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"Siehst Du scheel drein, weil ich so gütig bin?"

Gleichnistheoretische Grundgedanken bei Adolf Jülicher, Joachim Jeremias, Hans Weder und Wolfgang Harnisch am Beispiel von Mt 20,1-16

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 43 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitende Worte

2. Exegetische Vorüberlegungen
2.1. Sprachlich-narrative Analyse
2.2. Sozialgeschichtliche Analyse
2.3. Analyse des Bedeutungshintergrunds

3. Abriss einer Geschichte der modernen Gleichnisforschung

4. Gleichnistheoretische Grundgedanken am Beispiel von Mt 20,1-16
4.1. Die Trennung von Gleichnis und Allegorie: Adolf Jülicher
4.2. Zurück zur ursprünglichen Gestalt und Botschaft: Joachim Jeremias
4.3. Die Gleichnisse als Metaphern: Hans Weder
4.4. Die Gleichnisse als Bühnenstü>

5. Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis:

1. EINLEITENDE WORTE

Sprichwörter, Vergleiche, Allegorien und Metaphern, Parabeln, Bildworte, Gleichnis- und Beispielerzählungen: Mehr als vierzig Worte Jesu dieser Art finden sich in den synoptischen Evangelien. All diese sprachlichen Formen werden – so verschieden oder ähnlich sie in ihrer Bedeutung auch sein mögen – unter dem Oberbegriff „Gleichnisse Jesu“ zusammengefasst, was den korrekten und differenzierten Umgang mit ihnen deutlich erschwert. Im Neuen Testament erscheint das von Luther mit Gleichnis wiedergegebene griechische Wort παραβολή außer im Hebräerbrief 9,9 und 11,19 nur bei den Synoptikern. Durch die häufig zusammenhängende Verwendung von ὅμοιος auch in Doppelformulierungen mit παραβολή lässt sich die allgemeine Bedeutungsrichtung innerhalb der synoptischen Evangelien mit Vergleich, Ähnlichkeit, Entsprechung wiedergeben.[1] Dabei ist festzustellen, dass die ursprüngliche Doppelbedeutung des jüdischen māšāl, das auch im Sinne von Rätsel, Rätselrede, dunkle Rede gebraucht wurde, für παραβολή im Neuen Testament im Gegensatz zur Verwendung im Alten Testament überwiegend aufgegeben worden ist.[2] Diese παραβολαί können wie das Gleichnis „Vom Senfkorn“ Teil der Mehrfachüberlieferung und so bei Markus (4,30-32), Matthäus (13,31-32) und Lukas (13,18-19) gleichzeitig zu entdecken sein. Sie können aber auch wie das Gleichnis „Vom verlorenen Sohn“ (Lk 15,11-32) Sondergut des jeweiligen Evangelisten sein und deshalb nur in seinem Evangelium auftauchen. Sie können ganz vereinzelt in Erscheinung treten wie das Gleichnis „Von den bösen Weingärtnern“ (Mk 12,1-9) oder zu großen thematischen Gleichnisreden verbunden sein wie im Kapitel 15 des Lukasevangeliums. Unter den Gleichnissen Jesu können äußerst knappe Schilderungen (Mk 4,26-29: „Vom Wachsen der Saat“) genauso wie sehr ausführliche Geschichten mit vielen Details und Nebenzügen (Lk 15,11-32: „Vom verlorenen Sohn“) verstanden werden, manche von ihnen sind sprichwörtlich geworden (Mt 5,13-16: „Salz und Licht“), andere weniger geläufig (Mt 25,1-13: „Von den klugen und törichten Jungfrauen“). Die Gleichnisse Jesu sind also außerordentlich vielseitig. Das Musterbeispiel eines Gleichnisses schlechthin gibt es nicht. In allen Fällen scheint man aber in den Gleichnissen einen unmittelbaren Zugang zu dem historischen Jesus entdecken zu können:[3] „Wer sich mit den 41 Gleichnissen Jesu, wie sie uns die ersten drei Evangelien überliefern, beschäftigt, steht auf besonders festem historischen Grund; sie sind ein Stück Urgestein der Überlieferung“[4] – und das macht sie so überaus interessant.

