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Die Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders in den Nachrichtenmagazinen "News" und "Profil"

Eine Frame-Analyse

Bachelorarbeit 2009 54 Seiten

Medien / Kommunikation - Journalismus, Publizistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas
1.2. Forschungsfrage
1.3. Methodik und Operationalisierung
1.4. Bisheriger Forschungsstand
1.5. Aufbau der Arbeit

2. Prominenz und Tod:
Theoretische Betrachtungsweise zum Framingprozess in der Berichterstattung
2.1. Was ist Framing?
2.2. Framing durch die Medien und die Politik
2.3. Die Tragik im Journalismus
Die Nachrufkultur der Medien
2.4. Prominente Todesfälle medial inszeniert:
Die Beispiele Lady Di und Thomas Klestil
Der Diana-Mythos

3. Jörg Haider – Politiker und Medienstar

4. Die Analyse der Berichterstattung
4.1. Prägung
4.1.1. Herkunft
4.1.2. Elternhaus
4.2. Der Ausnahme-Politiker und sein politischer Stil
4.3. Volksnah, heimatverbunden, bodenständig
4.4. Das Ausländer-Thema
4.5. Nationalsozialismus
4.6. Zwiespältigkeit und Schauspielerei
4.7 Der „alte“ und „neue“ Haider.36
4.8. Jörg Haider privat
4.8.1. Der Familienmensch
4.8.2. Sexualität
4.8.3. Der Mythos
4.9. Tod

5. Verbindung von Empirie und Theorie
5.1. Sprachliche Analyse
5.1.1. Wortwahl
5.1.2. Rhetorische und stilistische Mittel
5.2. Frames in der Berichterstattung
5.2.1. News
5.2.2. Profil
5.3. Mögliche Framing-Effekte

6. Konklusion
6.1. Resümee
6.2. Beantwortung der Forschungsfrage
6.3. Schlussfolgerung

LITERATUR- und QUELLENVERZEICHNIS

ANHANG

1. Einleitung

„Wenn jemand interessant ist, dann ist eben auch sein Ende wichtig“

(Brunn 1999, 27)

1.1. Problemstellung und Relevanz des Themas

Eine der schillerndsten Persönlichkeiten der österreichischen Politik ist am 11. Oktober 2008 um 1.30 Uhr bei einem tragischen Autounfall ums Leben gekommen – Jörg Haider. Kein anderer Politiker hat so sehr polarisiert wie er und kein anderer Politiker wurde so oft aufgrund seiner Fremdenfeindlichkeit und Eigenheiten kritisch in den Medien dargestellt wie der langjährige FPÖ-Chef und BZÖ-Gründer. Jörg Haider war nicht nur ein Vollblutpolitiker, er war auch ein Medienstar und der Kärntner Volksheld. Er war ein Oberösterreicher, der in Kärnten seine Hochburg fand. Er war einer der erfolgreichsten Politiker des Landes, und hatte dennoch nie ein Regierungsamt inne. Haider verkörperte einen völlig anderen Politiker-Typus – modern, rhetorisch perfekt, elegant.

Die Nachricht von seinem tödlichen Unfall

Die Meldung wurde sowohl für die heimische als auch für die internationale Presse zum Medienereignis. Das Konterfei des Kärntner Landeshauptmannes und BZÖ-Gründers zierte alle Tageszeitungen. So erschienen auch die Magazine „News“ und „Profil“ mit einer ausführlichen Berichterstattung zum Ableben und zur Person Jörg Haiders. In zahlreichen Artikeln wird Haider charakterisiert, er wird als „Landesvater“, „jugendlicher Revoluzzer“, „Staatsmann“, „Demagoge und Provokateur“ sowie als „Verhetzer“ bezeichnet, um nur einige verwendete Synonyme der Journalisten zu nennen. Die Berichterstattung zu seinem Tod folgt einem erwarteten Muster. Sujets, die ihn schon zu Lebzeiten beschäftigten, werden auch in der Berichterstattung aufgegriffen. Seine Politik wird von beinahe allen Journalisten verpönt, seine Ausstrahlung und sein Charisma jedoch bewundert. Das Thema „Ausländer“ und „Nationalsozialismus“ zieht sich durch die gesamte Berichterstattung und taucht immer wieder auf. Eine der zentralsten Eigenschaften, darüber sind sich beide Magazine einig, ist der Hang zur Inszenierung und Schauspielerei beim 58-jährigen Politiker.

