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Das Duale Rundfunksystem in Deutschland und seine Standortfolgen

The Dual Broadcasting System in Germany and impacts on Locations

Bachelorarbeit 2009 54 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie

Leseprobe

Inhalt

1 EinleitungS

2 Definition: Duales RundfunksystemS

3 Mediensituation vor dem Dualen Rundfunksystem in Deutschland

4 Herausbildung des Dualen Rundfunksystem: Grundlagen heutigerandorte

5 Wirtschaftsfaktor Duales Rundfunksystem
5.1 Wirtschaftsfaktor öffentlich-rechtlicher Rundfunk
5.1.1 Oraanisationsstruktur und Finanzieruna
5.1.2rukturdaten undandorte
5.1.3 Mittelbare positiveandortfolaen
5.2 Wirtschaftsfaktor privater Rundfunk
5.2.1 Organisation, Aufsicht und Finanzieruna
5.2.2rukturdaten undandorte
5.2.3 Mittelbare positiveandortfolaen
5.3 Wirtschaftsfaktor Rundfunk in Deutschland

6 Standortfolge des Dualen Rundfunksystems: Mediencluster
6.1 Nachfragestruktur und Konjunkturabhängigkeit der Rundfunkanbieter
6.2 Wachstumspol Rundfunk und Clusterbildung
6.3 Milieutheorien und politische Handlungsfelder
6.4andortfolgen eines Medienclusters
6.4.1 Arbeitsmarkt, Bildunassektor und Infrastruktur
6.4.2 Wirtschaftliches Potential
6.4.3 Imaae

7 Zusammenfassung derandortfolgen und Projektion auf konkrete Beispiele

8 Fazit

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Ziel dieser Arbeit ist es, die Standortfolgen der Rundfunkstruktur in Deutschland darzustellen und zu erklären. Zu diesem Zweck soll als Erstes die Entwicklung des Rundfunks in Deutschland, hin zum Dualen Rundfunksystem, dargestellt werden. Denn schon in der Historie des Dualen Rundfunksystems sind genau die Voraussetzungen entstanden, die zu dem heutigen Standortgefüge geführt haben. Nach dem einleitend ein kurze Definition für den Begriff „Duales Rundfunksystem“ gegeben wird, werden die zwei Rundfunkarten, nämlich der private und der öffentlich-rechtliche Rundfunk, differenziert betrachtet. Dies ist besonders wichtig, da aus den speziellen Gegebenheiten der jeweiligen Rundfunkart grundlegend unterschiedliche Standortentscheidungen resultieren. Aus der Analyse der Rundfunkarten und aus der wirtschaftlichen Bedeutung für ihre Standorte lassen sich erste, direkte oder mittelbare bzw. wirtschaftliche Standortfolgen ableiten. Im Folgenden werden die differenzierten Analysen zusammengeführt, um so Aufschluss über besonders bedeutende Rundfunkstandorte in Deutschland zu gewinnen. Das Wirkungsgefüge an diesen „Medienstandorten“ wird anschließend dargestellt, um die weiteren Standortfolgen des Dualen Rundfunksystems zu verdeutlichen. Abschließend werden ausgewählte Ergebnisse der Analysen auf konkrete Beispiele aus der Stadt Köln projiziert.

