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“A Portrait of the Artist as a Young Man” - Entstehungs- und Publikationsgeschichte mit Einordnung des Werkes als moderner Roman

Seminararbeit 2009 17 Seiten

Englisch - Literatur, Werke

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Entstehungsgeschichte
2.1 Ur−Portrait
2.2 Stephen Hero
2.3 A Portrait of the Artist as a Young Man

3. Publikationsgeschichte

4. Einordnung als moderner Roman

5. Literatur− und Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Der Roman ´A Portrait of the Artist as a Young Man´ von James Joyce, der im Jahr f9f6 als Roman veröffentlicht wurde, gehört zu einem der bedeutenden Romane seiner Epoche.

Im Rahmen dieser Hausarbeit soll zunächst dargestellt werden, welche Entwicklungen der Roman durchlief bis er schließlich zu dem Endprodukt wurde, das wir heute kennen. Dies ist bei diesem Buch besonders interessant, da es zu Beginn nicht als solches konzipiert gewesen war, sondern sich vielmehr über einen Zeitraum von zehn Jahren zu diesem entwickelt hat.

Ebenso wie die Entstehung ist auch die Publikation keineswegs eine Gerade gewesen, die ohne Hindernisse und Umwege auskam. In einer für moderne Kunst schwierigen Zeit, kurz vor Beginn des ersten Weltkrieges war es für Joyce alles andere als leicht, Verleger für seine Kunst zu gewinnen. Diesen Hindernissen und der letztendlichen Veröffentlichung des Werkes widmet sich der zweite Teil dieser Hausarbeit.

Im abschließenden Kapitel soll an einigen Merkmalen des modernen Romans dargestellt werden, was die Unterschiede zu den Vorgängern sind. Daran anknüpfend wird betrachtet, inwieweit diese Kriterien sich in ´A Portrait of the Artist as a Young Man´ wieder finden und der Roman somit dem modernen Roman zugeordnet werden kann.

Diese Hausarbeit erstelle ich im Rahmen des Proseminars „James Joyce: ´A Portrait of the Artist as a Young Man´” bei Herrn Dr. Benda, der uns im Rahmen des Seminars interessante Einblicke in das Gesamtwerk von James Joyce gab. Darüber hinaus half er uns mithilfe der Methode des ´close reading´ bei der intensiven Auseinandersetzung mit dem Roman und dabei, vertiefende Einblicke in das Schreiben von James Joyce zu erhalten.

2. Entstehungsgeschichte

Der Roman ´A Portrait of the Artist as a Young Man´, wie wir ihn heute kennen, wurde nicht in einem Stück verfasst und war auch zu Beginn nicht als solcher konzipiert gewesen. Vielmehr ist er das Endprodukt eines fast zehn Jahre dauernden Prozesses.

2.1 Ur-Portrait

James Joyce begann die Arbeit an einem Essay namens ´Portrait of the Artist´ im Jahre f904. Der Titel war von seinem Bruder Stanislaus angeregt worden, der ein großer Bewunderer von Henry James Roman ´A Portrait of a Lady´ war. Dieser Essay war für die Neu gegründete Dubliner Zeitschrift Dana: A Magazine oJ Independent Thought bestimmt. Die Herausgeber der Zeitschrift sahen sich jedoch nicht imstande, den Essay zu veröffentlichen, da sie das Gefühl hatten, den Inhalt nicht zu verstehen und sich weigerten, einen für sie unverständlichen Text zu publizieren. Ein weiterer Grund waren die sexuellen Anstößigkeiten, die ihnen nicht zusagten (vgl. Füger f994: ff6). Nach Füger (f994: ff6) liegt die Einschätzung der Unverständlichkeit nicht so fern. Er teilt die Einschätzung der Schwächen des Textes, der vor allem in der Darlegung der Gedanken unausgegoren scheint.

Er beschreibt jedoch, dass der Essay für den heutigen Leser, der den Endroman gelesen hat, deutlich leichter zu verstehen ist, da in ihm bereits wichtige Themen zu erkennen sind. So beleuchtet Joyce bereits im Ur−Portrait „speziell die religiösen und sexuellen Erfahrungen des zunehmend in eine Außenseiterrolle gedrängten Heranwachsenden” (Füger f994: ff6). Ebenso sind hier auch seine Auffassungen über einen Künstler in der modernen Gesellschaft dargestellt und er überträgt diese auf eine Person. Wobei hier bereits deutlich Parallelen zwischen dem namenlosen Hauptdarsteller und Joyce selbst zu erkennen sind.

