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Wirtschaftskriminalität im Unternehmen

Warnsignale, Schwachstellen in Unternehmen, Präventionsmaßnahmen

Seminararbeit 2005 25 Seiten

BWL - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. EINLEITUNG
1.1. PROBLEMSTELLUNG
1.2. ZIELSETZUNG
1.3. VORGEHENSWEISE

2. HAUPTTEIL
2.1. WAS IST WIRTSCHAFTSKRIMINALIT ÄT?
2.2. B EISPIELE UND DEREN FOLGEN FÜR WIRTSCHAFTSKRIMINELLE HANDLUNGEN
2.3. LAGE ZUR WIRTSCHAFTSKRIMINALIT ÄT
2.3.1. aktuelle Lage
2.3.2. prognostizierte Lage
2.4. SCHÄDEN DURCH WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT IM UNTERNEHMEN
2.4.1. monetäre / materielle Schäden
2.4.2. nicht monetäre / nicht materielle Schäden
2.5. TÄTERKREIS UND DEREN HANDLUNGSMUSTER UND M OTIVE
2.6. INDIKATOREN FÜR WIRTSCHAFTSKRIMINALIT ÄTEN
2.7. WARNSIGNALE VON WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT IM UNTERNEHMEN
2.8. SCHWACHSTELLEN IM UNTERNEHMEN UND URSACHEN FÜR WIRTSCHAFTSKRIMINALIT ÄT
2.9. PRÄVENTION

3. SCHLUSS

4. LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abb.1: Fallentwicklung und Aufklärung
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Berichtsjahr 2003 Seite 236; http://www.bka.de/pks/pks2003/p_3_19.pdf

Abb.2: Bekannt gewordene Fälle (Bundesgebiet)
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Berichtsjahr 2003, Seite 236; http://www.bka.de/pks/pks2003/p_3_19.pdf

Abb.3: Geschlechts- und Altersstruktur
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Berichtsjahr 2003, Seite 237; http://www.bka.de/pks/pks2003/p_3_19.pdf

Abb.4: Häufigkeitszahlen in den Ländern
Quelle: Polizeiliche Kriminalstatistik Berichtsjahr 2003, Seite 237; http://www.bka.de/pks/pks2003/p_3_19.pdf

Abb.5: Risikoprofil
In Anlehnung an: Wirtschaftskriminalität im Unternehmen, Ian Hunting, David Davies, Seite 31

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Seit Amerikas Heimatschutzminister Tom Ridge im September 2003 die New York Stock Exchange und das Hauptquartier der Citigroup als wahrscheinliche Terrorziele outete, zeigt Amerikas Sicherheitsapparat seine Muskeln. Schwer bewaffnete sonnenbebrillte Polizisten passen auf, dass sich allzu neugierige Touristen erst gar nicht in die Nähe der Kapitalismus-Kathedrale an der Wall Street trauen. Eine Studie des US- Geheimdienstes Secret Service lässt jedoch vermuten, dass die Finanzwirtschaft weniger von außen als vielmehr von innen bedroht wird. Gemeinsam mit Wissenschaftlern der Carnegie Mellon Universität in Pittsburgh hat die Behörde die Gefährdung von Banken und anderen Finanzdienstleister durch Insider-Kriminalität untersucht. Ergebnis: Die größte Gefahr geht nicht von Außenstehenden aus, sondern von den eigenen Mitarbeitern.

Die Täter waren sich ihrer Sache in der Regel sehr sicher: Die meisten Straftaten wurden am Arbeitsplatz verübt, meistens während der Arbeitszeit. Der Secret Service empfiehlt der Finanzindustrie deshalb dringend, die Mitarbeiter besser zu überprüfen. Jeder vierte Täter war bereits wegen ähnlicher Delikte vorbestraft und hätte eige ntlich niemals eingestellt werden dürfen. Unternehmen, die hier sparen, zahlen am Ende drauf, warnt Special Agent Matt Doherty vom Risikobewertungszentrum des Secret Service.1

1.2.Zielsetzung

Hauptziel ist es in erster Linie das Bewusstsein für Wirtschaftskriminalität zu schärfen und aufzuzeigen. Es wird dargestellt, in welchen Geschäftsbereichen wirtschaftskriminelle Handlungen gang und gäbe sind. Mit dieser Darstellung soll das Hauptziel verstärkt werden. Das Erkennen von Warnsignalen gehört somit ebenso zum Ziel, wie die Urteilskraft für Schwachstellen in Unternehmen. Ein weiteres Ziel ist es, die möglichen Schäden durch Wirtschaftskriminalität für Unternehmen abschätzen zu können. In weiteren Zielen soll die Gewissheit für Unrechtsbewusstsein geschaffen werden, zusätzlich sollen Ansätze für Präventionsmaßnahmen gegen Wirtschaftskriminalität in Unternehmen gegeben werden.

