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Wirken Atomwaffen in der Region Südasien stabilisierend?

Eine Analyse auf Basis proliferationspessimistischer und proliferationsoptimistischer Erklärungen

Masterarbeit 2009 43 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: Südasien

Leseprobe

Inhalt

1 Einführung
1.1 Relevanz des Themas
1.2 Stand der Forschung
1.3 Methodik

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Entstehung Indiens und Pakistans
2.1.1 Zweiter Kaschmirkrieg
2.1.2 Bangladeschkrieg
2.2 Theorien
2.2.1 Proliferationsoptimismus
2.2.2 Proliferationspessimismus
2.3 Indien und Pakistan im nuklearen Zeitalter
2.3.1 Pakistanische Atompolitik
2.3.2 Indische Atompolitik

3 Stabilität durch Atomwaffen?
3.1 Datensatz
3.2 Nicht-nukleare Phase 1971 bis
3.3 Von der de-facto-nuklearen Phase bis heute
3.3.1 Krise von
3.3.2 Atombombentests
3.3.3 Kargilkrieg
3.3.4 Terroranschläge
3.3.5 Cold Start

4 Weitere Gefahren im Zusammenhang mit Atomwaffen
4.1 Unfälle und Missbrauch
4.2 Terrorismus
4.3 Militärisches Verhalten
4.4 Politisches System

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

1 Einführung

Indien und Pakistan stehen sich seit ihrer Gründung vor über 60 Jahren feindlich gegen­über. Beide Staaten verfügen über Atomwaffen, wodurch der Konflikt dieser Länder große internationale Bedeutung hat. Es geht im Folgenden um die Frage, ob Atomwaffen in der Region Südasien und speziell in Indien und Pakistan eine stabilisierende oder eine destabi­lisierende Wirkung hatten und haben werden. Um sie zu beantworten wird eine Analyse auf der Basis proliferationsoptimistischer und proliferationspessimistischer Hypothesen durchgeführt.

Zunächst wird ein kurzer geschichtlicher Abriss, der von der Entstehung Pakistans und Indiens aus Britisch-Indien 1947 bis zum Bangla­deschkrieg 1971 reicht, präsentiert. An­schließend wird die Zeit nach dem Bangladeschkrieg genau untersucht.

Auf diesen Abschnitt folgt die Darstellung der Hypothesen der beiden Theorien, auf deren diese Arbeit basiert. Die beiden Theorien bieten sich bei der oben genannten Fragestellung an, da sie genau die Frage nach der Sinnhaftigkeit und den möglichen Gefahren von Atomwaffen behandeln. Vertreter dieser Theorien wie Kenneth Waltz (Optimismus) oder Scott Sagan (Pessimismus) beschäftigen sich damit, ob nukleare Waffen Stabilität fördern oder verringern.

Nach der Darstellung der Theorien wird das eigentliche Thema, der Indien-Pakistan-Kon­flikt, analysiert. Zunächst werden die pakistanische und die indische Atompolitik erörtert, bevor der Frage nachgegangen wird, ob Atomwaffen in Südasien eine stabilisierende Wir­kung haben. Dazu wird ein Datensatz, der alle Konflikte von 1971 bis 2002 auflistet, ana­lysiert und theoretisch unterlegt. Auch die Zeit nach 2002, für die keine Daten vorliegen, wird berücksichtigt.

In einer Fallstudie wird die Zeit vor und nach der Nuklearwerdung verglichen. Die Analyse beginnt nach dem Bangladeschkrieg 1971, da in diesem Krieg die indische Armee das pa­kistanische Militär sehr deutlich geschlagen hat, und letzteres eingestehen musste, dass es konventionell unterlegen ist. Genauer untersucht werden die Krise von 1990, die Atom­bombentests, der Kargilkrieg, sowie die daran anschließenden terroristischen Angriffe durch pakistanische Extremisten auf Indien. An diesen Beispielen soll die Rolle von Atombomben in der Region dargestellt werden.

Danach werden weitere potenzielle Gefahren von Atombomben, wie die Unfall-, und die Missbrauchsgefahr, zum Beispiel durch Terroristen, thematisiert. Vor dem abschließenden Fazit wird untersucht, ob das politische System Ein­fluss auf die Sicherheit von Atomwaf­fen hat.

1.1 Relevanz des Themas

Sowohl die us-amerikanischen Politiker Henry Kissinger, George Shultz, Sam Nunn und William Perry (2007; 2008), als auch die deutschen politischen Größen Helmut Schmidt, Hans-Dietrich Genscher und Richard von Weizsäcker (2008) plädieren für eine komplette Abschaffung aller Atomwaffen und halten das auch für realistisch. Diese ehemaligen hoch­rangigen Politiker sind sicherlich keine Menschen, de­nen unrealistische und utopische Vorschläge vorgeworfen werden können. Sie sind weder Romantiker noch ideologisierte Pazifisten. Mehrere aktuelle Politiker, angeführt von dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika Barack Obama (2009), haben sich diesem Ziel angeschlossen. Auch wenn es nur in mehreren Schritten und in einigen Jahren, eher Jahr­zehnten, erreicht werden könnte, muss die aktuelle Diskussion genauer beleuchtet werden.

