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Ein Vergleich ausgewählter Bodenprofile skandinavischer Standorte

Bachelorarbeit 2009 57 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Geologie, Mineralogie, Bodenkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Motivation
1.2 Stand der Forschung
1.3 Uberblick: Physiogeographie Skandinaviens
1.3.1 Standorte

2. Untersuchungsmethoden
2.1 Gelandearbeit
2.2 Bodenchemische, -physikalische Analysen
2.2.1 KorngroBenanalyse und KorngroBenparameter
2.2.2 pH-Wert
2.2.3 Organischer Kohlenstoff und Stickstoff
2.2.4 Dithionit- und oxalatlosliches Eisen
2.2.5 Kationenaustauschkapazitat
2.2.6 Chloridtest
2.2.7 Messung der elektrischen Leitfahigkeit

3. Ergebnisse der Feldbodenkunde
3.1 Standortfaktoren
3.1.1 Bioklimatische Bedingungen

4. Ergebnisse der Laborarbeit
4.1 Profil 1: Halmstadt (Schweden)
4.2 Profil 2: Sognefjord (Norwegen)
4.3 Profil 3: Sudkapp (Norwegen)
4.4 Profil 4: Hirtshals (Danemark)

5. Diskussion und Bewertung

6. Zusammenfassung

7. Anhang
7.1 Bodenprofile und Kenndaten
7.2 Bodenkarten von Schweden und Norwegen

8. Literaturverzeichnis
8.1 Abbildungsverzeichnis
8.2 Tabellenverzeichnis

Abstract

Four soil profiles from coast areas in Scandinavia were examined. Three of them developed under forests and one soil under grass habitat. The parent material of positions under wood is a deposit of granite, and acidic gneiss. From the coarse-grained, highly skeletal parent mate­rial very acid, sandy, shallow soils develop. The occurrence of organic matter accumulation and decomposition at the surface, together with translocation of organic material, iron and aluminium in both organically bound and inorganic forms indicate the operation of podzola- tion. High organic matter accumulation and forest litter demonstrate harmed chemical altera­tion and clay mineral regeneration.

In case of microclimatic favour positions the cambisol develop could be possible on soliflu- cated parent material. However, the fluvisol is generated on marine sediments. All soils are aged between 6000-10000 years (ELLIS & MATHEWS 1984, MELLOR 1987). The nemo- to south-boreal climate indicates a high intersection of annual precipitation, especially at the west coast of Norway. The high acidification in soils under forests takes influence in func­tions of soil buffering. This process involves a change of naturally soil functions. The result­ing ecological problems are already known from the north boreal region which is even more affected (BERDEN et al. 1987, HAUHS & WRIGHT 1990, VENZKE 1990).

1. Einleitung

1.1 Problemstellung und Motivation

Die Erhaltung naturlicher Lebensraume mit einem spezifischen Wirkungsgefuge von Boden, Vegetation, Tierwelt, Wasser, Luft und Temperatur ist erstrebenswert. Das gilt auch fur eine eventuelle Beeinflussung durch den Menschen. Boden sind damit selbstverstandlich vor Zer- storung oder anthropogener Veranderung zu bewahrende Schutzguter. Der konventionelle Na- turschutz neigt dazu, Fauna und Flora als primare Schutzguter zu betrachten und die anderen Standortfaktoren als gegeben anzusehen. Besonders Boden werden daher oft nur oberflachig, manchmal sogar oberflachlich betrachtet. Dabei beinhaltet jeder Standort eine Entwicklungs- geschichte, die sich im Bodenprofil und den ausgebildeten Horizonten manifestiert.

Im Rahmen dieser Arbeit soll eine vergleichende Analyse von Bodenprofilen in Skandinavien neue Erkenntnisse uber den Zustand der Boden im nordeuropaischen Raum bringen. Die Bo-

den wurden wahrend einer Exkursion nach Skandinavien im Sommer 2008 beprobt und an- schlieBend im Bodenlabor des Departments fur Geographie der LMU Munchen analysiert.