Die vorliegende Seminararbeit will die im Seminar „Gleichnisse Jesu“[5] gewonnenen vielfältigen Einblicke in die Geschichte der Gleichnisforschung und in die verschiedenen gleichnistheoretischen Grundgedanken vertiefen. Anhand der Matthäusperikope „Die Arbeiter im Weinberg“ sollen nach exegetischen Vorüberlegungen und einer kurzen Übersicht über die Geschichte der modernen Gleichnisforschung die wichtigsten Grundgedanken von Adolf Jülicher (1857-1938), Joachim Jeremias (1900-1979), Hans Weder (*1946) und Wolfgang Harnisch (*1953) exemplarisch dargestellt werden.

2. EXEGETISCHE VORÜBERLEGUNGEN

Die Handlung unserer Perikope scheint zunächst schnell erzählt: Ein Hausherr stellt an einem Tag fünf Gruppen von Tagelöhnern nacheinander zur Arbeit in seinem Weinberg ein. Nachdem mit der ersten Gruppe ein Silbergroschen als Lohn vereinbart worden war, die nachfolgenden Gruppen aber allein auf die Versicherung gearbeitet hatten, sie bekämen das, was recht ist, erhalten alle Gruppen am Abend nach getaner Arbeit den gleichen Lohn. Auch das Murren der Ersteingestellten gegen den Hausherrn, die nun mehr Lohn erwartet und ja (tatsächlich) mehr geleistet hatten als die viel später eingestellten Arbeiter, hilft da gar nichts – es bleibt bei einem Silbergroschen für alle Arbeiter. Wirklich schnell erzählt. Doch schon diese stark vereinfachte Inhaltswiedergabe lässt die Leser mit vielen offenen Fragen zurück: Warum Tagelöhner und nicht Festangestellte? Welche besondere Bewandtnis hat es mit den Begriffen Weinberg und Hausherr? Ist ein Silbergroschen viel oder wenig? Und warum werden die Arbeiter eigentlich nicht alle gleichzeitig eingestellt?

Bevor wir uns in den folgenden Kapiteln einzelnen gleichnistheoretischen Ansätzen zuwenden können, sollen hier zunächst diejenigen Fragen behandelt werden, die mit Hilfe exegetischer Vorüberlegungen beantwortet werden können. Diese Überlegungen sind für das allgemeine Verständnis der Perikope und für die anschließende Betrachtung als unser Beispielgleichnis wichtig. Hier möchte ich mich der in Ruben Zimmermanns „Kompendium der Gleichnisse Jesu“[6] vorgestellten Abfolge der Auslegungsschritte anschließen und nach der sprachlich-narrativen Analyse mich der sozialgeschichtlichen Analyse und der Analyse des Bedeutungs-hintergrunds zuwenden.