Bevor damit begonnen werden sollte, einen Plan zu entwickeln, wie es zu einer Welt ohne Atomwaffen kommen kann, muss geklärt werden, ob eine Welt ohne solche Waffen über­haupt stabiler und sicherer ist, oder ob es sicherer scheint, die aktuellen Bestände zu erhal­ten oder sogar zu erneuern und auszuweiten.

In Deutschland haben sich bisher kaum Politikwissenschaftler eingehend mit der völligen Abschaffung aller nuklearen Waffen befasst. Einer der führenden Forscher auf diesem Ge­biet ist Oliver Thränert, der betont, dass sich zumindest mit der Möglichkeit einer Welt ohne Kernwaffen beschäftigt werden muss (vgl. Thränert 2008). Die Diskussion zur völli­gen Abschaffung geht zurück auf Ronald Reagen.

Nukleare Waffen sind wegen ihrer Vernichtungskraft eine Gefahr für die Menschheit und dienten während des Kalten Krieges als Abschreckung, sodass es zu keinen militärischen Konflikt im Maßstab eines Weltkrieges gekommen ist. Natürlich gab es auch andere Fak­toren.

Die militärische Bedrohungslage zwischen Großmächten hat sich jedoch verlagert. Asym­metrische Bedrohungen, wie Terroristen, die sich nicht von Atomwaffen abschrecken las­sen, steigen. So ist eine Begründung für die völlige Abschaffung die, dass Terroristen dann nicht mehr die Chance hätten, nukleare Waffen zu stehlen und einzusetzen. Diese Gefahr besteht auch in der Region Südasien, speziell in Indien und Pakistan, deren Konflikt als Beispiel in dieser Master Thesis dient. Wenn hier eine atomare Abrüstung destabilisierend wirken würde, dann ist eine weltweite Abrüstung nicht nur nicht erstrebenswert, sondern sogar gefährlich.

1.2 Stand der Forschung

Kenneth Waltz und Scott Sagan (2003) haben in ihrem Buch „The Spread of Nuclear Weapons – A Debate Renewed“ eine Diskussion zwischen Proliferationsoptimisten und Proliferati­onspessimisten dargestellt. In diesem Buch werden beide theoretischen Modelle ausführ­lich dargestellt. Auch ein Kapitel zur Region Südasiens ist enthalten. Waltz plädiert für die Ausbreitung von atomaren Waffen, da diese die weltweite Stabilität fördern wür­den. Sagan widerspricht dem und argumentiert, dass Atomwaffen destabilisierend wirken. Beide finden in der Analyse des Konflikts Belege für ihre jeweilige Theorie.

S. Paul Kapur und Sumit Ganguly sind zwei politikwissenschaftliche Forscher, die sich explizit mit den Folgen von Atomwaffen in Indien und Pakistan beschäftigen. Kapur ist der Meinung, dass Atomwaffen die Quantität und die Qualität von Konflikten zwischen diesen beiden Staaten erhöhen. Ganguly vertritt die These, dass kleine Kriege wahrscheinlicher werden, die Eskalation dieser durch Atomwaffen jedoch verhindert wird.

1.3 Methodik

Die Daten von S. Paul Kapur (2007: 25f) aus einer bereits existierenden Studie bilden die Basis dieser Master Thesis. In dieser sind in den Jahren von 1971 bis 2002 alle Krisen und Kon­flikte zwischen Indien und Pakistan aufgelistet, sodass die Auswirkungen des Vorhanden­seins von Atomwaffen auf die Quantität der Konflikte dargelegt werden kann. Für die Zeit nach 2002 liegen keine Daten vor, jedoch wird in dieser Master Thesis auf die weitere Entwicklung eingegangen.

Das Ergebnis dieser Studie wird zunächst dargestellt und im Verlauf der Thesis anhand neuerer Konflikte weitergedacht. Weiterhin erfolgt eine qualitative Analyse der Qualität und der Quantität der Krisen und Konflikte zwischen Indien und Pakistan und des Einflus­ses von atomaren Waffen auf diese. In einer Fallstudie wird die Zeit vor und die Zeit nach der Entwicklung von Atombomben von Pakistan und Indien verglichen. Das heißt, dass analysiert wird, warum es zu den einzelnen Konflikten gekommen ist.

Aufgrund dieser Untersuchung kann erläutert werden, ob die Daten ein Hinweis dafür sind, dass der Proliferationsoptimismus oder der Proliferationspessimismus den Einfluss von atomaren Waffen auf die Stabilität der Region Südasiens, speziell Indiens und Pakistans, erklären kann. Die unabhängige Variable (UV) ist der Besitz nuklearer Waffen, die abhän­gige Variable (AV) ist die Qualität der Konflikte.

Es handelt sich um ein deduktives Verfahren, da die Theorien (Proliferationsoptimismus und Proliferationspessimismus) vorliegen. Anhang der Annahmen der Vertreter dieser Theorien wird in dieser Master Thesis getestet, welche von diesen anhand des Einzelfalls Indien-Pakistan-Konflikt bestätigen oder verworfen werden können.

