Lade Inhalt...

Interkulturelle Kompetenz am Beispiel Indiens

Von Max Müller bis heute

Magisterarbeit 2009 129 Seiten

Indologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Annäherung an den Kulturbegriff

3. Max Müllers Leben und Wirken
3.1 Vorstellung der Person Friedrich Max Müller
3.2 Die britische Kolonialherrschaft vom 17.-19. Jahrhundert
3.3 Max Müllers Indienbild
3.4 Max Müllers Vorlesungen vor den Kandidaten des Indian Civil Service in Cambridge
3.4.1. India- what can it teach us?
3.4.2 The truthful character of the Hindus
3.4.3 Human interest of Sanskrit literature
3.4.4 Objections
3.4.5 The lessons of the Veda
3.4.6 Vedic deities
3.4.7 Veda and Vedanta

4. Ursachen für den Wandel in der Vermittlung interkultureller Kompetenz
4.1 Indiens Weg in die Unabhängigkeit
4.2 Indiens wirtschaftliche Entwicklung seit der Unabhängigkeit und die neue Rolle Europas
4.3 Das Verhältnis von Indien und Deutschland heute

5. Vermittlung interkultureller Kompetenz heute: Interkulturelles Training
5.1 Was ist interkulturelle Kompetenz?
5.2 Vom Zusammentreffen zweier Kulturen
5.2.1 Kulturschock
5.2.2 Kommunikation
5.2.2.1 Definition und Ebenen von Kommunikation
5.2.2.2 Verbale und nonverbale Kommunikation
5.2.2.3 Paraverbale Kommunikation
5.2.2.4 Direkte und indirekte Kommunikation
5.2.2.5 Kommunikationspsychologische Modelle
5.2.3 Stereotype und Vorurteile
5.3 Interkulturelles Training
5.3.1 Definition und Entwicklung
5.3.2 Trainingsarten
5.3.3 Ziele und Methoden des Trainings
5.3.4 Erfolgreiches Training
5.4 Moderne Theorien und Methoden der Kulturvermittlung
5.4.1 Das Modell der Kulturdimensionen
5.4.1.1 Individualismus versus Kollektivismus
5.4.1.2 Zeit
5.4.1.3 Weitere Dimensionen
5.4.2 Das Modell der Kulturstandards
5.4.3 Culture Assimilator

6. Gegenüberstellung der Kulturvermittlung Max Müllers und der Vermittlung interkultureller Kompetenz heute
6.1 Kulturverständnis
6.2 Zeitliche Einordnung und Hintergrund der Vermittlung
6.3 Zielgruppe
6.4 Gründe und Ziele für die Vermittlung zwischen Kulturen
6.5 Methoden und Herangehensweise der Vermittlung
6.6. Kritische Würdigung
6.6.1 Max Müller
6.6.2 Die Vermittlung interkultureller Kompetenz heute

7. Zusammenfassung und Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Anhang
9.1 Übersicht über Müllers Werke

„Wer sich selbst und andere kennt,
wird auch hier erkennen:
Orient und Occident
sind nicht mehr zu trennen.
(Goethe: westöstlicher Diwan)

1. Einleitung

Die fortschreitende Globalisierung, die Verflechtung der Weltwirtschaft sowie Internationalisierung und Migration in der heutigen Gesellschaft machen die Auseinandersetzung mit Mitgliedern anderer Kulturen unumgänglich.[1] Der Kontakt mit kultureller Andersartigkeit gehört somit mittlerweile zum Alltag eines fast jeden Menschen. Vor allem von Fach- und Führungspersonen wird daher die Kompetenz verlangt, mit Mitgliedern anderer Kulturen erfolgreich und harmonisch zusammenarbeiten zu können. Da immer mehr Firmen Tochterfirmen im Ausland gründen oder ihren Standort gar ganz in ein anderes Land verlegen, werden von den Mitarbeitern mehr als nur gute Fachkenntnisse erwartet. Es wird immer mehr die Qualifikation der interkulturellen Kompetenz gefordert. Diese Kompetenz bedeutet nicht mehr nur einen Wettbewerbsvorteil, vielmehr gehört sie mittlerweile zu den Grundvoraussetzungen, um sich auf dem internationalen Markt behaupten zu können.[2] Manche Unternehmen sehen in der Multikulturalität der Mitarbeiter sogar eine Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.[3]

Globalisierung bedeutet nicht, dass kulturelle Unterschiede in Zukunft nicht mehr existieren werden, da alle Kulturen zu einer großen Weltkultur zusammenfließen. Vielmehr findet parallel zum Prozess der Globalisierung eine „Rückbesinnung auf lokal-kulturelle Traditionen und ihre Wiederentdeckung“ statt.[4] Diese Korrelation zwischen globalen und lokalen Prozessen wird auch unter dem Begriff „Globalisierung“ diskutiert.[5] Kulturelle Unterschiede bleiben bestehen. Aus diesem Grund ist die Beschäftigung mit der eigenen kulturellen sowie der fremdkulturellen Prägung und den daraus entstehenden Missverständnissen und Vorurteilen die Voraussetzung für harmonische, tolerante und erfolgreiche Interaktion oder Zusammenarbeit in interkulturellen Begegnungen, die in der heutigen Zeit allgegenwärtig sind.

Sowohl Auswirkungen der Globalisierung als auch eine Vielzahl an kulturellen Traditionen vereinen sich in besonderem Maße in Indien. Auf der einen Seite erlangt dieses Land auf dem Weltmarkt immer mehr Bedeutung und Präsenz. Die rasche und anhaltende wirtschaftliche Entwicklung Indiens seit der Unabhängigkeit im Jahr 1947, vor allem im Bereich der Informationstechnologie, weckt zunehmend das Interesse vieler ausländischer Unternehmen. Auf der anderen Seite hat sich Indien seine jahrtausendealten Traditionen bewahrt.[6]

Auch bereits vor der Unabhängigkeit war Indien, bedingt durch die britische Kolonialherrschaft, in der Gewürze und Textilien exportiert wurden, von wirtschaftlichem Reiz. Die britischen Kolonialherren hatten jedoch kein kulturelles Interesse an Indien.[7] Das Interesse an Indien war vornehmlich ein politisches und wirtschaftliches. Die indische Bevölkerung wurde nicht als Träger einer langen kulturellen Tradition, sondern vielmehr als „unzivilisierte Lügner“ und „Barbaren“ gesehen, denen man mit Verachtung und Hochmut begegnete.[8]

Jedoch gab es auch in England Menschen, die sich für die Wertschätzung der indischen Kultur eingesetzt haben. Einer davon war der deutsche Indologe Friedrich Max Müller, der, als in England lebender Deutscher, bereits im 19. Jahrhundert auf den Wert aufmerksam machte, den interkulturelle Begegnungen haben können. Ihm war es zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft ein persönliches Anliegen, sich für die Vermittlung der indischen Kultur einzusetzen und die Wichtigkeit und Notwendigkeit von gegenseitigem Verständnis und Toleranz zu betonen. Zudem machte er auf die Gefahr von Missverständnissen und Vorurteilen aufmerksam.

Seit der britischen Herrschaft in Indien ist viel Zeit vergangen, in der weltweit und somit auch in Bezug auf Indien einige wichtige Entwicklungen stattfanden. Indien und die westliche Welt stehen sich in der heutigen Zeit als zwei gleichberechtigte Partner gegenüber. Die wirtschaftliche, aber auch kulturelle Zusammenarbeit mit Indien wird immer stärker und bedeutender. „Indien schickt jedes Jahr 450 000 bis 500 000 gut ausgebildete Ingenieure auf den Weltmarkt. Fast jeder dritte Softwareingenieur ist heute Inder.“[9]

Doch die Vielfalt der indischen Kultur sorgt in der westlichen Welt leicht für Verwirrungen und Missverständnisse, da die Kulturen sich sehr voneinander unterscheiden. Um diese kulturellen Unterschiede zwischen Ländern kennenzulernen und produktiv nutzen zu können, anstatt sie zum Hindernis werden zu lassen, werden Lehrprogramme, die Fach- und Führungskräfte auf die Zusammenarbeit mit Mitgliedern anderer Kulturen vorbereiten, immer bedeutsamer.[10] Durch diese Lehrprogramme soll interkulturelle Kompetenz vermittelt werden. Kulturbedingte Unterschiede und ihre Ursachen bezüglich Normen, Werten, Verhalten und Kommunikation werden thematisiert. Dies soll eine gewisse Sensibilität dafür schaffen. Missverständnisse sowie Vorurteile sollen beseitigt werden, um gegenseitiges Verständnis und Toleranz zwischen den Mitgliedern verschiedener Kulturen möglich zu machen. Zudem wird darauf aufmerksam gemacht, dass interkulturelle Begegnungen dazu beitragen können, den eigenen Horizont zu erweitern und dass es Synergiepotenziale[11] gibt, die man schätzen und nutzen sollte.

Und auch schon 1882 machte Max Müller auf den Wert von kulturellem Austausch aufmerksam. Denn in diesem Jahr hielt er unter dem Titel: India-what can it teach us? eine einmalige Vorlesungsreihe vor den Kandidaten des Indian Civil Service}[12] Doch hatte Müller dieselben Synergiepotenziale im Sinn wie die Vermittlung interkultureller Kompetenz heute? Welche Motivation leitete Müller und was sind heute die Intentionen und Ziele der Kulturvermittlung? Welche Bedeutung hat dabei der historische Kontext? Welche Methoden verwendete Müller damals und welche Methoden stehen heute bei der Kulturvermittlung zur Verfügung? Um unter anderen diese Fragen zu beantworten, stelle ich in der vorliegenden Arbeit die Kulturvermittlung Max Müllers, in Form seiner Vorlesungen vor dem Indian Civil Service, und die Vermittlung interkultureller Kompetenz heute, in Form von interkulturellen Trainings, einander gegenüber, um sie hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu analysieren.