2 Definition: Duales Rundfunksystem

Bei den Recherchen zu dieser Arbeit konnte keine allgemein gültige Definition für den Begriff „Duales Rundfunksystem“ ausfindig gemacht werden. Da aber aus verschiedener Literatur eindeutig hervorgeht, welche Merkmale das Duale Rundfunksystem in Deutschland ausmachen, lässt es sich wie folgt definieren: In Deutschland versteht man unter dem Begriff „Duales Rundfunksystem“ das Nebeneinander von privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk (Hanke 1996:44). In vielen Veröffentlichungen wird auch vom „Zwei-Säulen-Modell“ gesprochen (Hoffmann- Riem 2000:32). Rundfunk definiert sich wiederum als Gesamtheit aus Hörfunk und Fernsehen. Die wesentlichen Unterschiede zwischen privatem und öffentlich­rechtlichem Rundfunk, welche diese Arbeit später noch genau darstellen wird, liegen u. a. in ihrer spezifischen Finanzierung. Während der öffentlich-rechtliche Rundfunk durch allgemeine Rundfunkgebühren finanziert ist, muss der private Rundfunk sich privatwirtschaftlich, vor allem durch Werbeeinnahmen, finanzieren (vgl. 5). Darüber hinaus hat der öffentlich-rechtliche Rundfunk einen so genannten Programmauftrag, durch den er eine Grundversorgung gewährleisten muss. Von dieser Aufgabe ist der private Rundfunk ausgenommen, was nicht bedeuten soll, dass er keiner Kontrolle unterliegt (vgl. 5.2.1). Wie die heutige Struktur des Dualen Rundfunksystems in Deutschland entstanden ist, wird in den nun folgenden Kapiteln behandelt.

3 Mediensituation vor dem Dualen Rundfunksystem in Deutschland

Eine starke Ausbreitung des Rundfunks in Deutschland erfolgte während der Zeit des Dritten Reiches. Die Nationalsozialisten bauten den, noch in den Kinderschuhen steckenden, Rundfunk sehr konsequent aus. Sie trieben sowohl den technischen Fortschritt, in Form des Volksempfängers, als auch den ideologischen Fortschritt, in Form der Volkspropaganda, voran. Im Nachhinein konnten die Schwächen und Gefahren der Instrumentalisierung eines Massenmediums unter totalitärer Kontrolle, wie der Rundfunk in der nationalsozialistischen Phase, erkannt und ihnen Rechenschaft getragen werden (Gurda 1995:3ff.). Schon die Rundfunkordnung der Nachkriegszeit, welche sich vorwiegend an den Vorstellungen der Alliierten orientierte, hatte die Prämisse, einer solchen Instrumentalisierung in der Zukunft keinen Raum mehr zu lassen. Vorbild dieser „neuen" Rundfunkordnung war in erster Linie die „British Broadcasting Corporation" (BBC) (Hoffmann-Riem 2000:23). Die neue Rundfunkordnung sah vor allem Staatsferne, Dezentralisierung und Gebührenfinanzierung vor (Gurda 1995:3ff.). Anders als in Großbritannien entschied man sich in Deutschland jedoch für eine öffentlich-rechtliche Rechtsstruktur (Hoffmann- Riem 2000:23). Diese damals festgelegten Grundsätze für den Rundfunk prägen ihn bis heute. So entstanden in den westlichen Besatzungszonen bereits sechs regional tätige Rundfunkanstalten. Die Amerikaner errichteten in ihrer Besatzungszone schon frühzeitig einen Sender für jedes Bundesland (Gurda 1995:3ff.). Die insgesamt sechs Landesrundfunkanstalten, welche zum Teil noch für mehrere Bundesländer verantwortlich waren, schlossen sich im Jahr 1950 zur „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland" (ARD) zusammen (Müderler 2009). Somit wurden in der Nachkriegszeit nicht nur Grundlagen, sondern auch Standorte des Rundfunks geschaffen. Beispielsweise wurde nach der kriegsbedingten Zerstörung des Senders in Langenberg das neue Funkhaus des WDR in Köln errichtet, wo es sich bis heute befindet (Westdeutscher Rundfunk (Hrsg.) 2009). Die Folgen, die eine solche Ansiedlung bis heute hat, werden an späterer Stelle erläutert.

Die Rundfunkhoheit lag, mit Erlangen der vollen Staatssouveränität im Jahr 1955, wieder in der Hand des Staates. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass es in der sowjetischen Besatzungszone gänzlich andere Entwicklungen gab. Hier wurde erneut ein staatsgelenktes, totalitäres Rundfunkprogramm eingerichtet. (Gurda 1995:3ff.). Die Entwicklung in Westdeutschland, in den folgenden Jahren, führte zu der Herausbildung des Dualen Rundfunksystems.

