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Fauna des Mittelmeeres. Bestimmungsübungen in der Spritzwasserzone des Mittelmeeres

An der Küste von Banyuls sur mer (Südfrankreich)

Projektarbeit 1997 34 Seiten

Biologie - Ökologie

Leseprobe

Inhalt

Einführung

Häufig verwendete Fachbegriffe

Seescheiden (Manteltiere)

Muscheln

Kraken

Knochenfische

Seesterne

Krebse

Zehnfüßige Krebse

Nesseltiere

Seeigel

Seegurken

Käferschnecken

Schlangenseesterne

Schnecken

Abbildung 1: Teilnehmer der Exkursion am Felslitoral (Foto und Einverständnis: M. Lüpke, f997)

Abbildung 2: Darstellung der Meereszonierung (Modifiziert nach Riedel (f983))

Abbildung 3: Der Eisstern im Felslitoral (Vorder− und Rückseite)

Abbildung 4: Marthasterias glacialis (Eisstern) (modifiziert nach Riedel)

Abbildung 5: Anatomie der zehnfüssigen Krebse

Abbildung 6: Pachygrapsus marmoratus (modifiziert nach Riedel)

Abbildung 7: Eriphia Verrucosa (modifiziert nach Riedel)

Abbildung 8: Pinnotheres Pisum (modifiziert nach Riedel)

Abbildung 9: Porcellana Platycheles (modifiziert nach Riedel)

Abbildung 10: Clibanarius Erythropus

Einführung

Diese kleine Bestimmungshilfe ist während mehrerer meeresbiologischer Veranstaltun− gen der Universität zu Köln (lnstitut für Biologie und ihre Didaktik − EZW) in Banyuls sur mer (Südfrankreich) entstanden. Ziel war es dabei die Organismen der Spritzwasserzone genau zu bestimmen und deren Lebensgewohnheiten im Sinne einer kleinen Studienar− beit zu erarbeiten. Dabei wurde jeweils eine umfangreiche Artenliste erstellt. Der Großteil der in dieser sogenannten „Urliste” aufgeführten Organismen1 wurde in den küstenna− hen Bereichen des Mittelmeeres (Wassertiefe bis max. 2m, Ausrüstung u.a. auch ABC− Tauchausrüstung2 ) gesichtet und auch im anliegenden Laboratoire Arago /Université Paris wissenschaftlich bestimmt.

Diese Darstellung erhebt keinerlei wissenschaftli− chen Anspruch bzw. Vollständigkeit. Sie ist einfach ein Teil meiner persönlichen Aufzeichungen, die hier für lnteressierte bereitstehen. Diese zusam− menfassende Dokumentation wurde im Anschluss an die Veranstaltung an der Universität zu Köln be− wertet und als Leistungsnachweis für die Teilnahme an dem meeresbiologischen Seminar gewertet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Teilnehmer der Exkursion am

Felslitoral (Foto und Einverständnis: M. Lüpke, 1997)

Zum besseren Verständnis: Die Bezeichnung Art/ Gattung beeinhaltet die jeweilige Gattung der Or− ganismen. So bedeutet z.B. die Bezeichnung: Gat− tung/Art: Ulva lactuca (Meersalat), dass der Meer− salat zur Gattung Ulva gehört und die Art Ulva lactuca gemeint ist.

Bevor lhr an das Bestimmen und Suchen herangeht, solltet lhr die Zonen des Meeres und einige Fachbe− griffe kennen. Dies ist insbesondere dann wichtig, wenn man Tiere und Pflanzen bestimmten Bereichen bzw. Lebensräumen zuordnen möchte und dabei Fachliteratur benutzt. Desweiteren werden die Arten mit vielen Details beschrieben, die sich in der jeweiligen Abbildung besonders markiert wiederfinden.

Hinweis: Es werden nur gefundene Arten beschrieben. Unter Berücksichtigung jahreszeit− licher und regionaler Variationen können natürlich auch andere Organismen gefunden werden.

Häufig verwendete Fachbegriffe

Die Erklärungen und Abbildungen helfen hoffentlich dabei, sich im Dschungel der biologi− schen Fachbegriffe zurechtzufinden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Darstellung der Meereszonierung (Modiłiziert nach Riedel (1983))

Benthos: Der Seeboden und die bodenlebende Organismenwelt.

Corallinenböden: Form sekundärer Hartböden mit einer starken Komponente verkalkter Rotalgen (Corallinacea)

Detritusböden: Sedimentgründe, die überwiegend Schweb− und Sinkstoffe, zerfallender Tier− und Pflanzenteile mit meist nicht mehr intakter, doch starker organischer Kompo− nente.