2 Theoretischer Hintergrund

In diesem Abschnitt wird zunächst die Entstehungsgeschichte Indiens und Pakistans darge­stellt. Dazu werden die Kriege zwischen diesen beiden Staaten zwischen 1949 und 1971 skizziert. Darauf folgt die Vorstellung der Theorien dieser Master Thesis, sowie die Erläu­terung der pakistanischen und der indischen Atompolitik.

2.1 Entstehung Indiens und Pakistans

Nach dem Ende der Kolonialzeit Großbritanniens in Südasien entstanden 1947 aus dem ehemaligen Britisch-Indien die Staaten Pakistan und Indien. Jedem der 554 Fürstentümer in der Region wurde freigestellt, ob es sich Indien oder Pakistan anschließen will. Die meisten waren eher klein und von einem der beiden Staaten komplett umgeben, sodass die Entscheidung nahezu automatisch erfolgte. Einige der größeren wie Hyderabad und Juna­gadh wurden gezwungen, sich, in diesem Fall Indien, anzuschließen. (vgl. Rothermund 2002: 25)

Indiens Gründungsideologie, dass sämtliche Religionen in einem Staat zusammenleben können, ist antithetisch zu der Staatsideologie Pakistans, die darauf basiert, einen Staat in Südasien zu etablieren, der alle Muslime beheimatet. Ein Anschluss Kaschmirs ist für beide Nationen notwendig, um die jeweilige Ideologie zu unterstreichen. Mit der Unab­hängigkeit Bangladeschs verlor diese Prinzip für Pakistan an Bedeutung, da ein einziger Staat für alle Muslime in der Region nicht mehr zu realisieren schien. Indien gab sich seit Anfang der 1980er mit dem Status Quo in der Region zufrieden. (vgl. Ganguly 2007: 5f)

Der Maharadscha von Kaschmir, Hari Singh, forcierte den Anschluss an Indien, obwohl 75 Prozent der Bevölkerung muslimischen Glaubens war und zu einem Anschluss an Pakistan tendierte. Sheik Abdullah, indischer muslimischer Volkstribun und Regierungschef in Kaschmir, strebte die Unabhängigkeit Kaschmirs an. Er wollte einen unabhän­gigen Staat etablieren, dessen Anführer er sein wollte. Die muslimische Unabhängigkeitsbewe­gung wurde unterdrückt. (vgl. Rothermund 2002: 24f)

Vor dem Ende der Frist sich für einen der beiden Staaten zu entscheiden, infiltrierten Paschtunen, die unter dem Befehl pakistanischer Offiziere standen, ab dem 22. Oktober 1947 von Pakistan kommend Kaschmir und versuchten, mit Waffengewalt eine Entschei­dung zugunsten eines Anschlusses an Pakistan zu erreichen. Dadurch wurde der erste Kaschmirkrieg ausgelöst. Es handelte sich dabei um eine typische pakistanische Taktik. Zunächst wurden inoffizielle Einheiten eingesetzt, bevor die regulären Kräfte des Militärs nachsetzten. Der größte Teil der mehrheitlich muslimischen, kaschmirischen Truppen de­ser­tierte und reorganisierte sich als Truppe im von pakistanischen Einheiten eroberten Poonch ausgerufenen "Azad (freien) Kaschmir“. Daraufhin bat der Maharadscha am 26. Oktober Indien um militärischen Beistand, den dieses nur bei einem Anschluss Kaschmirs an die Indische Union zu leisten bereit war. Nach einer Absichtserklärung sich Indien an­zuschlie­ßen, intervenierten indische Truppen. (vgl. Rothermund 2002: 25f)

Unter dem Druck der Muslim-Liga und der eigenen muslimischen Bevölkerung stehend, beschloss die pakistanische Regierung daraufhin, zugunsten Azad-Kaschmirs zu inter­ve­nieren. Ausschlaggebend war die Frühjahrsoffensive Indiens 1948, durch die alle Kaschmir betreffenden Verhandlungen verhindert wurden. Unter dem Druck einer neuerli­chen Flüchtlingswelle, sowie aufgrund der Sperrung des für Pakistan lebenswichtigen In­duswas­sers, griffen pakistanische Truppen in Nordkaschmir im Mai in den Krieg auf Seiten der Aufständischen ein. (vgl. Rothermund 2002: 27)

Mindestens 3.000 Menschen sind, laut „Global Security“[1], bei den Kämpfen ums Leben gekommen, jeweils 1500 auf beiden Seiten. Als Ergebnis der Kriegshandlungen wurde Kaschmir geteilt. Zwei Drittel Kaschmirs er­hielt Indien zugesprochen, dass es später als Unionsstaat "Jammu und Kaschmir“ einglie­derte. Das restliche Drittel - der gebirgige Nor­den - bildete "Azad-Kaschmir", das de facto von Pakistan verwaltet wird. Einige kleinere Gebietseinheiten sind direkt Pakistan zugeteilt worden. Da aber weder Pakistan noch In­dien zu diesem Zeitpunkt darauf verzichten wollten, die gesamte Kaschmirregion dem je­weiligen Staat anzuschließen, wurde diese Waffenstill­standslinie nicht als Grenze akzep­tiert. Die Vereinten Nationen planten nach Beendigung des Konflikts eine Volksabstim­mung in Kaschmir über die Zu­gehörigkeit der Region, zu der es aber nie gekommen ist. (vgl. Rothermund 2002: 32f)