4 Herausbildung des Dualen Rundfunksystems: Grundlagen heutiger Standorte

Betrachtet man die Herausbildung des Dualen Rundfunksystems im Ganzen, so lässt sich erkennen, dass im Wesentlichen die Entwicklungen auf drei unterschiedlichen Gebieten zu einem Nebeneinander von privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk geführt haben. So lassen sich (1.) neue technische Übertragungsmöglichkeiten und (2.) die Unzufriedenheit einzelner Parteien über die politische Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks als Impulsgeber herausstellen. Die Diskusionen und die Ansprüche, die diese Impulsgeber auslösten, manifestierten sich in (3.) Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes (Lucht 2006:177).

Bereits seit den 1950er Jahren wurde mit Breitband- sowie Satteliten­übertragungstechniken experimentiert. Mit der Breitbandtechnik sollte es möglich sein, deutlich mehr Kanäle als bisher auszustrahlen. Der, zu dieser Zeit aktuelle, Standard der terrestrischen Funkübertragung ließ lediglich eine Sendekapazität von zwei bis drei Kanälen zu. Schon im Jahr 1973 wurde die „Kommission für den Ausbau des technischen Kommunikationssystems" von der Bundesregierung einberufen. In ihrem Telekommunikationsbericht aus dem Jahr 1976, schlägt die Kommission unter anderem vor, Pilotprojekte mit Breitbandkabelsystemen durchzuführen. Diese Pilotprojekte wurden später als „Kabelpilotprojekte“ bekannt (Lucht 2006:178). Das erste Kabelpilotprojekt wurde am 1. Januar 1984 in Ludwigshafen durchgeführt (Presse- und Informationsdienst der Bundesregierung (Hrsg.) 1998:106). Mit fortschreitender Ausbauphase und erweiterten Sendekapazitäten wurde zunehmend deutlich, dass es nicht sinnvoll und rechtlich problematisch sein würde, weiterhin lediglich öffentlich­rechtlichen Rundfunk zuzulassen.

Die Kritik an der politischen Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender wurde auch bereits in den 1950er Jahren laut. Politiker, meist konservativer Parteien, prangerten ein unausgewogenes Programm, zu Ungunsten der jeweils eigenen Partei, an (Lucht 2006:179). So wurde auch auf diesem Gebiet das Monopol des öffentlich­rechtlichen Rundfunks in Frage gestellt. Besonders während des Wahlkampfes im Jahr 1976 warf die CDU/CSU dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk parteiische Berichterstattung vor und kritisierte somit auch das Nichtvorhandensein von verfassungsrechtlich vorgeschriebener Staatsferne im Rundfunk.

Zunächst einmal hat das Bundesverfassungsgericht die verfassungsrechtlichen Grundlagen geschaffen, um private Rundfunkveranstalter überhaupt zuzulassen.

„Das Bundesverfassungsgericht hat in seinen drei ersten so genannten Fernsehurteilen von 1961, 1971, und 1981 erklärt, dass sowohl öffentlich­rechtlicher als auch privater Rundfunk prinzipiell mit dem Grundgesetz vereinbar sind“ (Lucht 2006:183).

In einem vierten Rundfunkurteil aus dem Jahr 1986 wurde erstmals die veränderte Situation durch die, durch das Kabelpilotprojekt erweiterten technischen Sendekapazitäten, berücksichtigt. Dieses Urteil erkennt das Nebeneinander von privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk als „Duales Rundfunksystem“ verfassungsgemäß an. Gleichzeitig hält das Bundesverfassungsgericht jedoch auch fest, dass die Grundversorgung Aufgabe von öffentlich-rechtlichen Anstalten ist, da diese durch ihre Gebührenfinanzierung in keinem wirtschaftlichen Wettbewerb um Einschaltquoten stehen. Auf die Bedeutung und die Diskussion den Begriff „Grundversorgung“ betreffend, soll in dieser Arbeit nicht weiter eingegangen werden, da sich hieraus keine raumwirksamen Folgen ergeben. Definitiv wird jedoch von den Öffentlich-rechtlichen ausdrücklich eine ungekürzte Meinungs- und inhaltlich umfassende Programmvielfalt verlangt (Lucht. 2006:184).