Zu Beginn ist dafür eine Definition des Begriffs der Kultur notwendig. Aufgrund der Komplexität des Begriffs ist es allerdings sinnvoller von einer Begriffsannäherung zu sprechen. Im Anschluss an die Erläuterung des Kulturbegriffs beschäftige ich mich im ersten großen Teil der Arbeit mit Friedrich Max Müller und seinem Einfluss auf die Vermittlung der indischen Kultur. Um Müllers Wirken verstehen zu können, gehe ich neben seiner Biografie auch kurz auf die zeitliche Epoche, in der er lebte, ein. Dabei beschränke ich mich an dieser Stelle auf die Lebenszeit Müllers. Den indischen Freiheitskampf und die Erlangung der Unabhängigkeit behandele ich an späterer Stelle.

In Zentrum der Analyse von Müllers Wirken steht in dieser Arbeit die Vorlesungsreihe beim Indian Civil Service. Jede der insgesamt sieben Vorlesungen stelle ich daher ausführlich dar, um die jeweiligen Grundanliegen Müllers deutlich zu machen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass diese Vorlesungsreihe nur einen kleinen Teil von Müllers Arbeit ausmacht. Auf Vorlesungen, die er zu anderen Themen gehalten hat sowie auf alle anderen Aspekte und Werke Müllers kann ich nur dann und insoweit eingehen, wie sie für die Darstellung von Müllers Indienbild sowie seiner Bemühungen der Kulturvermittlung zwischen England und Indien von Bedeutung sind. Max Müller hat sich in seinem Leben mit zu vielen unterschiedlichen Themen beschäftigt und damit nicht selten Kontroversen ausgelöst, dass es einer eigenen Arbeit bedürfte, um jedem Aspekt gerecht zu werden.[13] Werden verschiedene Tätigkeiten innerhalb seiner Karriere angesprochen, so dient dies nur dazu, ein lebhafteres und deutlicheres Bild von Max Müller zu schaffen, da eine seiner Eigenschaften sein reges Arbeitsverhalten war. Auch auf Müllers Verhältnis zur Religion in seinem Heimatland sowie auf das Thema Missionierung gehe ich nicht im Detail ein, da dies ein eigenes, sehr komplexes Thema darstellt, welchem ich im Rahmen dieser Arbeit nicht gerecht werden kann.

Seit der Kolonialzeit, zu der Max Müller lebte, fanden globale Entwicklungen statt, die auch Indien betrafen. Somit veränderte sich auch die Art der Kulturvermittlung. Um dies verstehen zu können, muss man einen Blick auf die geschichtliche Entwicklung Indiens werfen. Indien ist mittlerweile ein unabhängiges Land, das sich, vor allem wirtschaftlich gesehen, schnell weiterentwickelt. Daraus resultiert auch ein verändertes Verhältnis zwischen Indien und Europa, welches Auswirkungen auf die Vermittlung interkultureller Kompetenz in der heutigen Zeit hat. Aus diesem Grund gehe ich zuerst auf den indischen Freiheitskampf und die daraus resultierende Unabhängigkeit ein. Im Folgenden skizziere ich kurz die wirtschaftliche Entwicklung Indiens seit der Unabhängigkeit sowie das neue Verhältnis von Indien und Europa. Dies dient dazu, sich ein Bild des heutigen Indiens im Vergleich zum Indien der Kolonialzeit machen zu können. Explizit erwähne ich dabei noch einmal das Verhältnis zwischen Indien und Deutschland.

Nach der Darstellung dieser wichtigen Zeit in der indischen Geschichte beschäftige ich mich im nächsten Teil der Arbeit mit der Vermittlung interkultureller Kompetenz heute. Zu Beginn stelle ich vor, was unter interkultureller Kompetenz verstanden wird. In einem nächsten Schritt gehe ich auf die Auswirkungen, die das Zusammentreffen verschiedener Kulturen haben kann, angefangen vom Kulturschock, über Kommunikation, bis hin zu Stereotypen und Vorurteilen, ein. Da Kommunikation ein sehr komplexes Thema darstellt, unterteile ich es in einzelne Aspekte: die Definition von Kommunikation, die verschiedenen Ebenen von Kommunikation, verbale und nonverbale Kommunikation, paraverbale Kommunikation sowie direkte und indirekte Kommunikation. Abschließend zum Thema Kommunikation stelle ich noch zwei heute häufig verwendete kommunikationspsychologische Modelle vor.

Folgend auf die Auswirkungen interkultureller Begegnungen gehe ich auf die Vermittlung interkultureller Kompetenz heute, in Form von interkulturellen Trainings, ein. In einem ersten Schritt definiere ich interkulturelles Training, bevor ich auf die Entwicklung sowie Sinn und Ziele solcher Trainings eingehe. Darauf folgt die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Trainingsarten- und methoden. Abschließend beschäftige ich mich noch mit dem Zeitpunkt eines Trainings sowie mit Kriterien, die ein erfolgreiches interkulturelles Training ausmachen. Anschließend stelle ich die gegenwärtig bekanntesten Theorien und Modelle vor, die bei interkulturellen Trainings verwendet werden. Dies sind zum einen drei bekannte Modelle zu der Theorie der Kulturdimensionen. Ich beschränke mich hierbei auf die drei Wissenschaftler Geert Hofstede, Edward T. Hall und Fons Trompenaars. Des weiteren erläutere ich das Modell der Kulturstandards, das vor allem von Alexander Thomas geprägt wurde. Zum Abschluss der Theorien und Modelle stelle ich die Trainingsmethode Culture Assimilator vor, mit der gegenwärtig bei interkulturellen Trainings viel gearbeitet wird, vor allem in Verbindung mit dem Modell der Kulturstandards.

Nachdem ich die Kulturvermittlung von Max Müller sowie die heutige Form der Vermittlung interkultureller Kompetenz vorgestellt und erläutert habe, bringe ich diese beiden Ansätze miteinander in Verbindung. Ich stelle die Arbeit von Müller sowie die Arbeit im Bereich der interkulturellen Begegnungen und Kompetenz einander gegenüber und analysiere sie hinsichtlich Gemeinsamkeiten und Unterschieden. Dabei arbeite ich die möglichen Gründe heraus und diskutiere sie. Aus Gründen der strukturellen Klarheit unterteile ich die Analyse in verschiedene abstrahierte Ebenen. Somit soll eine präzise Gegenüberstellung ermöglicht werden. Die einzelnen Analyseebenen sind jedoch nicht gänzlich voneinander getrennt zu sehen, sondern stehen in Verbindung zueinander und greifen ineinander über. Aus diesem Grund sind inhaltliche Überlappungen zwischen den Ebenen nicht zu vermeiden.

Des weiteren werde ich in einer kritischen Würdigung sowohl Max Müllers Arbeit als auch die Vermittlung interkultureller Kompetenz heute beurteilen, um dann nach einer kurzen Zusammenfassung ein abschließendes Fazit zu ziehen.

2. Annäherung an den Kulturbegriff

„Der Mensch ist [...] von Natur aus ein Kulturwesen. Es ist also „unnatürlich“, wenn Menschen „kulturlos“ leben.“[14] Dieser Äußerung liegt die Vorstellung zugrunde, dass Menschen, im Gegensatz zu Tieren, über keine Instinkte verfügen, die ihr Überleben zu sichern versuchen. Der Mensch reagiert also nicht nur instinktiv, wie das Tier, sondern verbindet sein Handeln mit einem Sinn. Dieses sinnhafte Handeln ist die Basis der Kultur.[15] Da der Mensch allein jedoch in der Regel nicht überleben kann, schließt er sich zu Kollektiven zusammen und handelt in diesen. Die entstehende Kultur bietet den Ausgleich zum fehlenden Instinkt, sie bietet Sicherheit und eine Verhaltensordnung. Kultur ist demnach ein Phänomen, dass nur beim menschlichen Wesen und in Kollektiven auftritt, wobei es zwischen Kultur und Mensch eine Wechselbeziehung gibt: die Kultur prägt den Menschen und der Mensch schafft Kultur.[16] Es gibt „so wenig eine Kultur ohne Gesellschaft wie eine Gesellschaft ohne Kultur.“[17] Kultur ist in diesem Sinne ein Bedeutungssystem. Sie gibt den Ereignissen, Gebilden und Inhalten im individuellen Umfeld durch „symbolische Verschlüsselungen“[18] eine Bedeutung, so dass das Individuum einen Sinn damit verbinden kann. Dieser Sinn schafft Möglichkeiten und Ordnung.[19]

