Lade Inhalt...

Ausgewählte Kriterien und Instrumente des Lieferanten-Rating und dessen Umsetzung am Beispiel der XXXXXX GmbH

Projektarbeit 2009 42 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Grundlagen des Lieferanten-Rating
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Zielsetzung und Vorteile

3 Bewertungskriterien
3.1 Einkaufspreise
3.2 Qualität
3.3 Lieferservice
3.4 Kooperationsfähigkeit

4 Instrumente des Lieferanten-Rating
4.1 Einfache Instrumente
4.2 Klassische Instrumente
4.2.1 ABC-Analyse
4.2.2 XYZ-Analyse
4.2.3 SWOT-Analyse
4.2.4 Portfolio-Analyse
4.3 Moderne Instrumente
4.3.1 Balanced Scorecard
4.3.2 Individualmatrix

5 Lieferanten-Rating der XXXXX GmbH
5.1 Bewertungsmatrix
5.1.1 Organisation des Lieferanten-Ratings
5.1.2 Ratingkriterien
5.1.2.1 Preise, Konditionen und Kosten
5.1.2.2 Qualitätsbeurteilung
5.1.2.3 Lieferservice
5.1.2.4 Kooperationsfähigkeit
5.1.3 Ratingergebnis und Konsequenzen

6 Schlussbemerkungen

Literaturverzeichnis

Anlagenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kostenstruktur nach Schüller

Abb. 2: Beispiel einer einfachen Netto-Preis-Kalkulation

Abb. 3: Lieferanten-Klassen und ihr Anteil am Umsatz

Abb. 4: Beispiel einer SWOT-Analyse für einen Lieferanten

Abb. 5: Portfolio-Matrix der Boston Consulting Group

Abb. 6: Beurteilung von Transparenz des Konditionenmodells

Abb. 7: Beurteilung von Folgekosten

Abb. 8: Beurteilung der Entwicklung von Durchschnittspreisen

Abb. 9: Beurteilung von qualitätsbedingter Reklamationsquote und Quote der Retouren

Abb. 10: Beurteilung von Flexibilität

Abb. 11: Beurteilung von Lieferhäufigkeit

Abb. 12: Beurteilung von Lieferbereitschaft

Abb. 13: Beurteilung von Lieferqualität

Abb. 14: Beurteilung von Antwortverhalten bei Problemen

Abb. 15: Beurteilung von Antwortverhalten bei Änderungen

Abb. 16: Beurteilung von frühzeitiger Information

Abb. 17: Beurteilung von Kontinuität der Ansprechpartner

1 Einleitung

Die Stellung der Beschaffungsfunktion im Unternehmen hat in den vergangen Jahren sowohl in der Theorie als auch in der Praxis an Bedeutung gewonnen. Die Gründe hierfür sind zum Einen in einer fortschreitenden Globalisierung der Märkte sowie einer kontinuierlichen Verkürzung der Produktlebenszyklen und zum Anderen in der Intensivierung von Outsourcingaktivitäten in den letzten Jahren zu sehen.1 Just-in-Time-Beschaffung, strategische Wertschöpfungspartnerschaft oder Single- Sourcing: Die Bindung eines Unternehmens an seine Lieferanten wird immer enger. Daher ist die Auswahl und Pflege des „richtigen“ Lieferanten mehr und mehr als Wettbewerbsvorteil anzusehen. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, in dem breiten Informationsangebot die ausschlaggebenden Daten herauszufinden, aufzubereiten und zu analysieren. Daher kommt dem Prozess des Lieferantenmanagements, insbesondere der Lieferantenauswahl und -bewertung, eine wettbewerbsentscheidende Rolle zu.2 Es ist dahingehend zu erwarten, dass besonders die Lieferantenbewertung in Zukunft weiter für die Beziehungen zwischen Lieferanten und Händlern an Bedeutung gewinnt. Dies wird nicht zuletzt durch die zahlreichen Anfragen von Unternehmen zu inhaltlichen und methodischen Aspekten der Lieferantenbewertung in entsprechenden Internet-Foren belegt.3

Ziel der vorliegenden Praxisarbeit ist es, ausgewählte Kriterien der Lieferantenbewertung zu erläutern und einen Überblick bezüglich der möglichen, einsetzbaren Instrumente zu geben. Dahingehend wird ein neues Konzept der Lieferantenbewertung erstellt. Es gilt folgende Frage zu beantworten: Wie muss ein Lieferantenbewertungssystem aufgebaut sein, um effektiv und in einem überschaubaren Zeitfenster durchgeführt werden zu können?

