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Wirklichkeit und Gesellschaft: Die Idee des Konstruktivismus bei Berger/Luckmann und J.-F. Lyotard

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 40 Seiten

Soziologie - Klassiker und Theorierichtungen

Leseprobe

Gliederung

1. Ein Gedankenexperiment als Themeneinführung
1.2 Wissenschaftliche Vorgehensweise

Hauptteil:

2. Die Idee des Konstruktivismus bei Berger/ Luckmann
2.1 Anthropologische Prämissen
2.1.1 Die Voraussetzungen des Wirklichkeitsbezugs der Alltagswelt
2.1.2 Bedeutung der Sprache für den Entwurf von Wirklichkeit
2.2 Externalisierung: Wie der Mensch sich seine gesellschaftliche Welt entwirft
2.2.1 Ablagerung von Wissen und Weitergabe des Gewussten
2.2.2 Die Legitimation der Teile und des Ganzen
2.3 Objektivierung: Gesellschaft als objektiv(iert)e Wirklichkeit
2.4 Internalisierung: Wie der Mensch von der Gesellschaft entworfen wird
2.4.1 Primäre Sozialisation
2.4.2 Sekundäre Sozialisation und der Riss in der Wirklichkeitsauffassung
2.5 Die dynamische Dialektik der gesellschaftlichen Konstruktion der Wirklichkeit
2.6 Die Grenzen der Konstruierbarkeit

3. Die Idee des Konstruktivismus bei Francois Lyotard
3.1 Einige Gedanken über anthropologische Voraussetzungen
3.2 Vom Ende der Erzählungen: Lyotard als skeptischer Sozialkonstruktivist
3.2.1 Historische Belege für den Niedergang der großen Erzählungen
3.2.2 Der offene Wirklichkeitsbezug und die Folgerungen
3.3 Die sozialen Konsequenzen
3.3.1 Die postmoderne Perspektive auf die Gesellschaft
3.3.2 Die Atomarisierung der Gesellschaft
3.3.3 Die hervorgehobene Stellung des Individuums im sozialen Geflecht
3.3.4 Die Entgrenzung der Institutionen
3.4 Wider den Messbarkeits- und Effizienzzwang
3.5 Die Hoffnungen nach dem Ende der großen Erzählungen

Schluss:

4. Markante Unterschiede in den Konstruktionskonzepten bei B/L und Lyotard
4.1 Zurück zum Anfang

5. Literaturverzeichni

1. Ein Gedankenexperiment als Themeneinführung

Man stelle sich vier Personen vor: Einen selbsternannten neoliberalen Jung-unternehmer, einen Philosophiestudenten, der sich als überzeugten Existenzialisten ausgibt, einen vierzig Stunden in der Woche Routinedienstleistung erbringenden Lager-arbeiter, der sich selbst als „normalen Menschen“ bezeichnet und einen eingefleischten Postmodernisten. Und man stelle sich ferner vor, dass man diesen zeitgenössischen Personen die Aufgabe erteilt, getrennt voneinander, aber zum gleichen Zeitpunkt, für die gleiche Dauer durch die Einkaufspassage einer bestimmten Stadt zu gehen und nach Beendigung dieses experimentellen Spaziergangs die gewonnenen Eindrücke und Erlebnisse, äußere wie auch innere Begebenheiten, ex post zu beschreiben - was wäre wohl das Ergebnis dieser kleinen qualitativen Forschungsstudie?[1] Mit hoher Wahr-scheinlichkeit wären vier inhaltlich und stilistisch völlig von einander verschiedene narrative Weltentwürfe das Resultat dieses kleinen Experiments.

