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Same Species – different Rank? John Locke und der „Neger“

Hausarbeit 2010 29 Seiten

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Das Bild des „Negers“ in Europa

3 „Neger“ und Mensch in Lockes philosophischen Schriften
3.1 Der „Neger“ im Essay Concerning Human Understanding
3.2 Die Two Treatises: Von der Gleichheit des Menschen – im Naturzustand

4 Locke und die Sklaverei
4.1 Sklaverei in den Two Treatises
4.2 Locke, Sklavenhandel und Carolina – von der Theorie in die Praxis
4.3 Locke und die Legitimation der Sklaverei in den Amerikas

5 Rassismus bei Locke?
5.1 Rassismus und seine Begründungszusammenhänge
5.2 Rassismus bei Locke

6 Synthese und Schluss: Locke und der „Neger“

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der politischen Philosophie ist Locke vorwiegend als Vertragstheoretiker bekannt, dessen Werk die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Vereinigten Staaten, sowie die Verfassung des revolutionären Frankreichs und somit die meisten Verfassungen liberaler Staaten maßgeblich beeinflusste. In seinem politisch-theoretischen[1] Hauptwerk, den Two Treatises of Government, kommt ihm das Verdienst zu, den zu seiner Zeit etablierten Absolutismus kritisiert und die Grundlagen für eine weltlich legitimierte freiheitliche Verfassung eines Gemeinwesens entwickelt zu haben (Schmidt, S. 51). In der Retrospektive sind es demnach diese Aspekte seines Werkes, oftmals in Verbindung gesetzt mit Lockes persönlicher und politischer Nähe zu dem Ersten Earl von Shaftesbury und der Partei der Whigs (Laslett, S. 25-37), mit denen seine Philosophie, aber auch seine Person identifiziert wird. Somit erscheint die Frage nach John Lockes Verhältnis zum Menschen mit schwarzer Hautfarbe, oder „Neger“ wie Locke ihn nannte, auf den ersten Blick als lediglich von akademischem Interesse, nicht zuletzt, da Locke ihn in seinen Werken kaum erwähnte: in den Two Treatises of Government wird der Schwarze nicht explizit und im Essay Concerning Human Understanding, Lockes erkenntnistheoretischen Hauptwerk, nur an einer Stelle als Beispiel angeführt. Dennoch ist die Frage nach Lockes Verhältnis zum „Neger“ für das Verständnis seiner politischen Philosophie von großer Wichtigkeit, denn sie verändert die Interpretation von Lockes Schriften stellenweise erheblich.

Locke, der selbe „frühliberale Denker“, der Leben, Freiheit und Besitz als die natürlichen Rechte des Menschen („Man“) postulierte (Schmidt, S. 51), war ein Befürworter der Sklaverei mit schwarzen Sklaven in den britischen Kolonien Amerikas und verdiente darüber hinaus selbst am Handel mit ihnen. Man mag einwenden, dass zwischen dem Mann Locke und seinem Werk unterschieden werden muss, was sicherlich weithin Gültigkeit hat. Allerdings fördert die Einbettung des Werkes in seinen kulturellen und historischen Zusammenhang – und dazu gehört nicht nur die politische Situation in England und Lockes Beziehung zu den politischen Akteuren, sondern auch seine Beziehung zu den Kolonien Amerikas und sein Verhältnis zu den schwarzen Sklaven – eine authentischere und der Intention des Autors möglicherweise gerechter werdende Interpretation.

Das Anliegen dieser Arbeit, Lockes Sicht vom „Neger“ zu beleuchten, hat damit zwei zusammenwirkende Zielsetzungen: zum einen soll durch die Beschäftigung mit dieser Frage Lockes politische Philosophie hinterfragt und zum anderen herausgefunden werden, ob seine politisch-ökonomischen Tätigkeiten mit den Inhalten der Schriften, insbesondere den Two Treatises, in Einklang gebracht werden können. Da sie die Einstellung Lockes dem Schwarzen gegenüber in besonderer Weise bestimmt, besitzt Lockes Verhältnis zur Sklaverei einen großen Stellenwert und soll somit entsprechend umfangreich untersucht werden.

