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Die Urmonotheismustheorie von Pater Wilhelm Schmidt

Seminararbeit 2007 16 Seiten

Theologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Person

III. Begriffsklärung
1. Hochgott/Hochgottglauben
2. Urreligion
3. Urmonotheismus

IV. Theorien über den Ursprung und die Entwicklung von Religion
1. evolutionistische Klärungsansätze
a) Edward Burnett Tylors Entwicklungsschema
b) James George Frazers evolutionistisches Modell
2. Erklärungsversuche der Dekadenztheoretiker
a) Andrew Langs Ansatz
b) Wilhelm Schmidts Urmonotheismustheorie

V. Fazit

VI. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Wo liegt der Ursprung von Religion? Wie hat sie sich von ihrem Beginn an weiterentwickelt? Auf welche Weise kam es zur Ausbildung unterschiedlicher Religionsformen? Auch wenn die Religionswissenschaft von der Beantwortung dieser Fragen Abstand genommen hat, so beschäftigten sich mit ihnen doch viele Religionswissenschaftler der Vergangenheit.

In dieser Hausarbeit soll die sich diesen Fragen widmende Urmonotheismustheorie von Pater Wilhelm Schmidt dargestellt werden. Was besagt diese Theorie? Wie versucht Schmidt sie zu untermauern? Weshalb beschäftigt sich Schmidt mit diesem Thema und mit welchem Ziel? Diese Fragen sollen hinsichtlich der Person Pater Wilhelm Schmidt geklärt werden.

Um Schmidts Werk innerhalb der Religionswissenschaft zu verorten, ist es unerlässlich, sich mit ähnlichen vorangegangenen Theorien zu befassen als auch Gegenpositionen mit einzubeziehen. Aufgrund dessen wird schon unter Punkt III. bei der Erläuterung verschiedener zentraler Begriffe ein Überblick über deren Entwicklung und Verwendung gegeben.

Im darauf folgenden Punkt sollen beispielhaft die Positionen der Evolutionisten und der Degenerationsthesenanhänger in der Geschichte nochmals konkret gegenübergestellt und verglichen werden. Hierzu werden die Theorien von Tylor, Frazer, Lang und Schmidt dargestellt.

Im abschließenden Fazit wird zu klären sein, inwieweit Pater Wilhelm Schmidts Interessen und Standpunkte durch seine Mitgliedschaft in einem Missionsorden und seine Position als praktizierender Christ beeinflusst wurden.

Zusammengefasst wird das Ziel dieser Hausarbeit sein, Pater Wilhelm Schmidts Leben und Werk, mit besonderem Augenmerk auf seiner Urmonotheismustheorie, darzustellen, vorangegangene Theorien über den Urzustand von Religion zu schildern, sein Werk in der Zeit seiner Entstehung zu betrachten, sowie es innerhalb der Disziplin der Religionswissenschaft zu verorten und seine Bedeutung zu klären.

Die verwendete Literatur soll an dieser Stelle kurz vorgestellt werden:

Eine Beschreibung des Lebens und der Laufbahn Pater Wilhelm Schmidts bietet im nächsten Punkt den Einstieg in den eigentlichen Teil der Hausarbeit.

II. Zur Person

Am 16. Februar 1868 in Hörde geboren, scheint Wilhelm Schmidt in seiner Kindheit und Jugend vor allem durch den Gemeindepfarrer – der in ihm einen zukünftigen Priester sah – geprägt worden zu sein. So erklärt sich die Tatsache, dass er, auf dessen Anraten hin, im Alter von 15 Jahren bei dem Steyler Missionsorden „Societas Verbi Divini“ (kurz: SVD, zu deutsch: Gesellschaft des Göttlichen Wortes) um Aufnahme bat. Nach Erlangung seines Abiturs trat Schmidt 1888 in den Orden ein und wurde schließlich 1892 zum Priester geweiht (vgl. Waldenfels 2004: 185).

Bevor Pater Wilhelm Schmidt von seinen Ordensoberen nach Mödling bei Wien berufen wurde, um dort eine Professur im ordenseigenen Ausbildungshaus anzutreten, beschäftigte er sich mit orientalischen Sprachstudien und der islamischen Theologie (vgl. Waldenfels 2004: 185). Dies legte den Grundstein für seine vergleichenden Untersuchungen der Folgezeit.

Wien sollte in der folgenden Zeit für Schmidt eine zentrale Rolle einnehmen, was schließlich dazu führte, dass die von ihm begründete ethnologische Richtung als „Wiener Schule“ bezeichnet wird (vgl. Waldenfels 2004: 185).