Epiphyten: Pflanzen, die nicht am Boden, sondern auf anderen Pflanzen festgeheftet sind (ohne Denselben Nährstoffe zu entziehen).

Eulitoral: Küstenstreifen zwischen Hoch− und Niedrigwasserlinie (ca. 50cm hoch, bei fla− chem Küstenwinkel sehr breit).

Exposition: Bezeichnet die Lage eines Standortes (seine Ausgesetztheit gegenüber den Umwelteinflüssen, z.B. Brandung). Einzelne Expositionsarten werden besonders gekenn− zeichnet (z.B. Lichtexposition).

Felslitoral: Küstensäume und unterseeische Küstenabhänge, an welchen der gewachsene Fels zutage tritt.

Fluttümpel: Wannen der Felsküste. Die während der Flut von Wasser umspült sind, bei Ebbe jedoch vom Meer getrennt sind.

Hartböden: Sammelname für felsige (primäre Hartböden), sowie durch Organismenbestände verfestigte (sekundäre Hartböden) und für steinige bis überwiegend sandige Seeböden. Auch “Kunstbauten“ wie Wellenbrecher, Hafenbauten, Pfähle können hier angeführt werden.

Litophytengürtel: Blaualgenstreifen an Felsküsten, dicht über dem Gezeitengebiet, auch schwarze Zone genannt. Gekennzeichnet durch fast ausschließlichen, großteils gesteins− bohrenden Blaualgenbewuchs, trocken graublau bis hellgrau, nass bräunlich bis gelblich− grün. Gegensatz: “Weiße Zone“, ohne Blaualgenbestände.

Litoral: Marine Küstenzone, vom obersten Einflussgebiet der Wogen bis zum Ende des unterseeischen Küstenabhanges.

Pelagial: Das offene Meer und die bewohnende Organismenwelt.

Phytal: Von Pflanzenbeständen überzogene Bodengebiete (Seegras, Algen). Das Vor− kommen ist stark von der Festigkeit des Untergrundes bestimmt, von dessen Durchflu− tung mit Licht und der Durchlässigkeit des Wassers für Licht.

Sublitoral: Küstenstreifen unter dem Eulitoral. Hier ist darunter vereinfacht der ständig untergetauchte Teil des Küstenabhanges zu verstehen.

Supralitoral: Küstenstreifen über dem Eulitoral, soweit der Einfluss des Meeres noch je− nen des Landes deutlich überwiegt. (Höhenerstreckung nach dem Expositionsgrad 0,25 bis über 30m).

Ventral: anatomische Bezeichnung für bauchwärts oder bauchseits gelegen.

Dorsal: anatomische Bezeichnung für rückenwärts gelegen.

Medial: Zur Mitte hin gelegen

Verwendete Literatur:

Riedel, Rupert : Jauna und Jlora des Mittelmeeres (3. Auflage), f983 Verlag Paul Parey , Hamburg und Berlin.

Lüpke, Marcus: Kleine Krieger − lebensraum Jlachwasser und Brandungszonen, ln: Sport− taucher Ausgabe 0f−2006.

Alle Detailabbildungen nach: Riedel, R. : Jauna und Jlora des Mittelmeeres (3. Auflage), f983 Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin.

Fotos: Marcus Lüpke

Die Fauna (Das Tierreich)

Seescheiden {Manteltiere)

Stamm: Tunicata (Manteltiere)

Klasse: Ascidiacea (Seescheiden)

Kennzeichen (Tunicata): Vielgestaltige, unsegmentierte Bilateria mit Kiemendarm (!), eine Rückenseite (Chorda) fehlt oder sie ist nur im Schwanz enthalten. Man beachte den viel− seitig ausgeprägten Kiemendarm, der 2 bis mehrere tausend Kiemenspalten aufweist, den (wenn vorhanden) elastisch stützenden Zellenstab (chorda) im Schwanz sowie die sehr verschieden ausgebildete, glasig−zart oder dick ledrig−knorpelige (Mantel) Körperdecke.

Kennzeichen (Ascidiacea): Erwachsene sind stets festsitzende, knollen−, krusten− oder traubenförmige Manteltiere mit m.o.w. dicker, gallertartiger, knorpeliger oder ledriger Umhüllung (Mantel, Tunica), einzeln, in Gruppen oder einheitlichen Kolonien aus vielen Einzeltieren (Zooiden). Die Chorda ist nur bei Larven vorhanden. Die Größe schwankt von fmm bis über f0cm. Bewegungserscheinungen minimal, beschränkt auf Kontraktionen des Körpers und der Körperöffnungen.

