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Der Liberalismus als Leitbild des frühen 19. Jahrhunderts

Seminararbeit 1998 17 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Geschichte des Liberalismus
1.1 Ursprünge und Anfänge
1.2 Vormärz

2. Wilhelm von Humboldt
2.1 Biographie
2.2 Der staatstheoretische Ansatz
2.2.1 Das Individuum
2.2.2 Das Individuum und der Staat

3. Der Liberalismus als Leitbild

4. Nachwort

Literaturverzeichnis

1. Geschichte des Liberalismus

1.1. Ursprünge und Anfänge

Die Ideen des Liberalismus entwickeln sich als Kritik an den Zuständen des Absolutismus und der fürstlichen Autokratie. Die Kritik gründet sich auf die Weltanschauung, die mit ihrer Entwicklung in der Renaissance, Reformation beginnt und ihren Höhepunkt in der Aufklärung erreicht. Es ist kaum denkbar und höchst unwahrscheinlich, daß der Liberalismus im 18. und 19. Jahrhundert in Europa ohne dem fürstlichen Absolutismus, der das Bild des 17. und 18. Jahrhunderts geprägt hat, entstanden wäre.[1]

Im Mittelalter hatte der einzelne nur im Kreise der engen Standesgliederung, d. h. der bäuerliche Nachbar, die Universität, der Klerus oder der Adel, persönliche Geltung und Freiheit. Das Denken war an Überlieferungen gebunden. In Anlehnung an Plato gab dieses Denken dem Allgemeinbegriff den Vorrang vor einzelnen Gegenständen der Erfahrungswelt. Der Nominalismus überwand diesen Begriffsrealismus. Die wirkliche, gegenständliche Welt rückt wieder in das Bewußtsein des Menschen; der Mensch erkennt die Möglichkeit, in dieser Welt zu wirken. Er wird sich seiner Persönlichkeit bewußt unter anderem durch die Freiheit des Glaubens und des Intellekts, aber vor allem durch das Streben nach phantasievollem Gestalten und persönlichem Stil auf jedem Gebiet der Kunst.[2]

In der Politik vollzieht sich ein genau entgegengesetzter Vorgang. Mit dem Untergang des Begriffsrealismus verliert das heilige Römische Reich Deutscher Nation die theoretische Grundlage. Es bilden sich Territorialstaaten, die teilweise zu Nationalstaaten, meistenteils aber zu Monarchien werden. Der mittelalterliche Ständestaat wird zugunsten einer Zentralisation der Macht überwunden. Während der Ständestaat auf dem Boden der Naturalwirtschaft existierte, wird der Beamten- und Militärstaat von der Entwicklung der Geldwirtschaft abhängig. Es entwickelt sich als Folge die Exportindustrie; fremde Schiffe werden zusätzlich besteuert oder von den eigenen Häfen ausgeschlossen, die Ausfuhr von wichtigen Rohstoffen wird verboten. Die Konsequenzen betreffen auch die ehemaligen bürgerlichen Selbstverwaltungen, die zu Steueraufbringungsverbänden degradiert werden. Die Ära des Absolutismus bewirkt, daß das handwerkliche Gewerbe verkümmert, die Bauern verelenden, während die Stärke des Landadels steigt.[3]

Allgemein wächst nun das Bedürfnis nach Veränderung. Das Gedankengut und die Ziele liefert die Aufklärung. Dabei soll bemerkt werden, daß die Gedanken und Ideen, die für die Entwicklung der Zielsetzung liberaler Bewegungen entscheidend werden, aus England stammen, in dem der Absolutismus keinerlei Chancen hatte, sich durchzusetzen. John Locke verdanken wir nämlich das politische Programm der Aufklärung. Seine Philosophie wurde auf dem Kontinent durch die „Philosophischen Briefe“ Voltaire`s verbreitet. Daher erhielt auch die französische Revolution ihr politisches Programm. Montesquieu entwickelte John Locke`s Lehre weiter. Die Schriften der großen Philosophen, John Locke`s und Montesquieu`s, haben entscheidenden Einfluß auf das Denken der Zeitgenossen ausgeübt.[4]

