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Das Papsttum im hohen Mittelalter

Papst Gregor IX. und Friedrich II. - Kreuzzugsproblematik und ihr Kampf um die Macht

Hausarbeit (Hauptseminar) 2009 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kurzer Lebensabriss beider Hauptpersonen
2.1 Kaiser Friedrich II
2.2 Papst Gregor IX

3. Verhältnis zwischen Friedrich II. und Kardinalbischof Hugolin

4. Kurze Skizzierung der Kreuzzugsproblematik vor Gregors’ Pontifikat

5. Weiterentwicklung der Beziehung zwischen kirchlichem und weltlichem Oberhaupt
5.1 Kreuzzugsversprechen von Kaiser Friedrich II
5.2 Erste Bannung Friedrichs II

6. Vertiefung des Konflikts zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX
6.1 Durchführung des Kreuzzugs trotz päpstlicher Bannung
6.2 Zweite Bannung Friedrichs II

7. Resümee

8. Literaturverzeichnis
8.1 Primärquellen
8.2 Sekundärquellen

1. Einleitung

Gregor IX. und Friedrich II. – bedeutende Persönlichkeiten, die sich im Hochmittelalter, allerdings auf völlig unterschiedlichem Terrain begegnet sind: Gregor IX., der als Papst den höchsten kirchlichen Würdenträger stellte und Friedrich II. als Gegenpol, der als Kaiser die höchste Position weltlicher Macht innehatte. Damit standen sich Anfang bis Mitte des 13. Jahrhunderts zwei Personen gegenüber, die beide als äußerst willensstark, durchsetzungsfähig und mitunter auch als starsinnig charakterisiert werden können.

Beide Männer hatten entsprechend ihrer jeweiligen Position verschiedene Einstellungen und Haltungen, die mit unterschiedlichen Werten und Zielen verbunden waren, die sie zu verfolgen und zu erreichen versuchten. Papst Gregor IX. war zeitlebens bemüht, das Papsttum zu stärken und somit das Kaisertum zu schwächen. Aufgrund dieser Entschlossenheit seitens Gregor IX., dieses Vorhaben umzusetzen, waren Spannungen mit dem Kaisertum nahezu unumgänglich.

Gerade diese Problematik soll in der folgenden Arbeit näher beleuchtet werden. Im Mittelpunkt steht die Auseinandersetzung zwischen Kaiser Friedrich II. und Papst Gregor IX. hinsichtlich des Kreuzzugs beziehungsweise des Kreuzzugversprechens. Außerdem werden die Folgen des gescheiterten Kreuzzugs beschrieben. Zudem soll eine Gegenüberstellung des Verhältnisses zwischen Papst und Kaiser verdeutlichen, inwieweit sich ihre Beziehung während des Übergangs im Zeitraum als Hugo zum Papst Gregor IX. erhoben wurde, verändert hat. Zugleich steht am Anfang ein kurzer Einblick in die Lebensläufe beider Männer.

2. Kurzer Lebensabriss beider Hauptpersonen

2.1 Kaiser Friedrich II.

Friedrich Roger von Hohenstaufen wurde am 26. Dezember 1194 in Jesi nahe Ancona als Sohn von Kaiser Heinrich VI. und Konstanze von Sizilien geboren.[1] Sein Name lässt auf seine Vorgänger schließen. Friedrich für seinen Großvater väterlicherseits, Friedrich Barbarossa I. und Roger III. mütterlicherseits, für den Gründer des Königreichs von Sizilien.[2] Dessen ungeachtet war er derjenige „() der in seiner Person das kaiserlich-staufische Erbe seines Vaters mit dem königlich-sizilischen Erbe seiner Mutter zusammenführte und damit den Erfolgen seines Vaters Dauerhaftigkeit verleihen sollte“[3]. Bereits die Kindheit des königlichen Sprosses war von Schicksalsschlägen geprägt und seine Adoleszenz gestaltete sich demgemäss unüblich. Als Dreijähriger wurde Friedrich Halbwaise, da sein Vater unerwartet ums Leben kam.[4] Bloß ein Jahr später verstarb auch seine Mutter. Mit nur fünf Jahren hatte er beide Elternteile verloren. Sie hinterließen dem kleinen Friedrich ein Erbe, das Scharfsinn, Bedacht und Fähigkeiten erforderte, um es antreten zu können. Seine Mutter war nach dem Tod ihres Mannes darauf bedacht, die Machterhaltung über Sizilien sicherzustellen. Die künftige Oberherrschaft sollte in den Händen ihres Sohnes liegen und so wurde 1198 in Palermo ein Vierjähriger Staufer zum König von Sizilien erhoben.[5] Sizilien war von größter Bedeutung, denn es sollte ein, wenn nicht der Streitgegenstand schlechthin zwischen künftigem Kaiser und dem Papsttum werden. Vor ihrem Tod verfügte Konstanze, dass Friedrich nach ihrem Ableben unter der Obhut des Kurators Papst Innozenz III. aufwachsen sollte.[6] Für die Festigung seiner Machtposition in Sizilien wurde von Papst Innozenz 1209 eine Heirat mit Konstanze, der Schwester des Königs von Aragòn arrangiert.[7] Nach hektischen und aufreibenden Jahren des Kampfes um die Kaiserkrone wurde Friedrich nach ersten Regierungshandlungen 1215 in Aachen zum deutschen König gekrönt. „Quo mox consecrato, Iohanne Xantensi scolastico ibidem crucem predicante, ad subventionem Sanctae Terrae cruce signatur“[8]. Aus dieser Quelle geht hervor, dass er sich bereits bei der Erhebung zum König zum Kreuzzug verpflichtete. Die Krönung zum Kaiser des heiligen römischen Reiches erfolgte am 22. November 1220 in der St. Peterskirche in Rom. Diese Zeremonie war auch von großem symbolischen Charakter, da Friedrich aus der Hand des Kardinalbischofs Hugolin das Kreuz nahm – das er bereits bei der Königskrönung in Empfang nahm – und sein Kreuzzugsgelübde dadurch öffentlich bekräftigte.[9] Im folgenden Verlauf der Geschichte wird die Entwicklung der Persönlichkeit Friedrichs und sein Handeln als einzigartig in der staufischen Dynastie zu beschreiben sein. Bereits sein Leben – das Denken und Handeln des Kaisers war als äußerst fortschrittlich zu bezeichnen – als auch sein Tod stellen eine Zäsur dar, die eine neue Epoche und ein neues Zeitalter einläuten. Er ging „() als Herrscher, der das Papsttum in seine Schranken verwiesen hatte“[10], in die Geschichte ein.