Jörg Haider war prominent. Er war spannend für die Medien und sein abruptes Ableben musste zweifelsohne zum Medienereignis werden. Die Frage, die sich hierbei stellt, ist, mit welchen Frames die Journalisten hier arbeiteten, um Jörg Haider darzustellen. Wie wurde Jörg Haider letztendlich in den Magazinen „News“ und „Profil“ dargestellt?

1.2. Forschungsfrage

Die zentrale Forschungsfrage im Rahmen dieser Bakkalaureatsarbeit lautet:

à Welche Frames verwendeten die Nachrichtenmagazine „Profil“ und „News“ im Zuge ihrer Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders?

In diesem Zusammenhang möchte ich auch folgende Detailfragen klären:

- Was versteht man unter Frames bzw. was bedeutet Framing?
- Wie sah die Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders aus? (Gemeinsamkeiten bzw. Unterschiede in den Magazinen hinsichtlich der verwendeten Frames, den rhetorischen und sprachlichen Mitteln sowie der Wortwahl)?
- Wie wurde die Person bzw. der Politiker Jörg Haider in „Profil“ und „News“ dargestellt?
- Welche stilistischen und rhetorischen Mittel verwendete der Journalist?
- Welche Metaphern und sprachlichen Bilder enthielt die Berichterstattung?
- Mit welchen Sujets wurde Jörg Haider in der Berichterstattung in Verbindung gebracht (Nationalsozialismus, etc.)?

Als Vorannahme kann hier die These aufgestellt werden, dass das Nachrichtenmagazin „Profil“ in seiner Berichterstattung den Politiker Jörg Haider thematisiert und verstärkt seine politische Vergangenheit in den Vordergrund zu stellen versucht während „News“ als Boulevardmagazin die Person Jörg Haider in den Mittelpunkt rückt und ihn in der Berichterstattung zum Volkshelden Kärntens stilisiert .

1.3. Methodik und Operationalisierung

Ich werde in meiner Bakkalaureatsarbeit zum Tod Jörg Haiders eine qualitative Inhaltsanalyse durchführen. Dieser Untersuchung liegt ein Kategoriensystem bei (siehe Anhang), anhand dessen ich die ausgewählten Texte in beiden Magazinen untersuchen werde. Schließlich will ich anhand der beiden Magazine die Berichterstattung der drei Ausgaben nach dem 11. Oktober hinlänglich der Argumentationsstruktur untersuchen, das heißt, ich stelle die Frage, mit welchen Argumenten der Journalist arbeitet, welche Struktur er dem Text gibt und welche stilistischen und rhetorischen Mittel verwendet werden. Ein weiterer Punkt in der qualitativen Analyse wird die Charakterisierung des Akteurs, in diesem Fall Jörg Haider, sein – das heißt, mit welchen Begriffen (Verben, Substantiven, Adjektiven, etc.) wird er dargestellt. Durch das qualitativ-induktive Vorgehen soll es möglich sein, die vorhandenen Frames zu identifizieren.

