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Der Einfluss der Parteiidentifikation auf die politische Partizipation

Hausarbeit 2009 29 Seiten

Politik - Methoden, Forschung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einführung

I. Fragestellung

II. Definitionen

III. Forschungsstand

IV. Theorien
1. Mikrosoziologischer Ansatz
2. Sozialpsychologischer Ansatz
3. Rational-Choice-Ansatz (rationalistischer Ansatz)

V. Hypothesenherleitung und Hypothesen
1. Mikrosoziologischer Ansatz
2. Sozial – psychologischer Ansatz
3. Rational-Choice-Ansatz

VI. Operationalisierung:
1. Beschreibung der Datenbasis
2. Auswahl der Indikatoren
3. Datenerhebung und Datenauswertung
4. Dateninterpretation

VII. Ergebnisse

VIII. Fazit

IX. Literaturverzeichnis

Abstrakt/Zusammenfassung

Einführung

Das Jahre 2009 wurde in Deutschland das „Jahr der Wahlen“ genannt, weil unterschiedliche Wahlen nach Vertretungsorganen in diesem Jahr statt gefunden haben. Dazu gehören die Bundestagswahlen, die Wahlen zum Europäischen Parlament sowie Landtags- und Kommunalwahlen in mehreren Bundesländern. Einige von ihnen wurden durch die niedrige Wahlbeteiligung gekennzeichnet, die die Legitimation von gewählten Parteien und ihrer Vertreter verringert. Andererseits gibt es in der Bundesrepublik Deutschland eine breite Parteienlandschaft, und jede Partei hat mehrere Anhänger, wobei einige von ihnen sich mit entsprechenden Parteien identifizieren. In diesem Bezug wird die Feststellung der Wirkung der Parteiidentifikation auf die Wahlbeteiligung aktuell, um den niedrigen Prozentsatz der Wahlteilnahme zu erklären. Da die Wahlbeteiligung eine Form der politischen Partizipation ist, wird die Frage aktuell, ob und inwieweit die Parteiidentifikation auch die anderen Dimensionen der politischen Beteiligung beeinflusst.

Grundsätzlich gibt es mehrere Forschungen, die sich mit der Wahlbeteiligung als einer Form der politischen Partizipation beschäftigen, aber es gibt wenige, die den Einfluss der Parteiidentifikation auf alle anderen Formen der politischen Partizipation behandeln. Somit wird eine solche Untersuchung zum Gegenstand der vorliegenden Arbeit, indem der Einfluss der Parteiidentifikation auf unterschiedliche Dimensionen der politischen Partizipation untersucht wird. Vor allem wird die Forschungsfrage formuliert und der Forschungsstand angeführt. Dann wird eine theoretische Forschungsbasis erstellt und aus den Theorien werden konkrete Hypothesen abgeleitet, die durch empirische Daten nach ihrer Richtigkeit geprüft werden können, wobei nicht nur der Einfluss der Parteiidentifikation auf die politische Partizipation, sondern auch die Faktoren, die die Entstehung der Parteiidentifikation und somit auch die politische Partizipation mittelbar bestimmen, untersucht werden. Für die Bearbeitung empirischer Daten wird das SPSS–Programm angewendet. Aufgrund der erhobenen Daten, die in speziellen Tabellen dargestellt werden, werden auch die Forschungsergebnisse gemacht, die zu den Hypothesen korrespondieren. Außerdem werden die Einflüsse der Parteiidentifikation auf unterschiedliche Formen der politischen Partizipation miteinander verglichen.

Als Materialen werden die Werke betrachtet, die sich mit der Wahlforschung und Erklärung der politischen Partizipation beschäftigen. Vor allem werden sie zur Erstellung der theoretischen Basis sowie zur Formulierung einer Reihe von Hypothesen dienen. Einige Hypothesen, Beschreibung des Datensatzes sowie Forschungsergebnisse werden von dem Verfasser selbständig formuliert. Weiterhin wird der Datensatz von der Bevölkerungsumfrage für Sozialwissenschaften (Allbus) verwendet, der die Individualdaten enthält und somit die empirische Überprüfung von Hypothesen bestätigen lässt.

