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Wie wirkt sich der Schulabschluss der Jugendlichen auf den Übergang in eine Berufsausbildung aus?

Hausarbeit 2008 27 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Herleitung der Fragestellung

3. Operationalisierung

4. Modalitäten der Datenerhebung
4.1. Bildungsbericht 2006
4.2. Berufsbildungsbericht 2007

5. Darstellung der Ergebnisse
5.1. Darstellung: Vergleich der Absolventen im dualen System, im Schulberufs- und Übergangssystem
5.2. Darstellung: Vergleich der Einmündungsquoten zwischen niedrigen und mittleren Schulabschlüssen im dualen System

6. Interpretation

7. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Anhang 1

Anhang 2

1. Einleitung

„Bildung ist der Schlüssel für die Menschen, einen Arbeitsplatz zu bekommen und damit eine Lebensperspektive in unserer Gesellschaft zu haben. Die Realität sieht jedoch anders aus: Allein 1,5 Millionen Menschen, die jünger als 25 Jahre sind, haben keine Ausbildung. Diese jungen Menschen werden ausge- grenzt. Sie haben kaum Möglichkeiten in Deutschland Fuß zu fassen […] Alle Jugendlichen müssen einen Ausbildungsplatz erhalten! Es geht um die Lebenschancen von hunderttausenden Jugendlichen und die Sicherung der Qualifikationen für die Zukunft der Gesellschaft“

(GEW- Die Bildungsgewerkschaft 2008), so appellierte der GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne in seiner 1. Mai Rede an die Menschen. Wie in diesem Appell, steht derzeit die große Aufgabe, junge Menschen in Berufsausbildung zu bringen, im Vordergrund der bildungspolitischen Diskussion. Jedes Jahr pünktlich zur Sommerzeit, wenn das Abschlussjahr der allgemein bildenden Schulen zu Ende geht und der Beginn des Berufsbildungsjahrs vor der Tür steht, wird in Medien und Politik regelmäßig der Stellenmangel in der Berufsausbildung debattiert. Um zusätzliche Ausbildungsplätze und neue Ausbildungsbetriebe zu gewinnen, wird zwar von Seiten der Regierung, von Verbänden, Kammern und Gewerkschaften einiges unternommen. Dennoch gestaltet sich der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung für eine wachsende Zahl Jugendlicher schwierig. Ursachen hierfür sind fehlende oder niedrige Schulabschlüsse, der starke Rückgang an Ausbildungsplatzangeboten sowie gestiegene Anforderungen bei den meisten Ausbildungsberufen.

Insbesondere wird beobachtet, dass Jugendliche mit, bzw. ohne Hauptschulabschluss immer weniger Chancen haben, im Berufsbildungssystem eine qualifizierte Ausbildung zu erreichen. Um die Isolation der Hauptschüler zu beenden, schlägt der Jugendforscher Klaus Hurrelmann den Kultusministern vor, die Real-und Hauptschule zu einer einheitlichen Sekundarstufe zusammenzulegen, da die Position der Hauptschulabgänger auf dem Arbeitsmarkt „ungünstig oder sogar aussichtslos“ sei. Seine Empfehlung ist, die neuen Sekundarschulen mit einer eigenen Oberstufe auszustatten, die sich aus den heutigen Berufsschulen und Berufskollegs bildet. Somit hätten die Schüler die Möglichkeit, zwischen zusätzlichen berufsbezogenen Abschlüssen, Fachabitur und dem regulären Abitur zu wählen (Spiegel Online-Unispiegel, 2006).

Die ständig wiederkehrenden oben genannten Diskussionen und die hierbei erwähnte Annahme, dass ein qualitativ guter Schulabschluss eine wichtige Voraussetzung für den Eintritt in den Ausbildungsmarkt ist, erweckten in mir das Interesse, die im Bildungsbericht (2006, Kapitel E) zur Verfügung stehenden Daten über die Verteilung der Neuzugänge auf die drei Sektoren des Berufsbildungssystems nach schulischer Vorbildung sowie die im Berufsbildungsbericht 2007 vorhandenen Daten über den Einmündungserfolg in eine duale Berufsausbildung empirisch zu untersuchen. Dieses soll anhand einer Sekundäranalyse unter dem Aspekt „Wie wirkt sich der Schulabschluss der Jugendlichen auf den Übergang in eine Berufsausbildung aus?“ durchgeführt werden. Die quantitative Methode dient hier als Untersuchungsmethode.