Die totale, absolute Staatsform war also im Entstehungsstadium des politischen Liberalismus bereits überwunden und durch einen aufgeklärten Absolutismus abgelöst worden, der jedoch nicht weniger autoritäre, autokratische und absolute Züge trug, wie der Staat des Hochabsolutismus.[5] Die Aufklärung war keineswegs revolutionär. Um so inniger bemühte sie sich um den Freiheitsgedanken als pädagogische Aufgabe. Hier setzen liberale Denker wie Humboldt, Kant, Goethe und Schiller an. Sie bemühen sich um das Verständnis für die Freiheit als Ziel einer echten Entwicklung. Ihre liberale Grundüberzeugung besteht darin, daß Freiheit durch Recht gesichert werden kann.[6]

1.2 Vormärz

Die deutsche Geschichte der 33 Jahre von 1815 bis 1848, des sogenannten Vormärz, die Ära zwischen der Niederlage Napoleons 1815 und dem Ausbruch der europäischen Revolution, war eine Zeit des Übergangs, in der die Interaktion zwischen Alt und Neu besonders intensiv war. In der Politik erreichte der Absolutismus seinen Höhepunkt, während gleichzeitig in die Epoche des Vormärz der Beginn der politischen Partizipation fiel. Demzufolge entstanden Konflikte zwischen Monarchie und Ständestaat, Tradition und Moderne (traditioneller und moderner Einstellungen).[7]

Der Liberalismus in der Gesellschaft des Vormärz läßt sich schwer bestimmen. Die Isolierung einer repräsentativen Gruppe von Menschen ist aufgrund des Fehlens nationaler Institutionen unmöglich. Gewohnheit und Gesetz verboten innerhalb dieser Institutionen die Darstellung und somit die schriftliche Erfassung politischer Zugehörigkeiten. In den meisten Mittelstaaten verhinderten Vorschriften die Bildung parlamentarischer Fraktionen dadurch, daß sich Gleichgesinnte nicht zu Gruppen zusammensetzen durften.[8]

Einen besonders guten Nährboden liberalen Gedankenguts stellten jedoch die deutschen Universitäten und Hochschulen dar. Unter freiheitlich gesonnenen Professoren vereinigten sich die selben Studenten, die zuvor im Befreiungskrieg als Kriegsfreiwillige für die Ideale „Freiheit“ und „Vaterland“ gekämpft hatten, zu einer neuen studentischen Vereinigung, der „Deutschen Burschenschaft“. Die Studentenkundgebungen von 1817 und 1818 bildeten den Auftakt der deutschen Oppositionsbewegung gegen Unterdrückung von Einheit und Freiheit durch die deutschen Fürsten und den „Deutschen Bund“, der nach dem Ende des Befreiungskrieges gegen Napoleon begründet wurde, da es 1815 auf dem Wiener Kongreß nicht zur Restauration des alten deutschen Reiches kam. Die Burschenschaft breitete sich an allen deutschen Universitäten aus und diese Bewegung erhielt ihren ersten organisatorischen und ideologischen Zentralpunkt. Die „Grundgesetze und Beschlüsse der Deutschen Burschenschaft“ von 1818, verfaßt von Heinrich Ludens Assitenz, kann getrost als eine Art erstes „Parteiprogramm“ des deutschen Liberalismus angesehen werden.[9]

[...]


[1] Vgl. Henning, Friedrich: Frühgeschichte des deutschen Liberalismus, in: Geschichte des deutschen Liberalismus, Hrsg.: Wolfram Dorn, Harald Hofmann, liberal-Verlag: Bonn 1976, S. 25

[2] Vgl. Reif, Hans: Die geistigen Grundlagen, in: Geschichte des deutschen Liberalismus, Hrsg.: Wolfram Dorn, Harald Hofmann, liberal-Verlag: Bonn 1976, S.11

[3] Vgl. Reif, Hans: a.a.O., S. 12

[4] Vgl. ebenda, S. 13f

[5] Vgl. Henning, Friedrich: a.a.O., S. 25

[6] Vgl. Reif, Hans: a.a.O., S. 19

[7] Vgl. Sheehan, James J.: Liberalismus und Gesellschaft, in Deutschland 1815-1848, in: Liberalismus, Hrsg.: Lothar Gall, Athenäum Verlag GmbH: Königstein / Ts. 1985, S. 208

[8] Vgl. ebenda, S. 209

[9] Vgl. Henning, Friedrich: a.a.O., S. 34f

Details

Seiten
17
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783638109437
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v1516
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main – Fachbereich Sozialpädagogik
Note
1,7
Schlagworte
Liberalismus Leitbild Jahrhunderts Grundlagenseminar Staatskurs

Autor

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Titel: Der Liberalismus als Leitbild des frühen 19. Jahrhunderts