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Entwicklung und Implementierung einer Akutschmerztherapie durch Pflegekräfte auf chirurgischen Allgemeinstationen

In einem akademischen Lehrkrankenhaus der Maximalversorgung

Studienarbeit 2010 46 Seiten

Gesundheit - Pflegewissenschaft - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Anlagenverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Vorstellung des Projektthemas
1.2 Abgrenzung der Themenstellung

2 Grundlagen des Projekts
2.1 Rechtliche Voraussetzungen
2.1.1 Recht auf Schmerzbehandlung
2.1.2 Delegation von ärztlichen Tätigkeiten
2.2 Qualitätssicherung in der Akutschmerztherapie
2.3 Tätigkeitsfeld des Akutschmerzdienstes
2.4 Darstellung des Untersuchungsfeldes
2.4.1 Die allgemeinchirurgische Allgemeinstation
2.4.2 Die unfallchirurgische Allgemeinstation
2.4.3 Das Patientenkollektiv
2.4.4 Die Pflegekräfte der Allgemeinstation

3 Evaluation des Schmerzmanagements im Untersuchungsfeld
3.1 Ziele der Evaluation
3.2 Projektschritte
3.2.1 Initiierung des Projekts
3.2.2 Projektauftrag
3.2.3 Gründung des Projektteams
3.2.4 Evaluation anhand von Patientenbefragung
3.2.5 Auswertung und Darstellung der Ergebnisse

4 Entwicklung und Implementierung der Schmerzstandards
4.1 Projektstrukturplan
4.2 Terminplanung
4.3 Kostenplanung
4.4 Projektcontrolling

5 Projektabschluss
5.1 Aufbereitung der Ergebnisse und Vorbereitung der Präsentation
5.2 Präsentation und Moderation der Ergebnisse innerhalb der Abteilungen

6 Ausblick auf zukünftige Projekte im Schmerzmanagement

Quellenverzeichnis

Anlagen

Abbildungs- und Tabellenverzeichnis

Abb. 1: Matrix-Projektorganisation
Quelle: Rosenthal/ Wagner 2004:

Abb. 2: Zufriedenheit mit der Schmerztherapie
(geordnet nach Häufigkeit in Prozent)

Abb. 3: Zufriedenheit mit der Schmerztherapie
(Balkendiagramm, Häufigkeit in Prozent
nach Abteilung)

Abb. 4: Projektstrukturplan
Quelle: Kargl 2000:

Abb. 5: Projektphasenplan. Eigene Darstellung.
Quelle: Knorr 2003:

Tab. 1: Die Trias nach Donabedian. Eigene Darstellung.
Quelle: Wulf et al. 1997:

Tab. 2: Projektauftrag.
Quelle: Burghardt 2002: 27;
Rosenthal/ Wagner 2004:

Tab. 3: Zufriedenheit mit der Schmerztherapie
(Häufigkeit in Prozent nach Abteilungen)

Tab. 4: Aufgabenverteilung

Tab. 5: Kostenschätzung pro Arbeitspaket

Anlagenverzeichnis

Anl. 1: Algorithmus Unfallchirurgie

Anl. 2: Algorithmus Allgemeinchirurgie

Anl. 3: Fragebogen Patientenbefragung

Anl. 4: Präsentationsfolien

1 Einleitung

Schmerzen treten nach einer Operation in 30% - 70% der Fälle auf und wirken sich nicht nur negativ auf die Rekonvaleszenz der Patienten aus (vgl. Hinrichs et al. 2007: 7). „Schmerzen beeinflussen das physische, psychische und soziale Befinden der Betroffenen “ (Schiemann 2005: 22). Eine adäquate Schmerztherapie ist eine wesentliche Voraussetzung für eine rasche Genesung und kann das postoperative Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko reduzieren und Spätschäden vermeiden helfen (vgl. Macintyre 2007: 6).