Obwohl die okologische Erforschung Skandinaviens auf eine reiche Tradition zuruckblickt gibt es nur wenige wissenschaftliche Arbeiten, die vergleichbare Standorte untersuchten. Die vorliegende Arbeit soll folgende Fragen beantworten:

- Welche Boden bilden sich unterhalb der naturlichen Waldgrenze an kustennahen Standorten, und welches sind ihre physikalischen und chemischen Eigenschaften?
- Wie und in welchem MaBe beeinflussen die Standortfaktoren die Bodenbildung?

Zur Beantwortung dieser Fragen wurden vier Bodenprofile kustennaher skandinavischer Standorte untersucht.

1.2 Stand der Forschung

In Skandinavien wurde relativ spat mit der Kartierung von Boden begonnen: Erst 1991 ent- warf RASMUSSEN eine Bodenkarte der Lander Norwegen, Schweden und Danemark im MaBstab 1:2000000. Ihre Legende entspricht der FAO-UNESCO-Klassifikation. Das Euro­pean Digital Archive of Soil Maps (EuDASM) verwaltet die Bodenkarten Skandinaviens. Leider konnte in dieser Arbeit nicht auf diese Karte zuruckgegriffen werden. Allerdings fin- den sich im Anhang Bodenkarten von Schweden und Norwegen. Die moderne Bodenbe- obachtung mit Bodeninformationssystemen findet dort genauso Anwendung wie auch in Deutschland. Aber auch die Modellierung von aussagekraftigen Zukunftsszenarien ist gangige Praxis. Der aktuelle Stand der Forschung lasst indes einen eindeutigen Trend erkennen - wie- der hin zu einer Forschung, der die Erhebung von Primardaten im Gelande vorausgeht.

1.3 Uberblick: Physio geo graphie Skandinaviens

Schweden liegt mit Norwegen, Finnland, Island und Danemark in Nordeuropa. Zusammen mit dem westlich angrenzenden Norwegen bildet Schweden das eigentliche Skandinavien. Schweden nimmt dabei den ostlichen Teil der skandinavischen Halbinsel ein und erstreckt sich bis zu 400 km Breite und einer Lange von uber 1577 km von Norden nach Suden. Schweden wird in drei Landesteile gegliedert, Gotaland, Svealand und Norrland (von Sud nach Nord). Diese Einteilung ist sehr gebrauchlich, auch wenn sie nicht vollig mit der geo- graphischen Gliederung in Sud-, Mittel- und Nord-Schweden ubereinstimmt. Die Kustenlinie besitzt eine Lange 7600 km und die angrenzenden Meere sind die Ostsee und der Botnische Meerbusen. Dorthin flieBen auch die zahlreichen Flusse, die dem nordwestlichen Gebirge ent- springen. Ein Teil des Massivs zahlt zu der Ostabdachung des kaledonischen Gebirgszuges der Skanden (GLABER 2003).

Schweden liegt zwischen dem maritim gepragten Atlantikbereich und dem Kontinentalklima der osteuropaischen Inlandsebenen. Wahrend ostliche Hochs stabiles, trockenes Wetter mit sehr angenehmen Temperaturen im Sommer und frostige Kalteperioden im Winter bewirken, sorgen atlantische Luftmassen fur Niederschlag und Wind. Die damit einhergehende Beein- flussung des Wettergeschehens fuhrt zu einem verhaltnismaBig milden Klima in weiten Teilen Skandinaviens. Da Intensitat und Dauer der Sonnenstrahlung nach Norden hin abnehmen, ist ein deutliches winterliches Temperaturgefalle im Bereich der Ostsee festzustellen. Die jahrli- che Temperaturspanne zeigt Schwankungen zwischen 27° C im hohen Norden und 17°C im Suden des Landes. Das ist dennoch relativ gering, vergleicht man die Werte mit denen in Ge- bieten gleicher geographischer Breiten: So betragen die Temperaturunterschiede in Sibirien oder Kanada ca. 40-60°. Die erreichten Hochstwerte - mit ca. 700 mm Niederschlag und im Fjellbereich mit etwa 1000 mm Niederschlag - nehmen nach Osten hin ab und verdeutlichen den Einfluss des maritim gepragten Westteils (WALTER & BRECKLE 1986).

