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Thomas Hobbes

Begründung und Legitimation politischer Ordnung durch Vertrag?

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Einleitung

1. Thomas Hobbes´ „Leviathan“

2. David Humes Kritik an der Vertragstheorie
2.1. Kriterien für eine grundlegende differenzierte Betrachtung der Vertragstheorie

3. Vergleich von Hobbes´ und Humes Position nach ausgewählten Gesichtspunkten und abschießende Beurteilung vertragstheoretischer Begründungsmodelle

Literaturverzeichnis

Einleitung

Seit jeher versuchen die Menschen eine Antwort auf die Frage zu finden, was denn die „richtige“ Ordnung des Gemeinwesens sei und wie man das Zusammenleben der Einzelnen sicher und zu ihrem Wohl gestalten könne. Ob Aristoteles, Machiavelli, Rousseau oder die Federalists, sie alle entwickelten ein Konzept, das zur Lösung des Problems beitragen sollte. Unter den Denkern kristallisierten sich Modelle heraus, welche das Zustandekommen des Staates durch einen Vertrag beschreiben, die sogenannten Vertragstheorien. Hierbei wird von einem ungeordneten Urzustand ausgegangen, welcher dadurch überwunden wird, dass die einzelnen Individuen einen Vertrag schließen und somit den Staat konstituieren. Ein Vertreter dieser Theorie ist Thomas Hobbes (1588- 1679). Die vorliegende Arbeit wird den Vertragsgedanken in Hobbes´ Werk „Leviathan“ darstellen und erläutern. In einem zweiten Teil soll dieser der Kritik von David Hume (1711- 1776) gegenübergestellt werden. Obwohl Hume in seiner politischen Schrift „Über den ursprünglichen Vertrag“ allgemein diese Theorie kritisiert, sind seine Argumente wesentlich auf John Locke bezogen, wie der Schluss des Essays zeigt (Ottow 1997: 443) Locke, ebenfalls Vertragstheoretiker, unterscheidet sich zu Hobbes im Wesentlichen durch die Aufnahme der Gewaltentrennung, sowie die Unterstellung des Staates und jeder Herrschaft unter das naturrechtlich begründetet Recht. Im Gegensatz zu Hobbes hält er den Menschen für gut und sieht den Naturzustand als staats- und gesetzeslosen Frieden. Hier müssen die Individuen auch nicht ständig um ihr Leben fürchten, sondern gewinnen aus ihrer Arbeit Eigentum, dessen Sicherung sie zur Staatsgründung streben lässt (Neumann 1989: 29). John Locke und Thomas Hobbes unterscheiden sich also, was verschiedene Blickpunkte ihrer Modelle betrifft. Dies ist für meine Arbeit jedoch unerheblich, da David Humes Kritik nicht die Differenzen hervorhebt, sondern allgemeine Aspekte betrifft, welche den Vertragstheorien zugrunde liegen und somit auch der von Thomas Hobbes. Nachdem dies näher betrachtet wurden, werde ich daraus einige Kriterien für eine grundlegende Kritik der Begründung und Legitimation politischer Ordnung durch die Vertragstheorie ableiten und vorstellen. Schließlich werde ich mir bestimmte Aspekt auswählen, sie kritisch beurteilen und Chancen sowie Probleme vertragstheoretischer Begründungsmodelle betrachten.

Aufgrund der Fülle der vorhandenen Literatur zu diesem Thema beschreitet diese Arbeit kein philosophisches Neuland, sondern soll vielmehr dem interessierten Laien als Adressaten einen Einblick in theoretische Denkfiguren der Staatsgründung geben. Durch die Auswahl der Theorie des Thomas Hobbes soll dies exemplarisch werden, die zentralsten Aspekte des Kontraktualismus herausgestellt und kritisch betrachtet werden.

1. Thomas Hobbes´ „Leviathan“

Als Thomas Hobbes im November 1640 nach Paris floh, befand sich England am Vorabend des Bürgerkrieges, welcher von 1642 bis 1649 andauern sollte. Es handelte sich hierbei um einen profan- religiösen Streit, der seinen Höhepunkt mit der Hinrichtung Karls I. am 30. Januar 1649 erreichte. Grund der schon 1604 beginnenden Auseinandersetzung zwischen Anhängern des englischen Parlaments und dem früheren König Jakob I. war das sogenannte „Gottesgnadentum“. Der König vertrat die Auffassung, seine Rechte aus der göttlichen Ordnung ableiten zu können und sei folglich auch dem Parlament nicht verpflichtet. So formierte sich eine Opposition und die bereits bestehenden Spannungen brachen heftig auf, als nach Jakobs Tod Sohn Karl I. gekrönt wurde. Dieser glaubte noch stärker an die „Legitimation durch Gott“ und „wollte von der ihm normalerweise nur in Kriegszeiten zustehenden absoluten Prärogative auch in einer Situation, wo eine Notlage nicht bestand, Gebrauch machen. (Vorländer 2004: 36)“ Er löste1629 das englische Parlament auf und regierte bis 1640 als absolutistischer Herrscher. Als sein anglikanischer Glaube auch im überwiegend presbyterianischen Schottland durchgesetzt werden sollte, kam es zum Aufstand. Karl I. gelang es nicht, diesen niederzuschlagen und es formierte sich ein offener Bürgerkrieg zwischen „Königstreuen“ (Cavaliers) und den Anhängern des Parlaments (Roundheads). Nach langen Kämpfen unterlag Karl I. und wurde schließlich enthauptet. Dies war gleichzeitig das Ende des Gottesgnadentums und in England wurde eine Republik (Commonwealth) errichtet, die jedoch 1660 von dem Sohn Karl I. erneut einer Monarchie wich (http://infos.aus-germanien.de/Englischer_Bürgerkrieg).