Eine weitere Maxime im Dualen Rundfunksystem ist die „Staatsfreiheit“ des Rundfunks. Diese „Staatsfreiheit“ sowie die Pressefreiheit und das Grundrecht auf Information sind im Grundgesetz Artikel 5 verankert:

„Jeder hat das Recht, seine Meinung [...] frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten.

Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk[...] werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt“ (GG (idFv. Juli 1998) Art.5).

Allgemein wird das Jahr 1984 als Geburtsjahr des Dualen Rundfunksystems angesehen Es ist ein Produkt aus technischem Fortschritt, politischen Forderungen und verfassungsrechtlichen Urteilen (Gurda 1995:22f.).

5 Wirtschaftsfaktor Duales Rundfunksystem

Wie bereits beschrieben, ist das Duale Rundfunksystem in seiner heutigen Form auf eine komplexe und vielschichtige Entwicklung zurückzuführen. Hieraus folgt ein rechtliches Konstrukt, welches den Rundfunk reguliert und für seine heutige Form mitverantwortlich ist. Da Rundfunk als Kultur angesehen wird, liegt die Zuständigkeit (mit der Kulturhoheit) bei den einzelnen Bundesländern. Nach dem Anerkennen des privaten Rundfunks als rechtmäßig, wurden in den folgenden Rundfunkurteilen vermehrt die spezifischen Aufgaben und Verpflichtungen der jeweiligen Rundfunkart spezifiziert. Die gesetzliche Ausgestaltung der einzelnen Landesmediengesetze, welche den Rundfunk auf Länderebene regeln, erfolgte in mehr oder weniger enger Anlehnung an die Rundfunkurteile. So entstand schon früh ein Wettbewerb der Bundesländer untereinander, um die zukunfts- und imageträchtigen Veranstalter des privaten Rundfunks. Die Standortanreize für private Rundfunkanbieter spiegelten sich in Senkungen der Anforderungen, indirekten Subventionen und Bevorteilung bei der Frequenzvergabe wieder (Hoffmann-Riem 2000:31 ff. & Beyer / Carl 2004:30). Unter Einfluss dieses medienpolitischen Spielraumes sind schon in den 1980er Jahren Standortentscheidungen gefällt worden, die bis heute eine Wirkung auf die Standorte haben. Eine der wichtigsten Standortfragen zu Beginn des privaten Rundfunks, war die Frage, ob und wie viele Sendefrequenzen ein Standort bekommt (Hanke 1996:73). Bei dieser Betrachtung kommt zum tragen, dass die Vergabe der Frequenzen zu dieser Zeit in einer Art rechtsfreiem Raum stattgefunden hat, indem die Vergabe nach Absprachen zwischen Bundespost, Staatskanzleien und anderen Akteuren erfolgte(Hoffmann-Riem 2000:41 f.). Die Bedeutung der Frequenzen für die Standortwahl nimmt, durch den technischen Fortschritt und die damit verbundene Kapazitätserhöhung, jedoch immer mehr ab. Um weitere Rahmenbedingungen sowie andere Standortfaktoren und Standortfolgen heraus zu stellen, folgt nun die differenzierte Analyse der beiden Rundfunkarten.

5.1 Wirtschaftsfaktor öffentlich-rechtlicher Rundfunk

Wie sich zusammenfassend festhalten lässt, ist die Grundstruktur des öffentlich­rechtlichen Rundfunks bereits seit der Nachkriegszeit entstanden. Wie die heutige Organisationsstruktur, die Finanzierung und die Standortstruktur aussieht, soll, unter besonderer Berücksichtigung der wirtschaftlichen Aspekte, im Folgenden dargestellt werden.