2.1.1 Zweiter Kaschmirkrieg

Der Krieg 1965 war aus pakistanischer Sicht machtpolitisch logisch. Indiens führungsstar­ker Präsi­dent Jawaharlal Nehru starb und sein Nachfolger Lal Bahadur Shastri war außen­politisch unerfahren. Dazu kam, dass Indien einen Krieg mit China gerade verloren hatte, was eine massive Aufrüs­tung seitens Indiens zur Folge hatte. Indiens militärische Stärke wuchs also zusehends. Pakistans Au­ßenminister Zulfikar Ali Bhutto rechnete damit, dass Indiens Kriegsniederlage auch darin begründet gewesen sei, dass der damalige Präsident Nehru auf Frieden gesetzt und keine ausreichenden militärischen Mittel besessen habe. Dazu hatte Pakistan mit den USA und China Bündnisse geschlossen, und so amerika­nische Patton-Panzer besessen. Die Aussicht auf einen Kriegserfolg gegen Indien schien daher groß – zumindest größer als in der Vergangenheit und der absehbaren Zukunft. (vgl. Ro­thermund 2002: 36f)

Ein Probekrieg, um die militärische Stärke Indiens zu testen, war die erste strategische Option Pakistans und seines Führer Ayub Khan. Für diesen Krieg wurde das unbedeutende Sumpfgebiet Rann von Kutch ausgewählt, welches sich an der Grenze der beiden Staaten befindet. Die Hälfte des Jahres ist das Gebiet überflutet, sodass es kaum einen wirtschaftli­chen und geopolitischen Nutzen hat. Diesen Testkrieg konnte Pakistan für sich entschei­den. Im darauf folgenden Kaschmirkrieg erwarteten pakistanische Militärs einen ähnlich schnellen Sieg. (vgl. Rothermund 2002: 37)

Ab dem 5. August 1965 starteten die aus Pakistan kommenden Mujahids einen Guerilla­krieg gegen die Sicherheits­kräfte im indischen Teil Kaschmirs. Am 16. August 1965 über­schritten indische Truppen die Waffenstillstandslinie und drangen in den pakistanischen Teil Kaschmirs ein. Bis Anfang September weiteten sich entlang der gesamten 2.000 Ki­lometer langen (west-)pakistanisch-indischen Grenze schwere Gefechte aus. Die pakistani­schen Einheiten wurden bei einer großen Panzerschlacht bei Sialkot, einer Straße von In­dien nach Kaschmir, von indischen Einheiten besiegt.[2] China stellte ein Ultimatum an In­dien, in dem es mit der Eröffnung einer zweiten Front drohte und eine massive pro-pakis­tanische Propaganda in den chinesischen Medien ein­setzte. Shastri und sein Beratungsstab interpretierten die Drohung jedoch richtig: China war keinesfalls gewillt, sich für Pakistan auf einen weiteren Konflikt mit Indien einzulas­sen. So blieb die Drohung folgenlos. (vgl. Rothermund 2002: 37)

Der Status quo ante bellum wurde, wie er nach dem Ersten Kaschmirkrieg bestanden hatte, auf der von der Sowjetunion am 10. Januar 1966 initiierten Konferenz von Taschkent, wiederhergestellt. Indische Truppen standen zu diesem Zeitpunkt an mehreren Stellen auf pakistanischen Grund, und zogen sich nach diesen Verhandlungen zurück. Minimale Grenzveränderungen, die sich durch den Kriegsverlauf ergeben hatten, wurden revidiert (vgl. Rothermund 2002:38). Mindestens 20.000 Menschen kamen bei den Kämpfen ums Leben gekommen.[3]

Pakistan beabsichtigte mit diesem Krieg, Kaschmir von einem vermeintlich schwachen Gegner zu befreien, zumal Indien das von Pakistan mit Unterstützung der UNO geforderte Referendum über die kaschmirische Zukunft abgelehnt hatte. Indien versuchte, neben der Verhinderung der Abtrennung Kaschmirs, sein nach der Nieder­lage im sino-indischen Krieg 1962 angeschlagenes militärisches und politisches Selbstbe­wusstsein wiederherzu­stellen. (vgl. Rothermund 2002: 38)

Der Zweite Kaschmirkrieg war nur ein Höhepunkt des seit der Gründung beider Staaten konfliktreichen Verhältnisses, welches in der Kaschmirproblematik nur einen, wenngleich den wohl wichtigsten, Eskalationspunkt hat. Durch das frühzeitige Eingreifen der UNO konnte kein klarer Kriegsgewinner ermittelt werden. Durch die Wiederherstellung des Vorkriegszustandes wurde das Streitthema Kaschmir nicht gelöst, sodass es weiterhin auf der Agenda Pakistans und auch Indiens stand.