Die Gründe für eine Chronifizierung von Schmerzen nach operativen Eingriffen sind vielfältig und können durch eine adäquat durchgeführte Schmerztherapie vermieden, bzw. signifikant reduziert werden (Hinrichs et al. 2007: 9). Somit bleibt die Lebensqualität der Patienten erhalten und die Ausgaben zur Behandlung von Folgeschäden werden gesenkt (Göbel/ Buschmann 2001: 80).

Zu dem beurteilen Patienten ein Krankenhaus auch danach, wie Schmerzen nach Operationen behandelt werden (vgl. Wulf et al. 1997: 49) und wie generell mit Schmerzen umgegangen wird.

Somit darf auch die ökonomische Komponente, die sich hieraus ergibt nicht außer Acht gelassen werden. Kann es sich ein Krankenhaus bei der heutigen Konkurrenz im Gesundheitssektor leisten, Patienten wegen einer unzureichenden Schmerztherapie an andere Häuser zu verlieren? Die Antwort lautet: Nein.

In der BRD besteht ein gesetzlicher Anspruch auf eine adäquate Schmerztherapie (vgl. Schiemann 2005: 43). Mehr dazu in Kapitel 2.1 .

1.1 Vorstellung des Projektthemas

Die vorliegende Projektarbeit befasst sich mit der Entwicklung und Implementierung eines Standards zur Durchführung einer Akutschmerztherapie durch Pflegekräfte nach Operationen.

In einem Haus der Schwerpunktversorgung mit ca. 700 Betten besteht seit 2005 ein Akutschmerzdienst der Abteilung für Anästhesie und operative Intensivmedizin. Aufgrund von Patientenäußerungen gegenüber den Mitarbeitern des Akutschmerzdienstes schien es, als seien die Patienten, die durch den Akutschmerzdienst betreut wurden, zufriedener mit ihrer Schmerzbehandlung als die anderen Patienten.

Um diese Annahme zu objektivieren, wurde 2008 eine Befragung bei den Patienten vorgenommen, die nicht durch den Akutschmerzdienst betreut wurden. Ziel war es, in dieser Gruppe, die Patientenzufriedenheit bezüglich der Schmerztherapie bei Akutschmerzpatienten nach operativen Eingriffen festzustellen und daraus Handlungsrichtlinien abzuleiten. Im Rahmen dieses Projekts wurde die Befragung ausgewertet und die Ergebnisse präsentiert.

1.2 Abgrenzung der Themenstellung

Im Rahmen der Projektarbeit wurden die Ergebnisse der Patienten-befragung aus dem Jahre 2008 in Bezug auf die Patientenzufriedenheit ausgewertet. Ziel der Befragung war es, einen IST-Zustand, vor Einführung eines Schmerzstandards zu erheben. Dieser Standard bezieht sich auf die Durchführung einer Schmerztherapie bei Patienten nach Operationen, die akut für einen bestimmten Zeitraum einer Schmerzbehandlung bedürfen.

Hierbei wurde eine Handlungsanweisung in Form eines Algorithmus erarbeitet, die es den Pflegekräften erlaubt eine medikamentöse Schmerztherapie selbständig einzuleiten, wenn gewisse Kriterien erfüllt sind.

2 Grundlagen des Projekts

In diesem Kapitel werden die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen, die der Projektplanung zugrunde lagen aufgezeigt. „Das Erkennen von Problemen und die Analyse des Problemumfeldes („Situationsanalyse“) bilden die Grundlage für das Erarbeiten der Projektziele“ (Kargl 2000: 26). Es wird der IST-Zustand mittels traditionellen Erhebungstechniken analysiert. Zur Anwendung kamen Fragebogen, Dokumentenauswertung, Beobachtung und Interview (vgl. Kargl 2000: 28).

Einen wichtigen Punkt zu Beginn der Entwicklung des Standards stellte die rechtliche Komponente dar. Es musste hier die Frage geklärt werden, ob es Pflegekräften unter bestimmten Bedingungen gestattet ist, eine medikamentöse Schmerztherapie zu beginnen.

