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Christ sein in der Einen Welt

Globales Lernen als konzeptionelle Forderung an einen katholischen Religionsunterricht im 21. Jahrhundert

Diplomarbeit 2010 93 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

INHALT

Abkürzungsverzeichnis

Ziel und Anspruch dieser Arbeit

1. Globalisierung und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts
1.1 Das Phänomen der Globalisierung
1.1.1 Die wissenschaftliche Debatte zur Globalisierung
1.1.2 Anstoßfaktoren des Globalisierungsprozesses
1.1.3 Globalisierungsverständnis in der Sozialenzyklika „Caritas in veritate“
1.2 Herausforderungen am Beginn des 21. Jahrhunderts
1.2.1 „Verschärfung der ungleichmäßigen Entwicklung“
1.2.2 „strukturelle Schizophrenie zwischen Funktion und Sinn“ – Identitätsproblem
1.3 Neue Antworten auf neue Fragen: Bildung für nachhaltige Entwicklung
1.4 Zusammenfassung und Ausblick

2. Globales Lernen – ein pädagogisches Konzept für das 21. Jahrhundert
2.1 Geschichte
2.2 Was ist Globales Lernen?
2.2.1 Handlungstheorie und Systemtheorie
2.2.2 Definitionen
2.2.3 Zusammenfassung
2.3 Schwierigkeiten des Konzeptes
2.3.1 Begriffsproblematik
2.3.2 Globales Lernen im Verhältnis zu anderen Teilpädagogiken
2.3.3 Kritik
2.4 Globales Lernen konkret
2.4.1 Handlungsorientiert oder systemtheoretisch?
2.4.2 Der handlungstheoretische Ansatz von David Selby
2.4.2.1 Modell
2.4.2.2 Ziele/Kompetenzen
2.4.2.3 Methodische Implikationen
2.5 Zusammenfassung

3. Das Konzept des Globalen Lernens in der Bildungspolitik
3.1 Internationale Rahmenbedingungen
3.1.1 Auf UN-Ebene
3.1.2 Auf EU-Ebene
3.2 Nationale Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik Deutschland
3.2.1 Die Jahre 1990-2003
3.2.2 Die Jahre 2004-2009: Erste Halbzeit der UN-Dekade
3.2.3 Die jüngsten Dokumente
3.3 Zusammenfassung

4. Globales Lernen: ein pädagogisches Konzept für die Katholische Kirche
4.1 Selbstverständnis und historisch gewachsene Gestalt der Weltkirche
4.1.1 Neutestamentarischer Hintergrund: Universalität des Christentums
4.1.2 Historischer Hintergrund: Die weltweite Ausbreitung der katholischen Kirche
4.1.2.1 Mission
4.1.2.2 Die katholische Kirche als Weltkirche
4.1.2.3 Globale Fragen als Betätigungsfeld der katholischen Kirche
4.1.3 Ekklesiologischer Hintergrund: Die Menschheitsfamilie
4.1.4 Lernen mit Blick auf die Universalität der katholischen Weltkirche
4.2. Globales Lernen: Pädagogik im Einklang mit der katholischen Lehre
4.2.1 Religionsunterricht und Soziallehre
4.2.2 Die katholische Soziallehre
4.2.3 Christ sein im 21. Jahrhundert – Grundpositionen
4.2.3.1 Verpflichtung zum Handeln
4.2.3.2 Neuer Anspruch an Entscheidungen
4.2.4 Christ sein im 21. Jahrhundert – Lebensbereiche
4.2.4.1 Ressourcennutzung und Umwelt
4.2.4.2 Arbeit
4.2.4.3 Nächstenliebe
4.2.5 Erziehung zum „Christsein“ im 21. Jahrhundert
4.2.5.1 Verantwortung der Kirche
4.2.5.2 Erziehung aus Sicht der Soziallehre
4.2.6 Zusammenfassung
4.2.7 Wechselwirkung von Globalem Lernen und katholischer Lehre

5. Globales Lernen und der katholische Religionsunterricht in Deutschland
5.1 Globales Lernen: Forderung aus der Legitimation des Religionsunterrichtes
5.2 Globales Lernen: Forderung aus den Aufgaben des Religionsunterrichtes
5.3 Globales Lernen und der Kompetenzerwerb im Religionsunterricht
5.3.1 Inhaltsbezogene Kompetenzen - Kenntnisse
5.3.2 Fachbezogene Allgemeine Kompetenzen - Fähigkeiten
5.3.3 Haltungen
5.4 Didaktische Schlussfolgerungen
5.4.1 Empfehlungen zu Unterrichtsorganisation, -formen und -methoden
5.4.2 Empfehlungen zur Unterrichtsvorbereitung

6. Resümee

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung:

Die Enzykliken und Lehrdokumente, sowie die Konzilsdokumente des Vatikanum II erscheinen in der Arbeit in Abkürzung, für die ausführlichen Literaturangaben siehe Literaturverzeichnis.

Dokumente der katholischen Kirche, UN oder EU werden, falls vorhanden, mit Kapitel-/Paragraphenzahl zitiert.

Ziel und Anspruch dieser Arbeit

In den letzten Jahren und Jahrzehnten ist die Welt zusammengerückt. Die Ausbreitung des Internet hat sowohl die Wirtschafts- als auch die Privatwelt stark beeinflusst. Informationen aller Art sind rund um die Uhr überall um den Globus abrufbar. War 1872 die „Reise um die Welt in achtzig Tagen“ noch Science-Fiction, so ist heute mit dem richtigen Transportmittel eine Reise um die Welt in acht Stunden möglich. Andererseits wird aufgrund der weltweiten CO2-Emissionen die Temperaturerhöhung den Meeresspiegel in den nächsten Jahrzehnten so weit steigen lassen, dass Inselstaaten wie die Malediven ihr Untergehen befürchten. Krank-heiten verbreiten sich mit rasender Geschwindigkeit über den Erdball und auch ihre Bekämpfung wird von weltweiten Krisenstäben organisiert. Die Deutschen fahren japanische Autos, trinken afrikanischen Kaffee, essen Schokolade und Bananen aus Lateinamerika, gehen ins Kino zum indischen Bollywood-Film, und exportieren mehr Güter als jeder andere Staat[1]. Bereits vor dem Zerfall der „Zweiten Welt“ um das Jahr 1990 stand die einst unerreichbar ferne Exotik der „Dritten Welt“ längst in Wohnzimmer und Küche der „Ersten“. Globalisierungseffekte haben die konstruierte Trennung der Welten aufgehoben. Globale Klima- und Wirtschaftskrisen in jüngster Zeit führen der Menschheit vor Augen: Es gibt nur „Eine Welt“, den Planeten, auf dem wir leben.[2]

Das führt dazu, dass unser Leben heute einerseits von globalen Phänomenen beeinflusst wird, andererseits aber auch weltweite Auswirkungen hat, die wir kaum noch überblicken können. Um als Menschen und als Christen verantwortlich leben zu lernen, reicht unser derzeitiges Schulsystem nicht mehr aus – wir brauchen eine neue, eine globale Art zu lernen. Tatsäch-lich existiert seit Ende der 1980er Jahre ein pädagogisches Konzept, das dieser Erkenntnis Rechnung tragen will. „Globales Lernen“ erfährt heute in der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, vorangetrieben durch die gleichnamige UN-Dekade, weite Verbreitung. Dass der katholische Religionsunterricht in Deutschland von seiner Konzeption her ohne ein solches Lernen seinen eigenen Ansprüchen nicht mehr genügen, mit ihm aber eine zeitgemäße Erziehung in der christlichen Lehre realisieren kann, möchte ich in dieser Arbeit zeigen. Dafür ist Hintergrundwissen notwendig, weshalb ich in den ersten beiden Kapiteln dieser Arbeit das Phänomen der Globalisierung konkretisieren und Entstehung und Konzeption des Globalen Lernens vorstellen werde. Im Hauptteil der Arbeit wird das dritte Kapitel zeigen, dass die Ausrichtung auf Globales Lernen in allen ordentlichen Unterrichtsfächern und insofern auch im katholischen Religionsunterricht in Deutschland laut internationalen und nationalen Bildungsrichtlinien längst umgesetzt werden sollte. Von den öffentlichen Vor-schriften leite ich zur theologischen Begründung über und zeige im vierten Kapitel die Übereinstimmungen von Inhalten und Kompetenzen Globalen Lernens mit den Forderungen der kirchlichen Lehre zum Handeln von Christen in der Welt. Die Betrachtung in Kapitel fünf stellt anhand der verschiedenen Dokumente der deutschen Bischofskonferenz zu Aufgaben und Standards des katholischen Religionsunterrichtes in Deutschland dar, wie diese im beginnenden 21. Jahrhundert nur unter Einbeziehung Globalen Lernens noch legitimiert sind.