1.4. Bisheriger Forschungsstand

In der Literatur findet die Berichterstattung zu Prominenz und Tod nur wenig Beachtung. Nach dem Tod von Diana Spencer erschien von Sibylle Peters und Janina Jentz ein Buch, das sich mit dem Phänomen der Trauer und dem Personenkult auseinandersetzt. Die Inszenierung von Prominenz und Schicksal zeigt ein weiteres Buch von Miriam Meckel et al auf, das sich ebenfalls dem Tod von Lady Di widmet. Das Ableben von Paps Johannes Paul II wird in der Fachzeitschrift „Communicatio Socialis – Internationale Zeitschrift für Kommunikation in Religion, Kirche und Gesellschaft“ thematisiert. Johannes Paul II galt ja als „Medienpapst“ (vgl. Kallscheuer 2005, 259). Stefan Brunn hat in seinem im Jahr 1999 erschienen Buch „Abschieds-Journalismus“ die Berichterstattung über Todesfälle in den Medien näher unter die Lupe genommen. Im Rahmen ihrer Magisterarbeit beschäftigte sich Bernadette Aichinger an der Universität Salzburg mit Mediatisierten Prominententoden. Sie fertigte eine kommunikationswissenschaftliche Analyse der Print-Berichterstattung über den Tod von Bundespräsident Thomas Klestil, Modemacher Rudolph Moshammer sowie Papst Johannes Paul II. an (vgl. Aichinger 2008, 1).

1.5. Aufbau der Arbeit

Im nun folgenden Kapitel meiner Arbeit werde ich die Themen Prominenz und Tod vom theoretischen Aspekt her betrachten. Ich möchte darstellen, was es mit dem Begriff des Framings auf sich hat und wie Medien und die Politik im Zuge ihrer Tätigkeit framen. Es stellt sich außerdem die Frage, wie Medien mit überraschenden Todesfällen von prominenten Personen des öffentlichen Lebens umgehen – das heißt, wie sieht die Berichterstattung über die Person aus. Als prominentestes Beispiel habe ich hier Diana Spencer ausgewählt. Kapitel 3 meiner Arbeit dient der Beschreibung der Person und des Politikers Jörg Haider. Hier soll darauf hingewiesen werden, warum sein Ableben soviel mediales Interesse weckte. Kapitel 4 beinhaltet den empirischen Teil dieser Arbeit. Hier werde ich die beiden österreichischen Wochenmagazine „Profil“ und „News“ hinsichtlich ihrer Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders untersuchen. Dieses Kapitel ist zentral für die Beantwortung der Forschungsfrage. Hier soll anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse auf die Verwendung von Frames Bezug genommen werden. Das abschließende Kapitel dient der Beantwortung der Forschungsfrage sowie der Interpretation der dargestellten Ergebnisse.

Die verwendete Literatur findet sich in alphabethischer Reihenfolge am Ende der Arbeit. Die analysierten Artikel und Berichte sowie das Kategoriensystem für die Operationalisierung sind als Anhang angefügt.

2. Prominenz und Tod Theoretische Betrachtungsweise zum Framingprozess in der Berichterstattung

2.1. Was ist Framing?

Framing ist ein Prozess. Das Produkt oder Resultat dieses Prozesses sind Frames. Frames sind nach der Definition von Bertram Scheufele „Interpretationsmuster, die helfen, neue Informationen sinnvoll einzuordnen und effizient zu verarbeiten“ (Scheufele 2003, 46). „Framing ist der Vorgang, bestimmte Aspekte zu betonen, also salient zu machen, während andere in den Hintergrund treten“ (Scheufele 2003, 46).

Vereinfacht gesagt bedeutet der englische Begriff „Frames“ nichts anderes als „Deutungsmuster“ (Dahinden 2006, 14) oder Rahmen, durch die wir die Welt wie ein Fenster sehen. Weitere Synonyme für „Frame“ sind Schema oder Skript (vgl. Dahinden 2006, 27). „Frames sind Deutungsmuster, die sich in allen Phasen von massenmedialen Kommunikationsprozessen (PR, Journalismus, Medieninhalte, Publikum) identifizieren lassen“ (Dahinden 2006, 308). Durch ein solches Deutungsmuster wird ein Thema bewertet und interpretiert.