5.1.1 Organisationsstruktur und Finanzierung

Ohne zu sehr in die Details der rechtlichen Grundlagen einzusteigen, lässt sich die Organisationsstruktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wie folgt darstellen: Die „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland" (ARD) fasst die unabhängigen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten in einer nicht rechtsfähigen Arbeitsgemeinschaft zusammen. Die ARD fungiert zum einen als Beraterinstanz für gemeinsame Fragen der Landesmedienanstalten und zum anderen ist es ihre Aufgabe, Rundfunk für die Allgemeinheit zu veranstalten(Gräf / Hellati / Seiwert. 2001:118ff. & Hans-Bredow-Institut (Hrsg.) 1994:181). Die Aufgaben der Landesmedienanstalten werden in Kapitel 5.2.1 behandelt. Der verfassungsrechtlichen Aufgabe, des Veranstaltens von Rundfunk für die Allgemeinheit, wird die ARD durch einen bundesweiten Fernsehsender (ARD bzw. Das Erste) gerecht.

Darüber hinaus sind unter dem Dach der ARD neun Landesrundfunkanstalten und die „Deutsche Welle", als internationaler Informationssender in deutscher Sprache, zusammengeführt. Die Landesrundfunkanstalten senden schwerpunktmäßig lokale bzw. regionale Programminhalte und waren auch ehemals nur regional, im entsprechenden Bundesland, zu empfangen. Die einzelnen Landesrundfunkanstalten (Bayrischer Rundfunk BR, Hessischer Rundfunk HR, Mitteldeutscher Rundfunk MDR, Norddeutscher Rundfunk NDR, Radio Bremen RB, Rundfunk Berlin Brandenburg RBB, Saarländischer Rundfunk SR, Südwestrundfunk SWR und Westdeutscher Rundfunk WDR) fungieren nicht nur als regionale Fernsehsender, sondern unterhalten wiederum regionale Radiosender (ARD (Hrsg.) 2009). Darüber hinaus gehören die Spartenkanäle „Phönix" und „KiKa" und die Auslandskooperationen „Arte" und „3Sat" zur ARD. Die Landesrundfunkanstalten veranstalten heute jeweils lokales Fernsehen, welches aber, zumindest via Satellit, bundesweit empfangbar ist. Darüber hinaus betreiben sie zusammengerechnet mehr als 50 Radiosender (ARD (Hrsg.) 2009a). Daneben gibt es noch einen weiteren öffentlich-rechtlichen, bundesweit empfangbaren Fernsehsender, das „Zweite Deutsches Fernsehen" (ZDF). Die Rundfunkanstalten werden von Rundfunkrat, Verwaltungsrat und einem Intendanten verwaltet und geführt. Der Rundfunkrat vertritt die Interessen der Allgemeinheit, indem er die Einhaltung des gesetzlichen Sendeauftrags überwacht und die Programmkontrolle durchführt. Zu diesem Zweck besteht der Rundfunkrat aus Vertretern unterschiedlichster gesellschaftlicher Institutionen. So wird sicher gestellt, dass alle Interessen und Meinungen im gleichen Maße vertreten werden. Der Rundfunkrat wählt den Intendanten sowie den Verwaltungsrat und setzt den Haushaltsplan fest. Der Verwaltungsrat prüft den Haushaltsplan und hat ein Mitbestimmungsrecht bei Fragen, die finanzieller Natur sind (Westdeutscher Rundfunk (Hrsg.) 2009a & Presse und Informationsdienst der Bundesregierung (Hrsg.) 1998:97). Die rechtlichen Grundlagen, an die sich die ARD zu halten hat, sind das Grundgesetz und die Rundfunkurteile des Bundesverfassungsgerichtes. Da der Rundfunk, wie bereits erwähnt, als Kulturgut auf Bundesländerebene geregelt wird, gelten für die einzelnen Landesrundfunkanstalten die jeweiligen Landesmediengesetzte. Bundesweite Regelungen, den Rundfunk betreffend, werden in Rundfunkstaatsverträgen, nach einer Ministerkonferenz, festgehalten (ARD (Hrsg.) 2006). Während sich die Landesmediengesetze an den Rundfunkurteilen orientieren bzw. diese umsetzen sollen, sind die Rundfunkstaatsverträge für eine einheitliche Festlegung von Grundregeln und Vorschriften notwendig (nicht nur für den Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, sondern auch für den privaten Rundfunk) (Hoffmann-Riem 2000:30f.). Aufgabe des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist es, besonders qualitativen Rundfunk zu veranstalten, ein Kultur- und Bildungsauftrag ist für ihn obligatorisch und ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber dem privaten Rundfunk. Zugleich bedeutet diese Betonung des Kultur- und Bildungsinhaltes die Legitimation des Finanzierungsmodells(Der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (Hrsg.) 2008:174f.).