Die Klimadiagramme[1] belegen einen deutlichen Anstieg der Niederschlags- und Temperatur- werte vom im Norden gelegenen Karesuando bis hin nach Goteborg im Sudwesten des Lan­des. Die hochsten Niederschlagswerte verzeichnet Goteborg zwischen September und No­vember. Im Gegensatz dazu haben die Stadte Karesuando, Ostersund und Stockholm mit bis zu 80 mm Niederschlag im Juli den Hohepunkt im Jahresverlauf erreicht. Die deutliche Nahe zum Meer macht sich vor allem in Goteborg bemerkbar, das mit 791 mm Niederschlag deut- lich mehr Niederschlage aufweist, als beispielsweise Stockholm mit 562 mm Insgesamt lasst sich anhand der erwahnten Klimadiagramme fur alle ausgewahlte schwedischen Stadte ein humides Klima feststellen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Walter Lieth Klimadiagramm der Messstation Goteborg

Im sudlichen Lund liegt durchschnittlich an 50 Tagen eine geschlossene Schneedecke. In Stockholm sind es durchschnittlich 100 Tage, in Ostersund 180 und im nordlichen Riksgransen 255 Tage mit geschlossener Schneedecke (GLABER 2003).

Norwegen wird in funf Regionen unterteilt: Vestlandet (Westland), 0stlandet (Ostland), Tr0ndelag (Region Trondheim), Nord Norge (Nordnorwegen/Finnmark) und S0rlandet (Sudland). Vestlandet und 0stlandet werden durch Gipfel und Hochebenen oberhalb der Waldgrenze von einander getrennt. Die Fjell-Landschaft wurde wahrend des Pleistozans von Gletschern uberformt. Die groBten Hohen werden mit dem Glittertind (2472 m) und dem Galdhopiggen (2469 m) im Gebirgsmassiv Jotunheimen erreicht. Wahrend der quartaren Eis- zeiten schnitten sich die Gletscher tief in fruhere Flusstaler ein und formten die Fjordland- schaft. Der Sognefjord ist mit einer Lange von 204 km der langste Fjord Skandinaviens. Die Mehrzahl der Bevolkerung von Vestlandet lebt in den tiefer gelegenen Teilen, der Sudkuste des Boknafjords oder des Hardangerfjords. Diese Gebiete werden auch landwirtschaftlich in- tensiv genutzt, wobei sich die ertragreichsten Gegenden fur die Landwirtschaft rund um den Oslofjord finden. Das S0rlandet umfasst die sudlichste Spitze Norwegens mit der Stadt Kristiansand als Zentrum. Auf den vorgelagerten Inseln und in den Tieflandgebieten herrscht uberwiegend maritimes Klima. Norwegens Westkuste hat fur diese nordliche Breite ein aus- gesprochen mildes und feuchtes Klima. Grund dafur ist der Golfstrom, der relativ warmes Wasser aus niederen Breiten bis weit nach Norden stromen lasst. Die Kuste bleibt deshalb auch den gesamten Winter uber weitgehend eisfrei, und die mildernde Wirkung des Meeres ist, bedingt durch auflandige Winde, auch in den Lufttemperaturen (ca. -5° C bis +2° C) zu spuren. Die vom Meer aufgenommene Feuchtigkeit regnet an der Westseite der Gebirge ab. So zahlt die Stadt Bergen zu den regenreichsten Stadten in Europa (GLABER 2003).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Walter Lieth Klimadiagramm der Messstation Bergen

Danemark kann in weiten Teilen in das gemaBigte See- und Kustenklima eingeordnet werden. Diese Klassifikation begrundet sich durch eher kuhle bis maBig warme Sommer sowie relativ milde Winter. Der jahrliche, durchschnittliche Niederschlag ist trotz der Lage zwischen zwei Meeren relativ gering. Im Sommer liegen die Tagestemperaturen durchschnittlich zwischen 18° und 25° C. Danische Winter zeichnen sich vor allem durch viel Regen und Frost aus. Je- doch profitiert das Land vom Ableger des Golfstroms, dem Nordatlantikstrom.