2 Grundlagen des Lieferanten-Rating

Die Begriffe Lieferanten-Rating (LR) und Lieferantenbewertung (LB) werden synonym verwendet.4 In der Literatur wird jedoch häufiger von LR gesprochen, da der Begriff Rating deutlicher ausdrückt, dass es sich um eine objektive Bewertung und Klassifizierung handelt.

2.1 Begriffsdefinition

LR ist die kritische, strukturierte und regelmäßige Überprüfung und Bewertung bereits bestehender und potentieller neuer Lieferanten unter Betrachtung verschiedener individueller Kriterien. Dabei müssen bestimmte Vorraussetzungen erfüllt werden. Zum Einen dürfen keine Lieferanten bevorzugt behandelt werden und zum Anderen müssen die Kriterien transparent und nachvollziehbar sein. Zudem sollte festgelegt werden, dass gewisse Knock out (K.o.) - Kriterien nicht durch andere Kriterien kompensiert werden können.5

2.2 Zielsetzung und Vorteile

Die zentrale Bedeutung des LR ist daran zu erkennen, dass die Ergebnisse der LB die Grundlage für die Lieferantenauswahl, das Lieferantencontrolling und für die Steuerung der Lieferantenbeziehung darstellen. Zudem besteht die Verpflichtung aller, nach ISO 9000 ff. zertifizierten Unternehmen, zur Durchführung einer systematischen LB.6 Das LR fördert alle wichtigen und globalen Ziele der Beschaffungspolitik. Dazu gehören neben der Sicherung der Materialversorgung auch die Minimierung der Beschaffungskosten sowie die Unterstützung anderer Unternehmensbereiche.7 Daher soll die LB, über die Minimierung der Anschaffungskosten hinaus, vor allem helfen, die Risiken, welche aufgrund aktueller und zukünftiger Lieferanten bestehen, und die damit verbundenen Fehlmengen- und Lagerhaltungskosten zu verringern. Außerdem stellt die Optimierung des Prüfaufwandes der Wareneingangs- und Qualitätsprüfung ein weiteres Ziel dar. Gleichzeitig soll eine Objektivierung und Verbesserung der Lieferantenwahl und eine kontinuierliche Verbesserung der Lieferantenqualität erreicht werden.8 Bezüglich der Leistungsfähigkeit des eigenen Unternehmens spielt die Versorgungssicherheit eine große Rolle. Zum Schutz gegenüber eigenen Leistungsausfällen wird eine Sicherheit der Versorgung mit diversen Materialen, Maschinen und Dienstleistungen benötigt, denn ohne eine zeitlich, mengenmäßig und qualitativ korrekte Belieferung mit Rohstoffen und Betriebsmitteln kann die eigene Leistung nicht erbracht werden.9 Das LR fördert die regelmäßige Überwachung der Lieferanten auf deren Lieferleistung und ein frühzeitiges Erkennen von Veränderungen in der Leistungsfähigkeit. Dieses als Lieferantencontrolling bezeichnete Vorgehen dient als Datenbasis und damit Ausgangspunkt für Einkaufsverhandlungen und zur Entwicklung von Lieferbeziehungen.10 Zudem wirken die Kostenvorteile direkt auf den Unternehmensgewinn und die damit verbundene Rentabilität. Die von der Beschaffung zu beeinflussenden Kosten repräsentieren den Großteil aller unternehmerischen Kosten wie in Abbildung 1 dargestellt ist.11

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Kostenstruktur nach Schüller, Quelle: [DS04], S. 34