Individuen wachsen in ihre jeweilige Kultur (Enkulturation) oder Gesellschaft (Sozialisation) hinein. Der Mensch wird zwar in eine Kultur hineingeboren, Kultur ist jedoch nicht angeboren, sondern wird während der Sozialisation erlernt. Im Zuge dessen werden „bestimmte Denk,- Fühl- und Handlungsmuster im Kopf eines Menschen gefestigt [...].“[20] Diese Muster, die hochgradig von der sozialen Umwelt abhängig sind und daher variieren können, nennt Geert Hofstede auch „mentale Programme.“[21] Kultur wird von Generation zu Generation weitergegeben, wobei dies nicht bedeutet, dass Kultur statisch ist. Vielmehr ist sie immer der Möglichkeit des Wandels und der Veränderung ausgesetzt. Wie Kultur weitergegeben wird, hängt zusammen mit den drei Dimensionen, der mentalen, sozialen und materialen Dimension, in die Kultur unterteilt werden kann. Die mentale Dimension ist nicht sichtbar und umfasst zum Beispiel Gefühle und Gedanken. Die soziale Dimension ist sichtbar und meint soziale Interaktionen. Die materiale Dimension ist ebenfalls sichtbar und beinhaltet unter anderem Medien, Literatur und Kunstwerke. Die mentale Dimension von Kultur ist zwar nicht sichtbar, sie drückt sich jedoch in der sozialen und der materialen Dimension aus. Alle drei Dimensionen sind also miteinander verbunden, wodurch Kultur an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Dies wird „kollektives Gedächtnis“ genannt. Doch da „Artefakte immer nur von einigen Mitgliedern der Kultur [...] produziert werden, besteht nie eine 1:1-Entsprechung zwischen der mentalen Dimension und dem, was man im materialen und sozialen Bereich tatsächlich „sieht“.“[22] Daher ist der Rückschluss von der sozialen und der materialen Dimension auf die mentale Dimension nicht ohne weiteres möglich.[23]

Eine eindeutige und allgemein gültige Definition des Phänomens Kultur gibt es nicht. Bei der Beschäftigung mit Kultur kommt es in hohem Maße auf die Perspektive der Betrachtung an. Viele unterschiedliche wissenschaftliche Disziplinen, wie zum Beispiel die Anthropologie, Psychologie, Soziologie und die Kommunikationswissenschaften, beschäftigen sich damit.[24] Aus diesem Grund existieren auch viele verschiedene Definitionen von Kultur nebeneinander. All diese Definitionen haben jedoch laut dem Erziehungswissenschaftler Georg Auernheimer zwei Gemeinsamkeiten: den symbolischen Charakter von Kultur und ihre Orientierungsfunktion, auftretend als Erwartungen des täglichen Verhaltens. Diese bauen auf gemeinsamen Werten und Normen auf. Neben dieser Orientierungsfunktion hat Kultur auch noch eine Identifikationsfunktion: das Individuum fühlt sich der Kultur zugehörig und festigt somit seine Identität.[25] Der Kommunikationswissenschaftler Gerhard Maletzke bietet für Kultur folgende Definition an:

„In der Kulturanthropologie ist Kultur im Wesentlichen zu verstehen als ein System von Konzepten, Überzeugungen, Einstellungen und Wertorientierungen, die sowohl im Verhalten und Handeln der Menschen als auch in ihren geistigen und materiellen Produkten sichtbar werden.

Ganz vereinfacht kann man sagen: Kultur ist die Art und Weise, wie die Menschen leben und was sie aus sich selbst und ihrer Welt machen.“[26]

Es gibt jedoch auch die Möglichkeit, nicht nur die Lebensgestaltung, sondern vielmehr die Gruppe, die diese ausführt, als Kultur zu bezeichnen. Diese Sichtweise vertritt der amerikanische Psychologe Richard W. Brislin. Er versteht unter Kultur eine „identifizierbare Gruppe mit gemeinsamen Überzeugungen und Erfahrungen, mit Wertgefühlen, die mit diesen Erfahrungen verbunden sind, und mit einem Interesse an einem gemeinsamen historischen Hintergrund.“[27]

In der Interkulturalitätsforschung wird Kultur als „soziale (oder kollektive) Konstruktion der Wirklichkeit“[28] verstanden. Unsere Wirklichkeit wird erst Wirklichkeit, indem bestimmte Aspekte der eigenen Realität Bedeutungen bekommen. Damit ist die Gestaltung der menschlichen Lebenswelten gemeint, da nichts in unserem Umfeld einfach gegeben ist, sondern vielmehr kulturell konstruiert wurde.[29] Es werden also innerhalb einer Kultur kollektiv gültige Gewohnheiten herausgebildet. Dieser Prozess wird auch Standardisierung genannt.[30] Wichtig ist dabei, dass die Standardisierungen in anderen Kulturen verschieden sein können. Dies kann zur Folge haben, dass Mitglieder unterschiedlicher Kulturen auf ein und dasselbe Ereignis verschieden reagieren. Besonders bei der Kommunikation gibt es „kulturelle codes [...] d.h. Konventionen über den Gebrauch und die Bedeutung von Zeichen.“[31] Standardisierung soll jedoch nicht bedeuten, dass alle Mitglieder einer Kultur gleich bzw. Kulturen in sich geschlossene homogene Gebilde sind. Dies entspricht eher dem traditionellen Kulturkonzept nach Johann Gottfried Herder (1744-1803) aus dem 18. Jahrhundert. Hier wurde Kultur noch als Einzelkultur verstanden, die sich von anderen Kulturen abgrenzte und innerhalb ihrer Grenzen als relativ homogen angesehen wurde.[32]

Heute wird eher die Auffassung vertreten, dass nicht nur zwischen verschiedenen Kulturen, sondern auch zwischen den Mitgliedern innerhalb einer Kultur große individuelle Unterschiede bestehen. Kulturen sind nicht in sich geschlossen, vielmehr heterogen, nach außen offen und ständig in einem Veränderungsprozess begriffen.[33] In einer Kultur finden sich unzählige andere Kulturen, sozusagen „Subkulturen“. So sind Menschen einer Nationalkultur zugleich auch noch Mitglieder verschiedener anderer Kulturen, wie zum Beispiel der Kirchenkultur, der Kultur der Lesebegeisterten oder der Umweltschützer. Klaus-Peter Hansen verwendet hierfür den Begriff Multikollektivität oder Mehrfach-Mitgliedschaften. Ein Individuum verbindet und kombiniert diese einzelnen Kulturen miteinander. Die Art der Kombination ist, aller Wahrscheinlichkeit nach, ein Unikat und nicht identisch in zwei oder mehreren Menschen zu finden. Sie macht das Individuum erst zu einem Individuum. In Anlehnung an Hansen entwickelte Stefanie Rathje das Kohäsions­Modell. Demnach ist Kultur zu verstehen als breites Angebot an Problemen, Deutungen, Herausforderungen und Kulturthemen. Dieses Angebot ergibt sich durch die jeweilige Geschichte des Kollektivs.[34] Auf globaler Ebene spricht der schwedische Sozialanthropologe Ulf Hannerz von Kulturen als „global vernetzte Gemeinschaftsressource, aus der sich Individuen und soziale Gruppen bedienen, um ihre kulturellen Eigenarten auszuformen.“[35] Kulturen haben bestimmte Merkmale, so zum Beispiel kulturbedingte Werte und Normen, Symbole, Sprache und Kulturgegenstände.[36] Alle diese Merkmale stehen in Verbindung miteinander und erst ihre Gesamtheit liefert das „spezifische Profil einer Kultur.“[37] Jedoch ist die häufige Annahme, dass die Merkmale der Kulturen auch auf jedes einzelne Mitglied der Kultur zutreffend sind, nicht richtig und kann zu Konflikten führen. Dasselbe gilt für die Vorstellung, dass sich Kulturen aufgrund der Merkmale klar voneinander abgrenzen.[38]

In den Neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts hat der deutsche Philosoph Wolfgang Welsch das Konzept der Transkulturalität entwickelt, da er der Meinung war, dass die gegenwärtige kulturelle Situation in der Welt eine neue Konzeptuierung benötige. Allen voran wendet er sich gegen das traditionelle Konzept, indem Kulturen als voneinander getrennte Einzelkulturen verstanden wurden. Moderne Gesellschaften, so Welsch, seien zu komplex und differenziert, horizontal wie vertikal, als dass diese begriffliche Erfassung dem noch gerecht werden könne. Er geht sogar soweit zu behaupten, das traditionelle Kulturkonzept „tendiert in seiner begrifflichen Konsequenz zu kulturellem Rassismus.“[39] Auch mit den Begriffen der Multikulturalität und Interkulturalität ist Welsch nicht ganz einverstanden. Diese gestehen zwar kulturelle Unterschiede auch innerhalb einer Gesellschaft ein, jedoch werden diese immer noch als in sich geschlossen dargestellt. Daher lehnen sich auch diese Begrifflichkeiten eher an den traditionellen Kulturbegriff an.[40] Dem widerspricht er:

„Unsere Kulturen haben de facto längst nicht mehr die Form von Homogenität und Separiertheit. Sie haben vielmehr eine neuartige Form angenommen, die ich als transkulturell bezeichne, weil sie durch die traditionellen Kulturgrenzen wie selbstverständlich hindurchgeht. Die kulturellen Verhältnisse sind heute weithin durch Mischungen und Durchdringungen gekennzeichnet.“[41]

Dies findet unter anderem als Folge von Globalisierung, Migrationen und verbesserter Kommunikationsmittel statt.[42] Kern dieses Konzepts ist also anstatt Ausgrenzung „Anschließen“, welches gegebenenfalls ein gewisses Umdenken erfordert. Fremdes ist nicht länger fremd, wenn man sich die möglichen Gemeinsamkeiten vor Augen führt. Diese Verschmelzung, auch Hybridisierung genannt, die etwas Neues schafft, kann sodann völlig neue Möglichkeiten aufzeigen und bietet aufgrund der Anschlussfähigkeit und des Austauschs mehr Raum für „Koexistenz als Konflikt.“[43] Dies hat auch Auswirkungen auf die Identitätsfunktion von Kultur. In einer transkulturellen Gesellschaft gibt es nicht mehr eine Kultur, zu der man sich zugehörig fühlt und die bei der Identitätsfindung des Individuums als Orientierungshilfe dient. „Vielmehr definieren und positionieren wir uns durch multiple und transgressive Identitäten, die quer über die Grenzen bisheriger Kulturreservoirs hinweg reichen.“[44]

Es lässt sich jedoch festhalten, dass man mit den Begriffen Multikulturalität und vor allem Interkulturalität „auch ein friedliches, kommunikativ-dialogisches Miteinander zu fördern sucht“ [45] und dabei nicht von Kulturen als sich gegenüberliegend ausgegangen werden muss. Der deutsche Professor für Englische Literaturwissenschaft Heinz Antor schreibt dazu, dass, obwohl Welschs Konzept der Transkulturalität durchaus gültig ist, er mit seiner Behauptung der Nichtexistenz von kulturellen Grenzen jedoch vorgreift, da dies noch nicht der heutigen gesellschaftlichen Realität entsprechen würde. Die monokulturelle Art des Denkens und Orientierens existiere nach wie vor und dürfe nicht ohne weiteres abgesprochen werden.[46]

Alle drei Konzepte gehen jedoch in die gleiche Richtung, wobei dem Begriff der Multikulturalität „der Hinweis auf das Trennungen Überwindende fehlt.“[47] Die Forscher auf diesem Gebiet sind sich der Bedeutung ihrer Arbeit, sowie der Schwierigkeit begrifflicher Erfassung bewusst.