2.1. SPRACHLICH-NARRATIVE ANALYSE

Unsere Perikope schließt locker an das Vorhergehende an, wobei ein ausgeführtes Thema zwar fehlt, der Hausherr als Handlungssouverän aber sogleich genannt und mit dem Himmelreich verglichen wird.[7] Darauf beginnt die Handlung sofort. Ihr erster Teil wird in V1b mit der Zeitangabe („früh am Morgen“) eingeleitet und besteht aus vier ungleich langen Sequenzen, die sich in ihrem Aufbau durch die charakteristische Zeitangabe und das „er ging aus“ sehr ähneln, aber gerade durch diese matthäische Stereotypie die Aufmerksamkeit der Leser auf die Verschiedenheiten der Einzelszenen und auf die Besonderheit der Handlung lenken.[8] Doch lässt die Geschichte selbst dem Leser genügend Raum, Besonderheiten und Ungewohntes verständlich werden zu lassen: Ein eher kleineres Anwesen könnte der Grund dafür sein, dass der Hausherr selbst auf dem Marktplatz die Arbeiter einstellt. Jahreszeitliche Schwankungen im Arbeitsbedarf, typisch für den Weinanbau, könnten die Ursache sein, mehrmals am Tag Arbeiter einstellen zu müssen. Auch dass nur mit den zuerst eingestellten Arbeitern Lohn vereinbart wird – der auffälligste Unterschied zwischen den Einzelszenen –, könnte allein daran liegen, dass der Erzähler unnötige Wiederholungen vermeiden will.[9] So treten auch die Arbeiter der sechsten und neunten Stunde nicht weiter auf, sie werden nur summarisch besprochen, sind für die Handlung nicht wichtig, erhöhen aber die Spannung. Anders die Arbeiter der elften Stunde: Sie werden vom Leser nun mit besonderem Interesse verfolgt, und dies liegt nicht nur daran, dass sie aus dem vorherrschenden Drei-Stunden-Schema der Einstellung herausfallen und nun nur noch eine Stunde zu arbeiten haben, sondern auch daran, dass sie vom Erzähler in V6f mit einem kleinen Dialog besonders hervorgehoben werden. Ihnen gehört jetzt die ungeteilte Aufmerksamkeit.[10] Mit V8 schließt sich der zweite Teil der Perikope an. Er ist zum einen durch die räumliche Verlagerung der Handlung vom Marktplatz in den Weinberg, zum anderen durch die starke Dehnung der Erzählzeit im Verhältnis zum Geschehen gekennzeichnet.[11] Dieser zweite Abschnitt zerfällt in zwei unterschiedlich lange Szenen: In V8f tritt ein Verwalter erstmals auf, der, vom Hausherrn beauftragt, die Arbeiter auszahlen und dabei bei den letzten beginnen soll. Sie bekommen als Tagelohn je einen Silbergroschen. Sowohl die ungewöhnliche Reihenfolge als auch die nicht zu erwartende Höhe der Lohnauszahlung bleiben erst einmal unkommentiert. Die zuerst Eingestellten bekommen in V10 als letzte ihren Lohn und erhalten zur ihrer und zur Überraschung der Leser ebenfalls nur einen Silbergroschen. Darüber verständlicherweise unzufrieden, protestieren sie in den beiden nachfolgenden Versen gegen den Herrn in direkter Rede. Darauf antwortet der Herr mit einer im Vergleich mit den bisherigen Dialogelementen äußerst langen Rede (V13-15). Die V10-15 bilden die zweite, viel längere Einzelszene, auf ihr liegt das Achtergewicht unserer Erzählung.[12] Die Rede besteht aus zwei Selbstaussagen des Hausherrn (V13b „ich tu dir nicht Unrecht“ und V14b „ich will aber diesem Letzten dasselbe geben wie dir“), die er jeweils mit rhetorischen Fragen in V13c und 15a zu begründen weiß und mit einem Schlusssatz enden lässt. Dabei ist auffällig, dass beim ersten Mal der Schlusssatz ein eindeutiger Befehl (V14a: „Nimm, was dein ist, und geh!“), beim zweiten Mal hingegen eine Frage (V15b: „Siehst du scheel drein, weil ich so gütig bin?“) ist, die – wie die ganze Rede – stellvertretend an einen Arbeiter aus der Gruppe der Murrenden gerichtet ist. Vor allem diese Schlussfrage wird so sehr eindringlich, der Leser fühlt sich direkt angesprochen. Seine Aufgabe bleibt es dann auch, die Frage (für sich) zu beantworten, da weder eine Reaktion der Tagelöhner auf diese Rede geschildert, noch die Krise der Geschichte auf irgendeine andere Weise gelöst wird.[13] Unsere Perikope ist kunstvoll erzählt und wirkt bis hierhin sehr geschlossen. V16 fällt dabei heraus, er ist eine Variation aus Mt 19,20. Die beiden Fassungen des Logions von den Ersten und den Letzten passen inhaltlich nicht ganz, haben nur rahmende Funktion und fügen unsere Perikope als Sondergut des Matthäus in den Markuskontext zwischen die Perikopen „Der Lohn der Nachfolge“ (Mk 10,28-31) und „Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung“ (Mk 10,32-34) ein.[14]

