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Auswirkungen des e-commerce auf die e-logistic im Verlauf der Wertschöpfungskette (supply chain) unter besonderer Berücksichtigung der optimalen Steuerung des Informationsflusses

Hausarbeit 2010 29 Seiten

BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Problemstellung und Beschreibung des Arbeitsablaufes

2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Klassischer Handel im Vergleich zum E-Commerce
2.2 Definition von Supply Chain Management
2.3 Definition von E-Logistik

3. Konzeptionelle Anforderungen von E-Commerce an die Logistik
3.1 Notwendige Erfordernisse der B2B-Logistik
3.2 Herausforderungen an die B2C-Logistik

4. Wichtige Problemfelder der E-Logistik
4.1 Gestaltung und Steuerung unternehmensübergreifender Prozesse
4.2. Bündelung von Warenströmen und das Problem der letzten Meile
4.3 Datensicherheit, Datenschutz und fehlende Standards

5 Lösungskonzepte und Systeme auf Basis neuer Informations- systeme und -technologien
5.1 Datenmanagement
5.1.1 Einführung transaktionsorientierter Modelle
5.1.2 Enterprise-Application-Integration
5.1.3 Advanced Planning Systems
5.2 Neue Kommunikationstechniken
5.2.1 Telematik und Global Positioning System
5.2.2 Mobile Computing
5.2.3 Radio Frequency Identification
5.3 Innovationen zur Überwindung der letzten Meile

6. Praxisbeispiele für den Einsatz neuer Kommunikations- techniken - RFID

7. Resümee und Entwicklungstendenzen in der E-Logistik

8. Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Problemstellung und Beschreibung des Arbeitsablaufs

Der Internetumsatz von Waren und Dienstleistungen (ohne Autos) hat sich im Jahre 2005 in Deutschland auf etwa 18,1 Mrd. Euro erhöht.1 Die Online- Versandhäuser rechnen dabei mit einem Umsatzsprung von 25% auf über 6 Mrd. Euro. Bereits heute erzielen sie etwa ein Drittel ihres Umsatzes online. Dieser Anteil wird nach Schätzungen bis zum Jahre 2010 auf rund 50% ansteigen.2

Allein gute Produkte zu produzieren reicht aber im Zeitalter des E-Commerce nicht mehr aus. Internetkunden gelten angesichts des weltweiten Angebots als wenig loyal. Nur schnell belieferte und zufriedene Kunden bleiben treu.3 Die Ansprüche der Online-Händler und ihrer Kunden an die Logistik sind deshalb hoch.4

Aufgabe der E-Logistik ist es deshalb zum einen die Waren umzuschlagen, zu transportieren und termingerecht an den Kunden zu liefern.5 Aufgabe ist aber zum anderen auch die optimale Steuerung des Informationsflusses entlang der gesamten Wertschöpfungskette (Supply Chain), die Integration der notwendigen Soft- und Hardware in den Unternehmen sowie die Abwicklung des elektronischen Zahlungsverkehrs. Diese komplexe Aufgabe stellt die E-Logistik vor ganz neue Anforderungen. Die verfügbaren Konzepte und Systeme im E- Logistik-Bereich sollen deshalb in der folgenden Arbeit beschrieben und diskutiert werden. Wegen der Komplexität des Untersuchungsgegenstandes und des begrenzten Umfangs der Arbeit, muss sich diese auf einige wesentliche Faktoren konzentrieren.

Aufgrund der Vielschichtigkeit des Themas ist es notwendig, nach der Problemstellung im zweiten Kapitel, wichtige Begriffe im Logistik-Umfeld wie E-Commerce, Supply Chain Management und E-Logistik zu definieren. Dass insbesondere die Definition des Begriffs E-Logistik in der Literatur nicht eindeutig ist, liegt zum einen am permanenten technischen Fortschritt in diesem Sektor, der eine kontinuierliche Anpassung der Definition notwendig macht, zum anderen daran, dass Logistikprozesse nicht nur Folge, sondern auch Gegenstand von E-Business bzw. E-Commerce-Aktivitäten sind. Die Diskussion zu den Auswirkungen des E-Commerce auf die E-Logistik ist deshalb Gegenstand des dritten Kapitels.