Robert Entman geht sogar soweit, dass er sagt:

„To frame is to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communication text, in such a way as to promote a particular problem definition, causal interpretation, moral evaluation and/or treatment recommendation” (Entman 1993, 52)

Damit schreibt Entman dem Framingaspekt zwei grundlegende Funktionen zu. Zum einen ist es „die Selektion von wahrgenommenen Realitätsaspekten“ (Dahinden 2006, 14) und zum anderen „die Strukturierung von Kommunikationstexten“ (Dahinden 2006, 14). Als Beispiel für ein Frame ist die Metapher David und Goliath zu sehen. Dieser Frame wird häufig zur Bezeichnung ungleich starker Gegner verwendet und hat Eingang in die Medien gefunden (vgl. Dahinden 2006, 15).

Wo findet man das Framing-Konzept nun? Framing passiert an vier Orten. Ein Kommunikator „rahmt“ durch bewusst oder unbewusst platzierte Frames, indem er entscheidet, was er sagt bzw. schreibt. In einem Text manifestieren sich Frames beispielsweise durch Schlüsselwörter, stereotype Bilder oder Phrasen – diesen Aspekt werde ich in meiner Arbeit mit der Berichterstattung zum Tod Jörg Haiders aufgreifen. Der Empfänger oder Rezipient erkennt diese Frames wie der Kommunikator oder auf eigene Art und Weise. Und schlussendlich beherbergt die Kultur an sich, welche Frames sich manifestieren und welche nicht (vgl. Entman 1993, 52f.). Scheufele verortet den Framing-Prozess auf drei unterschiedlichen Ebenen – bei den Journalisten bzw. im System der Medien selbst, beim Rezipienten und schließlich auch bei den Akteuren oder Gruppen in den verschiedenen Bereichen (Politik, Wirtschaft, etc.) (vgl. Scheufele 2003, 47). Für diese Bakkalaureatsarbeit von entscheidender Bedeutung werden die Frames im Text sein.

Wie aber funktionieren Frames?

Frames werten einen Teil der Information des Textes auf. Ein bestimmter Aspekt wird besonders hervorgehoben und unterscheidet sich von anderen Textpassagen oder Wendungen (vgl. Entman 1993, 53). Frames sind mehrdimensional, das heißt, sie geben eine „dichte Beschreibung“ (Dahinden 2006, 194) eines Themas wider und bewerten dieses Thema (vgl. Dahinden 2006, 194). Frames können in einem Text vor allem im Gebrauch von Metaphern erkannt werden. Bei einer Metapher handelt es sich um „eine Figur, durch welche […] die eigentliche Bedeutung deines Wortes auf eine andere Bedeutung übertragen wird“ (Dahinden 2006, 77). Ausschlaggebend ist also die Bedeutung des Wortes in einem verwendeten Kontext. Die Funktion einer Metapher besteht darin, einen komplexen Sachverhalt pointiert darzustellen und zu veranschaulichen. Die „Büchse der Pandorra“ oder ein „Teufelspakt“ sind Beispiele für häufig verwendete Metaphern im Journalismus (vgl. Dahinden 2006, 76ff.). Metaphern werden aber nicht nur von Journalisten verwendet, sondern auch von Politikern. So hat der ehemalige US-Präsident Bush den „Krieg gegen den Terror“ prolongiert, Präsident Lyndon Johnson bemühte sich um einen „Krieg gegen die Armut“ (vgl. Dahinden 2006, 78). Nicht alle Frames in einem Text treten aber in Form einer Metapher auf (vgl. Dahinden 2006, 308).

2.2. Framing durch die Medien und die Politik

Das Konzept des Framings spielt sowohl in den Medien als auch in der Politik eine entscheidende Rolle. Im Journalismus findet Framing an zwei grundlegenden Prozessen statt: Der Journalist übernimmt in einer passiven Rolle einerseits die PR-Informationen und selektiert und modifiziert sie. Andererseits recherchiert der Journalist aktiv und unterlegt seine Texte mit bestimmten Frames. Durch die Eigenrecherche hat er bereits einen bestimmten Ausschnitt aus der Umwelt, den er für berichtenswert hält (vgl. Dahinden 2006, 61).