Zunächst soll im Kapitel 2 kurz erläutert werden, was unter den Begriffen „Schulabschluss“, „Berufsbildung“ und „Dreigliederung der Berufsbildung“ zu verstehen ist. Nach dieser Erläuterung sollen die Hypothesen aufgestellt werden, die auf einschlägiger Literatur basieren. In der Operationalisierung werden die in der Herleitung der Fragestellung genannten Variablen empirisch erfassbar gemacht (Kapitel 3). Im Anschluss daran werden die herangezogenen Datenquellen in den Modalitäten der Datenerhebung geschildert (Kapitel 4). Auf dieser Grundlage sollen schließlich die Ergebnisse dargestellt (Kapitel 5) und interpretiert (Kapitel 6) werden. Aus Gründen der Lesbarkeit wird auf geschlechtsneutralisierende Formulierungen verzichtet.

2. Herleitung der Fragestellung

Die gesetzliche Pflicht zum Besuch einer Vollzeitschule für die Dauer von zunächst acht, heute neun oder zehn Vollzeitschuljahren besteht in Deutschland seit etwa 100 Jahren. Eine Besonderheit des deutschen Schulsystems ist das an die gemeinsame Grundschule anschließende gegliederte Schulwesen (Lohmar/Eckhardt, 2007, S.102). Hierunter sind Bildungsgänge mit ihren Abschlüssen und Berechtigungen zu verstehen, die bestimmten Schularten zugeordnet sind. In der Mehrzahl der Länder sind dies: die Hauptschule, die Realschule, das Gymnasium und die Gesamtschule (letztere existiert nicht in allen Bundesländern). Auf diesen allgemein bildenden Schulen gibt es die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss, den Mittleren Schulabschluss und die Hochschulreife zu erreichen.

Nach Erfüllung der allgemeinen Schulpflicht (in der Regel mit dem 15.Lebensjahr) erfolgt der Übergang in den Sekundarbereich II entsprechend den Abschlüssen und Berechtigungen, die am Ende des Sekundarbereichs I erlangt wurden. Dieser Übergang in den Sekundarbereich II, insbesondere in die berufliche Bildung, soll in dieser Arbeit anhand der schulischen Vorbildung im Sekundarbereich I untersucht werden. Hierfür werden Jugendliche mit keinen bzw. niedrigen, mittleren und höheren Schulabschlüssen in der 1.Schwelle1 anhand statistischer Daten miteinander verglichen.

Das deutsche Berufsbildungssystem ist durch ein hohes Maß an institutioneller Vielfalt und Komplexität geprägt. Es setzt sich aus einem „breiten Nebeneinander von unterschiedlichsten Bildungsgängen, von Schultypen und Bildungseinrichtungen, von öffentlichen Ausbildungsträgern auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie privaten Trägern und von berufs- und allgemein bildenden Schulabschlüssen und berufsvorbereitenden Qualifikationen“ zusammen (Baethge/Buss/Lanfer, 2003, S.34). An dieser Stelle soll zunächst der Begriff „Berufsbildung“ erläutert werden. In den allgemeinen Vorschriften des Berufsbildungsgesetzes von 1969 wird Berufsbildung als „die Berufsausbildungsvorbereitung, die Berufsausbildung, die berufliche Fortbildung und die berufliche Umschulung“ definiert (BBiG, § 1, Satz 1). Diese Arbeit wird sich thematisch mit der Berufsausbildungsvorbereitung und der Berufsausbildung befassen.

Der Bildungsbericht (2006, Kapitel E, S.79ff.) beschränkt sich auf die drei Teilsysteme unterhalb der Hochschulebene, die im Folgenden erläutert werden.

