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Die „Technoszene“ und ihre Auswirkungen auf die Sexualwertvorstellungen der Jugendlichen

Hausarbeit 2008 24 Seiten

Soziologie - Kinder und Jugend

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichtliche Hintergrunde des Technos
2.1. Die Anfange
2.2. Der Techno Boom

3. Techno eine Szene
3.1. Die „Raving Society“
3.1.1. Wer besucht Technoevents
3.1.2. Die Verschmelzung von Techno und Kommerz
3.1.3. Partys und Events
3.1.4. Kleidungsstil und Korperkultur
3.2. The Body is the Message

4. Sexualitat in der Jugendphase

5. Sexualitat und Techno - Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Quellen aus dem Internet

8. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen meiner Hausarbeit im Modul Jugendkulturen mochte ich mich mit dem Thema ,,Die Technoszene und ihre Auswirkungen auf die Sexualwertvorstellungen der Jugendlichen“ beschaftigen. Ausschlaggebend fur die Wahl ist, dass auch ich, als Autor dieser Arbeit, gerne Technoevents besuche und ofters mit subjektiven Einschatzungen Szenefremder konfrontiert werde. Die Diskussion um das brisante Thema, das besonders die Loveparade als Sexparade darstellt, nimmt kaum ab und findet vor allem in den Medien Anschluss. Dargestellt wird hau- fig, dass das Feiern auf Technopartys nur dazu da sei, seinen nackten Korper zur Schau zu stellen und moglichst hemmungslos und unkompliziert "Sexkontakte" zu knupfen.

Von der Loveparade 2007 liest man beispielhaft Folgendes:

“1,2 Millionen Techno- Fans”, die “ausgeflippte Outfits und viel nackte Haut” zeigten (BILD.de).

Das Spektakel bot “Popos, Bruste, gute Laune” (Spiegel-Online). In der Welt ist man an- scheinend noch immer von “viel nackter Haut, viel Musik und viel Alkohol” berauscht; so stand es in einem Loveparade- Artikel aus dem "Stern”, der mit der Uberschrift “viel nackter Haut“ betitelt wurde.

Aussagen wie diese fordern Thesen, die allen Besuchern von Technoevents Freizugigkeit und Gier nach Sex unterstellen.

Da aber auch ich bekennender Fan der angesprochenen Musikszene bin, weifi ich, dass es auf Events meist anders ablauft, als es von aufien dargestellt wird. Die Vermutung liegt nahe, dass die so genannte Raving Society wenig ergrundet ist und sich vielen Vorurteilen zu stellen hat.

Ich ergreifen die Moglichkeit, die Technoszene mit ausgewahlten Besonderheiten und Cha- rakteristika genauer zu beschreiben.

Anschliefiend lenke ich den Fokus auf die allgemeine Problematik der Jugendlichen und ihr verfruhtes Ausleben der Sexualitat.

Im Abschluss dieser Arbeit versuche ich zu erklaren, was die Masse der Bevolkerung dazu veranlasst anzunehmen, dass die meisten Technopartys als obszon und die Besucher diese Veranstaltungen als pervers dargestellt werden.

2. Geschichtliche Hintergrunde des Technos

Bis Techno zu dem, was es heute ist, geworden ist, hat es eine lange geschichtliche Entwick- lung hinter sich. Dies wird nun zum Beginn dieser Arbeit thematisiert. Am Anfang dieses Ka- pitels geht es um die Anfange der Technobewegung, die sich bis Mitte der 90er Jahre hinzo- gen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt der Techno Boom, der im Weiteren angerissen wird. Gera- de diese Thematik ist wichtig fur das weitere Verstandnis dieser Arbeit.

2.1. Die Anfange

Wie Vieles im Umfeld von Techno ist auch die Geschichte heifi umstritten. Diverse DJ's in verschieden Landern melden ihre Anspruche als Miterfinder der elektronischen Klange an. Tatsachlich begann die Techno-Geschichte jedoch in Detroit. In einer Stadt, in der einst die Autobranche boomte, in der jedoch, als Folge von Rationalisierung und Computerisierung, immer mehr Arbeitsplatze verloren gingen. Schliefilich wurde Detroit hauptsachlich durch die hohen Zahlen der Arbeitslosen und die enormen Kriminalitatsraten bekannt. Gerade die Afro- amerikanerlnnen liefien sich durch die maschinellen Klange, die sie am Verlust ihrer Ar­beitsplatze erinnerten, inspirieren und verarbeiteten ihre Hoffnungslosigkeit in Musik.