2.2. SOZIALGESCHICHTLICHE ANALYSE

Die galiläischen Zuhörer Jesu waren wohl schon aus ihrem eigenen Alltag mit den Hintergründen einer solchen Erzählung von einem Hausherrn und den für ihn arbeitenden Tagelöhner gut vertraut: Für den Hausherrn als Arbeitgeber waren Tagelöhner die billigsten Arbeiter, billiger noch als Sklaven, für die er bei Krankheit hätte aufkommen müssen und deren Tod für ihn ja einen finanziellen Verlust bedeutete. So wurden damals viele Anwesen von mittlerem bis großem Umfang von Tagelöhnern bewirtschaftet. Dabei scheint ein Denar[15] der übliche Tagelohn gewesen zu sein, für den man zehn bis zwölf kleine Fladenbrote erhalten konnte. Nach drei bis vier Tagen Arbeit konnte man sich ein Lamm leisten, dreißig Tage Arbeit entsprechen einem Sklavenkleid. Wenn nach Mischna mit einem Existenzminimum von 200 Denaren pro Person und Jahr zu rechnen ist, musste folglich ein Tagelöhner mindestens 200 Tage im Jahr beschäftigt sein.[16] Wie oben schon erwähnt, werden die galiläischen Zuhörer eher an ein kleineres Gut gedacht haben, da der Hausherr selbst auf dem Markt die Arbeiter einstellt, „wo sich damals wohl Angebot und Nachfrage in diesen Dingen regelten“[17], Großgrund-besitzer aber vielmehr in der Stadt wohnten und auf dem Land Verwalter solche Angelegenheiten betreuen ließen. Dass so viele Tagelöhner „müßig“ auf dem Marktplatz stehen, wird wohl mit der Arbeitslosigkeit, die im Auswanderungsland Israel mit der damaligen Verdrängung der Kleinbauern permanent vorhanden war, zu erklären sein.[18] Erhöhter Bedarf an Tagelöhnern fällt bei den Arbeiten im Weinberg vor allem bei der Lese im Spätsommer und beim Rebschnitt in den Wintermonaten an. Obwohl unsere Erzählung landwirtschaftliche Erklärungen für die mehrfache Einstellung von Arbeitern ausspart, lässt die erwähnte Hitze die Zeit der Traubenlese vermuten. Die Arbeit drängt – noch vor dem Herbstregen muss die Ernte eingebracht sein.[19] Lassen sich trotzdem Unstimmigkeiten finden, die nicht in jedem Fall mit den landwirtschaftlichen Bedingungen erklärbar sind (Ist ein Denar nicht doch zu viel für die so einfache Arbeit der Weinlese? Wurde man nicht eher in Naturalien bezahlt? Und kann es wirklich sein, dass so viele Männer untätig während der so arbeitsintensiven Zeit der Weinlese auf dem Markt stehen?[20] ), so fallen sie doch literarisch gar nicht ins Gewicht. Ziel der Erzählung ist es hier, einen versteh- und vorstellbaren Hintergrund zu schaffen, einen suggestiven Realismus als Gesamtbild, von dem sich das Unerwartete und Besondere eindeutig abheben kann.[21]

2.3. ANALYSE DES BEDEUTUNGSHINTERGRUNDS

Hausherr, Weinberg, Lohn – selbst der Laie vermutet bei diesen Begriffen schnell biblische Bildlichkeit und tatsächlich stehen sie in einer langen jüdischen Tradition der metaphorischen Rede. So verweist der unfruchtbare Weinberg in Jes 5 auf einen Rechtsbruch in Israel, Ps 80,14 zeigt mit dem Eindringen von Wildschweinen in den Weinberg, dass Gott sein Volk den Feinden preisgegeben hat.[22] Genauso naheliegend wie der Gedanke Israel bei Weinberg ist der Gedanke Gott beim Hausherrn, zumal neben den zahlreichen biblischen Verweisstellen[23] der οικοδεσπότης, der Hausherr aus V1, in V8 zum κύριος τοῦ αμπελῶνος, zum Herrn des Weinbergs wird, was den Lesern die gedankliche Übertragung noch einfacher werden lässt.[24] Allerdings zeigt sich im Vergleich zu den jüdischen Verweisen Besonderes: Nicht der Weinberg als kollektive Größe Israel, sondern diejenigen, die ihn bebauen, sind Handlungsträger. Es sind Individuen, die aus der Masse herausgegriffen werden.[25] Die Bildfelder Hausherr und Weinberg werden in unserer Perikope durch das ebenso häufige Bildfeld Lohn bzw. Lohnarbeit überlagert. Dabei ist festzuhalten, dass sowohl für das alttestamentliche Judentum wie auch für das Neue Testament und das nachbiblische Judentum eine Belohnung oder Bestrafung menschlichen Handelns durch Gott selbstverständlich ist. So lag wohl dem Hörer zurzeit Jesu neben den oben genannten Gleichungen auch die Gleichsetzung des Lohnes (des Silber-groschens) mit göttlicher Vergeltung sofort im Sinn.[26] Und auch das, was wir am Ende unserer Erzählung finden, nämlich die Brechung des Vergeltungsgedankens, ist Teil dieser jüdischen Tradition. Wenn beispielsweise von einem König erzählt wird, der den Besten seiner Arbeiter nach nur zwei Stunden Arbeit mit auf einen Spaziergang nimmt, ihm aber am Abend den vollen Tageslohn zahlt (Talmud Jeruschalmi, Berakhot 2,8/6) oder wenn Mischna Av 1,3 rät, als Sklaven dem Herrn zu dienen, nicht in der Absicht Lohn zu empfangen, sondern in der Absicht keinen Lohn zu empfangen, dann lässt sich unsere Matthäusperikope ohne weiteres in diese Erzähltradition einordnen.[27]