Um Lockes Verhältnis zum „Neger“ besser zu verstehen und es in einen allgemeinen historischen Kontext der Einstellung von Europäern zu Schwarzen einordnen zu können, wird zunächst das gängige Bild vom Schwarzen im Europa des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit erläutert. Anschließend werden Lockes Ausführungen über den „Neger“ in seinem Essay Concerning Human Understanding beleuchtet, um dann in den Two Treatises Hinweise auf seine Einstellung zum Schwarzen zu suchen. In den beiden darauf folgenden Abschnitten wird zunächst Lockes Verhältnis zur Sklaverei untersucht und dann auf die Frage eingegangen, ob Lockes Schriften – wie von mehreren Autoren vertreten – im heutigen Sinne rassistische Inhalte transportieren, da dies eine weitere Perspektive für die Interpretation von Lockes Werk und die Harmonisierung von Lockes Philosophie und politisch-ökonomischer Praxis eröffnet. Abschließend werden die Ergebnisse dieser Untersuchungen zusammengeführt.

2 Das Bild des „Negers“ in Europa

Bis vor der Mitte des 15. Jahrhunderts hatten die Europäern wenig oder gar keinen Kontakt mit Afrikanern aus den Ländern südlich der Sahara, sie wussten jedoch um die Existenz dieser „exotischen Völker“. Obwohl auf symbolischer Ebene die Farbe Schwarz eher mit negativen Konnotationen verbunden war, wurden Menschen mit dunkler Hautfarbe im Mittelalter nicht durchgängig als schlecht oder minderwertig betrachtet. Die schwarzen Afrikaner traten in künstlerischen und literarischen Darstellungen zwar manchmal als Ungeheuer und Schreckensbilder auf, aber auch als Heilige und Heroen. Im Spätmittelalter, der Zeit zwischen den letzten Kreuzzügen und den ersten Kontakten der Portugiesen mit Westafrika, kam sogar eine gewisse „Negrophilie“ auf: Unter anderem wurden, unter Berufung auf die Apostelgeschichte, in der von einem äthiopischen Kämmerer als ersten Nicht-Juden, der sich zum Christentum bekehrt, berichtet wird (Apg. 8, 26-39), schwarze Konvertiten als lebende Beweise für die Universalität des christlichen Glaubens angesehen. Auch der Mythos vom äthiopischen Priester Johannes, der den Christen im Kampf gegen den Islam beistehen sollte oder die immer häufiger werdende Darstellung des dritten „Weisen aus dem Morgenland“ als Schwarzer zeigen, dass Menschen mit dunkler Hautfarbe zu dieser Zeit durchaus auch positiv dargestellt wurden. Die Negrophilie des Spätmittelalters erstreckte sich jedoch nicht über ganz Europa. Auf der Iberischen Halbinsel wurde Schwarzsein wahrscheinlich bereits im 14. und frühen 15. Jahrhundert mit lebenslanger Versklavung assoziiert, da die im Süden ansässigen Mauren hauptsächlich Sklaven aus Schwarzafrika besaßen. Außerhalb Europas hielten Araber und Mauren zwar sowohl schwarze, als auch weiße Sklaven, den Schwarzafrikanern wurden jedoch im Allgemeinen die niedrigsten und entwürdigendsten Arbeiten zugewiesen. Sie wurden als Nachfahren Hams[2] betrachtet, die verflucht und zu ewiger Knechtschaft verurteilt waren – eine Argumentation, die später auch von christlichen Verteidigern der Sklaverei angewandt wurde (Fredrickson, S. 30-34).

