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Petrus Abaelardus. Die Tugendlehre eines mittelalterlichen Denkers

Seminararbeit 2007 22 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhalt

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Entwurfe der Tugendlehre in den wichtigsten antiken philosophischen Stromungen

1. Abaelard in seiner Zeit
1.1 Historischer Hintergrund
1.2. Peter Abaelard/Petrus Abaelardus - Kurzbiographie
1.3. Wichtige Werke Abaelards fur das Thema „Tugendlehre“

2. Abelards Tugendlehre
2.1 „gut“ und „Gut“ bei Abaelard
2.2 Tugenden und Laster
2.3 Beherrschende Rolle der Intention
2.4 Schuld und Strafe

3. Resumee und Ausblick

Quellen

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Entwurfe der Tugendlehre in den wichtigsten antiken philosophischen Stromungen

„Tugend“ [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] wird in der griechischen und romischen Antike eine feste, meist als erlernt angesehene Haltung des Menschen zu einem lobenswerten und moralisch guten Leben genannt, durch das Gluck oder Seelenfrieden [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][1] erlangt werden kann.

Plato

Der griechische Philosoph Plato benennt in seiner [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], anknupfend an altere Traditionen, die vier Kardinaltugenden[2], die auch spater fur das Mittelalter immer noch die entscheidenden sind. Es handelt sich hierbei um Weisheit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Tapferkeit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Besonnenheit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und Gerechtigkeit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten]. Diese sind den drei Funktionen der Seele, der Vernunftfunktion, der Mutfunktion und der Begierdefunktion zugeordnet, wahrend die Gerechtigkeit das harmonische Verhaltnis der drei Funktionen herstellen soll. Die Weisheit, die zu erlangen am langsten dauert, ermoglicht durch die Erkenntnis von falsch und richtig die Grundlage fur die Anwendung der praktischen Tugenden[3].

Aristoteles

Fur Aristoteles sind die Tugenden Haltungen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], die erlernt werden. Sie bedingen sittliche Erkenntnis und damit die Handlungen eines Menschen, an denen man ablesen kann, ob er gut ist oder nicht[4]. Aristoteles unterscheidet zwischen:

erstens: Dianoethischen Tugenden, das sind Tugenden des Erkentnisvermogens/ Verstandestugenden, mit denen die Wahrheit erkannt wird, sie entstehen durch Belehrung und ergeben sich aus der Einsicht. Sie in Ganze zu erlangen muss Ziel des Menschen sein. Und zweitens: ethischen Tugenden oder Tugenden des Strebevermogens/

Charaktertugenden, die durch Gewohnheit entstehen und durch die Haltung [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] vermittelt werden. Sie bewirken, wenn man sie besitzt, dass man bei allen Handlungen jeweils das angebrachte MittelmaB zwischen zwei gleich negativen Extremen findet [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][5]. Weiterhin beruht gutes Handeln auf inneren Dispositionen [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] des Menschen, das ist die prinzipielle Fahigkeit zu gutem Handeln. Durch die Dispositionen sind wir also in der Lage, tugendhaft zu handeln und wenn wir das tatsachlich tun, zeigen sich unsere Tugenden als Eigenschaften[6].

Zum Erkennen von gut/richtig und schlecht/falsch sind laut Aristoteles Klugheit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Kunst [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Wissenschaft [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten], Weisheit [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] und Geist [Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten] vonnoten, die sich nur in praktischer Erfahrung bilden konnen[7].

Ein gutes Leben besteht aus der Wohlgeordnetheit der gesamten Lebensbezuge.

Stoa

Die Stoa zielt auf die Freiheit von allen Affekten. Nur wer sich von allen Affekten befreit, egal ob positiven oder negativen, kann Gluck erlangen. Gluck oder ein guter Verlauf des Lebens, ist auch hier das schlussendliche Ziel. Tugenden basieren auf dem Erkennen der gottlichen Weltordnung. Mit dem Erreichen volligen Gleichklangs mit dieser Weltordnung sind dem stoischen Weisen auch alle Tugenden im gleichen MaBe eigen.

Epikureer

Das Ziel der Epikureer war gleich dem der anderen philosophischen Stromungen die Gluckseligkeit, der Weg dorthin war dem der Stoiker jedoch entgegengesetzt. Die Gluckseligkeit erreicht der Mensch nur durch Freiheit von Schmerz und Unruhe. Die Quellen der Unlust, Furcht, Begierde, Schmerz, sind zu meiden, lustvolle Situationen aufzusuchen, da sie das Gelangen zur Gluckseligkeit fordern konnen.

Neuplatoniker

Hier werden die Tugenden auf verschiedene Stufen hierarchisiert. Das Erreichen einer hoheren Stufe bedeutet eine groBere Reinheit der Seele von den Affekten und der Sinnlichkeit des Korpers. Die Tugenden begunstigen also den Aufstieg der Seele in hohere geistige Spharen und haben somit funktionalen Charakter.