3 Bewertungskriterien

Um ein effektives LR durchführen zu können, müssen zunächst die Anforderung beziehungsweise die Kriterien festgelegt werden. Es wird ein Leistungsverzeichnis erstellt, welches die Anforderungen an die Lieferanten formuliert und diese nach ihrem Wert für das Unternehmen gewichtet. Dabei sollte jedes Kriterium eindeutig und messbar sein. Es ist in zwei Arten von Kriterien zu unterteilen. MUSS-Kriterien (oder auch K.o.-Kriterien genannt) sind besonders wichtig. Kann ein Kriterium nicht erfüllt werden, führt dies zum Ausscheiden des Lieferanten. Dagegen sind KANN-Kriterien nach Relevanz für das Unternehmen zu bestimmen.12 In der Praxis sind vor allem die Parameter Preis, Qualität, Lieferservice und Kooperationsfähigkeit von vorrangiger Bedeutung und werden daher in nachfolgenden Ausführungen näher erläutert. Diese können durch weitere Kriterien ergänzt werden. Für alle Kriterien gilt, dass sie sowohl subjektiv als auch objektiv sein können. Ein objektives Kriterium kann beispielsweise (bspw.) der Durchschnittspreis sein. Die Kooperationsbereitschaft stellt hingegen ein subjektives Kriterium dar, welches durch ein qualifiziertes Team beurteilt werden muss.13 Ebenfalls wichtige Bewertungskriterien können zum Beispiel die Bonität, der Standort, die Kommunikation, der Umweltschutz oder die Kapazität des Lieferanten sein.14

3.1 Einkaufspreise

Wie bereits erwähnt, spielen Einkaufspreise eine zentrale Rolle bei der Auswahl von Lieferanten. Bei dem Vergleich der Preise der verschiedenen Lieferanten darf keine Beschränkung auf den Listenpreis stattfinden.

Bezüglich des Einkaufspreises müssen eventuelle Preisreduzierungen, wie Rabatte oder Konditionen, berücksichtigt werden.15 Diese Preisnachlässe lassen sich in Funktionsrabatte, Mengenrabatte, Zeitrabatte und in Zahlungsbedingungen unterteilen. Funktionsrabatte werden dem Unternehmen zur Wahrnehmung der von ihm übernommen Funktionen wie bspw. die Ausübung einer bestimmten Handelstätigkeit, logistische Dienstleistungen oder Barzahlung gewährt. Für diese Tätigkeiten erhält der Abnehmer eine angemessene Vergütung von Seiten des Herstellers (Lieferanten).

Nimmt das Unternehmen eine große Menge ab, so wird meist ein Mengenrabatt von dem Lieferanten gewährt. Diese Rabattform kann dabei entweder in Form eines direkten Preisnachlasses auf der Rechnung, eines nachträglichen Preisnachlasses oder eines Naturalrabattes in Form unentgeltlicher Warenabgaben gegeben werden. Als Bemessungsgrundlage kann die Menge pro Auftrag oder Lieferung oder die Summe aller Aufträge für eine bestimmte Periode dienen.

Zeitrabatte werden für einen bestimmten, vorher festgelegten Zeitraum oder eine bestimmte Frist für Bestellungen gewährt. Dazu gehören bspw. der Einführungsrabatt, der Saisonrabatt und der Auslaufrabatt. Während der Einführungsrabatt darauf abzielt, schnell Frühkunden zu gewinnen und dadurch die Einführungsphase eines Produktes zu verkürzen, dient der Auslaufrabatt dazu, die Lager mit veralteten Produkten zu räumen. Andere Zeitrabatte, wie zum Beispiel der Saisonrabatt, sollen den Absatz in verkaufsschwachen Zeiträumen intensivieren.

Durch Zahlungsbedingungen wird die Art und Weise der Zahlungen festgelegt. Modelle der Zahlungsbedingungen sind zum Beispiel die Vorauszahlung, die Barzahlung und die Zahlung nach Erhalt der Ware oder auf Zahlungsziel.

Anhand der aufgezeigten Konditionen und Rabatte wird der letztlich entscheidende NettoPreis der Ware ermittelt, zu dem sie von dem Lieferanten eingekauft wird. Ein Beispiel für eine einfache Netto-Preis-Kalkulation ist in Abbildung 2 dargestellt.16

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Beispiel einer einfachen Netto-Preis-Kalkulation, Quelle: [DS04], S. 81

3.2 Qualität

Unter dem Begriff Qualität wird im Allgemeinen die Güte und Beschaffenheit eines Produkts im Hinblick auf seine Eignung für den Verwender verstanden. Dieses Kriterium muss allerdings in zweierlei Hinsicht analysiert werden, zum Einen auf die Qualität der angebotenen Leistung und zum Anderen auf die der erbrachten Leistung. Der Qualitätsaspekt muss produktbezogen betrachtet werden und stellt eine wichtige Grundlage zur Kostenminimierung dar, da durch gute Qualität der Vorprodukte Ausschusskosten und dergleichen niedrig gehalten werden können. Zudem hat die Qualität direkten Einfluss auf das Endprodukt und somit auf das Kundenempfinden.17