„Wir prägen durch unsere Forschungsaktivitäten und die daraus resultierende Lehre die Einstellungen und Kulturkonzepte künftiger Generationen und beeinflussen dadurch maßgeblich die Qualität menschlichen Zusammenlebens in einer Welt, die immer stärker von inter- und transkulturellen Gegebenheiten bestimmt sein wird.“[48]

3. Max Müllers Leben und Wirken

3.1 Vorstellung der Person Friedrich Max Müller

Friedrich Max Müller, genannt Max Müller, geboren am 6. Dezember 1823 in Dessau, war das zweite Kind des Dichters Wilhelm Müller und seiner Frau Adelheid von Basedow. Er wurde protestantisch erzogen, seine Eltern waren liberal eingestellt. Die Familie Müller war eine angesehene Familie, die einen gut bürgerlichen Lebensstandard genoss und oft zu gesellschaftlichen Abenden zu sich einlud. 1827, als Max vier Jahre alt war, starb sein Vater im Alter von nur 32 Jahren und ließ seine Frau mit zwei kleinen Kindern zurück.[49] Die Bindung zwischen Mutter und Sohn war sehr eng und hielt Zeit ihres Lebens an. Darauf weisen unzähligen Briefe hin, die sich die beiden das ganze Leben lang regelmäßig schrieben. Der Tod des Vaters traf die Familie sehr schwer, auch finanziell wurde die Lage schlechter. Trotzdem wollte die Mutter die schon früh erkannten Talente ihres Sohnes fördern und ihm eine gute Ausbildung ermöglichen.[50] Max Müller besuchte zuerst die Herzogliche Hauptschule in Dessau. Dort entdeckte er im Alter von zehn Jahren seine Liebe zu Indien.

1836 ging Müller nach Leipzig, um die angesehene Nicolai-Schule zu besuchen. Er wohnte dort bei einem alten Freund der Familie, Dr. Ernst August Carus, der ihm Einblicke in die Welt der liberalen Denker gewährte und ihn durch die gesellschaftlichen Abende im Hause Carus mit Persönlichkeiten wie Felix Mendelssohn-Bartholdy und Franz Liszt bekannt machte.[51] In Leipzig lernte Müller auch Theodor Fontane kennen, mit dem er sein Leben lang befreundet blieb.

Max Müller verspürte schon früh den Wunsch, etwas zu erforschen, was bisher noch kaum erforscht worden war. Außerdem war er stets darum bemüht, aus der Masse hervorzustechen.[52] Für sein Abitur musste Müller nach Zerbst gehen, um ein Stipendium für die Universität Leipzig erhalten zu können. Nach erfolgreichem Abschluss der Schule, begann er mit 17 Jahren im Sommersemester 1841 sein Studium an der Universität Leipzig. Dort hörte er Vorlesungen von Professor Brockhaus, der seinerzeit den neu gegründeten Lehrstuhl für Sanskrit innehatte.

„[...] Und ich sah den Aushang über die Vorlesungen von Professor
Brockhaus über indische Literatur. Hier wurde plötzlich meine
Neugierde geweckt. Ich hatte bereits einen kleinen Flirt mit dem
Arabischen, aber jetzt verliebte ich mich ernsthaft in Sanskrit [...].“[53]

Somit wurde Max Müller einer der ersten Studenten des neu eingerichteten Faches Indologie. Damit befand sich Müller auf direktem Wege, etwas zu erforschen, was bisher wenig erforscht worden war. Zu dieser Zeit hatte man sich in Deutschland mit Indien weniger wissenschaftlich auseinander gesetzt, es herrschte vielmehr eine Art Traumbild von Indien als geheimes Paradies vor.[54]

1843 promovierte Müller im Alter von 20 Jahren, nach nur 18 Monaten Studium.[55] Danach ging er, ebenfalls mit Hilfe eines Stipendiums, nach Berlin, um dort bei Professor Bopp, dem Begründer der Indo-Germanistik, und Professor Schelling zu lernen. Zudem gab es in Berlin Sanskrit­Manuskripte, die ihn interessierten. Max Müller schien nach folgendem Motto zu leben: „Das Terrain wird stets dann sofort verlassen, wenn die Quelle zum Ursprung der Mythen des alten Indien versiegen.“[56]

Professor Schelling war er schließlich auch bei einigen Übersetzungen der Upanischaden behilflich.[57] Nachdem sein Stipendium abgelaufen war, wurde ihm ein weiteres verweigert, was Müller in eine finanzielle Notlage brachte. Schließlich wurde er von einem Freund der Familie, Baron Hagedorn, nach Paris eingeladen, um dort bei ihm zu wohnen und sich seinen Sanskrit­Studien zu widmen. 1845 erreichte Müller Paris, wo jedoch sein Bekannter Hagedorn während Müllers gesamten Aufenthalts nicht ein einziges Mal erschien und Müller mit seinen finanziellen Nöten alleine ließ.[58] In Paris interessierten Müller die Vorlesungen von Professor Eugene Burnouf, sowie Sanskrit-Manuskripte, die sich in der Bibliotheque Royale befanden.[59] Um seinen finanziellen Schwierigkeiten zu begegnen, schrieb er für andere Wissenschaftler Sanskrit­Manuskripte ab.[60] Trotzdem war Paris für Müllers Leben eine Zeit, die er nicht missen wollte. Zum einen knüpfte er zum ersten Mal Kontakte zu Indern, so lernte er auch Dwarkanath Tagore kennen, dessen Enkel Rabindranath Tagore später den Nobelpreis für Literatur erhielt.[61] Zum anderen festigte sich dort, mit maßgeblicher Hilfe von Professor Burnouf, das Vorhaben, den Rig-Veda, zusammen mit dem Kommentar von Sayana aus dem 14. Jahrhundert, herauszugeben.[62] Vorher waren seine Pläne weniger zielgerichtet und ohne Struktur,[63] nun hatte er eine Aufgabe gefunden, der er sich die nächsten 25 Jahre seines Lebens widmen sollte. Burnouf gab ihm den Anstoß, indem er sagte:

„Entweder das eine oder das andere. Entweder studieren Sie indische Philosophie und beginnen mit den Upanischaden und Sankaras Kommentar, oder Sie studieren indische Religion und halten sich an den Riga-Veda, kopieren die Hymnen und Sayanas Kommentar und machen sich dadurch um uns alle sehr verdient.“[64]

Durch die Herausgabe des Rig-Veda hoffte Müller, zu den frühen Stufen der menschlichen Entwicklung vorzudringen und zudem die Texte der breiten Masse der Hindus näher zu bringen, da die Hymnen bisher nur begrenzten Gruppen zugänglich waren. Außerdem wollte er die Texte davor schützen, in Vergessenheit zu geraten. Müller bezeichnete den Rig-Veda als eines der wichtigsten religiösen Dokumente der Menschheit.[65] Für die Arbeit an der Herausgabe reiste er nach London. Er war von einer kurzen Reise ausgegangen, um das dortige Material zu sichten, bald beschloss er jedoch ganz nach London zu ziehen.[66]

Müller versuchte, sich mit Privatstunden und dem Abschreiben von Texten für andere Wissenschaftler seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Um sein Arbeitspensum schaffen zu können, sparte er Stunden, indem er sie von seinem Schlaf abzog.

