Lade Inhalt...

Der Zypern-Konflikt: Ursachen, Verlauf, Perspektiven

von Stefan Erminger (Autor)

Projektarbeit 1998 26 Seiten

Soziologie - Krieg und Frieden, Militär

Leseprobe

Inhalt

1 Problemstellung

2 Zypern. Geographie und historische Entwicklung
2.1 Land und Bevölkerung
2.2 Historische Entwicklung bis zum Ausbruch des Konflikts

3 Der Verlauf des Zypern-Konflikts
3.1 Der zypriotische Kampf um die Entkolonialisierung und den Anschluss an Griechenland (1955-1959)
3.2 Die Verfassung der „Republik Zypern“ von
3.3 Der Konfliktausbruch 1963 und die Krise von
3.4 Die faktische Teilung Zyperns
3.5 Entwicklung seit der türkischen Invasion
3.6 Zusammenfassung der Ursachen und der Positionen der Konfliktparteien

4 Auswirkungen des Konfliktes auf internationale Organisationen

5 Perspektiven

Literatur

1 Problemstellung

Der Mit 1963 andauernde Zypern-Konflikt hat durch die jüngsten Ereignisse wieder an Aktualität gewonnen.[1] Zypern ist seit der türkischen Invasion 1974 und der nachfolgenden Besetzung faktisch in einen türkisch-zypriotischen Norden und einen griechisch-zypriotischen Süden geteilt. International anerkannt ist lediglich die auf der Grundlage der Verfassung von i960 bestehende Republik Zypern, doch der Nordteil hat eine eigene Republik proklamiert. Auf Zypern läuft seit 1964 der mittlerweile längste UN-Einsatz. Der Sicherheitsrat hat seitdem die 85. Zypern-Resolution verabschiedet.

Die vorliegende Arbeit versucht, den Zypern-Konflikt und seine Aussichten auf eine Beilegung zu analysieren, die Probleme aufzuzeigen, die ursprünglich diesen Konflikt bestimmten, dabei die scheinbar unüberbrückbaren Positionen der Konfliktparteien darzulegen und Lösungsmöglichkeilen zu bewerten. Dazu erscheint es sinnvoll, eine kurze Darstellung der Geographie Zyperns und seiner historischen Entwicklung vor Ausbruch des Konflikts an den Anfang zu stellen. Auf dieser Grundlage werden der Verlauf des Konflikts bis heute dargelegt und die wesentlichen Ursachen sowie die Positionen der Konfliktparteien herausgearbeitet. Daran anschließend werden Auswirkungen des Konflikts auf internationale Organisationen dargelegt, um die Notwendigkeit seiner Lösung zu unterstreichen. Die Arbeit schließt mit der Bewertung der wesentlichen Lösungsmodelle zur Beile­gung des Konflikts und zeigt Perspektiven auf.

Der Konflikt auf der im östlichen Mittelmeer gelegenen Insel Zypern ist sinnvollerweise in den Kontext der griechisch-türkischen Beziehungen zu stellen. Dieser ist neben dem Zypern-Konflikt maßgeblich durch die Auseinandersetzung um die ostägäischen Inseln und die Minderheiten-problematik in den jeweiligen Ländern bestimmt.

Die überwiegend wohlhabende griechische Minderheit in Istanbul hat wegen der Ausschreitungen gegen sie seit den fünfziger Jahren die Stadt fast völlig verlassen. Umgekehrt betrachtet die griechische Regierung die türkische Minderheit in Griechenland lediglich als eine moslemische Volksgruppe, während Ankara sich als deren Anwalt versteht.[2] Beides verursacht Spannungspotential.