Nachdem die Verbindung nach Westafrika auf dem Seeweg einmal bestand, war der Erwerb von afrikanischen Sklaven für die Europäer ein Leichtes. Die Wirtschaft im vorkolonialen Afrika basierte in einem wesentlichen Umfang auf der Sklaverei; das Prinzip, dass Menschen als Produktionsmittel das Eigentum anderer Menschen sein können, hatte schon vor der Ankunft der Europäer Gültigkeit. Somit mussten die europäischen Sklavenhändler die Sklaven zumeist nicht einmal selbst einfangen, da afrikanische Herrscher und Sklavenhändler ihnen diese Arbeit zu ihrem eigenen wirtschaftlichen Vorteil abnahmen. In Europa hatte sich zu dieser Zeit die Auffassung durchgesetzt, dass Christen nicht versklavt werden sollten, wogegen die Versklavung von Heiden als legitim angesehen wurde. Da sie noch dazu „zum Verkauf standen“ war der Kauf und Transport von afrikanischen Sklaven – erst nach Europa und ab 1510 in die amerikanischen Kolonien – sowohl religiös als auch rechtlich leicht zu rechtfertigen. Die schwarze Hautfarbe diente dabei zum einen als Unterscheidungsmerkmal und zum anderen als ein Beleg für ein radikales Anders-Sein, das die unmenschliche Behandlung der schwarzen Sklaven psychologisch erleichterte und möglicherweise auch rechtfertigte (ebd., S. 35).

Noch im 16. und 17. Jahrhundert wurde die Versklavung von schwarzen Heiden als legitim angesehen, jedoch konnte diese religiöse Differenz nicht rechtfertigen, dass schwarze Menschen Sklaven blieben, nachdem sie getauft worden waren. Eine Konsequenz dieser Denkweise war, dass die Sklaven in den niederländischen und englischen Kolonien relativ wenig missioniert wurden, denn „ihre Herren befürchteten, aus der Taufe könnte sich ein Anspruch auf Freiheit ableiten“ (ebd., S. 47). In diesem Zusammenhang diente der bereits von den Mauren bemühte „Fluch Hams“ nicht nur als Rechtfertigung für die Versklavung von schwarzen Heiden, sondern auch dafür, schwarze Christen trotz ihrer Taufe weiterhin als Sklaven zu halten: Der Hinweis auf heidnische Vorfahren, also eine angeborenen Differenz, diente den Befürwortern der Sklaverei als willkommenes Argument gegen eine vereinheitlichende Wirkung der Taufe (ebd., S. 48-51).

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit bildete sich in Europa somit die Überzeugung von der Überlegenheit der weißen Rasse, insbesondere im Bezug auf den Schwarzen, heraus. Da die Europäer dieser Zeit eher in religiösen als in naturalistischen oder wissenschaftlichen Kategorien dachten, wurde es Gottes Willen zugeschrieben, dass manche Völker oder Ethnien zur Sklaverei verdammt waren. Diese Denkweise stand jedoch im Widerspruch zum Hauptanliegen des Christentums, der Erlösung der ganzen Menschheit. Diese religiös informierte Ideologie der Überlegenheit des weißen über den schwarzen Menschen ist als eine Form des neuzeitlichen Rassismus[3] zu bezeichnen. Dieser wurde jedoch erst zu einer Gesellschaftsform institutionalisiert, als sich die Ideologie der Überlegenheit des Weißen über den Schwarzen sowohl von den christlichen Kategorien, als auch von traditionellen Konzeptionen sozialer Hierarchie abgekoppelte:

In einer Gesellschaft, in der für jeden, vom König bis zum Bauern, die durch Geburt vorgegebene Ungleichheit die Norm war, war die ethnisch begründete Sklaverei Ausprägung eines allgemeinen Strukturmusters, aber noch keine radikale Abweichung vom hierarchischen Prinzip. [...] Erst musste die Hierarchie als soziales und politisches Ordnungsprinzip abgelöst und durch das Streben nach Gleichheit in dieser Welt [Herv. i. O.], nicht nur vor Gott, ersetzt werden, ehe sich der Rassismus als eigenständige Ideologie voll entfalten konnte.

Ebd. S. 52

Die postulierte Gleichheit der Menschen machte es (insbesondere ab dem 18. Jahrhundert, aber wie wir sehen werden teilweise auch schon früher) zunehmend zu einer Notwendigkeit zu erklären, warum Menschen zur ökonomischen Ware gemacht werden durften, wozu die „Untermenschlichkeit“ der Schwarzen die gängige Erklärung wurde.[4] Gleichzeitig hatte jedoch die herrschende Praxis der Versklavung von Schwarzen und damit ihre faktischen Degradierung zu Arbeitstieren einen erheblichen Anteil daran, dass Schwarze als minderwertige Menschen betrachtet wurden (Geulen, S. 43f). Bereits in Lockes Verhältnis zu den Schwarzen lassen sich diese beiden Aspekte erkennen; wie zu sehen sein wird, spielt jedoch auch bei ihm noch das hierarchische Denken, in welchem dem (schwarzen) Sklaven sein Platz am unteren Ende des politischen und sozialen Systems zugewiesen wird, eine wichtige Rolle.