So würde ersterer zum Beispiel vornehmlich die Kaufhäuser mit den leuchtenden Firmenlogos im Blick haben, welche ihm Indizien für Leistungsbereitschaft, Effizienz und den Erfolg des Unternehmertums sind, die durch ihre Risikobereitschaft Güter und Waren anbieten, die die Lebensqualität der Konsumenten anheben. Vermutlich würde die offenkundige Reserviertheit der Passanten in seinen Augen die These des homo economicus bestätigen, in dem er feststellt, dass jeder mit sich beschäftigt ist, mit seinem ganz persönlichen Glück und so auf dem Wege einer sozialisierten Egozentrik an jeden gedacht ist. Vielleicht würde er auch schildern, dass ihm beim Anblick eines mit Nadelstreifenanzug gekleidetem Herren ein wohlmeinendes Lächeln übers Gesicht gehuscht sei, weil er vermutete einem Gleichgesinnten begegnet zu sein, wohingegen der verwahrloste Obdachlose, der auf dem Asphalt kniend um ein Almosen bettelt, in ihm Verachtung erregt, da er das Humankapital in sich und damit den potentiellen Nutzen zum Wohl der Gesellschaft ungenutzt lässt.

Der Existentialist würde vermutlich, je nach intellektueller Prägung, ob nun unter sartrescher oder camusschem Einfluss stehend, ganz anderes im gleichen sehen. Vermutlich sähe er betretene Gesichter, umherirrende, einander fremdgewordene Gestalten, die sich im Konsum zu zerstreuen wünschen, die dem Gedanken an ein Nichts und das Absurde, an Verzweiflung, Angst und dem Ekel an sich entfliehen wollen. Verkappte Freiheiten auf einem nichtigen Spaziergang durchs Grau, erwürgte Möglichkeiten ihrer selbst, die in der Illusion leben, Glück sei käuflich, sähe und schilderte er vermutlich. Im Obdachlosen erblickte er vielleicht einen Freund und geistig Verbündeten, einen Einzelnen, der aus der Herde des normierten Individual-ismus hervorsticht, einen der dem Schmerz des Existierens tagtäglich, ganz wie unser Existentialist, ausgesetzt ist und ihm mit heroischem Bewusstsein die Stirn zu bieten versucht.

Der „normale Mann“ äußert wahrscheinlich, dass irgendwie alles wie immer war. Er sähe wohlmöglich jung und alt, Mann und Frau durch die Einkaufpassage gehen, die sich etwas Nettes oder auch Brauchbares für ihr hart erwirtschaftetes Geld gönnen, wobei er gegebenenfalls einwendet, dass man dies nicht über alle sagen könne, womit er auf die „Sozialschmarotzer“ hindeutet, die mit offener Hand vom Staat Geld empfangen, auch wenn sie es nicht bedürfen. Er bemerkt, dass alles teurer geworden ist, auch wenn in den Medien gesagt wird, dass dem nicht so sei. Im Supermarkt, an der Fleischtheke, berichtet er gegebenenfalls, dass im dort kurz der Gedanke an den Gammelfleischskandal ins Bewusstsein gerückt sei. Die Verkäuferin begegnet ihm vielleicht gereizt und etwas barsch, obwohl er seiner Meinung nach höflich war, aber die Stimmung der Leute ist, laut seiner Aussage, „generell nicht so gut“. Und das Vogelgezwitscher im Park erinnerte ihn an die Vogelgrippe, von deren Plage man aber in letzter Zeit wenig in den Medien liest und hört. Den bettelnden Obdachlosen sähe er vermutlich mit gemischten Gefühlen an, weil, einerseits soll der Nichtsnutz doch „schaffen gehen“, auf der anderen Seite wisse unser Protagonist persönlich aber selbst nicht, ob sein Arbeitsplatz noch lange sicher ist, so dass auch er ganz schnell Sozialhilfeempfänger werden oder auf der Straße landen könnte.