I. Fragestellung

Vor allem ist es notwendig, die Fragestellung der Forschungsarbeit klar zu formulieren und dies zu begründen. Weil das Thema der Auswirkung der Parteiidentifikation auf die politische Partizipation gewidmet ist, lautet die Forschungsfrage logischerweise wie folgend: ob und inwieweit es einen Einfluss der Parteiidentifikation auf die politische Partizipation in ganzem gibt?

Die gegebene Fragestellung kann folgenderweise erläutert werden. Ein demokratischer Staat setzt voraus, dass die Bürger und Bürgerinnen des Staates sich in verschiedenen Formen politisch partizipieren, was eigentlich die Grundlage der Demokratie darstellt und der demokratische Grundsatz widerspiegelt, dass die Entscheidung von dem Volk ausgeht. Die Parteiidentifikation dient ihrerseits dazu, dass eine Person sich an eine bestimmte Partei gebunden fühlt und somit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass diese Partei bei den Wahlen unterschiedlichen Niveaus unterstützt wird. Außerdem steigt dabei die Wahrscheinlichkeit der anderen Formen der politischen Partizipation mit dem Zweck, die Unterstützung einer Partei, an der man sich gebunden fühlt, zu leisten.

Um diesen Zusammenhang zwischen der Parteiidentifikation und politischer Partizipation darzustellen und zu untersuchen, wird die oben genannte Fragestellung detailliert betrachtet und gegebenenfalls beantwortet.

Die wissenschaftliche Aktualität der gegebenen Forschungsfrage besteht darin, dass solche politikwissenschaftliche Probleme wie geringe Wahlbeteiligungen, geringe Mitgliedschaften in gemeinnützigen Verbänden und Parteien sowie unaktive Teilnahme an Demonstrationen und anderen politischen Aktionen sich hiermit möglicherweise zum Teil erklären lassen.

II. Definitionen

Die genaue Definition der Hauptbegriffe, die man in der Forschung verwendet, dient zur richtigen Formulierung von Theorien und Hypothesen. Weil der Zusammenhang zwischen Parteiidentifikation und politischer Partizipation in der gegebenen Arbeit untersucht wird, ist es notwendig, diese beiden Begriffe deutlich zu definieren.

Es gibt mehrere Definitionen der politischen Partizipation. Man kann sogar behaupten, dass dieser Begriff nicht eindeutig ausgelegt wird.

Peter Esaiasson aus der Universität Göteborg definiert politische Partizipation als Zusammenfassung von fünf folgenden Dimensionen: politisches Engagement (aktive Position in der Gesellschaft bei der Teilnahme an Wahlen, bei der Arbeit an Korrigierung eines wahrgenommen Fehlverhalten mit der genauen Betrachtung der Umstände sowie bei der Teilnahme an der Tätigkeit gemeinnütziger Organisationen), demokratische Aufklärung (Streben nach friedliche und effektive Koexistenz in der Gesellschaft), politische Aufmerksamkeit (Bedürfnis, sich über Ereignisse in der Gesellschaft zu informieren), politisches Vertrauen (Glauben, dass politische Entscheidungsträger und Bürger sich gerecht Verhalten) und bürgerliche Kenntnisse (Basiswissen über die Strukturen einer demokratischen Regierung) (vgl. Esaiasson 2008: 6-8). Solche Definition ist grundsätzlich vertretbar, aber sie ist sehr umfassend und einige Dimensionen lassen sich nicht operationalisieren.

