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Geschlechtsspezifische Konnotationen im Fach Sport

Diversität in der Schule

Hausarbeit 2010 12 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung
1.1 Ein kurzer Überblick über das Thema

2 Gender und Unterricht

3 Eine geschlechtertheoretische Perspektive auf den (Schul)Sport
3.1 Die geschlechtertheoretische Perspektive
3.2 Schuladministrative Rahmenbedingungen für den Schulsport
3.3 Gender und schulinterne Schulsportentwicklung
– eine Bestandsaufnahme

4 Reflexive Koedukation vs. geschlechtshomogenes Unterrichten
im Schulsport

5 Interviews mit Experten zum Thema
5.1 Gender und Gender Mainstreaming im Schulsport – eine Studie

6 Literatur

1 Einführung

Der Sportunterricht nimmt im Stundenplan einer jeden Klasse seinen festen Platz ein – zumindest im Idealfall. Im Sportunterricht werden geschlechtsspezifische Unterschiede besonders deutlich, Leistungen werden differenziert und neue Erkenntnisse berücksichtigt.

Wie kann heutzutage in Einstimmung mit den curricularen Vorgaben ein geschlechtssensibler Unterricht gestaltet werden? Sollte man überhaupt auf das Geschlecht Rücksicht nehmen? Die Frage nach Doing/ Undoing Gender wird auch in dieser Hausarbeit gestellt. Wird vor allem den Mädchen und Frauen adäquate Partizipation im Sportunterricht eingeräumt? Oder beziehen sich die neuen Studien nur auf die Jungenförderung? Wenn ja, was stellt sich hierbei als Problem heraus?

In dieser Hausarbeit soll besprochen werden, inwiefern das Geschlecht eine Rolle im schulischen Sportunterricht spielt, welche Vorgaben es für die Bewertung gibt, inwiefern Lehrer die Möglichkeit haben, sich zu diesem Thema fortzubilden, und was noch getan werden muss, damit Jungen und Mädchen gleichberechtigt behandelt werden können. Oder sollen sie das gar nicht?

Wie kann man die Vielfalt von Gender in den Gruppen der Schulen wahrnehmen und im Sportunterricht pädagogisch mit diesen umgehen?

Antworten auf diese Fragen werden im Folgenden gesucht.

1.1 Ein kurzer Überblick über das Thema

Das Thema „Doing / Undoing Gender“ ist ein großes Thema in der Unterrichtsentwicklung wie auch im Alltag. Mache ich als Lehrerin Unterschiede zwischen den Geschlechtern meiner Schüler und Mitmenschen? Lasse ich Stereotypen meinen Eindruck bestimmen oder bin ich in der Lage, auch diejenigen zu sehen die „anders“ sind und in mein Schema nicht hineinpassen? Geschlecht fungiert hier als eine „Kategorie sozialer Ordnung“1. Undoing Gender wird als „Geschlechtsneutralität“2 beschrieben, als eine „Unterbrechung des Konstruktionsprozesses“3.

Hagemann White schreibt dazu: „Selbst die größten Unterschiede, die zwischen den Geschlechtern berichtet wurden, sind ohne Zweifel weit geringer als die Variationen innerhalb eines Geschlechts.“4 Hiermit ist allerdings kein Ignorieren der Geschlechter gemeint, denn dieses würde zur Geschlechtsblindheit führen; diese wiederum führt hin zur Tradierung bestehender Geschlechterverhältnisse, und gerade dies ist unerwünscht. Doing Gender beschreibt nach Gramespacher die „geschlechtsbezogene Auseinandersetzung von Individuen mit ihrer Umwelt“5. Diese Auseinandersetzung muss dabei kein ununterbrochener Prozess sein; ich kann als Mädchen einen typischen „Jungensport“ interessant finden und trotzdem als erwachsene Frau, wenn ich meine Identität gefunden habe, Ballett tanzen, weil es der Sport ist, der mich am meisten fasziniert.
Hirschauer schreibt dazu: „Man ist nicht zeit - und ortspezifisch ein Geschlecht, sondern konstant und ubiquitär.“6

Gender wird in der Geschlechterforschung nicht als sexuelles Geschlecht, sondern als soziales Geschlecht untersucht. Hierbei wird Gender von den Individuen interaktional mit der Umwelt ausgehandelt und (re)produziert. Dies ist jedoch ein meist unbewusster Prozess. Diese Gendering-Prozesse sind mit der Strukturkategorie Geschlecht verwoben, beide bedingen sich wechselseitig und beziehen sich dynamisch aufeinander. Dieses Konzept wird dann als „Doing / Undoing Gender“7 bezeichnet.

2 Gender und Unterricht

Im Unterricht ist es besonders wichtig für den Lehrer/ die Lehrerin, sich Gedanken über die Vielfalt des Genders der Schüler(innen) zu machen.

Das Ziel des politischen Programms Gender Mainstreaming ist die Chancengleichheit. Sie setzt voraus, dass jeder Schüler und jede Schülerin die gleichen Aufstiegs- und Entfaltungschancen bekommt, wenn er oder sie die erforderlichen Leistungen bringt. Andresen & Dölling unterscheiden hier zwischen der „repräsentativen Chancengleichheit“8 und der „bedingten Chancengleichheit“9. Bei ersterem handelt es sich um die Chancengleichheit, die sich am Resultat geschlechterpolitischer Maßnahmen orientiert ;die zweite verlangt nur den gleichen Zugang zu Fähigkeiten und Leistungen für beide Geschlechter, weshalb die Chancengleichheit hier oft nur faktisch, nicht aber reell besteht.