Den größten Verdienst innerhalb der Ethnologie erlangte Pater Wilhelm Schmidt wohl durch die Gründung der Zeitschrift „Anthropos“ als einer „Zeitschrift für Völkerkunde und Sprachwissenschaft“ im Jahr 1906 (vgl. Waldenfels 2004: 187).

Schmidts Interesse an Sprachen wurde durch Kontakte mit in Wien lehrenden Ethnologen und Orientalisten und vor allem durch die 1896 ins Leben gerufenen missionarischen Aktivitäten des Ordens in Papua-Neuguinea wiedererweckt. Dies führte zu seinen sprachvergleichenden Studien, die im wissenschaftlichen Umfeld durchaus Würdigung fanden. Unter anderem war dies ein Grund, weshalb sich Schmidt 1902 für die österreichische Staatsbürgerschaft entschied (vgl. Waldenfels 2004: 187).

Das zentrale, seine wissenschaftliche Zukunft bestimmende Thema – die Theorie über den Ursprung der Gottesidee – begegnet ebenfalls erstmals 1906 in dem (bei der Görres-Gesellschaft gehaltenen) Vortrag „Der Entwicklungsgedanke in der Religionsgeschichte“ (vgl. Waldenfels 2004: 187).

In den Jahren von 1926 bis 1955 erscheinen dann die Bücher seines zwölf Bände umfassenden Werks „Der Ursprung der Gottesidee“ (vgl. Waldenfels 2004: 187).

Deutlich erkennbar sind im Leben Schmidts Religionswissenschaft und Ethnologie stets präsent und kennzeichnen seine berufliche Laufbahn.

Ab 1921 war Schmidt als Dozent im Bereich Ethnologie an der Wiener Universität tätig. 1924/25 arbeitete er als Leiter der ethnologischen Abteilung bei der vatikanischen Missionsausstellung. Im daraus entstandenen Päpstlichen Missionsethnologischen Museum im Lateranpalast in Rom war Pater Wilhelm Schmidt als Direktor bis 1938 beschäftigt. Als Direktor arbeitete er zudem am 1931 gegründeten Anthropos-Institut (vgl. Waldenfels 2004: 188).

Der Zweite Weltkrieg stellt auch im Leben und Wirken Schmidts einen Wendepunkt dar. 1938 wurde das Anthropos-Institut in die Schweiz verlegt und ab 1941 hielt sich Schmidt dort bis zu seinem Tode 1954 auf. Bestattet wurde er allerdings in Mölding, seinem ersten Aufenthaltsort in Österreich (vgl. Waldenfels 2004: 188).

Nach dem hier kurz skizzierten Lebenslauf und den beruflichen Stationen sollen nun im nächsten Punkt zunächst verschiedene zentrale Begriffe erläutert und geklärt werden, die für die Darstellung der Urmonotheismustheorie, die danach erfolgt, notwendig sind.

III. Begriffsklärung

Da die Person Pater Wilhelm Schmidt und die Debatte über einen Urzustand von Religion zweifellos nicht von Fachausdrücken wie „Urmonotheismus“, „Hochgottglauben“ und „Urreligion“ zu trennen ist, werden in diesem Abschnitt die für diese Thematik zentralen Begrifflichkeiten erläutert. Hierbei wird gleichzeitig versucht, einen geschichtlichen Abriss über die Begriffsentwicklung und –verwendung zu geben.

1. Hochgott/Hochgottglauben

Der Begriff „Hochgott“ wurde 1724 von dem in Kanada missionarisch tätigen Jesuiten Joseph-Francois Lafiteau eingeführt, um übernatürliche Wesen in indianischen Religionen als überragende Gottgestalten zu klassifizieren (vgl. Ahn 2006: 227; vgl. Elsas 1993: 155). Lafiteau scheint durch seine Zugehörigkeit zu einem katholischen Orden, ebenso wie Schmidt, das Ziel zu verfolgen, den indigenen Bevölkerungen – die aufgrund des Fehlens einer Religion bzw. durch kultische Praktiken als minderwertig eingestuft wurden – eine ursprüngliche Zugehörigkeit zum monotheistischen Glauben bescheinigen zu wollen, um sie in die Menschheitsgeschichte eingliedern zu können.

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Details

Seiten
16
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640628230
ISBN (Buch)
9783640628469
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151320
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Institut für Religionswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Urmonotheismus Pater Wilhelm Schmidt Theorien über Entstehung von Religion

Autor

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Titel: Die Urmonotheismustheorie von Pater Wilhelm Schmidt