Im vierten und fünften Kapitel wird aufgezeigt, welche grundlegenden Probleme sich bei der Durchführung von „E-Logistik“-Prozessen ergeben und welche Lösungskonzepte auf der Basis neuer Informationstechnologien eingesetzt werden. Zum Schluss wird der Einsatz neuer Informationstechnologien in der E- Logistik am Beispiel der Radio Frequency Identification (RFID) dargestellt.

2. Begriffliche Grundlagen

2.1 Klassischer Handel im Vergleich zu E-Commerce

Beim Online-Handel fallen in der Regel die klassischen Handelswege über den Groß- und Einzelhandel weg. Hersteller und Kunde stehen im Idealfall 24 Stunden pro Tag weltweit in direktem Kontakt.6 E-Commerce7 wird deshalb in dieser Arbeit als ein „Handelsgeschäft verstanden, das auf öffentlich zugänglichen Märkten und über ein interaktives elektronisches Medium abgeschlossen wird“8. E-Commerce ist Bestandteil des E-Business. Er grenzt sich von den anderen Formen des Fernhandels (z.B. TV-Shopping) ab, weil dort die zum Einsatz kommenden Medien nicht interaktiv sind.

"E-Commerce findet hauptsächlich zwischen Unternehmen (B2B) sowie zwischen Unternehmen und Privathaushalten (B2C) statt. Neben dem Internet können auch andere Medien (proprietäre Netzwerke, Mobilfunknetze oder interaktives Fernsehen) als technische Kommunikationsträger eingesetzt werden."9

2.2 Definition von Supply Chain Management

Unter Supply Chain Management versteht man die „integrierte Planung, Simulation, Optimierung und Steuerung der Waren,- Informations- und Geldflüsse entlang der gesamten Wertschöpfungskette vom Kunden bis hin zum Rohstofflieferanten.“10

Nach Diebold „ist der höchste Reifegrad der Logistik dann erreicht, wenn ihr Betrachtungsbereich unternehmensübergreifend - im Extremfall auf die gesamte Wertschöpfungskette - ausgeweitet und ihre Organisation als virtuelle im Sinne eines dynamischen Netzwerkes verstanden wird.“11 Diese Ausbaustufe, so Diebold, wird durch das Konzept des Supply Chain Managements wiedergegeben.12

Inhaltlich ist die Struktur der Supply Chain einer starken Änderung unterworfen. Ziel der Unternehmen ist dabei nicht nur eine Verkürzung der Lieferkette, sondern auch eine zunehmende Entkopplung der physischen Logistikkette von der Informationskette13.

Durch die Nutzung neuer Kommunikationstechniken ist es bereits heute möglich, Daten nahezu ohne Zeitverlust weiterzugeben.14 Es kommt aber nicht nur zu einer Trennung der physischen Logistik von der Informationslogistik. „Für die Informationslogistik wird der Begriff der Supply Chain in naher Zukunft obsolet sein, denn an die Stelle von getrennten Datenflüssen zwischen je zwei Stationen tritt die simultane Übermittlung von Informationen an alle direkt untereinander vernetzten Teilnehmer im Wertschöpfungsprozess - und das in Echtzeit.“15

2.3 Definition von E-Logistik

Für die Sichtweise im weiteren und damit auch globalen Sinne, verwendet das Fraunhofer Institut den Begriff E-Logistik „als Überbegriff für Planung, Steuerung und Kontrolle des Waren-, Informations- und Geldflusses entlang der gesamten Supply Chain über öffentliche und private Netze“.16 E-Logistik im engeren Sinn wird definiert als „die Anwendung internet-basierter Technologien auf traditionelle Logistik. Sie beinhaltet somit die strategische Planung und Entwicklung aller für die elektronische Geschäftsabwicklung erforderlichen Logistiksysteme und -prozesse sowie deren administrative und operative Ausgestaltung für die physische Abwicklung.“17 Dabei wird die gesamte Supply Chain Kette auf die Anforderungen des E-Business ausgerichtet.18 Die gleiche Definition verwenden auch Straube19 sowie Reindl/Oberniedermair.20 Asmussen et al bezeichnen Logistik im engeren Sinne als „die softwareseitige Unterstützung der logistischen Prozesse, die mit der Bestellung von Waren über eCommerce Systeme durch den Endkunden ausgelöst werden.“21

