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Die Beeinflussung der US-amerikanischen Filmindustrie durch Militär und Politik

von Martin Philipp Wiesert (Autor)

Seminararbeit 2008 21 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Militarische Hilfe fur Filme
2.1 Forderung oder nicht?
2.2 Schauspieler im militarischen Training

3. Filme als „Rekrutierungsmafinahme“

4. Der US-Film im Krieg
4.1 Erster Weltkrieg
4.2 Zweiter Weltkrieg
4.3 Der Kalte Krieg
4.4 Das Trauma Vietnam
4.5 Der Krieg gegen den Terror

5. Aktuelle Entwicklung

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

8. Filmografie

1. Einleitung

Patriotismus und Selbstverherrlichung der USA fallen bei manchen Hollywood-Filmen extrem auf. Das gilt sowohl far Kriegsfilme, wie auch far Werke anderer Genres. Man kann vermuten, dass die Ursache jener Produktionen mehr ist, als lediglich die Anschauung der Autoren, Regisseure oder Produzenten. Warum also sind viele amerikanische Mainstream-Filme in dieser Hinsicht so einseitig konzipiert? Eine erste Antwort ist einfach: Die Regierung, allem voran das Verteidigungsministerium, beeinflusst die Filmindustrie.

Innerhalb der Analysemethoden in der Medienwissenschaft untersucht die Produktionsanalyse Filme daraufhin, wie diese als solche zustande kamen und welche tatsachlichen Ideen hinter ihnen stecken. Daran soll hier angeknupft werden. Ziel dieser Arbeit ist es Hintergrunde von amerikanischen Patriotismus in Filmen aufzudecken sowie zu erlautern in wie fern die US-Regierung Einfluss auf Filme nimmt und mit welcher Motivation sie das tut.

Im ersten Teil wird erklart, wie das Pentagon entscheidet welche Filme gefordert werden. Anschliefiend wird ein Beispiel gegeben, wie militarische Hilfe am Filmset konkret aussehen kann. Auf Grunde des Pentagons dafur weist der zweite Teil hin. Der darauffolgende Abschnitt ist ein historischer Aufriss des Themas. Er beschaftigt sich mit der Entstehung und Geschichte der Beziehung zwischen Politik und Film in den USA. Anhand ausgewahlter Kriege und Konflikte mit Beteiligung des Landes, sollen die Formen amerikanischer Propaganda wahrend dieser Zeiten vorgestellt werden. Insbesondere der Zweite Weltkrieg ist hier von grofierer Bedeutung. Danach erfolgt eine Schilderung der aktuellen Situation und abschliefiend ein Fazit.

2. Militarische Hilfe fur Filme

Aufwendig produzierte Filme die mit militarischem Equipment arbeiten wollen, kosten dementsprechend viel Geld. Abhilfe kann in so einem Fall das Pentagon schaffen.

Der nun folgende Abschnitt zeigt, wie Filme Unterstutzung vom Pentagon bekommen konnen und wie sich diese bemerkbar macht.

2.1 Forderung oder nicht?

Wollen Hollywood-Studios Subventionen vom US-Militar fur ihre Produktionen erhalten, mussen sie sich nur an die Regel halten, das ihr Film den Verantwortlichen im Pentagon genehm ist (vgl. Voigt, 2005, S. 41).

Dazu mussen die Studios die jeweiligen Drehbucher in funffacher Ausfertigung beim Hollywood-Aufpasser des Verteidigungs- ministeriums abliefern. Je ein Exemplar geht an die Fuhrungen von Luftwaffe, Heer, Marine, die Kustenwache und die Eliteeinheit der "Marines". Deren Experten machen dann "Vorschlage" fur Anderungen am Film-Skript. Gestrichen werden alle Szenen mit fluchenden, rassistischen, mangelnden Mut zeigenden oder gar "verlierenden" US-Soldaten (Schroeder, 2005).

So missfiel den Prufern beispielsweise das ihnen eingereichte Skript zum James Bond-Teil „Golden Eye“, da in dem Film ein US-Admiral als Verrater von Geheimnissen dargestellt werden sollte, der dann auf Wunsch des Pentagons zu einem Franzosen umgeschrieben wurde (vgl. Schroeder, 2005). Weiterhin fordert das Pentagon die Anwesenheit seiner Berater bei den Dreharbeiten, die in Wahrheit Aufpasser sind (vgl. Schroeder, 2005). Major David Georgi, der bei zahlreichen Produktionen vom Ministerium als Berater eingesetzt wurde, gibt zu: „Wenn sich die Film-Leute nicht an unsere Anderungswunsche halten, nehme ich denen meine Spielzeuge weg und gehe nach Hause" (zitiert nach Schroeder, 2005). Zuletzt muss vor der Veroffentlichung des Films eine Kopie bei den militarischen Stellen eingehen, damit diese eine letzte Kontrolle vornehmen konnen (vgl. Schroeder, 2005).

Schroeder betont aber auch, dass das Pentagon bei den meisten Filmen nach Sichtung des Drehbuchs eine Zusammenarbeit von vornherein ablehnt, erst recht wenn die Macher nicht mit sich uber Anderung verhandeln lassen. Zum Beispiel war die Forderung von „Forrest Gump“ fur die Militars unakzeptabel, da der Protagonist uber einen niedrigen Intelligenzquotienten verfugt (Schroeder, 2005).