Ich möchte mit dieser Arbeit eine theoretische Fundierung für die Integration Globalen Lernens in den öffentlichen katholischen Religionsunterricht geben, die deutschlandweit gültig ist. Meine These lautet, dass diese Integration nötig ist, damit der Religionsunterricht, wie er sich heute darstellt, Handlungsperspektiven für das 21. Jahrhundert eröffnen und seinem Selbstanspruch, sowie dem Anspruch, den die Bildungspolitik an ihn stellt, genügen kann.

Zwei Dinge kann diese Arbeit nicht leisten: Zum einen die Verbindung Globalen Lernens mit den Rahmenrichtlinien der deutschen Bundesländer. Diese umfangreiche Aufgabe, die der nächste Schritt auf Grundlage der hier geleisteten Fundierung wäre, muss vorerst offen bleiben. Zum anderen ist diese Arbeit kein methodischer Leitfaden für Globales Lernen im Religionsunterricht. Sich aus dieser Arbeit bereits ergebende didaktische Grundlagen für einen katholischen Religionsunterricht, der dem Konzept Globalen Lernens verpflichtet ist, werden am Schluss der Arbeit aber zusammengefasst. Methodische und/oder didaktische Literatur, die sich mit Globalem Lernen speziell im Religionsunterricht auseinandersetzt, existiert für den deutschsprachigen Raum noch nicht.[3]

1. Globalisierung und Herausforderungen des 21. Jahrhunderts

1.1 Das Phänomen der Globalisierung

Zwei weltweite Problemkomplexe haben in den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts immer größere Aufmerksamkeit in Wissenschaft und Öffentlichkeit erlangt[4]:

1. Die „Tragfähigkeit des Raumschiffs Erde“: Das Bewusstsein, dass die Menschheit sich durch ihren Ressourcenverbrauch und die Zerstörung der Umwelt in kurzer Zeit selbst die Lebensgrundlage nehmen wird, wenn sie nicht einen neuen Weg einschlägt.[5]
2. Der Globalisierungsprozess: Die „überstaatliche Verflechtung und Vernetzung der Welt“, die neue Ordnungsprinzipien verlangt.[6]

Betrachtet man diese beiden Punkte, wird klar, dass die Bedrohlichkeit des ersten Problemkomplexes sich aus dem zweiten ergibt. Ressourcenausbeutung und Umwelt-zerstörung im großen Stil geschehen heute oft nicht mehr dort, wo die Verursacher leben, sondern überall in der Welt, wo multinationale Unternehmen unter Duldung der Weltge-meinschaft ökologischen und sozialen Raubbau betreiben, der ohne Globalisierung nicht denkbar wäre. Als größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts begriffen, wird das Globalisierungsphänomen seither erforscht und diskutiert.

Globalisierung: laut Malcolm Waters ist es die Schlüsselidee, um den Übergang der Menschheit ins 3. Jahrtausend zu verstehen[7]. In den letzten Jahren scheint der Begriff inflationär gebraucht zu werden. Der ehemalige Bundespräsident Johannes Rau hielt bereits 2002 seine Berliner Rede zu „Gefahren und Chancen der Globalisierung“[8], Weltbank-Präsident Robert Zoellick forderte auf dem G20-Gipfel 2009 von den Staaten „eine ehrgeizige Agenda für eine verantwortungsvolle Globalisierung“[9] und die Redaktion der Zeitschrift Le Monde diplomatique gibt in diesem Jahr bereits den zweiten, aktualisierten „Atlas der Globalisierung“ heraus. Die Überstrapazierung des Begriffes „Globalisierung“ führt dazu, dass er häufig und uneindeutig benutzt wird. Daher werde ich zu Beginn dieser Arbeit einen kurzen Überblick darüber geben, was im wissenschaftlichen Diskurs unter „Globalisierung“ verstanden wird.

Der Begriff des „globalen“ ist zu unterscheiden vom „internationalen“[10]. „International“ heißen Phänomene, die sich aus der Beziehung von Staaten zueinander ergeben. So sind die EU oder die UNO internationale Institutionen. „Globale“ Phänomene, die für diese Arbeit entscheidend sein sollen, zeichnen sich dagegen durch ihre weitgehende Unabhängigkeit von Staatsgrenzen aus. „Weitgehend“ in dem Sinne, dass Staaten trotzdem einen Einfluss auf Globalisierungsphänomene behalten, insofern sie staatliche Mittel zu deren Verbreitung oder Hemmung einsetzen können[11]. Auch global agierende Nichtregierungsorganisationen (NROs/NGOs)[12] wie Greenpeace sind im jeweiligen Staat an nationale Gesetze gebunden. Der Einfluss des Staates kann bei globalen Phänomenen jedoch nur ein regulierender, nicht mehr ein bestimmender sein. Globale Märkte[13] und gewinnorientierte Entscheidungen multinationaler Konzerne bestimmen das Aussehen der Gesellschaft.[14] Nach Osterhammel stellt Globalisierung „die Bedeutung des Nationalstaates in Frage und verschiebt das Machtverhältnis zwischen Staaten und Märkten zugunsten letzterer.“[15] Dass auch soziale Handlungszusammenhänge sich über nationalstaaliche Grenzen hinaus ausdehnen, bestätigt eine 1996 fertig gestellte Studie zur Denationalisierung durch Globalisierungsprozesse im gesellschaftlichen Leben der G7-Staaten.[16]

1.1.1 Die wissenschaftliche Debatte zur Globalisierung

Der Begriff „Globalisierung“ ist seit Mitte der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts in der wissenschaftlichen Debatte gebräuchlich[17], er ist allerdings nicht unumstritten. Einige Wissenschaftler zweifeln die Existenz eines Globalisierungsphänomens oder wenigstens seinen Charakter als eigenständige neue Entwicklung an.[18] Tatsächlich ist die Frage kontrovers, wann man den Beginn der „Globalisierung“ ansetzt. Sehen die einen darin einen Prozess, der seit Anbeginn der Menschheit andauert, so machen die anderen seinen Beginn am Aufstieg des Kapitalismus fest, oder sehen ihn als neues Phänomen der letzten Jahrzehnte.[19]

Roland Robertson, der bereits 1985 seine erste Publikation zum Thema veröffentlichte, definiert Globalisierung als „Komprimierung“ der Welt bei einer gleichzeitigen Intensi-vierung des Bewusstseins von der Welt als Ganzem. Er nennt globale Abhängigkeiten und die Reflexion über diese als die zentralen Komponenten der Globalisierung.[20] Anthony Giddens, der zweite große Globalisierungstheoretiker der Anfangszeit, bringt den sozialen Aspekt mit ein. Globalisierung zeigt sich für ihn vor allem in der Intensivierung von weltweiten sozialen Beziehungen.[21] Malcolm Waters nutzt und erweitert diese Konzepte. Globalisierung ist nach ihm “a social process in which the constraints of geography on economic, political, social and cultural arrangements recede, in which people become increasingly aware that they are receding and in which people act accordingly”[22]. Bewusst global handeln allerdings hauptsächlich weltweit agierende Unternehmen. Die meisten Menschen sind dagegen inzwischen in Globalisierungsphänomene verstrickt, ohne sich dessen bewusst zu sein. Daher kann das von Waters postulierte Moment der bewussten Handlung heute kein Bedingungsfaktor für Globalisierung sein. Entscheidend ist aber die bei ihm im Gegensatz zu den ersten Theoretikern vorgenommene Unterscheidung zwischen verschiedenen Dimensionen der Globalisierung: wirtschaftlich, politisch, sozial und kulturell.