Für die Sichtweise im weiteren und damit auch globalen Sinne, verwendet das Fraunhofer Institut den Begriff E-Logistik „als Überbegriff für Planung, Steuerung und Kontrolle des Waren-, Informations- und Geldflusses entlang der gesamten Supply Chain über öffentliche und private Netze“.22 Auch Asmussen et al betonen, dass es im weiteren Sinne nicht nur darum geht Waren umzuschlagen und zu transportieren, sondern auch die Informationsflüsse verschiedener Firmen zu integrieren sowie deren elektronischen Zahlungsverkehr zu ermöglichen.23 E- Logistik umfasst damit auch alle auf dem Internet basierenden Informations- und Kommunikationstechnologien zur Planung, Steuerung und Durchführung logistischer Prozesse.24 Da diese globale Sichtweise den Stand der Technik wiedergibt und die beiden Komponenten der E-Logistik, nämlich die Informationslogistik und physische Logistik integriert, soll sie in der folgenden Arbeit zugrunde gelegt werden. Auch aus Beratersicht wird E-Logistik entsprechend beschrieben.

Aus Beratersicht reicht die Logistik von Bewegungen von Material auf der Straße über Materialflussteuerungen in automatischen Lagern bis hin zum Bestellshop, in dem der Kunde direkt die Materialbewegungen auslöst. Während das Wort Logistik mit den physischen Materialbewegungen verbunden ist, beschreibt der Begriff E-Logistik die Steuerung dieser Materialbewegungen durch die EDV und natürlich auch durch die Nutzung des Internets. Je mehr E-Logistik und Logistik ineinander verschmelzen, umso mehr beherrschen wir die Steuerung der Logistik durch die E-Logistik“.25

3. Anforderungen von E-Commerce an die Logistik

Da die Optimierung der Wertschöpfungskette das Ziel aller logistischen Operationen ist, sollen im Folgenden die Auswirkungen des E-Commerce auf die E-Logistik anhand der Supply Chain untersucht werden. Obwohl dafür die Untersuchung der kompletten Wertschöpfungskette notwendig wäre, ist dies aufgrund der Inhomogenität der Supply Chain nicht möglich.26

Aus der Sicht der Logistiker ist deshalb eine zweiteilige Betrachtung sinnvoll:

1. Logistikdienstleistungen bis hin zum Produzenten konsumfähiger Güter, der sog. Business-to-Business-Bereich (B2B) und
2. der Bereich vom Hersteller konsumfähiger Güter bis zum Endverbraucher, der Business-to-Consumer-Bereich (B2C).

3.1 Notwendige Erfordernisse der B2B-Logistik

Integrierte Wertschöpfungsketten erfordern eine reibungslose Zusammenarbeit und einen intensiven Datenaustausch über die Unternehmens- und Landesgrenzen hinweg.27

Die Anforderungen an die B2B-Logistik betreffen dabei „insbesondere die Vereinfachung eines flussorientierten, medienbruchfreien Informationsaus- tausches durch die Integration von IT-Systemen und die damit verbundene Steuerung und Koordination von Abwicklungsprozessen.“28 Der Schwerpunkt in der E-Logistik liegt folglich auf den durch das E-Commerce ausgelösten Veränderungen durch informationslogistische Aspekte, was letztlich aus der starken Transaktionsorientierung des B2B-E-Commerce resultiert. Dieser Auffassung ist auch Klaus.29 Nach seiner Auffassung bezieht sich ein Großteil des prognostizierten Volumens künftiger B2B-Transaktionen eher auf kommunikationstechnische Substitutionsvorgänge, während damit nicht unmittelbar starke Veränderungen der physischen Logistikprozesse einhergehen.30

Dies hat natürlich auch Auswirkungen auf das Management logistischer Netzwerke. Mit der Übermittlung von Planungsdaten und Führungsinformationen gehen verstärkte Anforderungen nach einer koordinationsbezogenen Logistik einher. Notwendig ist ein intensiverer interorganisatorischer Austausch von Status- und Steuerungsinformationen.