2.1 Rechtliche Grundlagen

Wenn hier von rechtlichen Grundlagen gesprochen wird, muss man zwei grundlegende Unterscheidungen treffen. Zum einen aus dem Blickfeld der Patienten, und zum anderen aus dem organisationalem Rahmen der Delegation von ärztlichen Tätigkeiten.

2.1.1 Recht auf Schmerzbehandlung

„Jeder Patient hat einen privatrechtlichen Anspruch auf eine adäquate, dem Stand der Wissenschaft entsprechende Schmerzbehandlung“ (Schiemann 2005: 43). Dieser Anspruch begründet sich rechtlich aus dem Krankenbehandlungsanspruch, der sich aus §39 Abs. 1 in Verbindung mit §27 Abs. 1 Satz 1 SBG V oder §11 Abs. 1 SGB XI, sowie bei Privatversicherten aus dem Anspruch des jeweiligen Versicherungsverhältnisses ergibt (vgl. ebd.).

Strafrechtlich kann die Vorenthaltung der Schmerztherapie als Körperverletzung nach § 223 StGB oder sogar als unterlassene Hilfeleistung gemäß §323c StGB gewertet werden (vgl. ebd.).

Es müssen daher die organisatorischen und personellen Voraussetzungen für die Schmerzerfassung und die Durchführung einer ausreichenden Schmerztherapie geschaffen werden. Werden durch ein Organisationsverschulden Schmerzen schuldhaft nicht erfasst, kann die Klinik gemäß §233 StGB belangt werden (vgl. Uhlenbruck 1993: 298).

Somit wurden die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, da Schmerzen erfasst, dessen Auftreten dokumentiert und ausreichend behandelt wurde. Eine Dokumentation der Schmerzstärke fand auf den betreffenden Stationen bislang jedoch nicht statt.

2.1.2 Delegation von ärztlichen Tätigkeiten

Die nächste Frage, die es zu klären galt, lautete: Welche Tätigkeiten im Rahmen der medikamentösen Schmerztherapie können auf erfahrende Pflegekräfte so delegiert werden, dass diese selbstverantwortlich über den Beginn einer Schmerztherapie entscheiden können?

Zudem mussten berufliche Verpflichtungen definiert und bewusst wahrgenommen werden, damit die Pflegekräfte ihre Verantwortung übernehmen konnten (vgl. Tönnies 2000: 292). Die Projektgruppe entschied sich in Anlehnung an den Expertenstandard Schmermanagement in der Pflege und den Empfehlungen einer interdisziplinären Expertenkommission der ärztlichen Fachgesellschaften für einen Algorithmus (Anl. 1 u. 2), der individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Klinik zugeschnitten sein sollte.

Zudem sollte dieser die Bedürfnisse des Krankenhausträgers, sowie die der beteiligten Berufsgruppen nach Rechtssicherheit erfüllen (vgl. Leumann et al. 2008: 86).

2.2 Qualitätssicherung in der Akutschmerztherapie

Ein weiterer Bereich, der im Rahmen dieses Projektes besprochen wurde, zielte auf die Sicherung der Qualität im Rahmen der Durchführung der Akutschmerztherapie nach Standard.

Nach Donabedian unterscheidet man drei Komponenten der Qualitätssicherung: Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität (vgl. Görres/ Roes 2004: 7). Was das im Einzelnen für die Durchführung der Schmerztherapie bedeutet veranschaulicht Tabelle 1 .

„Eine solche Patientenbefragung und Datenerfassung ist essentielle Voraussetzung der Qualitätssicherung auf dem Gebiet der perioperativen Schmerztherapie“ (Wulf et. al 1997: 50). Bislang erfolgten diese qualitäts-sichernden Maßnahmen nicht. In allen Dimensionen konnten Defizite festgestellt werden. So fand keine adäquate Schmerzmessung und Dokumentation bei Aufnahme statt. Auch in der postoperativen Phase wurden Schmerzen nicht gemessen und nur unzureichend dokumentiert. Die organisatorischen Abläufe waren defizitär und unstrukturiert.