Zum Schluss wären da noch der Postmodernist und dessen Beschreibung des Spaziergangs. Dessen Schilderung des Gegebenen eröffnete vielleicht mit einer Metapher, in dem er sagte, er sei durch das im Beton pulsierende Herz eines sozialen Organismus spaziert, die Kaufpassage sei die Blutbahn in der er und die anderen Passanten als Erythrozyten, als Blutkörperchen dahin trieben und den zerfetzten Gesamtorganismus mit Leben versorgend. Er sähe das Ganze zuerst aus der Vogelperspektive und nähme dann, aus purer Freude am Experimentieren, und in Anbetracht der Boutiquen und Geschäfte den Standpunkt eines Neoliberalen ein, um dann an anderer Stelle in existenzialistische Termini umzuschwenken und der Wirklichkeit einen schwarzen Anstrich zu verleihen, bevor er, (da der Zeitpunkt des kleinen Versuches an einem schönen Sommertag stattfindet) in patristischer Huldigung des Daseins anhebt und die Lust am Leben propagiert. An anderem Ort betrachtet er das Geschehen wohlmöglich (den bereits bekannten Obdachlosen) aus sozialistischer Perspektive, woraufhin er in eine detaillierte Beschreibung, der ihm in Erinnerung gebliebenen Passanten mündet, deren Individualität und Singularität er ins rechte Licht zu rücken wünscht, um somit der bunten Mannigfalt des „Wirklichen“ ansatzweise Rechnung zu tragen.

So, rein hypothetisch natürlich, aber nicht minder unwahrscheinlich, könnte in etwa das Ergebnis des kleinen Versuchs aussehen. Und was wäre die theoretische Erkenntnis dieses kleinen Experiments? - Eine „Wirklichkeit“ und vier Sichtweisen auf diese „Wirklichkeit“, die alle vier nicht als Unwahrheit falsifiziert werden könnten, vier Entwürfe, vier Konstruktionen von ein und dem selben Referenten, „der Realität“. Oder ist der Referent, „die Wirklichkeit“ erst durch die Konstruktion erzeugt worden? Zuerst die Huhn und dann das Ei oder umgekehrt? - dies Frage nach den Anfängen des Wirklichkeitsverständnisses soll hier im Folgenden anhand zweier Erklärungsmodelle erläutert werden, in dem die Frage nach der Idee des Konstruktivismus bzw. der Idee der Konstruktivität von Welt bei Peter L. Berger (geb. 1929)/ Thomas Luckmann (geb.1927)[2] und dem französischen Philosophen Jean- Francois Lyotard (1924-1994) eruiert wird.

1.2 Wissenschaftliche Vorgehensweise

In diesem einleitend „literarischen“ und unwissenschaftlichen Stil, wird diese Arbeit natürlich nicht fortgeführt werden. Im Folgenden wird versucht die Idee des Konstruktivismus von B/L herauszuarbeiten. In einem ersten Schritt wird ihr mittler-weile zum sozialwissenschaftlichen Klassiker gewordenes und die Wissenssoziologie neu bestimmendes Buch „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ bezüglich dieser Frage bearbeiten. In einem zweiten Schritt wird dann hauptsächlich anhand zweier Werke des Philosophen Francois Lyotard, dessen Idee vom Weltentwurf untersuchen. Dabei handelt es sich um das kontrovers diskutierte Buch „Das Postmoderne Wissen“, welches als eine Gelegenheitsarbeit, im Auftrag des Universitätsrates der Regierung Quebec verfasst wurde. Diese sozialwissenschaftliche Untersuchung dient als „Bericht über das Wissen in höchstentwickelten Gesellschaften“[3] und ist „sehr stark wissenssoziologisch und epistemologische geprägt“[4], was auch den Anknüpfungspunkt zur Wissenssoziologie B/L verdeutlicht. Des Weiteren wird das Buch „Postmoderne für Kinder“ unter der zu ergründenden Frage nach der Idee des Konstruktivismus Verwendung finden, in welchem Lyotard aufgrund von intellektuellen Angriffen die Missverständnisse bezüglich der Debatte der Postmoderne und des Wissens zu klären versucht[5]. Zu guter Letzt wird eine Gegenüberstellung beider Ansätze versucht, bei der die Ähnlichkeiten und markanten Unterschiede diskutiert werden.