Dies betrifft im Zeitalter der Internationalisierung und Globalisierung natürlich auch vermehrt die flexiblere Abwicklung der internationalen Beschaffungs- und Distributionsprozesse. Notwendig sind deshalb Veränderungen innerhalb der B2B-Logistik auch über die Ländergrenzen hinweg. Dies betrifft z.B. die Automatisierung der Dokumentenerstellung und des Dokumentenhandlings im internationalen Güterverkehr. E-Logistik soll hier dazu beitragen, Defizite bei den bestehenden ineffizienten internationalen Kommunikationsstrukturen zu beheben.31 32

3.2 Herausforderungen an die B2C-Logistik

Im klassischen Handelsgeschäft werden die Waren vom Hersteller über den Großhändler zum Einzelhändler geliefert. Hingegen organisieren Handelsunternehmen, die vollkommen virtualisiert sind, das Verteilungssystem, ohne in Kontakt mit der Ware zu kommen. „Dabei wird die Ware direkt vom Lager des Herstellers mit Hilfe von Logistikdienstleistern an den Kunden geliefert.“33 Auswirkungen auf die Logistik ergeben sich sowohl im Transportund Lagerbereich als auch beim Logistikmanagement.34

Während beim klassischen Gütertransport die Güter vom Hersteller in relativ großen Mengen zum Handel geliefert, dort gelagert und hier vom Kunden abgeholt werden, entfällt beim Online-Handel dieses Pufferungsinstrument. Es kommt zu einer sog. Atomisierung der Sendungen, wobei die Zahl der Sendungen stark ansteigt, während sich deren Größe erheblich reduziert.

[...]


1 Vgl. O.V. ,2005, S.1.

2 Vgl. Vgl. ebenda, S. 1

3 Vgl. Vahrenkamp2003, S. 7.

4 Vgl. Kummer, 1999, S. 268

5 Vgl. Lange, 2006, S. 2.

6 Vgl. Asmussen, 2006, S. 4.

7 Vgl. Schubert, 2006, S. 6.

8 Deutscher Bundestag, 2002, S. 7.

9 O.V. Zusammenfassung des TAB-Arbeitsberichtes Nr. 78 E-Commerce, herunter geladen am 1.2.2010 unter http://www.tab.fzk.de/de/projekt/zusammenfassung/ab78.htm,.

10 Nemminger/Hillek, 2000, S. 2f. Zur Beschreibung der Supply Chain siehe auch Delfmann, 2002, S. 1212ff.

11 Diebold Deutschland GmbH, 2000, in: Oberniedermaier, 2002, S. 165.

12 Vgl. ebenda.

13 Vgl. Kummer, 1999, S. 268.

14 Vgl. Wannenwetsch (Hrsg.), 2002, S. 180.

15 Hüsch, 2006, S. 1.

16 Asmussen et al, 2006, S. 3.

17 Fraunhofer-Institut für Matrialfluss und Logistk, 2006, S. 1.

18 Vgl. Wannenwetsch, 2002,S. 23f.

19 Vgl. Straube, 2004, S. 411.

20 Vgl. Reindl/Oberniedermaier, 2002, Vorwort.

21 Asmussen et al, 2006, S. 3.

22 Asmussen et al, 2006, S. 3.

23 Vgl. ebenda.

24 Vgl. ebenda.

25 Vgl. Hoffmann, 2003, S. 6. Die Aussage bezieht sich auf Fritz Mayer, Geschäftsführer der CIM GmbH.

26 Vgl. Kummer, 1999, S. 268.

27 Vgl. Reindl/Oberniedermaier, 2002, S. 329.

28 Weber, 2002, S. 113.

29 Vgl. Klaus, 2000, S. 140, in: Weber, S. 113. Siehe dazu auch Reindl/Oberniedermaier, 2002, S. 331.

30 Vgl. ebenda.

31 Vgl. ebenda, S. 113/114.

32 B2C-Logistik wird auch als Fullfilment bezeichnet. Zur Definition vgl. Schubert, 2006, S. 9.

33 Asmussen,2003, S. 8.

34 Vgl. 18, S. 19.

Details

Seiten
29
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640667352
ISBN (Buch)
9783640667826
Dateigröße
1.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151023
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule
Note
1,0
Schlagworte
Auswirkungen Verlauf Wertschöpfungskette Berücksichtigung Steuerung Informationsflusses

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