Ein untergeordnetes Teilziel ist die Darstellung, wie Führungskräfte deutscher Unternehmen das Risiko der Wirtschaftskriminalität einschätze n und welche Delikte nach ihren Erfahrungen in der Praxis am häufigsten auftreten.

1.3.Vorgehensweise

Um das gesetzte Ziel zu erreichen, wird zuerst der verwendete Begriff

„Wirtschaftskriminalität“ abgrenzt. Darauf folgend, werden dann Teilinhalte des Haup tziels aufgezeigt. Der erste Teilinhalt, ist die Lage der Wirtschaftskriminalität. Sie wird zuerst in der gegenwärtigen Lage dargestellt und dann wird die prognostisierte Entwicklung und Ihre Folgen beschrieben. Weitere Teilinhalte sind mögliche monetäre und nicht monetäre Schäden durch Wirtschaftskriminalität, Warnsignale für Wirtschaftskriminalität sowie Präventionsmaßnahmen. Alle Teilinhalte zusammengefasst bilden in der Folge das Hauptziel. Am Ende werden Ausblicke über die weitere Entwicklung und mögliche Problematiken erläutert.

2.Hauptteil

2.1.Was ist Wirtschaftskriminalität?

Nach einer Definition des Bundeskriminalamtes sind als Wirtschaftsdelikte die in §74c Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) aufgeführten Straftaten und Delikte anzusehen, die im Rahmen tatsächlicher oder vorgetäuschter wirtschaftlicher Betätigung begangen werden und über eine Schädigung von Einzelnen hinaus das Wirtschaftsleben beeinträchtigen oder der Allgemeinheit schädigen können und / oder deren Aufklärung besondere kaufmännische Kenntnisse erfordert.2

Wirtschaftskriminalität wird als Straftat definiert, die sich im Wirtschaftsleben unter Missbrauch des dort herrschenden Vertrauensprinzips ereignen. Die Täter stammen aus allen sozialen Schichten, wodurch die Vielfalt der Handlungsmuster sowie das Risiko der Unternehmen zunehmen. Die Hauptkategorien von Wirtschaftskriminalität, die das Unternehmen als Opfer darstellen sind das Abzweigen von Geldern oder anderen Vermögenswerten und die falsche Darstellung der finanziellen Lage eines Unternehmens. Das Abzweigen vo n Geldern oder anderen Vermögenswerten umfasst untern anderem, das Manipulieren von Bankkonten und Lagerbeständen, die Beeinflussung von Beziehungen zwischen den Unternehmen und seinen Lieferanten beziehungsweise Kunden, das Überholen von Forderungen, das unzulässige Gewähren von Krediten beziehungsweise Eingehen von Verbindlichkeiten. Die falsche Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens wird vor allem durch eine Verfälschung des Rechnungswesens, zum Beis piel durch Auslassungen, zusätzlichen Eintragungen oder andere Manipulationen der Bücher, erreicht.3

Diese Vorgänge werden als dolose Handlungen beschrieben. Diese werden definiert als Tatbestände, die eine absichtliche Schädigung des Unternehmens zum Ziel haben und überwiegend der eigenen, aber auch der Bereicherung Dritter dienen. Die in der Praxis am häufigsten anzutreffenden Formen dolosen Handels sind Unterschlagung, Untreue, Betrug, Korruption, Angebots- und Preisabsprachen, Bilanzmanipulation und Diebstahl.4 Die meisten Straftaten in der Vergangenheit waren von langer Hand geplant. Geradezu erschreckend hoch ist die Zahl der Mitwisser. Fast immer wurden die Täter von Kollegen gedeckt. Entweder, indem sie einfach geschwiegen haben oder - noch schlimmer - weil sie davon profitierten. Kein Wunder, dass fast jeder zweite Fall von Außenstehenden angezeigt wurde.5