Umłang: ln allen Weltmeeren finden sich ca. 2000 Arten (meist marin), lm Mittelmeer− raum kann mit ff Familien, 39 Gattungen und ca. f00 bekannten Arten gerechnet wer− den.

Vorkommen: Auf allen Hartböden, auf Schiffs− und Seetonnenböden, auf Strünken von Seegräsern und größeren Algen, in den Sedimentgebieten auf Corallinen, Bryozoen und Muscheln; auf tieferen Sandböden genügen auch Schalentrümmer als Basis zur Entwick− lung großer Stöcke. ln tiefen Höhlen stark vertreten.

Biologie: Die Lebensdauer beträgt selten mehr als 1 Jahr (z.T. 3−4 Jahre). Sie sind Zwitter. Vermehrung erfolgt z.T. vegetativ durch sehr komplizierte Knospen− und Stolonenbildung und sexuell durch Entleerung der Geschlechtsprodukte durch oder in den Perbranchialraum, der gelegentlich als Brutraum dient oder eine Brusttasche als Anhang. Sie ernähren sich ausschließlich filtrierend. Der Kiemenapparat erzeugt einen kräftigen Wasserstrom. Die mitdriftenden Partikel werden an einem Schleimfilm abgefangen, der die ganze lnnenwand auskleidet. Haben kaum Feinde, meist aber Parasiten. lm Mantel kann Schneckenlaich gefunden werden.

Stamm: Tunicata (Manteltiere)

Klasse: Ascidiacea (Seescheiden)

Ordnung: Stolidobranchiata

Familie: Pyuridae

Art/ Gattung: Halocynthia papillosa

Diese Gattung mit einer ungeteilten Zwitterdrüse auf jeder Seite, Dorsalzugen getrennt. Art mit hartem papillösem Mantel, intensiv orange−rot gefärbt, Siphonen deutlich abge− setzt, 4− und 2−lappig mit randständigen Borsten und damit von allen anderen Ascidien leicht zu unterscheiden. Häufig im Sublitoral auf sandigen Böden und zwischen Zostera im ganzen Mittelmeer, reif im November.

Muscheln

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Unterstamm: Conchifera (Schalenweichtiere) Klasse: Bivalia (Muscheln)

Kennzeichen: Conchifera mit seitlich zusammengedrücktem Weichkörper und in der Rü− ckenmitte längsgeteilter Schale, meist als gleichseitige Klappen mit Gelenkregion (Schloß) ausgebildet; Fuß oft als Graborgan, Schlundregion mit Radula und Kiefer rückgebildet. Die Muscheln zählen mit Größen von 0,5 bis 50 cm zur Makrofauna. Körper weich, Schale in der Regel fest. Die Mehrzahl gräbt mit Hilfe des oft weit vorstreckbaren Fußes im Unter− grund. Hartboden− und manche Sandbewohner verankern sich mit Hilfe von Byssusfäden oder verwachsen mit einer Schalenhälfte am Untergrund. Einige Arten vermögen auf me− chanische oder chemische Weise im Gestein oder im Holz zu bohren.

Umłang: lm Mittelmeer sind 390 Arten beschrieben (davon 350 Autobranchia). Sehr be− merkenswert im Bezug auf Körperbau, Lebensweise und Vorkommen.

Vorkommen: Ausnahmslos benthisch, auf allen Böden von der Gezeitenzone bis in die Tiefsee, besonders reich sind Sedimentböden (Sand, Schlamm). Allgemein bilden sie unter nahrungsreichen Wasserschichten oft Massenvorkommen.

Biologie: Mehrjährig (Austern werden angeblich bis 20 Jahre alt, Flußperlmuscheln wie Seedatteln bis über 60 Jahre und Riesenmuscheln bis über f00 Jahre), Wachstum ist an den Zuwachsstreifen der Schalen erkennbar. Meist getrenntgeschlechtlich. Ernährung ausschließlich filtrierend mit Hilfe der netzartigen Kiemen. Die Nahrung besteht aus Plankton, kleinsten Grundbewohnern und schweren Detritusteilchen (zerfallene organi− sche Teilchen, meist am Gewässergrund). Feinde sind meist größere Seesterne, Krebse, Fische, Küstenvögel und größere Schnecken (auch Octopus Vulgaris) .