2.2 Papst Gregor IX.

Der spätere Papst Gregor IX. wurde um 1170 als „Ugolino dei Conti di Segni“ in Anagni geboren. Neben dem Namen Hugo besaß er noch den Beinamen Hugolino sowie Hugolin.[11] Letzterer ist in den meisten Chroniken zu finden. Hugo entstammte einer ansehnlichen und reichen Familie; er war „Sohn eines mächtigen Feudalherrn aus dem Geschlechte der Grafen von Segni“[12]. Der weitere Werdegang des jungen Ugolino Graf von Segni gestaltete sich geradeso, wie es für einen Heranwachsenden aus aristokratischem Hause Ende des 12. Jahrhunderts angemessen war. Sein Studium absolvierte Hugo an den wohl renommiertesten Studienorten seiner Zeit, nämlich in Paris und Bologna. In der französischen Hauptstadt studierte er Theologie und in Italien Recht. Die ausgezeichnete Ausbildung, die er während des Studiums erhielt, war vermutlich ausschlaggebend für seine spätere Entwicklung als Kleriker. „Er wurde ein gewaltiger Prediger, ein glänzender, gelehrter Theologe, ein tiefer Kenner des Alten und Neuen Testaments“[13]. Neben der Prägung durch die von ihm studierten Wissenschaften gab es noch andere Faktoren, die auf Hugo in seiner Adoleszenz maßgeblich eingewirkt haben. Als erstes wäre sein Lehrer Rahner zu nennen, mit dem Hugo eine Art Seelenverwandtschaft hinsichtlich des religiösen Denkens verbunden haben soll. Als zweites ist die nahe Verwandtschaft – die zwar nicht eindeutig historisch belegt ist – zu Papst Innonenz III. zu nennen, dessen Neffe väterlicherseits Hugo gewesen sein soll. Innozenz III. hat die Entwicklung und die Richtung des politischen Denkens von Hugo maßgeblich mitbestimmt.[14] In der Zeit, als sein Onkel Lothar zum höchsten menschlichen Vertreter Gottes auf Erden erwählt wurde und damit als Innozenz III. in die Geschichte einging, war Hugo als einer der engsten und vertrautesten Berater stets an seiner Seite. Unter diesem wurde er zunächst päpstlicher Kaplan und 1198 zum Kardinaldiakon ernannt.[15] Die nächste wichtige Stufe in seiner kirchlichen Laufbahn ergab sich nach dem Tod des Kardinalbischofs von Ostia, Octavian. Hugo wurde im Jahre 1206 als dessen Nachfolger eingesetzt und „somit zur höchsten kirchlichen Würde nach der päpstlichen erhoben“[16]. Als solcher diente er unter dem Pontifikat Honorius III., als er schließlich am 19. März 1227 nach dessen Tod selbst zum Papst erhoben worden ist.

