Lade Inhalt...

Unternehmen und Gesellschaft

Der Einfluss von Sozialkapital auf die betriebliche Innovationstätigkeit

Hausarbeit (Hauptseminar) 2005 16 Seiten

Soziologie - Wirtschaft und Industrie

Leseprobe

Index

1 Einführung

2 Innovation
2.1 Begriffsabgrenzung
2.2 Innovationstheorien im historischen Überblick
2.2.1 Innovationsmodell nach Schumpeter
2.2.2 Lineares Innovationsmodell
2.2.3 Innovationssystem

3 Sozialkapital
3.1 Das theoretische Konzept des Sozialkapitals
3.2 Der Einfluss von Sozialkapital auf die betriebliche Innovationstätigkeit
3.3 Empirische Belege

4 Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1 Einführung

Nach Jahrzehnten neoklassisch geprägten Diskurses, in denen versucht wurde die Ökono- mie primär durch technisch-mathematische Modelle zu erfassen, kehrt man seit einigen Jahren wieder vermehrt zu den Ursprüngen der Disziplin, im Sinne einer Kombination von Sozial- und Wirtschaftswissenschaften zurück. Der Gedanke dass die Ökonomie nicht als von sozialen Prozessen abgekapselt betrachtet werden kann, gewinnt also wieder mehr an Bedeutung. Die starke Verbindung zwischen Wirtschaft und Gesellschaft soll in dieser Arbeit anhand des Einflusses von sozialen Faktoren auf die unternehmerischen Innovati- onsprozesse dargelegt werden. Dabei soll sowohl die historische Entwicklung der Innova- tionstheorie beleuchtet werden, als auch das Konzept des Sozialkapitals, welches die direk- te Verbindung zwischen unternehmerischem Erfolg und sozialen Netzwerken darstellt.

2 Innovation

2.1 Begriffsabgrenzung

Es existieren zahlreiche Definitionen für den Begriff Innovation, wobei zwei wesentliche Aspekte allen Vorschlägen gemein ist. Der erste jener des Gebots der Neuheit. Bei einer Innovation muss es sich stets um etwas Neues handeln. Dabei ist zweitrangig, ob sich diese Neuerung auf ein neues Produkt bzw. eine entscheidende Produktverbesserung oder ob sie sich auf einen neuen Prozess bzw. eine entscheidende Prozessverbesserung bezieht. All- gemeiner gesprochen kann Innovation, Schumpeter (1926) folgend, auch als neue Kombi- nation von Produktionsfaktoren betrachtet werden. Der zweite entscheidende Punkt betrifft die Notwendigkeit einer Markteinführung. Innovation impliziert in theoretischer Hinsicht also die ökonomische Anwendung einer neuen Idee (Black 1997). Die bloße Produktion von abstraktem Wissen wird üblicherweise nicht als Innovation angesehen, ebenso zählt als solche eine reine Erfindung ohne Markteinführung.

Zuletzt soll hier noch eine Unschärfe in der Begriffsabgrenzung angesprochen werden. Formal unterscheidet nämlich die Literatur zwei Arten von Innovationen; (i) die erste Ein- führung eines neuen Produktes oder Prozesses, sowie (ii) den gesamten Prozess der kom- merziellen Markteinführung einer neuen Erfindung (Freeman 1998). Zur Vermeidung von Missverständnissen wäre es vorteilhaft letztere besser als Innovationsprozess zu bezeich- nen.

2.2 Innovationstheorien im historischen Überblick

Historisch betrachtet unterliegt die theoretische Vorstellung von Innovationsprozessen einem entscheidenden Wandel. In der Frühphase der kapitalistischen Theoriebildung blieb der Aspekt der Innovation weitgehend unbeachtet. Das Augenmerk der großen Ökonomen wie David Ricardo und Adam Smith lag in erster Linie im Versuch den Wirtschaftsprozess im Sinne eines Kreislaufs zu rekonstruieren. Die inhärente Dynamik des kapitalistischen Systems blieb damit zunächst verborgen.

2.2.1 Innovationsmodell nach Schumpeter

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts kam es zu einem entscheidenden Paradigmenwechsel. Jo- seph Schumpeter gilt als jener Ökonom, welcher die institutionelle, evolutorische Dynamik des kapitalistischen Systems erstmals erkannte und die Vorstellung eines statischen, ge- schlossenen Systems überwinden konnte. Er gilt als der Begründer der ökonomischen In- novationstheorie.

Gemäß der Schumpeterschen Logik liegt der entscheidende Vorteil kapitalistischer Syste- me nicht in deren Fähigkeit zum Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage, sondern in deren Institutionalisierung technisch-wirtschaftlicher Revolutionen. Schumpeter rückt in seinen Überlegungen den charismatischen, nach neuen Faktorkombinationen strebenden Unternehmer (im Gegensatz zum Arbitrageunternehmer, der lediglich vorhandene Preisun- terschiede zur Gewinnerzielung ausnutzt) in den Vordergrund. Seiner Ansicht nach ist es dieser schöpferische Unternehmer, welcher durch seine unentwegte Suche nach neuen Ak- tionsfeldern den Prozess der schöpferischen Zerstörung antreibt. Wie der Begriff treffend ausdrückt, werden dadurch nicht nur neue Ideen durchgesetzt, sondern auch alte Strukturen zerstört.

