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Die Säkularisierungsthese und Peter Bergers Modell vom Markt der Religionen

Seminararbeit 2008 16 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Religionssoziologische Verständnisse von Religion und Gesellschaft
1. Religion und Gesellschaft bei Émile Durkheim
2. Bergers Dialektik von Religion und Gesellschaft

III. Der Markt der Religionen
1. Hintergrund
2. Folgen für die Gesellschaftsstruktur religiöser Gruppen
3. Folgen für die religiösen Inhalte

IV. Säkularisierung
1. Säkularisierung bei Berger
2. Bedeutungsverlust von Religion
3. Formwandel von Religion

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Peter Ludwig Berger, geboren 1929 in Wien, studierte in den USA Theologie, Philosophie und Sozialwissenschaften (Marhold 2004: 149). Er gehört zu einem der bedeutendsten Vertreter der Säkularisierungsthese, die für die Religionssoziologie in der Moderne einen zentralen Komplex darstellt. Seine Ansichten zum Verhältnis von Religion und Gesellschaft, sein Modell des Markts der Religionen und seine Ansichten zur Säkularisierung werden den Kernpunkt dieser Arbeit bilden.

Zunächst wird ein Einblick darüber gegeben, wie sich das Verhältnis von Religion und Gesellschaft als Hauptgegenstand der Religionssoziologie gestalten kann. Welche Beziehung besteht zwischen Religion und Gesellschaft? Sind sie voneinander unabhängig? Besteht eine Abhängigkeit? Ist es die Gesellschaft, die die Religion hervorbringt? Ist die Gesellschaft ein Produkt der Religion?

Hier soll neben Peter Bergers Verständnis der Dialektik von Religion und Gesellschaft auch die Vorstellung eines der Gründerväter der Religionssoziologie, Émile Durkheims, hinsichtlich dieses Verhältnisses geschildert werden.

Nach einem einleitenden Überblick über die Beziehung von Religion und Gesellschaft wird Bergers Modell vom Markt der Religionen näher betrachtet. Warum wählt Berger diese Bezeichnung? Was ist unter einem Markt der Religionen zu verstehen? Wo liegt dessen Ursprung? Welche Konsequenzen bringt solch eine Situation mit sich? Auf eine Schilderung des Hintergrundes dieses Gedanken folgt eine Betrachtung der Folgen zum einen für die Gesellschaftsstruktur religiöser Gruppen und zum anderen für die religiösen Inhalte.

Hieran schließt sich eine Darstellung der Säkularisierungsthese an. Säkularisierung stellte und stellt für die Religionssoziologie einen zentralen Beschäftigungspunkt dar. Der zunehmende Bedeutungsverlust von Religionen erschien vielen in der Vergangenheit offensichtlich. Die Säkularisierungsthese fand daher Zustimmung.

Was ist unter Säkularisierung zu verstehen? Was besagt die Säkularisierungsthese? Wodurch kam es zu einer Säkularisierung? Welche Folgen hat diese für die Religion? Neben diesen grundlegenden Fragen, die zum Teil bei der Besprechung des Modells vom Markt der Religionen angeschnitten werden, sollen Möglichkeiten aufgezeigt werden, welchen Verlauf Religion nehmen kann. Hier wird einerseits auf einen möglichen Bedeutungsverlust von Religion eingegangen. Andererseits wird aufgedeckt, dass eine Alternative der Entwicklung ein Formwandel der Religion sein kann.

Zusammengefasst wird das Ziel dieser Hausarbeit sein, Peter Bergers Konzept von Religion und Gesellschaft, sein Modell vom Markt der Religionen sowie dessen Auffassung von Säkularisierung darzustellen und hierbei einen Einblick in andere Meinungen innerhalb der Religionssoziologie zu geben.

II. religionssoziologische Verständnisse vom Verhältnis Religion und Gesellschaft

Im Mittelpunkt religionssoziologischer Forschungen stehen, wie schon der Name es impliziert, Religion und Gesellschaft. Seitdem sich die Religionssoziologie etabliert hatte, entwarfen diverse Religionssoziologen unterschiedliche Konzepte davon, in welcher Beziehung Religion und Gesellschaft zueinander stehen, wobei Religion grundsätzlich als Teilbereich des sozialen Handelns bzw. der Gesellschaft gesehen wird (Hock 2006: 79). Ein Hauptaugenmerk liegt folglich auf „den gesellschaftlichen Ausprägungen, Bedingungen und Folgen von Religion“ (Knoblauch 2002: 445).

Ehe auf Peter Bergers Konzept zur Dialektik von Religion und Gesellschaft näher eingegangen wird, soll zunächst ein kurzer Abriss über die bedeutende Theorie eines der Gründerväter der Religionssoziologie gegeben werden.