Die Qualität umfasst im engeren Sinn den Inhalt (Zusammensetzung, Materialart und - menge), physische Merkmale (Größe, Form, Verpackung etc.), emotionale Merkmale (Marke etc.) und weitere Eigenschaften (Geruch, Design etc.). Dahingehend muss eine Begutachtung der angebotenen Produktion erfolgen, welche durch eine Betrachtung der Fertigungseinrichtungen, den Einsatz von Technologien oder dem Automatisierungsgrad erfolgt. Weiterhin ist der Aspekt der Kapazitäten des Lieferanten wichtig. Daran wird ersichtlich, ob er große Mengen oder aber Sonderaufträge produzieren kann. Der angebotene Service gewinnt ebenso immer mehr an Bedeutung. Dazu zählen bspw. die Beratung, der Kundendienst, schnelle Bearbeitung, das Vorhandensein von Mustern und Austauschteilen und eine EDV-Anbindung.18

3.3 Lieferservice

Die Qualität des Lieferanten zeichnet sich neben der Produktqualität auch durch die Qualität seines Lieferservice aus. Dahingehend sind Parameter, wie die Lieferzeit und - häufigkeit, die Lieferzuverlässigkeit und -qualität ebenso wie Lieferflexibilität von Bedeutung.

Die Lieferzeit ist die Zeitspanne zwischen Auftragseingang beim Lieferanten und dem Wareneingang beim Abnehmer. Diese resultiert aus der Auftragsbearbeitungszeit, der Produktion, Kommissionierung, Verpackung, Verladung und dem Transport. Die Lieferhäufigkeit ermittelt die Anzahl der möglichen Lieferungen innerhalb einer bestimmten Periode. Dies ist als Indikator zu verstehen, wie häufig ein Abnehmer bei einem Lieferanten nachbestellen kann. Die zeitliche und mengenmäßige Übereinstimmung der Lieferung mit der Bestellung beschreibt die Lieferzuverlässigkeit. Sowohl die Mengenals auch die Termintreue sind Grundvoraussetzung für eine langfristige Geschäftsbeziehung.19 Die Lieferqualität erfasst die auftragsgemäß gelieferten Produkte. Qualitativ zu beanstandende Lieferungen können durch Fehllieferungen, Verpackungsfehler, Preisbeanstandungen oder schlechten Inhalten begründet sein. Die Lieferflexibilität spiegelt die Anpassungsfähigkeit des Lieferanten bezüglich der Wünsche oder veränderter Anforderungen wieder.20

3.4 Kooperationsfähigkeit

Die Art und Qualität einer guten und kooperativen Lieferantenbeziehung drückt sich in unterschiedlichen Parametern aus. Eine angemessene Sachlichkeit, Ehrlichkeit, Höflichkeit und seriöses Auftreten bei Besprechungen und Verhandlungen sowie eine diskrete Behandlung von vertraulichen Informationen sind von enormer Wichtigkeit. Zudem hat die Einhaltung der gegenseitig eingegangenen Verpflichtungen und eine möglichst frühzeitige Unterrichtung über Änderungen im Produktions- und Logistikprogramm eine hohe Bedeutung. Nicht weniger wichtig sind die Aufgeschlossenheit und das Verständnis des Lieferanten für die Probleme des Unternehmens und die Bereitschaft zu dessen Förderung. Faires, verständnisvolles Verhalten beim Auftreten geringfügiger Liefer- und Qualitätsfehler sollte Grundlage jeder Geschäftsbeziehung sein. Bei den Kriterien der Kooperationsbereitschaft handelt es sich vorwiegend um subjektive Daten, welche nicht aus dem operativen System abzuleiten sind. Es bedarf der Einschätzung durch ein fachkundiges Team.21 Die Qualität der Kooperation zeigt sich vor allem in problematischen Situationen, da man in diesen besonderes schnell erkennt, mit wem man gut zusammenarbeiten kann. Dahingehend sind das Antwortverhalten bei Problemen oder Änderungen, die frühzeitige Information, eine offene Kommunikation in Krisensituationen und auch eine gewisse Kontinuität des Ansprechpartners Kriterien der Kooperationsfähigkeit. Doch auch die Erreichbarkeit des Ansprechpartners, das Verhalten bei Mängelrügen, die Reklamationsabwicklung und eine angemessene Bereitschaft zur Kostentransparenz spielen bei der Einschätzung der Kooperationsfähigkeit des Lieferanten eine erhebliche Rolle.22