2.1.2 Bangladeschkrieg

Den Hintergrund des Krieges bildeten die von der bengalischen Bevölkerung Ostpakistans empfundene politische, ökonomische und sprachlich-kulturelle Benachteiligung durch Westpakistan, sowie die westpakistanische, innenpolitische Instabilität. Außenpolitisch kam die seit 1947 bestehende machtpolitische Rivalität zwischen Pakistan und Indien hinzu, die bereits zu mehreren Konflikten und Kriegen geführt hatte. Der seit etwa 20 Jah­ren schwelende Grundkonflikt zwischen den beiden 1800 Kilometer voneinander entfern­ten Landesteilen Pakistans eskalierte zwischen den Nationalwahlen vom Dezember 1970 und Ende März 1971.[4]

In Ostpakistan, dem heutigen Bangladesch, welches die größere Bevölkerung hatte, erhielt der ostpakistanische Volkstribun Mujibur Rahman die meisten Stimmen, was de facto be­deutete, dass West-Pakistan nicht mehr über Ost-Pakistan herrschen konnte. Auf den überwältigen­den Wahlsieg der sezessionistischen, linksorientierten Awami League in Ost­pakistan folgte eine parlamentarische Ost-West-Polarisierung, die ein Eingreifen der west­pakistanischen Zentralregierung unausweichlich zu machen schien. Dennoch zeichnete sich zunächst eine Verhandlungslösung zwischen der Militärregierung und der Awami League ab. Unter dem massiven Druck der bedeutendsten westpakistanischen zivilen Op­positionspar­tei Zulfiqar Ali Bhuttos, die jegliche Konzession an die Sezessionsbewegung ablehnte, setzte die Militärregierung Anfang März 1971 die geplante Eröffnungssitzung der verfassungsgeben­den Versammlung aus.[5]

Die daraufhin von der Awami League ausgerufene Kampagne des zivilen Ungehorsams legte das öffentliche Leben und die Verwaltung Ostpakistans lahm. Gleichzeitige Ver­handlungen zwischen der Militärregierung und dem Chef der Awami League Rahman, wurden von Staats- und Militärchef Ayub Khan am 25. März abgebrochen. Zwar konnte am 26. März Rahman gefangen genommen werden, doch bildeten andere Politiker der Awami League in Indien eine Exilregierung, die noch am selben Tag den Staat Bangla­desch pro­klamierte. Der Forderung Ostpakistans nach Autonomie begegnete Westpakistan mit der Entsendung von Militär im März 1971, um die Bestrebungen niederzuschlagen.[6]

Bereits ab April 1971 übte Indien auf das in Ostpakistan stationierte westpakistanische Militär Druck aus, indem es Aufständische durch Training und Waffen unterstützte. Die sezessionistischen Bestrebungen in Ostpakistan kamen In­diens Hegemonieanspruch in der Region entgegen, da sie Pakistan schwächten. Unter dem Eindruck des auf bis zu zehn Milli­onen Menschen anwachsenden Flüchtlingsstroms gen Indien, wuchs dort die Bereit­schaft militärisch zu intervenieren. (vgl. Rothermund 40f)

Ab Juni 1971 drangen Einheiten der paramilitärischen Border Security Force (BSF) tiefer in ostpakistanisches Territorium vor, um die in die Defen­sive gedrängten Guerillaverbände zu unterstützen. Im Dezember 1971 errang das indische Militär einen Sieg und konnte 90.000 pakistanische Soldaten, die sich nahezu kampflos ergaben, in Krieggefangenschaft nehmen. Die pakistanischen Einheiten waren zahlenmäßig und waffentechnisch unterlegen und hatten keinerlei Unterstützung der Bevölkerung in Ostpakistan. Dazu kam, dass In­dien alle Nachschublinien blockierte. Die indische Unterstützung führte zu einem Angriff der pakistanischen Luftwaffe auf verschiedene Ziele auf indischem Territorium, die im großen Maße Kampfhandlungen sowohl an der Grenze nach Ostpakis­tan, als auch nach Westpa­kistan auslösten.[7]

Im ehemaligen Ostpakistan kam es zur Grün­dung des 75 Millionen-Einwohner-Staates Bangladesch. In Westpakistan musste angesichts des Kriegsergebnisses die Militärregie­rung zurücktre­ten. Bhutto übernahm die Regierungsgeschäfte. Das Militär behielt aller­dings weiterhin einen bedeutenden Einfluss auf die Politik. Das südasi­atische Machtgefüge änderte sich durch die Gründung Bangladeschs nachhaltig zugunsten Indiens. Mindestens 300.000 Menschen kamen bei den Kämpfen ums Leben. Islamabad gestand ein, dass es militärisch unterlegen war und auch zukünftig vorerst bleiben würde.