„My plan was as follows: to sit up the whole of one night, to take about three hours rest the next night, but without undressing, and then to take a good night's rest the third night, and start over again.“[67]

Als die Arbeit am Rig-Veda fortschritt, stellte sich die Frage, wer die Veröffentlichung übernehmen würde. Einige zeigten Interesse, so auch Otto Boehtlingk von der kaiserlichen Akademie von St. Petersburg. Dieser wollte den Rig-Veda jedoch unter seinem eigenen Namen veröffentlichen, Müllers Beihilfe sollte lediglich erwähnt werden. Müller lehnte den Vorschlag, auch auf den Rat von Professor Burnouf hin, ab. Dies brachte ihm die lebenslange Verärgerung Boehtlingks ein.[68]

Die Begegnung mit einem alten Freund seines Vaters sorgte schließlich für die Veröffentlichung des Rig-Veda. Baron Christian Karl Josias von Bunsen hatte schon vor der Bekanntschaft mit Max Müller ein großes Interesse an Spiritualität. Aufgrund dessen unterstütze er Müller und konnte schließlich die East India Company als Herausgeber von Müllers Edition des Rig-Veda gewinnen. Aber auch in finanzieller Hinsicht konnte Müller mit Bunsens Hilfe rechnen.[69]

Die Finanzierung der Herausgabe durch die East India Company, die ihre Herrschaft vor der britischen Regierung rechtfertigen musste, glich einer „populistischen Geste [der East India Company], Aufgeschlossenheit und Zuwendung für die indische Kultur, Geschichte und Religion zu demonstrieren.“[70] Der Druck begann 1847, zwei Jahre später, 1849, erschien der erste Band. In der Zwischenzeit war Müller 1848 nach Oxford umgezogen, da die Rig-Veda-Edition von der Oxford University Press gedruckt wurde und Müller den Druck beaufsichtigen wollte. Außerdem sah er sich in London zu vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen ausgesetzt, die ihn zu sehr von seiner Arbeit ablenkten.[71] Professor Horace Hayman Wilson, Inhaber des Boden-Lehrstuhls für Sanskrit in Oxford, wurde von der East India Company beauftragt, Müllers Arbeit zu beaufsichtigen.[72]

Trotz seines wissenschaftlichen Erfolgs und seines Lebens in Oxford war Müller weiterhin an den Belangen Deutschlands interessiert und fühlte sich nach wie vor mit seinem Vaterland verbunden. Daran änderte sich im Laufe seines Lebens nichts. Zu bestimmten Zeitpunkten seines Lebens in Oxford spielte er sogar mit dem Gedanken, nach Deutschland zurückzukehren. Professor Wilson hinderte ihn jedoch am Gehen.[73]

Max Müller war kein Wissenschaftler, der sich in seinem Arbeitszimmer hinter seinen Büchern versteckte,[74] vielmehr hatte er großes Interesse an allen Geschehnissen um ihn herum. Er hatte zu allem eine Meinung und scheute sich nicht, diese auch öffentlich kundzutun.

„Er sah es als seine Pflicht an, die Seite zu unterstützen, von der er meinte, dass sie im Recht war, und wenn er sich für eine Seite einsetzte, so zeigte er weder Furchtsamkeit noch Halbherzigkeit, obwohl es ihm als Protagonisten mehr als das übliche Maß an Beschimpfungen einbrachte.“[75]

1850 wurde Müller stellvertretender Professor für moderne europäische Sprachen (Taylorian Professor of Modern European Languages), nachdem der eigentliche Inhaber des Lehrstuhls, Professor Trithen, psychisch erkrankte. Aufgrund der doppelten Arbeitsbelastung durch die Verpflichtungen des Lehrstuhls und seiner Arbeit am Rig-Veda wurde auch Müllers gesundheitlicher Zustand schlechter, so dass er sich einen Assistenten für seine Rig-Veda- Herausgabe anstellte, Dr. Theodor Aufrecht aus Berlin. Dieser half ihm beim zweiten und dritten Band des Rig-Veda. Danach wurde er auf den Sanskrit-Lehrstuhl in Edinburgh berufen und verließ Müller. Auch Max Müller wurde dieser Lehrstuhl angeboten, er lehnte jedoch ab, weil er Oxford zu diesem Zeitpunkt nicht verlassen wollte.[76]

Im November 1853 lernte er seine zukünftige Frau, Georgina Adelaide Riversdale Grenfell, kennen. Ihr Vater war gegen die Verbindung, da unklar war, was Müllers Zukunft nach Beendigung der Herausgabe des Rig-Veda finanziell für ihn bereit hielt. Nach drei Jahren erst durften die beiden am 3. August 1859 heiraten. In diesem Jahr erschien auch der zweite Band des Rig-Veda.

1854, nach Trithens Tod, wurde Max Müller Professor für moderne europäische Sprachen. Er beschäftigte sich mit der vergleichenden Sprachwissenschaft, um der Idee nachzugehen, dass sich die Sprachen und Völker Europas (indo-europäisch oder auch indo-arisch) aus einer gemeinsamen Ursprache und Urfamilie entwickelt haben. Da Sanskrit die älteste dieser Sprachen darstellt, hielt er es für lohnenswert und sogar sehr wichtig, sich mit dieser vertraut zu machen.[77] Er sah in der Untersuchung der Sprache eine Möglichkeit, um Zugang zu der Geschichte und dem Ursprung eines Volkes zu bekommen.

„So dachte er, dass ein wissenschaftliches Studium der Sprache die Prähistorie des menschlichen Geistes zu offenbaren hilft und die geistigen Verwandtschaften zwischen verschiedenen menschlichen Gruppen verrät.“[78]

Aus diesem Grund beschäftigte er sich auch mit der vergleichenden Religionswissenschaft, wird sogar als ihr Begründer bezeichnet, und der vergleichenden Mythenforschung.[79] Müller verwendete für die Benennung dieser Urfamilie den Begriff Arier; damit waren jedoch nicht die arischen Einwanderer gemeint, die im 2. Jahrtausend v. Chr. nach Indien kamen.[80]

1855 wurde Müller in die Prüfungskommission des Indian Civil Service gebeten und legte großen Wert auf Prüfungen in Sanskrit. In diesem Jahr erhielt er auch die britische Staatsbürgerschaft,[81] obwohl er sich als Ausländer nie ganz in England akzeptiert fühlte. So schrieb er in einem Brief an seine Mutter:

„Mein Leben ist durchaus angenehm, und doch fühle ich, dass ich kaum dazugehöre; die Menschen hier sind zu höflich, um mich ganz heimisch zu fühlen.“[82]

Nach Professor Wilsons Tod 1860 hoffte Müller, die Nachfolge für den Boden-Lehrstuhl für Sanskritforschung zu übernehmen und bewarb sich für diese lukrative Stelle.

Colonel J. Boden, 1811 verstorbener Mitarbeiter der East India Company, hatte den Lehrstuhl gegründet, da er der Ansicht war, dass „eine erweiterte und kritische Kenntnis von Sanskrit ein geeignetes Mittel sein wird, seine Landsleute in die Lage zu versetzen, die Bekehrung der Einheimischen in Indien zur christlichen Religion durch die Verbreitung der Heiligen Schriften unter ihnen voran zu treiben und dieser Weg wirkungsvoller als alle anderen Mittel sei.“[83] Es gab jedoch noch einen anderen Interessenten, Sir Monier-Williams. Es folgte ein langer und harter Wahlkampf um den unkündbaren Lehrstuhl, den Müller letztlich mit 610 zu 833 Stimmen verlor, obwohl er die geeignetere Person zu sein schien. Gründe hierfür mochten seine Herkunft sein sowie seine Kontakte zu liberal Denkenden.[84] Diese Niederlage war für Müller nur schwer zu verkraften, was in folgenden Sätzen deutlich wird:

„Die Gegenpartei machte daraus eine politische und religiöse Frage, und dagegen konnte man nichts tun. Die besten Leute stimmten für mich, die Professoren fast einstimmig, aber das vulgus profanum ergab die Mehrheit.“[85]

Generell gab es immer wieder Spannungen zwischen dem Liberalen Max Müller und den Orthodoxen in Oxford. Obwohl Müller diese Spannungen zu spüren bekam und sich auch sonst nie wirklich integriert in Oxford fühlte, ging er nicht nach Deutschland zurück. Er beschrieb dies unter anderem mit folgenden Worten:

„The professors in Berlin are wretchedly paid... I am not rich here, but independent. I think I should have been in prison long ago had I stayed in Germany; here in England I can do what I will. People abuse me, but they cannot bite, and everybody barks at his own door.“[86]

Dieses Jahr, in dem er für den Boden-Lehrstuhl abgelehnt wurde, hielt ein weiteres trauriges Ereignis für Max Müller bereit, den Tod seines Freundes Bunsen. Die Geburt seiner ersten Tochter im Dezember 1860 war dagegen ein Lichtblick. Seine zweite Tochter wurde zwei Jahre später geboren. In der Zwischenzeit hielt er Vorlesungen über Sprachwissenschaft in der Royal Institution, bis sogar Queen Victoria auf ihn aufmerksam wurde und ihn Ende des Jahres 1863 nach Windsor einlud. Zu Beginn des darauffolgenden Jahres hielt er Vorträge vor der königlichen Familie im Osborne Palast, welche großen Eindruck auf die Königin machten.

Da er die Stelle des Boden-Professors nicht bekommen hatte, war der Posten des stellvertretenden Bibliothekars der orientalischen Abteilung der Bodleian Bibliothek, für den er sich 1865 beworben hatte und angenommen wurde, ein kleiner Trost.[87] Er gab die Arbeit allerdings nach kurzer Zeit aufgrund von zu großer Arbeitsbelastung wieder auf. 1868 wurde ein Lehrstuhl für vergleichende Sprachwissenschaften eigens für Max Müller gegründet, ein Jahr nachdem sein Sohn auf die Welt kam. Die Tylorian-Professur wurde dafür abgeschafft und die neue Stelle etwas besser bezahlt. So wurde Max Müller entlastet und fand wieder mehr Zeit für seine Studien.

