl. ebd.: S. 34 ff

23 Vgl. Olweus: Gewalt in der Schule; S. 42 f

24 Vgl. ebd.; S. 43

25 Reinert, Gerd-Bodo & Wehr, Helmut: Gewalt und Gewaltprävention in der Schule; Donauwörth 1999; S. 114

26 Vgl. Jannan: Das Anti-Mobbing-Buch; S. 37

27 Vgl. Knecht: Mobbing in der Schule; S. 28

28 Vgl. Gebauer, Karl: Mobbing in der Schule; Zürich 2007; S. 33 ff

29 Vgl. Alsaker: Quälgeister und ihre Opfer, Mobbing unter Kindern; S. 31 ff

Details

Seiten
69
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640641574
ISBN (Buch)
9783640642175
Dateigröße
814 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152173
Institution / Hochschule
Universität Paderborn
Note
2,7
Schlagworte
Mobbing Schule Lehrer Schüler Eltern Präventationsmaßnahmen

Autor

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