Hauptteil:

2. Die Idee des Konstruktivismus bei Berger/ Luckmann

„Student: Ich habe eigentlich nur eine Nachfrage. Es geht um Ihre Abneigung gegenüber dem Begriff Konstruktivismus. Können Sie Ihre Abneigung ein bisschen näher formulieren?

Th. Luckmann: Meine Abneigung gegen das Wort ist begrenzt. Sie sehen ja, ich verwende es auch heute noch. Wenn man mit Konstruktivismus meint, dass die Wirklichkeit nicht unmittelbar – also eigentlich eine triviale Angelegenheit -, sondern in Anschauungsweisen und Bewusstseinsleistungen erst, also synthetisch erfasst werden kann und dass diese Bewusstseinsleistungen sozialisiert sind, d. h. in Gesellschaft intersubjektiv stattfinden, dann bin ich einverstanden. Aber bezüglich des radikalen Konstruktivismus - wie ich schon sagte, ich habe ja fast nichts gelesen davon. Ich war aber bei diesem verfluchten Kongress (...) und mich hat der Graus gepackt. (...) Aber das sind Vorlieben – ich mag halt Tee lieber als Kakao“[6].

Diese Frage nach dem „sanften Gebrauch“ des Begriffs „Konstruktivismus“ bei B/L, von dem Th. Luckmann an andere Stelle äußert, dass ihm das Wort „Aufbau“[7], lieber gewesen wäre, gilt es im Folgenden zu erläutern.

2.1 Anthropologische Prämissen

„Der Mensch ist kränker, unsicherer, wechselnder,

unfestgestellter als irgendein Tier sonst, daran ist

kein Zweifel, - er ist das kranke Tier.“

F. Nietzsche: Genealogie der Moral. Bd. 5. S. 367

Als Fundament ihrer Theorie der Wissenssoziologie übernehmen B/L eine Synthese von aktuellen, anthropologischen Sichtweisen[8], nach denen, im Gegensatz zu anderen höheren Säugetieren, der Mensch „keine artspezifische Umwelt, keine Umgebung, deren Struktur ihm sein eigener Instinktapparat sicher“[9], besitzt. Der Mensch, dem es an einer artspezifischen Umwelt mangelt und dem durch Instinktreduzierung gezwungener Maßen eine breite Palette an Handlungsmöglichkeiten offeriert wird, zeichnet sich durch seine „exzentrische Positionalität“[10] und „Weltoffenheit“[11] aus. Dieses reflexive Selbst-Bewusstsein und die unbestimmte Offenheit des Menschen begründet nicht nur die Erziehungsfähig und – bedürftigkeit[12], sondern vor allem die anthropologische Notwendigkeit sich eine geordnete, sinnvolle Umwelt und Welt aufzubauen, um dadurch sein physisches Überleben zu sichern. Darüber hinaus liegt in dieser natürlichen Nichtfestgelegtheit des Menschen auch der Grund für die kulturelle Multiformität und „außerordentliche Flexibilität“[13], die durch die Ethnologie belegt ist, d.h. „Menschsein ist sozio-kulturell variabel“[14], was wiederum bedeutet, dass der Mensch mit der Weltoffenheit und Bildbarkeit des Instinktapparates als anthropologischen Konstante ausgestattet, sich, je nach sozio-kulturellem Ort und historischem Zeitpunkt seine eigene Natur konstruiert. Kurz gesagt: „der Mensch produziert sich selbst“[15], in Wechselwirkung mit seiner Umwelt und Welt.