3. ABRISS EINER GESCHICHTE DER MODERNEN GLEICHNISFORSCHUNG

Nachdem wir uns nun im vorhergehenden Kapitel mit unserer Beispielperikope bekannt gemacht haben, bleibt, bevor wir uns den gleichnistheoretischen Überlegungen zuwenden wollen, nur noch eine kurze Vorstellung der Entwicklung der modernen Gleichnisforschung:

Seit der frühchristlichen Zeit sind die Gleichnisse Jesu als Allegorien verstanden und ausgelegt worden. Aus dem Zwang dieser Auslegungstradition auszubrechen, dies gelang erst zum Ende des 19. Jahrhunderts dem protestantischen Kirchenhistoriker und Exegeten Adolf Jülicher mit seinem Standardwerk „Die Gleichnisse Jesu“ (1888/1899), womit er eine methodisch reflektierte Auslegungspraxis und die für die weitere Gleichnisforschung äußerst wichtige Unterscheidung von Gleichnis und Allegorie begründete.[28] Dabei ist es ihm gelungen, Kategorien zu entwickeln, durch die eine Unterscheidung zwischen den verschiedenen Formen von Bild- und Gleichnisreden innerhalb der synoptischen Evangelien möglich wurde. Nachfolgende Exegeten, besonders Rudolf Bultmann (1884-1976), haben diese Kategorien aufgenommen und weiterentwickelt.[29] Vor allem aber an Jülichers Bestimmung des Gleichnisses als erweitertem Vergleich (mit der darausfolgenden Beschränkung auf ein einziges Bild- und Sachhälfte verbindendes tertium comparationis) orientieren sich die meisten der nachfolgenden Autoren in Ablehnung oder Aufnahme, immer aber mit einer Würdigung von Jülichers Kampf gegen die allegorische Gleichnisauslegung.[30] Zu den ersten kritischen Auseinandersetzungen mit dem Werk Jülichers zählen die Arbeiten des Neutestamentlers Paul Fiebig (1876-1949) und Christian August Bugge (1853-1928). In „Die Gleichnisreden Jesu im Lichte der rabbinischen Gleichnisse des neutestamentlichen Zeitalters“ von

[...]


[1] Popkes, Wiard: Art. Gleichnis, in: Coenen, Lothar und Haacker, Klaus (Hrsg.): Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, Wuppertal: R. Brockhaus 2005, S. 811.

[2] Popkes, Gleichnis, S. 812.

[3] Kähler, Christoph: Art. Gleichnis, in: Betz, Hans Dieter u.a. (Hrsg.): Religion in Geschichte und Gegenwart. Handwörterbuch für Theologie und Religions-wissenschaft, Tübingen: Mohr Siebeck 2000 (Bd. 3), Sp. 1002.

[4] Jeremias, Joachim: Die Gleichnisse Jesu, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 1984, S. 7.