In seinen späteren Überlegungen geht Schumpeter vom charismatischen Unternehmer ab und hebt stattdessen die Betriebsgröße als entscheidendes Merkmal für erfolgreiche Inno- vationsprozesse hervor. Dies wird dadurch begründet, dass große Firmen höhere Gewinne erwirtschaften, wodurch ihnen auch mehr Mittel für Forschungs- und Entwicklungsaktivi- täten zur Verfügung stehen, was wiederum den Innovationsprozess begünstigt.

2.2.2 Lineares Innovationsmodell

Das lineare Innovationsmodell erklärt Innovationen nicht durch das Aufkommen neuer, kreativer Faktorkombinationen, sondern konzentriert sich stattdessen auf den implizit fir- meninternen Ablauf des Innovationsprozesses. Dabei wird der Innovationsprozess als eine lineare Kette angesehen. Die (1) Grundlagenforschung und angewandte Forschung bilden hierbei die Basis. Es folgen (2) Produkt und Prozessentwicklung, (3) Produktion und (4) Verbreitung und Vermarktung. Konsequenterweise kann nach dieser Logik angenommen werden, dass höhere Forschungsaufwendungen direkt zu einer Steigerung von Innovatio- nen führt.

Das Modell wurde heftig kritisiert, vor allem nachdem empirisch festgestellt wurde, dass Innovationsprozesse keineswegs diesem linearen Schema folgen. In der Tat konnte keine Struktur der Entstehung von Innovationen herausgearbeitet werden. Im Gegenteil, Innovationen finden in allen beliebigen Phasen der Innovationskette statt. Während interne Forschungs- und Entwicklungsabteilungen eine wichtige Quelle für viele Innovationen darstellen mögen, so können doch Ideen und Impulse auch von anderer Seite, wie etwa von Verbrauchern und Lieferanten ausgehen (Kline 1985).

2.2.3 Innovationssystem

Beiden zuvor skizzierten Innovationstheorien, sowohl der Schumpeterschen Theorie der kreativen Zerstörung als auch dem linearen Innovationsmodell entgeht die systemische Natur von Innovationsprozessen. Erst der sich in den 1990er Jahren entwickelnde evoluti- onstheoretische Ansatz begreift Innovation als einen interaktiven Prozess, welcher system- externe Akteure miteinschließt. Zahlreiche moderne theoretische Konzepte berufen sich auf diese neue Strömung und erweitern konsequenterweise ihr Blickfeld, hin zu einer um- fassenderen Sichtweise innovationsökonomischer Prozesse. Beispiele hierfür sind die Konzepte:Innovatives Milleux(Camagni 1991),Cluster(Porter 1990),Technologische Regime(Nelson and Winter 1982), sowie die verschiedensten Arten von Innovationssys- temen (Edquist 1997; Lundvall 1995; Nelson 1993). Letztere begründen beispielgebend die Fähigkeit zur Generierung von Innovationen nicht nur auf den individuellen Leistungen einzelner Unternehmen, sondern auch auf der Interaktion und Organisation zwischen den Akteuren. Wenn auch das Unternehmen weiterhin als Zentrum innovativer Tätigkeiten gilt, so betrachtet man es doch nicht mehr als von der Außenwelt unabhängig. Im Gegenteil, innovierende Firmen bzw. Firmen im Allgemeinen, gelten gemäß dieser theoretischen An- sicht als tief eingebettet in ein komplexes ökonomisches, soziales System, mit dem es ständig interagiert. Ein Innovationssystem besteht daher nicht nur aus dem Innovator, son- dern umfasst darüber hinaus auch zahlreiche externe Partnerunternehmen (Lieferanten, Subunternehmer, Abnehmer, Verbraucher), intermediäre Organisationen (Beratungsfir- men, Technologiezentren, öffentliche Unterstützungseinrichtungen...) als auch For- schungszentren und Universitäten.

Ursprünglich war der innovationssystemische Ansatz für die nationale Ebene konzipiert, doch entwickelten sich in kurzer Zeit auch regionale, technologische und sektorale Varian- ten, welche jeweils einen bestimmten Aspekt des Modells hervorheben. So geht etwa das Konzept des regionalen Innovationssystems (siehe Cook et al. 1997) speziell auf die spezi- fisch regionalen Innovationsstrukturen ein, während die sektorale Variante (siehe Malerba 2000) die Unterschiede der Innovationssysteme zwischen verschiedenen wirtschaftlichen Sektoren beleuchtet.

Trotz diverser Unterschiede zwischen den zahlreichen, auf dem evolutionsökonomischen Modell basierenden, Konzepte stechen doch die Gemeinsamkeiten hervor. So heben zum Beispiel sämtliche Ansätze den dynamischen Aspekt von Innovationen hervor und verwei- sen auf die enge Verbindung zwischen Unternehmen und Gesellschaft. Innovation kann in all den genannten Theorien nur als ein Produkt aus einer starken Interaktion zwischen bei- den genannten Bereichen verstanden werden. Ohne soziale Strukturen und Netzwerke, d.h. ohne einer engen Verbindung zwischen wirtschaftlichen Akteuren und gesellschaftlichen Kräften wäre das Phänomen nicht erklärbar.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783640628001
ISBN (Buch)
9783640627844
Dateigröße
429 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151242
Institution / Hochschule
Wirtschaftsuniversität Wien – Soziologie
Note
1,0
Schlagworte
Innovation Sozialkapital Soziologie Schumpeter

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Unternehmen und Gesellschaft