Besonders wichtig ist in Zusammenhang mit dem Essay ´Portrait of the Artist´ Joyces „folgenreiche Einsicht, ein literarisches Porträt habe die Vergangenheit einer Person nicht als Summe erinnerter Fakten zu gestalten” (Füger f994: ff6). Eher, so seine Vorstellung, geht es dabei um eine „Gefühlskurve” (Füger f994: ff7), die sich nicht in biografischen Fakten und einer Aneinanderreihung von Erfahrungen darstellen lässt.

Laut Füger (f994: ff7) ist man im Nachhinein den Verlegern von Dana Dank schuldig, da ihre Ablehnung dazu beitrug, dass Joyce seinen Essay weiter entwickelte. Dadurch begann der nächste Schritt auf dem Weg zum Roman ´A Portrait of the Artist as a Young Man´, nämlich der autobiographische Roman ´Stephen Hero´.

2.2 Stephen Hero

Nach der Ablehnung machte sich Joyce noch im gleichen Jahr an die Arbeit, den eingereichten und abgelehnten Essay zu überarbeiten und zu erweitern. Joyce gelang es innerhalb weniger Wochen, elf der 63 geplanten Kapitel fertig zu stellen. In der Folge jedoch verlangsamte sich aufgrund seiner Lebensumstände sein Arbeitstempo. Dies lag unter Anderem an seiner Tätigkeit als Hilfslehrer, sowie an seinen anderen Vorhaben, wie beispielsweise einer Gesangskarriere (vgl. Füger f994: ff8).

Ende f904 arbeitete Joyce dann wieder verstärkt an ´Stephen Hero´ weiter. Es gelang ihm wieder sehr produktiv zu werden, so dass er bis Anfang f905 bereits f4 Kapitel erstellt hatte. Ungefähr in diesem Zeitraum unterbrach er seine Arbeit abermals, diesmal auch weil er sich entschlossen hatte, die parallel laufenden Arbeiten an ´Dubliners´ weiter zu treiben, und den Roman abzuschließen. Erst als er dieses Ziel im Jahr f907 erreicht hatte, widmete er sich wieder der Arbeit an ´Stephen Hero´, um jedoch bald den Entschluss zu fassen, das inzwischen fast f000−seitige Werk nicht zu vollenden. Vielmehr konzentrierte er sich im Folgenden darauf, Teile des unvollständigen Romans als Grundlage für ´A Portrait of the Artist as a Young Man´ zu benutzen. In stark verdichteter und verkürzter Form fließen etwa 80 Seiten als letztes Kapitel in den Endroman ein (Multhaup f980: 75f.). Joyce selbst bezeichnete später den Roman ´Stephen Hero´ abschätzig als „a schoolboy´s production written when I was nineteen or twenty” (Multhaup f980: 76), was verdeutlicht, wie er der künstlerischen Entwicklung, die dem Roman noch bevor stehen würde, gegenüber stand. Überlieferungen, die besagen, Joyce habe das Manuskript in Wut in den Kamin geworfen, haben sich inzwischen als falsch erwiesen (vgl. Füger f994: f2f).

2.3 A Portrait oł the Artist as a Young Man

Nach Abschluss der Arbeiten an ´Dubliners´ im Herbst f907 begann Joyce die Arbeit an dem Endroman, wie wir ihn heute kennen. Er plante, die ersten Kapitel von ´Stephen Hero´ außen vorzulassen und die Geschichte mit Stephen als Schüler zu beginnen, der in seinem damaligen Plan Daly heißen sollte. Daneben entschied er sich, den Roman in fünf längere Kapitel zu gliedern, was der Struktur der Ur−Porträts wieder ähnlicher ist. Joyce hatte zudem die Idee, angeregt durch seine Arbeit an den ´Dubliners´, das „Romanfragment bedürfe einer intensiven sprachlichen Verdichtung” (Füger f994: f59). Hier lässt sich eine enge Verbindung zu der Erzählung ´The Dead´ in den ´Dubliners´ erkennen, da er wohl durch diese Kurzgeschichte die Einsicht erlangt hatte, durch diese Verdichtung der Sprache eine stärkere Aussagekraft zu erreichen.