1874 erschien der sechste und letzte Band seiner Edition des Rig-Veda mit dem Kommentar von Sayana, nachdem er 25 Jahre lang daran gearbeitet hat. Müller schrieb über diesen Tag:

„Als sich die letzte Zeile des Rig-Veda und Sayanas Kommentar geschrieben hatte und meine Feder niederlegte, war es mir, als würde ich von einem sehr, sehr alten Freund Abschied nehmen.“[88]

Müller rechnete mit erheblicher Kritik, vor allem von indischer Seite, da der Veda in Indien bisher nur mündlich von Lehrer zu Schüler überliefert wurde. Er wusste nicht, wie die Reaktionen darauf ausfallen würden, dass ein Europäer diese heiligen Hymnen herausgab. Seine Arbeit wurde jedoch erstaunlich positiv aufgenommen, er erhielt Lob- und Dankesschreiben, sogar die heilige Schnur der Brahmanen wurde ihm aus Indien geschickt. Dies stellte für ihn eine große Ehre dar. Der bengalische Sanskritgelehrte Raja Radhakanta schrieb an Müller:

„Mit Ihrer erfolgreichen Arbeit an einem so mühseligen Unterfangen haben Sie den Hindus einen unschätzbaren Dienst erwiesen, indem Sie ihnen eine korrekte und hervorragende Ausgabe ihrer heiligen Schrift übergaben.“[89]

Es kam sogar so weit, dass indische Gelehrte ihre Manuskripte des Veda anhand Müllers Edition korrigierten, allerdings ohne diese mit den Händen zu berühren.[90] Da Müller sich Zeit seines Lebens für die Geschehnisse in Indien interessierte, nahm er auch Anteil an den hinduistischen Reformbewegungen und sympathisierte mit den liberalen Köpfen dieser Bewegungen, da sie für ihn Fortschritt und Wandel symbolisierten. Die Nationalisten ihrerseits nahmen Müller zu ihrem Symbol der Inspiration, der Hoffnung und des Stolzes auf ihr Vaterland.[91] So hatte Müller auch regen Briefkontakt mit Keshub Chander Sen, dem damaligen Führer der Reformbewegung Brahmo Samaj. Die Bekanntschaft hielt ein Leben lang. Dies hieß jedoch nicht, dass Müller sich gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien allgemein aussprach. Er sah sie sogar als Wohltat für Indien,[92] jedoch fand er auch gravierende Missstände in dieser und sprach sie offen an.

Sein größtes Anliegen war es, gegenseitiges Verständnis, Toleranz und Respekt zwischen England und Indien zu schaffen, was aufgrund der in England herrschenden Vorurteile bezüglich Indien nicht einfach war. Er sah den Hauptgrund für das schwierige Verhältnis zwischen Indien und England in der Unwissenheit der Engländer über Indien und seine Bevölkerung.[93]

Als seinem Konkurrenten um den Boden-Lehrstuhl die Ehrendoktorwürde der Universität verliehen wurde, war dies eine weitere Niederlage für Müller. Er fühlte, dass ihm als Ausländer deutscher Abstammung nicht getraut wurde und überlegte erneut, nach Deutschland zurückzukehren.[94] Er beschrieb seine Lage in einem Brief an einen Freund mit den Worten:

„I doubt whether I ought to stay longer. I am only tolerated at Oxford, allowed to help when I am wanted, but never helped myself when I want help.“[95]

Jedoch hatte Müller auch treue Freunde in Oxford, die ihm zur Seite standen und ihn letztlich dazu brachten zu bleiben.[96] Müller war sich der Unterstützung dieser seiner Freunde in weniger leichten Zeiten seines Lebens durchaus bewusst. Er schrieb darüber:

„If my friends had been different from what they were, should I not have become a different man myself, whether for good or for evil?“[97]

1875 gab Müller seine Lehrverpflichtung auf, um sich ganz seinem neuen Projekt zu widmen, der Herausgabe der Sacred books of the east, einer 50-bändigen Sammlung religiöser Texte von verschiedenen Religionen. 31 Bände sollten allein indischen Texten vorbehalten sein. Müller wurde der Status des Professors Emeritus zuteil, der es ihm ermöglichte, in Oxford zu bleiben und zu arbeiten, während ihm ein stellvertretender Professor zur Seite gestellt wurde.[98] Ursprünglich wollte Müller in die Sacred books of the east auch das Neue Testament und das Alte Testament integrieren, wogegen von orthodoxer Seite erhebliche Einsprüche erhoben wurden. Er gab dieses Vorhaben schließlich stillschweigend auf.[99] Sein Ziel war es, mit dieser Sammlung ein Grundwissen der einzelnen Religionen zu vermitteln, so dass diese Religionen dann im Dialog miteinander die gemeinsame Wurzel aller Religionen erkennen können, was schließlich zu der Entwicklung einer Religion der Menschheit führen sollte.[100]

„These sacred books of the east will become in future the foundation of a short, but universal religion, they will remain the most instructive archives of the past, studied and consulted when thousands of books of the past are forgotten.“[101]

1879 erschien der erste Band der Sacred books of the east. Gedruckt wurde er ebenfalls von der Oxford University Press. Im Mai 1882 wurde Max Müller gebeten, eine Vorlesungsreihe vor den Kandidaten des Indian Civil Service zu halten, die als Beamte des britischen Empire auf ihren Aufenthalt in Indien vorbereitet werden sollten.

Nach der Krönung der Königin von England zur Kaiserin von Indien im Jahr 1877 gründete diese The national anthem for India fund, mit der Absicht, die britische Nationalhymne in die verschiedenen Landessprachen Indiens übersetzen zu lassen, um das Wissen über die Hymne auf dem indischen Subkontinent zu verbreiten.[102] Müller schickte eine Übersetzung der Hymne in Sanskrit an die Queen, welche diese freudig entgegen nahm und sie sogar zur Eröffnung der Colonial and Indian Exhibition 1886 vorsingen ließ.

1884 wollte Müller seine Ausgabe des Rig-Veda erneut drucken lassen, da alle Exemplare der ersten Auflage vergriffen waren. Der Maharaja von Vijayanagara, dem Geburtsort Sayanas, dessen Kommentar Müller zusammen mit dem Rig-Veda herausgegeben hatte, bot an, die Veröffentlichung zu finanzieren.[103] Die zweite Auflage erschien in vier Bänden zwischen 1890 und 1892.[104] 1892 wurde Müller zum Präsidenten des 9. Internationalen Orientalistenkongresses in London gewählt, 1896 erhielt er die Ehre, von der Queen persönlich, aufgrund seiner sprachwissenschaftlichen Leistungen für das Land und die Menschheit, in den Privy Council (Geheimer Kronrat) berufen zu werden.[105]

Am 28. Oktober 1900 starb der Vermittler zwischen Indien und England, Friedrich Max Müller, moksha mula[106] („Wurzel der Erlösung“), wie er sich selbst auf Sanskrit nannte, 77jährig in Oxford, ohne auch nur ein einziges Mal in Indien gewesen zu sein. Um ihn trauerte nicht nur seine Familie, sondern auch zahlreiche Kollegen, Bewunderer und sogar Kritiker. Viele von ihnen schrieben Müllers Frau Georgina nach Müllers Tod von ihren Begegnungen mit Müller.

Bereits kurz nach seinem Tod verblasste der Name und das Bild Max Müllers, so dass sich heutzutage in England und Deutschland fast niemand mehr an ihn erinnert. In der Wissenschaft gab es schnell neue Ansätze und Theorien. „Müllers langes Leben brachte es mit sich, dass er von einem Zeitalter des Wissens in ein anderes glitt.“[107] Müller war sich der Kurzlebigkeit eines Wissenschaftlers durchaus bewusst, auch wenn er dies bedauerte.[108] Die Sanskritforschung befand sich zu diesem Zeitpunkt noch in den Kinderschuhen, er wusste, dass es immer neue Erkenntnisse geben würde, wenn man sich weiterhin damit beschäftigte. Er sagte dazu:

„Scholars come and go and are forgotten, but the road, which they have opened, remains, other scholars follow in their footsteps, and though some of them retrace their steps, on the whole there is progress.“[109]

Müller blickte auf ein erfülltes Leben mit Stolz zurück, wie er ein Jahr vor seinem Tod in einem Brief an seinen Sohn schrieb:

„Ich bin bereit zu gehen, es wäre eigenartig, wenn es anders wäre, mit einem so langen Leben hinter mir, und das meiste davon religiösen und philosophischen Fragen gewidmet. Und nachdem ich dieses lange Leben gelebt habe, das so voller Licht war, durch alle Stürme und Kämpfe von so väterlicher Hand geleitete, warum sollte ich dann furchtsam sein, wenn ich den letzten Schritt tue? Meine Arbeit wird getan sein, und noch dazu sehe ich, dass sie von anderen weiter geführt wird, von stärkeren und jüngeren Menschen. Ich habe nie auf dem Marktplatz Hand angelegt, das habe ich gern anderen überlassen, aber ich habe einen Grundstein gelegt, der überdauern wird, und obwohl die Menschen die in einem Fluss versenkten Blöcke nicht sehen, so ruht auf diesen unsichtbaren Blöcken die Brücke. Ich kann nicht weiter arbeiten.“[110]

3.2 Die britische Kolonialherrschaft vom 17.-19. Jahrhundert

Max Müller lebte zur Zeit der britischen Kolonialherrschaft, die bereits im frühen 17. Jahrhundert, noch während der Mogulherrschaft auf dem indischen Subkontinent, ihre Anfang nahm. Die europäischen Mächte Portugal, die Niederlande, Frankreich und England zeigten Interesse an Indien. Sie erhofften sich profitablen Handel dort. Zu diesem Zwecke errichteten sie Handelsgesellschaften. So gründeten die Briten im Jahr 1600 ihre Handelsgesellschaft, die East India Company, mit Sitz in Bengalen, um mit in Indien produzierten Gütern Handel zu treiben. Durch geschickte Verhandlungen und diplomatische Beziehungen zu einheimischen Herrschern und Mitgliedern der höheren Bevölkerungsschichten sowie dem Eingreifen in Produktionsvorgänge, gelang es den Briten schnell, ihren Einfluss und ihre Macht in Indien auszubreiten und sich gegen die europäischen Konkurrenten durchzusetzen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurden die europäischen Eindringlinge von Seiten der Mogulkaiser noch nicht als Bedrohung gesehen, sondern eher als unbedeutende „Randfiguren“[111] wahrgenommen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts jedoch wurde das Interesse an Indien zunehmend auch ein politisches, Landbesitz wurde wichtiger als der Handel.[112]