Thomas Hobbes beobachtete von Frankreich aus die Vorgänge in seinem Vaterland und begann über die „richtige Ordnung“ des Staates nachzudenken. 1651 veröffentlichte er diese in seinem Werk „Leviathan“ oder auch genannt „Stoff, Form und Gewalt eines bürgerlichen und kirchlichen Staates.“

Hobbes war ein Anhänger der Naturwissenschaften, vor allem der Physik und Geometrie. Bei der Konstruktion seiner Staatsidee ließ er sich von diesen Gesetzen leiten (Chwaszcza 2004: 212). Naturwissenschaftlich verhält es sich so, dass die Teilchen von etwas angezogen werden und daher das Teilchen mit der größeren Masse, die mit der kleineren verdrängt. Energie ist hier die Quelle der Beschleunigung. Anthropologisch stellt es sich nun so dar, dass auch der Mensch nur Materie in Bewegung ist und von „etwas“ angezogen wird bzw. danach strebt.

Hierbei handelt es sich um Güter, wobei vorrangig darin Besitz und Eigentum, deren Sicherung, sowie Schutz des eigenen Lebens und der Freiheit zu sehen sind. Problematisch ist nun die vorherrschende Güterknappheit. Es entsteht also ein Wetteifern um den ersten Rang im Verhältnis zu den Mitmenschen. Die Quelle der Beschleunigung sieht Hobbes in dem Selbsterhaltungstrieb des Menschen. „Da Macht die Option eröffnet, Güter zu erwerben und erworbene Güter zu behaupten, ist Macht selbst ein Gut, dass von allen Personen erstrebt wird (Chwaszcza 2004: 219)“. Es herrscht Ruhmsucht, das Verlangen nach Lebenssteigerung und die Menschen befinden sich in einer ständigen wechselseitigen Bedrohung, jederzeit kann es zur Einbuße des Besitzes oder gar des eigenen Lebens kommen. Jeder kämpft also mit allen Mitteln für sich und damit gegen alle anderen. Homo homini lupus- der Mensch ist des Menschen Wolf. Es besteht ein stets gegenwärtiger, potentieller Krieg aller gegen alle- bellum omnium contra omnes. Hobbes charakterisiert so den Naturzustand, die Verhältnisse, wenn kein Staat existiert.

Nun ist der Mensch aber ein vernunftbegabtes, rationales Wesen und er weiß, dass diese ständige Unsicherheit nicht zu seinem Vorteil ist. Die Lösung des Problems ist also Sicherheit, Beständigkeit und Frieden. Zu erreichen ist dies durch die Willenserklärung eines jeden Einzelnen: „Ich gebe mein Recht ab, mich mit allen Mitteln selbst zu erhalten, wenn du es auch abgibst.“ Stimmen alle Menschen dem zu, so entsteht der Gesellschaftsvertrag. Doch damit ist die Konstitution des Staates nach Hobbes noch nicht abgeschlossen. Die Menschen müssen ihr Recht einem Dritten übertragen, dem Souverän, welcher nicht Vertragspartner wird, sondern einzig und allein „Begünstigter“. Dieser bietet den Bürgern Schutz und Frieden nach innen und außen, im Gegenzug schulden sie ihm unbedingten Gehorsam. So entsteht der Herrschaftsvertrag, welcher in Verbindung mit dem Gesellschaftsvertrag den Staat legitimiert. Der Souverän vereinigt alle Rechte und Willen der einzelnen in seiner Person, Gesetzgebung und Gesetzesausführung unterstehen seiner Gewalt. Sein Wille ist zugleich der Wille der gesamten Gemeinschaft. Er bietet den Bürgern den Ausweg aus der Unsicherheit, schützt sowohl ihr Eigentum und Besitz, als auch ihr Leben und ihre Freiheit. Diese kann man unterteilen in „geregelte“ und in „ungeregelte“ Freiheit. Erstere erfolgt durch Gesetze, welchen die Bürger durch ihre freiwillige Rechtsübertragung zugestimmt haben, letztere findet dort statt, wo die Gesetze nicht hinreichen oder es keiner expliziten Regelung bedarf. Kann der Souverän den Bürgern keinen Frieden und Schutz mehr garantieren, so ist der Vertrag nichtig und es erfolgt der Rückfall in den Naturzustand. Ebenso verhält es sich in dem Fall, wenn die Bürger dem Oberherrn nicht mehr gehorchen, wobei unbedingter Gehorsam nicht das Opfer des eigenen Lebens einschließt. Doch auch diese Situation führt wieder in den Urzustand.

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Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640622566
ISBN (Buch)
9783640622931
Dateigröße
605 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150893
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Politikwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Thomas Hobbes Begründung Legitimation Ordnung Vertrag

Autor

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Titel: Thomas Hobbes