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Expedition Nobile

Wissenschaftliches Projekt oder politische Propaganda?

Seminararbeit 2007 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neueste Geschichte, Europäische Einigung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Im Auftrag der Wissenschaft

III. Politisches Unternehmen
1. Auftakt: Nobile vs. Mussolini-Regime
2. Internationale Rettungsaktionen
3. Öffentliche Darstellung Nobiles

IV. Beiträge Italiens
1. Rettungsengagement
2. Zensur Nobiles

V. Fazit

VI. Quellen- und Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Wem gehört der Nordpol?

Seit der russische Duma-Abgeordnete Arthur Tschilingarow vor drei Wochen mit einer spektakulären U-Boot-Tauchfahrt die Nationalflagge in den Meeresgrund am Nordpol gerammt hat, sind die anderen Arktis-Anrainer aufgeschreckt. Völkerrechtlich war die Aktion wirkungslos, dafür aber symbolträchtig.“[1]

Dieser Auszug eines kürzlich im Spiegel erschienen Artikels, erinnert an die 1928 unternommene Expedition mit dem Luftschiff Italia, bei der am 24. Mai ein Holzkreuz von Papst Pius XI., eingewickelt in die italienische Trikolore über dem Nordpol abgeworfen wurde.

Die Expedition fand unter dem Kommando des General Umberto Nobile statt. Finanziert wurde sie von der italienischen Regierung. Das Luftschiff startete am 23. Mai von Spitzbergen aus in die Arktis. Begleitet von dem Versorgungsschiff Città di Milano, unter Kapitän Romagna, bestand die 18-köpfige Besatzung[2] überwiegend aus Italienern – darunter Wissenschaftler, Luftschiffmechaniker, Navigationsoffiziere und Funkspezialisten – sowie dem Tschechoslowaken Dr. Franz Bĕhounek, des Radio-Instituts in Prag und dem schwedischen Wissenschaftler für Ozeanographie Dr. Finn Malmgren. Die Dienstgrade der Expeditionsmitglieder zeigen, dass es sich hier offensichtlich um einen militärischen Auftrag handelte, wobei wissenschaftliche Forschungsarbeiten den Nordpol sowie das umliegende Crockenland erkunden sollten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten[3]

Auf dem Rückflug kam es jedoch aufgrund schlechter Wetterverhältnisse und technischer Komplikationen zum Absturz bei 81º 14’ nördlicher Breite und 25º 25’ östlicher Länge.[4] Bei dem Absturz starben neun der achtzehn Männer. Die Rettung fand unter internationaler Beteiligung statt. Am 23. Juni wurde zunächst General Nobile von dem schwedischen Piloten Leutnant Einar Lundborg gerettet, wofür der italienische General später öffentlich diskreditiert wurde. Die übrigen Besatzungsmitglieder wurden am 16. Juli von dem russischen Eisbrecher Krassin unter Kapitän Samoilowitsch geborgen.

Beide Ereignisse zeigen, dass den Erdpolen bis heute internationales Interesse zukommt. Was zunächst ein Wettlauf um ihre Entdeckung und Erforschung war, setzt sich mit der Erkenntnis über ihr Rohstoffvorkommen in einer territorialen Beanspruchung fort. So etwa über das Seerechtsübereinkommen von 1994[5] oder über geologische Expeditionen, bei denen Forscher nun beweisen wollen, dass ihre Länder mit dem Pol unterseeisch verbunden sind. Die vorliegende Seminararbeit thematisiert daher die Frage, ob die Expedition Italia zu rein wissenschaftlichen Zwecken unternommen wurde, oder ob sie vielmehr politische Propaganda des faschistischen Italiens war.

Zur Quellenlage lässt sich vorab sagen, dass außer dem Rechtfertigungsbericht Umberto Nobiles, auch die Berichte Lundborgs und Bĕhouneks, sowie Davide Giudicis, einem Korrespondenten der Corriere della Sera, wertvolle Informa-tionen liefern. Die zeitgenössischen Zeitungsartikel der internationalen Presse ent-hüllen außerdem den Umgang der italienischen Regierung mit der Expedition Italia vor der Öffentlichkeit. Schlechter sieht es auf dem Gebiet der Sekundärliteratur aus, denn außer den Werken von Hildenbrandt, Cross und Straub existiert innerhalb Deutschland nur wenig erhältliches Material. Leider machen die genannten Buchautoren keine Angaben zur Herkunft und Verlässlichkeit ihrer Informationen, obwohl Cross mit Nobile im Briefkontakt stand und weitere Überlebende der Expedition sogar persönlich befragte.

II. Im Auftrag der Wissenschaft

Von den drei Wissenschaftlern Pontremoli (Italiener), Malmgren und Bĕhounek, kehrte nur Letzterer von der Expedition zurück und kann daher als Einziger Zeugnis von den Forschungsergebnissen ablegen.

[...]


[1] Der Spiegel 2007, Nr. 34, S. 136 – 138.

[2] Auflistung aller Mitglieder mit Namen, Alter und beruflicher Qualifikation: Nobile (1929) S. 39f.

[3] Karte aus: The London Times, 27. Juni 1928, S. 16, Sp. 4.

[4] Koordinaten aus: Nobile (1929), S. 166.

[5] Das Seerechtsübereinkommen regelt die maritimen Ansprüche aller Staaten. Darin wird jeder Nation mit Zugang zum Meer eine 12-Meilen-Zone eingeräumt, die vollständig zum eigenen Staatsgebiet gehört. Außerdem erstreckt sich eine 200-Meilen-Zone, in welcher der betreffende Staat zumindest eingeschränkte Souveränitätsrechte besitzt. Sie erlauben alleinige Fischerei und Ausbeutung der Bodenschätze. Interessant ist dabei der Artikel 76 zur „Definition des Festland-sockels“, denn dieser ermöglicht submarine Ansprüche auch über die 200-Meilen-Grenze hinaus zu beantragen, wenn von einem Staat wissenschaftlich belegt werden kann, dass sich der eigene Festlandsockel unter dem Meer darüber hinaus fortsetzt. Überliefert in: http://archiv.jura.uni-saarland.de. Artikel 76 erlaubt somit eine „schleichende Kolonialisierung der Meeresböden“, so Schlindwein/Traufetter in: Der Spiegel 2007, Nr. 34, S. 138.

Details

Seiten
18
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640622122
ISBN (Buch)
9783640622795
Dateigröße
600 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150645
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg – Historisches Seminar
Note
3,0
Schlagworte
Umberto Nobile Mussolini Regime Imperialismus Nordpol Luftschiff Cittá di Milano Dr.Finn Malmgren Einar Lundborg Italia Wem gehört der Nordpol? Tragödie am Pol Im Luftschiff zum Nordpol

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Titel: Expedition Nobile