Am Ende der letzten Eiszeit schmolzen die Eismassen in Skandinavien ab. Die darunter lie- gende Erdkruste wurde vom Gewicht des Eises befreit und begann sich zu heben. Dadurch taucht nach und nach Land aus dem Meer auf, auf dem die Bodenbildung einsetzt, sobald es trocken fallt. Die Boden an den skandinavischen Kusten werden daher mit zunehmender Hohe uber dem Meer alter, sodass man dort die Bodenentwicklung mit zunehmendem Alter der Bo­den untersuchen kann. Die postglazialen Boden sind hochstens 10000 Jahre alt und entstehen entweder aus Moranen- oder Schmelzwasserablagerungen, aus See- oder Meeressedimenten oder aus Mooren (ANDERSON 1980, WALTER & BRECKLE 1986).

Die Vegetation einer Landschaft ergibt sich nicht rein zufallig, als Reaktion auf einzelne, re­gional unterschiedliche Umweltbedingungen. Vielmehr stehen Pflanzenarten neben innerartli- chen Regulationen wie zum Beispiel Konkurrenz um einen Standort in einer Lebensgemein- schaft. Diese werden sowohl von biotischen (Konkurrenz um Ressourcen) als auch durch abiotische, exogene Faktoren (Klima, Bodeneigenschaften) beeinflusst. Diese Faktorenkom- plexe sind nicht linear, sondern additiv, also sich gegenseitig abschwachend oder verstarkend. Des Weiteren sind sie auf verschiedenen Ebenen wirksam: beispielsweise funktional an der Zellwand oder -membran oder konditionell, indem sie die Entwicklungsmoglichkeiten und den Entwicklungsraum von Arten festlegen. Weitere determinierende Faktoren zur Verbrei- tung der Vegetation sind die Nahrstoffverhaltnisse der Ausgangssubstrate, die holozane Ent- wicklung der Okosysteme und anthropogene Einflusse sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart (VENZKE 1990, DIERBEN 1996).

Als Folge vergangener Eiszeiten gibt es in Schweden eine Artenarmut, da Flora und Fauna weitgehend zerstort wurden. Schweden ist zu 55 % von Wald bedeckt. Der Holzbestand setzt sich zu 46 % aus Fichten, 38 % aus Kiefern, 11 % Birken und 5 % Laubbaumen zusammen. In Norwegen betragt die Waldbedeckung 26 % (GLABER 2003). Vergleicht man die nemorale mit der hemiborealen Vegetationszone, so andert sich hier die Zusammensetzung der Waldgesellschaften eindeutig. Koniferen wie zum Beispiel Fichte und Kiefer werden zu den dominierenden Geholzarten. Laubbaume wie beispielsweise die Buche oder die Hainbu- che wachsen nur noch in kleinen westlichen Ausschnitten der hemiborealen Zone. Diese Waldgesellschaften reichen bis zu 200 m uber den Meeresspiegel. Die hemiboreale Zone in Skandinavien erstreckt sich von Sudnorwegen uber Teile Sudschwedens und den sudlichen Teil Finnlands. An edaphisch und mesoklimatisch begunstigten Standorten treten in der sud- lich borealen Zone weiterhin Laubholzer wie beispielsweise die Bergulme oder der Spitz- ahorn auf. Grunlandbewirtschaftung und Getreideanbau sind in dieser Vegetationszone noch moglich (DIERBEN 1996 nach KULLMANN 1977, 1980).

In Norwegen schwankt die Hohenstufengrenze der sudborealen Zone von 100 m in kustenna- hen Lagen bis zu 300 m uber NN im kustenfernen Bergland. Einige typische Waldgesell- schaften sind: Boreale Birken- und Nadelwalder und Zwergstrauchgebusche der unteren alpi- nen Stufe und der sudlichen Arktis, Kiefern- und Birkenwalder sowie Zwergstrauchheiden magerer Standorte, Gabelzahnmoos-Kiefernwalder, Heidelbeer-Kiefern- und Birkenwalder und Heidelbeer-Zwergstrauchheiden und Fichtenwalder nahrstoffreicherer Boden (DIERBEN 1996).

