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Die demografische Entwicklung in Deutschland und ihre Auswirkungen auf die sozialen Sicherungssysteme

Wissenschaftlicher Aufsatz 2003 12 Seiten

Soziologie - Soziales System, Sozialstruktur, Klasse, Schichtung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Geschichte der sozialen Sicherungssysteme

2. Die demografische Entwicklung in Deutschland
2.1 Die Entwicklung der Geburtenhäufigkeit in Deutschland
2.2 Die Entwicklung der Sterberate
2.3 Entwicklung der Arbeitslosenquote

3. Reformen seit 1970

Zusammenfassung

Einleitung

In dieser Arbeit sollen die Auswirkungen der demografischen Entwicklungen der letzten 30 Jahre auf die sozialen Sicherungssysteme untersucht werden. Mit dem Term „soziale Sicherungssysteme“ werden die Rentenversicherung, Krankenversicherung, Unfallversicherung und Arbeitslosenversicherung bezeichnet. Ich werde zunächst einen kurzen geschichtlichen Abriss über die Systeme und deren Entwicklung darstellen. Im Anschluss werden die demografischen Veränderungen der letzten 30 Jahre thematisiert um im darauf folgenden Kapitel die Reaktionen der Regierungen im Hinblick auf die sozialen Sicherungssysteme zu schildern. Die aktuelle Debatte um die nötigen Veränderungen des Systems würde aufgrund der Datenfülle (demografische Schätzung, Präsentation von Modellen) eine eigenständige Bearbeitung erfordern. Ich habe mich daher in der „gesicherten“ Retrospektive bewegt und lediglich in Kraft getretene Reformen berücksichtigt.

1. Geschichte der sozialen Sicherungssysteme

Im Rahmen der Industrialisierung und Verstädterung der Gesellschaft in Deutschland kam es im ausgehenden 19. Jh. zu einer Verarmung weiter Bevölkerungskreise. Der lauter werdende Ruf nach politischer Mitbestimmung und die sozialen Probleme veranlassten Kaiser Wilhelm I im Jahre 1881 die „Kaiserliche Botschaft“ zu verfassen, in der er den Anspruch der Bevölkerung auf materielle Absicherung anerkannte und den Aufbau einer Sozialversicherung andachte. Am 17. November 1881 legte der damalige Reichskanzler Bismarck dem Reichstag die Grundzüge seiner Sozialversicherung vor. Das "Gesetz betreffend der Krankenversicherung der Arbeiter" trat am 1. Dezember 1884 in Kraft. Demnach mussten alle im Handwerk und in der Industrie beschäftigten Arbeiter in Krankenkassen versichert werden. Die bestehenden Krankenkassen, und damit auch die Innungskrankenkassen, die aus der Tradition der Zunft- und Gesellenkassen entstanden waren, wurden als Träger der neuen Gesetzlichen Krankenversicherung zugelassen. Durch die Bismarcksche Gesetzgebung wurden erstmals die vier Grundelemente der sozialen Krankenversicherung festgelegt: Versicherungspflicht, Anspruch auf bestimmte Leistungen, Haftung des Arbeitgebers für die Zahlung der Beiträge und Selbstverwaltung durch die Krankenkassenmitglieder. Ebenfalls im Jahre 1884 wurde das Unfallversicherungsgesetz erlassen. Der letzte Baustein der Bismarckschen Sozialgesetzgebung war das Inkrafttreten des „Gesetzes zur Alters- und Invaliditätssicherung, welches am 22. Juli 1889, nach der Zustimmung des Kaisers und des Bundesrates, in Kraft trat. Folgende Regelungen sah das Alters- und Invaliditätsgesetz vor:

- Das Gesetz gilt für die durch Alter oder Invalidität hervorgerufene Erwerbsunfähigkeit.
- Die Gewährung einer Invaliditätsrente ist erst nach 5jähriger Beitragszahlung möglich (Wartezeit).
- Der Rentenanspruch für eine Altersrente beginnt mit der Vollendung des 70.Lebensjahres und setzt eine dreißigjährige Beitragszahlung voraus.
- Es besteht Versicherungszwang für alle Lohnarbeiter der Industrie, des Handwerks und der Landwirtschaft.
- Träger der Versicherung sind die dafür einzurichtenden Landesversicherungsanstalten.
- Finanziert wird die Versicherung zu je einem Drittel von den Arbeitnehmern, den Arbeitgebern und vom Reich, letzteres in Form von Zuschüssen.[1]

Am 19. Juli 1911 wurden die verschiedenen Sozialgesetze harmonisiert und in der Reichsversicherungsordnung zusammengefasst. Im Jahre 1957 erfolgte dann eine Reform der Rentenversicherung. Diese ermöglichte die Anpassung des Ruhegeldes, der Hinterbliebenenrente und der Invaliditätsrente an die jeweilige Entwicklung der Wirtschaft. Bisher waren für die Höhe der Renten ausschließlich die eingezahlten Beiträge maßgebend. Künftig erfolgte die Rentenanpassung nach veränderter Wirtschaftslage durch Beschluss des Bundestages. Bei dem ebenfalls eingeführten Umlageverfahren werden die Einnahmen des laufenden Monats für die Rentenzahlungen des nächsten Monats herangezogen. Außer einer vorzuhaltenden Schwankungsreserve werden keine Rücklagen gebildet. Das heißt, ein Rentner erhält sein Altersgeld aus den Beiträgen, die im Vormonat von Erwerbstätigen und Arbeitgebern je zur Hälfte solidarisch entrichtet wurden. Norbert Blüm sprach daher stets von der Solidargemeinschaft. Beim Umlageverfahren hängt die Höhe der Rentenbeiträge für Aktive unter anderem von der Zahl der Arbeitslosen und der Entwicklung der Altersstruktur der Bevölkerung ab. Nach Schilderung der Basis der deutschen Sozialsicherungssysteme wird im folgenden die demografische Entwicklung Deutschlands seit den 70er Jahren geschildert, um im darauf folgenden Kapitel erkennen zu können wie die Politik auf ebendiese hinsichtlich der Ausrichtung der sozialen Sicherungssysteme reagierte.

2. Die Demografische Entwicklung in Deutschland

Eine demografische Bevölkerungsentwicklung wird anhand dreier Parameter bestimmt:
1. Fertilität (Geburtenrate)
2. zukünftige Lebenserwartung
3. Migration (bedingt durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen, daher hier nicht berücksichtigt)

[...]


[1] http://www.erziehung.uni-giessen.de/studis/Robert/servus.html

Details

Seiten
12
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783640628841
ISBN (Buch)
9783640628940
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151218
Institution / Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
Schlagworte
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