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Unterstamm: Conchifera (Schalenweichtiere) Klasse: Bivalva (Muscheln)

Überordnung: Autobranchia

Ordnung: Pteriomorpha

Unterordnung: Pteriina

Familiengruppe: Pectinoidea

Familie: Pectinidae

Gattung/Art: Chlamys varia (Bunte Kammuschel)

Gattung mit vergrößertem Vorderohr und gezähntem Byssuseinschnitt. Radialrippen zahl− reich. Art groß mit etwas stärker gewölbter Klappe, hinteres Ohr sehr klein und schräg abgeschnitten. 26−32 Radialrippen, welche mit Knoten oder schmal−dachziegelartiger Skulptur versehen ist. Färbung sehr variabel; gelb, rot, braun bis fast schwarz mit deutli− cher, aber ebenfalls sehr wechselnder Zeichnung. Stetig und häufig auf allen Sedimentbö− den. Laichzeit Februar bis März.

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Unterstamm: Conchifera (Schalenweichtiere) Klasse: Bivalia (Muscheln)

Überordnung: Autobranchia

Ordnung: Pteriomorpha

Unterordnung: Mytilina

Familie: Mytilidae

Gattung/ Art: Mytilus galloprovincialis (Miesmuschel)

Gattung mit vorn zugespitzter Schale mit fast endständigem Wirbel, vorderer Schließmus− kel regressiv: schwarzblau. Art groß mit kleiner, gerippter Verbreiterung unter dem Wir− bel, deren Rand mit 2−5 kleinen Knoten; glatt und schwarzblau glänzend, innen grau− bläulich, opak. Regelmäßig und sehr häufig in der Gezeitenzone der Felsküste, massenhaft an Hafenbauten, Seetonnen und ähnlichem festgeheftet. Häufig auf Fischmärkten. Laich− zeit von März bis Juni, Larven im Sommer im Plankton zu finden.

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Unterstamm: Conchifera (Schalenweichtiere) Klasse: Bivalva (Muscheln)

Überordnung: Autobranchia

Ordnung: Pteriomorpha

Unterordnung: Arcina

Familie: Arcidae (Archenmuscheln)

Gattung/Art: Barbatia barbata (bärtige Archenmuschel)

Gattung mit zusammengedrückter Schale, deren Wirbel nahe der Mitte; mittlere Schloss− zähne verkümmert. Art groß, quer−eiförmig, etwas eckig, Rückenfläche und Ligament we− nig breit; stark gerippt. Dunkelbraun. Auf allen Hartböden, aber nicht sehr häufig.

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Unterstamm: Conchifera (Schalenweichtiere) Klasse: Bivalva (Muscheln)

Überordnung: Autobranchia

Ordnung: Pteriomorpha

Unterordnung: Arcina

Familie: Glyycimeridae

Gattung/Art: Glycimeris pilosa (echte Samtmuschel)

Schale groß und fast kreisförmig, fein konzentrisch und radial gestreift. Meist dunkel− braun und samtig, innen weiß mit einem braunen Fleck. Auf tieferen Sandböden, häufig.

Stamm: Mollusca (Weichtiere) Unterstamm: Conchifera (Schalenweichtiere) Klasse: Bivalva (Muscheln)

Überordnung: Autobranchia

Ordnung: Pteriomorpha

Unterordnung: Pterioidea

Familie: Pinnidae (Steckmuscheln)

Gattung/Art: Pinna nobilis (Steckmuschel)

Art deren Schale bis über 80cm groß wird, keilförmig, Hinterrand rund−bogig; Klappen mit ca. 20 Radiärrippen mit rinnenförmigen Schuppen (besonders in der Jugend !). Hornbraun mit lichteren Schuppen, innen rötlich glänzend. Regelmäßig auf Sandböden ab 3m, vor− zugsweise in der Nähe von Seegraswiesen. Zwischen Mantel und Klappen findet man re− gelmäßig den Muschelwächter Pinnotheres. Häufig auf Fischmärkten; Byssus lokal zu Souvenirartikeln verarbeitet.

[...]


1 Ausnahme:

2 Schnorchel, Tauchmaske, Schwimmflossen

Details

Seiten
34
Jahr
1997
ISBN (eBook)
9783640663460
ISBN (Buch)
9783640663842
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152078
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Erziehungswissenschaftliche Fakultät
Note
1.8
Schlagworte
Meeresbiologie Krebse Seesterne Zoologie Fische Weichtiere Seescheiden Muscheln Banyuls Köln Knochenfische Nesseltiere Seegurken Käferschnecken Schlangenseesterne Lebensraum Meer Mittelmeer Kraken Bestimmungshilfe Skript

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Titel: Fauna des Mittelmeeres. Bestimmungsübungen in der Spritzwasserzone des Mittelmeeres