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Der Versailler Vertrag

Weshalb wird der Versailler Vertrag als das Trauma der Weimarer Republik bezeichnet?

Seminararbeit 2006 18 Seiten

Gesch. Europa - Deutschland - I. Weltkrieg, Weimarer Republik

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

I. Ausgangssituation
Forschungsstand

II. Kriegsende 1918
II.1. Versailler Vertrag
II.1.1. Ausschluss Deutschlands von den Verhandlungen
II.1.2. Artikel 231 des Versailler Vertrages
II.1.3. Reparationsbestimmungen
II.2. Deutsche Reaktion auf den Vertragsentwurf
II.3. Innenpolitische Lage Deutschlands nach Übergabedes Vertragsentwurfs

III. Schlussbetrachtun

Literaturverzeichnis

I. Ausgangssituation

Deutschland 1918- der erste Weltkrieg dauert bereits seit vier Jahren an. Die Auswirkungen sind überall zu spüren: Hunger, Not, allgemeine Versorgungsschwierigkeiten und nicht zuletzt zunehmende gesundheitliche Probleme der Menschen. Mit letzter Kraft wird die Kriegswirtschaft versucht aufrecht zu erhalten, denn Deutschland wird siegen. Es dauert nicht mehr lang.

In diesem medial bewusst initiierten Glauben befindet sich die Bevölkerung, als die Oberste Heeresleitung (OHL) sich nach der Friedensnote Österreich-Ungarns und dem Zusammenbruch Bulgariens dazu gezwungen sieht, den sofortigen Waffenstillstand zu ersuchen.1 Um die eigene militärische Katastrophe zu verhindern, um nicht noch mehr Soldaten einer aussichtslosen Situation zu opfern, beschließt die OHL am 28./29. September in Spa unverzüglich ein Friedensangebot an den amerikanischen Präsidenten Wilson zu senden.

Nachdem hierdurch der erste Weltkrieg beendet wird, kommt es zu der Entstehung des Versailler Vertrages- einem Friedenvertrag, welchen die Siegermächte unter Ausschluss Deutschlands beschließen. Aufgrund der Umstände und Forderungen, welche in jenem etabliert werden, ist das Vertragswerk bereits Gegenstand vieler Diskussionen und Forschungen gewesen. Zweifelsohne kann man den Grund für den zweiten Weltkrieg nicht verstehen, fasst man nicht die Weimarer Republik ins Auge. Doch die Entwicklung und auch das Scheitern jener, ist nicht zu erklären, weiß man nicht um die Hintergründe. Gerade die Entstehung und die Ereignisse von welchen diese begleitet wird, sind prägend für die gesamte Weimarer Zeit. Wären also die Ausgangsbedingungen besser gewesen, hätte dann die Demokratie Bestand haben können? Diese sehr komplexe Frage führt hier jedoch zu weit. Vielmehr will die Arbeit beleuchten, welche Rolle der Friedensvertrag für die junge Republik spielt. Konkret also die Frage beantworten, weshalb der Versailler Vertrag von vielen Zeitgenossen und Historikern das „Trauma der Weimarer Zeit“ genannt wird. Hatten die Bestimmungen wirklich eine so tiefgreifende Wirkung oder ist diese Rhetorik einfach nur Mittel zum Zweck, um die Niederlage des ersten Weltkrieges besser zu verarbeiten? Hierzu sollen die entscheidenden Bestandteile des Vertrages und deren (Aus-) Wirkungen im folgenden genauer beleuchtet werden.

I.1. Forschungsstand

Zur Thematik des Versailler Vertrages gibt es eine kaum zu überblickende Fülle an Literatur, dennoch versucht die Arbeit den wesentlichen Forschungsstand nachzuzeichnen. Es kann aber kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben werden. In der Erforschung der Bedeutung des Friedensvertrages gab es eine sehr starke Bewertungsverschiebung. Während in der Zwischenkriegszeit das Augenmerk auf dem „Kriegsschuldartikel“, welcher Deutschland der Alleinschuld bezichtigt, gepaart mit Unverständnis und Ablehnung der Bestimmungen lag, so wandelten sich die Ansichten besonders nach 1945. Eine der ersten Schriften, die sich mit dem Versailler Vertrag kritisch befasste, war die Arbeit von Keynes2. Wenn auch heute seine Schriften überholt sind, so erkannte er doch bereits damals sehr richtig, dass es für Deutschland ökonomisch unmöglich ist, den Forderungen Folge zu leisten. Dennoch findet sich in seiner Arbeit gemäß dem Tenor der Zeit eine Bewertung des Versailler Vertrages als zu hart und undurchführbar. Doch auch Lloyd George, der 19383 dies zu revidieren versuchte, konnte sich damals nicht behaupten. Zwar plädierte er in seinem Werk für die Berücksichtigung der situationserschwerenden Umstände, konnte jedoch damals die anhaltenden Kritiken nicht entschärfen. Erst nach dem Ende des zweiten Weltkrieges wurde Verständnis für die eigentlich unvergleichbar schwierige Aufgabe einer universellen Friedensherstellung entwickelt, man argumentierte nun gemäßigter. Jedoch waren Beiträge deutscher Forscher noch kaum zu finden. Zu erwähnen sind aber an dieser Stelle die Arbeiten von Viefhaus4 und Dickmann5. In den 1970er Jahren legten dann die westdeutschen Historiker Schwabe6, Krüger7 und Haupts8 Monographien vor, welche die deutsche und amerikanische Friedensstrategie analysierten. Hinsichtlich Deutschlands kamen sie zu dem Ergebnis, dass das Ziel vorrangig im Erhalt der wirtschaftlichen Stärke lag, um diese zu nutzen, wieder eine Großmachtstellung zu etablieren.

[...]


1 Kolb, S. 2

2 Keynes, J. M.: The Economic Consquences of the Peace, London 1919.

3 George, Lloyd: The Truth about the Treaties, London 1938.

4 Viefhaus, E: Die Minderheitenfrage und die Entstehung der Minderheitenschutzverträge auf der Pariser Friedenskonferenz 1919, Würzburg 1960.

5 Dickmann, Fritz: Die Kriegsschuldfrage auf der Friedenskonferenz von Paris 1919, München 1964.

6 Schwabe, K: Deutsche Revolution und Wilson- Frieden. Die amerikanische und deutsche Friedensstrategie zwischen Ideologie und Machtpolitik 1918/19, Düsseldorf 1971.

7 Krüger, Peter: Deutschland und die Reparationen 1918/19, Stuttgart 1973.

8 Haupts, Leo: Deutsche Friedenspolitik 1918-19, Düsseldorf 1976. 4

Details

Seiten
18
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783640622436
ISBN (Buch)
9783640621903
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150895
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Geschichte
Note
1,7
Schlagworte
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Titel: Der Versailler Vertrag