Die meisten neueren Modelle zeigen ein ebensolches Bewusstsein für die systemische Mehrdimensionalität des Phänomens „Globalisierung“. Ulrich Beck beispielsweise nennt in seiner Analyse der Globalisierung von 1997 sechs Dimensionen: die ökonomische, politische, kulturelle, kommunikationstechnische, arbeitsorganisatorische und ökologische.[23] Beck nimmt weiterhin die in der öffentlichen Diskussion selten konsequent durchgeführte verdienstvolle Trennung zwischen der „Globalisierung“ als Prozess und seinem Ergebnis, hier „Globalität“ genannt, vor, dessen Erreichen von der Ideologie eines „Globalismus“, dem Glauben an die absolute Herrschaft des Weltmarktes, der Globalisierung auf die wirtschaft-liche Komponente beschränkt, befeuert werde.[24] Entscheidend für aktuelle Theorien der Globalisierung ist die Verbindung von globalen und lokalen Gegebenheiten. Unsere Theorien des Globalen sind immer auch lokale Theorien[25], da die globale Gesellschaft aus lokalen Gesellschaften zusammengesetzt ist[26]. Diese lokalen Gesellschaften sind allerdings in beinahe allen Lebensbereichen und Entscheidungen globalen Einflüssen ausgesetzt. Ebenso werden durch die lokal verorteten Handlungssubjekte lokale Aspekte in Globalisierungsprozesse eingebracht.[27] Besonders auffällig wird der Bezug des Lokalen zum Globalen in seiner expliziten Verneinung oder Bejahung. Länder schotten ihre Märkte durch restriktive Wirtschaftspolitik ab oder richten ihre Wirtschaft radikal auf globale Marktbedürfnisse aus. Andererseits zeigt sich im Trend zur Ernährungsumstellung auf regionale Produkte in der Bevölkerung eine stärker werdende lokale Orientierung.[28] Wachsender Fundamentalismus hat eine seiner Wurzeln in vermeidenden Reaktionen auf Globalisierungsphänomene, durch sie wird aber sein weltweit agierender terroristischer Flügel erst handlungsfähig.[29] Diese gleichzeitige Tendenz zu Globalisierung und Lokalisierung bei steigender gegenseitiger Beeinflussung der beiden Ebenen wird als „Glokalisierung“[30] bezeichnet.

1.1.2 Anstoßfaktoren des Globalisierungsprozesses

Nachdem ich einen Überblick darüber gegeben habe, was Globalisierung alles umfassen kann, ist zu fragen, was diesen Prozess auslöste. Manuel Castells sieht in seinem Werk über die „Netzwerkgesellschaft“ die „informationstechnologische Revolution“[31] als entscheidenden Globalisierungsfaktor. Die Erfindung und Verbreitung neuer Kommunikations- und Mobili-tätsmöglichkeiten machte erst die wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Netzwerke möglich, in denen sich Globalisierung zeigt. Christian Smekal nennt nicht nur als Folgen, sondern auch als Gründe des Globalisierungsprozesses außerdem Bevölkerungswanderungen (z.B. Arbeitsmigration, Bildungsmigration, Armutsmigration[32] ), sowie die Internationali-sierung der Wirtschaft[33].

Allen Erklärungsversuchen gemeinsam ist die Herleitung der Globalisierung aus einer Erweiterung technischer Möglichkeiten. Geht man von dieser Bedingung aus, so wird der mögliche Beginn einer Globalisierung durch die Entwicklung neuer Technologien bestimmt, die das Handlungsfeld der Menschen erweiterten. Je nachdem, wie weit man die Grenzen der Begriffe „neu“ und „Technologie“ ausdehnen möchte, kann bereits die Erfindung des Rades oder der Schifffahrt als Beginn der Globalisierung gelten.[34] Waters weist darauf hin, dass zwischen einer unkontinuierlichen, in Entwicklungsschüben stattfindenden Globalisierung in den frühen Menschheitsepochen bis hin zum 18./19. Jahrhundert und einem linearen Verlauf der Globalisierung in jüngerer Zeit unterschieden werden kann.[35] Nimmt man das Kriterium der Reflexivität von Globalisierung hinzu, könne ihr Beginn nicht vor dem Aufkommen des kopernikanischen Weltbildes angesetzt werden.[36]

Das Bewusstsein von der Welt als abgegrenzter Kugel, die Aufnahme weltweiter Handels-beziehungen und schließlich die Einbeziehung der Kolonien in den Handel formten die Grundzüge des Welthandels, der noch heute unser Wirtschaftssystem ausmacht.[37] Technische Errungenschaften wie Eisenbahn und Automobil (als Grundlagen einer neuen Mobilität), Telegrafen, Telefon und nicht zuletzt die Alphabetisierung und das Erscheinen von Massen-medien erhöhten die Vernetzung der Welt. Die Jahrzehnte vor dem Ersten Weltkrieg werden daher auch als erste Phase der Globalisierung beschrieben[38]. Mit der Gründung des Völkerbundes 1919, der Weltwirtschaftskrise 1929 und dem Zweiten Weltkrieg war die Tatsache einer weltweiten Vernetzung von Wirtschaft und Gesellschaft nicht mehr von der Hand zu weisen. Auf der Konferenz von Bretton Woods wurden 1944 die bis heute gültigen Leitlinien der Weltwirtschaft beschlossen und die Weltbank gegründet, welche der ökonomischen und finanziellen Globalisierung die Richtung vorgaben. Seit den 1960er Jahren ist auch die soziokulturelle Dimension von Globalisierung zu erkennen, eine Folge von Massenproduktion, Massenkonsum, Massenmedien und erhöhter Migration.[39] Die Diskussion von Umweltproblemen und Weltklima auf einer globalen Ebene kam um 1970 hinzu.[40]

Was wir heute als „Globalisierung“ bezeichnen, ist also ein sich schon länger entwickelnder Prozess. Dass er erst heute in einer derartigen Intensität diskutiert wird, liegt an der rasanten Beschleunigung seines Verlaufes. Ausgelöst durch die oben genannten Entwicklungen nehmen Globalisierungserscheinungen seit den 1990er Jahren exponentiell zu. Einen politi-schen Grund dafür stellt der Zusammenbruch der Sowjetunion dar. Die Trennung der Welt in zwei Lager hatte den Prozess aufgehalten, da Ressourcen für Abschreckung verwendet wurden und die Entwicklung einer Weltgesellschaft und Weltwirtschaft mit zwei dermaßen streng voneinander abgeschotteten Systemen nicht möglich war.[41] Den vermutlich größten Einfluss hatte jedoch die Weiterentwicklung der Kommunikationstechnologie. Satelliten, Internet und Mobiltelefon brachten die Möglichkeit der weltweiten Vernetzung bis in die Privathaushalte[42] und ohne sie wäre die heutige Gestalt der Finanzmärkte und der Wirtschaft nicht denkbar[43]. Dieser sprunghafte Anstieg kann daher als Globalisierung einer „neuen Qualität“[44] verstanden werden. Ulrich Beck spricht in diesem Zusammenhang von einer reflexiven oder „Zweiten Moderne“[45] im Gegensatz zur ersten Moderne (der Entwicklung der Agrar- zur Industriegesellschaft).

Zusammenfassend möchte ich folgende, dem derzeitigen Forschungsstand entsprechende Definition von Globalisierung festhalten, von der ich in dieser Arbeit ausgehe:

Globalisierung ist ein multidimensionaler Prozess der weltweiten wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Vernetzung, der den Nationalstaat übersteigt, durch neue technische Entwicklungen ermöglicht wurde und seit den 1990er Jahren des 20. Jahrhunderts ein exponentielles Wachstum aufweist.

1.1.3 Globalisierungsverständnis in der Sozialenzyklika „Caritas in veritate“

Hat Papst Benedikt XVI. bereits in Predigten und kleineren Schriften auf das Phänomen der Globalisierung Bezug genommen, so ist es auch der bestimmende gesellschaftliche Hintergrund für die am 26. Juni 2009 erschienene Sozialenzyklika „Caritas in veritate“, die sich mit den Gefahren der Globalisierung und Wegen zu ihrer menschlichen Gestaltung auseinandersetzt. Ich möchte an dieser Stelle kurz die Darstellung des Begriffes „Globalisierung“ in dieser Enzyklika untersuchen.[46]

Benedikt XVI. bezeichnet die Globalisierung als die „hauptsächliche Neuheit“ in der Gesellschaft seit Erscheinen der Enzyklika „Populorum progressio“ von Paul VI (1967). Unter „Globalisierung“ sei „die Explosion der weltweiten wechselseitigen Abhängigkeit“ bekannt geworden (33). Darüber hinaus werden in der Enzyklika aber zwei eigentlich unter-schiedliche Sichtweisen auf Globalisierung deutlich: Die Globalisierung als Prozess[47] und als Ära. Diese Doppelung ist möglich, wenn der Globalisierungsprozess als bestimmendes Element der ebenso benannten Ära verstanden wird. Allerdings trennt der Text die Ebenen nicht mehr klar, wenn von einem „Weg zur Globalisierung“ die Rede ist (5;6;7) Hier meint die Enzyklika eigentlich das Ergebnis des Globalisierungsprozesses, also die von Ulrich Beck so bezeichnete „Globalität“, nicht den Prozess selbst. Unsicher bleibt auch, was unter dem Terminus „Globalisierung der Menschheit“ (42) zu verstehen ist. Daher werde ich mich im Folgenden auf die Belegstellen konzentrieren, die von einem „Prozess“ oder einer „Ära“ sprechen.

