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Schulische Medienbildung in der Migrationsgesellschaft

Deutschland

Studienarbeit 2009 16 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Soziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zusammenhang von Mediennutzung, Migrationshintergrund und Medienbildung

2. Alltagsbezogene Medienbildung in der Schule
2.1 Einbeziehung der außerschulischen Mediennutzung in den Unterricht
2.2 Offenheit des Schulunterrichts für schüler-individuelle Lerninhalte
2.3 Können Medien das Zugehörigkeitsgefühl zu einer Gesellschaft prägen?

3. Mediennutzungsmuster von Menschen mit Migrationshintergrund
3.1 Medien als `Brücke` zwischen den Kulturen
3.2 Interkulturelle Medienpädagogik, um Chancengleichheit im Berufsleben zu ermöglichen

Literaturverzeichnis

1. Zusammenhang von Mediennutzung, Migrationshintergrund und Medienbildung

Interkulturelle Kompetenz und Mediennutzung stehen in engem Zusammenhang miteinander: Zum Einen erlaubt das Internet eine Kommunikation über nationale Grenzen hinweg und trägt somit maßgeblich zu unserer modernen Migrationsgesellschaft bei, und zum Anderen können Zeitungen wie Fernsehsendungen in anderen Sprachen und aus fremden Kulturen bezogen bzw. empfangen werden. Diese Möglichkeiten haben eine besondere Bedeutung für diejenigen Bürger in Deutschland, die genetische Wurzeln im Ausland haben und für die neue Medien wie das Internet auch eine Verbindung zu Anverwandten darstellen. Insofern spielt die Medienkompetenz des einzelnen Individuums, d.h. dessen reflektierter Umgang mit einem Medium eine wichtige Rolle. Dazu bedarf es einer gezielten Medienbildung[1], die besonders durch das Schulsystem frühzeitig gefördert werden sollte, um Schülern eine kompetente Nutzung der Medien zu eröffnen und damit zugleich Chancengleichheit im beruflichen Fortkommen zu schaffen.

Zur Durchführung der Medienerziehung[2] in der Schule wird der Lehrkraft eine interkulturelle Sensibilität abverlangt, die es ihr ermöglicht, auf die unterschiedlichen individuellen Voraussetzungen der Schüler einzugehen. Dies erfordert die Kenntnis der Bedingungen, unter denen Schüler mit Migrationshintergrund in unserer Gesellschaft aufwachsen und durch die der Lernprozess der einzelnen Schüler beeinflusst wird.

Für eine effektive Medienbildung in Deutschland muss der oft `bikulturelle` Hintergrund von Migrantenkindern berücksichtigt werden. Mit `bikulturell` ist hier das Aufwachsen in zwei Kulturkreisen gemeint. Die Herkunftskultur der Eltern und die Kultur Deutschlands, in der diese Kinder ihren Alltag erleben.

Der Begriff der Kultur wird hier als ein soziales Konstrukt einer Gesellschaft verwendet. Goodenough beschreibt dies folgendermaßen:

„A society’s culture consists of whatever it is one has to know or believe in order to operate in a manner acceptable to its members. Culture is not a natural phenomenon; it does not consist of things, people’s behaviour or emotions. It is rather an organization of these things. It is the form of things that people have in mind, their models of perceiving, relating, and otherwise interpreting them.”[3]

Dabei sollte berücksichtigt werden, dass Deutschland aus einem heterogenen `Kulturengeflecht` besteht, welches man mit Wolfgang Welschs[4] Begriff einer Transkultur beschreiben kann:

Der Ausgangspunkt des Konzeptes der Transkulturalität ist der, dass jede Kultur an sich ein `Pool` an verschiedensten Identitäten ist, die sich ineinander mischen. Unterschiedlichste Lebensstile und Lebensformen, die mit- und nebeneinander existierten, machen heutige Kulturen aus. Durch Migration, moderne Kommunikationsmöglichkeiten sowie ökonomische Interdependenz sind die Kulturen der Moderne so miteinander verflochten, dass die nationalen Grenzen keine Rolle mehr spielen sollten. Jede mögliche Form von Kultur ist innerhalb jeder einzelnen Gesellschaft oder Nation wieder zu finden. Allerdings, so Welsch, bleibe zwar auch in der Transkulturalität eine theoretische Vorstellung von Einzelkulturen bestehen, doch im Grunde gehe dieses Konzept davon aus, dass nur noch eine übergeordnete große Globalkultur bestehen bleibe. Diese Globalkultur enthalte dann verschiedene Nationalkulturen[5], die aber wiederum so ineinander verflochten seien, dass es innerhalb einer solchen Globalkultur genauso viele Unterschiedlichkeiten gebe wie zwischen den einzelnen Nationen.

Neue Medien wie das Internet spielen in Migrantenfamilien insofern eine vergleichsweise gesonderte Rolle, weil sie oftmals ein Kommunikationsmittel darstellen, um mit dem Familienzweig im Herkunftsland der Eltern Kontakt zu halten oder um muttersprachliche Zeitungen zu lesen bzw. Filme zu sehen.[6]

Im Folgenden soll aufgezeigt werden, dass eine interkulturelle Medienerziehung an deutschen Schulen mittlerweile unerlässlich ist.