Doch zuvor nennt Patrick Walder diverse Musikinterpreten, die als Vorreiter des Techno's an- gesehen werden konnen. Schon 1913 schrieb Luigi Russolo in seinem veroffentlichten Mani­fest “Die Kunst der Gerausche”: “Wir finden viel mehr Befriedigung in der Gerauschkombi- nation von Strafienbahnen, Auspufflarm und lauten Menschenmassen als, beispielsweise, im Einuben der >Eroica< oder >Pastorale<.”[1] Als ein weiterer wichtiger Pionier der elektroni­schen Musik bezeichnet Patrick Walder den Kolner Karlheinz Stockhausen. Schon in den funfziger Jahren aufierte sich dieser in seinem Credo: “Alle Klange und Gerausche sind Mu­sik.”[2] [3] [4] Karlheinz Stockhausen setzte schon damals seine Musik in komplexen Montagen aus naturalistischen und synthetischen Klangen um. Pierre Schaefer kreierte Musik aus Alltagsge- rauschen wie z. B. Schreibmaschinenklappern, Sirenengeheul, etc.. Er arbeitete schon mit dem Sampling-Prinzip.3 4

Anfang der siebziger Jahre wurde Filmmusik zum Teil elektronisch hergestellt. Der Film “Die Vogel” von Alfred Hitchcock und der Soundtrack “A Clockwork Orange” sind vielleicht die beruhmtesten Beispiele jener Zeit.[5] In New York entwickelte Steve Reich eine minimalisti- sche Kompositionstechnik, die auf der vielfachen Wiederholung kurzer, leicht variierender Passagen beruhte. Er arbeitete schon damals mit der Technik des Wiederholens und des Scrat- chens[6] wie die Technoszene heute. Philip Glass arbeitete mit ahnlichen Techniken und er- reichte mit seiner Musik eine hypnotische Wirkung. Der eigentliche Umbruch erfolgte aber erst Ende der sechziger Jahre als grofie kulturelle und politische Veranderungen stattfanden und die Verbreitung von psychedelischen Drogen aufkam. So begannen Musikgruppen, wie zum Beispiel die Beach Boys oder auch Pink Floyd, sich diese neuen Techniken anzueignen.[7]

1967 fand sich die Gruppe “Tragerine Dream” in Berlin zusammen. Tragerine Dream fun- gierte erst als Rockband, widmete sich spater aber ausschliefilich der elektronischen Musik. Sie arbeiteten mit Synthesizer- Schwebeklangen und wollten eine Musik schaffen, die den Menschen Hoffnung und Freude vermittelte. Statt auf Hass, Aggression und Verzweiflung setzten sie aufHarmonie.[8]

Die heutigen DJ's sind sich einig, dass sie sich am meisten von Tragerine Dream und Kraft- werk inspirieren liefien.

1968 trafen sich die Grander von Kraftwerk, Ralf Hutter und Florian Schneider, an der Kunst- akademie in Dusseldorf. Nach ihrem ersten Album “Tone Float” richteten sie 1970 ihr erstes Studio das “Kling Klang” ein. Ihr Musikkonzept beschrieben Kraftwerk als: “rauf/ runter; vor/ zuruck; schnell/ langsam; laut/ leise; linear/ vertikal; weich/ hart; verdichtet/ geoffnet; schon/ hasslich; dumpf/ hell.”[9] Mit dem vierten Album “Autobahn” veranderte sich der Sound wie auch der einst freakige Klamottenstyle Krafwerks. In Folge dieser Veranderung leisteten sie sich einen Mini- Moog- Synthesizer, der damals noch soviel wie ein Kleinwagen kostete. Auch, wie schon erwahnt, anderten sie ihren Kleidungsstil und gingen uber zum Einheitslook. Dieser sollte Arbeiter mit Maschinen symbolisieren, die Volksmusik spielen.