3. Verhältnis zwischen Friedrich II. und Kardinalbischof Hugolin

Die Beziehung zwischen weltlichem und kirchlichem Oberhaupt lässt sich vor Gregors Pontifikat offiziell als freundschaftlich aber inoffiziell sehr bald als Zweckgemeinschaft charakterisieren. Sie unterstützten sich gegenseitig insofern, als dass Friedrich Hugo seine militärischen Mittel zur Verfügung stellte und dieser sicherte ihm dafür zu, seinen Einfluss geltend zu machen, damit Friedrich baldmöglichst zum höchsten weltlichen Würdenträger ernannt werde. Ihre Symbiose basierte also auf einer „politischen Interessensgemeinschaft“[17]. Allerdings hatten beide Personen unterschiedliche Motive sich auf diese einzulassen und da sie ungleiche Ziele verfolgten war es abzusehen, dass es zwangsläufig zu einem Konflikt kommen würde. Aber zunächst war ihre Kooperation noch von beiderseitiger Dienlichkeit und keiner sah sich als benachteiligt an. Zuerst verhalf Kardinalbischof Hugolin, Friedrich – wie versprochen – zur höchsten weltlichen Würde und dieser benutzte wiederum seine Macht, damit das Laterankonzil dispensiert werden konnte.[18] Der Staufer war allerdings derjenige von beiden, welcher um ein gutes Verhältnis zu Hugo bemüht war, nicht zuletzt deswegen, um die Eintracht mit der Kurie zu festigen. Außerdem erhoffte er sich durch eine gute Verbindung zum Kardinalbischof künftige Differenzen zwischen römischer Kurie und dem Kaiserreich vermeiden zu können. Hugolinos Absichten dagegen waren ausschließlich auf den Ausbau beziehungsweise die Verstärkung der päpstlichen Macht ausgerichtet. Durch den Aufbau eines „freundschaftlichen Verhältnisses“ meinte er, den Kaiser soweit in der Hand zu haben, um „() das Imperium und Sizilien in die von ihm gewünschten Bahnen zwingen zu können und somit eine Parallele zu England zu schaffen“[19]. Im Kongress zu Veroli werden Hugos Tendenzen in dieser Hinsicht deutlich, da er im Zusammenhalt mit den übrigen Kardinälen herrisch die von Friedrich geforderten Gebietszugeständnisse des Vatikans ablehnte.[20] Friedrich war durch diese und andere Unstimmigkeiten, Abweisungen und Verweigerungen verärgert. Daher war er auch nicht länger bereit, sich der Weisungsgewalt der Kirche unterzuordnen und die Einflussnahme der Kurie auf seine Politik zu dulden. Hugo wollte genau dem entgegenwirken und versuchte mit drastischem Vorgehen Friedrichs Einstellung zum Papsttum wieder auf ein loyales Niveau zu bringen. Das war genau der falsche Weg, den der Kardinalbischof einschlug. Friedrich gab sich kämpferisch und wollte seine Rechte und Ziele durchsetzen, ohne sich ständig nach der päpstlichen Direktive zu richten. Hugolino interpretierte dieses Verhalten – vermutlich nur für die Öffentlichkeit – als antikirchlich und antichristlich. So weitete sich das vormals friedliche, in beiderseitigem Interesse gepflogene Verhältnis zu einem Kampf zwischen weltlicher und kirchlicher Macht aus, wie es einen solchen in dieser Form vorher noch nicht gegeben hatte.

[...]


[1] Neumeister, Sebastian: Friedrich II. von Hohenstaufen. Der universale Herrscher 1200/2000. Berlin 2000. S.

[2] Houben, Hubert: Kaiser Friedrich II. (1194-1250). Herrscher, Mensch und Mythos. Stuttgart 2008. S.

[3] Eickels, van Klaus: Friedrich II. (1212-1250) Mit Heinrich VII. (1222-1235). In: Stefan Weinfurtner (Hrsg.)

(u.a.): Die Deutschen Herrscher des Mittelalters. Historische Portraits von Heinrich I. bis Maximilian (919-1519). München 2003. S.

[4] Eickels van Klaus/Brüsch, Tanja: Kaiser Friedrich II. Leben und Persönlichkeit in Quellen des Mittelalters.

Düsseldorf 2000. S.

[5] Ebd. S.

[6] Hartmann Gerhard u.a. (Hrsg.): Die Kaiser. 1200 Jahre europäische Geschichte. Wiesbaden 2006. S.

[7] Eickels, van Klaus: Friedrich II. (1212-1250) Mit Heinrich VII. (1222-1235). S.

[8] MGH SSrrG 18, S.

[9] Hechelhammer, Bodo: Kreuzzug und Herrschaft unter Friedrich II.. Handlungsspielräume von

Kreuzzugspolitik (1215-1230). Ostfildern 2004. S.

[10] Eickels, van Klaus: S.

[11] Felten, Joseph: Papst Gregor IX. Freiburg im Preisgau 1886. S.

[12] Brem, Ernst: Papst Gregor IX. bis zum Beginn seines Pontifikats. Heidelberg 1911. S.

[13] Ebd. S.

[14] Ebd. S. 3/

[15] http://www.bbkl.de/g/gregor_ix.shtml 23.04.

[16] Felten, Joseph: S.

[17] Brem, Ernst: S.

[18] Stürner, Wolfgang: Friedrich II. Teil 2. Der Kaiser 1220-1250. Darmstadt 2000. (= Gestalten des Mittelalters

und der Renaissance) S.

[19] Brem, Ernst: S.

[20] Ebd. S.

Details

Seiten
19
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640621224
ISBN (Buch)
9783640621620
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150591
Institution / Hochschule
Universität Regensburg – Mittelalterliche Geschichte
Note
2,0
Schlagworte
Papsttum Mittelalter Papst Gregor Friedrich Kreuzzugsproblematik Kampf Macht

Autor

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