4 Instrumente des Lieferanten-Rating

Abhängig von der Größe, Branchenzugehörigkeit, Qualifikation der mit der Beschaffung beauftragten Personen und Technologieeinsatz in einem Unternehmen kann die LB auf verschiedene Weisen durchgeführt werden. Im Folgenden sollen drei Klassen von Instrumenten unterschieden werden. Zum Einen einfache Instrumente wie bspw. Interviews und zum Anderen klassische Instrumente wie die ABC-Analyse. Zudem sind auch moderne Instrumente wie die Balanced Scorecard von Bedeutung. Meist lassen sich schon mit einfachen Instrumenten erste Analysen des Lieferanten durchführen. Eine objektivere Einschätzung der Leistungsfähigkeit eines Lieferanten ermöglichen die klassischen Instrumente. Moderne Instrumente gestatten eine Kombination von verschiedenen objektiven und subjektiven Kriterien, welche je nach Unternehmen und Einschätzung unterschiedlich gewichtet werden können.23

4.1 Einfache Instrumente

Schon einige einfache Instrumente können einen ersten Überblick über die Stärken und Schwächen eines Lieferanten verschaffen. Ziel dabei muss es sein, dass die Beurteilung der Kriterien routine- und regelmäßig durch das Beschaffungsteam durchgeführt wird. Dazu können verschiedene Instrumente eingesetzt werden.

- Gespräch mit den internen Abteilungen zur Leistungsfähigkeit des Lieferanten
- Selbstauskunft des Lieferanten anhand von Lieferantenfragebögen
- Besuch des Lieferanten vor Ort
- Auswertung von Presseberichten unabhängiger Journalisten
- Befragung von Wettbewerbern des Lieferanten
- Eigene Presseveröffentlichungen des Lieferanten
- Informationsbeschaffung über öffentliche Datenbanken (bspw. Website „Wer liefert was?“ oder „Hoppenstedt“)
- Geschäftsberichte
- Referenzen des Lieferanten

Als interne Quellen dienen hauptsächlich alle vom Lieferanten direkt betroffene Unternehmensbereiche, wie die Fertigungsplanung, die Produktion, die Logistik und selbstverständlich der Einkauf.24

4.2 Klassische Instrumente

Die Analyse der Lieferanten hinsichtlich ihrer Bedeutung, Leistungsfähigkeit und ihres Potentials ist auch mittels klassischer Contolling-Instrumente durchführbar. An dieser Stelle sollen einige Instrumente, welche zur Bewertung von Lieferanten geeignet sind, erläutert werden.25

4.2.1 ABC-Analyse

Die Ermittlung von Prioritäten in den Bereichen Produktion, Material- und Teilebeschaffung, Produktgruppen, Verkaufgebiete, Kundengruppen oder eben Lieferanten steht bei dem operativen Controllinginstrument ABC-Analyse im Vordergrund. Die Klassifizierung selbst erfolgt in drei Gruppen (ABC):

- A = sehr kleine Menge und hoher Wert
- B = geringe Menge und mittlerer Wert
- C = große Menge und kleiner Wert

Die ABC-Analyse kann mit den Parametern „Umsatz gegen Anzahl der Lieferanten“ oder „Gewinn bzw. Deckungsbeitrag gegen Anzahl Lieferanten“ durchgeführt werden. Hinsichtlich der Umsatzbedeutung bzw. der Anzahl der Lieferanten pro Klasse ergibt sich meist das in Abbildung 3 dargestellt Bild.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Lieferanten-Klassen und ihr Anteil am Umsatz, Quelle: [Vol06], S. 21