Zwei grundlegende Prozesse, die im Journalismus also alltäglich sind, sind die Nachrichtenauswahl und ihre Bewertung. Beide Begriffe stehen in direktem Zusammenhang mit Framing. Bei der Auswahl einer Nachricht werden so genannte Nachrichtenfaktoren herangezogen – ein Beispiel hierfür wäre die Aktualität, Nähe, Überraschung, Kontroverse, Schaden, etc. Je mehr Nachrichtenfaktoren eine Meldung oder ein Ereignis enthält, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Journalist davon berichtet. Beispiel: Ein Autounfall, bei dem drei Personen ums Leben kommen hat den Nachrichtenwert Schaden, ist aber nicht unbedingt berichtenswert, weil dies beinahe täglich passiert. Ist unter den Unfallopfern aber eine prominente Persönlichkeit wie Diana Spencer und ihr Geliebter Dodi Al Fayed, steigt der Nachrichtenwert um ein Vielfaches an. Tauchen nach dem Unfall sogleich Verschwörungstheorien um den Tod der Prinzessin auf, so haben wir die Nachrichtenfaktoren Aktualität, Nutzen, Schaden, Kontroverse und Überraschung (vgl. Dahinden 2006, 67-70). Die Nachrichtenwerttheorie ist eng verbunden mit dem Begriff des Framings, da hier eine Selektion erfolgt. Maßgeblich für die Auswahl einer Meldung dürfte auch die Übereinstimmung mit den persönlichen Vorstellungen des Journalisten sein – also ob sich seine Frames mit den vorliegenden Informationen decken (vgl. Scheufele 2003, 102).

Framing-Effekte

Framing findet also bereits direkt beim Journalisten statt. Journalistische Frames dienen dazu, aus einer Fülle an Informationen zu selektieren und kategorisieren. Sie fungieren quasi als „Arbeitsroutine“ (Scheufele 2003, 50). Der Journalist selbst, so sieht es die Gatekeeper-Forschung, fungiert wie ein Wärter, der entscheidet, was zur Nachricht wird und was nicht. Dem sehr nahe kommt der bereits beschriebene Ansatz der Nachrichtenwerttheorie (vgl. Scheufele 2003, 100). Mit der Selektionsentscheidung einher gehen bestimmte Erwartungen, die ein Journalist an ein Thema legt. Beispielsweise werden im Vorfeld einer Demonstration häufig Gewaltdelikte und Ausschreitungen erwartet. In diesem Sinne konstruiert Framing einen bestimmten Ausschnitt der Realität im Sinne einer konstruktivistischen Theorie (vgl. Scheufele 2003, 97f.).

Die Etablierung eines Themas durch eine Welle der Berichterstattung wird auch zum Framing-Prozess gezählt (vgl. Scheufele 2003, 50). Betrachtet man den ganzen Prozess, so gibt es vier Arten von Framing-Effekten nach Scheufele:

1) Den „Anwendbarkeits-Effekt“: Journalistische Frames aktivieren Schemata (beim Rezipienten).
2) Den „Transformations-Effekt “: „Kumulatives, konsonantes Framing kann Vorstellungen in Richtung des Medien-Frames verschieben“ (Scheufele 2003, 68).
3) Den „Etablierungs-Effekt“: Framing kann sogar soweit gehen, dass es beim Rezipienten ein noch nicht vorhandenes Schma herausbildet.
4) Den „Einstellungs-Effekt “: Frames können „Einstellungen, Meinungen u.ä. von Rezipienten verändern“ (Scheufele 2003, 68).

Als Beispiel, wie sich eine solche Meinungsänderung vollzieht, nennt Scheufele das Thema um den Bau eines Atomkraftwerks. Der Rezipient erwartet sich davon neue Arbeitsplätze (positiver Effekt), aber auch Probleme bei der Entsorgung des Atommülls (negativer Effekt). Je nachdem, welcher Effekt von den Medien aufgegriffen und thematisiert wird, verändert sich auch die Meinung des Rezipienten (vgl. Scheufele 2003, 68).