- Das duale System
- Das Schulberufssystem
- Das Übergangsystem

Das duale System

Das duale System gehört in Deutschland neben dem Hochschulsystem zu den wichtigsten Teilsystemen beruflicher Qualifizierung. Es hat traditionell einen hohen Stellenwert im Berufsbildungswesen. Das System wird „dual“ bezeichnet, weil die Ausbildung an zwei Lernorten durchgeführt wird: im Betrieb und in der Schule (Georg, 2006, S.7). Es ist die dominante Organisationsform der Berufsausbildung geblieben, obwohl sich im Laufe der Zeit eine Vielzahl weiterer schulischer Berufsausbildungsformen herausgebildet hat. Ziel dieser Berufsausbildung ist es, in einem geordneten Ausbildungsgang die notwendigen Kompetenzen und Qualifikationen für die Ausübung einer qualifizierten Tätigkeit in einer sich wandelnden Arbeitswelt zu vermitteln. Der erfolgreiche Abschluss befähigt zur Ausübung eines anerkannten Ausbildungsberufs nach dem BBiG oder der HWO (Baethge/Buss/Lanfer, 2003, S.35).

Das Schulberufssystem

Das Schulberufssystem bezeichnet die Ausbildung für einen gesetzlich anerkannten Beruf in vollzeitschulischer Form. In diesem Fall liegt die Verantwortung der Ausbildung bei dem jeweiligen Ausbildungsträger. Neben der dualen Ausbildung ist die vollzeitschulische Berufsausbildung in den letzten Jahrzehnten deutlich gewachsen. Laut Bund-Länder-Kommission stellt das vollzeitschulische Berufsausbildungsangebot für Jugendliche in einzelnen Bereichen eine interessante Alternative zum dualen System dar (vgl. BLK, 2002). Zu den beruflichen Vollzeitschulen gehören die Berufsfachschule, die Fachschule, die Schule des Gesundheitswesens sowie diverse weitere Schularten (Baethge/Buss/Lanfer, 2003, S.40, Tab.3.2). Den Schülern der beruflichen Vollzeitschulen wird hierbei die volle Berufsausbildung, die Vorbereitung auf einen Abschluss oder die Ausbildungsvorbereitung vermittelt. Die letzte Funktion betrifft die Jugendlichen, die als noch nicht ausbildungsfähig eingeschätzt werden (Klemm, 2006, S.59).

Das Übergangsystem

Mit dem Übergangsystem sind Bildungsangebote gemeint, die „unterhalb einer qualifizierten Berufsausbildung liegen bzw. zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss führen“(Bildungsbericht, 2006, Kapitel E, S.79). Hier sollen die individuellen Kompetenzen von Jugendlichen an den beiden Übergangsschwellen verbessert werden. Auch sollen sie zum Teil die Gelegenheit bekommen, ihren allgemein bildenden Schulabschluss nachzuholen (vgl. Bildungsbericht, 2006). Berufsvorbereitende Angebote der Bundesagentur für Arbeit stellen ebenfalls eine Möglichkeit für markt- und bildungsbenachteiligte Jugendliche dar, die auf diese Weise an eine Ausbildung oder eine Erwerbstätigkeit herangeführt werden sollen. Zum Übergangsystem gehören beispielsweise das Berufsvorbereitungsjahr (BVJ), das Berufsgrundbildungsjahr (BGJ), Berufsfachschulen, die keinen beruflichen Abschluss vermitteln und viele andere Arten.

Durch die Bildungsexpansion fand im schulischen Bereich, insbesondere im Sekundarbereich, eine strukturelle Verschiebung statt. Im Zuge der Expansion mittlerer und höherer Bildungsabschlüsse hat der Hauptschulabschluss stark an Bedeutung verloren (vgl. Hradil, 2001, S.158 ff.; Tippelt, 1990, S.37). Früher galt der Hauptschulabschluss als qualifikatorische Mindestvoraussetzung für die Aufnahme einer Ausbildung. Heute ist dies der Realschulabschluss. Die Bildungsexpansion hat die gesellschaftliche Entwicklung als Ganzes sowie die individuellen Lebensläufe der einzelnen maßgebend verändert. Das generelle Bildungsniveau in Deutschland hat sich erhöht und ohne diese Verstärkung von Bildung hätte sich eine Vielzahl von gesellschaftlichen Veränderungen seit den 60er Jahren nicht entwickeln können. (Hradil, 2001, S.173). Gleichzeitig aber ist es für eine bestimmte Gruppe Jugendlicher komplizierter geworden, die diesen Bildungsaufstieg nicht geschafft haben. Gemeint sind Hauptschulabsolventen bzw. Jugendliche ohne Abschluss, die einem Verdrängungswettbewerb unterliegen, bei dem sie in Konkurrenz zu Jugendlichen mit mittleren und höheren Bildungsabschlüssen stehen (vgl. Georg, 2006, S.44; Hradil, 2001, S.174). Somit haben diese Jugendliche kaum Aussichten auf eine anerkannte Berufsausbildung und werden von einer berufsvorbereitenden Maßnahme in die nächste vermittelt. Georg (2006, S.44) weist auch darauf hin, dass die Ursache, warum Hauptschulabsolventen in den letzten Jahren ohne Ausbildungsplatz geblieben sind, nicht in der Verdrängung liege, sondern in der allgemeinen Lücke zwischen Ausbildungsangebot und -nachfrage. Aufgrund des Rückgangs der Ausbildungsplatzangebote hat sich die Bandbreite an Berufswahlsoptionen für die Jugendlichen verengt, die defizitäre Abschlüsse haben. Für Schulabsolventen mit einer Studienberechtigung (Hochschulreife und Fachhochschulreife) hingegen ist das Optionsspektrum in erster Linie breit. Dies gilt sowohl für die Auswahl von Ausbildungsberuf und -betrieb als auch für die Entscheidung für ein Hochschulstudium (Georg, 2006, S.43).