Einige Jahre spater, 1976 brachte der Franzose Jean- Michel Jarre das Album “Oxygene” her- aus, bei dem er in seinem Heimstudio aus klassischen, harmonischen Klangen elektronische Musik erstellte. “Oxygene” verkaufte sich weltweit uber acht Millionen Mal.[10] [11]

Ende der 70er Jahre endete erst einmal die elektronische Ara abrupt, da die Punk-Musik po­pular wurde. Die Punk-Generation war jedoch nicht lange bestandig, da sie mangelhaft orga- nisiert war. So hielten die konservativen Werte und die wirtschaftliche Modernisierung wieder ihren Einzug. Durch diesen unglaublichen Fortschritt in der Technik wurde das Gluck am Konsum gefunden. Jede Zeit wurde durch ihre Musik dokumentiert und Techno ist die Musik der Computerisierung.[12]

Ab 1980 erlebte Deutschland das “Neue Deutsche Welle Fieber”, wo Gruppen wie Trio, Deutsch-Amerikanische Freundschaft (DAF), Nena so wie viele andere, oft ziemlich trivial mit der deutschen Sprache umgingen. Die Rhythmen waren monoton. Die wenigsten Gruppen uberlebten bis zur heutigen Zeit.

Viele empfinden Techno auch als monoton. Kennerlnnern wissen, dass sich hinter dem sim- plen Oberbegriff “Techno” eine unglaubliche Musikvielfalt verbirgt[13]

Dies erklart auch, warum so viele Lander behaupten, dass Techno in ihrem Land entstanden sei, da sie alle an der Entwicklung dieser Musik beteiligt waren. Wie fast alles in den westli- chen Industrienationen, ist auch Techno ursprunglich uber den grofien Ozean gekommen.

Meist wird gerade noch zwischen Techno und House- Musik unterschieden. House- Musik ist in seinen Klangen wesentlich weicher und melodischer als der hammernde Techno- Beat. House wurde 1980 in Chicago geboren, zu einer Zeit, als die amerikanische Disco- Szene fur tot erklart wurde. Trotzdem gab es noch eingefleischte Clubszenen in Chicago und spater auch in New York, wo Farbige im Gay- Underground[14] ihre eigene Musik produzierten. In den Plattenladen sprachen die Leute bald von “that sound they play down the house”.[15]

[...]


[1] Walder, Patrick; 1995, S. 10

[2] Walder, Patrick; 1995, S. 10

[3] Abmischen von Musikfetzen, Gerauschen, Rhythmen und Stimmen

[4] vgl.: Walder, Patrick; 1995, S. 10

[5] vgl.: Walder, Patrick; 1995, S. 10

[6] Unter Scratchen (engl. ,,to scratch“ = ,,zerkratzen“) versteht man die Erzeugung von Tonen durch rhythmisches Hin- und Herbewegen einer laufenden Schallplatte auf einem Schallplattenspieler bei aufgelegter Nadel.

[7] vgl.: Walder, Patrick; 1995, S. 11

[8] vgl.: Walder, Patrick; 1995, S. 11

[9] Walder, Patrick; 1995, S. 11

[10] vgl.: Walder, Patrick; 1995, S.12

[11] vgl.: http://www.lautde/wortlaut/artists/j/jarrejean_michel/biographie/

[12] vgl.: Walder, Patrick; 1995, S.13

[13] Siehe Kapitel 2 - Unterarten von Techno

[14] Treffpunktder Homosexuellen

[15] Walder, Patrick; 1995, S. 17

Details

Seiten
24
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783640615087
ISBN (Buch)
9783640615636
Dateigröße
577 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150336
Institution / Hochschule
Universität Vechta; früher Hochschule Vechta – Institut für Soziale Arbeit, Bildungs- und Sportwissenschaften
Note
1,6
Schlagworte
Techno Szene Sex Sexualwertvorstellungen Vorstellungen Jugendliche Jugendkulturen Soziale Arbeit Technoszene Körperkult Loveparade verfrühtes Ausleben der Sexualität Technopartys Adoleszenz Geschlechtsverkehr-Erfahrung Jugendbewegung

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Titel: Die „Technoszene“ und ihre Auswirkungen auf die Sexualwertvorstellungen der Jugendlichen