Unter dieser Prämisse arbeitete er in der Folge an den nächsten Kapiteln des Endprodukts. Ihm gelang es bis Mitte f9ff vier Kapitel des Buches abzuschließen. Zum wiederholten Male ins Stocken geriet seine Arbeit an dem Werk jedoch dadurch, dass die parallel dazu laufenden Versuche, ´Dubliners´ zu publizieren, nicht erfolgreich waren, da es Joyce nicht gelang, einen Verleger zu finden, der seine Erzählungen in ungekürzter Fassung heraus geben wollte (vgl. Füger f994: f60). Die Verleger weigerten sich, die Erzählungen zu veröffentlichen, da ihnen ganze Erzählungen oder Teile davon nicht zusagten, wie beispielsweise ´An Encounter´, ´Grace´ und ´Ivy Day´ (vgl. Spinks 2009: 28).

In Rage über die noch nicht erfolgreiche Veröffentlichung der ´Dubliners´ warf Joyce einen Teil des Manuskripts von ´A Portrait of the Artist as a Young Man´ ins Feuer. Der schnellen Reaktion seiner Schwester Eileen ist es zu verdanken, dass das Manuskript gerettet werden konnte (vgl. Spinks 2009: 28). Die geretteten Teile bearbeitete er allerdings eine Zeitlang nicht weiter, erst einige Monate später machte er sich ans Werk und schrieb in den nächsten beiden Jahren am fünften Kapitel weiter und veränderte Teile der vorangegangen Kapitel. Dabei war es Joyce wichtig, die zuerst fertig gestellten Kapitel eins bis drei weniger stark als zeitlich aufeinander folgende Erlebnisse darzustellen, sondern vielmehr die „Stadien der psychischen Entwicklung des Helden” (Füger f994: f6f) in den Vordergrund zu stellen (vgl. Füger f994: f60f.).

3. Publikationsgeschichte

So wie die Erstellung und Fertigstellung von ´A Portrait of the Artist as a Young Man´ eine lange Geschichte hat, und James Joyce einige Hindernisse und Schwierigkeiten zu bewältigen hatte, so war auch die Publikationsgeschichte des Romans keinesfalls einfach oder schnell. Denn auch hier war Joyce und sein Werk oftmals mit Ablehnung und Schwierigkeiten konfrontiert.

Im Dezember f9f3 erhielt Joyce einen Brief von Ezra Pound, einem Amerikanischen Dichter und Kritiker. Er fragte Joyce, ob er Material für ein neues Literaturmagazin ´The Egoist` habe und wollte ihm dabei behilflich sein, etwas dort zu veröffentlichen. Joyce übersandte ihm den ersten Teil von ´A Portrait of the Artist as a Young Man´. Pound war von dem was er las begeistert und gab es an den Egoist weiter. Bereits im Februar f9f4 erschien in dem Magazin der erste Teil des Portrait als Beginn einer Serie. Dies muss für Joyce sehr beflügelnd gewesen sein wenn man bedenkt, dass es ihm vorher zehn Jahre lang nicht gelungen war, für irgendeines seiner Werke einen Verleger zu finden. Angetrieben durch die plötzliche Teilveröffentlichung seines Werkes schloss Joyce in den darauffolgenden sechs Monaten den Roman erst endgültig ab, während die Kapitel nach und nach im Egoist veröffentlicht wurden (vg. Spinks 2009: 29ff.).

Durch die Veröffentlichung der Teile des Portrait erhielt Joyce nun mehr Beachtung und Respekt von Verlegerseite. So gelang es ihm parallel dazu, den Verleger Grant Richards, der seit geraumer Zeit die Veröffentlichung der ´Dubliners´ nicht bewilligt hatte, dazu zu bewegen, dieses in England zu veröffentlichen. In der Folge kam es dann zur Veröffentlichung der ´Dubliners´, was vorher fast zehn Jahre gedauert hatte und im Juni f9f5 vollendet wurde (vgl. Spinks 2009: 30).

[...]

Details

Seiten
17
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640637812
ISBN (Buch)
9783656562283
Dateigröße
471 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151973
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Schlagworte
James Joyce; Portrait; moderner Roman; Entstehung; Publikation

Autor

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Titel: “A Portrait of the Artist as a Young Man” - Entstehungs- und Publikationsgeschichte mit Einordnung des Werkes als moderner Roman