Für die gegebene Arbeit wurde somit die folgende Definition der politischen Partizipation ausgewählt: die aktive Beteiligung der Bürger und Bürgerinnen bei der Erledigung der gemeinsamen politischen Angelegenheiten (Kornelius/Roth 2004; Klein/Klaus: 2006). Trotz der Allgemeinheit solcher Definition lassen sich in deren Rahmen mehrere Dimensionen bilden, die sich unter ihren Kernelemente („Beteiligung“ und „Erledigung“) unproblematisch subsumieren lassen und gleichzeitig leicht operationalisierbar sind. Die Dimensionen der politischen Beteiligung sind beispielsweise Weilteilnahme, Parteimitgliedschaft, Teilnahme an Demonstrationen, Führung politischer Diskussionen und Gespräche, Unterschriftensammlungen.

Die Parteiidentifikation gilt ihrerseits als langfristig stabile affektive Bindung an eine politische Partei, die in einer frühen Phase der politischen Sozialisation erworben wird und sich im Laufe des Lebens intensiviert (Falter/Schoen 2005: 206). In diesem Bezug spielt keine Rolle, an welche konkrete Partei man sich gebunden fühlt. In der gegebenen Arbeit wird auch der Begriff „Parteipräferenz“ verwendet, der hier als Synonym gilt.

III. Forschungsstand

Im Zuge der Etablierung der breiten Parteienlandschaft in mehreren Staaten, Entstehung und Stärkung der demokratischen Gesellschaftsordnung rund um die Welt und der Entwicklung der Politikwissenschaft wurde der Einfluss der Parteiidentifikation auf die politische Partizipation weitgehend erforscht. Es ist bemerkenswert, dass der Zusammenhang zwischen der Parteiidentifikation und der Wahlbeteiligung oder Wahlentscheidung vor allem untersucht wird. In diesem Bezug ist es sinnvoll, einige Beispiele aus diesem Forschungsgebiet hervorzubringen.

Der wichtigste Beitrag zu diesem Forschungsgebiet hat die Gruppe von Forschern um Angus Campbell aus der Universität Michigan in Ann – Arbor geleistet. Sie haben in ihren Werken „The Voter Decides“ und „The American Voter“ den sozialpsychologischen Ansatz zur Erklärung des Wahlverhaltens entwickelt, der weitgehend als sehr präzise beurteilt und in dieser Arbeit auch betrachtet wird (Campbell 1954; Campbell 1960). Außerdem hat die Michigan-Gruppe entsprechende empirische Forschungen durchgeführt. Andere US-amerikanische Wissenschaftlern und Vertreter der Columbia School Paul Lazarsfeld und Bernard Berelson haben die Werke „The People’s Choice“ und „Voting“ verfasst, wo der soziologische Ansatz und entsprechende empirische Befunde dargestellt wurden (Lazarsfeld, 1944; Berelson 1954).

Deutsche Forscher Markus Quandt hat sich mit einer theoretischen und empirischen Wahlstudie bezüglich der Bundestagswahl 2002 beschäftigt. Der Gegenstand seiner Forschung ist der Begriff und Messung des Individualismus sowie der Zusammenhang zwischen Individualismus und politischer Teilnahme (Quandt 2008). Die Arbeitsgruppe „Wahl- und Einstellungsforschung“ der Deutschen Vereinigung für politische Wissenschaft hat eine empirische Forschung der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl und politischer Einstellungen im vereinigten Deutschland durchgeführt. Für die Erklärung der entsprechenden empirischen Befunde im Bereich der Wahlentscheidung hat die Arbeitsgruppe auch eine theoretische Basis angeführt (Gabriel/Jagodzinski/Rattinger 1996). Professor Jürgen W. Falter hat die Faktoren des Wählerverhaltens am Beispiel der Saarländischen Landtagswahl 1970 theoretisch und empirisch untersucht. Das Wählerverhalten besteht dabei aus zwei Elementen: Wahlbeteiligung und Parteipräferenz (Falter 1973).

Kurze Betrachtung des vorhandenen Forschungsstandes im gegebenen Forschungsgebiet lässt die Problemaktualität bewerten sowie entsprechende wissenschaftliche Erfahrungen sammeln, die bei der Theorienauswahl und Hypothesenherleitung hilfreich sein können.