2.2. Beispiele und deren Folgen für wirtschaftskriminelle Handlungen

Der größte durch einen Insider verursachte Schaden beträgt einer Studie zufolge 691 Mio. Dollar. Zwar werden weder Personen noch einzelne Firmen genannt, doch in diesem Fall dürfte es sich um einen ehemaligen Mitarbeiter der Allied Irish Bank handeln. Ihm war das Kunststück gelungen, sich gegenüber seinen Vorgesetzten über Jahre hinweg als Stardevisenhändler zu präsentieren. In Wahrheit hatte er mit riskanten Dollar-Geschä ften Millionenbeträge verloren und diese Verluste durch geschickte Manipulation der Handelsdaten vertuscht. Zwar verbüßt der Täter inzwischen eine siebenjährige Haftstrafe, das Geld ist jedoch unwiederbringlich verloren. Das Malheur wäre nach Ansicht des Geheimdienstes verhindert worden, wenn die Bank auf Gruppenarbeit gesetzt hätte, statt jeden Händler sein eigenes Süppchen kochen zu lassen. Die Finanzbranche gelobte umgehend Besserung: Künftig müssen sich Mitarbeiter auf Drogenkonsum testen lassen, verspricht James Blake vom Banking Industry Technology Secretariat. Der Zugang zum Internet soll künftig auf das Notwendigste beschränkt werden. Und Computerprogramme notieren schon bald, was Mitarbeiter nach Geschäftsschluss so alles am PC treiben.6

Bereits der Diebstahl geringwertiger Sachen rechtfertigt eine fristlose Kündigung. Dies berichtet der Bonner Informationsdienst "Neues Arbeitsrecht für Vorgesetzte" unter Berufung auf ein Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) in seiner Februar-Ausgabe 2004. Das höc hste deutsche Arbeitsgericht hatte die außerordentliche Kündigung einer Warenhausmitarbeiterinbestätigt,die62MinifläschchenAlkoholicaundzwei angebrochene Rollen Küchenpapier mit nach Hause nehmen wollte. Vor Gericht hatte sie sich damit gerechtfertigt, dass die Ware bereits abgeschrieben gewesen sei und sie nur aufräumen wollte. Das Gericht belehrte sie jedoch, dass allein der Arbeitgeber darüber zu entscheiden habe, was mit abgeschriebener Ware geschieht. Selbst wenn er grundsätzlich bereit ist, solche Dinge an die Betriebsangehörigen zu verschenken, handeln sie grob vertragswidrig, wenn sie diese eigenmächtig einfach einstecken. Grundsätzlich setze ein Mitarbeiter schon bei einem versuchten Diebstahl seinen Arbeitsplatz aufs Spiel. Eine Abmahnung se i bei derartigen Pflichtverstößen regelmäßig nicht erforderlich. (Aktenzeichen: 2 AZR 36/03 - BAG-Urteil vom 11.12.2003)7

Wird ein Arbeitnehmer bei einem versuchten Diebstahl beobachtet, darf ihn der Chef vor die Wahl stellen: Aufhebungsvertrag oder fristlose Kündigung. Eine solche Vereinbarung kann der Mitarbeiter später nicht wegen „Drohung durch den Arbeitgeber“ anfechten. Dies bekräftigte das Bundesarbeitsgericht, das in solchen Fällen die Regeln zum „Haustürgeschäft“ für nicht anwendbar erklärte. (Quelle: b.b.h. 09- 2004)8

Zu Beachten ist, dass schon der Versuch einer Straftat für eine Kündigung ausreicht. Wenn ein Mitarbeiter also unmittelbar zu der von ihm beabsichtigten Straftat angesetzt hat, kann das für eine einseitige Beendigung genügen. Es kommt nicht darauf an, dass die Straftat vollendet ist.

Wichtiger Hinweis! Bei Eigentums- und Vermögensdelikten ist die Höhe des wirtschaftlichen Schadens für den Arbeitgeber nicht entscheidend. Das Bundesarbeitsgericht hat sogar die außerordentliche Kündigung einer Verkäuferin bestätigt, die ein Stück Bienenstich im Wert von 1 DM selbst verzehrt hatte (BAG, Urteil vom 3.4.1986, Aktenzeichen 2 AZR 324/85).

Für die Frage, ob eine Straftat eine Kündigung rechtfertigt, kommt es auch nicht auf die strafrechtliche Bewertung des Verhaltens an. Sie müssen also keine Strafanzeige gegen Ihren Mitarbeiter stellen, um dadurch Ihre Chancen im Kündigungsschutzprozess zu verbessern.9

2.3. Lage zur Wirtschaftskriminalität

2.3.1. aktuelle Lage

Zahlreiche Umfragen und Untersuchungen machen deutlich, dass die Dimension und Auswirkungen von dolosen Handlungen von Unternehmen häufig unterschätzt werden. Mindestens jedes zweite Unternehmen ist in den letzten fünf Jahren Opfer wirtschaftskrimineller Handlungen geworden.10 Die meisten Unternehmen davon sind sogar mehrfach Opfer von dolosen Handlungen geworden. Dabei lag der Schaden pro Unternehmen zwischen fünftausend und 250 Millionen Euro.11