Die Frames, die Journalisten zumeist unbewusst platzieren, beeinflussen die Gedanken der Rezipienten, werden aber nicht direkt übernommen. Framing-Effekte sind „das Ergebnis einer Interaktion“ (Scheufele 2003, 76) aus den Frames und den Vorstellungen, die ein Rezipient bereits hat (vgl. Scheufele 2003, 76). Journalistische Frames beeinflussen nicht nur die Vorstellungen eines Rezipienten, sonder auch seine Ansichten und Gefühle und „lenken Überlegungen […] in eine bestimmte Richtung“ (Scheufele 2003, 79).

2.3. Die Tragik im Journalismus

„Der Tod besitzt Nachrichtenwert“ (Brunn 1999, 33). Dieses Zitat spiegelt in einfachen Worten wider, was der Journalismus braucht – ein Ereignis. Die Nachrichtenwerttheorie zeigt, dass schlechte Nachrichten wie beispielsweise ein Todesfall in der Regel mehr wert sind als gute und auf der Skala der Nachrichtenwerte weit oben rangieren. Die Aufmerksamkeit der Rezipienten steigt, je höher die Anzahl der Toten oder je wichtiger die verstorbene Person ist (vgl. Brunn 1999, 10). Die gesteigerte Aufmerksamkeit durch einen Todesfall lässt auch die Auflagenzahlen rapide ansteigen. Die Medien berichten nicht nur über den Todesfall um zu informieren, sie verdienen auch am Schicksal berühmter Persönlichkeiten durch eine erhöhte Quote. „Der Tod gehört nicht nur zum Mediengeschäft, sondern ist auch ein Geschäft für die Medien“ (Brunn 1999, 31f.) Dies betrifft nicht nur die Boulevardpresse, sondern auch seriöse Medien (vgl. Brunn 1999, 29f.). Die britische Boulevardzeitung „Sun“ verkaufte nach dem Tod von Lady Diana um eine Million mehr Exemplare (vgl. Meckel 1999, 11f.).

Der Nachrichtenwert eines Todesfalles ist deshalb für die Medien so hoch einzuschätzen, weil es ein Ereignis ist, das nicht kontrolliert und künstlich in Szene gesetzt werden kann. Es steht im Gegensatz zu den meisten Medienereignissen, die bewusst inszeniert werden wie beispielsweise eine Pressekonferenz oder ein politisches Pseudoereignis (vgl. Brunn 1999, 33). In der Literatur wird ein solches Geschehen als „ genuines Ereignis“ (Strohmeier 2004, 117) bezeichnet. Damit ist ein Ereignis gemeint, das „völlig unabhängig und losgelöst von der Berichterstattung in den Massenmedien geschieht“ (Kepplinger 1992, 52). Ein Beispiel für ein genuines Ereignis wäre die Flutkatastrophe in den Sommermonaten 2002 oder der Tod eines Staatsmanns – beispielsweise von Thomas Klestil im Juli 2004, der zu dieser Zeit noch amtierender Bundespräsident der Republik Österreich war (vgl. Strohmeier 2004, 117 und vgl. Aichinger 2008, 8). Wird das Ereignis dann noch mit anderen Nachrichtenfaktoren kombiniert, beispielsweise Prominenz oder Personalisierung, dann steigt der Wert der Nachricht um ein Vielfaches. Spätestens nach dem Tod von Diana Spencer/Windsor bei einem Autounfall in Paris wurde dies bestätigt (vgl. Brunn 1999, 33).