Ein entscheidender Faktor fur die Qualitat eines land- und forstwirtschaftlichen Standorts ist der Boden. Dessen Qualitat wird wiederum vor allem vom Ausgangsgestein gepragt. Die aktuelle Morphodynamik der Borealis spielt sich im Wesentlichen auf einem Relief ab, das in seiner Makroformung weitgehend auf das Tertiar und Altpleistozan zuruckgeht und in weiten Bereichen durch die mittel- und jungpleistozanen Vereisungen eine Uberformung sowie die Ablagerung von glaziaren und glazi-fluvialen Substraten gepragt ist. In den vormals nicht vergletscherten Gebieten bilden meist periglaziare und fluviale Substrate den oberflachenna- hen Untergrund. Lediglich in den ausgedehnten Moorarealen liegen holozane bis rezente, or- ganogene Sedimente vor (VENZKE 1990, WALTER & BRECKLE 1986). Im ehemals peri- glazialen Mitteleuropa handelt es sich dabei zum groBten Teil um Loss und Schuttdecken, zum geringeren Teil um Flugsande und Schotter. Erwahnenswert ist dabei der Loss als Aus- gangsmaterial der besten Boden Mitteleuropas, wie den Parabraunerden und den Schwarzer- den. Weniger bekannt ist die Bedeutung des Solifluktionsschutts. ,,Ohne ihn ware die holoza­ne Bodenentwicklung im Allgemeinen auf den Festgesteinen wohl kaum uber das Rankerstadium hinausgekommen“ (VENZKE 1990 S.33f).

1.3.1 Standorte

Die geographische Lage der beprobten Standorte bewegt sich zwischen 56-61°N und 7-12°E. Alle vier Bodenprofile sind nahe an Kusten oder Fjorden gelegen. Der Abstand des ersten Bodenprofils betragt knapp 300 m Luftlinie zum Sognefjord. Das zweite Profil ist in etwa 1 km von der sudwestschwedischen Kuste entfernt. Am Sognefjord findet sich der nordlichste der Standorte, wahrend Halmstad in Sudwestschweden den sudlichsten Standort markiert. Die unmittelbar an der Kuste gelegenen Standorte befinden sich in Norddanemark und am Sudkapp in Norwegen. Die geographischen Hohen der Bodenprofile reichen von 7-79 m uber dem Meeresspiegel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gliederung der Standorte[2]:

Profil 1: Halmstad, Sudwestschweden

Profil 2: Sognefjord, Norwegen

Profil 3: Sudkapp, Norwegen

Profil 4: Hirtshals, Norddanemark

Abb. 3: Ubersicht der Standorte

2. Untersuchungsmethoden

Die bei den Gelandearbeiten und Laboranalysen durchgefuhrten Untersuchungen werden hin- sichtlich ihrer Methodik zunachst kurz erlautert.

2.1 Gelandearbeit

Neben einer einfachen Vermessung des Gelandes und einer groben Vegetationsbestimmung erfolgte die Aufnahme und Dokumentation der Profile uber Skizzen und Photos. Die Boden- ansprache wurde gemaB der Bodenkundlichen Kartieranleitung (AG BODEN, 1994) und der MUNSELL SOIL COLOR CHARTS (1994) vorgenommen.

Die Probenentnahme fur die Laboranalysen erfolgte horizontweise als Mischprobe des gesam- ten Horizontes; an wichtigen Profilen wurden die Horizonte auch mehrfach beprobt. Ein Kalk-Schnelltest wurde an allen Horizonten mit verdunnter Salzsaure durchgefuhrt. Des Wei- teren erfolgte eine Erfassung der Untersuchungsgebiete mit den zur Verfugung stehenden Mitteln (Kompass, MaBband, Neigungsmesser, Hohenmesser und GPS). Die Koordinaten und Hohen der Profile wurden mit einem GPS-Gerat ermittelt.

2.2 Bodenchemische, -physikalische Analysen

Samtliche Proben wurden zunachst luftgetrocknet und anschlieBend mit einem 2 mm-Sieb in Fein- und Grobboden geteilt. Die Verteilung des Skeletts wurde wegen fehlender Transport- und Analysemoglichkeit bereits an den Profilen vor Ort ermittelt. Alle nachfolgend beschrie- benen Untersuchungen wurden an lufttrockenen Proben des Feinbodens im Labor des De­partments fur Geographie in Munchen durchgefuhrt.