Als Minimalanforderung an die Qualitätssicherung führen Wulf et al. folgende Punkte an:

- „Therapie- und Überwachungsstandards müssen (schriftlich) festgelegt sein,
- Nebenwirkungen und Komplikationen müssen regelmäßig dokumentiert werden.
- Der Therapieerfolg (Analgesie) sollte regelmäßig [] dokumentiert werden.“

(Wulf et al. 1997: 50)

Tabelle 1: Die Trias nach Donabedian. Eigene Darstellung. Quelle: Wulf et al. 1997: 49-50.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Tätigkeitsfeld des Akutschmerzdienstes

Durch die Klinik für Anästhesie und operative Intensivmedizin wurde 2005 ein bis dato unzureichend bestehender Akutschmerzdienst ausgebaut. Dieser wird von speziell in der Schmerztherapie weitergebildeten Fachpflegekräften und Ärzten für Anästhesiologie besetzt. Es werden hier Patienten betreut, die postoperativ eine Schmerztherapie via eines Schmerzkatheters oder einer Schmerzpumpe erhalten.

In der Regel musste sich diese Patientengruppe einem ausgedehnteren Eingriff unterziehen, bei dem man in der postoperativen Phase mit stärkeren Schmerzen rechnet. Der Anspruch an die Qualität der Schmerztherapie ist daher entsprechend hoch.

Die Visitation erfolgt zwei Mal täglich vormittags und nachmittags. Der Akutschmerzdienst ist rund um die Uhr über ein hausinternes Handy zu erreichen. Auf jeder Visite werden relevante Informationen erhoben und dokumentiert. Die Schmerztherapie kann zeitnah durch bereits erarbeitete Algorithmen optimiert werden.

Für Rückfragen steht jederzeit ein Oberarzt telefonisch zur Verfügung, der die Weiterbildungsbezeichnung spezielle Schmerztherapie führt. Für Anfragen im Rahmen einer absehbaren längerfristigen Schmerztherapie, kann der leitende Oberarzt der Klinik, der auch den Akutschmerzdienst leitet, konsiliarisch hinzugezogen werden.

Die bereits bestehende Organisation des Akutschmerzdienstes diente als Orientierungspunkt bei der Umsetzung struktureller und organisatorischer Voraussetzungen.

2.4 Darstellung des Untersuchungsfeldes

Die Analyse der organisatorischen Voraussetzungen in den Abteilungen bezog sich hauptsächlich auf die Gruppe der Pflegekräfte. In einem ersten Schritt musste evaluiert werden, wie Pflegekräfte ihre Aufgaben bei der Schmerztherapie wahrnehmen. Zudem mussten die Besonderheiten der beiden chirurgischen Fachdisziplinen Rechnung getragen werden. In der Allgemeinchirurgie werden größtenteils abdominalchirurgische, in der Unfallchirurgie eher Knocheneingriffe durchgeführt, die jeweils unterschiedliche Schmerzprofile aufweisen.

2.4.1 Die allgemeinchirurgische Allgemeinstation

Der Schwerpunkt der Operationen der allgemeinchirurgischen Klinik liegt in der Abdominalchirurgie. Es werden vornehmlich Eingriffe an Darm und an der Leber (Gallenblasenentfernungen), jedoch auch in geringerem Umfang am Brustkorb durchgeführt.

Diese Operationen erfordern in der postoperativen Phase häufig den Einsatz bestimmter krampflösender Schmerzmittel, da die Schmerzqualität von den Patienten als dumpf, brennend oder krampfartig beschrieben wird (vgl. Angster/ Hainsch-Müller 2005: 509).

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Details

Seiten
46
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640617128
ISBN (Buch)
9783640616718
Dateigröße
2.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150515
Institution / Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule – Fachbereich Gesundheit und Pflege
Note
2,0
Schlagworte
Entwicklung Implementierung Standards Durchführung Akutschmerztherapie Pflegekräfte Allgemeinstationen Lehrkrankenhauses Maximalversorgung

Autor

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