Das vielleicht wichtigste Unterscheidungsmerkmal (gerade im Hinblick auf die Standortentwicklung), zwischen privatem und öffentlich-rechtlichem Rundfunk, ist das Finanzierungsmodell. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist zu ca. 95% durch Rundfunkgebühren finanziert, der Teil der Werbeeinnahmen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten liegt demnach ungefähr bei gerade einmal ca. 5% (Gebühreneinzugszentrale (Hrsg.) 2008:43 & ARD (Hrsg.) 2008:387f.). Die Rundfunkgebühr muss vom Bürger für jedes vorhandene Empfangsgerät gezahlt werden. Damit für die Bürger aller Bundesländer die gleiche Rundfunkgebühr anfällt, wird diese im Rundfunkstaatsvertrag festgehalten. Da die Gebühr nicht rein politisch festgesetzt werden kann (aufgrund der Staatsferne), wurde die „Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten“ (KEF) eingesetzt. Seit dem Jahr 1994 besteht ihre Aufgabe darin, die von den Rundfunkanstalten eingereichten Bedarfsanmeldungen für Gebühren zu prüfen und ihren Finanzbedarf zu bestimmen. Dabei darf allerdings die Programmautonomie der Sender nicht beschnitten werden. Die Prüfung bezieht sich somit auf die Übereinstimmung der Programmvorschläge mit den gesetzlich umrissenen Rundfunkaufträgen und dem daraus resultierenden Finanzbedarf. Nach der Prüfung erfolgt ein Vorschlag der KEF, in Form eines ausführlichen Berichtes, an die Ministerpräsidenten der Länder. Die Landesregierungen dürfen in aller Regel nicht von den Vorschlägen der KEF abweichen (Schader 2007 & Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (Hrsg.) 2005). Die medienpolitische Diskussion um den nicht umgesetzten Gebührenvorschlag aus dem Jahr 2004 kann hier ausgeblendet werden, da sie keine Standortauswirkungen hat oder mit sich bringt. Die von den Ministerpräsidenten festgelegte Gebühr, von momentan 17,98 Euro pro Monat (5,76 Euro Grundgebühr und 12,22 Euro Fernsehgebühr), wird von der „Gebühreneinzugszentrale“ (GEZ) eingezogen und an die ARD bzw. die Rundfunkanstalten und sonstigen Empfänger verteilt. Die Höhe der Gebühreneinnahmen der Landesrundfunkanstalten richtet sich dabei nach der Höhe des Gebührenaufkommens, und somit nach der Zahl der angemeldeten Empfangsgeräte im Sendegebiet. Die GEZ wird als gemeinsames Dienstleistungszentrum der Rundfunkanstalten betrieben und von ihnen finanziert (ARD (Hrsg.) 2008:38ff. & Gebühreneinzugszentrale (Hrsg.) 2009).

Auf die örtliche Verteilung der Standorte und Einrichtungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks in Deutschland wird das folgende Kapitel nun genauer eingehen.