2.1.1 Die phänomenologischen Voraussetzungen des Wirklichkeitsbezugs

„Wenn wir jedermanns Wirklichkeit beschreiben wollen, müssen wir uns mit jedermanns Interpretation seiner Wirklichkeit auseinandersetzen und dem Charakter der Gewissheit von jedermanns Wirklichkeit Rechnung tragen“[16]. Wie sieht die Jedermanns - Interpretation der Alltagswelt formal aus? Voraussetzung und Möglichkeitsbedingung der Weltinterpretation ist die Intentionalität des Bewusstseins. „Es hat immer etwas im Sinn und ist auf Objekte gerichtet.“[17] Diese Objekte können äußere Gegenstände als auch Elemente des psychischen Innenlebens sein, d.h. Bewusstsein ist immer Bewusstsein von etwas im Fluss der aufeinander folgenden Augenblicke, welche vom Individuum aber als stetes Hier und Jetzt der konkreten Alltagswelt erlebt wird. Die Wirklichkeit, die Objektwelt kann „als Qualität von Phänomene definiert werden, die ungeachtet unseres Wollens vorhanden sind – wir können sie verwünschen, aber nicht wegwünschen.“[18]

„Diese Wirklichkeit der Alltagswelt stellt sich (...) ferner als eine intersubjektive Welt dar (...)“[19], die jedermann mit anderen teilt. Ein jeder ist zwar zwangsläufig auch „Objekt“ in der Welt des Andere, aber diesen lebendigen Objekten, Mensch genannt, obliegt es durch ihre intentionales Bewusstsein und ihre Ausdrucksfähigkeit wechselseitig in Mitteilung über sich und eine gegenständliche Welt zu treten, sich auf eine Welt zu beziehen, „die für jedermann eine gemeinsame ist.“[20] Diese Wirklichkeit der Alltagswelt, ist, trotz verschiedener Auffassungsweisen und dem möglichen Eskapismus in „Enklaven“[21], die Wirklichkeit par exellence, die in ihrer „imperativischen Gegenwärtigkeit“[22] schwerlichst zu ignorieren ist.[23]

2.1.2 Die Bedeutung der Sprache für den Entwurf von Wirklichkeit

Dieser subjektive als auch intersubjektive Sinnbezug auf Wirklichkeit wird vornehmlich durch ein Medium realisiert, das der Sprache, „denn die allgemeine und gemeinsame Objektivationen der Alltagswelt behaupten sich im wesentlichen durch ihre Versprachlichung.“[24] Die Sprache dient als „Koordinatensystem (...) in der Gesellschaft und füllt sie mit sinnhaltigen Objekten“[25]. Sie, die Sprache – zuerst und zuletzt ein menschliches Konstrukt[26] - stiftet als soziale Übereinkunft den ordnenden Bedeutungsrahmen der Objektwelt und der vielfältigen Phänomene und macht diese begreifbar. Sie bietet die Möglichkeit und Fähigkeit subjektiven Intentionen Ausdruck zu verleihen, Sinn zu bestimmen, Bedeutung und Meinung zu vermitteln, um sich über einen Sachverhalt verständlich zu machen.

Und diese verweisende Verständigung erzeugt sie nicht nur für das konkrete Gegenüber in der Vis-a-vis Situation, sondern das offene Zeichensystem der Sprache als „Speicher angehäufter Erfahrung und Bedeutung“[27] vermag Sinngehalte vom konkreten Augenblicken abzulösen und diese für kommende Generationen bewahrend zu transzendieren.

Diese repräsentierende Speicherfunktion von Sprache bedingt auch das Anhäufen von Wissen über die Objektwelt im sogenannten „Wissensvorrat“[28]. Dieses kollektive Gedächtnis bewahrt in semantischen Feldern Sinngehalte und Typisierung für Wirklichkeitsauslegungen gesellschaftlicher und persönlicher Art auf. Darüber hinaus steht, da Zweckmäßigkeitsmotive die Alltagswelt leiten, „Rezeptwissen“[29], also Wissen „wie man etwas macht“ (Kompetenzvermittlung) um Routineverrichtungen auszuführen, im Wissensvorrat an hervorragender Stelle. Die Summe des Wissens in komplexen Gesellschaften, das enorme Ausmaße besitzt und an dem darum nicht jeder in gleichen Teilen partizipieren kann, macht zudem eine Distribution und Logistik des Wissens notwendig.