Mit „Ära der Globalisierung“ bezeichnet die Enzyklika eine Zeit, die durch eine neue, weltweite Dimension für die Aufgaben der Nächstenliebe geprägt ist, konkret die Beseitigung des Hungers (27). Weiterhin stelle die „Zeit der Globalisierung“ neue Rahmenbedingungen für die Entwicklungsproblematik, die Wirtschafts- und Finanzwelt (36;37) sowie die gelebte Solidarität (38) auf. Die engmaschige Vernetzung der Welt wird als Hintergrund für die Globalisierung gesehen, wenn Benedikt XVI. schreibt, dass „hinter dem sichtbaren Prozess [] eine zunehmend untereinander verflochtene Menschheit“ stehe (42).

In seiner Darstellung der Globalisierung als Prozess sieht Benedikt XVI. die Mehrdimensionalität als entscheidendes Merkmal. So schreibt er: „Die Globalisierung ist ein vielschichtiges und polyvalentes Phänomen, das in der Verschiedenheit und in der Einheit all seiner Dimensionen – einschließlich der theologischen – erfasst werden muss.“ (42) Diese „theologische“ Dimension der Globalisierung ist gegenüber den soziologischen Betrachtungen neu, wird allerdings nicht erklärt. Des Weiteren werden die soziökonomische, aber auch die kulturelle (42) oder ethisch-kulturelle (73) Seite des Globalisierungsprozesses genannt. Globalisierung sei ein Prozess, der fortschreite und um sich greife (9), einer mit positiven und negativen Seiten, der Chancen biete und Gefahren beinhalte (42) und daher gelenkt und gesteuert werden müsse. Die Technolo-gisierung erscheint im Licht der Enzyklika nicht als auslösender und ermöglichender Faktor des Globalisierungsprozesses, sondern im Gegenteil als etwas, das durch die Globalisierung verbreitet wird (70). Die Enzyklika übersieht damit, dass Globalisierung durch die Entwicklung neuer Technologien bedingt wurde und immer noch wird.

Globalisierung erscheint demnach in der Enzyklika als multidimensionaler ambivalenter Prozess der Verflechtung von Menschen und Völkern, der einen veränderten Hintergrund bietet für Wirtschaft und Entwicklung, aber auch für Akte der Nächstenliebe und Solidarität. Die Sicht der zunehmenden Vernetzungen als Hintergrund der Globalisierung wird meines Erachtens aber nicht dem Auslöse- und Bestimmungscharakter gerecht, den vor allem Wirtschafts- und Entwicklungs-prozesse für die Globalisierung aufweisen. Der Einfluss, den unsolidarisches, aber auch solidarisches Handeln auf den Globalisierungsprozess selbst haben (können), wird nicht thematisiert und somit die praktischen Chancen für Veränderung nicht hinreichend aufgezeigt.

1.2 Herausforderungen am Beginn des 21. Jahrhunderts

Manuel Castells nennt in der Einleitung zu „Das Informationszeitalter“ zwei Folgen der technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen am Ende des zweiten Jahrtausends, die ich übernehmen möchte, um zu erläutern, welche konkreten Herausforde-rungen das 21. Jahrhundert an die Menschheit stellt: Entwicklungs- und Identitätsproblem.[48][49]

1.2.1 „Verschärfung der ungleichmäßigen Entwicklung“

Die globalen[50] Herausforderungen, vor denen sich die Weltgemeinschaft sieht, zeigen sich in den von den UN aufgestellten Millenium Development Goals (MDGs)[51]: acht Ziele, deren Erfüllung sich die Staatengemeinschaft in den Jahren von 2000 bis 2015 vorgenommen hat, um der größer werdenden Schere zwischen Arm und Reich entgegenzuwirken.[52]

1. Extreme Armut und Hunger beseitigen
2. Grundschulbildung für alle Kinder gewährleisten
3. Gleichstellung und größeren Einfluss der Frauen fördern
4. Die Kindersterblichkeit senken
5. Die Gesundheit der Mütter verbessern
6. HIV/Aids, Malaria und andere Krankheiten bekämpfen
7. Eine nachhaltige Umwelt gewährleisten
8. Eine globale Partnerschaft im Dienst der Entwicklung schaffen

Zur besseren Illustration der Ausmaße dieser Herausforderungen greife ich zwei Problemkreise heraus, die laut der Agenda 21 (1992 in Rio de Janeiro auf der UN-Konferenz zu Umwelt und Entwicklung verabschiedet) zu den dringendsten unserer Zeit gehören: Armut und Umwelt[53]. Durch Globalisierungsprozesse stellen sie nicht nur eine Herausforderung für Regierungskreise dar, sondern für jeden Menschen, der in unserer vernetzten Welt lebt.

a) Problemkreis Armut (MDG 1)

2005 lebten 1,4 von insgesamt 6,51 Milliarden Menschen von 1,25$ oder weniger am Tag und galten damit als extrem arm[54]. Die Ursachen sind vielfältig. Viele der Staaten, in denen extreme Armut herrscht, insbesondere im besonders schlimm betroffenen Gebiet Afrikas südlich der Sahara[55], sind aus Kolonialgebieten hervorgegangen. Durch den europäischen Kolonialismus wurden Kulturen und Gesellschaftssysteme zerstört, sowie ethnische Konflikte verstärkt. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen sind bis heute unsicher und die mit der Unabhängigkeit eingeführten Demokratien nach westlichem Vorbild waren häufig nicht in der Lage, eine effiziente Regierung aufzustellen. Bis heute leiden viele Staaten unter Diktatoren, korrupten Regierungen und Überbürokratisierung. Aber auch die Weltwirtschaft und damit indirekt jede/r KonsumentIn haben Anteil an der Armut in diesen Ländern. Einseitige Handelsabkommen haben zu einer Verstärkung der weltweiten „Arbeitsteilung“ geführt: die Entwicklungsländer[56] exportieren Rohstoffe, die Industrieländer Fertigprodukte.[57] Zusätzlich führen Einrichtungen, die den angeblich freien Weltmarkt verzerren, dazu, dass Produzenten in Entwicklungsländern im eigenen Land gegen die günstigen Produkte aus Industrie- und Schwellenländern nicht ankommen.[58] Die Fixierung auf die billigsten Angebote bei Nahrungsmitteln und Kleidung hat dazu geführt, dass Arbeiter im Plantagenanbau von Kaffee, Kakao, tropischen Früchten oder in der Bekleidungsindustrie unter menschen-unwürdigen Bedingungen arbeiten müssen und trotz ihrer Arbeit arm bleiben.[59]

b) Problemkreis Umwelt (MDG 7)

Die Kritik an gedankenloser Umweltzerstörung, seit den 1970ern verstärkt Thema der gesellschaftlichen Diskussion, hat seit der Erkenntnis eines drohenden bzw. bereits vorhande-nen[60] Klimawandels am Übergang zum 21. Jahrhundert eine neue Sprengkraft entwickelt. Spätestens seit dem Welterfolg des Filmes „Eine unbequeme Wahrheit“ (2007) sind der Klimawandel, seine Ursachen und Auswirkungen einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Wenn der globale CO2-Ausstoß, der fast ausschließlich von Industrie- und Schwellenländern verantwortet wird, auf dem heutigen Level bleibt, wird die Temperatur auf der Erde dermaßen ansteigen, dass Naturkatastrophen sich häufen und die Überlebensmöglichkeiten auf unserem Planeten stark eingeschränkt werden. Der Anstieg des Meeresspiegels aufgrund der Erwärmung, bis 2050 vom Weltklimarat auf ein bis zwei Meter geschätzt, bedroht besonders die Bevölkerung in den Deltas der großen Flüsse der Welt. Die Meereserwärmung begünstigt das Zustandekommen von Tropenstürmen und Desertifikation vertreibt Menschen aus ihren angestammten Gebieten. Für die folgenden Jahrzehnte werden daher Millionen von Klima-flüchtlingen prognostiziert, mit denen die Weltgesellschaft rechnen muss.[61] Die National-staaten haben diese Gefahr erkannt, handeln aber noch nicht entsprechend. Im Jahr 1997 wurden mit dem Kyoto-Protokoll erste Schritte zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes beschlossen, auf dem letzten Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember 2009 konnten die Staatsführer sich jedoch nicht auf eine gemeinsame Fortsetzung des Protokolls einigen.