Die Berichterstattung zum Tod hat sowohl mit dem Sterben der Person selbst als auch mit den Folgen und Konsequenzen zu tun (vgl. Brunn 1999, 11). „Der Sensenmann ist längst zum heimlichen Chefredakteur der Massenblätter geworden“, resümierte Manfred Kriener in seinem Kommentar in der „Tageszeitung“ bereits 1991 (zit. n. Brunn 1999, 31) und dürfte damit Recht behalten haben. Tote werden in den Massenmedien regelrecht hinauf stilisiert, zu Ikonen gemacht (zum Beispiel Elvis Presley) und die Berichterstattung wird über Tage hinweg ausgeweitet. Selbst wenn der Tod keine primäre Rolle in der Berichterstattung mehr spielt, wird das Ereignis medial aufgebauscht (vgl. Brunn 1999, 34), vor allem in Hinblick auf eine Steigerung der Auflagenzahl. Dies geschah auch beim Nachrichtenmagazin „News“, das sogar in der dritten Ausgabe, also mehr als drei Wochen nach dem Ableben Jörg Haiders noch umfassend berichtete und dessen Konterfei die Titelseite zierte.

Im Zuge der Berichterstattung zu einem prominenten Todesfall passiert es häufig, dass die Medien die Trauer um den Verstorbenen bewusst thematisieren um das Publikum zu kollektiver Trauer zu bewegen und anschließend diese kollektive Trauer der Rezipienten und der Öffentlichkeit selbst zum Faktor der Berichterstattung zu machen. Diese Technik gehört ebenfalls zum Standard, die Berichterstattung beliebig in die Länge zu ziehen (vgl. Brunn 1999, 37f.).

Journalisten haben beim Ableben von Persönlichkeiten die Rolle eines Pfarrers inne, so zumindest beschreibt es der Soziologe Klaus Feldmann (vgl. Feldmann 1997, 73) und vergleicht damit die Grabrede eines Pfarrers, die im übertragenen Sinne auch der Medienberichterstattung zu kommt. Abgesehen davon hat der Tod anderer eine besondere Anziehungskraft für uns – diese Faszination dürfte psychologischer Natur sein (vgl. Brunn 1999, 41f.).

Die Nachrufkultur der Medien

Die Kultur der Berichterstattung über den Tod einer Persönlichkeit hängt nach Siegfried Weischenberg unter anderem von den ethischen und professionellen Standards, den rechtlichen Grundlagen und den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ab. Ein Nachruf hat bestimmte Tabus, die von der Gesellschaft bei Verstößen als wenig geschmackvoll aufgenommen werden (vgl. Brunn 1999, 72). Zu diesen unausgesprochenen Tabus zählen zweifelsohne, wenn ein Medium den Tod einer Person lächerlich macht, ihn zur übertriebenen Sensation stilisiert oder den Todesfall „voyeuristisch ausschlachtet“ (Brunn 1999, 84). Auch gilt es als Tabu, ohne jegliche Form der Anteilnahme über den Verstorbenen zu berichten (vgl. Brunn 1999, 85) oder Unfallfotos, auf denen die sterbende Person abgelichtet ist, zu veröffentlichen (vgl. Brunn 1999, 23).

Der Nachruf gehört zu jenen Formen der journalistischen Arbeit, die primäre und sekundäre Information miteinander vereinen. Der Todeshergang wird kombiniert mit wichtigen Stationen im Leben des Verstorbenen. Häufig kommt hier das Archiv in den Redaktionen zum Einsatz. Gesammelte Daten über das Leben der Person werden dargestellt. Aktive Recherche betreibt der Journalist nur, wenn er Konkretes zum Unfallhergang wissen will oder Stimmen anderer zum Tod einholt (vgl. Brunn 1999, 88).