[...]


[1] Für dieses fiktive Experiment sei außer Acht gelassen, dass die vor der Ausführung des Versuchs gegebenen Anweisung möglicherweise beeinflussende Wirkung auf die Aufmerksamkeit der Probanden besitzt, in dem sie bewusster auf bestimmte Gegebenheiten achten, die ihnen ihm „alltäglichen Fluss“ unreflektiert entgangen wären: kurz gesagt, dass die Anweisung Einfluss auf den Versuch besitzt

[2] Im folgenden werde ich die Namen der beiden Verfasser aus Gründen der Platzersparnis mit B/L abkürzen

[3] Engelmann, Peter. In: Lyotard, J.- F: Das postmoderne Wissen. Edition Passagen 1979. S. 9.

[4] Lyotard, F.-J. Zitiert in: Reese-Schäfer, W.: Lyotard zur Einführung. Junius Verlag 1995. S. 122.

[5] Engelmann, Peter. In: Lyotard; J.-F.: Postmoderne für Kinder. Edition Passagen 1986. S. 9f.

[6] Luckmann, Thomas. In: Pawloswski, T./ Schmitz, W. (Hrsg.): 30 Jahre die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit, Shaker Verlag 2003. S. 50.

[7] Ebd. S. 33.

[8] Vgl.: Berger/Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Fischer -Verlag 1969. S. 18.

[9] Ebd. S. 49.

[10] Ebd. S. 52. Vgl. dazu: Plessner, Helmuth: Die Stufen des Organischen. Gruyter Verlag 1928. S. 289ff.

[11] Ebd. S. 50.

[12] Vgl. dazu auch: Hamann, Bruno: Pädagogischen Anthropologie. Klinkhardt Verlag 1993. S. 118 ff.

[13] Berger/Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Fischer -Verlag 1969. S. 51.

[14] Ebd. S. 51.

[15] Ebd.. S. 52.

[16] Ebd. S. 23.

[17] Ebd. S. 23.

[18] Ebd. S. 1.

[19] Ebd. S. 25.

[20] Ebd. S. 26.

[21] Ebd. S. 28. Enklaven sind sinnvolle Teilbereiche der Alltagswelt wie z.B. Träume, Lyrik, Philosophie, auch Religion und theoretische Wissenschaft im Allgemeinen.

[22] Ebd. S. 24.

[23] Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich dabei nicht um „eine ontologischen Wirklichkeit an sich“ handelt, sondern immer um „ein erklärte Wirklichkeit für uns“, die letztlich, wie B/L betonen, von Menschen gemacht wird, wobei der Weltbezug des „Jedermann“ vorrangig von pragmatischen und nicht von epistemologischen Motiven, geleitete wird. Die Frage nach dem absoluten Realitätsstatus von Wirklichkeit ist, so B/L, eine Frage die zu beantworten, wenn überhaupt möglich, als Aufgabe eines Fachmannes, eines Philosophen, angesehen werden kann.

[24] Ebd. S. 39.

[25] Ebd. S. 24.

[26] Vgl. dazu: Nietzsche, Friedrich: Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne. Bd. 1. Dtv-Verlag 1999. S. 875ff.

[27] Berger/Luckmann: Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit. Fischer -Verlag 1969. S. 39.

[28] Ebd. S. 43f.

[29] Ebd. S. 44.

Details

Seiten
40
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640633180
ISBN (Buch)
9783640633340
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151736
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau – Soziologie
Note
1,3
Schlagworte
Sozialkonstruktivismus Postmoderne Wissenssoziologie Macht Sozialisation Sprache Interpretation Phänomenologie die großen Erzählungen Anthropologie Weltsicht Lebenswelt Pragmatismus radikaler Konstruktivismus

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Titel: Wirklichkeit und Gesellschaft: Die Idee des Konstruktivismus bei Berger/Luckmann und J.-F. Lyotard