2.2 Theorien

Im folgenden Teil werden die beiden Haupttheorien dieser Master Thesis, die sich konkur­rierend gegenüberstehen, dargestellt. Zunächst wird die proliferationsoptimistische Sicht­weise dargestellt. Proliferationsoptimisten argumentieren, dass atomare Abschreckung funktioniert und dass diese große Kriege verhindert. Dazu seien das Unfallri­siko und das Missbrauchsrisiko, zum Beispiel durch Terroristen, gering. Hauptvertreter dieser Denk­richtung ist Kenneth Waltz. Er ist der Meinung, dass weitere Atomwaffen weltweit Stabi­lität fördern würden. Waltz ist ein neoklassicher Realist, der das Streben von Staaten nach Sicherheit als den wichtigsten Bestandteil der Internationalen Beziehungen ansieht (vgl. Waltz 1979).

Darauf folgen die proliferationspessimistischen Annahmen. Proliferationspessimisten se­hen Atomwaffen als eine große Gefahr an. Sie gehen davon aus, dass kleine Konflikte nuklear eskalieren können, Atomwaffen unbeabsichtigt eingesetzt oder von Terroristen entwendet werden könnten. Scott Sagan ist einer der führenden Politikwissen­schaftler auf diesem Gebiet. Er vertritt die Theorie, dass, je weniger Atomwaffen existie­ren, desto ge­ringer auch die Gefahr ist, dass es zu einer nuklearen Katastrophe kommt. Scott Sagan ist Organisationsforscher, der die Ansicht vertritt, dass Organisationen wie das Militär durch ihre Routinen zu Fehlern tendieren, wodurch es zu Unfällen kommen kann (vgl. Sagan 1993).

2.2.1 Proliferationsoptimismus

Die proliferationsoptimistischen Annahmen von Kenneth Waltz basieren auf der Annahme, dass sich Staaten rational verhalten. Da Atomwaffen im Einsatz eine verheerende Zerstö­rungskraft haben, lassen es Staaten, die über solche Waffen verfügen nicht zu, dass es zu einem Einsatz kommt. Ebenso verhalten sich sämtliche Akteure, die Verantwortung in Bezug auf Atomwaffen haben, rational. Auch nicht-staatliche Akteure und Staaten, die nicht über Atomwaffen verfügen, verhalten sich gegenüber Atomwaffenstaaten so, dass sie diese nicht in zu große Bedrängnis bringen, sodass es zum Einsatz von Atomwaffen kom­men kann.

Abschreckung stabilisiert eine Region, da die beteiligten Staaten vorsichtiger agieren, so­bald Atomwaffen im Besitz der Akteure sind. Durch vorsichtigeres Verhalten sinkt auch die Gefahr von einem Kriegsausbruch. Und selbst wenn Abschreckung nicht funktioniert, bewirken Atomwaffen eine Deeskalation, da diejenigen, die in einem Krieg mitwirken, Angst vor einer nuklearen Eskalation haben. Kernwaffen stabilisieren die Lage und ver­hindern, dass kleine Konflikte zu großen werden. Selbst wenn sie häufiger auftreten, wi­derspricht das nicht der optimistischen Theorie, da sie nicht zu größeren ausarten. Diese Annahme wird als „stability/instability-paradox“ be­zeichnet (vgl. Chari 2001: 20). Waltz (in Sagan und Waltz 2003: 36f) geht sogar soweit, dass er sagt, dass wenn eine Atom­bombe fällt, die Angst vor weiteren Atombombeneinschlägen so groß ist, dass es zu kei­nem Atomkrieg kommt.

Selbst wenn ein Diktator wie Adolf Hitler Atomwaffen gehabt hätte, hätte er sie, laut Waltz (in Sagan und Waltz 2003: 28f), nicht eingesetzt. Erstens ist es so, dass immer mehrere Personen über einen Ein­satz von Atombomben entscheiden müssten. Hitlers Generäle hätten einem Abschuss nicht zu­gestimmt, da sie rational entschieden hätten. Zweitens wäre die deutsche Niederlage nicht so verheerend gewesen, dass Hitler als letzte Tat vor der völligen Zerstörung seines Rei­ches, die Atombombe gezündet hätte. Waltz erklärt das damit, dass ein atomarer Staat niemals so weit an den Abgrund getrieben wird, dass er sich gezwungen sieht, Atombom­ben einzusetzen. Sie sind daher ein Sicherheitsgarant.

