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Politischer Widerstand kommunistischer Frauen

Seminararbeit 2003 14 Seiten

Politik - Sonstige Themen

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Frauenwiderstand als Forschungsgebiet

3. Kommunistischer Frauenwiderstand
3.1. Liselotte Herrmann
3.2. Lina Haag
3.3. Lea Große

4. Schlußbemerkung

5. Literatur

1. Einleitung

Frauen gegen Hitler, Frauen jenseits von BDM-Mädel, Heldenmutter und Kriegerwitwe, Frauen im verborgenen, aber auch im offenen Widerstand gegen eine faschistische Diktatur, in der der Platz der Frau ideologisch vorbestimmt war, politisch aktive Frauen gar, die für ihre Überzeugungen ins Gefängnis, ins KZ, auf den Richtbock gehen mußten - die bundesdeutsche Geschichtsschreibung hat sie, ebenso wie die Täter innen gruppe, lange außer Acht gelassen..

Erst allmählich wird bewußt wahrgenommen, daß es sie gab: Arbeiterinnen, Angestellte, Hausfrauen, Bürgerliche, Christinnen, Jüdinnen, Sozialdemokratinnen, Kommunistinnen, die auf vielfältige Weise und aus unterschiedlichsten Motivationen heraus Widerstand leisteten, Flugblätter verteilten, Pässe fälschten, gar in den Reihen der Alliierten kämpften, Rüstungsprozesse sabotierten, Verfolgte versteckten, nicht wegschauten, wenn andere wegschauten.

Diese Arbeit will einen Blick werfen auf eine Gruppe Widerständiger, die in der bundesdeutschen Geschichtsschreibung gleich doppelt benachteiligt wurden: einerseits als Frauen, andererseits als überzeugte Kommunistinnen.

Exemplarisch soll in dieser Arbeit anhand von drei Frauenbiographien ein kleiner Ausschnitt des kommunistisch geprägten Widerstandes von Frauen im nationalsozialistischen Deutschland aufgezeigt werden. Es stellt sich die Frage, was ihre Renitenz von anderen unterschied, welcher Art ihr Widerstand war und welcher politische ‚Unterbau‘ ihm zugrunde lag. Wie weit waren sie politisiert und welche anderen, persönlichen Motive ließen sie aktiv werden?

2. Frauenwiderstand als Forschungsgebiet

Als Gerda Szepansky, Jahrgang 1925, Journalistin, Lehrerin, Schauspielerin und seit über zwei Jahrzehnten freie Autorin in Berlin, ihr erstmals 1983 bei Fischer in der Reihe Die Frau in der Gesellschaft erschienenes Buch „Frauen leisten Widerstand: 1933-1945“ schrieb, tat sie dies „zur Erinnerung an dieses Kapitel deutscher Geschichte und den Widerstand von Frauen, von dem bisher zu wenig die Rede war“[1], vor allem auch, weil sie „in den Geschichtsbüchern (...) immer nur die Geschichte der Männer vom 20. Juli '44“[2] vorfand.

Noch immer werden Frauen in der Geschichtsforschung vernachlässigt, wird Geschichte scheinbar nur von Männern gemacht. Mit dem Forschungsfeld ‚Widerstand gegen die nationalsozialistische Diktatur‘ sah es bis vor kurzem nicht viel anders aus: „Im "Lexikon des deutschen Widerstandes" von 1994 findet man folgerichtig zwar James von Moltke, nicht aber seine Frau Freya; gibt es einen Adolf Reichwein, seine Frau Rosemarie fehlt – von weniger Prominenten ganz zu schweigen“[3]. Das Lexikon[4] kennt auch keine Lea und keinen Friedrich Große; auch Lina und Fred Haag sind ihm völlig unbekannt, Liselotte Herrmann hingegen wird zwar kurz erwähnt[5], allerdings durchweg falsch-, d.h. nur mit einem ‚r‘, geschrieben. Das „Lexikon des Widerstandes 1933-1945“[6] beschreibt zumindest Lilo Herrmann etwas ausführlicher[7], kennt jedoch ebenfalls keine Lea sondern nur Fritz Große[8], desweiteren weder Lina noch Fred Haag. Auch hier fehlen selbst „Prominente“ wie Freya von Moltke und Rosemarie Reichwein, obwohl die Umschlaggestaltung mit je zwei widerständigen Frauen (Lilo Herrmann und Sophie Scholl) bzw. Männern (Otto Hampel und Claus Schenk Graf von Stauffenberg) Gleichberechtigung signalisiert. In der Ausgabe „Deutscher Widerstand 1933-1945“[9] der „Informationen zur politischen Bildung“ tauchen Frauen nur als Randpersonen (Ehefrau, Schwester), nicht jedoch als selbständig handelnde Akteure auf. In „Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945“[10] kommen immerhin zwei Frauen - Berta Carola Karg als eine Vertreterin des kommunistischen Widerstandes und Freya von Moltke für den Kreisauer Kreis - persönlich zu Wort und dürfen auf insgesamt etwas mehr als elf Seiten[11] aus ihrer Sicht Bericht erstatten. Darüber hinaus sucht man in den Beiträgen fast vergeblich nach Widerstandskämpferinnen. Lilo Herrmann z.B. findet man dort, ebenso wie Buch des Niederländers Ger van Roon „Widerstand im Dritten Reich“[12], nicht.