Der Raubbau an den natürlichen Ressourcen des Planeten stellt eine zusätzliche Gefährdung unserer Zukunft dar. Die Weltbevölkerung muss beginnen nachhaltig zu leben – das bedeutet, nur so viele ökologische Ressourcen zu verbrauchen, wie regeneriert werden können. Im Jahr 2005 lag die Menschheit um 30% über dem maximal Verträglichen.[62] Befördert wird die Überstrapazierung der Ressourcen durch den weltweiten Markt, der Produktionsbedingungen unübersichtlich werden lässt und übermäßigen Konsum befördert. Erschwerend hinzu kommt die Abholzung der Regenwälder - eines planetaren CO2-Speichers[63] und Sauerstofflieferanten. Vorangetrieben wird die Abholzung durch Konzerne, die das Holz als Rohstoff nutzen und Unternehmen, die Platz für Anbauflächen benötigen.[64] Verbunden mit unverantwortlicher Ressourcenausbeutung und Klimawandel ist ein beschleunigtes weltweites Artensterben[65].[66]

1.2.2 „strukturelle Schizophrenie zwischen Funktion und Sinn“ – Identitätsproblem

Die Globalisierung im Wirtschaftsystem des Kapitalismus ist auf Optimierung und maximale Gewinne ausgerichtet. Dabei finden Sinn- und Identitätsfragen keinen adäquaten Raum mehr. Nicht nur die globalen Probleme, die ein neues Ausmaß an Bedrohlichkeit erreicht haben, stellen Herausforderungen an die heute lebenden Generationen dar, insbesondere für die heranwachsende. Auch Identitätsentwicklung gestaltet sich schwierig in einer pluralistischen, vernetzten Welt, in der feste Bezugssysteme von frei zu wählenden Lebensüberzeugungen und Peergroups abgelöst worden sind. Die Erziehungswirklichkeit ist von klein auf durch Globalisierung geprägt[67] und in der Arbeitswelt geht es darum, sich selbst als „Produkt“ für den weltweiten Arbeitsmarkt zu „optimieren“, wie es im Beraterjargon heißt. Nur noch ein Minimum des weltweit verfügbaren Wissens kann sich der Einzelne aneignen[68], klare Kausalitäten sind kaum noch erkennbar, Handlungsfolgen schwer abzusehen. Das Erreichen eines „Mündigwerdens“ als Ziel der Bildung scheint schwierig bis unmöglich anhand der unüberschaubaren Welt, in der wir leben. Wer, der sich nicht intensiv eingearbeitet hat, kann schon sagen, welches Vorgehen auf dem Finanzmarkt am gewinnbringendsten ist? Wer kann noch genau nachvollziehen, was die Lebensmittel, die er konsumiert, wirklich enthalten oder wie sein Computer funktioniert? Was genau daran schuld ist, dass sein Land im Human Development Index unter den letzten zehn firmiert? Wie sollen wir noch entscheiden und sinnvoll begründen können, was „richtige“ Werte, Normen und Handlungen sind?

Identität wird unter diesen Bedingungen leicht „zur wichtigsten und manchmal einzigen Quelle von Sinn“[69], was gefährliche Folgen haben kann. Die durch Globalisierungsprozesse verstärkten Herausforderungen an die/den Einzelne/n bei der Persönlichkeitsentwicklung sind heute kaum geringer als die Herausforderungen, die die globalen Probleme an sie/ihn und die Gesellschaft stellen.

1.3 Neue Antworten auf neue Fragen: Bildung für nachhaltige Entwicklung

Wenn Globalisierung ein Prozess ist, der die Lebensumstände jedes Einzelnen in vielfältiger Weise berührt, und durch den jede/r Einzelne seinerseits das Leben anderer Menschen und das Wohlergehen des Planeten beeinflusst, ist zu fragen, wie damit in Zukunft umgegangen werden soll. In einer globalisierten Welt gelten andere Regeln als in einer auf den Nationalstaat beschränkten. Das Wissen, das vor fünfzig Jahren noch ausreichte, um sich in der Welt zurechtzufinden, genügt unter den heutigen Rahmenbedingungen nicht mehr. Neues Wissen und eine neue Haltung sind nötig um sich in dieser Welt zu orientieren. Jürgen Bennack klagt in der Einleitung des Sammelbandes „Globales Lernen“ von Hallitzky/Mohrs darüber, dass nun auch die Probleme in der Schule auf Globalisierung zurückzuführen sein sollen. „Freilich“, muss er zugeben, „unsere Verunsicherung, womöglich auch unser Unmut nützen uns wenig! Denn wie schon vor Zeiten der Umbruch durch die Industrialisierung, so greift auch die Globalisierung unausweichlich und grundlegend in unsere gewohnten Lebensumstände ein.“[70] Ohne eine Bildung, die den neuen Bedingungen gerecht wird[71], ist ein verantwortliches Leben in der Weltgesellschaft und die Entwicklung einer konsistenten Identität[72] nicht mehr möglich.

Auch in nationalen und internationalen Institutionen beginnt sich diese Erkenntnis durchzu-setzen. Nach Jahren einer enttäuschend erfolglosen Entwicklungshilfe werden neue Wege zur Problemlösung beschritten[73]. Entwicklung wird nicht mehr nur als etwas begriffen, das im globalen Süden geschehen muss, sondern als Aufgabe, zu der die Bevölkerung der Industrie-länder beitragen kann. „Unterentwicklung“ wird eben auch durch globale Verstrickungen und egoistisches Handeln der Industrieländer in Ökonomie, Finanzwelt und Politik verursacht. Schon Franz Nuscheler stellte 1997 fest: Nachhaltige, globale Entwicklung setze „Verände-rungen in den Denk-, Lebens-, und Verhaltensweisen in der reichen OECD-Welt voraus.“ – nur dann bekäme der Begriff der „Einen Welt“ einen Sinn.[74] Sehr ähnlich klingt der sieben Jahre später erschienene Appell von Mihai Spariosu, der eine verbesserte Bildung als einzigen Weg der Menschheit aus der Krise sieht und eine Veränderung des Entwicklungsgedankens fordert, „from social and economic development to human self-development”[75]. Die größte Herausforderung der nächsten Jahrzehnte sei die Bildung von lokal-globalen Lernumgebungen überall auf der Welt.[76] In der Umsetzung dieser Erkenntnis hat die UNO eine Vorreiterrolle übernommen. Sie rief von 2005 bis 2014 die Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (Education for Sustainable Development) aus. Im Rahmen dieser Dekade werden auch in Deutschland zahlreiche Bildungsprojekte zum Thema „nachhaltige Entwicklung“ gefördert.[77]

Der Gedanke liegt nahe, dass die Schule, die Menschen auf das Leben vorbereiten soll, sich den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ebenso stellen muss wie die Gesellschaft als Ganzes. Denn ihre Aufgabe ist es schließlich, den SchülerInnen Kompetenzen zu vermitteln, die ihnen ein gelingendes, mündiges Leben ermöglichen. In einer Studie des Emnid-Institutes und der Bertelsmannstiftung vom 11. August 2009 wünschen sich 69% der befragten deutschen und 72% der befragten österreichischen Jugendlichen „in Schule und Ausbildung eine umfassendere Wissensvermittlung über die globalen Probleme und ihre Verantwortung für die Welt.“[78] Fraglich ist, ob die heutigen Lehrpläne diese Anregung aufnehmen und die SchülerInnen noch auf ein Leben in dieser veränderten Welt vorbereiten können. So sieht David Selby die Notwendigkeit zur Anpassung der schulischen Lernorganisation: „Learning for the 21st century must recognise and reflect the systemic and holistic qualities of the world which that century will witness, rather than upholding the mechanistic traditions of nineteenth-century schooling“[79]. Es ist erschreckend, dass die Neuorientierung der Bildung auf nachhaltige Entwicklung insbesondere in jenen Staaten nötig ist, die die „längste Bildungstradition und den höchsten Bildungsstatus besitzen“[80] und von denen etliche, möchte ich hinzufügen, auf eine Geschichte humanistischer Bildungsideale zurück-schauen. Dass ihre Bürger heute trotzdem ein Leben führen, das zur Zerstörung der planetaren Ressourcen und damit der Lebensgrundlagen der Menschheit führt, zeigt, dass die Bildungs-institutionen mit einer Vorbereitung der SchülerInnen auf ein adäquates Leben in einer durch Globalisierung geprägten Welt in der jüngeren Vergangenheit offenbar überfordert waren.