Todesfälle in den Medien bringen immer Konflikte mit sich. Zum einen ist der Journalist gefordert, ein objektives Bild des Verstorbenen zu zeichnen, darf aber andererseits nicht in eine gewöhnliche Nachrichtensprache verfallen. Dies wäre zu unpersönlich. Eine allzu hohe Würdigung im Text ist ebenfalls mit einer stilistischen Gratwanderung verbunden. Äußerst brisant ist auch die Vorgeschichte des Toten, beispielsweise die Taten eines Politikers während seiner Amtszeit. Schwächen und Verfehlungen werden in der Berichterstattung selten erwähnt. Häufig bleibt der Nachrufschreiber bei den Stärken des Verstorbenen (vgl. Brunn 1999, 201ff.). Die Berichterstattung reicht von Statements und Nekrologen bis hin zu Biographien, Porträts und Berichten nach dem Tod. Zu letzterem zählen Artikel über die Beerdigung, die Trauer in der Öffentlichkeit, die Todesfolgen und den Hergang des Todes (vgl. Brunn 1999, 57). Die journalistischen Darstellungsformen vermischen sich dabei, das heißt, Statements, biografische Daten des Verstorbenen und Berichte werden in einem Artikel kombiniert und vermischt. Der Übergang erfolgt fließend. Im Allgeheimen handelt es sich bei der Berichterstattung zu einem Todesfall um eine generelle Beschäftigung mit der Person und ihrem Leben. Es hat sich eingebürgert, dass der Verstorbene noch einmal gewürdigt und gelobt wird (vgl. Brunn 1999, 61).

Eine ausführliche Todberichterstattung ist dann zu erwarten, wenn die Person bereits zu Lebzeiten einen gewissen Promifaktor hatte, das heißt, wenn sie die Aufmerksamkeit der Medien durch Leistung, Erfolg oder Kuriosität auf sich gezogen hat – in diesem Fall ist auch das Ableben als letzte Station im Leben für die Medien von besonderem Interesse (vgl. Aichinger 2008, 62). Als mediales Gestaltungsmittel spielt bei Todesfällen die Emotion eine wichtige Rolle, da sich die Rezipienten von emotionsgeladenen Inhalten stärker angezogen fühlen (vgl. Aichinger 2008, 28f.). Zu den Emotionen rund um einen Todesfall zählt vor allem die Trauer. Ein Prominententod (Lady Di) oder eine Katastrophe (Brandkatastrophe Kaprun), die medial sehr emotionsgeladen aufbereitet wird, löst in manchen Fällen kollektive Trauer (Massentrauer) aus. Die Medienberichterstattung schafft hier eine Plattform für ein Gefühl der Gemeinschaft und stellt hier eine Wechselwirkung von Berichterstattung und Massentrauer her (vgl. Aichinger 2008, 33 und 36). In medias res bedeutet dies: „Der Tod von Personen wird erst journalistisch beweint, so dass dem Publikum seinerseits die Tränen kommen, was dann wiederum dokumentiert werden kann“ (Brunn 1999, 38).

2.4. Prominente Todesfälle medial inszeniert:

Die Beispiele Lady Di und Thomas Klestil

Der prominenteste Todesfall, der in den Medien ausgebreitet wurde, war zweifelsohne die Tragik rund um den Autounfall von Diana Spencer, besser bekannt als Lady Di. Die Prinzessin von Wales verstarb am Abend des 31. August 1997 in Folge eines Autounfalls in Paris. Hier lassen sich zumindest gewissen Parallelen zum Autounfall von Jörg Haider ziehen, dessen Berichterstattung später analysiert wird. Auch er verstarb völlig unerwartet in der Nacht und auch er war, zumindest in Österreich und teilweise über die Landesgrenzen hinweg, eine prominente Persönlichkeit.

Diana befindet sich, so heißt es später, auf der Flucht vor den Paparazzi. Alle Fernsehsender nehmen das Ereignis unverzüglich in ihre Berichterstattung auf, krempeln das Programm um für Sondersendungen, die über die dramatischen Ereignisse und ihre Vorgeschichte ebenso wie das Leben der „Prinzessin der Herzen“ (Kamps 1999, 53) in aller Ausführlichkeit berichten (vgl. Kamps 1999, 53).

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Details

Seiten
54
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640630264
ISBN (Buch)
9783640630615
Dateigröße
698 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151100
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
1,8
Schlagworte
Österreichische Magazine Profil News Jörg Haider Framing Frame-Analyse Journalismus

Autor

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