3 „Neger“ und Mensch in Lockes philosophischen Schriften

Liest man Lockes philosophisches Werk ohne kontextualisierendes Hinterfragen, wird man sein Bild vom „Neger“ als ein eher neutral bis positives bewerten. Die wenigen Passagen, in denen Locke explizit von Schwarzen schrieb, mögen zwar zunächst missverständlich sein, sind bei genauerem Hinsehen allerdings nicht negativ, wie eine Betrachtung der betreffenden Abschnitte in Lockes Essay Concerning Human Understanding zeigen wird. Da Locke den Schwarzen in seinem Essay eindeutig als Menschen identifizierte, er ihm also theoretisch die gleichen natürlichen Rechte wie dem Weißen einräumen hätte müssen, aber trotzdem die Sklaverei verteidigte, wird darauffolgend die 2. Treatise of Government nach Hinweisen zur Auflösung dieses Widerspruchs untersucht.

3.1 Der „Neger“ im Essay Concerning Human Understanding

Locke erwähnte den „Neger“ in seinen philosophischen Werken kaum. Eines der wenigen Beispiele stammt aus seinem Essay Concerning Human Understanding, einem Werk, in dem er veraltete Auffassungen vom Erkenntnisvermögen des Menschen kritisiert und ihnen seine eigenen Theorien entgegensetzt (Euchner, S. 25). Im Essay heißt es: „[...] the child can demonstrate to you that a negro is not a man“ (Essay , Buch IV, Kapitel vii, Abschnitt 16; S. 344). Dieser Abschnitt wird von manchen Autoren aus dem Kontext gerissen, um sie als eindeutigen Beleg für den Rassismus von Lockes Schriften zu benutzen.[5] Wenn man allerdings den Zusammenhang betrachtet, in den dieses Zitat gehört, bietet sich ein anderes Bild.

Das siebte Kapitel des vierten Buches des Essays ist „Of Maxims“ überschrieben. Maximen, oder auch Axiome, sind bei Locke fundamentale theoretische Prinzipien, die von vielen seiner Zeitgenossen als Grundstock jeder Erkenntnis angesehen wurden. Nach Locke sind diese Prinzipien jedoch weder angeboren noch Grundlagen von Erkenntnis (Thiel, S. 284), weshalb er in besagtem Kapitel die Wichtigkeit solcher Maximen für das Erlangen von Wissen zurückweist:

For instance: let Man be that, concerning which you would by these first Principles demonstrate anything, and we shall see, that so far as demonstration is by these principles, it is only verbal, and gives us no certain, universal, true Proposition or knowledge, of any Being existing without us.

Essay IV, vii, 16, S. 344

Als Lockes erstes Beispiel dient ein Kind, das innerhalb seiner eigenen Logik zeigen kann, dass ein „Neger“ kein Mensch sei. Der Grund hierfür ist, dass die komplexe Idee des Kindes vom Menschen nur sichtbare Eigenschaften (i.e. einzelne Ideen) enthält, „like a picture that a painter makes of the visible appearences joined together“ (ebd.). In Ermangelung von Erfahrungen mit anderen Ethnien, nimmt es die Eigenschaften „white“ oder „flesh-color in England“ in seine Idee vom Menschen auf. Da das Konzept des Kindes vom Menschen die Eigenschaft „weiß“ beinhaltet, kann es aus diesem „Wissen“ und nach dem Prinzip „it is impossible for the same thing to be and not to be“ (ebd.) heraus zeigen, dass ein „Neger“ kein Mensch ist. Allerdings führt das intuitive Wissen, dass weiß nicht schwarz ist, in Verbindung mit der, aufgrund des Mangels an Erfahrung, inadäquaten Idee des Kindes vom Menschen zu einer falschen Schlussfolgerung (Uzgalis, S. 84f).