Speziell für den Religionsunterricht stellt Engelbert Groß fest, dass der veränderten „Art miteinander zu kommunizieren, zu investieren und die Welt wahrzunehmen [] religions-pädagogische Analysen dieser Wirklichkeit und religionsdidaktische Interventionen“[81] entsprechen müssen, damit die SchülerInnen „wirklichkeitsgerecht“ und „weltfähig“ ChristInnen werden können.

Auch Papst Benedikt XVI. erkennt die Wichtigkeit eines Lernens über Globalisierungs-zusammenhänge. Er stellt fest, dass „ein unablässiger Einsatz zur Förderung einer persona-listischen und gemeinschaftlichen sowie für die Transzendenz offenen kulturellen Ausrichtung des globalen Integrationsprozesses erforderlich“[82] ist. Er fordert, dass die Fehler des Globalisierungsprozesses behoben werden sollen und sich die Globalisierung am ethischen Kriterium des „Voranschreitens im Guten“[83] orientieren müsse. Nun ist ein Lernort für die Auseinandersetzung mit Weltbildern und ethischen Kriterien in Deutschland auf jeden Fall der schulische Religionsunterricht. Und wenn vom Papst selbst ein „unablässiger Einsatz“ zum Erreichen einer menschlichen Globalisierung gefordert wird, sollten dann die Religionslehrenden in den Schulen nicht unter den ersten sein, die diesem Appell nachkommen?

1.4 Zusammenfassung und Ausblick

Die vorangegangenen Ausführungen haben gezeigt, dass die Welt kurz vor Beginn des 21. Jahrhunderts in eine Moderne „neuer Qualität“ aufgebrochen ist. Der Prozess der Globalisierung hat neue Möglichkeiten eröffnet, die Menschheit aber auch vor neue Herausforderungen gestellt. Viele dieser Herausforderungen wurden von ihr selbst erst geschaffen, andere werden dadurch akut, dass uns die Globalisierung neue Möglichkeiten an die Hand gegeben hat, sie anzunehmen und uns damit Pflichten auferlegt. Doch worin genau bestehen unsere Pflichten, worin aber auch unsere Rechte in einer globalisierten Welt? Sich zu orientieren ist schwerer geworden und nicht zuletzt die katholische Kirche muss ihre Position neu reflektieren und auf die aktuellen Gegebenheiten ausrichten. Eine Aufgabe, die sie, wie die Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ zeigt, erkannt hat.

[...]


[1] Im ersten Halbjahr 2009 überholte allerdings China Deutschland erstmals knapp bei den Exportgewinnen. Vgl. Philip Plickert und Christoph Hein: China ist Exportweltmeister vor Deutschland. In: FAZ vom 26.08.2009. http://www.faz.net/s/Rub050436A85B3A4C64819D7E1B05B60928/Doc~E5E72152A28354C5F8030557 9C4E85E6C~ATpl~Ecommon~Scontent.html, Rev. 01.12.2009.

[2] Im pädagogischen Bereich diagnostiziert Treml spätestens Anfang der 1990er das Ende der Dritte-Welt und den Beginn der Eine-Welt-Pädagogik. Alfred K. Treml: Die pädagogische Konstruktion der „Dritten Welt“. Bilanz und Perspektiven der Entwicklungspädagogik. Frankfurt a.M. 2006, 214.

[3] Auch für den Religionsunterricht anwendbares englischsprachiges Material findet sich in: Graham Pike und David Selby: Global Teacher, Global Learner, London 1988. Für den deutschsprachigen Markt sind besonders zwei Werke mit einer umfangreichen Sammlung empfehlenswerter Aktivitäten zum Globalen Lernen zu bennenen: David Selby und Hanns-Fred Rathenow: Globales Lernen. Praxishandbuch für die Sekundarstufe I und II. Berlin 2003. sowie Susan Fountain: Leben in einer Welt. Anregungen zum Globalen Lernen. Braunschweig 1996. Weitere Materialien zu Themen des Globalen Lernens, insbesondere mit Bezug auf Bildung für nachhaltige Entwicklung, finden sich im Internet, z.B. auf den Homepages der großen Hilfswerke wie terre des hommes oder UNICEF und auch auf den offiziellen Seiten der UNESCO zur Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ (URLs siehe Literaturverzeichnis).

[4] Hier zitiert nach Christian Smekal: Globale Verantwortung – weltwirtschaftliche Gerechtigkeit. In: Heinrich Schmidinger (Hg.): Gerechtigkeit heute. Anspruch und Wirklichkeit. Innsbruck-Wien 2000, 110f.

[5] Insbesondere seit den 70er Jahren, angestoßen von der ersten UN-Umweltkonferenz in Stockholm 1972. Vgl. Georg Hofmeister: Ethikrelevantes Natur- und Schöpfungsverständnis. Frankfurt a. M. 2000, 36f.

[6] Die ersten Arbeiten (von Roland Robertson und Anthony Giddens) zur Globalisierung erschienen in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Vgl. Malcolm Waters: Globalization. 2nd Edition. London/New York 2001, 14.

[7] Waters, Globalization, 1.

[8] Vgl. Graw, Ansgar: Kein Ruck - aber eine große Rede. In: Die Welt vom 14.05.2002. http://www.welt.de/print-welt/article389056/Kein_Ruck_aber_eine_grosse_Rede.html, Rev. 30.09.2009.

[9] Weltbankpräsident Zoellick: "Verantwortungsvolle Globalisierung". In: Manager-Magazin vom 21.09.2009.

http://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/0,2828,650191,00.html, Rev. 30.09.2009.

[10] Die Trennlinien zwischen Begriffen aus diesem Bereich werden nicht immer klar gezogen. Ulrich Teusch (Ders.: Was ist Globalisierung? Ein Überblick. Darmstadt 2004, 264-267) erläutert die Spezifik der Begriffe Internationalisierung, Transnationalisierung, Universalisierung, Liberalisierung, Integration und Interdependenz.

[11] So wurden die Auswirkungen neuer Kommunikationsmittel in Kuba gehemmt, indem die Regierung der Bevölkerung verbot, private Handys oder Laptops zu besitzen. Erst 2008 wurde das Verbot aufgehoben. Vgl. Artikel: Lange Schlangen. Handyverkauf sorgt für Chaos auf Kuba. In: Die Welt vom 15.04.2008. http://www.welt.de/ politik/article1902793/Handyverkauf_sorgt_fuer_Chaos_auf_Kuba.html, Rev. 04.10.2009.

[12] Im Folgenden wird die üblichere englische Abkürzung genutzt.

[13] Eine ausführliche Darstellung von Entstehung und verschiedenen Aspekten globaler Wirtschaft liefert beispielsweise Manuel Castells: Das Informationszeitalter. Wirtschaft – Gesellschaft – Kultur. Band 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft, Opladen 2001, 108-195.

[14] So spricht Daniel Bell von einer Convergence, einer Annäherung der Gesellschaften durch den weltweiten Handel. Vgl. Waters, Globalization, 31-34.

[15] Jürgen Osterhammel und Niels P. Petersson: Geschichte der Globalisierung. Dimensionen – Prozesse – Epochen. München ³2006, 11.

[16] Vgl. Marianne Beisheim, Sabine Dreher [u.a.]: Im Zeitalter der Globalisierung? Thesen und Daten zur gesellschaftlichen und politischen Denationalisierung. Baden-Baden 1999, 28-37.

[17] Vgl. Waters, Globalization, 14.

[18] Vgl. die ausführliche Untersuchung von Paul Hirst und Grahame Thompson, die sich gegen die Existenz einer Globalisierung im Sinne der herrschenden Definitionen aussprechen. Dabei setzen sie sich allerdings nur mit der ökonomischen Dimension der Globalisierung auseinander, was Zweifel an ihrer Theorie rechtfertigt. Paul Hirst und Grahame Thompson: Globalization in Question. The International Economy and the Possibilities of Governance. Cambridge 1996.

[19] Vgl. Waters, Globalization, 6f.

[20] “Globalization as a concept refers both to the compression of the world and the intensification of consciousness of the world as a whole” Roland Robertson 1992 in Waters, Globalization, 4.