In der Schulkultur werden Gender und damit zusammenhängende Machtstrukturen bewusst oder unbewusst (re)produziert, es entstehen durch den Umgang mit Gender Hierarchiestrukturen. Der Unterricht wird einerseits durch den administrativ gegebenen Lehrplan. andererseits durch den heimlichen Lehrplan bestimmt, wobei beide „geschlechtsbezogene Vorstellungen“10 transportieren. Der heimliche Lehrplan ist nach Gramespacher durch personelle Hierarchien, klischeehafte Lehr-und Lernmittel, Rollennormen / Rollenorientierung und durch Interaktion zwischen Schülern und Schülerinnen geprägt. Über diese vier Faktoren werden nun „soziale und ideologische Normen weitergegeben“11, hierdurch erreicht der heimliche Lehrplan seine Ziele auf subtile Weise (dies nur als Beispiel).

Der gendersensible Unterricht ist also in ein komplexes Gefüge eingebettet, welches die Lehrer(innen) dazu auffordert, ihren Unterricht sorgfältig zu planen, durchzuführen und zu reflektieren. Genderkompetenz erfordert von den Lehrer(innen) das Interesse an geschlechterbezogenen Anliegen und deren Bezug zu den eigenen Fächern. Auch Offenheit für eine vorurteilsfreie Selbstreflektion von Gender als sozialer Kategorie weist auf eine Einstellung, die Genderkompetenz begünstigt – ist diese nicht vorhanden oder kein Interesse da, wird der/die Lehrer(in) sich kaum bemühen, die Chancengleichheit zu bieten. Eben weil Genderkompetenz auf dieser inneren Einstellung der Lehrer(innen) basiert, sollten diese Kenntnisse möglichst professionell und auch schon in der Lehrer(innen)bildung vermittelt werden – durch Studium, Referendariat und Fortbildungen.

Ob diese Genderkompetenz im Sportunterricht vorhanden ist, kann nach Gramespacher eine entsprechende fachliche oder geschlechterpädagogische Begründung für die Umsetzung von Koedukation zeigen.12 Auf diese soll später noch eingegangen werden.

3 Eine geschlechtertheoretische Perspektive auf den (Schul)Sport

Im Zusammenhang von Gender und Schulsport spielen vor allem die schulexternen Rahmenbedingungen eine große Rolle. Im Wesentlichen sind dies die geschlechtertheoretische Perspektive auf den Sport sowie die Umsetzungen, die sich daraus bildungspolitisch ableiten.

3.1 Die geschlechtertheoretische Perspektive

Beim Sport ist das zentrale Medium der Körper – so kommt das biologische Geschlecht im Sportunterricht unmittelbar zum Tragen. Besonders im Leistungssport sind die Unterschiede, die durch obige Erkenntnis resultieren, gravierend: Frauen werden anders bewertet als Männer, weil es sonst zu einem unfairen Leistungsvergleich käme. Diese Tatsache zeigt zugleich die für die jeweilige Sportart übergeordneten Werte und transportiert so die angepasste Beurteilung darüber, wer diesen Sport ausüben sollte und mit welchen Zielen er dies tut. Auch die (unbewusst) bestehenden Körperideale von Frauen und Männern werden so betont und eingeübt (Ästhetik durch Gymnastik bei Frauen, Schnelligkeit und Stärke durch Ballspiele und Leichtatlethik bei Männern).

Im Sportunterricht sind die Jungen durchschnittlich schneller als die Mädchen, was aber eben heißt, dass nicht alle Jungen schneller sind als alle Mädchen. Hier wird wieder sichtbar, was Hagemann-White sagte (s.S.3). Aus diesen Verbindungen zwischen Sport und Gender haben sich nach Gramespacher im (Schul)Sport drei spezifische Merkmale für Frauen13 ergeben: 1. Die Festlegung auf bestimmte Sportarten – z.B. tänzerisch-ästhetische Sportarten, 2. die Exklusion in Bezug auf bestimmte Sportarten (z.B. das Verbot für Frauen Fußball zu spielen im Nachkriegsdeutschland) und 3. die Herausbildung von alternativen Sportarten durch spezifische Regelwerke – in den USA gibt es Baseball für Männer und das daraus entwickelte Softball für Frauen.

Im Sportunterricht sollten die Lehrer(innen) aber in der Lage sein, diesen größtenteils geschlechtsstereotypischen Annahmen aus dem Weg zu gehen. Die Überwindung dieser Vorstellungen ist im Schulsport möglich und sportpädagogisch sinnvoll. Gerade hier besteht die Chance, den Körper nicht auf seine Funktion als Bewegungsapparat zu reduzieren. Viel mehr sollte der Körper als „unmittelbarer Träger sozialer Bedeutung, Intentionen und Folgen – und damit auch als Träger der sozialen Bedeutung von Geschlecht - den Schüler(innen) bewusst und damit verfügbar gemacht werden“14.

[...]


1 Gramespacher, 2008, S. 16

2 Ebd.

3 Ebd.

4 Hagemann-White, 1984, S.13

5 Gramespacher, 2008, S. 15

6 Hirschauer, 2001, S. 215

7 Hirschauer, 1994; 2001

8 Andresen & Dölling, 2005, S.183

9 Ebd.

10 Gramespacher, 2008, S. 54

11 Ebd, S. 55

12 Gramespacher, 2008, S. 56

13 Ebd, S.63

14 Gramespacher, 2008, S. 64

Details

Seiten
12
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783640616954
ISBN (Buch)
9783640616398
Dateigröße
476 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v150304
Institution / Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung) – Institut für Sozialwissenschaften
Note
1,3
Schlagworte
Geschlecht Schulsport Sport Schule Unterschiede

Autor

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