Der Konflikt um die ostägäischen Inseln wurde durch griechische Erdölfunde vor der Insel Thasos im Jahr 1973 ausgelöst.[3] Die Inseln unterstehen, mit Ausnahme von Imbros und Tenedos, die wegen ihrer sicherheitsrelevanten Lage unmittelbar vor dem Ausgang der Dardanellen der Türkei zu­gesprochen wurden, seit dem Vertrag von Lausanne 1923 der Souveränität Griechenlands. Türkische Ansprüche sind daher juristisch nicht zu rechtfertigen. Ankara argumentiert deshalb geographisch[4] und behauptet, „dass der ägäische Schelfrand eine Fortsetzung Anatoliens in die Ägäis sei, der bis in deren Mille reiche" und versteht darunter ca. 3000 griechische Inseln als „territoriale 'Enklaven' in einem türkischen Schelfgebiet"[5]. Die griechische Regierung vertritt hingegen die Position, dass die betreffenden Inseln über einen eigenen Festlandsockel verfügen und somit „die Ausbeulung des Meeresbodens in der Ägäis fast gänzlich der griechischen Souveränität unterliegt"[6]. Neben den unterschiedlichen Auffassungen bezüglich des Festlandsockels bezieht sich die Kontroverse auch auf die Ausweitung des griechischen Hoheitsgewässers von sechs auf zwölf Seemeilen um die ägäischen Inseln und damit um deren militärischen Status sowie auf die Hoheitszonen und die Kontrollrechte im Luftraum über der Ägäis.[7]

2 Zypern. Geographie und historische Entwicklung

2.1 Land und Bevölkerung

Die 9.250 km2 große Insel Zypern liegt im östlichen Mittelmeer, im Norden 65 km vom türkischen und im Osten 156 km vom syrischen Festland entfernt. Im Süden trennen sie 375 km von Port Said und im Westen 550 km von Kreta. Die Insel erstreckt sich in SSW-NNO-Richtung mit einer maximalen Länge von 225 km und in NS-Richtung mit einer maximalen Breite von 97 km.

Entlang der Nordküste verläuft die Gebirgskette Pentadaktilos, der eine schmale Küstenebene vorgelagert ist. Ihren höchsten Punkt erreicht sie bei 1.024 m. Die Mitte Zyperns durchzieht von der West- bis zur Ostküste die fruchtbare Ebene Mesaoria. Den Kern des Südwestens der Insel bildet das Troodos-Massiv. Die Vorgebirgszone geht in das zunächst hügelige, dann ebene Küstenhinterland der Süd- und Westküste über.

Laut der Verfassung von 1960 ist ganz Zypern eine souveräne Republik mit Präsidialsystem. Seit der türkischen Invasion 1974 und der Besetzung Nordzyperns ist die Insel allerdings entlang der sogenannten „green line" geteilt, die von West nach Ost südlich der Stadt Lefka, durch die geteilte Hauptstadt Nikosia und südlich der Städte Louroujina und Famagusta verläuft, so dass die Verfassung ihre Gültigkeit faktisch nur noch für den Süden besitzt.

Die Republik Zypern ist international anerkannt und Mitglied der UNO, einigen UNO-Sonderorganisationen, des Commonwealth, des Europarates, assoziiertes Mitglied der Europäischen Union sowie Mitglied der WTO und der OECD. Die „Türkische Republik Nordzypern", die mit 3.355 km2 etwa 37% der Inselfläche umfasst, ist hingegen nur von der Türkei anerkannt.[8]

Die Insel hat 736.500 Einwohner, von denen 78% griechische, 18% türkische Zyprioten und 4% Angehörige anderer Nationalisten sind. Von den 602.500 Bewohnern des Südens sind nur 0,3% türkisch, und 2.1% der 134 000 Bewohner des Nordens griechisch[9] Die türkischen Zyprioten sind gegenüber den Türken, die vom Festland stammen (Festlandstürken) auf Grund von Emigration einerseits und Besiedlung sowie Stationierung türkischer Soldaten andererseits nach 1974 in die Minderheit geraten. Der Alltag sowie das Öffentliche Leben Nordzyperns sind dennoch weitaus weniger vom Islam geprägt als in der Türkei. „Re-Islamisierungstendenzen wie in der Türkei sind in Nordzypern nicht vorhanden.“[10]

