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Der poetische Realismus - dargestellt an Theodor Fontanes Roman Effi Briest

Seminararbeit 2008 9 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Der theoretische Hintergrund des poetischen Realismus

3. Die Themen des poetische Realismus

4. Das Symbol als Stilmittel zur Poetisierung

Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der poetische Realismus wurde für Zeitgenossen in Deutschland 1855 durch Gustav Freytags Roman „Soll und Haben“ eingeleitet.[1] Historisch gesehen war in Deutschland gerade erst die Revolution von 1848 gescheitert, weil die unterschiedlichen Ziele der verschiedenen politischen Gruppen eine erfolgreiche Zusammenarbeit unmöglich machten.[2] „Beides, die Enttäuschung über das machtpolitische Unvermögen der Nationalversammlung und die Furcht vor dem Chaos, führten dazu, daß man den wiederhergestellten Deutschen Bund hinnahm, wenn nicht billigte.“[3] Beim Bürgertum führten diese Ereignisse zu einer Abkehrung von der Politik und auch die Schriftsteller des poetischen Realismus rückten politische Fragen in den Hintergrund.[4] Erst mit der Gründung des zweiten Deutschen Kaiserreiches 1871 war die Tagespolitik wieder ein Thema für die Autoren.[5] Wirtschaftlich war Deutschland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch die Industrialisierung geprägt. Dies führte zum einen zur Herausbildung eines neuen „Großbürgertum[s] aus ‚königlichen’ Kaufleuten und Industriemagnaten“[6] und zum anderen aber auch zu einer rasch steigenden Zahl an Arbeitern, die oft unter schlechten Bedingungen leben mussten. Die Literatur dieser Zeit, der poetische Realismus, soll Thema dieser Arbeit sein. Den Anfang macht eine Darstellung der theoretischen Aspekte dieser literarischen Epoche anhand des Aufsatzes „Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848“ von Theodor Fontane, der als führender Vertreter des poetischen Realismus gilt. Anschließend werden die favorisierten Themen des Realismus vorgestellt, mit Hilfe von Beispielen aus Theodor Fontanes bekanntestem Roman „Effi Briest“ (1895). Abschließend gilt es, ebenfalls anhand von „Effi Briest“, ein ausgesuchtes Stilmittel, das der Poetisierung des Textes dient, zu analysieren. In diesem Fall handelt es sich um das Symbol der Schaukel, das in drei wichtigen Momenten im Roman zum Tragen kommt.

2. Der theoretische Hintergrund des poetischen Realismus

Die Epoche des Realismus folgt dem Frührealismus, endet im Naturalismus und wird zeitlich gesehen von 1848 bis 1900 datiert.[7] Im Realismus wird von den Autoren die elementare Frage nach dem Verhältnis von Kunst und Wirklichkeit gestellt.[8] Im Gegensatz zu anderen Literaturepochen gibt es keine „allgemein gültige Theorie“, doch eine „gemeinsame Grundauffassung“[9] ist vorhanden. Theodor Fontane erklärt seine Ansichten 1853 in seinem Aufsatz „Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848“. Fontane erkennt den Realismus zu jener Zeit in allen Lebensbereichen, aber am stärksten äußere er sich in der Kunst. Die Rückkehr der Kunst zum Realismus beschreibt Fontane als „den einzig richtigen Weg“.[10] Seine Realismusdefinition lautet folgendermaßen: „[Der Realismus] ist die Wiederspiegelung alles wirklichen Lebens, aller wahren Kräfte und Interessen im Elemente der Kunst; er ist, wenn man uns diese scherzhafte Wendung verzeiht, eine ‚Interessenvertretung’ auf seine Art.“[11] Doch Fontane grenzt den Realismusbegriff ab von einer einfachen Abbildung der Realität, in der Mangel und Armut vorhanden sind, denn der sollte sich jeder Mensch sowieso bewusst sein. Ein realistisches Kunstwerk braucht seiner Meinung nach zuerst einmal den richtigen Stoff, das Wirkliche. Eine Anreihung von Gedankengängen in einer gekünstelten Sprache, „jene Bildersprache voll hohlen Geklingels“[12], gehört damit nach Fontanes Aussage der Vergangenheit an. Poetisiert wird ein Werk durch die Verwendung von Stilmitteln wie Verklärung, Humor und Symbolen. Erst dadurch kommt es zu einem gestalteten Abbild der Wirklichkeit und damit zur Kunst.

Die führende Gattung des Realismus ist eindeutig der Roman, denn er entspricht „als flexibelste Form den Bedürfnissen des neuen Wirklichkeitsverständnisses in der Literatur am besten“.[13] Er löst das Drama und die Lyrik als führende Erzählformen ab und beschreitet auch im Bereich des Sprachgebrauchs neue Wege. So kommt ein Sinn für Humor zum Vorschein und eine natürlichere Sprache, die näher an der Umgangssprache ist als frühere Texte.[14] Außerdem fordert der Realismus einen Rückzug des auktorialen Erzählers, der dem Leser eine sehr subjektive Sicht der Dinge vermittelt. Die personale Erzählsituation mit einem großen Anteil an Dialogen ermöglicht die Darstellung mehrerer Standpunkte und hilft bei der Auseinandersetzung mit einer immer komplexer werdenden Welt.

[...]


[1] Vgl. van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 49

[2] Vgl. van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 13

[3] van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 15

[4] Vgl. van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 15

[5] Vgl. van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 19

[6] van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 23

[7] Vgl. van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 45

[8] Vgl. Müller: Bürgerlicher Realismus, S. 1

[9] van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 45

[10] Fontane: Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848

[11] Fontane: Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848

[12] Fontane: Unsere lyrische und epische Poesie seit 1848

[13] Müller: Bürgerlicher Realismus, S. 19

[14] Vgl. van Rinsum: Realismus und Naturalismus, S. 48

Details

Seiten
9
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640620746
Dateigröße
399 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150779
Institution / Hochschule
Universität Potsdam
Note
1,7
Schlagworte
Theodor Fontane Effi Briest Realismus Roman poetischer Realismus Symbol Schaukelmotiv 19. Jahrhundert Rolle der Frau

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