5.1.2 Standorte und Strukturdaten

In wissenschaftlicher Literatur lässt sich mitunter nachlesen, dass für den Bereich des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, keine Standortfaktoren identifiziert werden können (Hanke 1996:68). Heutige Standorte des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gehen oft auf Standortentscheidungen auf politischer Ebene zurück. Auch Standortentscheidungen aus der Nachkriegszeit, durch die Alliierten, wie beispielsweise in Köln, sind noch heute aktuell. Aus der Organisationsstruktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, wie sie in Kapitel 5.1.1 beschrieben ist, ergibt sich jedoch eine besondere Standortfolge. Da jedes Bundesland eine Landesrundfunkanstalt besitzt (sofern keine Fusion mit einer anderen Landesrundfunkanstalt stattgefunden hat) und diese wiederum Regionalstudios und Korrespondenzbüros betreibt, herrscht eine dezentrale Struktur vor. Diese Struktur lässt sich weiter hierarchisch gliedern. Diese Hierarchie ergibt sich, in aller Regel, aus: (1. Ebene) Sendezentralen bzw. Landesrundfunkanstalten der einzelnen Bundesländer, (2. Ebene) Regionalstudios für Fernsehen und Radio innerhalb der einzelnen Bundesländer und (3. Ebene) regionalen Korrespondenzbüros der Landesmedienanstalten auf lokaler Ebene (vgl. Abb.1). Diese dezentrale, hierarchische Standortstruktur ist eine Folge des Dualen Rundfunksystem, in dem der öffentlich­rechtliche Rundfunk gebührenfinanziert ist und keinem direkten, privatwirtschaftlichen Marktwettbewerb ausgesetzt ist. Die Kosten einer solch ausgedehnten Struktur müssen hier nicht erwirtschaftet werden, sondern nur plausibel bei der Kostenermittlung begründet sein. Denn die Gebührenhöhe ist definitionsgemäß nicht abhängig von der Nachfrage an Rundfunk, sondern vom Finanzbedarf des Rundfunks (Beyer / Carl 2004:57). Abbildung eins verdeutlicht, neben der Hierarchie und der dezentralen Standortstruktur, auch die vorhandene Dichte des öffentlich-rechtlichen Mediennetzes in Deutschland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Funkhäuser, Studios und Korrespondenzbüros der ARD-Rundfunkanstalten

Quelle: ARD (Hrsg.) 2008a:308.

Hierbei lässt sich auch erkennen, dass es noch Disparitäten zwischen Ost- und Westdeutschland gibt. Das Mediennetz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ist in den meisten Teilen Westdeutschlands deutlich enger als in Ostdeutschland. Gründe dafür liegen aber nicht nur in der zeitlich getrennten Entwicklung, sondern auch in der eher ländlich geprägten Struktur ostdeutscher Bundesländer und letztlich auch in der Bevölkerungsstruktur. Da sich die Gebührenverteilung, wie in Kapitel 5.1.1 beschrieben, nach Gebührenaufkommen und somit nach angemeldeten Empfangsgeräten richtet, ist auch die Finanzausstattung der Sendeanstalten in eher ländlich geprägten Bundesländern, mit weniger Bevölkerung und in der Summe weniger angemeldeten Empfangsgeräten, geringer (vgl. Abb.2). Als ausgleichendes Instrument gibt es hier zwar einen Finanzausgleich zwischen den Anstalten, dennoch ist die Notwendigkeit einer sehr dichten Struktur im ländlichen Raum vom Grundsatz her nicht gegeben und wird bei der Finanzierung in diesem Sinne berücksichtigt.

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Details

Seiten
54
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640634712
ISBN (Buch)
9783640634736
Dateigröße
1.9 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151843
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Geographisches Institut
Note
1,7
Schlagworte
GEZ Rundfunk KEK Medienstandorte Köln Privatfernsehen Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Kreativwirtschaft KEF Rundfunkgebühren Medienwirtschaft

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Titel: Das Duale Rundfunksystem in Deutschland und seine Standortfolgen