Die griechisch zypriotische Nationalgarde umfasst 10.000 Soldaten. Darunter befinden sich 1.300 griechische Offiziere. Sie besitzt eine Aufwuchsfähigkeit von ca. 100.000 Mann. Zudem sind zwei griechische Infanterie-Bataillone mit etwa 2.000 Mann im Süden stationiert. Auf dem Territorium der Republik Zypern befinden sich ferner zwei souveräne Militärbasen. Großbritanniens mit insgesamt 3.900 Soldaten, und zwar um die Stadt Akrotiri im Süden und um Dhekelia im Westen der Insel. Der Norden weist neben den 35.000 türkischen Soldaten weitere 4.500 türkisch-zypriotische Soldaten auf.

Die United Nations Peacekeeping Force in Cyprus (UNFICYP), die seit I984 entlang der „green line" eingesetzt ist, wurde 1993 auf eine Stärke von 1.138 Mann etwa halbiert.[11]

Wirtschaftlich ist der Süden mit einem vierfachen Bruttosozialprodukt pro Kopf weitaus stärker als der Norden Zyperns. Obwohl der Südteil nach der faktischen Teilung 1974 den überwiegenden Teil der landwirtschaftlich wertvollen Mesaoria-Ebene, den Großteil der Industrieanlagen sowie etwa 65% der Hotelkapazitäten an die türkischen Zyprioten verloren hat und zudem 200.000 Flüchtlinge aus dem Norden integrieren musste, ist es ihm gelungen, eine prosperierende Wirtschaft aufzubauen. Die stark landwirtschaftlich geprägte „Türkische Republik Nordzypern" ist hingegen allein wirtschaftlich nicht lebensfähig. Für fast alle Bereiche sind direkte oder indirekte Subventionen notwendig, die zu großen Teilen aus türkischen Transferleistungen bestehen

[...]


[1] Vgl. Vryonis Center Homepage: Cyprus: Cronology of Event«: 1996, Rancho Cordova 1996 und Wahl, Jürgen: Lange kann auch Bonn nicht mehr abseits stehen, In: Rheinischer Merkur, Jahrg. 51, Nr.34, S.S. 23, August 1996.

[2] Vgl. Axt, Hans-Jürgen: Konflikt im östlichen Mittelmeer / Die Türkei, Griechenland und Zypern, in: Internationale Politik, Jg. 51, Heft 2, Februar 1996, S. 34.

[3] Vgl. Amt für Militärisches Geowesen (Hrsg.): Landeskundliche Kurzübersichten, Heft 19: Griechenland-Türkei, Euskirchen 1986, S. 29.

[4] Meinardus, Roland: Die griechisch-türkischen Beziehungen in den achtziger Jahren / Für eine echte Friedenslösung besteht immer noch geringe Hoffnung, in: Beiträge zur Konfliktforschung, Jg. 18, Heft 2, 1988, S. 92.

[5] Amt für Militärisches Geowesen, a.a.O., S. 30.

[6] Axt, a.a.O., S. 33.

[7] Vgl. Meinardus, a.a.O., S. 83 ff.

[8] Vgl. Munzinger-Archiv (Hrsg.), Munzinger Landesdatenbank 111/96 Zypern, Ravensburg 1996.

[9] Vgl. Central Intelligence Agency (Hrsg.): The World Factbook 1995, Washington D.C., S. 110 ff.

[10] Munzinger-Archiv, a.a.O.

[11] Vgl. ebd.

Details

Seiten
26
Jahr
1998
ISBN (eBook)
9783640633463
ISBN (Buch)
9783640633456
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151508
Note
Schlagworte
Zypern Griechenland Türkei EU Konflikt UN Zypern-Konflikt

Autor

  • Stefan Erminger (Autor)

Teilen

Zurück

Titel: Der Zypern-Konflikt: Ursachen, Verlauf, Perspektiven