Die Schlacht von Plassay im Jahr 1757 markierte den Wendepunkt in der bisherigen Beziehung von Indien und England. In dieser Schlacht standen sich die Briten, unter Befehl von Robert Clive und der Nawab von Bengalen, gegenüber. Die Eroberung der wohlhabenden Provinz Bengalen war „entscheidend für die britische Herrschaft in Indien.“[113] Durch eine Intrige gelang es Clive, diese Schlacht zu gewinnen, obwohl die Armee des Nawabs in der Überzahl war.[114] Mit diesem Sieg festigten die Briten ihre Herrschaft in Indien und übernahmen fortan auch Verwaltungsaufgaben. Indien wurde zu einer britischen Kolonie. Im Jahr 1813 wurde das Handelsmonopol der Briten in Indien abgeschafft, da es sich nicht mehr rentierte, 1833 wurde durch das britische Parlament beschlossen, dass die East India Company fortan nur noch die Herrschaftsfunktion zu erfüllen habe.[115]

Die Macht der britischen Handelsgesellschaft in Indien wurde mehrfach bedroht, unter anderem durch die große Hungersnot in Bengalen im Jahr 1770. Dennoch schaffte sie es, über ein Jahrhundert über Indien zu herrschen. 1858 sah sich die East India Company jedoch schließlich gezwungen, die Herrschaft über Indien der britischen Krone zu übergeben. Ausschlaggebend für den Untergang der East India Company war unter anderem der große Sepoy-Aufstand von 1857.

Anlass für diese Unruhe war die Verteilung von neuen, mit tierischen Fetten geschmierten Patronen unter den zum Großteil indischen Soldaten der britischen Armee in Indien. Sowohl Hindus als auch Moslems sahen darin einen Verstoß gegen ihre religiösen Reinheitsgebote, da man die Hülsen der Patronen vor Gebrauch mit den Zähnen abreißen musste. Als sie sich daraufhin weigerten, den Befehlen Folge zu leisten, wurden Gerichtsverfahren aufgrund von Befehlsverweigerung eingeleitet. Der Aufstand brach nur wenige Stunden später aus. Er blieb dabei nicht allein auf die Armee beschränkt, sondern schloss große Teile der indischen Bevölkerung mit ein.[116]

Nach den Ausschreitungen übernahm die britische Krone unter Königin Victoria die Herrschaft über Indien. 1877 ließ sich diese sogar zur Kaiserin von Indien krönen.[117]

3.3 Max Müllers Indienbild

Max Müller ist in Deutschland geboren und teilweise ausgebildet worden, verbrachte aber den größten Teil seines Lebens in England. Er war sozusagen selbst eine interkulturelle Person, da er die britische und die deutsche Kultur miteinander vereinbaren musste und sich zusätzlich noch für die indische Kultur einsetzte. Deutschland und England unterschieden sich in vielerlei Hinsicht, was die Vorstellungen, Meinungen und das Studium über Indien betraf. Zudem standen sich beide Länder auch in der Wissenschaft nicht freundschaftlich gegenüber, sondern befanden sich in einer Art Konkurrenzdenken.[118] Max Müller versuchte, beide Disziplinen und Kulturen miteinander zu verbinden und in seine Arbeit miteinzubeziehen.

Das deutsche Verhältnis zu Indien war „das Ergebnis einer Mischung aus emotionalem und intellektuellem, von der Romantik geschürtem Drang.“[119] Die Kenntnis über Indien wurde als Bereicherung für die eigene Persönlichkeit angesehen, das indische Denken als etwas, was das eigene Denken ergänzen könnte.[120] Indien selbst wurde als Teil des deutschen Wesens betrachtet.[121] Es war Quelle poetischer und philosophischer Inspiration. So schrieb der deutsche Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770-1831) in seiner Philosophie der Geschichte: „Indien war stets das Land phantasievoller Inspiration und erscheint uns heute noch wie eine Märchengegend, wie ein verzaubertes Land.“[122] Dieses romantische Indienbild machte Ende des 19. Jahrhunderts dem Fach Indologie als „etablierte[r] akademische[r] Disziplin“[123] Platz. Man war nun auf der Suche nach noch unbekannten Entdeckungen.

Die britische Einstellung zu Indien war eine andere. In England herrschte nicht das romantisch geprägte Bild Indiens vor, sondern es wurde vielmehr an den praktischen Nutzen gedacht, den man aus der Beschäftigung mit diesem Land ziehen konnte. Als eine persönliche Bereicherung wurde es im Allgemeinen nicht wahrgenommen. Die indische Bevölkerung wurde als primitiv angesehen, im Sinne von „zurückgeblieben“, „naiv“ und „unkultiviert“.[124] Indien war britischer Besitz, um den man sich zwar kümmern musste, den man aber nicht verstehen konnte und wollte.[125] Vielmehr hatte sich in England, vor allem nach dem Aufstand von 1857, ein Bild von Indien gefestigt, das die jungen britischen Beamten mit Verachtung und Überheblichkeit dorthin gehen ließ. Die Vorstellung, man habe es dort ausschließlich mit „Lügnern“ und „Betrügern“ zu tun, war vorherrschend.[126] Indien wurde von den Briten herabgesetzt, was unter anderem auch zur psychischen Absicherung ihrer Macht dienen sollte.[127] Müller sagte dazu in einer seiner Vorlesungen über Indien vor den Kandidaten des Indian Civil Service:

„In France, Germany, and Italy, even in Denmark, Sweden, and Russia, there is a vague charm connected with the name of India. [...] A scholar who studies Sanskrit in Germany is supposed to be initiated in the deep and dark mysteries of ancient wisdom, and a man who has travelled in India, even if he has only discovered Calcutta, or Bombay, or Madras, is listened to like another Marco Polo. In England a student of Sanskrit is generally considered a bore, and an old Indian Civil Servant, if he begins to describe the marvels of Elephanta or the Tower of Silence, runs the risk of producing a count-out.“[128]

Max Müller sprach sich nicht gänzlich gegen die britische Kolonialherrschaft in Indien aus, er sah sie als etwas „historisch Gegebenes, als schicksalhaftes Ereignis der Geschichte.“[129] Er betonte schließlich auch in seiner ersten Vorlesung in Cambridge, dass Indien viel von Europa lernen müsse. Die Besonderheit Max Müllers lag jedoch darin, zu betonen, dass Europa auch viel von Indien zu lernen habe. Diese Ansicht war in England hingegen nicht verbreitet. Müller machte es in dieser Situation zu seiner Aufgabe, die Notwendigkeit von gegenseitigem Respekt, Toleranz und Wissen zu unterstreichen. Er sah darin die einzige Möglichkeit für ein friedliches und produktives Miteinander.

Eines seiner Anliegen war das Erlernen der indischen Sprachen. Müller hielt dies für eine Notwendigkeit für die Verständigung zwischen den britischen Beamten und der indischen Bevölkerung, besonders nach dem Sepoy-Aufstand. Die Verfechtung der Regionalsprachen brachte den Orientalisten Müller in Diskussionen mit Lord Thomas Babington Macaulay, eine führende Persönlichkeit und angesehener Angestellter der East India Company. Er war ein vehementer Verfechter der englischen Sprache als Unterrichtssprache in Indien.[130] Macaulay sah die indischen Regionalsprachen und die indische Literatur, mit der sich zu beschäftigen Müller jedem ans Herz legte, als nicht wichtig und ebenso wenig lernenswert an.[131] Ein berühmter Satz von ihm diesbezüglich lautete: „There is more wisdom in five English books than in the whole literature of India.“[132] Für Müller steckte die indische Kultur jedoch gerade in den alten Sankrit-Texten, allen voran dem Veda. So sagte er vor den Kandidaten des Indian Civil Service:

„We are speaking of two different Indias. I'm thinking chiefly of India such as it was a thousand, two thousand, it may be three thousand years ago; they think of the India of today.“[133]

Das alte Indien war für ihn das wahre und natürliche Indien. Durch das Studium des Veda lerne man die Reinheit der hinduistischen Kultur kennen. Diese heiligen Hymnen wären auch noch im heutigen Indien so präsent im Denken der Menschen, so Müller, dass jeder, der die Philosophie, die Religion oder die sozialen Umstände im heutigen Indien verstehen will, diese bis zu ihrem Ausgangspunkt zurückverfolgen müsse. Der Veda bilde den Ausgangspunkt dieser Wege.[134]

3.4 Max Müllers Vorlesungen vor den Kandidaten des Indian Civil Service in Cambridge

Im Jahr 1882 wurde Müller aufgrund seiner Indienkenntnisse gebeten, eine Vorlesungsreihe vor den Kandidaten des Indian Civil Service in Cambridge zu halten. Circa 1500 Kandidaten, im Alter zwischen 23 und 50 Jahren, befanden sich in einer zweijährigen Ausbildung, die sie auf ihren Aufenthalt in Indien vorbereiten sollte. Die Ausbildung beinhaltete Unterricht und Prüfungen in Geografie, Geschichte, Recht und Wirtschaft Indiens, der jeweiligen regionalen Sprache, in deren Sprachgebiet sie später arbeiten sollten, sowie Sanskrit oder Arabisch. Mit einer abgeschlossenen Ausbildung wurde man zum Deputy Commissioner oder District Magistrate und bekam die Herrschaft über, je nach Provinz, ungefähr zwei Millionen Menschen.[135]

Müller wollte mit seinen Vorlesungen dem in England vorherrschenden Indienbild entgegenwirken. Dabei ging es ihm nicht darum, Indien zu verherrlichen, jedoch war er gegen Verallgemeinerungen jeglicher Art, vor allem, wenn sich diese nur auf einzelne persönliche Erlebnisse stützten.[136]