2.2.1 KorngroBenanalyse und KorngroBenparameter

Die Bestimmung der KorngroBen erfolgte durch eine Kombination von Nass-Siebung und Se- dimentationsverfahren nach KOHN (DIN 19683/2). Als Dispergierungsmittel diente Ammo- niak. Das Probenmaterial wurde 24 Stunden vor der Analyse damit versetzt und wahrend der letzten beiden Stunden in einen Uberkopfschuttler gegeben. Nach der Schlammung von Ton und Schluff wurden die Sandfraktionen in folgenden GroBen abgesiebt: 0.06-0.1; 0.1-0.2; 0.2­0.315; 0.315-0.63; 0.63-1.0; 1.0-2.0 mm. Diese sechs Kornfraktionen beinhalten die jeweilige Halbierung der klassischen Feinsand-, Mittelsand- und Grobsandfraktionen fur eine genauere statistische Auswertung.

Fur die nachfolgenden Darstellungen wurden sie zusammengerechnet und rechts neben der Profilzeichnung in Form von Balkendiagrammen in den Fraktionen Ton (T), Feinschluff (fU), Mittelschluff (mU), Grobschluff (gU), Feinsand (fS), Mittelsand (mS) und Grobsand (gS) an- gegeben.

2.2.2 pH-Wert

Die potentiometrische Ermittlung des pH-Wertes erfolgte nach SCHLICHTING, BLUME & STAHR (1995). Entsprechend des angegebenen Verfahrens wurden die Proben mit Kalziumchloridlosung (0.01 M) versetzt und in Suspension (1:2.5) gebracht. Die Messung er­folgte mit einem pH-Meter der Firma KNICK (Typ: 766 Calimatic).

2.2.3 Organischer Kohlenstoff und Stickstoff

Das Probenmaterial wurde gemahlen und 24 Stunden vor der Messung im Exikator aufbe- wahrt. Beide Parameter wurden mit dem C/N-Analysator CNS-2000 der Firma LECO ermit- telt. Die Analyse des organischen Kohlenstoffs erfolgte nach dem Prinzip der IR- Spektrometrie, die Analyse des Stickstoffs mittels Warmeleitfahigkeitsmessung.

2.2.4 Dithionit- und oxalatlosliches Eisen

Das dithionitlosliche Eisen (Fed) wurde mit Natriumzitratlosung, Natriumhydrogencarbonatlosung und Natriumdithionit extrahiert (SCHLICHTING & BLUME 1966). Die Anfarbung fur eine photometrische Bestimmung erfolgte mit Hydroxylaminhydrochlorid, Ammoniumacetat und Phenanthrolin (TGL 25418/20 1973). An- schlieBend erfolgte die Messung mit dem Spektrometer S 250 der Firma SECOMAM. Beim oxalatloslichen Eisen (Feo) erfolgte die Extraktion mit Ammoniumoxalat und Oxalsaure, die Anfarbung und Messung wie vorangehend beschrieben. Das Verhaltnis von oxalat- und dithionitloslichem Eisen (Feo/Fed) ergibt den Aktivitatsgrad des freien Eisens nach SCHWERTMANN (1959).

2.2.5 Kationenaustauschkapazitat

Die Bestimmung von Kationenaustauschkapazitat (KAK) und Basensattigung (BS) erfolgte nach einem durch KAPPEN eingefuhrten Schnellverfahren (BARSCH, BILLWITZ & SCHOLZ 1984). Zur Bestimmung der hydrolytischen Aciditat (H-Wert) wurde das Proben- material in 1 N Calciumacetat gelost. Nach 72 Stunden erfolgte die Filtrierung und Titration gegen 0.1 N Natronlauge mit Phenolphtalein. Fur die Bestimmung der austauschbaren basi- schen Kationen (S-Wert) wurden die Proben mit verdunnter Salzsaure fur zwei Stunden in den Uberkopfschuttler gegeben und anschlieBend filtriert. Das Filtrat wurde gegen 0.1 N Nat- ronlauge mit Tashiro-Indikator titriert. Die Berechnung von Kationenaustauschkapazitat und Basensattigung ergibt sich aus folgender Rechnung:

H-Wert + S-Wert = Kationenaustauschkapazitat (KAK)