1. Religion und Gesellschaft bei Émile Durkheim

Als Begründer der wissenschaftlichen Religionssoziologie sollen Émile Durkheims (1858-1917) Vorstellungen des Verhältnisses von Religion und Gesellschaft geschildert werden. Eingangs sei noch Durkheims Definition von Religion erwähnt: „Religion ist ein solidarisches System von Überzeugungen und Praktiken, die sich auf heilige, d.h. abgesonderte und verbotene Dinge, Überzeugungen und Praktiken beziehen, die in einer und derselben moralischen Gemeinschaft, die man Kirche nennt, alle vereinen, die ihr angehören“ (Hock 2006: 82). Dieser funktionalen Definition zufolge, dient Religion der Vereinigung der Mitglieder einer Gemeinschaft und hat demnach eine stabilisierende Wirkung.

Für Durkheim leistet Religion also vor allem eine Integrationsfunktion. Infolge seiner Totemismus-Theorie zum Ursprung von Religion, die auch in der Ethnologie einige Beachtung fand, stellt er fest, dass „Heiliges“, indem es für die Gemeinschaftsbildung bezeichnend ist, zu einer sozialen Tatsache, fait social, wird (Hock 2006: 82). Soziale Tatsachen nehmen in Durkheims Auffassung von Gesellschaft einen zentralen Punkt ein. Diese faits sociaux sind in seinem Sinne unter sozialem Zwang ausgeführte Handlungen, die keinem Naturgesetz gehorchen und nicht spontan sind (Kippenberg 2004: 114). Eine Erwartungshaltung der Gesellschaft liefert hierbei den Grund für verschiedene Aktionen des Individuums, wodurch dieses seine Zugehörigkeit zur Gemeinschaft ausdrückt. In Anlehnung an Durkheims Definition von Religion lässt sich demzufolge feststellen, dass der in seinem Verhalten egoistisch eingestellte Einzelne durch die Religion gewissermaßen eine Regulierung erfährt und in den Dienst der Werte und Gebräuche seiner Gesellschaft gestellt wird (Hock 2006: 82).

Die Gesellschaft selbst wird letzten Endes sakralisiert, weshalb eine verkürzte Version der Durkheimschen Theorie oft mit „Gott = Gesellschaft“ (Stolz 2001: 51) wiedergegeben wird.

Nachdem Émile Durkheims Annahmen vorgestellt wurden, soll im Folgenden das Verhältnis von Religion und Gesellschaft bei Peter Berger betrachtet werden.

2. Bergers Dialektik von Religion und Gesellschaft

Grundlegend für Bergers Konzept ist die vorangegangene Zusammenarbeit mit Thomas Luckmann (*1927), mit dem er 1966 „Die gesellschaftliche Konstruktion der Wirklichkeit“ veröffentlichte. Beide gehen davon aus, dass es sich bei dem Verhältnis von Person und Gesellschaft um ein dialektisches handelt, denn „Gesellschaft ist ein dialektisches Phänomen, weil sie zwar ein Produkt des Menschen und nichts als das ist, ein Produkt jedoch, welches fortwährend auf seinen Produzenten zurückwirkt“ (Berger 1973: 3). Um einen Einblick in dieses Werk geben zu können, werden dessen Grundzüge kurz geschildert.

Die Hauptkomponenten des dialektischen Prozesses der Konstruktion der Wirklichkeit stellen Externalisierung, Objektivierung und Internalisierung dar. Die Begriffe Externalisierung und Objektivierung werden von Berger bei Hegel entlehnt, bei dem sich die Begriffe Entäußerung und Vergegenständlichung finden. Hinsichtlich des Begriffs der Internalisierung greift Berger auf die amerikanische Sozialpsychologie zurück (Berger 1973: 4, Fußnote 3).

Bei der Externalisierung ist der Mensch dazu gezwungen, sich eine Welt zu schaffen. Dies geschieht dadurch, dass Menschen materielle Güter, aber vor allem auch geistige Vorstellungen wie z.B. Werte und Normen produzieren und diese dann „aus sich heraussetzen“ (Hock 2006: 87).

Bei der Objektivierung wird aus den in der Externalisierung hervorgebrachten materiellen und immateriellen Produkten die Wirklichkeit konstituiert. Diese Wirklichkeit steht dann, nachdem die Entäußerung die notwendigen Voraussetzungen für deren Entstehen durch die Vergegenständlichung geschaffen hat, als Objekt dem Mensch gegenüber, als allgemeine Tatsächlichkeit, losgelöst vom ehemaligen Produzenten (Berger 1973: 4). Die Produkte menschlichen Handelns, „die zusammen die Kultur bilden“ (Knoblauch 1999: 112) wirken auf den Menschen, als seien sie eigenständig existent. Sie bestehen vor dem einzelnen Individuum und werden dieses überdauern, wie z.B. Sprache oder Religion.

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Details

Seiten
16
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640628797
ISBN (Buch)
9783640628643
Dateigröße
434 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151321
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Religionswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Säkularisierung Markt der Religionen Peter L. Berger Religionssoziologie

Autor

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