Paulus

Bei Paulus herrscht ein starker Dualismus zwischen gut und bose vor. Bose sind prinzipiell die Werke des Fleisches, gut die Werke des Geistes[8]. Das Ziel der paulinischen Theologie ist naturlich das Erreichen des Reiches Gottes, nicht mehr das Erreichen der Welterkenntnis wie bei den antiken Denkern. Grundlegend sind fur ihn daher auch die drei „theologischen Tugenden“ - Glaube, Liebe, Hoffnung[9], die nur von Gott gegeben werden konnen und dem Erfullen aller anderen Tugenden vorausgehen. Er gibt seinen Lesern gewissermaBen als Leitfaden einen Tugendkatalog an die Hand, welche Tugenden erstrebenswert und welche Laster zu meiden sind[10].

1. Abaelard in seiner Zeit

1.1 Historischer Hintergrund

Abaelard wirkte in den ersten 40 Jahren des 12. Jahrhunderts. Damit ist er Vertreter des Hochmittelalters und der erste bedeutende Fruhscholastiker, in dessen Tradition beispielsweise der groBe Thomas von Aquin steht.

Fur ein Verstandnis sowohl Abaelards als auch seiner Lehren ist es wichtig, zuerst die gesellschaftlichen Voraussetzungen genauer zu betrachten, unter denen er wirkte. In Abaelards Zeit fallt die „Renaissance des 12. Jahrhunderts“[11], Umbruche sowohl im Welt- als auch im Selbstverstandnis. Diese Renaissance bezieht sich auf alle Bereiche des geistigen Lebens. Sie beginnt mit der Wiederaufnahme des Studiums der Antike, wie beispielsweise des romischen Rechtes und der griechischen Philosophie[12] und endet mit der Grundung erster Universitaten.

GroBe Stadte entwickeln sich zu bluhenden Wirtschafts-, Kultur-, und Bildungszentren. Das Burgertum wird zu einer nicht zu unterschatzenden Macht und strebt nach Selbststandigkeit. Die groBen Kathedralen entstehen oder werden fertig gestellt. An ihnen beheimatete Kathedralschulen beginnen, die Rolle der Klosterschulen zu ubernehmen, wodurch Bildung mehr Menschen zuganglich wird.

Leif Grane[13] setzt dies in Zusammenhang mit der Entstehung und auBerordentlichen Ausbreitung des Zisterzienserordens[14]. Dieser wird von Bernhard von Clairvaux gegrundet, dem das klosterliche Leben, selbst noch in seiner cluniazensisch reformierten Variante, zu wenig das ist, was klosterliches Leben seiner Meinung nach ausmachen sollte. Die totale Gottesliebe beinhaltet nach seiner Auffassung die vollige Aufgabe egoistischer Wunsche und den volligen Aufgang der Eigenliebe in ebendieser Gottesliebe. Dafur erlegt er seinen Monchen strenge Askese und harte korperliche Arbeit auf und leitet sie zur Meditation an. Im Klosterleben ist seiner Meinung nach kein Platz fur literarische und schongeistige Arbeiten, wie sie besonders in den benediktinischen Klostern gepflegt werden. Selbst eine kunstlerische Ausschmuckung der Kirchen ist verboten. Auch die Bildung, die das Kloster vermitteln sollte, ist seiner Meinung nach einzig auf das Erlernen der rechten christlichen Lebensform auszurichten[15], sie steht „im Dienste des personlichen Strebens nach Vollkommenheit“.

[...]


[1] Vgl. Kranz, Die Griechische Philosophie, S. 119

[2] Vgl. Kranz, Die Griechische Philosophie, S. 188

[3] Forschner: Tugend, Philosophisch; in LThK, S.293. Diese Ansicht findet sich spater sehr ahnlich auch bei Abaelard wieder, siehe Seite 11

[4] Dies ist ein Fakt, dem Abaelard mit seiner Lehre von der entscheidenden Rolle der Intention energisch widerspricht, siehe Seite 14

[5] Frohlich, Aristoteles, S. 34f

[6] Frohlich, Aristoteles, S. 32

[7] Frohlich, Aristoteles, S. 43

[8] Bibel Einheitsubersetzung, Gal. 5,19-21; 22-23

[9] Bibel Einheitsubersetzung, Kor. 1; 13,13

[10] Bibel Einheitsubersetzung, Gal. 5,19-21; 22-23

[11] Grane, Abaelard, S. 7ff, Peppermuller, Abaelard, in der TRE, S. 14, Niggli, Peter Abaelard, S. 91

[12] Grane, Abaelard, S. 11

[13] Grane, Abaelard, S. 22f, S. 123, S.125

[14] Es werden noch in Bernhards Zeit nach der Grundung des Mutterklosters in Clairvaux im 12. Jahrhundert 68 Tochtergrundungen verzeichnet.

[15] Grane, Abaelard, S. 135f, Pieper, Scholastik, S.81f, Ernst, Petrus Abaelardus, S. 15

Details

Seiten
22
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783640618330
Dateigröße
462 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150365
Institution / Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Note
1,5
Schlagworte
Tugendlehre Moraltheologie Mittelalterliche Tugendlehre Sünde und Schuld Das Gute Abelard Abaelardus Mittelalter

Autor

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