Der Beweis für diese These ist zum größten Teil ein geschichtlicher: Bis auf die Atom­bomben, die die USA über Nagasaki und Hiroshima abgeworfen haben, ist es noch zu kei­nem Einsatz gekommen. Atomwaffen sind dafür verantwortlich, dass es seit dem Zweiten Weltkrieg keinen großen Krieg mehr gegeben hat (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 4). Laut der neoklassischen Theorie der Internationalen Beziehungen ist Sicherheit die oberste Maxime von Staaten. Ein Staat ist dann sicher, wenn seine Verteidigungskraft groß ist. Noch wichtiger ist jedoch, dass ein möglicher Vergeltungsschlag eine immense, bis zur Existenzvernichtung des Angreifers reichende, Wirkung hat. Atomwaffen haben diese Wirkung. „Defence and Detterence“ sind eine Abschreckungsgarantie, die seit dem zwei­ten Weltkrieg dafür gesorgt hat, dass es nicht zu einem dritten gekommen ist. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 5)

Aus der Rational Choice Logik heraus wird ein Krieg unwahrscheinlicher, desto größer die Defensivkraft des potenziellen Verteidigers im Vergleich zur Offensivkraft eines Angrei­fers wird. Bei Atomwaffen handelt es sich um defensive Waffen, da sie durch ihre ab­schreckende Wirkung funktionieren und den Feind von einem Angriff abhalten sollen. Eine Grundlage für funktionierende nukleare Abschreckung ist, dass die Zweitschlagfähig­keit jederzeit gewährleistet wird. Der potenziell angreifende Staat kann niemals sicher sein, diese Fähigkeit des Gegners mit einem Erstschlag zu zerstören, weshalb dieser gegen Atom­mächte zu gefährlich ist (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 20). Die Unverwund­barkeit von Atomwaffen muss nichtmal garantiert werden, da der potenzielle Angreifer nicht absolut sicher sein kann, die Bomben des Gegners vollständig zu vernichten. So lange auch nur ein minimaler Restzweifel bleibt, ist ein Angriff ausgeschlossen (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 121). Im Grunde schreckt nicht die tatsächliche Zerstörungs­kraft einer Atombombe ab, sondern die Ungewissheit über das Ausmaß eines nuklearen Zweitschlags (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 34, 44).

Laut Waltz (in Sagan und Waltz 2003: 37, 154) ist die Kriegswahrscheinlichkeit in einer konventionellen Welt hoch, da ag­gressives Verhalten belohnt wird. Ein präventiver Angriff kann militärisch-taktische Vor­teile bringen, da der Gegner durch einen Verlust von Truppen oder sonstigem militärischen Material in einer ersten Attacke stark geschwächt werden kann. Dazu ist der attackierende Staat in der aktiven Rolle und kann dominant agieren. In einer nuklearen Welt ist ein Erst­schlag nutzlos, solange er nicht die Zweitschlagfähigkeit des Gegners mit absoluter Si­cherheit auslöschen kann. Und da eine solche Garantie nicht erbracht werden kann, ist ein präventiver Angriff auf eine nukleare Macht irrational. Abschreckung basiert auf rationa­len Verhalten der Beteiligten, sowie auf deren Angst von einem atomaren Gegenschlag getroffen zu werden.

Der Angreifer kann einen Staat, welcher über Atomwaffen verfügt nicht angreifen, da die­ser im Falle einer bevorstehenden Niederlage als Ultima ratio auf diese Waffen zurückgrei­fen könnte. Ein möglicher Kriegsgewinn ist gegen einen Atomwaffenstaat nur im kleinen Rahmen möglich, birgt jedoch große Gefahren, sodass solche Kriege nicht geführt werden. „Why fight if you can´t win much and might lose everything?”(Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 6). (vgl. in: Sagan und Waltz 2003: 5f)

In einer konventionellen Welt können verschiedene Kriegsverläufe zu Sieg oder Nieder­lage füh­ren, was eine Voreinschätzung erschwert und die Kriegsbereitschaft erhöht, da ein militäri­scher Erfolg möglich ist. Außerdem ist eine potenzielle Niederlage limitiert. Einen nuklea­ren Krieg gewinnt niemand und das Überleben einer Nation ist bei einem Atomkrieg stark gefährdet. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003:11, 24).

Ein häufig kriegsauslösender Faktor ist eine falsche Einschätzung der gegnerischen militä­rischen Stärke und Entschlossenheit, und einer falschen Einschätzung über Verbündete und deren Verhalten im Kriegsfall. Dieses Phänomen wird als „false optimism“ bezeichnet (Ganguly 2007:7). Laut Steven van Evera (1999) überschätzt ein Staat häufig die Kampf­fähigkeiten der eigenen Leute und unterschätzt die Fähigkeiten des Feindes.

Diese Fehleinschätzung kann nicht in Bezug auf die Kampfkraft und Stärke eines Staates mit Atomwaffen gemacht werden. Wenn ein Staat Atomwaffen besitzt, ist seine konventi­onelle militärische Stärke unwichtig. Jeder Staat mit Atomwaffen ist gleich stark. Die Kraft von Atomwaffen macht eine Fehleinschätzung nahezu unmöglich. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 8)

Die Gefahr, dass sich verfeindete Staaten mit Atombomben attackieren ist unbegründet. Die Sowjetunion und die USA oder auch die Sowjetunion und China hatten ein großes Spannungspotenzial und haben trotzdem auf den Einsatz verzichtet (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003:12). Selbst arabische, Israel gegenüber feindlich gesinnte Staaten, setzen ihre Existenz nicht aufs Spiel, um Israel zu attackieren. Es gibt keinen Beweis und keinen plau­siblen Grund, warum ein Staat seine eigene Vernichtung riskieren sollte. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 14)