2.2 Schauspieler im militarischen Training

Zu den Leistungen die das Pentagon bei der Filmforderung erbringt, zahlen nicht nur Geld und Material. Die Professionalitat und Authentizitat eines Films hangt naturlich auch von den darin agierenden Schauspielern ab. Damit diese wie echte Konner des Handwerks wirken, bietet die US-Armee eine schnelle Grundausbildung in den wichtigsten militarischen Geschicken an.

Dies geschah, als einer von vielen Fallen, bei den Vorbereitungen zu dem Film „Black Hawk Down“, der den Somalia-Einsatz der USA Anfang der 1990er Jahre zum Thema macht. Die Schauspieler lernten unter professioneller Anleitung Waffenhandhabung, Haus- und Nahkampftraining oder sogar Truppensingen, so dass der Ausbilder am Ende die Akteure schon mit richtigen Soldaten verglich (vgl. Burger, 2005, S. 256).

3. Filme als „RekrutierungsmaRnahme“

Fur das Pentagon ist Ziel der Filmforderung, neben der allgemeinen patriotischen Glorifizierung der USA, junge Leute in den Dienst der Streitkrafte zu holen (vgl. Schroeder, 2005).

Militarisches Entertainment ist wichtiger Teil eines umfassenden Werbekonzeptes fur die US-amerikanischen Streitkrafte. [...] Fur Jugendliche in den USA bietet aber auch das Kino seit TOP GUN immer wieder Anreize, sich mit einer beruflichen Zukunft beim Militar zu befassen (Burger, 2005, S. 253).

„Top Gun“ von 1986 ist bekannt fur seine versteckte Werbung fur die US-Marine. Tom Cruise als junger Kampfjet-Pilot, stationiert an einem sonnigen Traumstrand, lasst den Soldatenberuf als romantisches Abenteuer erscheinen.

In den letzten Jahren warben Filme multiethnisch fur das Militar und wollten so zeigen, dass Herkunft, trotz aller Schwierigkeiten die es in den US-Streitkraften damit einmal gegeben hat, kein Problem fur eine gesellschaftlich geachtete Karriere ist (vgl. Burger, 2005, S. 253). „Men of Honor“ aus dem Jahr 2000 erzahlt die Geschichte eines Afroamerikaners, der entgegen aller Hindernisse als erster Farbiger Taucher in der Marine wird und einen hohen Unteroffiziersrang erreicht. „Windtalkers“ handelt von den Navajo Indianern die im Zweiten Weltkrieg als Funker eingesetzt wurden und wegen ihrer eigenen Sprache, die der Feind nicht verstehen konnte, unentbehrlich wurden.

Aber auch Kriegs- und Militarfilme aus der Zeit direkt nach dem zweiten Weltkrieg bis in die 1970er Jahre hinein warben schon far den Armeedienst. Voigt bemerkt, dass dort dem Zuschauer eine Art von Mannlichkeit demonstriert wurde die man anscheinend nur in der Armee beigebracht bekommt. Tatsachlich war die Folge, dass sich mehr junge Manner freiwillig zur Armee meldeten, um Vorbildern wie John Wayne nachzueifern (Voigt, 2005, S. 47).

4. Der US-Film im Krieg

Das Medium Film spielte in den USA zu Kriegszeiten stets eine enorm wichtige Rolle zu Propagandazwecken.

Die Filmkamera ist daruber hinaus in der Lage, die Dimension zu verandern und zu verfalschen. [...] Filme sind nicht nur ein Instrument der Kriegspropaganda unter anderen, sondern sie konnen unter bestimmten Umstanden sogar kriegsentscheidende Bedeutung erlangen, denn sie zielen auf das Denken und Fuhlen, auf die „Herzen“ der Menschen. In aller Regel vermitteln sie ein Wir-Gefuhl, [...] (Voigt, 2005, S. 23).

Das Augenmerk der Politiker, Militars und Filmemacher lag ebenso auf der Motivation der Truppen, wie auch auf der der Zivilbevolkerung. Ein Ruckblick auf vergangene Kriege und Konflikte zeigt, dass besondere Propagandastellen errichtet wurden, welche den Burgern die Geschehnisse aus amerikanischer Sicht vermittelten (vgl. Voigt, 2005, S.36). Die eigenen Truppen wurden dabei selbstverstandlich glorifiziert, wahrend der Feind negativ charakterisiert und durch Stereotypen dargestellt wurde (vgl. Voigt, 2005, S. 33). Voigt bringt es auf den Punkt (2005, S. 25): „Filme sind zu Waffen im Medienkrieg um die ,Wahrheit’, um das ,Gute’ und ,Gerechte’ geworden.“

[...]

Details

Seiten
21
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640620531
ISBN (Buch)
9783640620210
Dateigröße
428 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150587
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum – Medienwissenschaft
Note
1,7
Schlagworte
Hollywood Pentagon Washington Film und Militär Film Kriegsfilm

Autor

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    Martin Philipp Wiesert (Autor)

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