S-Wert / KAK x 100 = Basensattigung (BS)

2.2.6 Chloridtest

Das im Boden in gebundener vorkommende Chlorid ist ein Indikator fur die Pflanzengesund- heit und Bodenfruchtbarkeit. Zu hohe Salzkonzentrationen im Boden hemmen die Wasserauf- nahme der Pflanzen. Das sich anlagernde Chlorid verdrangt Calcium-, Magnesium-, und Ka- liumionen von den Bodenteilchen, so dass sie einer starkeren Auswaschung unterliegen. Die suspendierte Bodenlosung wird zentrifugiert und anschlieBend dekantiert. AnschlieBend er- folgte die Messung mit dem Spektrometer S 250 der Firma SECOMAM, mit Hilfe von Ku- vetten (Testspanne 1-1000 mg/L) des Chloridtest LCK 311 der Firma HACH & LANGE GmbH.

2.2.7 Messung der elektrischen Leitfahigkeit

Da verschiedene lonenarten unterschiedlich zur Leitfahigkeit beitragen, ist es nicht moglich, aus den Leitfahigkeiten absolute Ionenkonzentrationen zu errechnen. Man vergleicht daher die Leitfahigkeit einer zu untersuchenden Losung mit derjenigen von Eichlosungen bestimm- ter KCl-Konzentration und bestimmt so die Elektrolytkonzentration als KCl-Aquivalent.

Gemessen wird der Widerstand der Bodenlosung mit einem Elektrodenpaar aus Platin und ei- ner Widerstandsmessbrucke. Die erhaltenen spezifischen Leitfahigkeitswerte in S cm-1 (S = Siemens = 1 Ohm-1) werden mittels einer Kalibrierkurve in Elektrolyt-Konzentrationen umge- formt. Die Auswertung erfolgt mit einer Tabellenkalkulationssoftware (MS-Excel, OpenOffice,...).

3. Ergebnisse der Feldbodenkunde

Die naturraumliche Ausstattung Nordeuropas, insbesondere die Verbreitung der Vegetation und der Boden sowie deren okologische Interaktion im Raum, wird durch folgende Faktoren bestimmt: durch klimatische Bedingungen und die zum Teil davon abhangigen, regional dif- ferenzierten Bodenwasserhaushalte, durch die Nahrstoffverhaltnisse der verwitternden Aus- gangssubstrate, die holozane Entwicklung der landschaftlichen Okosysteme und durch die Aktivitaten des Menschen - in der Vergangenheit und heute .

3.1 Standortfaktoren

Profil 1: Das Ausgangsmaterial besteht aus sandigem, skelettarmen und saurem Schuttmateri- al von Graniten und Gneisen. Der durch das Wasser akkumulierte, spater dann durch aolische Prozesse weitergetragene Sand tragt wesentlich zur Genese der Podsole bei. Die wasserdurch- lassigen Sande sind durch hohe Quarzgehalte gekennzeichnet. Im FAO-System spricht man von „Podzolen“. Die Mehrzahl der in Skandinavien durchgefuhrten Studien belegt, dass es zwischen 500 und 1500 Jahren dauert, bis eine Podsole voll ausgebildet ist (MELLOR 1987, nach JENNY 1941, ELLIS & MATTEWS 1984). Die Profilmachtigkeit betragt 40 cm in einer Hohe von 8 m uber dem Meeresspiegel.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Profil 1: Horizontbezogene Kenndaten

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Podsole auf lehmigen Sand, unter Kiefemwald nahe der Sudwestschwedischen Kuste

(Quelle: Eigene Aufnahme)

[...]


[1] Siehe Anhang S. 42: Weitere Klimadiagramme Skandinaviens

[2] Profilkenndaten im Anhang S. 43-46

Details

Seiten
57
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783640623389
ISBN (Buch)
9783640623396
Dateigröße
4.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150418
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Department für Geogrphie
Note
1,3
Schlagworte
Bodenkunde Skandinavien Norwegen Schweden Dänemark Klimatologie Bodenchemie Geomorphologie Ökozonen Ökosysteme Borealis boreale Gebiete Geographie

Autor

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Titel: Ein Vergleich ausgewählter Bodenprofile skandinavischer Standorte