Die Abbildung verdeutlicht, dass nur 5% der Lieferanten 75% des Umsatzes ausmachen, während der Großteil (75%) nur einen verschwindend kleinen Anteil am Gesamtumsatz hat. Somit sind die dominierenden Lieferanten besonders in das Lieferantenmanagement einzubinden. Abhängig von dem Unternehmen kann der Umsatzanteil auf bis zu 80% und darüber hinaus steigen. Nach der Identifizierung der A-Lieferanten sollten Maßnahmen, wie die Senkung bzw. Beseitigung von Lagerkosten (durch Just-In-Time Lieferungen) und eine effiziente Abwicklung der Disposition und der Wareneingangs- und Rechnungsprüfung ergriffen werden. A-Lieferanten müssen bevorzugt Gegenstand des LR sein. Dagegen sind C-Lieferanten, welche nicht hoch innovativ sind oder einen wichtigen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit leisten, in ihrer Anzahl zu reduzieren. Somit können administrative Kosten eingespart werden. Vorraussetzung für eine ABC-Analyse ist der Zugriff auf valide, elektronisch verfügbare Werte wie bspw. Umsatz oder Deckungsbeitrag pro Lieferant.26

4.2.2 XYZ-Analyse

Eine weitere Möglichkeit zur Klassifizierung von Lieferanten ist die Abgrenzung nach der Regelmäßigkeit ihrer Lieferungen, dem sogenannten Verbrauchsverhalten. Die unterschiedlichen Verbrauchsverläufe werden in drei Gruppen differenziert (XYZ):

- X = konstanter Verbrauch (hohe Vorhersagegenauigkeit)
- Y = trendförmiger oder saisonaler Verbrauch (mittlere Vorhersagegenauigkeit)
- Z = unregelmäßiger Verbrauch (niedrige Vorhersagegenauigkeit)27

Auf der Grundlage der Identifikation einer bestimmten Gruppenzugehörigkeit eines Lieferanten bieten sich noch keine Konsequenzen an. Daher bedarf es weiterer Analyseinstrumente, um einen Lieferanten bewerten zu können. Eine Möglichkeit kann die Kombination der XYZ-Analyse mit der ABC-Analyse sein. So sollen bspw. Zulieferer, welche in die Gruppe Z und gleichzeitig in die Gruppe C fallen intensiver betrachtet werden, da diese nur unregelmäßig nachgefragt werden und zudem wenig Deckungsbeitrag bieten. Wird zudem festgestellt, dass die Artikel des Lieferanten nicht den Kauf anderer Artikel mitzieht oder sich positiv auf das Image des Unternehmens auswirkt, kann der Lieferant ohne Sorge ausgelistet werden.

4.2.3 SWOT-Analyse

Eine SWOT-Analyse stellt eine weiterentwickelte Stärken-Schwächen Analyse dar. Demnach werden wie bei einer üblichen Stärken-Schwächen Analyse auf der linken Seite die Stärken und auf der rechten Seite die Schwächen gruppiert. Diese können sowohl subjektiv als auch objektiv ausgewählt werden. Zudem werden weitere Kriterien zur Beurteilung des Lieferanten aufgenommen. Zum Einen die Risiken/Gefahren und zum Anderen die Chancen/Potenziale. Übersetzt man diese vier Begriffe nun in die englische Sprache, so ergibt sich die Namensgebung der Analyse.

[...]


1 [Kra00], S. 1

2 [Jan07]

3 [Bei09]

4 [RH99], S. 410

5 [Käm06]

6 [Jan04], S. 77

7 [AHT01], S. 295

8 [HOP04], S. 20

9 [AHT01], S. 105 ff.

10 [HOP04], S. 20 ff.

11 [DS04], S. 22

12 [Her09], S. 11 f.

13 [Käm06]

14 [HOP04], S. 35

15 [Käm06]

16 [Wei01]

17 [Käm06]

18 [DS04], S. 97 ff.

19 [Ehr08], S. 61 ff.

20 [DS04], S. 136 ff.

21 [AHT01], S. 320 ff.

22 [DS04], S. 157

23 [DS04], S. 40

24 [HOP04], S. 40 ff.

25 [SP02], S. 199

26 [Vol06], S. 18 ff.

27 [Här99], S. 48 ff.

Details

Seiten
42
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640628896
ISBN (Buch)
9783640628995
Dateigröße
639 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151341
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Note
1,5
Schlagworte
Lieferanten Lieferanten-Rating Lieferantenbewertung ABC-Analyse XYZ-Analyse SWOT-Analyse Bewertungskriterien

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Ausgewählte Kriterien und Instrumente des Lieferanten-Rating  und dessen Umsetzung am Beispiel der XXXXXX GmbH