[5] Neutestamentliches Seminar für Studierende ohne Griechischkenntnisse im Sommersemester 2008 an der Theologischen Fakultät der Universität Leipzig, Institut für Neutestamentliche Wissenschaft, geleitet von Herrn Prof. Dr. theol. Jens Schröter und Frau Friederike Kunath, M.A.

[6] Zimmermann, Ruben (Hrsg.): Kompendium der Gleichnisse Jesu, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2007.

[7] Luz, Ulrich: Das Evangelium nach Matthäus, in: Gnilka, Joachim u.a. (Hrsg.): Evangelisch-katholischer Kommentar zum Neuen Testament, Zürich: Benziger; Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag 1996 (Bd. 1,3), S. 139.

[8] Ebenda.

[9] Avemarie, Friedrich: Jedem das Seine? Allen das Volle! (Von den Arbeitern im Weinberg), in: Zimmermann, Ruben u.a. (Hrsg.): Kompendium der Gleichnisse Jesu, Gütersloh: Gütersloher Verlagshaus 2007, S. 462.

[10] Luz, Evangelium nach Matthäus, S. 140.

[11] Avemarie, Jedem das Seine, S. 462.

[12] Luz, Evangelium nach Matthäus, S. 140.

[13] Ebenda.

[14] Wiefel, Wolfgang: Das Evangelium nach Matthäus, in: Herzer, Jens und Schnelle, Udo (Hrsg.): Theologischer Handkommentar zum Neuen Testament, Leipzig: Evangelische Verlagsanstalt 1998 (Bd. 3), S. 342.

[15] Luther übersetzt Denar mit Silbergroschen. Wie schon in den vorhergehenden werde ich mich auch in den nachfolgenden Abschnitten auf Luthers Übersetzung in der revidierten Fassung von 1984 stützen, Abweichungen werden wie hier angemerkt.

[16] Luz, Evangelium nach Matthäus, S. 146.

[17] Jülicher, Adolf: Die Gleichnisreden Jesu. Band 2: Auslegung der Gleichnis-reden der ersten drei Evangelien, Freiburg: Mohr 1899, S. 460.

[28] Luz, Evangelium nach Matthäus, S. 146.

[19] Luz, Evangelium nach Matthäus, S. 147.

[20] Avemarie, Jedem das Seine, S. 464f.

[21] Avemarie, Jedem das Seine, S. 466.

[22] Ebenda.

[23] Neben alttestamentlichen Verweisstellen finden wir οικοδεσπότης bei den Synoptikern 12-mal, besonders bei Mt (10,25; 13,27; 13,52; 20,1.11; 21, 33; 24,43), aber auch bei Lukas (22,11) und Markus (14,14). Im Bildwort Mt 10,25 spricht Jesus von sich selbst als οικοδεσπότης. (Bietenhard, Hans u. Haacker, Klaus: Art. „herrschen/dienen“, in: Coenen, Lothar und Haacker, Klaus (Hrsg.): Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament, Neukirchen-Vluyn: Neukirchener Verlag, Wuppertal: R. Brockhaus 2005, S. 934).

[24] Luz, Evangelium nach Matthäus, S. 148.

[25] Avemarie, Jedem das Seine, S. 466.

[26] Ebenda.

[27] Avemarie, Jedem das Seine, S. 467.

[28] Köster, Helmut: Art. Formgeschichte / Formkritik. Neues Testament, in: Krause, Gehard und Müller, Gerhard (Hrsg.): Theologische Realenzyklopädie, Berlin; New York: Walter de Gruyter 1983 (Bd. 11), S. 290.

[29] Köster, Formgeschichte, S. 290.

[30] Kähler, Gleichnis, Sp. 1001.

Details

Seiten
43
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640647200
ISBN (Buch)
9783640647385
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v152035
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Neutestamentliche Wissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
Gleichnistheorie Adolf Jülicher Joachim Jeremias Hans Weder Wolfgang Harnisch Matthäusevangelium Neues Testament Gleichnis Gleichnisse Jesu Biblische Gleichnisse Evangelium Die Arbeiter im Weinberg Mt 20 Evangelium nach Matthäus Neutestamentliche Wissenschaft Theologie Jesus Christus Christentum Christian Kämpf Metapher Allegorie Bildworte Parabel tertium comparationis Exegese

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