In den darauf folgenden Abschnitten führt Locke weitere Eigenschaften an, die genauso wenig wie die Hautfarbe dazu geeignet sind, das Menschsein zu bestimmen: das Lachen oder „rational discourse“ als Kriterien für das Menschsein würden Säuglinge und Kleinkinder davon ausschließen (Abschnitt 17), wogegen jemand, der sich nur auf die Kriterien von (irgend-)einem Körper in Verbindung mit der Fähigkeit zu Sprache und rationalem Denken als seiner Idee vom Menschen verließe, auch jedes andere – nicht-menschliche – Wesen, nach dem Prinzip „What is, is“ (Abschnitt 18) fälschlich als Menschen bezeichnen würde (ebd.). Die Idee, dass Schwarze keine Menschen sind, ist für Locke demzufolge genauso absurd wie jene, dass Säuglinge und Kleinkinder keine Menschen seien oder, dass der Mensch keine Seele habe: “And to this child, or any one who hath such an Idea, wich he calls Man, can you never demonstrate that a Man hath a Soul, because his Idea of Man includes no such Notion or Idea in it“ (Abschnitt 16). Lockes Ausführungen an dieser Stelle des Essay zeigen somit, dass Locke nicht nur davon ausgeht, dass „Neger“ Menschen sind, sondern auch, dass sie, wie alle anderen Menschen, eine Seele haben.

An einer anderen Stelle des Essay verdeutlicht Locke seine Auffassung, dass die intellektuellen und moralischen Fähigkeiten eines Menschen nicht von seiner Ethnie an sich, sondern von seinem kulturellen Umfeld bestimmt werden. Letzteres steht allerdings normalerweise mit der Ethnie des Menschen in einem engen Zusammenhang:

And had the Virginia king Apochancana, been educated in England, he had perhaps, been as knowing a Divine, and as good a Mathematician as any in it. The difference between him and a more improved English-man lying barely in this, That the exercise of his faculties was bounded within the Ways, Modes and Notions of his own Country.

Essay I, iii, 12, S. 116

Locke steht somit auch Menschen anderer Ethnien – zumindest den Indianern – dieselben intellektuellen und moralischen Fähigkeiten zu, wie den Weißen, die jedoch nur herausgebildet werden, wenn man sie in die europäische Kultur versetzt. Auch wenn Locke diese Aussage auf eine andere Ethnie als den Schwarzen bezieht, besteht an dieser Stelle kein Grund, diese Aussage nicht auf sie auszuweiten. Demnach ist der Schwarze in Lockes Essay ein Mensch, der sowohl eine Seele hat, als auch dieselben intellektuellen und moralischen Fähigkeiten haben kann, wie der Weiße – allerdings nur, wenn diese durch die europäische Kultur „hervorgebracht“ werden.

[...]


[1] In dieser Arbeit wird zwischen den theoretisch-philosophischen Werken Lockes, wie den Two Treatises of Government oder dem Essay Concerning Human Understanding, und seinen politischen-praktischen Werken, wie den Fundamental Constitutions of Carolina unterschieden.

[2] siehe 1. Mose 9, 18-28

[3] Eine nähere Bestimmung des Begriffs erfolgt in Abschnitt 5.1. An dieser Stelle kann er jedoch schlicht als ein System der rassisch Begründeten hierarchischen Beziehung zwischen Weißen und Schwarzen verstanden werden, deren Verhältnis nur schwer anders als durch diesen Terminus beschrieben werden kann.

[4] Ein weitere war die Theorie der Versklavung im (gerechten) Krieg, welche im siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert eine gängige Rechtfertigung der Befürworter der Sklaverei war, auch wenn sie – wenn überhaupt – nur auf einen minimalen Bruchteil der Sklaven anwendbar war (Bernasconi/Maaza Mann, S. 100).

[5] Zu nennen ist beispielsweise Bracken (1973, S. 81-96).

Details

Seiten
29
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640629817
ISBN (Buch)
9783640629633
Dateigröße
560 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151433
Institution / Hochschule
FernUniversität Hagen – Philosophie
Note
Schlagworte
John Locke Rassismus Kolonien Liberalismus Neger

Autor

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