Eine gemeinsame Grenze verkürzt die Reaktionszeit massiv. Allerdings ist das kein Grund, dass es zu atomaren Auseinandersetzungen kommt. Sumit Ganguly (2007: 109) zieht die Parallele zum Kalten Krieg und argumentiert, dass sich in Ost- und Westdeutschland ebenfalls Atomwaffen di­rekt gegenüberstanden und es auch dort zu keinem Kriegsausbruch gekommen ist. Die geografische Nähe zwischen Indien und Pakistan stellt keine Ge­fahr, sondern ein weiteres Hemmnis, Atomwaffen einzusetzen, dar. Dieser beträfe auch den eigenen Staat, ein weiterer Grund, warum rational handelnde Akteure auf einen Ein­satz dieser Waf­fen verzichten. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 118)

Auch die kurze Entscheidungszeit, ob es sich bei einer gegnerischen Attacke um einen atomaren Angriff handelt oder nicht, stellt kein Risiko dar. Der angegriffene Staat kann diesen Angriff abwarten und dann reagieren. Dafür muss die Zweitschlagfähigkeit von vornherein garantiert sein (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 120). Wenn ein Staat Atombomben gegen einen zweiten einsetzt, wäre eine Reaktion eines drit­ten oder vierten atomar ausgerüsteten Staates sehr wahrscheinlich. Das wie­derum macht den Einsatz des ersten unwahrscheinlich, da in diesem Fall derjenige, der als erster Atomwaffen einsetzt, als zweiter getroffen wird. Es ist damit irrational Atom­bomben einzusetzen, weswegen dieses aus proliferationsoptimistischer Sicht nicht geschieht. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 17)

Außerdem ist es nicht gefährlich, wenn schwache Staaten in den Besitz von Atomwaffen kommen, da sie sogar noch genauer auf ihre wenigen Atomwaffen achten, als starke Staa­ten auf ihre vielen. Dazu verhalten sich auch schwache Staaten rational und setzten ihre Atomwaffen nicht ein, da sie bei einer atomaren Antwort vernichtet werden würden. (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 13)

Zudem können Staaten nicht so technisch rückständig sein, dass sie nicht in der Lage sind ihre Atomwaffen zu schützen, da sie ein hohes technisches Know-how haben müssen, um solche Waffen überhaupt zu entwickeln (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 21). Auch ein Beleg, dass die Gefahr des Einsatzes von nuklearen Waffen steigt, wenn eine militäri­sche Regierung über die Kontrolle verfügt, kann nicht erbracht werden (vgl. Waltz in: Sa­gan und Waltz 2003: 15). Es wird zu keinem Nuklearwaffenrennen kommen, da Staaten nur bis zur garantierten Zweitschlagfähigkeit aufrüsten müssen, und dieses Level ist schnell erreicht und leicht aufrechtzuerhalten (vgl. Waltz in: Sagan und Waltz 2003: 110).

Waltz Hauptthesen können wie folgt zusammengefasst werden:

1. Kleine Konflikte werden durchaus auch zwischen Atommächten geführt, jedoch sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass die Konflikte zu Kriegen werden.
2. Die Anzahl der Kriege nimmt ab.
3. Die Kriege, die trotzdem geführt werden, eskalieren nicht soweit, dass die Vitalinteres­sen der Staaten bedroht werden.
4. Da schon eine geringe Anzahl an atomaren Waffen für eine Abschreckung reicht, re­duziert sich das Wettrüsten.

Diese Thesen basieren darauf, dass Waltz (in Sagan und Waltz 2003: 126) annimmt, dass Staaten aufgrund ihres rationalen Handelns einen existenzbe­drohenden Krieg verhindern. In der Geschichte hat es noch kei­nen Atomkrieg gegeben. Seit dem Zweiten Weltkrieg haben keine großen Staaten unter­einander Kriege geführt. Allen pessimistischen Annahmen zum Trotz ist es zu keinem atomaren Krieg gekommen und ist keine Atombombe unbeabsichtigt explodiert.

[...]


[1] vgl. :http://www.globalsecurity.org/military/world/war/indo-pak_1947.htm, Stand: 06.10.2009

[2] vgl. :http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege/084_pakistan-indien.htm, Stand: 06.10.2009

[3] Vgl.: http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege/084_pakistan-indien.htm, Stand 06.10.2009

[4] vgl. http://www.sozialwiss.uni-hamburg.de/publish/Ipw/Akuf/kriege/111 bangladesch.htm, Stand: 06.10.2009

[5] ebenda

[6] ebenda

[7] ebenda

Details

Seiten
43
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640640027
ISBN (Buch)
9783640640218
Dateigröße
706 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152068
Institution / Hochschule
Universität Bremen – Fachbereich Sozialwissenschaften
Note
2,5
Schlagworte
Indien Pakistan Atomwaffen Atomkonflikt Proliferation Scott Sagan Kenneth Waltz

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Titel: Wirken Atomwaffen in der Region Südasien stabilisierend?