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Die Mechanik der Paarbildung im Fokus des Erzählens in "L'Arrabbiata" von Paul Heyse

Hausarbeit 2009 9 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Laurellas innerer Konflikt und dessen Bewältigung
2.1. Laurellas Abwehr der Liebe und die Gründe
2.2. Der Wendepunkt
2.3. Die Wandlung von Laurella

3. L’Arrabbiata als Novelle des Realismus
3.2. Die besondere Vermittlung durch die Form einer Novelle
3.3. L’Arrabbiata als Umsetzung der Falkentheorie

4. Schlussfolgernde Beurteilung der Darstellungsweise

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Ein Text, der sich mit der Liebe und Paarbildung beschäftigt, kann die unterschiedlichsten Probleme thematisieren, denn es gibt wohl kaum ein Thema, das so viele mögliche Konflikte birgt. In L’Arrabbiata geht es um einen Konflikt, der sich in der Psyche der Hauptfigur abspielt. Somit hat der Text die Aufgabe, diesen inneren Konflikt nach außen und an die Oberfläche zu tragen, um ihn für den Leser nachvollziehbar zu machen.

L’Arrabbiata tut dies auf eine sehr spezielle Art und Weise, mit der ich mich konkret auseinander setzen möchte. Es spielen verschiedene Faktoren zusammen, welche die Novelle zu dem machen, was sie ist, doch welche sind die entscheidenden, welche sind für die Übermittlung des Konfliktes und dessen Lösung wichtig?

Es tun sich einige interessante Fragen auf, wenn man sich mit dem Text beschäftigt. Man kann vieles aus ihm gewinnen, weil er viele Menschen anspricht und der Konflikt, in dem sich die Hauptfigur befindet, nicht weltfremd, sondern lebensnah ist. Dass zwei Menschen, die sich lieben, es nicht schaffen ein Paar zu werden, weil eine Person von einem innerlichen Konflikt zurückgehalten wird, ist ein interessantes Thema. Es gibt wohl einige mögliche Erlebnisse und Erfahrungen in dem Leben einer Person, die einen inneren Konflikt zur Folge haben können. Bei L’Arrabbiata ist es die traumatische Beobachtung der Eltern, welche die Hauptfigur in der Kindheit gemacht hat, die sie dazu bringt sich gegen die Liebe zu sträuben.

Wie kommt es, dass nach der anfänglichen totalen Ablehnung am Ende doch noch ein Paar aus den Hauptfiguren wird? Was ereignet sich, dass die Hauptfigur den inneren Konflikt durchbrechen kann und der Liebe eine Chance gibt? Wie wird dieser Prozess dargestellt, durch den Fokus des Erzählens?

2. Laurellas innerer Konflikt und dessen Bewältigung

2.1. Laurellas Abwehr der Liebe und die Gründe

Laurella hat zu Beginn der Novelle eine sehr ablehnende Haltung gegenüber Antonino, und diese wird bereits deutlich, als sie in das Boot steigt, das sie nach Capri mitnehmen soll. Sie hält ihm nur eine Münze hin, anstatt ihn zu bitten, dass er sie mitnimmt und sieht ihn dabei noch nicht einmal an. Als er ihr sagt, dass er kein Geld annehmen möchte, erwidert Laurella, dass sie nicht umsonst mitfahren möchte. Dass Antonino ihr seine Jacke hingelegt hat, damit sie weicher sitzen kann, lehnt sie ab und schiebt sie nur beiseite.[1] Der Leser bemerkt somit sofort, dass Laurella nichts mit Antonino zu tun haben möchte. Zwar wird es nicht ausgesprochen, doch die rein äußeren Vorgänge, dass sie Antoninos Freundlichkeit Widerstand entgegensetzt, spiegeln ihr Denken wider.

Als der Padre sie darauf anspricht, dass die Männer sie „L’Arrabbiata“ nennen, ist ihr das unangenehm. „Das Mädchen glühte über das ganze braune Gesicht und ihre Augen funkelten.“ (7) Als der Padre weiterfragt, was mit dem Mann passiert ist, der sie zur Frau haben wollte, wird deutlich, dass Laurella allgemein Männern nicht traut und auch die Worte des Padre tut sie anschließend nur mit einem Schweigen ab. (7) Als der Padre weiter darauf eingeht und wissen möchte warum Laurella sich so eigensinnig verhält, wirkt Laurella eingeschüchtert. „Ich habe wohl einen Grund, sagte sie leise und zögernd.“ (8)

Dass Laurella aber eine Neigung für Antonino hat, wird deutlich, als der Padre sagt, dass sie es wohlmöglich einmal bereuen wird, dass sie so einfach ihr Glück verscherzt hat, indem sie genau in dem Moment einen „[…] flüchtigen scheuen Blick nach dem Burschen hinüber [warf].“ (8)

Laurella erzählt dem Padre, was für Gründe sie für ihre Abwehr hat und erklärt ihm, dass sie verhindern möchte, dass sie das gleiche Schicksal erleidet wie ihre Mutter. Der Vater hat ihre Mutter misshandelt und geschlagen und sie gibt ihm allein die Schuld an der Krankheit der Mutter. (9) Die väterliche Instanz spielt wohl eine große Rolle für die Entwicklung eines Mädchens und im Falle von Laurella eine sehr entscheidende, denn sie hat direkten Einfluss auf ihr Schicksal.

Somit erfährt der Leser Laurellas seelische Verfassung und die Gründe für ihr eigensinniges Verhalten. Dadurch, dass sie allen Männern ihr abwehrendes Verhalten entgegensetzt, hofft sie, niemals einen Mann zu lieben, um auszuschließen, dass sie jemals untertänig wird oder genauso grausam behandelt wird, wie ihre Mutter von ihrem Vater. Somit wehrt sie, aus reinem Selbstschutz und aufgrund der traumatischen Kindheitserlebnisse, jegliche Annäherungsversuche von Männern ab, da ihre Angst zu groß ist vor einer Liebe, die „[…] einen wehrlos macht gegen Ärgeres, als der ärgste Feind einem antun könnte […].“ (10)

Antonino versucht Laurella gleichgültig zu behandeln, vielleicht, weil er ihr Verhalten ihm gegenüber als unverschämt und unfreundlich empfindet. So versucht er Laurella in einem gleichgültigen Ton vorzuschlagen, dass er sie auch wieder mit zurück nehmen kann am Abend. (11) Und als Laurella sich verabschiedet, fühlt er sich nicht angesprochen und sieht sie nicht an. (11)

Die Neigung der beiden füreinander wird allerdings erneut deutlich, als Laurellas und Antoninos Blick sich zufällig begegnen und beide eine Bewegung machen „[…] wie Leute, dich sich entschuldigen wollen, es sei etwas nur aus Versehen geschehen[…].“ (12)

Dies deutet bereits an, dass es wohlmöglich zu einer Änderung von Laurellas Denken kommen könnte, da sie vielleicht die Worte des Padre aufgenommen hat, die er ihr während der Bootsfahrt nahe gelegt hat.

[...]


[1] Vgl. Heye, S. 6. Ich zitiere im Folgenden fortlaufend im Text unter Angabe der Seitenzahl.

Details

Seiten
9
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640624430
ISBN (Buch)
9783640624331
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150822
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg – Germanistisches Institut
Note
2.7
Schlagworte
Novelle Realismus Falkentheorie Paul Heyse; L´Arrabbiata;

Autor

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