IV. Theorien

Theorien stellen Sätze von in einem logischen Zusammenhang stehenden Aussagen dar, dienen als analytischer Bezugsrahmen sowie ermöglichen eine begrifflich-systematische Ordnung und Strukturierung von Daten und Informationen (vgl. Jahn 2006: 251). Theorien spielen dabei eine entscheidende für die Beantwortung der Forschungsfrage, weil sie die Grundlage der gesamten Forschung bilden.

Der Zusammenhang zwischen Parteiidentifikation und politischer Bildung kann logischerweise durch mehrere theoretische Ansätze erklärt werden, die ihn entweder bestätigen oder widerlegen können. Somit ist es notwendig, diese Ansätze näher zu betrachten.

1. Mikrosoziologischer Ansatz

Der mikrosoziologischer Ansatz wurde ursprünglich in der empirischen Wahlforschung der Präsidentschaftswahlen in den USA, „The people’s Choice“, begründet (vgl. Lazarsfeld, 1944). Er stellt den Zusammenhang zwischen der sozialen Position und dem Wählerverhalten auf der Individualebene fest, wobei die soziale Position wird durch objektive soziale Merkmale einer Person bestimmt. Entsprechend diesem Ansatz werden politische Präferenzen oder Einstellungen (eine Disposition, auf ein Objekt auf eine bestimmte Art zu reagieren) einer Person durch die objektiven Merkmale der sozialen Kreise, in welchen sie sich hauptsächlich bewegt, geformt (Falter/Schoen 2005: 137).

Die Einstellungen werden dabei durch vier Faktoren der sozialen Umgebung geformt und entwickelt. Der erste Faktor ist direkter Kontakt mit anderen Menschen, die immer einer sozialen Gruppe gehören, die bestimmte Verhaltensregeln für alle Soziobereiche entwickelt. Einerseits bemühen sich Leute gemäß ihrer Natur möglichst im Einklang mit unmittelbarer Umwelt (im Sinn des mikrosoziologischen Ansatzes – mit einer bestimmten sozialen Gruppe) zu leben und auf etablierte Regeln sich zu halten. Andrerseits können sie durch andere Personen aus demselben sozialen Kreis zum normenkonformen Verhalten gezwungen werden. Somit wird das Individuum durch andere Menschen beeinflusst und auf ihn werden gleichzeitig Meinungen, Ansichten und Orientierungen von anderen Individuen, die mit ihm kommunizieren, übertragen (vgl. Lindenberg 1985: 100-102; Lazarsfeld 1944: 154-155; Berelson 1954: 123-126). Der zweite Faktor ist die Häufigkeit der Kontakte mit anderen Personen: je häufig der Kontakt wird, desto besser wird das Bewusstsein einer Person einschließlich ihre politische Präferenzen durch die soziale Gruppe beeinflusst (vgl. Weatherford 1982). Der dritte Faktor ist die politische Einheitlichkeit des Umfeldes: wenn die Umgebung politischer Ansichten nach heterogen ist, gibt es keine klare Signale, wie sich das Individuum im politischen Sinn verhalten soll, und es kann in einigen Fälle überhaupt keine eindeutige politische Einstellungen bilden (Falter/Schoen 2005: 138-139). Der vierte, letzte Faktor ist das Vorhandensein der Gespräche über politische Präferenzen im Rahmen der interpersonalen Kommunikation, wenn die Meinungen und Orientierungen anderer Personen unmittelbar übertragen werden (Falter/Schoen 2005: 139).

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Details

Seiten
29
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640626649
ISBN (Buch)
9783640626854
Dateigröße
637 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v151017
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Politik- und Kommunikationswissenschaft
Note
2,7
Schlagworte
Parteiidentifikation politische Partizipation soziologischer Ansatz rational-choice Ansatz

Autor

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Titel: Der Einfluss der Parteiidentifikation auf die politische Partizipation