„Wenn ich jemand sagen höre, dass alle Inder Lügner seien, frage ich gewöhnlich, wie viele er kennen gelernt hat. Das Gleiche tue ich, wenn ich höre, dass alle Franzosen Affen genannt werden, alle Italiener Mörder, alle Deutschen ungewaschen, alle Russen Wilde oder auch England Perfide Albion.“[137]

Müller selbst stützte sich hierbei auf Berichte von Leuten, die Indien bereist hatten und die über die indische Bevölkerung Positives zu berichten wussten.[138] Zudem lieferten auch Müllers persönliche Erfahrungen mit Indern, die er in Europa traf und mit denen er zum Teil auch eine lebenslange Freundschaft pflegte, ganz andere Erfahrungswerte. Zu diesen Persönlichkeiten gehörten unter anderem Swami Vivekananda, Keshub Chunder Sen und Dwarkanath Tagore. Müllers Haus war stets offen für Besucher aller Art und bot einen neutralen Ort, an dem vielseitige Debatten geführt werden konnten, wie zum Beispiel über Politik oder Literatur. Müller sah diese Gastfreundschaft ausländischen Besuchern gegenüber als seine moralische Verpflichtung an. So sagte er einmal über seine indischen Freunde:

„I had had the good fortune of knowing a number of Indians in Europe and no doubt some of the best and most distinguished of the sons and daughters of India.“[139]

Es war Müllers Anliegen, mit seinen Vorlesungen Vorurteile aus dem Weg zu räumen und darauf aufmerksam zu machen, wie destruktiv diese sein können. Zudem wollte er auf den Wert der indischen Kultur hinweisen, die für ihn hauptsächlich die Sanskrit-Literatur, vor allem aber der Veda beinhaltete.

[...]


[1] Auernheimer, 2007:15

[2] Baumer, 2002:14

[3] Moosmüller, 2007:36

[4] Kleiner; Strasser, 2003:12

[5] Kleiner; Strasser, 2003:12

Der Begriff „Glokalisierung“ wurde geprägt von Ronald Robertson

[6] Zum Beispiel sind 80,5% der indischen Bevölkerung Hindus, www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/in.html;

Der klassische Hinduismus entstand bereits 200 v. Chr., Michaels, 2006:48

[7] Chaudhuri, 2008:130

[8] Müller, 2007:42, Chaudhuri, 2008:306

[9] Woyke, 2008:5

[10] Baumer, 2002:14f

[11] Tjitra; Thomas, In: Nicklas; Müller; Kordes (Hrsg.), 2006:255

[12] 1883 erschien die Vorlesungsreihe als Buch mit gleichnamigem Titel. Vorliegend wird die Neuausgabe von 2007 verwendet; Müller, 2007

[13] Für eine vollständige Auflistung von Müllers Werken siehe Punkt 9.1

[14] Feldmann, 2005:19

[15] Tenbruck, 1989:46

[16] Maletzke, 1996:20

[17] Tenbruck, 1989:45

[18] Tenbruck, 1989:48

[19] Schroll-Machl, 2007:26f

[20] Hofstede, 2006:2f

[21] Hofstede, 2006:2f

[22] Erll; Gymnich, 2007:22f

[23] Erll; Gymnich, 2007:22ff

[24] Maletzke, 1996:18f

[25] Auernheimer, 2007:74

[26] Maletzke, 1996:16

[27] Maletzke, 1996:16

[28] Erll; Gymnich, 2007:19

[29] Erll; Gymnich, 2007:19

[30] Erll; Gymnich, 2007:20

[31] Erll; Gymnich, 2007:20

[32] Welsch, In: Schneider; Thomsen (Hrsg.), 1997:67

[33] Erll; Gymnich, 2007:26

[34] Erll; Gymnich, 2007:28

[35] Schulze-Engler, In: Antor (Hrsg.), 2006:46

[36] Feldmann, 2005:20

[37] Maletzke, 1996:42

[38] Erll; Gymnich, 2007:19

[39] Welsch, In: Schneider; Thomsen (Hrsg.), 1997:69

[40] Welsch, In: Schneider; Thomsen (Hrsg.), 1997:69f

[41] Welsch, In: Schneider; Thomsen (Hrsg.), 1997:71

[42] Welsch, In: Schneider; Thomsen (Hrsg.), 1997:71

[43] Welsch, In: Schneider; Thomsen (Hrsg.), 1997:78

[44] Antor, 2006:30

[45] Antor, 2006:29

[46] Antor, 2006:36

[47] Antor, 2006:29f

Darin liegt auch die Entscheidung für die Namensgebung des Zentrums für Inter- und Transkulturelle Studien (CITS) der Universität zu Köln begründet

[48] Antor, 2006:31

[49] Chaudhuri, 2008:32

[50] Schlender, 2000:15

[51] Chaudhuri, 2008:35ff

[52] Schlender, 2000:21f

[53] Müller, 1982:3, zitiert nach Schlender, 2000:23

[54] Schlender, 2000:23,27

[55] Chaudhuri, 2008:40

[56] Schlender, 2000:39

[57] Chaudhuri, 2008:51

[58] Mrs. Müller, 1902:31

[59] Van den Bosch, 2002:29

[60] Chaudhuri, 2008:55

[61] Schlender, 2000:41f

[62] Upadhyaya, In: Rau (Hrsg.), 1974:98

Schlender spricht fälschlicherweise von der Übersetzung des Rig-Veda, es handelt sich jedoch um eine Edition, Müller (Hrsg.), 1966:vii

[63] Chaudhuri, 20008:51

[64] Chaudhuri, 2008:141

[65] Van den Bosch, 2002:XVII

[66] Chaudhuri, 2008:61ff

[67] Rau, In: Rau (Hrsg.), 1974:2

[68] Van den Bosch, 2002:34, vgl. Windisch, 1920:272

[69] Chaudhuri, 2008:65

[70] Schlender, 2002:47

[71] Chaudhuri, 2008:72

[72] Chaudhuri, 2008:112

[73] Schlender, 2000:50ff

[74] Voigt, 1967:2f

[75] Chaudhuri, 2008:243

[76] Van den Bosch, 2002:87

[77] Voigt, 1967:5

[78] Chaudhuri, 2008:89

[79] Van den Bosch, 2002:109

[80] Van den Bosch, 2002:204

[81] Van den Bosch, 2002:57, Indian Civil Service unter Punkt 3.4

[82] Chaudhuri, 2008:111

[83] Chaudhuri, 2008:227

[84] Chaudhuri, 2008:234

[85] Chaudhuri, 2008:234

[86] Brief an Müllers Mutter, zitiert nach Van den Bosch, 2002:98

[87] Chaudhuri, 2008:235

[88] Chaudhuri, 2008:148

[89] Chaudhuri, 1974:263, zitiert nach Schlender, 2000:72

[90] Upadhyaya, In: Rau (Hrsg.), 1974:106

[91] Voigt, 1967:41

[92] Voigt, 1967:41

[93] Mookerjee, In: Rau (Hrsg.), 1974:65

[94] Van den Bosch, 2002:116

[95] Brief an Dean Stanley, zitiert nach Van den Bosch, 2002:116

[96] Van den Bosch, 2002:176

[97] Van den Bosch, 2002:176

[98] Chaudhuri, 2008:239

[99] Das Gupta, In: Rau (Hrsg.), 1974:41

[100] Van den Bosch, 2002:XIX

[101] Brief an E. Renan, zitiert nach Van den Bosch, 2002:345

[102] Mrs. Müller, 1902:123

[103] Mrs. Müller, 1902:216

[104] Windisch, 1920:274f

[105] Chaudhuri, 2008:370

[106] Schlender, 2000:111, vgl. Rau, In: Rau (Hrsg.), 1974:15, Chaudhuri, 2008:144

[107] Chaudhuri, 2008:207

[108] Chaudhuri, 2008:207

[109] Van den Bosch, 2002: XXIV

[110] Chaudhuri, 2008:386

[111] Kulke; Rothermund, 2006:285

[112] Kulke; Rothermund, 2006:300

[113] Stang, 2002:52

[114] Kulke; Rothermund, 2006:289

[115] Kulke; Rothermund, 2006:310

[116] Kulke, Rothermund, 2006:315ff

[117] Kulke; Rothermund, 2006:318f

[118] Chaudhuri, 2008:70

[119] Chaudhuri, 2008:130

[120] Chaudhuri, 2008:130

[121] Chaudhuri, 2008:133

[122] Chaudhuri, 2008:134

[123] Chaudhuri, 2008:134

[124] Maletzke, 1996:17f

[125] Chaudhuri, 2008:130

[126] Müller, 2007:42, Chaudhuri, 2008:216

[127] Lütt, 2006: 273f

[128] Müller, 2007:19

[129] Schlender, 2000:84

[130] Die Auseinandersetzungen zwischen Verfechtern der englischen Sprache und denjenigen, die sich für das Erlernen der indischen Sprachen einsetzten sind auch bekannt als Orientalistendebatte

[131] Van den Bosch, 2002:57

[132] Van den Bosch, 2002:57

[133] Müller, 2007:21

[134] Müller, 2007:122

[135] Lütt, 2006: 270

[136] Chaudhuri, 2008:309

[137] Chaudhuri, 2008:309

[138] Chaudhuri, 2008:311

[139] Rau, In: Rau (Hrsg.), 1974:9

Details

Seiten
129
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640637263
ISBN (Buch)
9783640637379
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151822
Institution / Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Note
1,7
Schlagworte
interkulturelles Training Indien Max Müller interkulturelle Kompetenz

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Interkulturelle Kompetenz am Beispiel Indiens