[21] "Globalisation can be defined as the intensification of world-wide social relations” Anthony Giddens 1990 in Waters, Globalization, 4.

[22] Waters, Globalization, 5. (Ersterscheinung 1995)

[23] Ulrich Beck: Was ist Globalisierung? Irrtümer des Globalismus – Antworten auf Globalisierung. Frankfurt a. M. 1997, 42. Beck betont, dass er keinen Anspruch auf „Vollständigkeit und Trennschärfe“ (ebd.) erhebt. Andere Vertreter nennen sehr ähnliche Dimensionen, so zum Beispiel Ulrich Teusch, der von der sozialen, kulturellen, ökologischen, ökonomischen, politischen und technischen Dimension spricht (Teusch, Was ist Globalisierung, 36-41). Vgl. auch den oben bereits zitierten Malcolm Waters.

[24] Beck, Was ist Globalisierung, 26f. Unklar bleibt der umstrittene Zusammenhang von „Globalisierung“ und „Weltgesellschaft“. Bildet die sich formierende Weltgesellschaft den Rahmen für Globalisierungsprozesse oder befördert Globalisierung die Bildung einer Weltgesellschaft? Ein Klärungsversuch des Begriffes „Weltgesellschaft“ würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen. Für einen kurzen Überblick im Kontext der Entwicklungspädagogik verweise ich auf Klaus Seitz: Erziehung zur Einen Welt. Zur Vorgeschichte eines entwicklungspädagogischen Mythos. In: Gregor Lang-Wojtasik und Claudia Lohrenscheit (Hgg.): Entwicklungspädagogik – Globales Lernen – Internationale Bildungsforschung. 25 Jahre ZEP. Frankfurt a.M. [u.a.] 2003, 63-72.

[25] Vgl. Mihai I. Spariosu: Global Intelligence and Human Development. Toward an ecology of Global Learning. Cambridge (Massachusetts) 2004, 29.

[26] Vgl. Roland Robertson: Glocalization: Time-Space and Homogeneity-Heterogeneity. In: Mike Featherstone, Scott Lash [u.a.]: Global Modernities. London [u.a.] 1995, 36f.

[27] Vgl. Spariosu, Global Intelligence and Human Development, 30. Manuel Castells nennt als Beispiel die global gesteuerte und medial weltweit verbreitete, aber in lokalen Kontexten stattfindende Arbeit globaler NGOs wie Greenpeace. Castells, Informationszeitalter, Band 2: Identität, 139-142.

[28] Wenn solche Konsumentscheidungen auch aus anderen Gründen getroffen werden mögen, sind trotzdem globale Auswirkungen erkennbar. Der Konsum regionaler Produkte trägt durch die Vermeidung langer Transportwege zur Einsparung von CO2 und somit zum Klimaschutz bei. Außerdem sind regionale Arbeitsbedingungen leichter einseh- und kontrollierbar als beim Kauf von in fernen Ländern produzierten Gütern, sodass es leichter zu vermeiden ist, unter menschenunwürdigen Bedingungen produzierte Güter zu konsumieren.

[29] Vgl. Castells, Informationszeitalter, Band 2: Identität, 15-30.

[30] Robertson, Glocalization. In: Featherstone, Global Modernities, 25-44.

[31] Für ihn einer der drei entscheidenden Prozesse (zusammen mit Krise und Neustrukturierung des Kapitalismus und dem Entstehen „kultureller sozialer Bewegungen“), die zur Entstehung einer „neuen Welt“ beigetragen haben. Castells, Informationszeitalter, Band 3: Jahrtausendwende, 386f.

[32] Für eine genauere Betrachtung des Migrationsaspektes vgl. Hans Bühler: Perspektivenwechsel? – unterwegs zu „Globalem Lernen“, Frankfurt a. M. 1996, 85-92.

[33] Smekal, Globale Verantwortung. In: Schmidinger, Gerechtigkeit heute, 111.

[34] Die Untersuchung der Globalisierung als eines historischen Prozesses, der bereits seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden abläuft, ist eine Forschungsrichtung, die erst Ende der 1990er Jahre eingeschlagen wurde. Vorher wurde Globalisierung vorrangig als Prozess gesehen, den die Einführung des Internet ausgelöst hat.

[35] Wobei die explosive Steigerung von Globalisierungserscheinungen in den letzten Jahren wohl kaum als linear, sondern vielmehr als exponentiell bezeichnet werden muss.

[36] Vgl. Waters, Globalization, 7. Ich bin allerdings der Ansicht, dass das faktische Vorhandensein von Globalisierungsprozessen nicht von einer Reflexion auf dieselben abhängt, sondern im Gegenteil gerade die nicht ausreichende Reflexion viele ihrer Prozesse noch beschleunigt.

[37] Dementsprechend sieht Reinhart Kößler den Beginn der Globalisierung in der industriellen Revolution mit dem Entstehen eines Weltmarktes für industrielle Rohstoffe und Fertigwaren. Vgl. Reinhart Kößler: Möglichkeiten und Grenzen menschlichen Lebens im Kontext der Weltgesellschaft – aus handlungstheoretischer Perspektive. In: Anette Scheunpflug und Klaus Hirsch (Hgg.): Globalisierung als Herausforderung für die Pädagogik. Frankfurt a. M. 2000, 17f.

[38] Vgl. Osterhammel/Petersson, Globalisierung, 63f.

[39] Vgl. Osterhammel/Petersson, Globalisierung, 100ff.

[40] Vgl. Osterhammel/Petersson, Globalisierung, 105.

[41] Jürgen Osterhammel spricht von einer „halbierten Globalisierung“. Osterhammel/Petersson, Globalisierung, 86-93; 105f.

[42] Wenn auch in weltweit sehr unterschiedlichem Maß. Vgl. Pierre Lazuly: Gastarbeiter im Internet. In: Die Globalisierungsmacher. Konzerne, Netzwerker, Abgehängte. Edition Le Monde Diplomatique No. 2 (2007), 55.

[43] So zählte das 1994 gegründete Internet-Auktionshaus EBAY im Jahr 2004 95 Millionen Kunden und hatte einen Börsenwert von 30 Billionen Pfund. Vgl. David Thomas: The bizarre success of eBay. In: Daily Mail vom 10.06.2004 http://www.thisismoney.co.uk/bargains-and-rip-offs/article.html ?in_article_id=319835&in_page_ id=5., Rev. 15.10.2009. Die Kehrseite der globalen Finanzwirtschaft erlebten wir empfindlich mit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008.

[44] Teusch, Was ist Globalisierung, 86.

[45] Beck, Was ist Globalisierung, 23, insbes. Anm. 8 sowie Ulrich Beck: Der Konflikt der zwei Modernen. In: Ders. (Hg.): Politik in der Risikogesellschaft. Frankfurt a. M. 1991, 180-195.

[46] Die Zitate und damit die Paragraphenangeben in diesem Kapitel beziehen sich auf Paragraphen in: Benedictus Pp. XVI: Caritas in veritate (CV).

[47] So CV 66, 90, 93, 109.

[48] Auffällig ist, dass in neueren Aufzählungen der Weltprobleme ABC-Waffen kaum noch eine Rolle spielen. Seit Ende des „Kalten Krieges“ scheint ein Gefahrenbewusstsein dafür, dass auf der Erde immer noch Vernichtungswaffen lagern, die den Planeten mehrfach zerstören könnten, aus den meisten entsprechenden Theorien verschwunden zu sein. Wolfgang Klafki hat diese Problematik bei seinen „Schlüsselproblemen“ der Moderne noch einbezogen - zu Recht, wie ich meine. (Wolfgang Klafki: Schlüsselprobleme als inhaltlicher Kern internationaler Erziehung. In: Norbert Seibert und Helmut J. Serve (Hgg.): Bildung und Erziehung an der Schwelle zum 3. Jahrtausend. München 1994, 136.)

[49] Castells, Informationszeitalter, Band 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft, 2.

[50] „Global“ hat hier zwei Seiten: Einerseits handelt es sich um Probleme, die sich auf dem ganzen Erdball bemerkbar machen, andererseits ist ihre Lösung nur durch eine gemeinsame Anstrengung der Staaten in weltweiter Zusammenarbeit zu erreichen.

[51] General Assembly of the United Nations: Milleniums-Erklärung der vereinten Nationen. 2000. http://unric.org /html/german/mdg/index/html, Rev. 03.10.2009. Die Ziele sind nach dieser Homepage zitiert.