Letztlich ist zu beobachten, dass die Qualität des Schulabschlusses einen entscheidenden Einfluss auf die Erfolgsaussichten bei der Ausbildungsplatzsuche und die späteren beruflichen Karrieremöglichkeiten hat.

Zur Erhöhung der Chancen auf dem Ausbildungsmarkt oder zur Umgehung der drohenden Arbeitslosigkeit besuchen immer mehrere Jugendliche nach ihrem regulären Schulabschluss weiterführende Schulen (Georg, 2006, S.45). Hiermit lässt sich auch der hohe Anstieg des Übergangssystems erklären. Statt in die betriebliche Berufsausbildung einzumünden, nehmen viele Jugendliche an berufsvorbereitenden und/oder vollschulischen Bildungsmaßnahmen teil, „ohne dass dies mit einem nachhaltigen Zuwachs an verwertbaren Kompetenzen oder verbesserten Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbunden wäre („Maßnahmekarrieren“) “(Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB), 2006). Dies betrifft wiederum Jugendliche mit schlechten Schulabschlusszeugnissen, die die Zeit der Suche nach einem betrieblichen Ausbildungsplatz mit dem Besuch eines Berufsvorbereitungsjahres (BVJ), des Berufsgrundbildungsjahres (BGJ) und anderen Ersatzmaßnahmen überbrücken. Viel zu oft wird das Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundbildungsjahr als Auffangbecken für „Problemgruppen“ des Ausbildungsstellen- und Arbeitsmarktes (z.B. Sonderschulabsolventen und Hauptschulabgänger ohne Abschluss) betrachtet (Georg, 2006, S.63). Diese Funktion als „Warteschleife“, längere Suchphasen und Umwege wird nicht selten ungewollt zur Endstation des Ausbildungsweges oder zieht den Zeitraum zwischen Bildungsabschluss und Erwerbseinritt deutlich in die Länge. Auf diese Weise geht der traditionelle Schwellencharakter des Übergangs verloren (Georg, 2006, S. 45).

In Anlehnung an die oben dargelegten Erläuterungen, werden folgende Hypothesen abgeleitet:

1. Jugendliche mit keinem bzw. niedrigem Abschluss halten sich stärker in Maßnahmen des Übergangssystems auf als Jugendliche mit mittlerem bzw. höherem Abschluss.
2. Jugendliche mit keinem bzw. niedrigem Abschluss beginnen seltener eine Ausbildung im dualen System und im Schulberufssystem als Jugendliche mit mittlerem bzw. höherem Abschluss.
3. Jugendliche mit mittlerem Schulabschluss münden nach erstmaligem Verlassen der allgemein bildenden Schule schneller in die duale Berufsausbildung ein als Jugendliche mit keinem bzw. niedrigerem Abschluss.

Bei den vorliegenden Hypothesen handelt es sich um gerichtete Unterschiedshypothesen.

[...]


1 d.h. der Übergang von der Schule in eine Berufsausbildung.

Details

Seiten
27
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640640782
ISBN (Buch)
9783640640843
Dateigröße
751 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152087
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Schlagworte
Schulabschluss Übergang in eine Berufsausbildung Empirsische Bildungsforschung Sekundäranalyse Bildungsbericht

Autor

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