3. Kommunistischer Frauenwiderstand

Während in der Deutschen Demokratischen Republik der kommunistische antifaschistische Widerstand quasi die Basis des Geschichtsverständnisses und der eigenen staatlichen Legitimation (‚antifaschistisches Erbe‘) bildete, blendet ihn die im Antikommunismus des sogenannten Kalten Krieges herangewachsene bundesdeutsche Geschichtsschreibung, die nach 1990 nahezu unreflektiert für die geeinte Bundesrepublik übernommen wurde, größtenteils aus bzw. mißt ihm eine nur geringe Bedeutung bei. Beide Extrema, die sich in ebenso gegensätzlichen wie überzeugten Schriften niederschlugen, erschweren bis heute eine objektive Wahrnehmung des Themenfeldes[13].

Diese Arbeit will einen möglichst ideologiefreien Blick auf die Widerstandsaktivitätinnen von Kommunistinnen anhand der exemplarischen Biographien dreier Frauen werfen: Liselotte Herrmann, Lina Haag und Lea Große. Warum gerade diese drei? Wie so viele kommunistische Widerstandskämpfer wurden sie in der DDR zum Vorbild erhoben, in der BRD hingegen nahezu vergessen. Auch das geeinte Land hat Probleme mit der Erinnerung.

Lilo Herrmann war eine der ersten Frauen[14], die unter der Diktatur hingerichtet wurden. Lina Haag kämpfte nicht nur um ihr eigenes, sondern auch unter großem Risiko und dennoch erfolgreich um das ihres Mannes Alfred Haag, zudem gehört ihr 1947 veröffentlichter Lebensbericht „neben Eugen Kogons Der SS-Staat zu den ersten veröffentlichten Dokumenten über den deutschen Widerstand“[15]. Nach dem Krieg blieb sie in Süddeutschland, hielt immer wieder Lesungen ab, gab Interviews, engagierte sich noch 1999 politisch, als sie „einen Aufruf gegen die Unterschriftensammlung der CDU gegen ein neues Staatsbürgerschaftsrecht“[16] unterschrieb. Dennoch ist sie aus gesamtdeutschen Veröffentlichungen zum Thema nahezu verschwunden. Lea Große versuchte durch illegale Arbeit der Diktatur zu schaden und später über den Rundfunk besonders die Jugend in Deutschland anzusprechen und ihnr die Augen für die Wahrheit zu öffnen. Auch sie veröffentlichte ihre Erinnerungen in Form einer Autobiographie. In bundesdeutschen Veröffentlichungen sucht man nach ihr, oftmals auch nach ihrem Mann Friedrich, meist vergeblich.

[...]


[1] Gerda Szepansky: Frauen leisten Widerstand: 1933-1945; Frankfurt am Main 1983; Seite 5

[2] So Gerda Szepansky wörtlich während einer Lesung des besprochenen Buches im Rahmen einer Veranstaltung der Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin im Freizeitforum Berlin-Marzahn (03. März 2002).

[3] Vera Hölzel: Frauen im Widerstand - Einführung; im Internet unter: http://www.papesch.de/Widerstand/Frauen/intro.html (zuletzt am 18.02.2003)

[4] Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hg.): Lexikon des deutschen Widerstandes; Frankfurt am Main 1994

[5] Lilo wird lediglich als erste zum Tode verurteilte Frau erwähnt, erst in der Kurzbiographie erfährt man, daß sie Mitglied des KJVD war (ihre Mitgliedschaft in der KPD wird ‚vergessen‘), nicht jedoch, warum sie von der Universität verwiesen, später verhaftet und verurteilt wurde. Vgl. Wolfgang Benz, Walter H. Pehle (Hg.): Lexikon des deutschen Widerstandes; Frankfurt am Main 1994; S. 143, 357

[6] Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hg.): Lexikon des Widerstandes 1933-1945; München 1994

[7] in: Peter Steinbach, Johannes Tuchel (Hg.): Lexikon des Widerstandes 1933-1945; München 1994; S. 86

[8] in: ebenda; S. 72

[9] Bundeszentrale für politische Bildung (Hg.): Informationen zur politischen Bildung, Nr. 243: Deutscher Widerstand 1933-1945; Bonn 1994 (Neudruck 2000)

[10] Richard Löwenthal, Patrik von zur Mühlen: Widerstand und Verweigerung in Deutschland 1933 bis 1945; Bonn 1990

[11] Insgesamt faßt die Ausgabe mehr als 300 Seiten.

[12] Ger van Roon: Widerstand im Dritten Reich; München 1998

[13] vgl. auch: Klaus-Michael Mallmann: Kommunistischer Widerstand 1933-1945. Anmerkungen zu Forschungsstand und Forschungsdefiziten; in: Peter Steinbach/Johannes Tuchel (Hrsg.): Widerstand gegen den Nationalsozialismus; Bonn 1994; S. 113ff

[14] Lexika und Geschichtsbücher, auch der Gedenkstein auf dem Gelände der Hochschule in Stuttgart nennen sie die „erste von den Nazis (...) hingerichtete Widerstandskämpferin“, doch vor Lilo wurden bereits 15 Frauen hingerichtet, darunter „zwei Sekretärinnen wegen Landesverrats“. Vgl. Ditte Clemens: Schweigen über Lilo. Die Geschichte der Liselotte Herrmann; Ravensburg 1995; S. 140

[15] in: Vera Hölzel: Lina Haag; im Internet unter http://www.papesch.de/Widerstand/Frauen/Biografien/haag.html (zuletzt am 08.03.2003)

[16] in: ebenda

Details

Seiten
14
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638203623
ISBN (Buch)
9783638771344
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v15165
Institution / Hochschule
Freie Universität Berlin – Otto-Suhr-Institut f. Politikwissenschaft
Note
1,5
Schlagworte
Politischer Widerstand Frauen Proseminar Geschlechterbeziehungen Einfluß Diktatur

Autor

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Titel: Politischer Widerstand kommunistischer Frauen