[52] Der Fortschritt beim Erreichen dieser Ziele kann auf http://www.undp.org/mdg/ (Rev. 09.12.2009 ) verfolgt werden. Dass die UN den Großteil der Ziele nicht erreichen werden, steht bereits fest.

[53] „Verschlimmerung von Armut, Hunger, Krankheit und Analphabetentum”; „eine fortschreitende Schädigung der Ökosysteme“. United Nations Conference on Environment and Development (UNCED), Rio de Janeiro, Brazil, 3-14 June 1992: Agenda 21. http://www.un.org/Depts/german/conf/agenda21/ agenda_21.pdf, Rev. 03.10.2009. § 1.1: Präambel.

[54] United Nations: The Millenium Development Goals Report 2009. New York 2009, 4. 1990 waren es noch 1,8 Milliarden, womit der Anteil der extrem Armen an der Weltbevölkerung bis 2002 um 9% gesunken ist. Vgl. http://de.statista.com/statistik/daten/studie/1716/umfrage/entwicklung-der-weltbevoelkerung/, Rev. 15.10.2009.

[55] Wo die Zahl der extrem Armen immer noch steigt, United Nations: Development Goals Report 2009, 7.

[56] Die Bezeichnungen „Entwicklungsland“/„Industrieland“/„Schwellenland“ sind umstritten und werden heute beispielsweise durch die ebenfalls unscharfen Begrifflichkeiten „globaler Süden“/„globaler Norden“ ersetzt. Ich verzichte auf eine Diskussion und bleibe bei diesen gängigen, wenn auch nicht ganz exakten Kategorisierungen.

[57] Vgl. Franz Nuscheler: Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik. Bonn 1987, 90-93.

[58] Insbesondere durch die protektionistische und von Subventionen gestützte EU-Agrarpolitik. Nuscheler, Entwicklungspolitik, 105-108.

[59] Vgl. beispielsweise die Arbeitsbedingungen bei Zulieferern von IKEA (Olivier Bailly [u.a.]: Alle lieben Billy. In: Die Globalisierungsmacher, 16-21) oder auf ecuadorianischen Bananenplantagen (Philippe Revell: Süße Plackerei. Ebd., 42f.)

[60] Die Jahre 2008, 1998, 2005, 2003, 2002, 2004, 2006, 2001, 2007 und 1997 sind in dieser Reihenfolge die wärmsten seit Beginn der Temperaturmessungsaufzeichnungen 1850. Der Zeitraum 2001-2008 zeigt jetzt schon ein um 0.19 °C höheres Temperaturmittel als die 1990er. Vgl. zur ausführlichen Analyse der Temperaturentwicklung Le Treut [u.a.]: Historical Overview of Climate Change. In: Climate Change 2007: The Physical Science Basis. http://www.ipcc.ch/pdf/assessment-report/ar4/wg1/ar4-wg1-chapter1.pdf, Rev. 01.10.2009.

[61] Artikel: „Auf der Flucht vor dem Klima“. In: Philippe Bovet [u.a.] (Hgg): Le Monde diplomatique. Atlas der Globalisierung spezial – Klima. Berlin 2008, 42f.

[62] WWF, Living Planet Report, 4. http://www.wwf.de/fileadmin/fm-wwf/pdf_neu/Living_Planet_Report_2008_ WWF.PDF, Rev 01.10.2009. Zur Messung der Nachhaltigkeit wird der „ökologische Fußabdruck“ benutzt, vgl. www.footprintnetwork.org, Rev. 15.10.2009.

[63] Vgl. Artikel „Wenn die Wälder zum CO2-Problem werden“. In: Bovet [u.a.] (Hgg), Klima, 34f.

[64] Ganz zu schweigen von der Konkurrenz der Biosprit- zur Nahrungsproduktion, die zu schlechterer Nahrungsmittelversorgung in den Anbauländern führt. In diesem Zusammenhang sind auch die klimapolitisch eigentlich löblichen Pläne der Bundesregierung zum Ausbau der Biosprittechnologie in die Kritik geraten. Vgl. Artikel „Treibstoffe aus Pflanzen sind noch nicht die Lösung“. In: Bovet [u.a.] (Hgg), Klima. 74f.

[65] Die Biodiversität ist zwischen 1970 und 2005 um ca. 30% gesunken (WWF, Living Planet Report, 8). Im selben Zeitraum sind ca. 33% der landlebenden, 14% der maritimen und 35% der Süßwasserlebewesen ausgestorben (WWF, Living Planet Report, 10).

[66] Castells, Informationszeitalter, Band 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft, 3.

[67] Klaus Seitz: Globalisierung als pädagogisches Problem. 2001, 8. http://doku.cac.at/globalisierung-seitz.pdf, Rev. 04.11.2009.

[68] Helmuth Hartmeyer: Globales Lernen – ein pädagogisches Konzept?, 2003, 1f. http://doku.globaleducation.at/ GL-Hartmeyer2.pdf, Rev. 04.11.2009.

[69] Castells, Informationszeitalter, Band 1: Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft, 3.

[70] Vorwort von Jürgen Bennack in: Maria Hallitzky und Thomas Mohrs (Hgg.): Globales Lernen. Schulpädagogik für WeltbürgerInnen (Grundlagen der Schulpädagogik 52). Baltmannsweiler 2005, VII.

[71] So argumentieren Gerd Steffens und Edgar Weiß (Dies.: Jahrbuch für Pädagogik 2004 - Globalisierung und Bildung. Frankfurt a. M. 2004, 19), dass das heutige Bildungssystem, das sich noch „an subjektivem Recht und alter staatlicher Pflicht“ orientiert, angesichts der Globalisierungsphänomene nicht mehr angemessen ist.

[72] Die lokalen und regionalen Lebensbezüge können heute „gar nicht mehr anders als im Welthorizont begriffen werden“ (Seitz, Globalisierung als pädagogisches Problem, 11.) Daher ist die Beschäftigung mit globalen Fragen und die Verortung des eigenen Lebens innerhalb globaler Netze entscheidend für die Ausbildung einer tragfähigen Identität.

[73] So konzentriert man sich heute auf „Hilfe zur Selbsthilfe“ durch Mikrokredite und Capacity Building.

[74] Nuscheler [u.a.] (Hgg.): Globale Solidarität. Die verschiedenen Kulturen und die eine Welt. Stuttgart [u.a.] 1997, 17. Ähnlich äußert sich auch Johannes Paul II., wenn er in „Sollicitudo rei socialis“ feststellt, dass eine „Änderung der geistigen Haltung“ (SRS 38) nötig sei, hin zu Grundhaltungen, die für Gläubige und Nicht-Gläubige absolut sind.

[75] Spariosu, Global Intelligence and Human Development, 5.

[76] Vgl. Spariosu, Global Intelligence and Human Development, 5.

[77] Siehe die Projekte auf http://www.bneportal.de/coremedia/generator/unesco/de/05__UN__Dekade__

Deutschland/ Die_20UN-Dekade_20in_20Deutschland.html, Rev. 01.10.2009.

[78] Jugend und die Zukunft der Welt“. Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage in Deutschland und Österreich „Jugend und Nachhaltigkeit“. Gütersloh/Wien, 2009. http://www.bertelsmann-stiftung.de, Rev. 15.10.2009.

[79] Pike/Selby, Global Teacher, Global Learner, 57.

[80] Carl Lindberg: Bildung für nachhaltige Entwicklung als Antwort auf eine globale Herausforderung. In: Maik Adomßent und Christa Henze: Tagungsbericht der Berliner internationalen Konferenz im Rahmen der deutschen EU-Ratspräsidentschaft vom 24.-25.Mai 2007. „UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ – Der Beitrag Europas“. Bonn 2007, 18 (auch Seitz, Globalisierung als pädagogisches Problem, 9).

[81] Engelbert Groß: Christwerden und Christsein heute. Aspekte aus der Eine-Welt-Religionspädagogik für den Religionsunterricht. In: Eberhard Tiefensee [u.a.]: Pastoral und Religionspädagogik in Säkularisierung und Globalisierung. Berlin [u.a.] 2006, 82.

[82] CV 42, Hervorhebung im Original.

[83] Ebd.

Details

Seiten
93
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640623167
ISBN (Buch)
9783640623327
Dateigröße
1009 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150682
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
2,0
Schlagworte
Religionsunterricht Globales Lernen Globalisierung Bildung für nachhaltige Entwicklung Christliche Soziallehre Global Learning Katholischer Religionsunterricht Bildungspolitik internationale Bildungspolitik christliches Handeln

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Titel: Christ sein in der Einen Welt