2. Alltagsbezogene Medienbildung in der Schule

Eine erfolgreiche Medienerziehung durch die Schule bedarf einiger Anknüpfungspunkte. Nach Ben Bachmair[7] hängt das erfolgreiche Lernen mit Medien maßgeblich davon ab, wie sich der außerschulische Medienalltag der Schüler gestaltet, d.h. wie die Schüler Medien in ihrer Freizeit nutzen. An diese Voraussetzungen sollte der schulische Unterricht anknüpfen, um effektiv einzugreifen. Bachmair geht davon aus, dass das Lernen und die Bildung der einzelnen Schüler von deren individueller Handlungskompetenz abhängen. Die Entwicklung einer solchen Handlungskompetenz ist wiederum abhängig vom kulturellen Umfeld, in dem sich die Jugendlichen bewegen. Nur aus ihrem bekannten Umfeld heraus können sie sich Gedanken machen sowie sich Wissen und Handlungsformen aneignen. Den jeweiligen Wissensstand (bezogen auf deren Medienkompetenz) der Individuen bezeichnet er als deren Literalität.

[...]


[1] Vgl.: Marotzki, Winfried/Jörissen, Benjamin: Theoretische Bezüge der Medienpädagogik. „Medienbildung“: Mehr und mehr sind auch mediale Räume zu sozialen Treffpunkten geworden. Medienbildung soll dazu beitragen, die Nutzung von Medien als Ausdrucksmittel reflektierbar zu machen, und damit einen Orientierungsrahmen für Individuen in einer medial geprägten Gesellschaft ermöglichen. In: Sander, Uwe/von Gross, Friederike/Hugger, Kai-Uwe (Hrsg.): Handbuch Medienpädagogik, VS Verlag Wiesbaden 2008, S. 100 ff

[2] Vgl.: Barsch, Achim/Erlinger, Hans Dieter: Medienpädagogik und Medienerziehung: Bei der Medienerziehung durch die Schule sollen die Jugendlichen lernen, mit Medien umzugehen. Das bedeutet auch, dass am Medium (z.B. Computer) selbst gearbeitet wird. Es soll gelernt werden, Medienangebote zu verstehen und es sollen Einblicke in die aktive Gestaltung von Medien gegeben werden. In: Barsch, Achim/Erlinger, Hans Dieter: Medienpädagogik. Eine Einführung. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2002, S. 20 ff

Anmerkung der Verfasserin zu 1 und 2: Im Vergleich zum Begriff der Medienbildung, der sich als wechselseitige Beziehung zwischen dem Individuum und seiner Medienumwelt begreifen lässt, geht es mit Medienerziehung (hier im schulischen Kontext) darum, dass die Schüler lernen aus Medien einen Nutzen oder einen Informationsgehalt zu ziehen, Medien produktiv selbst gestalten zu können sowie die Inhalte von Medien reflexiv verarbeiten zu können und die Bedingungen der Medienproduktion zu durchschauen.

[3] Roche, Jörg: Interkulturelle Sprachdidaktik – Eine Einführung. Gunter Narr Verlag, Tübingen 2001, S. 11

[4] Vgl.: Welsch, Wolfgang: Transkulturalität – Zur veränderten Verfasstheit heutiger Kulturen. In: Zeitschrift für Kulturaustausch 1 (1995), S. 40-43

[5] Thomas, Alexander: "Nationalkultur kann man definieren als die Kultur, die eine große Anzahl von Menschen, die einer Nation per Geburt angehören oder sich ihr zugehörig fühlen, im Verlauf ihrer Geschichte entwickelt haben und als für sie verbindlich und daseinsbestimmend definieren. Die Nationalkultur verkörpert so etwas wie das kollektive Bewusstsein der Bevölkerung, genauer: die tradierten Werte, Normen, Verhaltensregeln (Sitte, Gesetz, Brauch) und ethisch-moralische Überzeugungssysteme (Religion) sowie die daraus abgeleiteten Welt- und Menschenbilder."

In: Thomas, Alexander: Handbuch Interkulturelle Kommunikation und Kooperation. Band 1: Grundlagen und Praxisfelder. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003, S. 33

[6] Vgl.: Moser, Heinz: Interkulturelle Medienbildung. In: Kai-Uwe Hugger/Dagmar Hoffmann (Hrsg.), Medienbildung in der Migrationsgesellschaft. GMK, Bielefeld 2006, S. 56

[7] Bachmair, Ben: „Kulturell situiertes Handeln und Lernen: der Gedanke der Kulturökologie“. In: Medien Journal 1/2008 Lernen. Ein zentraler Begriff für die Kommunikationswissenschaft, S. 19-30

Details

Seiten
16
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640632169
ISBN (Buch)
9783640632886
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150907
Institution / Hochschule
Universität Kassel
Note
1,7
Schlagworte
Migration Migranten Medien Medienbildung Schule Bildung Gesellschaft Migrationsgesellschaft Unterricht multikulturell interkulturell transkulturell

Autor

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Titel: Schulische Medienbildung in der Migrationsgesellschaft