Das Wirtschaftsmagazin "Impulse" berichtet unter Berufung auf eine vom Branchenführer für Vertrauensschaden-Versicherungen Euler Hermes zusammengetragene Schadensbilanz, die Zahl der Delikte sei im Jahr 2002 auf rund 960.000 gestiegen. Die durch Diebstahl, Unterschlagung oder Betrug verursachte Schadenssumme habe sich von 3,8 auf rund sieben Milliarden Euro verdoppelt. Das häufigste Delikt war mit rund 59% der Diebstahl am Arbeitsplatz. 14% der Schäden resultierten aus Unterschlagung, zehn Prozent aus Veruntreuung und sieben Prozent aus Betrug. Bei immerhin 19% der Schadensfälle durch kriminelle Mitarbeiter lag der Schaden laut "Impulse" bei über 50.000 Euro, bei weiteren 14% zwischen 25.000 und 50.000 Euro. Den Löwenanteil machten allerdings Delikte mit einem Schaden von weniger als 5.000 Euro aus.12

Die deutschen Polizeistellen haben nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) im vergangenen Jahr insgesamt 86.149 wirtschaftskriminelle Straftaten erfa sst. Der Schaden belief sich auf 6,83 Milliarden Euro. Damit machte die Wirtschaftskriminalität 2003 nur 1,31% der insgesamt registrierten Delikte aus, sie verursachte aber 57,2% der Kriminalitätsschäden. Am häufigsten erfassten die Behörden im vergangenen Jahr Betrugsfälle (42.764 Delikte), Straftatbestände im Zusammenhang mit Arbeitsverhältnissen (14.896 Fälle) und Insolvenzstraftaten (13.902). Die Zahl der registrierten Wirtschaftsdelikte erhöhte sich laut BKA im Vergleich zu 2002 insgesamt nur um 119 Fälle. Gegenüber dem Vorjahr nahmen lediglich die Insolvenzdelikte mit plus 8,6% deutlich zu. Die Aufklärungsquote bei wirtschaftskriminellen Tatbeständen liege mit 95,1% überdurchschnittlich hoch, so das BKA. Täter und Opfer seien in der Regel bekannt und müssten nicht erst ermittelt werden.13

[...]


1 Vgl. Die Welt; Kriminelle Mitarbeiter haben in der Finanzbranche leichtes Spiel ; Fr. 27. August 2004.

2 Vgl. Risiko Wirtschaftskriminalität in Unternehmen; BDO Deutsche Warentreuhand AG.

3 Vgl. Wirtschaftskriminalität im Unternehmen; Huntington/Davies; Campus Verlag.

4 Vgl. Sind Sie sicher, dass Sie sicher sind?; BDO Deutsche Warentreuhand AG.

5 Vgl. Die Welt; Kriminelle Mitarbeiter haben in der Finanzbranche leichtes Spiel ; Fr. 27. August 2004.

6 Vgl. Die Welt; Kriminelle Mitarbeiter haben in der Finanzbranche leichtes Spiel ; 27. August 2004.

7 http://www.vnr.de/verlag/presse/presse_11671.html#; 06.02.04; Stand: 26.11.04.

8 http://www.mcdata.de/news.php?mode=show&id=74; Oktober 2004; Stand: 26.11.04.

9 Vgl. http://www.arbeitsrecht.org/themen-a-z/problem-mitarbeiter/artikel01045.html; Stand: 07.12.04 .

10 Vgl. Sind Sie sicher, dass Sie sicher sind?; BDO Deutsche Warentreuhand AG.

11 Vgl. Risiko Wirtschaftskriminalität in Unternehmen; BDO Deutsche Warentreuhand AG.

12 http://www.abendblatt.de/daten/2004/01/20/253031.html?prx=1; 13.11.04; Stand: 26.11.04.

13 http://www.dihk.de/inhalt/themen/rechtundfairplay/news/meldung0127.html; 10.08.04; Stand: 26.11.04.

Details

Seiten
25
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640645060
ISBN (Buch)
9783640645237
Dateigröße
499 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152170
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1
Schlagworte
Wirtschaftskriminalität Opfer Schaden Diebstahl Unterschlagung Betrug Bundeskriminalamt Kriminalstatistik Risikoprofil Risiko Warnsignale Täuschung Anomie FOM Stefan Wiegand

Autor

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Titel: Wirtschaftskriminalität im Unternehmen